The Project Gutenberg eBook of Unser Familien-Arzt

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Title: Unser Familien-Arzt

Author: H. R. Stout

Release date: February 8, 2016 [eBook #51147]

Language: German

Credits: E-text prepared by Constanze Hofmann, Juliet Sutherland, Reiner Ruf, and the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSER FAMILIEN-ARZT ***

 

E-text prepared by
Constanze Hofmann, Juliet Sutherland, Reiner Ruf,
and the Online Distributed Proofreading Team
(http://www.pgdp.net)

 

Anmerkungen zur Transkription:

In der originalen Frakturschrift wird zwischen den Großbuchstaben ‚I‘ und ‚J‘ nicht unterschieden, daher wurden den Namensinitialen willkürlich der wahrscheilichere Buchstabe ‚J‘ zugeordnet. Bei ‚Iodide‘ wurde, passend zur entsprechenden englischen Bezeichnung, ein ‚I‘ verwendet; bei den deutschen Bezeichnungen ‚Jod‘ und ‚Jodid‘ aber der Buchstabe ‚J‘.

Passagen in Antiquaschrift werden hier kursiv dargestellt. Für gesperrt gedruckte Passagen wird serifenlose Schrift verwendet.

Eine Übersicht über die korrigierten Fehler findet sich am Ende dieses Textes.


 

 

 

Unser Familien-Arzt.


Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-
Heilmethode.

Eine

vollkommen zuverlässige Anweisung

zur

Entdeckung aller solcher Krankheiten, die ohne ärztliche Hilfe von irgend einer intelligenten Person in ihrem Verlaufe gehemmt oder behandelt werden können.

Mit besonderer Berücksichtigung

der

prompte, energische Maßregeln erheischenden, sowie der in Amerika vorkommenden Krankheitsfälle.

Nebst

einer vollständigen und deutlichen Anweisung zur Krankenpflege, Zubereitung der Krankenkost u.s.w.


Chicago.

J. S. Goodman & Co.

Cincinnati. C. F. Vent & Co.

San Francisco. H. H. Bancroft & Co.

1869.


Entered according to Act of Congress, in the year 1869, by

J. S. GOODMAN & CO.,

In the Clerk’s Office of the District Court of the United States, for the Northern District of Illinois.


[S. 3]

Vorwort der Verleger.

Schon längst sind wir davon überzeugt, daß sich in unserem Lande das Bedürfniß nach einem bündig gefaßten Werke, das billig verkauft werden kann, und welches eine zuverlässige Anweisung für die erfolgreiche Behandlung solcher Unpäßlichkeiten, Krankheiten und körperlichen Beschädigungen enthält, die von irgend einer intelligenten Person ohne ärztliche Hülfe behandelt werden mögen, vorhanden ist: Ein Werk, das nicht den Anspruch macht, alle die betreffenden Kenntnisse zu bieten, noch unter allen Umständen die Hülfe eines Arztes unnöthig zu machen, denn es giebt Fälle, deren Behandlung berufsmäßige Geschicklichkeit und lange Erfahrung erfordert.

Es giebt jedoch — dies ist einleuchtend — eine große Anzahl Krankheitsfälle, welche mit Hülfe solcher Belehrung, wie die in der vorliegenden Abhandlung leicht gehoben werden können, während andere gleich beim Anfang die promptesten, energischsten Mittel nöthig machen, widrigenfalls sie sich, ehe noch ein Arzt eintreffen kann, so sehr steigern, daß das Leben des Patienten gefährdet wird.

[S. 4]

Der Schreiber dieses erinnert sich noch recht wohl des plötzlichen Erkrankens seines Familienarztes, welcher unerwartet in seiner Office von jener fürchterlichen Seuche, der Cholera, befallen wurde, und ehe Hülfe geleistet werden konnte, dem Tode verfallen war.

Auch erinnert sich der Verfasser dieser Vorrede noch recht wohl, wie dankbar er dafür war, daß er ein Buch hatte, welches genau angab, was bei Croup-Anfällen zu thun sei, als er zum erstenmal mitten in der Nacht durch den Croup-Husten seines einzigen Kindes aufgeweckt wurde.

Durchdrungen von der oben ausgedrückten Ueberzeugung, sahen wir uns nach einem Autor um, welcher einerseits mit unseren Ansichten völlig übereinstimmte und andererseits die Fähigkeit hatte, dieselben in praktische Form zu kleiden, und nachdem wir längere Zeit vergeblich uns bemühten, sind wir sicher, den rechten Mann gefunden zu haben, und legen nun dem Publikum das Resultat seiner Arbeit mit der Zuversicht vor, daß dieses längst gefühlte Bedürfniß durch dieses Werk vollkommen befriedigt ist.

Um das Buch noch brauchbarer und praktischer zu machen, sind die verschiedenen Behandlungsweisen der verschiedenen medizinischen Schulen angegeben: die allöopathische, die homöopathische, die hydropathische, die eclectische und die Kräuter-Heilmethode, so daß man je nach Bequemlichkeit oder Ueberzeugung zu der einen oder der andern greifen, oder eine nach der andern anwenden kann, falls die erst angewandte nicht den erwünschten Erfolg erzeugt hätte. Wenn z. B. eine auf dem Lande, weit von einem Arzte oder einer Apotheke lebende Person sich plötzlich eine heftige Erkältung zuzieht und ein Fieber im Anzuge ist, mag sie — obgleich die allöopathische Kurmethode vielleicht vorziehend — zur Kräuter- oder Wasser-Heilmethode mit dem besten Erfolg greifen.

Diese Zusammenstellung der verschiedenen Heilmethoden ist originell und wird, wie wir glauben, in keinem anderen Buche gefunden.

Der Name des Autors ist, wie der Leser bemerken wird, nicht angegeben und zwar deshalb, weil er ein Graduirter eines [S. 5] medizinischen Collegiums, ein angesehener Arzt einer der medizinischen Schulen ist und seine Stellung unter seinen Fachgenossen verlieren würde, sobald bekannt wäre, daß er nebst den in seiner Schule üblichen Behandlungsweisen auch andere angegeben habe. Erst kürzlich wurde ein hochgestellter allöopathischer Arzt in New-York „disciplinirt,“ weil er mit einem ebenso intelligenten und ausgezeichneten homöopathischen Arzte sich berathen hatte. So lange solcher Geist selbst noch unter den intelligenteren Kunstgenossen herrscht, kann man es unserem Autor nicht verargen, wenn er seinen Namen verschweigt, und dies um so mehr, als durch die Nennung desselben doch nichts Gutes bezweckt würde.

Der Werth des Werkes wird demselben entweder Erfolg sichern, oder das Mißfallen des Publikums zuziehen; aber wir übergeben es der Oeffentlichkeit mit dem festen Glauben, ja wir möchten sagen, mit der unzweifelhaften Gewißheit, daß es mit Beifall aufgenommen werden und ein kostbarer Familienschatz in tausenden Häusern werden wird. Daß dies der Fall sein möge, ist der Wunsch

Der Verleger.

Chicago, September 1868.


[S. 6]

Vorrede des Verfassers.

Dieses Werk der Beurtheilung des Publikums übergebend, bin ich überzeugt, durch dasselbe einem langgefühlten Bedürfniß für ein Familienbuch der Heilkunde, das allen Klassen entspricht, nachzukommen. Dasselbe ist hauptsächlich für die Erfordernisse der Landbevölkerung und solcher geschrieben, die weit entfernt von größeren Ortschaften oder solchen Plätzen wohnen, wo zuverlässige Hülfe in Krankheitsfällen beschafft werden kann. Viele können sich gewisser Zeiten erinnern, in welchen, wäre ein solches Buch vorhanden gewesen, großen Leiden vorgebeugt, oder selbst dann und wann ein Leben hätte gerettet werden können. Da unser Leben, auch wenn wir ein hohes Alter erreichen, immerhin ein sehr kurzes ist, so ist die Pflicht, dasselbe womöglich bis zu der dem Menschen zugemessenen Zeit zu verlängern, eine deutliche; Niemand kann sagen, wann ihn eine Krankheit befallen, wann er durch einen Unfall körperlich bedeutend beschädigt werden wird, und wir sollten gegen solche Fälle stets vorbereitet sein.

[S. 7]

In der Ausarbeitung dieses Werkes habe ich mich bemüht, jede Krankheit in so einfacher Weise zu beschreiben als möglich, indem ich mir Mühe gab, technische und wissenschaftliche Ausdrücke so weit dies geschehen konnte, zu vermeiden und eine Sprache zu gebrauchen, die jedes Kind verstehen kann. Alle Fremdwörter aber, die nothwendiger Weise gebraucht werden mußten, sind entweder sogleich erklärt oder findet sich deren Erklärung im Fremdwörterverzeichniß.

Um allen Klassen und den Anhängern der verschiedenen medizinischen Schulen etwas zu bieten, habe ich bei jeder Krankheit die Behandlungsweise der verschiedenen Methoden beigefügt und dabei alle Vorurtheile, die ich für oder gegen diese oder jene Schule haben mag, in den Hintergrund treten lassen, indem ich jeder derselben volle Gerechtigkeit widerfahren ließ und sowohl meine Erfahrung als die anderer benützte, denn es wurden die besten Autoritäten Europas und Amerikas zu Rathe gezogen, so daß man sich auf die Angaben dieses Buches verlassen kann.

Zur Bequemlichkeit und Nachhülfe beim Nachschlagen ist das Werk eingetheilt wie folgt:

Erster Theil: Allgemeine Krankheiten.

Jedes Kapitel dieses Theils führt Krankheiten verschiedener Körpertheile auf, sowie allgemeine Krankheiten. Jede derselben ist deutlich behandelt, indem die Symptome, die Ursachen und die Behandlung der verschiedenen medizinischen Schulen pünktlich angegeben sind.

Zweiter Theil: Frauenkrankheiten.

Unter dieser Ueberschrift wird über Menstruation, mit ihren Störungen, Schwangerschaft und die Behandlung der Krankheiten während derselben, Entbindung u. s. w. abgehandelt.

[S. 8]

Dritter Theil: Kinderkrankheiten.

In diesem Theile finden sich wertvolle Winke bezüglich der Verpflegung, der Kost und der allgemeinen Behandlung der Kinder, sowie Abhandlungen über Kinderkrankheiten.

Vierter Theil: Verschiedene Krankheiten.

Unter dieser Ueberschrift werden die nicht im ersten Theile eingeschlossenen Krankheiten aufgeführt, und sind Anweisungen gegeben, wie man die Scheintodten wieder zum Leben bringen kann. Dieser Abtheilung sind auch werthvolle Bemerkungen über die Krankenpflege beigefügt, nebst einer vollständigen Anweisung für die hydropathische Behandlung der Krankheiten.

Unter dem Titel — Pharmacie ist die Zubereitung mancher in diesem Buch angegebenen Arzneien vorgeschrieben.

Fünfter Theil: Wundarzneikunst.

In diesem Theil werden solche Behandlungen und Mittel der Wundarzneikunde angegeben, welche von jeder intelligenten Person in Anwendung gebracht werden können. Außerdem finden hier die Gifte nebst ihren Gegenmitteln und ein Verzeichniß der medizinischen Ausdrücke einen Platz.

In dem Symptom-Verzeichniß sind die hauptsächlichen Symptome der am häufigsten vorkommenden Krankheiten angegeben, und wird dasselbe den Personen, die unwohl fühlen, aber nicht gerade sagen können, was ihnen fehlt, gute Dienste leisten.

Daß das Werk zum Besten der Menschheit eine weite Verbreitung finden und hierdurch die darauf verwendete Arbeit vergüten möge, ist der aufrichtige Wunsch des

Verfassers.

Chicago, Januar 1869.


[S. 9]

Zeugnisse.

Die folgenden anerkennenden Zeugnisse wurden von ausgezeichneten Aerzten der Homöopathischen, Allöopathischen und Eclectischen Schulen ausgestellt.

Herren J. S. Goodman & Co., Verleger:

Meine Herren! — Daß in Ihrem zu publizirenden Werk „Unser Familien-Arzt“ die Krankheiten genau und richtig beschrieben sind, und daß die darin angegebene Heilkunde zuverlässig ist, kann ich nach einer Prüfung der mir zugesandten Probebogen des Buches bezeugen.

N. F. Cooke, M. D.,

Professor der Theorie und Praxis am Hahnemannischen medizinischen Collegium.

Chicago den 6. Febr. 1869.


Ich beglaubige hiermit, daß ich das Werk „Unser Familien-Arzt,“ welches von J. S. Goodman & Co. publizirt werden wird, geprüft habe und in demselben die Symptome der Krankheiten richtig angegeben sind, wie denn das Buch überhaupt das Vertrauen des Publikums verdient.

H. S. Hahn, M. D.

Chicago den 8. Febr. 1869.


Meine Herren! — Auf Ihr Ersuchen habe ich die Probebogen Ihres Werkes „Unser Familien-Arzt“ durchgelesen und es macht mir Vergnügen dasselbe zu empfehlen. Es gibt die richtige Behandlungsweise der Krankheiten an und verdient eine weite Verbreitung.

J. F. Cooke, M. D.,

Professor im Bennett medizinischen Collegium, Chicago.

Den 8. Febr. 1869.


[S. 10]

Inhalts-Verzeichniß.

Erster Theil. — Allgemeine Krankheiten.

Erstes Kapitel.

(Seite 17.)

Krankheiten der Haut. — 1. Ausschlagfieber.AusschlagNesselfieberRoseMasernScharlachfrieselScharlachfieberWindpockenBlatternVarioliden.

2. Chronische Hautausschläge.Jucken und Reizung der HautFrostbeulenZittermahl oder GürtelroseFlechtenKrätzeMilchschorfGrindkopfHühneraugenWarzen.


Zweites Kapitel.

(Seite 65.)

Fieber.Gewöhnliches oder eintägiges FieberEntzündliches FieberNervenfieber oder TyphusGehirnfieber oder GehirnentzündungRemittirendes oder GallenfieberIntermittirendes oder WechselfieberGelbes Fieber.


Drittes Kapitel.

(Seite 99.)

Geisteskrankheiten.Hypochondrie oder SchwermüthigkeitHysterie oder BauchnervensuchtMelancholie oder TrübsinnManie, Irr- oder Wahnsinn.

[S. 11]


Viertes Kapitel.

(Seite 106.)

Krankheiten des Kopfes.Congestion oder Blutandrang nach dem KopfeSchwindel (Dizziness) — SchlagflußGehirnentzündungSonnenstichKopfweh durch Catarrh verursachtKopfweh durch Blutandrang verursachtKopfweh durch Rheumatismus verursachtKopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursachtSympathetisches Kopfweh (Sick Headache) — Nervöses Kopfweh (Neuralgia in the Head) — Ausfallen des Haares.


Fünftes Kapitel.

(Seite 131.)

Augenkrankheiten.Niederfallen des AugenlidsEntzündung und Anschwellen des AugenlidsEntzündung des Rands des AugenlidsEntzündung des AugapfelsChronische AugenentzündungChronische skrophulöse AugenentzündungGerstenkorn am AugenlidNasse oder thränende AugenSchwarzer StaarAugenschwächeBlindheitKurzsichtigkeitWeitsichtigkeitSchielaugeFremde Körper im Auge.


Sechstes Kapitel.

(Seite 147.)

Ohrenkrankheiten.Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden TheileOhrenentzündungOhrenwehOhrensausenSchwerhörigkeitOhrlaufenDurchstechen des OhrläppchensFremde Körper im Ohr.


Siebentes Kapitel.

(Seite 155.)

Krankheiten der Nase.Entzündung und Anschwellen der NaseNasenblutenSchnupfen oder Erkältung im Kopf (Catarrh) — Eiterung der NaseNasenpolypNasenkrebsFremde Körper in der Nase.

[S. 12]


Achtes Kapitel.

(Seite 166.)

Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbacken.GesichtsroseGesichtsausschlagNervöser Gesichtsschmerz oder NeuralgieGesichtsfleckenGesichts- und Kinnbackenlähmung.


Neuntes Kapitel.

(Seite 178.)

Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.ZahnwehVerfall und Leiden der ZähneWiderwärtiger Geruch des AthemsSchlechter Geschmack im MundeZahnfleischschwärenEntzündung und Anschwellen der ZungeMundkrebsScorbutSpeichelflußStammeln.


Zehntes Kapitel.

(Seite 194.)

Krankheiten des Halses.Weher Hals oder gewöhnliche HalsentzündungEiternde und putride (Fäulniß erzeugende), oder bösartige Halsentzündung — Entzündung und Anschwellung der Mandeln oder Tonsillen — Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens.


Eilftes Kapitel.

(Seite 208.)

Krankheiten der Luftröhre und der Brust.HeiserkeitLuftröhrenentzündung oder BronchitisInfluenz oder Grippe, auch FlußfieberHusten (Tussis Convulsiva) — LungenentzündungLungenentzündung bei alten LeutenPleuresie, Brustfell-, Rippenfell-EntzündungScheinbare Pleuresie oder SeitenstechenHerzentzündungHerzklopfen — Rheumatische Herzschmerzen — BrustbeklemmungLungenblutenEngbrüstigkeit oder AsthmaBrustwassersuchtAuszehrungBrustquetschungFremde Körper in der Luftröhre.

[S. 13]


Zwölftes Kapitel.

(Seite 253.)

Krankheiten des Magens und der Eingeweide.Mangel an AppetitHeißhunger, SchlinglustDyspepsie oder schwacher MagenSodbrennen, oder Unverdaulichkeit, oder versäuerter MagenUebelkeit und ErbrechenSeekrankheitMagen-NeuralgieMagenweh oder MagenkolikMagenentzündungGedärmentzündungLeberentzündungGelbsuchtMilzentzündungWürmerHartleibigkeitDiarrhöe oder DurchfallRuhrCholera MorbusAsiatische CholeraHämorrhoidenMastdarmvorfallBruchUnterleibswassersucht.


Dreizehntes Kapitel.

(Seite 323.)

Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechts-Organe.NierenentzündungBlasenentzündungHarnverhaltungHarnflußHarnruhrBlasenpolypBlasensteinBlutharnenSelbstbefleckungSyphilis oder LustseucheSamenfluß, Tripper.


Zweiter Theil. — Frauenkrankheiten.

Erstes Kapitel.

(Seite 344.)

Menstruation. — Eine vollständige Beschreibung dieser Funktion.


Zweites Kapitel.

(Seite 349.)

Störungen der Menstruation.Verzögerte MenstruationChlorose oder BleichsuchtUebermäßige MenstruationSchwere Menstruation oder MenstrualkolikUnterdrückte MenstruationAufhören der Menstruation oder Uebergangszeit.

[S. 14]


Drittes Kapitel.

(Seite 367.)

Vorfall der Gebärmutter.Weißer Fluß.


Viertes Kapitel.

(Seite 375.)

Schwangerschaft.Anzeichen der SchwangerschaftKleidungBewegungDiätErbrechenScham-Jucken während der SchwangerschaftKrampfadern oder varicöse AdernHämorrhoiden oder GoldaderAnschwellen der FüßeHartleibigkeit während der SchwangerschaftDiarrhöe während der SchwangerschaftZahnweh und SpeichelflußDyspepsie oder versäuerter Magen, auch Sodbrennen genanntHysterische AnfälleHerzklopfenKopfwehHustenKrämpfeUrin- oder HarnträufelnUnterdrückung des UrinsBlutflußFrühgeburt oder AbortionFalsche WehenBehandlung der Brüste.


Fünftes Kapitel.

(Seite 396.)

Entbindung oder Kindbett.GeburtswehenSchmerzen bei den GeburtswehenEntbindungBehandlung nach der EntbindungVerbinden des NabelsLicht, Temperatur und LüftungNachwehenBlutflußDauer des KindbettsDiät und Regeln während des KindbettsLochien oder GeburtsflußUnterdrückung der LochienUebermäßige und lang anhaltende LochienMilchfieberAusbleiben der MilchUebermäßige Ansammlung der MilchWunde BrustwarzenBrustfieberBrustgeschwulstHartleibigkeit nach der EntbindungDiarrhöe nach der EntbindungPuerperal- oder KindbettfieberWeiße SchenkelgeschwulstDer wunde Mund der Stillenden.


Dritter Theil. — Kinderkrankheiten.

(Seite 415.)

Kleidung des KindesScheintod (Asphyxia) — Diät der NeugeborenenAnschwellen und Verlängerung des KopfesAnschwellen der BrüsteKindspech (Meconium) — Gemüthsbewegungen beeinflussen die MilchAbgewöhnung[S. 15] Kost während des SäugensRuhelosigkeit und Schlaflosigkeit der KinderDurchscheuern und Wundheit der HautGelbsuchtKrämpfeZahnenVerstopfte Nase oder SchnupfenMundschwammHartleibigkeitDiarrhöeKopfwassersuchtRemittirende FieberCholera InfantumSommerkrankheitHäutige BräuneKeuch- oder Stickhusten (Hooping cough; Pertussis) — Gaumenlähmung — KolikWürmerGehirnentzündungKehlsucht, auch Ziegenpeter.


Vierter Theil. — Verschiedene Krankheiten.

Erstes Kapitel.

(Seite 448.)

Verschiedene Krankheiten.RheumatismusGichtSkrophelnHüftenentzündungKrämpfeKropfSchlaflosigkeitLähmungSäuferwahnsinnFallsuchtVeitstanzOhnmacht — Starrkrampf.

Scheintod durch Hungerdurch Ertrinkendurch Erfrierendurch Erhängendurch Blitzschlagdurch schädliche Dünstedurch einen Fall oder Schlagdurch heftige Aufregung.


Zweites Kapitel.

(Seite 474.)

Das Krankenzimmer.KrankenpflegeZubereitung der Speisen für Kranke und WiedergenesendeBrauchbare Anweisungen.


Drittes Kapitel.

(Seite 484.)

Hydropathische Behandlung.


Viertes Kapitel.

(Seite 495.)

Arzneibereitungskunst.


[S. 16]

Fünfter Theil. — Wundarzneikunst und Gifte.

(Seite 503.)

Wundärztliche Hülfsmittel.UmschlägeBähmittelPflasterWickelbänder und BandagenSchienen.

Unglücksfälle.Bruch des Nasenbeinsdes untern Kinnbackensder Rippendes Schlüsselbeinsdes Schulterblattsdes Oberarmsdes Ellbogensdes Vorderarmsdes Fingersdes Schenkelsdes Beinsdes Fußes — der Zehe — Zusammengesetzte Brüche.

Ausrenkungen.Ausrenkung des Kinnbackens — des Genicks — der Schulterdes Ellbogensdes Faustgelenks, Handwurzelder Hüftknochensder Kniescheibedes Kniegelenksdes Knöchels.

Wunden, Quetschungen.Verstauchungen und ErschütterungenBrand- und BrühwundenErfrorene GliedmaßenBeulenKarfunkelFingergeschwürEinwachsen des Zehenagels.


(Seite 524.)

Gifte und Gegengifte. — Animalische Gifte — Vegetabilische Gifte — Mineralische Gifte.


(Seite 527.)

Angabe der Symptome der verschiedenen Krankheiten.


(Seite 536.)

Alphabetisches Fremdwörter-Verzeichniß.


(Seite 540.)

Alphabetisches Inhalts-Verzeichniß.


[S. 17]

Unser Familien-Arzt.


Erster Theil. — Allgemeine Krankheiten.


Erstes Kapitel. — Krankheiten der Haut.

1. Ausschlag-Fieber.

Ausschlag.

Diese Krankheit wird häufig durch Erkältung, Mattigkeit, verdorbenen Magen u. s. w. hervorgerufen. Sie zeigt sich in der Form von kleinen rothen Flecken, welche besonders des Nachts unerträglich jucken, ist aber nicht lebensgefährlich.

Behandlung.

Homöopathisch. Wenn das Jucken sehr stark wird, dabei Frost oder Hitze und Schlaflosigkeit, gebe man alle Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) Chamomilla. Wird es nach 2 bis 3 Stunden nicht besser, so gebe man eine Dosis (6 Kügelchen) Ledum Palustre. Ist es am nächsten Tage noch nicht besser, so gebe Rhus und Sulphur abwechselnd alle 2 bis 3 Stunden. Laue Bäder werden sehr erfrischen.

Allöopathisch. Das folgende gelinde Abführmittel mag gegeben werden:

Magnesia ½ Pfund.
Ingwer (Ginger) fein pulverisirt 1 Unze.
Rhabarber fein pulverisirt 2 Unzen.

Dies zu mischen. Für Kinder ungefähr einen halben, für Erwachsene einen Theelöffel voll oder mehr.

Nesselfieber (Hives, Urticaria).

Dies ist ein Ausschlag der Haut, ähnlich den Verletzungen durch Brennnesseln; derselbe ist aber weder ansteckend, noch gefährlich.

[S. 18]

Ursachen. — Einige Personen haben eine Anlage zu dieser Krankheit, so daß sie sich nach dem kleinsten Diätfehler einstellt. Nahrungsmittel wie Schellfisch, Gurken, Pilze, Erdbeeren, Makrele &c. werden häufig die Ursache zu einem Anfall. Kinder, die eine zarte, feine Haut haben, sind besonders geneigt dazu.

Kennzeichen. — Der Ausschlag besteht in erhabenen Flecken auf der Oberfläche der Haut, die zuweilen roth, aber im Allgemeinen weiß und roth gemischt und ziemlich hart sind und eine brennende, juckende Empfindung erzeugen. Nesselausschlag erscheint häufiger bei kleinen Kindern in der Form von großen Blattern, die außen von unregelmäßiger Gestalt und hellrother Farbe, im Mittelpunkt aber weiß und ein wenig erhaben sind. Der Ausschlag zeigt sich bald an dem einen bald an dem andern Ort. Zuweilen geht der Krankheit ein wenige Stunden anhaltendes Fieber, Kopfschmerz, Uebelkeit, Erbrechen, bitterer Geschmack im Munde voraus; hin und wieder gleicht auch der Ausschlag den Striemen von Peitschenhieben.

Behandlung.

Allöopathisch. Geht die Krankheit vom Magen aus, so gebe man das folgende Brechmittel:

Brechweinstein (tartar emetic) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Gewöhnlicher Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.

Mische und nehme es auf einmal.

Diesem lasse man untenstehendes schnell wirkendes Abführmittel folgen:

Zusammengesetzter Extrakt von Coloquinthen (Colocynth) ½ Drachme.
Extrakt von Jalappenwurzel (Jalap) 15 Gran.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. 2 oder 3 Pillen werden ihre Wirkung nicht verfehlen.

Bei starken nervösen Symptomen gebe man je nach dem Alter des Kranken 5–20 Tropfen Schwefel-Aether — alle halbe Stunden.

Zur äußerlichen Anwendung gebrauche man eins von den folgenden:

Bleizucker ½ Drachme.
Kohlensaures Ammoniak (Carbonate of Ammonia) 1 Drachme.
Rosenwasser ½ Pint.

Mische es.

Oder:

Alcohol Unze.
Rosenwasser 4 Unzen.

Mische es.

[S. 19]

Oder folgendes von Dr. Erasmus Wilson empfohlene:

Aetzendes Quecksilber (Corrosive Sublimate) 6 Gran.
Rosmarin-Spiritus 1 Unze.
Alcohol 1 Unze.
Kühltrank von bittern Mandeln 6 Unzen.

Mische es.

Es ist rathsam, hiervon sorgfältig äußerlich Gebrauch zu machen, weil der Ausschlag nach Innen getrieben werden kann, was bedenkliche Folgen hat.

Eclectische und Kräuterkur. Wo immer der Ausschlag erscheint, reibe man den Körper mit Waizenmehl und lasse den Kranken ungehindert Saffran-Thee, oder Salbei- und Sassafras-Thee trinken. Bessert sich der Kranke, so gib folgendes beruhigendes Arzneimittel: 3 Theile Cremor Tartari, ein Theil Schwefel mit Molasses gemischt; davon einen Theelöffel dreimal des Tages mehrere Tage hinter einander. Wirkt es nicht hinreichend, nehme man eine Dosis Salz und Sennablätter. Warmes Saleratuswasser ist ein gutes Einreibmittel für die Haut.

Homöopathisch. Aconitum. — Wo dem Ausschlag Fieber, heiße Haut, Durst, belegte Zunge und Schlaflosigkeit vorausgeht oder wo es denselben begleitet.

Dulcamara. — Wenn der Anfall durch Erkältung hervorgerufen ist, und von Uebelkeit, Erbrechen, bitterem Geschmack im Munde, Diarrhöe begleitet ist, die Symptome des Nachts oder in der Stubenhitze stärker, dagegen im Freien schwächer sind. Dieses Mittel kann abwechselnd mit Antimonium Crudum gegeben werden.

Rhus toxicodendron. — Wird der Ausschlag von Jucken und Brennen begleitet, besonders nach Bewegung im Freien oder dem Genusse gewisser Speisen.

Pulsatilla. — Wenn der Anfall durch reiche und fette Kost hervorgerufen wurde.

Calcarea Carbonica. — Wenn der Ausschlag beim Aufenthalt in der frischen Luft verschwindet und er durch die Anwendung des kalten Wassers verstärkt wird, das Gesicht gelb, die Haut rauh mit Gänse-Finnen bedeckt ist, mit einem betäubenden Schmerz im Kopf, Uebelkeit und Schwindel des Nachts oder beim Erwachen des Morgens.

Wenn durch feuchtes Wetter Erkältung, mit Schmerzen in den Gliedern, Frost und Kopfschmerz hervorgerufen, so gebe man Bryonia und Rhus toxicodendron abwechselnd, alle 3 bis 4 Stunden eine Gabe (4 oder 6 Kügelchen). Ledum Palustre ist ein anderes Mittel, das bei den meisten Fällen mit Erfolg angewendet werden kann.

Sollte sich der Ausschlag nach Innen werfen und der Kranke über einen krankhaften Zustand des Magens, große Schwäche klagen, gebe man Ipecacuanha (Ipecac) oder Bryonia jede Stunde mehrere Stunden hintereinander,[S. 20] tritt nach drei Stunden keine Besserung ein, so nehme man Arsenicum. Gleichzeitig hülle man den Kranken wohl ein und lasse ihn viel Wasser trinken, um Schweiß hervorzurufen.

Hat Jemand diese Krankheit eine lange Zeit, oder hat er besonders Anlage dazu, so lasse man ihn jeden vierten Tag am Abend eine Dosis Calcarea Carbonica nehmen. Bessert er sich nicht innerhalb einiger Wochen, gebe man entweder Lycopodium, Sulphur, Acidum Nitri oder Carbo Vegetabilis in derselben Weise.

Die Darreichung der Arzneimittel. — Wenn die Dosis nicht mit dem Mittel erwähnt ist, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel Wasser und gebe alle 2 oder 3 Stunden, je nach der Heftigkeit des Auftretens der Symptome, eine Dosis.

Kost. Kein Fleisch, oder erhitzende Getränke, nur Wasser, schwarzer Thee, Haferschleim, Zwieback (Toast), gebackene Aepfel und altbackenes Brod.

Die Rose (St. Antonius Feuer, Erysipelas).

Die Rose oder Rothlauf ist eine Entzündung der Haut, die sich leicht ausbreitet und zuweilen weit in das Zellengewebe dringt. Sie ist ansteckend und Personen, deren Verdauungsorgane nicht in Ordnung, oder die der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind, haben besonders Anlage dazu. In der Regel finden wir die Rose im Gesicht, häufig aber auch an den Gliedern.

Kennzeichen. — Der Rose gehen gewöhnlich Fieber, eine allgemeine Erschlaffung, Frost, Kopfschmerz und belegte Zunge voraus; diesen Symptomen folgen dann heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schmerzen im Rücken und den Gliedern, die Haut wird roth oder purpurn, und ein starkes stechendes, brennendes Gefühl mit Spannung und Schmerz wird wahrgenommen. Die betreffenden Theile fangen an zu schwellen, und befindet sich die Entzündung am Kopf oder im Gesichte, so schwellen die Augen zu und die Züge können nicht wieder erkannt werden. Blasen mit Wasser gefüllt, gleich jenen, die vom Verbrennen herrühren, bilden sich zuweilen auf der Oberfläche. Der Kranke, besonders wenn sich die Entzündung am Kopfe befindet, phantasirt des Nachts und der Hals schwillt beträchtlich an. In den schlimmsten Fällen steigert sich dieser Zustand bis zum Irrsinn; Schlafsucht tritt ein und der Kranke kann in Folge eines inneren im Kopfe erfolgenden Ergusses sterben. Wird das Zellengewebe tief angegriffen, so kann sich Eiter bilden und die betreffenden Theile können sich von dem gesunden Fleisch ablösen. Sind die Theile[S. 21] bedeutend angegriffen, die Farbe hochroth, das Prickeln und Brennen sehr heftig, die Oberfläche fest und hart, so wird die Entzündung Phlegmone oder unächter Rothlauf genannt. Ist die Geschwulst weich und schwammig — beim Druck beweglich — die Farbe blaßroth oder wachsgelb und gewöhnlich schwächliche Constitutionen angreifend, so wird sie Blasen- oder Blatterrose (Erysipelas ædematodes) genannt.

Wenn der Rothlauf als eine blasse Röthe ohne Fieber auftritt, nennt man ihn Erythema (kalte Hautröthe).

Ursachen. — Die Ursachen der Rose sind mannigfach, einige von ihnen sind folgende: Einfluß der Witterung, ungeregelte Lebensweise, Mangel an Reinlichkeit. Die meisten Veranlassungen dazu sind: Unmäßigkeit, heftige, geistige Aufregung, das sich Aussetzen der kalten Luft nach Erhitzung oder Aufregung, besonders wenn der Magen nicht in Ordnung ist, Wunden und Quetschungen. Große Sorgfalt muß getragen werden, die Ausbreitung der Entzündung zu verhindern. Man lüfte das Zimmer gut aus ohne den Kranken der Zugluft auszusetzen, halte ihn sehr reinlich und gebe ihm hinreichend Nahrung. Personen, die an Wunden leiden, oder in irgend einer Weise erkrankt sind, und besonders Frauen unmittelbar vor oder nach der Entbindung sollte der Aufenthalt in der Nähe eines an der Rose Erkrankten nicht gestattet werden; auch sollten die mit dieser Entzündung Behafteten an Wunden Leidende oder Frauen im Kindbett nicht besuchen, ohne die größte Sorgfalt anzuwenden, um gegen die Uebertragung der Krankheit zu schützen, z. B. durch den Wechsel der Kleider, Baden u. s. w.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Beginne die Behandlung, besonders wenn Fieber vorhanden ist, mit folgendem Abführmittel:

Potophyllum peltatum (Gemeines Fußblatt) Gran.
Leptandrin 4 Gran.
Cremor Tartari 20 Gran.

Mische es, theile es in zwei Pillen und gib alle 6 Stunden eine, bis Stuhlgang erfolgt ist. Hierauf erhalte regelmäßigen Stuhlgang durch folgendes:

Schwarzwurzel (Blackroot) 5 Unzen.
Wilde Indigo Wurzel (Wild Indigo Root) 1 Unze.

Mische es und rühre die Mischung in 4½ Pint kochendes Wasser. Man nehme einen Theelöffel voll mehrere Male des Tages.

[S. 22]

Treten die Symptome heftig auf, so beginne man die Behandlung mit einem Brechmittel. Gegen Magensäure gib Magnesia, Kreide oder doppeltkohlsaures Soda (Bicarbonate of Soda). Erscheint die Entzündung am Körper, so wird ein Dampfbad Erleichterung gewähren. Wenn sich die Rose im Gesicht oder am Kopf befindet, bähe die betreffenden Theile mit einer Abkochung von Boneset, Farnkraut (Tansy), oder Katzenmünze (Catnip) mehrere Male des Tages. Ein Umschlag von Preiselbeeren wird von Vielen für ein ganz besonderes Mittel gegen diese Krankheit gehalten. Koche ein oder zwei Pint, bis sie weich sind und mische sie mit pulverisirter Ulmenrinde oder Mehl und mache einen Umschlag auf den erkrankten Theil. Ist die Entzündung heftig, gebrauche

Eisen-Chlor-Tinctur (tincture of chloride of iron) 1 Drachme.
Süßer Salpeter-Spiritus (sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: 25 Tropfen in ein Weinglas mit einem Aufguß von Hollunderblüthe und Frauenhaar (Elder flowers and Maiden hair) 1 Unze von jedem, in 2 Pints kochenden Wassers.

Bilden sich Blasen und tritt Eiterung ein, mache Umschläge von Ulmenrinde und Hopfenmalz. Verschwindet die Entzündung plötzlich, oder wird eine Neigung hierzu bemerkbar, gebe man folgendes:

Blutwurzel, Pleuresiewurzel, Ipecacuanha und Salpeter, jedes pulverisirt, eine Drachme. Gieb eine Dosis von 12 zu 15 Gran alle 3 oder 4 Stunden. Zur Milderung des Juckens und Brennens kann eines der folgenden Mittel gebraucht werden: Gleiche Theile von Lobelia- und Blutwurzel-Tinctur mit ein wenig Essig; drei- oder viermal des Tages anzuwenden. — Eine Abkochung von Flöhkraut und Stinkkamille (Smartweed and Mayweed) kann kalt gebraucht werden. Ein anderes Mittel: Lobelia-Tinctur, Lorbeer-Rinden- (Bay berry) Tinctur, eine satte Auflösung von Salmiak, von jedem eine Unze; bade die Theile mehrere Male des Tages damit. Ebenso noch einen erweichenden Umschlag von gebranntem Mehl oder Ulmen-Rinde. Wenn der Rothlauf chronisch ist und nach einigen Monaten immer wieder ausbricht, kann zu dessen Vertreibung folgende Behandlung angewendet werden: Man halte die Eingeweide mit guten Abführungspillen oder einem gemischten Pulver von Rhabarber und Potasche in Dosen von fünf oder zehn Gran dreimal des Tages zu nehmen in Ordnung; gleichzeitig nehme man das folgende: Wilde Indigo-Wurzel, Blut-Wurzel und Scharlachbeere-Wurzel (Poke root) von jedem eine Unze; holländischen Wachholderbranntwein (Gin) und Branntwein 1 Pint; man lasse es eine Woche stehen und füge 2 Drachmen hydriosaures Potasche-Salz, aufgelöst in einer Unze Wasser; Dosis einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Das folgende Mittel wird gleichfalls empfohlen: Blaue Schwertlilien-Wurzel, gelbe Ampferkraut-Wurzel, Kletten-Wurzel, die Rinde der Bittersüß-Wurzel, Sassafras-Rinde, von jedem, grob gepulvert, eine Unze; Hollunder-Blüthe 2 Unzen, dazu 6 Pint kochendes Wasser; bedecke das Gefäß und lasse es 24 Stunden stehen; presse ferner die Kräuter, durchseihe und versüße es. Dosis: Ein[S. 23] Weinglas voll dreimal des Tages. Das Baden der angegriffenen Theile mehrere Male in der Woche in schwachem Laugenwasser wird gleichfalls von guter Wirkung gefunden werden.

Homöopathisch. Aconitum. — Wenn starkes Fieber, heiße, trockene Haut, Durst u. s. w. vorhanden ist.

Belladonna. — Ein wichtiges Mittel, besonders gegen Gesichtsrose, bei geschwollenen Augen, trockener Haut, Durst und Phantasiren. Aconitum und Belladonna kann abwechselnd gegeben werden. Alle 2 Stunden eine Dosis. Bessern sich die Symptome nicht, klagt der Kranke über Schmerz im Hals, Trockenheit, Husten ohne Auswurf, gebe man Lachesis. Apis mellifica kann abwechselnd damit gegeben werden.

Wenn diese Mittel eine Zeitlang gegeben worden sind und sich der Zustand des Kranken noch verschlimmert, während eine große Empfindlichkeit gegen Geräusch und Licht vorhanden, die Haut glänzend und sehr zart ist, zuweilen Blasen bildet, gebe man Belladonna und Rhus toxicodendron abwechselnd, einen Theelöffel voll alle zwei Stunden. Wird der Kranke schläfrig, gebe man eine Dosis (4 Kügelchen) Opium. Wenn aufgeregt und schlaflos, gebe man Kaffee und Belladonna abwechselnd, alle Stunden eine Dosis. Arsenicum kann gegeben werden, wenn die Entzündung eine dunkle Farbe annimmt und der Kranke sehr schwach wird.

Pulsatilla — ist zu geben, wenn die Krankheit durch gewisse Nahrungsmittel, wie Austern, Clams u. s. w. Auch dann, wenn die Entzündung an einem Orte verschwindet und an einem anderen wieder erscheint oder wenn sie die Ohren angreift. Gegen Rothlauf in den Gelenken Bryonia und Rhus toxicodendron abwechselnd.

Wenn sich Blasen bilden, die faulig werden, gebe man Arsenicum und Carbo vegetabilis abwechselnd.

Mercurius und Hepar sulphuris kann gegeben werden, wenn sich der Rothlauf in Eitergeschwüre verläuft.

Wenn die Krankheit chronisch wird und der Leidende derselben hin und wieder unterworfen ist, gebe man Rhus toxicodendron und Graphites einen Tag um den andern. Eine Dosis 6 Kügelchen.

Die Anwendung des Wassers — in Form von nassen Tücherumschlägen — um Schweiß hervorzurufen, wird sehr zuträglich gefunden werden.

Anwendung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe stündlich oder alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel voll, wenn nicht anders verordnet.

Kost. — Trockenes geröstetes Brod, Haferschleim, schwarzer Thee, warme Limonade, wenn keine Diarrhöe vorhanden ist, und geschmorte Pflaumen.

Allöopathisch. Beim Ausbruch gebe man ein Abführmittel wie Bittersalz oder folgendes:

[S. 24]

Magnesia sulphurica 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of Potash) 10 Gran.
Lakritzen-Saft (Liquorice) 1 Skrupel.
Gemischten Aufguß von Sennablättern Unze.
Tinctur von Senna-Blättern und Jalappenwurzel 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (Spirit of sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Wenn die Krankheit nicht heftig ist, ist es nicht gut, ein Brechmittel anzuwenden. Das folgende kann, wenn nothwendig, gebraucht werden:

Brechweinstein (Tartar Emetic) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.

Mische es und nimm es auf einmal.

Wenn auf die Eingeweide gewirkt wurde, kann das folgende gegeben werden:

Eine Auflösung des essigsauren Ammoniak (solution of acetate of Ammonia) Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet Spirits of Nitre) 2 Drachmen.
Syrup 2 Drachmen.
Campher-Mischung 4 Unzen.

Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.

Ist der Magen reizbar, gebe man folgendes:

Doppelkohlsaure Potasche (Bicarbonate of Potash) 2 Drachmen.
Syrup 2 Drachmen.
Destillirtes Wasser 6 Unzen.

Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll. Zu jedem füge einen Theelöffel voll frischen Lemon-Saft oder 15 Gran Citronen-Säure, zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst; trinke es während des Aufschäumens.

Wird der Kranke schwach und der Fall nimmt einen typhösen Charakter an, so gebraucht man folgendes stärkende Mittel:

Eine Abkochung von Baumrinde 6 Unzen.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 8 Gran.
Verdünnte Schwefelsäure (Dilute sulphuric acid) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Baumrinden-Tinctur ½ Unze.
Syrup von Orangen-Schale 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 4 Stunden. Wein, Molken, Milch, Punsch, Eier und Wein u. s. w. können ebenfalls mit Vortheil angewendet werden.

Schlägt die Krankheit aus irgend einem Grunde nach Innen, muß die krankhafte Oberfläche mit Senf abgerieben und der ganze Körper in ein heißes Bad gebracht werden. Um das Jucken und Brennen der Haut zu vermeiden, ist[S. 25] eines von den folgenden Mitteln anzuwenden: Pfeilwurzpulver, Roggenmehl, pulverisirte Stärke, ein Thee von Buchweizenmehl; leinene Umschläge, mit folgender Mischung getränkt:

Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak (solution of Acetate of Ammonia) 4 Unzen.
Wein-Spiritus 1
Hollunderblüthe oder Rosenwasser 3

Gegen die Ausbreitung der Entzündung wende man Jod-Tinctur an, Dr. Wood empfiehlt einen Rand von ungefähr zwei Zoll, eine Hälfte auf der entzündeten Oberfläche und die andere auf der gesunden Haut zu malen; nach Belieben anzuwenden und täglich, wenn nothwendig, zu wiederholen. Salpetersaures Silber wird von Higgenbottom empfohlen und wie folgt angewendet:

Salpetersaures Silber (Nitrate of Silver) 2 Skrupel.
Salpetersäure (Nitric Acid) 12 Tropfen.
Wasser 1 Unze.

Mische es. Wende es mit einem an einen Stock gebundenen Lappen oder einer Kameelshaarbürste an.

Anmerkung. Bei heftig auftretenden Fällen wende man sich an einen geschickten Arzt.

Masern (Measels, Rubeola).

Dies ist eine Krankheit, die hauptsächlich in der Kindheit auftritt; doch werden auch Erwachsene davon befallen, die derselben weit härter als Kinder unterworfen sind. Ein Anfall wird in der Regel den Betreffenden gegen einen zweiten sichern. Es ist eine ansteckende Krankheit, deren Verlauf 7 bis 20 Tage nach dem Erscheinen erfordert.

Kennzeichen: Die Symptome sind anfänglich jenen des Katarrhs oder Schnupfens sehr ähnlich. Frost, Durst, Schlaflosigkeit, zuweilen Kopfschmerzen, Niesen, kurzer trockner Husten, Laufen der Nase, rothe und wässrige Augen sind vorhanden. Dies ist das erste Stadium, welches in der Regel ungefähr drei Tage dauert. Am vierten Tage zeigt sich ein Ausschlag. Derselbe beginnt im Gesicht, gewöhnlich auf der Stirne, und geht hinab nach dem Nacken, Rumpf und untern Körpertheilen. Dieser Zustand dauert ungefähr 48 Stunden, während dessen das Fieber sehr stark ist. Der Ausschlag besteht in ganz kleinen tief rothen Punkten, welche den Flohbissen sehr ähnlich sind, sind leicht erhaben auf der Oberfläche und fühlen sich rauh an, wenn man mit der Hand über die Haut streicht. Am siebten oder achten Tage nach den ersten Symptomen der Krankheit verschwindet der Ausschlag und zwar zunächst da, wo er sich zuerst[S. 26] zeigte. Am neunten Tage werden in der Regel nur noch einige gelbrothe Flecke gesehen. Die Haut wird trocken und löst sich in kleinen kleiartigen Stückchen ab. Masern können mit einer Unordnung des Magens, Entzündung der Lungen oder einer solchen der Eingeweide verwickelt sein. Fällt die Krankheit auf die Lungen, so verschwindet der Ausschlag viel früher als er sollte — in 36 oder 48 Stunden.

Die Masern können mit Scharlachfieber verwechselt werden, wer aber die Symptome genau beachtet, kann kaum einen solchen Irrthum begehen. Die unterscheidenden Merkmale zwischen den beiden Krankheiten sind folgende: 1) Den Masern gehen stets Katarrh-Symptome, wie Niesen, Husten, Laufen der Nase voraus, was bei dem Scharlachfieber nicht der Fall ist. 2) Das Ausbrechen der Masern zeigt sich in Flecken in der Gestalt eines Halbmonds, ähnlich den Flohbissen, welche auf der Oberfläche leicht erhaben sind. Die Flecken des Scharlachfiebers sind nicht erhaben, breiten sich über den ganzen Körper aus und sind von einer hellen Scharlachfarbe. Bezüglich der Farbe könnte man die Masern mit der der Himbeere und die des Scharlachfiebers mit jener eines gekochten Krebses vergleichen. 3) Böser Hals wird stets beim Scharlachfieber gefunden, bei Masern selten oder nie. 4) Der Masernausschlag erscheint am vierten und jener des Scharlachfiebers am zweiten Tage.

Behandlung.

Allgemeine. Masern erfordern in der Regel nur wenig medizinische Behandlung. Der Kranke sollte in ein großes luftiges Zimmer geschafft werden, und es ist besser, wenn er im Bett bleibt. Man sollte ihm keine warmen Getränke oder Brechmittel geben, da diese das Fieber nur erhöhen. Kaltes Wasser kann er so viel trinken, als er wünscht. Die Kost muß leicht sein, wie: Weizen- oder Reismehl, Haferschleim, Zwieback-Wasser, Milch und Wasser, Tapiocamehl, Sago oder andere leicht verdauliche Nahrungsmittel. Wenn das Fieber abnimmt, kann eine kräftigere Kost gestattet werden. Die Augen schütze man gegen das Licht.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn das Fieber stark und die Symptome ernstlich, mag die Tinctur von Virginischer Schlangenwurzel (Snake root) in Dosen von 10 bis 60 Tropfen in warmem Katzenmünze- (catnip) oder Balsam-Thee, alle 2 oder 4 Stunden eingenommen werden. Kommt der Ausschlag lange nicht heraus, oder schlägt er nach seinem Erscheinen wieder zurück, mache man Senfumschläge auf den Unterleib, die Füße, Knöchel und die Handgelenke. Ist der Husten stark, gieb eine gemischte Tinctur von Lobelia in einem Aufguß von Ulmenrinde (slippery elm) alle ein oder zwei Stunden. Sind Anzeichen von einer Lungenentzündung vorhanden, so mache man einen Senfumschlag über die[S. 27] ganze Brust, der entfernt werden kann, sobald er eine bestimmte Röthe hervorgerufen hat, dann einen Umschlag von Hopfen- und Lobeliablättern, wechsle sie alle halbe oder alle Stunden. Man gebe die gemischte Lobelia-Tinctur, die Uebelkeit verursachen wird. Auch wasche man den Kranken öfters vermittelst eines Schwammes mit warmem, schwachem Laugenwasser, um das Jucken und Brennen zu vermindern. Ist Diarrhöe vorhanden, gebe man einen Aufguß von Brombeerenwurzel (blackberry root) oder Einspritzungen von Stärkewasser mit einigen Tropfen Laudanum.

Allöopathisch. Gegen den Husten gebe man Flachssamen- oder Ulmenrindenthee (slippery elm). Die Eingeweide halte man durch geröstete Aepfel, gekochte Pflaumen oder mit folgendem Mittel offen:

Schwefelsaures Magnesia (sulphate of Magnesia) 3 Drachmen.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (solution of Acetate of Ammonia) 1 Unze.
Ipecacuanha-Wein (wine of Ipecac) 1 Drachme.
Süßer Salpeter-Spiritus (sweet spirits of nitre) 1
Mohn-Syrup (syrup of Poppies) 2
Zimmet-Wasser 1 Unze.

Hinreichend Wasser, um vier Unzen zuzubereiten.

Mische es. Dosis: 1 Eßlöffel voll 3 oder 4 Mal des Tages.

Wenn der Ausschlag von zu starkem Fieber zurückgehalten wird, gebe man die Tinctur von grüner Nieswurz (veratrum viride), Ipecacuanha, Bienen-Syrup oder Lobelia in Dosen, die hinreichen, um Uebelkeit im Magen hervorzurufen, so wie die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel theelöffelweise.

Ist der Husten sehr stark, gebe man folgendes:

Gewöhnlichen Sauerhonig (oxymel simple) 1 Unze.
Ipecacuanha-Wein (Wine of Ipecac) ½ Drachme.
Meerzwiebel-Tinctur (tincture of Squills) 1

Genügend Wasser, um 6 Unzen zu bereiten.

Mische es. Dosis: Vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.

Oder:

Tolu-Syrup Unze.
Gummi Arabicum Schleim (Mucilage of Gum Arabic)
Ipecacuanha Wein 1 Drachme.
Meerzwiebel-Tinctur 1

Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen zuzubereiten.

Mische es. Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Am dritten oder vierten Tage, nachdem der Ausschlag verschwunden ist, gebe man ein zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel oder Scammonium-Harz.

Bei großer Schwäche des Patienten gebe man:

Anderthalb Kohlensaures Ammoniak (sesquicarbonate of Ammonia) ½ Drachme.
[S. 28] Süßen Salpeter-Spiritus (sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.
Opium-Tinctur 30 Minims.
Kampfer-Mischung 6 Unzen.

Mische es. 2 Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

Oder:

Salzsaures Ammonium (muriate of Ammonia) 1 Unze.
Destillirtes Wasser 9 Unzen.

Mische es. Alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

Homöopathisch. Wenn der Anfall gelind ist, gebe man abwechselnd Aconitum und Pulsatilla (4 Kügelchen) alle 2 bis 3 Stunden, was in der Regel die gewünschte Wirkung haben wird. Bei Magenbeschwerden gebe man gelegentlich eine Dosis Ipecacuanha oder Belladonna. Bei bösem, trockenem, schmerzhaftem (beim Schlucken) Hals, Durst, krampfartigem Husten, auch wenn Andrang nach dem Kopfe bei erhöhtem Fieber, Schlaflosigkeit, Delirium vorhanden ist.

Aconitum und Bryonia sollten alle zwei bis drei Stunden abwechselnd gegeben werden (12 Kügelchen aufgelöst in 12 Theelöffelvoll Wasser). Gebe einen Theelöffel voll bei heftigem, trocknem Husten mit stechenden Schmerzen in der Brust, welche Bronchitis oder Lungenentzündung anzeigt.

Ipecacuanha und Bryonia gebe man abwechselnd alle Stunden oder alle halbe Stunden, wenn der Ausschlag nicht recht herauskommt oder plötzlich zurückschlägt — bei Blässe und Magenschmerzen. Euphrasia bei entzündeten wässerigen Augen.

Rhus Toxicodendron sollte abwechselnd mit Bryonia gegeben werden, wenn Symptome von Nervenfieber vorhanden sind, wie: trockene rothe Zunge, heiße und trockene Haut, sowie Delirium. Kommt hierzu starker Durst, Schlaflosigkeit, bräunliche Diarrhöe, gebe man Arsenicum und Rhus abwechselnd alle 1 oder 2 Stunden eine Dosis.

Bei Ohrenfluß mit Ohrenschmerzen verbunden nach den Masern gebe man Pulsatilla, Sulphur oder Mercurius. Gegen das Anschwellen der Drüsen des Nackens Belladonna, Mercurius, Rhus, Arnica. Gegen das Brennen und Jucken der Haut Sulphur und Arsenicum.

Während einer Epidemie der Masern ist eine Dosis (4 Kügelchen) von Pulsatilla alle Abend zu empfehlen, sie wird entweder den Anfall ganz verhindern oder doch schwächen.

Verordnung der Heilmittel. Ist die Dosis nicht mit den Mitteln angegeben, so löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.

Anmerkung. Wenn die Masern bösartig sind, sich Symptome eines Faulfiebers, sowie ein dunkler, schwarzgelber Ausschlag, mit dunkelrothen Flecken, großer Schwäche einstellen und der Ausschlag einmal heraustritt, dann wieder verschwindet, so ziehe man einen geschickten Arzt zu Rathe.

[S. 29]

Das Scharlachfriesel (Scarlatina familiaris, scarlet rash.)

Dasselbe ist eine vom Scharlachfieber verschiedene Krankheit, obgleich es zuweilen mit demselben, sowie auch mit den Masern verwechselt wird. Der Ausschlag des Scharlachfriesels besteht in ganz kleinen kronartigen Erhöhungen, welche bei einem Streichen mit der Hand über die Oberfläche der Haut leicht gefühlt werden können, während der Ausschlag des Scharlachfiebers vollkommen glatt ist.

Ursachen. Kinder irgend eines Alters sind empfänglich dafür, wird aber häufiger bei Säuglingen gefunden. Es wird durch einen gewissen Reiz des Magens und der Eingeweide, durch plötzlichen Witterungswechsel, plötzliche Unterdrückung der Hautausdünstung, durch kaltes Trinken, wenn der Körper erhitzt ist, und durch übermäßige Bewegung hervorgerufen. Es ist nicht ansteckend.

Kennzeichen. Dem Ausschlag geht in der Regel Frost und Hitze — abwechselnd — Schwäche, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes, Schlaflosigkeit, Hitze und Trockenheit der Haut, Appetitlosigkeit u. s. w. voraus. Diese Symptome verschwinden, sobald sich der Ausschlag zeigt, was in der Regel am dritten oder vierten Tage der Fall ist. Scharlachfriesel kann von Scharlachfieber dadurch unterschieden werden, daß bei dem Letzteren der Ausschlag eine hellrothe oder scharlachartige Farbe besitzt und sich gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers verbreitet; bei dem Ersteren ist der Ausschlag viel dunkler, zuweilen fast purpurfarbig, und erstreckt sich in unregelmäßigen runden Flecken über den Körper, läßt auch beim Druck mit den Fingern keinen weißen Eindruck zurück. Das Scharlachfieber wird stets von bösem Hals begleitet, was bei dem Scharlachfriesel nicht der Fall ist. Durch das Laufen der Nase, Augen u. s. w., Symptome der Masern, können dieselben vom Scharlachfriesel unterschieden werden.

Behandlung.

Homöopathisch. Bei gewöhnlichen Fällen reicht Aconitum hin, das, wenn Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden ist, abwechselnd mit Coffea gegeben werden kann.

Bei Uebelkeit und Erbrechen Ipecacuanha oder Pulsatilla.

Verschwindet in Fällen der Ausschlag plötzlich: Ipecacuanha und Bryonia, abwechselnd alle halbe Stunden oder alle Stunden eine Dosis, gleichzeitig halte man den Kranken wohl zugedeckt.

Bei Andrang nach dem Kopfe, Schläfrigkeit gebe man Opium. Wenn plötz[S. 30]liche Anfälle eintreten, die Augen mit Blut unterlaufen und der Kopf schwer wird, wende man Belladonna an.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 1, 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Gewöhnlich ist nur wenig, wenn irgend welche Behandlung erforderlich. Bei starken Anfällen beschränke man den Kranken auf das Haus, setze ihn auf schmale Kost und gebe folgendes:

Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak (solution of acetate of Ammonia) Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.
Syrup 2
Kampfer-Mischung 4 Unzen.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

Ist Säure in dem Magen vorhanden, gelegentlich eine Dosis Magnesia — bei starkem Fieber die neutrale Mischung (neutral mixture). Auf die Eingeweide suche man mit Castoröl oder Bittersalz u. s. w. einzuwirken.

Wasserheilkur. Die Anwendung des Wassers wird bei dieser Krankheit von ausgezeichnetem Erfolge gefunden werden. Hülle den Kranken in nasse Tücher und decke ihn mit wollenen Decken gut zu. In dieser Lage mag er gelassen werden, bis eine ungehinderte Ausdünstung eintritt, worauf man ihn mit lauwarmem Wasser abwäscht. Ruft die erste Einhüllung nicht die gehörige Ausdünstung hervor, so sollten die nassen Tücher wiederholt werden, und zwar so oft, bis das Fieber eintritt. Wenn der Ausschlag plötzlich verschwindet und der Kranke wird schwach, schlaflos und reizbar, so wasche man ihn über und über mit kaltem Wasser, hülle ihn unabgetrocknet in wollene Decken ein und gebe ihm reichlich kaltes Wasser zu trinken. Er wird dadurch in Schweiß gerathen und der Ausschlag wird wieder erscheinen.

Betreffs der Kost müssen alle reichen, überreifen und fetten Speisen vermieden werden und man darf dem Kranken nur leichte Diät erlauben, wie z. B. Weizen- oder Reismehlschleim, Milch und Wasser, Sago, Tapioca oder Zwiebackwasser (toast water).

Das Scharlachfieber (Scarlatina, laevis).

Dies gehört zu den ansteckenden Fiebern und ist in der Regel von Ausschlag und bösem Halse begleitet. Es giebt drei verschiedene Arten: Scarletina Simplex oder einfaches Scharlachfieber; Scarletina Anginosa, wo Hals und Haut angegriffen sind, und Scarletina Maligna, wo der böse Hals ein vorwiegendes Kennzeichen ist und daher zuweilen auch bösartige Halsentzündung genannt wird. Diese verschiedenen Formen aber entspringen alle aus ein[S. 31] und derselben Quelle. Scharlachfieber kommt im Frühjahr und Herbst am häufigsten vor. Die einzige Krankheit, mit der sie verglichen werden kann, sind die Masern, und unter dem Abschnitt „die Masern“ wurde bereits der Unterschied dieser beiden Krankheiten angegeben. Der böse Hals kann die Folge eines gelinden Scharlachfiebers sein, wie auch nicht selten in Folge einer bösartigen Halsentzündung gelindes Scharlachfieber entsteht. Diese Formen erhöhen unmerklich eine die andere (Watson). Oft tritt das Scharlachfieber so gelinde auf, daß es den Kranken kaum an’s Haus bindet, während es wieder in andern Fällen in wenigen Tagen, ja sogar in wenigen Stunden eine schlimmere Wendung nimmt.

Scarlatina Simplex — beginnt mit Frostschauer, heißer Haut, Kopfschmerz, Uebelkeit und einer leichten Halsentzündung. Am zweiten Tage zeigt sich ein Ausschlag von feinen rothen Punkten — zuerst im Gesicht und auf dem Nacken und bedeckt bald den ganzen Körper. Der Ausschlag nimmt am vierten oder fünften Tage ab und verschwindet in der Regel am siebten oder achten Tage der Krankheit ganz. Die Epidermis oder Oberhaut schält sich in großen Flecken von den Händen und Endgliedern und schuppt sich vom Gesicht und den übrigen Körpertheilen ab.

Angina scarlatinosa. — Die Symptome treten schärfer und stärker bei dieser Art als bei der vorhergehenden auf. Die Vorläufer oder ersten Kennzeichen dauern länger, der Ausschlag zeigt sich nicht vor Ablauf des zweiten, in manchen Fällen nicht vor dem dritten Tage und zeigt sich mehr in der Form von großen rothen Flecken. Der Frost ist bedeutend, der Hals entzündet und Hals und Drüsen hochroth und geschwollen. Das Schlucken geht schwierig und die Drüsen schwellen so bedeutend an, daß sie den Eingang zum Halse fast verstopfen. Anhaltendes Kopfweh, geschwollene, rothe Augen verbinden sich mit Steifheit des Nackens und Kinnbackens. Die Hitze der Haut ist groß und die Haut erscheint fast roth gesotten. Sollte sich der Ausschlag auf den Magen, die Lungen oder das Gehirn erstrecken, so werden die Symptome sehr bedenklich und der Fall erfordert eine sehr umsichtige Behandlung. Wenn der Fall günstig verläuft, verschwindet der Ausschlag ungefähr am sechsten oder achten Tag.

Scarlatina Maligna. — Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form,[S. 32] nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken, verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut unter dem normalen Stand.

Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres, von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krank[S. 33]heit an, zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel abhängen.

Ursachen. — Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits der Fall sein würde.

Behandlung.

Allgemeine. Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche „über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:

Glycerin 1 Drachme.
Salbe von Rosenwasser 1 Unze.

Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden. Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es gut mit einem weichen Handtuche ab.

Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich, daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel, und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in[S. 34] größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken. In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint wieder und der Kranke ist gerettet.

Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt. Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so willfahre seinem Ansuchen nicht.

Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.

Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.

Homöopathisch. Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste Mittel Belladonna. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben, bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome, welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber, schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge, Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken, Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen, Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen, welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut, das Auffahren[S. 35] aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen, Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen Anfällen kann Belladonna alle Stunden einmal gegeben werden, bis sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden eine Dosis.

Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe Aconitum abwechselnd mit Belladonna alle Stunden. Tritt unter dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man Coffea und Belladonna abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke ruhiger wird.

Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges Delirium, so gebe man Rhus toxicodendron und Belladonna abwechselnd alle Stunden.

Mercurius und Belladonna mögen alle Stunden abwechselnd gegeben werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine Besserung ein, gebe man Acidum Nitri ebenso wie Mercurius. Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden Acidum Nitri gegeben hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer unerträglicher, gebe man Arsenicum und Lachesis alle Stunden eine Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. Opium mag gegeben werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende Hitze der Haut — mit oder ohne Schweiß.

Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche Farbe an, abwechselnd Bryonia und Belladonna alle halbe Stunden. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man Ipecacuanha oder Camphor.

Sulphur ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt. Wenn die Symptome, welche Belladonna erfordern, nach Einnahme dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis Sulphur.

Zeigen sich die Symptome der Bräune (Croup), so gebe man Aconitum und Hepar sulphuris abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.

Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man Pulsatilla alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man Belladonna und Hepar Sulphuris abwechselnd.

Gegen Ohrenfluß (Otorrhœa) gebe man Pulsatilla alle 6 Stunden eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser wird, gebe man Calcarea oder Silicea in derselben Weise. Zeigt das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns (heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf[S. 36] mit halboffenen Augen, Erbrechen bei Bewegung), so gebe man Bryonia und Helleborus abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.

Wenn der ganze Körper anschwillt, gebe man Belladonna und Helleborus abwechselnd alle zwei Stunden und darauf Bryonia oder Apis mellifica.

Sind, ehe der Ausschlag herauskommt, Verzuckungen vorhanden, so gebe man Belladonna und Cuprum abwechselnd alle 15 bis 20 Minuten eine Dosis.

Verordnung der Heilmittel. Von dem betreffenden Heilmittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wassers und gebe als Dosis einen Theelöffel voll alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Heftigkeit der Symptome angemessen.

Allöopathisch. Bei gelinden Fällen bleibe man im Hause in kühler frischer Luft, nehme verdünnte Getränke wie Flachssamen-Thee und eine leichte Kost, sowie die folgende Mischung, was alles sein wird, was nothwendig ist.

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) Unzen.
Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (Compound infusion of roses) 5 Unzen.
Zimmet-Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden zwei Theelöffel voll.

Bei schmerzhaftem Schlucken, entzündetem und geschwollenem Hals und Mandeln, vollem und springendem Puls, heißer und trockener Haut, gebe man folgendes Brechmittel:

Pulverisirten Ipecacuanha 10 Gran.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 10 Gran.
Gewöhnlicher Syrup 2 Drachmen.
Wasser 1 Unze.

Auf diese Arznei gebe man warmes Wasser, bis ein Erbrechen hervorgerufen ist. Dieses Mittel kann einem Kinde von 6 Jahren und darüber gegeben werden. Dr. Rush empfiehlt ein Brechmittel mit einem Abführmittel zu vereinigen, und zwar wie folgt: 5 Gran Calomel, 1 Gran Antimonium tartarisatum, oder 5 Gran pulverisirtes Ipecacuanha. Brechmittel sollten während dieser Krankheit, wo immer die Symptome schlechter werden, oder Magenkrankheit vorhanden ist, angewendet werden. Zur Beförderung der Thätigkeit der Haut wird folgendes Mittel gut gefunden werden:

Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitri) ½ Unze.
Tinctur von grüner Nieswurz (Tincture of veratrum viride) 20 Tropfen.
Pulverisirter Gummi-Arabicum 1 Skrupel.
Weiches Wasser 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Theelöffel voll. Acidum muriaticum ist ein gutes Heilmittel. Gebe 45 Tropfen in ein Glas versüßten Wassers und alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

[S. 37]

Als ein Gurgelwasser für den Hals gebrauche man eine Auflösung von Chlorkalk (chloride of lime) eine Unze auf das Pint.

Wenn das Kind zum Gurgeln noch zu jung ist, so binde ein Läppchen an einen Stock und wische den Hals aus. Ungefähr zweimal des Tages anzuwenden. Es schadet nichts, wenn das Kind zufällig etwas davon verschlucken sollte. Ferner ist es sehr zuträglich, das Kind Abends und Morgens mit derselben Auflösung abzuwaschen. Ein ausgezeichnetes Gurgelwasser ist das folgende:

Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (Compound infusion of roses) ½ Pint.
Verdünnte Salzsäure (Dilute muriatic acid) ½ Drachme.

Mische es.

Wenn die Symptome, wie in der zweiten Form angegeben, gebe man folgendes:

Citronen-Säure (Citric acid) 1 Drachme.
Doppeltkohlensaure Potasche (Bicarbonate of potash) 4 Skrupel.
Salpeter (Nitre) 2 Skrupel.
Zimmet-Wasser 2 Unzen.
Wasser 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle vier Stunden zwei Theelöffel voll. Tritt bedeutender Schweiß ein, gebe man das folgende mit obigem alle vier Stunden:

Auflösung von essigsaurem Ammoniak (Solution of acetate of ammonia) 2 Unzen.
Kohlensaures Ammoniak (Carbonate of ammonia) 3 Skrupel.
Syrup ½ Unze.

So viel Wasser, um ein halbes Pint zu machen. Dosis: Einen Eßlöffel.

Als ein Mittel gegen Ansteckung und für einen Trank möge das folgende angewandt werden: Bringe 2 Gran Chlorsaures Kali (chloride of potash) in eine Quartflasche, füge eine Drachme Chlorwasserstoff-Säure (hydrochloric acid) hinzu und halte die Flasche gut verkorkt. Man lasse die Mischung ungefähr eine halbe Stunde stehen und füge dann allmählig ein Quart Wasser zu. Schüttle die Mischung nach jeder Hinzufügung von Wasser, damit das Wasser das Gas in sich aufnimmt. Ferner noch drei Unzen Orangenschalen-Syrup. Dies kann von dem Kranken so oft er es wünscht getrunken werden.

Bei der bösartigen Form des Scharlachfiebers, wenn große Hinfälligkeit vorhanden ist, der Ausschlag nach Innen schlägt und die Haut eine purpurne oder mahoganyholzartige Farbe annimmt, die Zunge tiefroth oder dunkelbraun ist und die Geschwüre im Halse faulig werden, muß die Behandlung eine stärkende sein. Gieb ein Brechmittel und sind die Eingeweide verstopft, gebe man ein Abführmittel wie Castoröl. Dann gebe man das folgende:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of Quinine) 18 Gran.
Tinktur von Orangenschale 1 Unze.
Verdünnte Schwefelsäure (Dilute sulphuric acid) 1 Drachme.
[S. 38] Syrup von Orangenschale 2 Unzen.
Wasser 2

Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel voll in ein Weinglas voll Wasser dreimal des Tages für ein sechsjähriges Kind.

Folgendes wird ebenfalls gut sein.

Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) 2 Drachmen.
Aether 1 Drachme.
Kampher-Spiritus 1
Laudanum 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: Alle 3 oder 4 Stunden, oder wenn erforderlich auch öfters, einen Theelöffel voll.

Das folgende Gurgelwasser kann angewandt werden:

Chlorsaure Potasche (Chlorate of potash) ¼ Unze.
Starke Chlorwasserstoff-Säure (Strong hydrochloric acid) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.

Mische es.

Molken, Wein, oder Madera mit Milch kann zuweilen gebraucht werden.

Gegen Wassersucht, die hin und wieder einem Anfall von Scharlachfieber folgt, gebe täglich ein lauwarmes Bad und die zusammengesetzte Tinctur von virginischer Schlangenwurzel, bis eine ungehinderte Ausdünstung der Haut eintritt, alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in Katzenmünze (catnip) oder Balsam-Thee, dann verlängere die Zwischenräume.

Folgende Mischung wird von Condie bei Kinderkrankheiten empfohlen:

Calomel 12 Gran.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) 1 Drachme.
Fingerhut (Digitalis) 4 Gran.

Mische und theile es in 12 Pulver; gebe jede Stunde, oder alle 2, 3 auch 4 Stunden ein Pulver.

Wenn Schmerz in den Ohren und andere Anzeichen einer Entzündung vorhanden sind, empfiehlt Condie folgendes:

Präparirte Kreide (Prepared chalk) 36 Gran.
Calomel 12
Ipecacuanha 4
Bilsenkraut-Extrakt (Extract hyosciamus) 6

Mache 12 Pulver daraus und nehme eins alle Abend beim Schlafengehen und während des Tages etwas gelind Abführendes, wie schwefelsaure Magnesia. Tritt eine Entleerung aus den Ohren ein, so spritze sie häufig mit lauwarmem Gerstenwasser aus. Wenn die Absonderung dunkelgefärbt und übelriechend ist, gebrauche eine schwache Auflösung von Chlor-Soda (Chloride of soda), oder eine Abkochung von schwarzer Eichenrinde.

[S. 39]

Eclectische und Kräuterkur. Bei gelinden Anfällen ist nur eine geringe Behandlung erforderlich. Man gebe während des kalten Stadiums warmen Thee von Katzenmünze (catnip), Flöhkraut (pennyroyal), Salbei oder Saffran. Ist der Magen reizbar, und findet häufiges Erbrechen statt, so gebe man Sodawasser oder Frauenmünze- (spearmint) Thee. Ein Senfpflaster über den Magen wird zuweilen das Erbrechen erleichtern. Folgende Behandlung wird als eine erfolgreiche sehr empfohlen. Bei dem ersten Erscheinen der Symptome, gewöhnlich böser Hals, gebe man einer erwachsenen Person 60 bis 80 Gran Jalappenwurzel (jalap). Die Dosis muß dem Alter des Kranken angemessen vermindert werden. Des Nachts gebe man einen Theetassenkopf bis ein Pint voll starken rothen Pfefferthee, angemessen dem Alter des Kranken und der Heftigkeit der Symptome, den nächsten Tag ungefähr die Hälfte der obigen Menge von Jalappenwurzel und wieder Pfefferthee des Nachts. Am dritten Tage, wenn noch Schmerzhaftigkeit des Halses vorhanden ist, gebe man eine Dosis Bittersalz, welches in der Regel die Heilung vollenden wird.

Es ist eine allgemeine Regel, die Behandlung mit einem Brechmittel aus zusammengesetztem Pulver von Lobelia, oder für ganz kleine Kinder eine zusammengesetzte Tinctur der Lobelia zu beginnen. Von dem Pulver nehme man einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser alle 20 Minuten, bis Erbrechen eintritt. Von der Tinctur alle 15 Minuten einen halben Theelöffel voll in Syrup mit Wasser, bis es wirkt. Dieses Brechmittel mag drei oder vier Tage aufeinander — so lange als das Fieber stark anhält — gegeben werden. Prof. John King empfiehlt als ein Fieber-Linderungsmittel 1 Drachme Jasmin-Tinctur (tincture of gelseminum), mit 6 Tropfen Aconit-Tinctur alle Stunden, bis die Wirkung der Medizin die Symptome schwächt. Sechs bis acht Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser.

Folgendes ist ein brauchbares Gurgelwasser:

Chlorsaure Potasche (Chlorate of potash) ½ Drachme.
Salzsaures Ammonium (Muriate of ammonia) ½
Glycerine 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.

Alle zwei oder drei Stunden. Ist das Kind noch zu jung zum Gurgeln, spüle ihm den Mund damit aus.

Ein anderes gutes Gurgelwasser ist ein halbes Pint Essig und eben soviel Wasser, heiß, dazu füge einen Theelöffel voll Blutwurzel (blood root) und lasse es vor dem Gebrauch 6 bis 8 Stunden stehen.

Citronensaft wird bei bösem Hals zuweilen sehr dienlich gefunden. Schneide die Citrone in zwei Hälften, fülle eine Hälfte mit gepulvertem Brodzucker und lasse den Patienten daran saugen, so lange es nothwendig ist.

Bei der bösartigen Form kann, wenn sich typhöse Symptome einstellen, Folgendes gebraucht werden:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1 Skrupel.
[S. 40] Vitriol-Absud (Elixir of vitriol) 1 Drachme.
Tinctur von Cohosh Wurzel 12 Drachmen.
Tinctur von Belladonna 2

Zuerst löse das Chinin in dem Vitriol-Absud auf und füge die Tincturen von schwarzer Cohosh Wurzel und Belladonna hinzu. Einem Kinde von 6 Jahren gebe 5 und einem Erwachsenen 15 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser, alle Stunden von Mitternacht bis 12 Uhr am andern Tage.

Zeigen sich Symptome von Fäulniß, gurgle den Hals mit gleichen Theilen von Hefen und Milch, mit Honig versüßt, oder mit Hefen allein.

Wenn das Gesicht sehr geschwollen und entzündet ist, sind fein gestoßene Preiselsbeeren (granberries) ein schätzbares Mittel. Sie sind mit großem Erfolg angewandt worden.

Gegen den Ohrenfluß gebrauche man eine Einspritzung von Gelbwurzel (Golden seal), oder wenn der Ausfluß faulig ist, eine Auflösung von Chlor-Soda (Chloride of soda).

Gegen Wassersucht, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber folgt, gibt Prof. John King folgendes Mittel:

Salpeter 10 Gran.
Cremor Tartari 20 Gran.
Aufguß von Petersilien-Wurzel (Parsley root) 12 Unzen.

Mische es. Dosis für ein Kind von 5–8 Jahren jede Stunde einen Eßlöffel voll. Setze es fort, bis das Anschwellen verschwindet und eine ungehinderte Urin-Ausleerung stattfinden kann; in diesem Falle gebe man öfters einen Aufguß von Petersilien-Wurzel oder Haircap Moss. Das folgende stärkende Mittel mag gleichzeitig angewendet werden. Man nehme Entian-Wurzel (Gentian root), Columbo-Wurzel, süße Schwertlilien- (Sweet flag) Wurzel, Gelbwurz- (Golden seal) Wurzel, Cayenne-Pfeffer, jedes grob gepulvert und davon einen gehäuften Theelöffel voll; gieb es zu einem Pint guten Sherry-Weines, und nachdem dies einige Tage lang gestanden hat, nehme von einem Theelöffel bis zu einem Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.

Windpocken, Wasserpocken (Chicken Pox, Varicella).

Diese Krankheit kennzeichnet sich durch zahlreiche durchsichtige Bläschen, oder kleine Blattern. Zu einer Zeit betrachtete man sie als eine Art von Pocken (Variolæ), allein es ist bereits nachgewiesen, daß sie mit diesen nicht verwandt ist. Sie ist ansteckend.

Kennzeichen. Dem Ausschlag gehen Frost, fliegende Hitze, Schmerz im Kopf, Durst und Schlaflosigkeit voraus; in der Regel sind nur wenig bezeichnende Symptome vorhanden. Hierauf erscheint der Ausschlag, aber ohne die Regelmäßigkeit, welche die Pocken (Variolæ) bezeichnet, entweder zuerst im Gesicht, oder auf dem Rücken,[S. 41] oder auch auf irgend einem anderen Theile des Körpers; während der Ausschlag der Pocken (Variolæ) immer zuerst auf dem Gesicht erschien. Bei den Pocken (Variolæ) wird stets ein Schwimmen im Kopfe und anhaltendes Kreuzweh empfunden. Die Pustel der Windpocke erscheint sogleich in der Form einer Blatter, während jene der ächten Pocken in der Form einer Spitze gleich dem Kopfe einer Nadel auftritt. Die Pusteln der Windpocken haben nie eine Beule in dem Mittelpunkt, wie jene der ächten Pocken, und die in ihnen enthaltene Flüssigkeit ist hell und wird nicht gelb wie bei den ächten Pocken. Ungefähr am vierten oder fünften Tage trocknen die Blattern der Windpocken ab; es bilden sich Schorfen und fallen ab — selten oder nie lassen sie Narben zurück.

Behandlung.

Allöopathisch. Spärliche Kost, kühlende Getränke und ein gelindes Abführmittel wie folgt:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (solution of Acetate of Ammonia) 3 Unzen.
Destillirtes Wasser 3 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn ein beträchtliches Fieber vorhanden ist, gib kleine Dosen von Antimonium-Pulver mit essigsaurem Ammoniak und der Salpeter-Mischung — unter Scharlachfriesel bereits angegeben.

Eclectische und Kräuterkur. Ungefähr alles was nöthig ist, dem Patienten zu geben, besteht in Flöhkraut- (Pennyroyal), Salbei- (Sage), Saffran- oder Katzenmünze- (Catnip) Thee. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man Seidlitz-Pulver. Wasche die Oberfläche des Körpers mit Saleratus-Wasser und lasse den Kranken nicht aus dem Hause.

Homöopathisch. Gegen das Fieber und den Kopfschmerz gebe abwechselnd Aconitum und Belladonna.

Wenn ein Schmerzen der Knochen und gallenkranke Symptome vorhanden sind, gebe man abwechselnd Bryonia und Rhus.

Gegen Unruhe, nervöse Aufregung, gestörten Schlaf &c. gebe Coffea. Ist eine schmerzhafte Urin-Entleerung vorhanden, gebe Cantharis oder Conium, oder auch beides abwechselnd.

Wenn der Ausschlag sehr streng auftritt, gebe man Brechweinstein (Tartar emetic).

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gib alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Bei Fieber, Kopfschmerz, Unruhe &c. kann alle Stunden eine Dosis gegeben werden.

[S. 42]

Die Blattern oder Pocken (Small Pox, Variolæ).

Dieser sehr lästigen und ansteckenden Krankheit geht ein dreitägiges Fieber voraus, dem ein Ausschlag folgt, der in ungefähr acht Tagen seine Höhe erreicht. Sie ist sehr ansteckend. Es gibt zwei Arten: die deutliche, wo die Pusteln vollkommen von einander getrennt sind, und die zusammenfließende, wo sie sich vereinigen oder in einander laufen. Die Heftigkeit der Krankheit zeigt sich zum großen Theil in dem Ausschlag, je weniger Pusteln, desto gelinder ist die Krankheit. Die Krankheit wird, wie folgt, in vier Stadien eingetheilt.

Kennzeichen.Erstes oder Fieber-Stadium. Dieses Stadium beginnt in der Regel vom neunten bis zum vierzehnten Tag nach dem Ausbruch. Der Kranke klagt gewöhnlich über Frost, mehr oder weniger streng, dem ein starkes Fieber folgt, schneller Puls, belegte Zunge, Appetitlosigkeit, Durst, oft Uebelkeit und Erbrechen, starke Schmerzen in dem Kopf und dem Rückkreuz, sowie allgemeine Schmerzen und Uebelbefinden.

Es gibt nichts, was dieses Stadium von anderen Krankheiten unterscheidet, außer dem heftigen Kreuzweh. Die Kopf-Symptome sind häufig sehr heftig. Es ist große Unruhe und Reizbarkeit vorhanden, das Licht schmerzt die Augen, der Kopf schwimmt, Irrereden; der Kranke wird irre und zuweilen treten Krämpfe ein.

Zweites oder Ausbruchsstadium. Ungefähr am dritten Tage erscheint der Ausschlag in der Gestalt von kleinen, hellrothen Flecken, ungefähr in der Größe eines Nadelkopfes und zu derselben Zeit verschwindet das Fieber. Der Ausschlag erscheint zuerst auf dem Gesichte, dann am Nacken, Brust und Körper, und zuletzt auf Armen und Beinen. Dieses Stadium dauert ungefähr drei Tage, und während dieser Zeit gehen die Spitzen in Bläschen oder kleine Blattern über, welche mit einer wasserartigen Flüssigkeit gefüllt sind. Gleichzeitig mit dem Erscheinen des Ausschlags auf der Haut können wir auch eine starke Entzündung des Halses bei Zartheit und Anschwellen der Drüsen des Nackens wahrnehmen.

Drittes oder Eiter-Stadium. Die Bläschen nehmen jetzt an Größe zu und ändern ihre Pustelgestalt (enthalten Eiter). Die Flüssigkeit wird weißlich, endlich gelblich, und ist ähnlich wie bei einer Orange in Zellen abgetheilt. Auf der Spitze ist eine kleine[S. 43] Beule und die Haut um die Pusteln ist roth oder entzündet. Dieser Wechsel findet vom vierten bis zum sechsten Tage nach dem Ausbruche statt. Die Pusteln nehmen an Größe zu, werden hart und ausgedehnt, so groß wie eine gespaltene Bohne. In diesem Stadium ist das Gesicht sehr geschwollen und ein brennendes, ausgebreitetes, schmerzhaftes Gefühl ist vorhanden. Auch mag eine Schmerzhaftigkeit des Mundes mit Speichelfluß vorhanden sein. Sowie der Ausschlag zuerst im Gesicht erscheint, so gelangen auch die Pusteln im Gesicht in diesem Stadium zuerst zur Reife, während jene auf der Brust sich füllen und die auf den Gliedern noch wachsen; auf diese Weise wird der Schmerz vertheilt, welcher sonst unerträglich sein würde. Die Pusteln auf dem Gesichte beginnen am achten Tage sich zu verändern und die auf den Füßen zwei oder drei Tage später. In dieser Zeit findet eine eigenthümliche und unangenehme Ausdünstung des Körpers statt, woran ein mit dieser Krankheit Vertrauter sie in der Regel erkennen kann. Ungefähr um den achten oder neunten Tag der Krankheit erscheint das, was man secundäres Fieber nennt, welches von der Strenge, Ausdehnung und Spannkraft des Patienten abhängt. In der deutlichen Form nimmt es in der Regel mit den Pusteln ab.

Viertes oder Stadium der Austrocknung. Dies ist das Stadium der Abnahme. Ungefähr nach dem achten oder neunten Tag des Ausbruchs oder dem elften oder zwölften Tage der Krankheit werden die Pusteln an der Spitze braun und trocken, oder einige von ihnen brechen auf und der ausfließende Eiter bildet eine Kruste. Von da ab schreitet die Abtrocknung rasch vorwärts, das Anschwellen des Gesichts läßt nach und die Schorfe im Gesicht fangen am vierzehnten oder fünfzehnten Tage der Krankheit an abzufallen. Es dauert drei oder vier Tage nachdem sich die Schorfe auf dem Gesicht bildeten, so zeigen sie sich auch an den Knöcheln und Handgelenken. Nachdem die Kruste oder Schorfe abgefallen sind, erhält die Haut ein eigenthümliches Aussehen; es sind purpurrothe Flecken, die nach und nach verschwinden oder bei schweren Fällen, wo sich der Eiter durch die eigentliche Haut gefressen hat, bilden sich Vertiefungen, oder, wie man sagt, der Kranke wird pockennarbig. Der ganze Verlauf der Krankheit dauert zwei bis drei Wochen.

Die obige Beschreibung ist die des regelmäßigen, günstigen Verlaufs[S. 44] der Krankheit, da wo die Pusteln nicht in einander laufen. Wenn aber die Pusteln eine Masse bilden, ist die Gefahr und Dauer der Krankheit bei weitem erhöht. In dieser Form ist das Fieber stärker und nimmt vom Erscheinen des Ausbruchs bis zur Zeit der Reife oder dem dritten Stadium zu. Verzuckungen, Delirien und Betäubung sind häufiger; die Augenlider schwellen an, so daß der Kranke am fünften Tage nicht mehr sehen kann, der Hals ist sehr böse, sowie bedeutend geschwollen und die Entzündung kann sich auf die ganze Länge der Luftröhren ausdehnen, so daß durch Erstickung der Tod veranlaßt werden kann. Das Fieber hört nicht auf beim Erscheinen des Ausbruchs, sondern nimmt an Strenge zu und ist von Delirien, Betäubung, Blutstürzen, blutigem Urin und Ruhr begleitet, oder es kann mit einem Male den Tod herbeiführen.

Ursachen. — Die Veranlassung zu dieser Krankheit ist jedenfalls die Ansteckung. Irgend Jemand, der nicht durch Impfung oder einen früheren Anfall von Pocken unempfänglich ist, ist der Ansteckung zugänglich. Die Impfung schützt nicht immer, denn man kann, trotz geimpft zu sein, die Varioliden (eine gelindere Form der Pocken) bekommen. Die Zeit, welche von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen der Krankheit verstreicht, beläuft sich auf neun bis zwölf Tage.

Behandlung.

Allgemeine. Das Zimmer, in dem sich der Kranke befindet, sollte groß und luftig sein. Sorgfalt muß beobachtet werden, daß es mäßig kühl und dunkel ist. Die Kleidung und das Bettzeug des Kranken sollten jeden Tag oder alle zwei Tage gewechselt werden. Man wasche die Augen häufig mit Rosenwasser oder Ulmenrindenwasser (slippery elm), besonders wenn der Eiter aus den Pusteln hineinrinnt. Waschungen von kaltem Wasser, Milch mit Wasser oder schwachem Bleiwasser können im Gesicht angewandt werden, wenn dieses sehr entzündet ist. Die Nasenhöhlen sind vermittelst eines wohlgeölten Kameelhaar-Pinsels, mit welchem man mehrere Male des Tages hineinfährt, offen zu halten. Wenn aus den Symptomen ersichtlich, daß die Pocken zu den in einander laufenden zu zählen sind, sollte das Haar bei dem ersten Erscheinen des Ausschlages kurz geschnitten werden, überhaupt ist dies in jedem anderen Falle auch gut, denn sobald der Eiter aus den Pusteln fließt, wächst das Haar zusammen und bildet eine eckelerregende Masse, auch wird gleichzeitig dadurch die Masse des Ausschlags auf der Kopfhaut, sowie die Neigung zu Gehirnstörungen verringert. Eine Hauptsache bei der Behandlung der Pocken ist, zu verhindern, daß Narben entstehen, und in dieser Richtung werden eine große Anzahl Mittel[S. 45] empfohlen. Ein Mittel, das mit großem Erfolg in dem Kinderhospital von Paris angewendet wird, besteht in einer Mischung von 25 Theilen Mercurial-Salbe, 10 Theilen gelben Wachs und 6 Theilen schwarzen Pech. Andere öffnen jede Pocke, sobald sie blasenartig wird, mit einer Lanzette, und wenden salpeter-saures Silber (nitrate of silver), sehr fein zugespitzt, oder vermittelst des Betupfens mit einer Stecknadel einer sehr starken Auflösung an. Jodtinctur (tincture of iodine) wird sehr empfohlen, welche vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die ganze kranke Oberfläche gestrichen wird. Dr. Stokes von Dublin empfiehlt ein Pflaster von Flachssamen, auf irgend einen weichen Stoff gestrichen und mit geölter Seide oder Gutta-Percha bedeckt. Die Anwendung dieses Pflasters muß vom Beginn der Krankheit bis zum Abtrocknungs-Stadium stattfinden. Das vielleicht wirksamste Mittel ist das von Dr. Bennett von Edinburgh empfohlene. Nämlich ein Pflaster aus 3 Theilen kohlensaurem Zink (carbonate of zinc) und 1 Theil Zink-Oxid (oxide of zinc) in einem Mörser mit soviel Olivenöl, um einen dicken Brei zu bilden, gemischt. Dieses muß dick auf das Gesicht gelegt und sogleich wieder erneuert werden, wenn es sich irgendwo abreiben sollte. Was immer auch angewendet werden mag, so darf es doch nicht später als am dritten Tage angewendet werden.

Eclectische und Kräuterkur. Beim Beginn der Krankheit gebe man ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia, wenn einem Erwachsenen, dann Dosen von einem halben Theelöffel voll alle 15 Minuten, bis ungehindert Erbrechen eintritt, wenn einem Kinde — dann Dosen von einem halben bis ganzen Theelöffel voll in Syrup und Wasser alle 15 Minuten. Sind die Fieber-Symptome streng und der Kranke ist verstopft, so gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser und verordne ein Seidlitzpulver; das Pulver kann in vier oder sechs Stunden wiederholt werden, wenn es das erste Mal wirkungslos blieb. Gegen die Uebelkeit des Magens gebe man warmen Frauenmünz- oder Pfeffermünzthee (spearmint oder peppermint) mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus, auch eine Einspritzung von Eibisch-Wurzel und Pfirsichblätter (Marshmallow root and peach leaves), sowie auch einen Senfumschlag auf den Unterleib. Bis zum Erscheinen des Ausschlages kann auch der Körper öfter mit warmem schwachem Laugenwasser gebadet werden. Gegen großen Schmerz im Kopf und Kreuz wende Senfpflaster längst des Rückgrats, auf den Knöcheln und Fußsohlen an, auch bade man den Kopf in Essig und Wasser. Gegen den bösen Hals und zur Entfernung des Luftröhrenschleims aus dem Hals gebe man folgendes:

Blutwurzel (blood root) 1 Unze.
Lobeliasamen gepulvert 1 Unze.
Ipecacuanha 2 Unzen.
Cayenna ½ Unze.
Whiskey 1 Quart.

Lasse dies eine Woche stehen. Dosis: Gelegentlich einen oder zwei Theelöffel[S. 46] voll. Ein gutes Gurgelwasser ist eine Abkochung von Salbei (Sage) und Isop (Hyssop) mit Borax und Honig. Wenn das premiäre und secundäre Fieber sehr heftig ist, gebe 15 bis 20 Tropfen von Schlangenwurzel-Tinctur (tincture of black Cohosh) alle zwei oder drei Stunden.

Nach dem Erscheinen des Ausschlages kann das folgende mit ausgezeichnetem Erfolg angewendet werden. In ein Pint kochenden Wassers gebe man eine Unze gepulverte Wurzel der Schlangenwurzel (black Cohosh) und lasse davon ein oder zwei Eßlöffel voll alle drei Stunden warm nehmen; setze es fort, bis die Pusteln zu trocknen beginnen. Füllen sich die Pusteln nicht recht und sind schlaff, so gebe man Molkenwein (wine whey) oder Milchpunsch, unbeschränkt; verschwinden sie und schlagen nach Innen, so mögen Theelöffeldosen von der zusammengesetzten Virginischen Schlangenwurzel-Tinctur (Virginia Snake root) oder ein Aufguß von Schlangenwurzel (black Cohosh) in größeren Dosen gegeben werden. Wenn sich bösartige Symptome, sowie eine faulige Diarrhöe einstellen, gebe man einen Theelöffel voll gepulverte Kohle, einen halben Theelöffel voll Salpeter, gemischt, drei- oder viermal des Tages. Auch gleiche Theile von Hopfen-Hefe und Salat-Oel in Eßlöffeldosen.

Homöopathisch. Für das erste oder Fieberstadium ist die Behandlung wie folgt:

Aconitum. — Besonders während des Frostschauers und Fiebers, auch wenn starke Schmerzen im Kopfe, vollen Puls, Delirium und Unerträglichkeit des Lichtes vorhanden ist. Belladonna kann abwechselnd damit gegeben werden, besonders gegen Kopfschmerz und Delirium.

Gegen starke Rückenschmerzen, mit Schmerzen in den Knochen und allgemeines Unwohlsein gebe man Bryonia und Rhus Toxicodendron abwechselnd. Gegen Uebelkeit gebe Tartarus Emeticus. Wird der Patient unempfindlich — bei Betäubung und schnarchendem Athem gebe man Opium, wenn große Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden, gebe man Coffea und Belladonna abwechselnd.

Behandlung im zweiten oder Ausbruchs-Stadium. Wenn das Delirium nach Belladonna nicht verschwindet, gebe man Stramonium, besonders wenn der Ausschlag nicht leicht herauskommt.

Sind aber die Symptome dieses Stadiums nicht streng, so gebe man Tartarus Emeticus und Thuja abwechselnd. Gegen den rauhen, röchelnden Husten gebe man Tartarus Emeticus oder Ipecacuanha.

Behandlung im dritten oder Abtrocknungs-Stadium. Bei beträchtlichem Fieber und besonders gegen bösen Hals und übermäßigen Speichel gebe man Mercurius.

Wird die Haut zwischen den Pusteln schwarzgelb oder dunkelbraun und die Pusteln werden schlaff, so gebe man Arsenicum. Wenn die Pusteln schwarz werden und der Kranke sehr schwach ist und es zeigen sich typhoide Symptome,[S. 47] gebe man Rhus Toxicodendron abwechselnd mit Arsenicum. Acidum muriaticum ist ebenfalls gut gegen dieselben Symptome.

Behandlung im vierten oder Abschuppungs-Stadium. Beim Beginn dieses Stadiums gebe alle Abende eine Dosis Sulphur. Hört die Diarrhöe nicht auf, gebe man alle drei oder vier Stunden Mercurius.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Gegen das dem Ausschlag folgende Fieber gebe man nachstehendes Brechmittel:

Brechweinstein (Tartar Emetic) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.

Mische es und gebe es auf einmal.

Nach dem Brechmittel gebe folgendes Abführmittel:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of Potash) 10 Gran.
Lakritzen-Extrakt 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennablättern (Compound infusion of senna) Unze.
Tinctur von Senna-Blättern oder Jalappenwurzel 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (Spirit of sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll.

Das Fieber kann durch folgendes abführendes Salz eingeschränkt werden:

Steinalaun (Rochelle salt) oder Weinsteinsaure Potasche (Tartar of Potash) 1 Unze.
Kohlensaure Magnesia (Carbonate of magnesia) 1 Drachme.
Pfeffermünzwasser 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Dies wird gleichzeitig die Eingeweide mäßig offen halten.

Nachdem der Ausschlag sich vollständig entwickelt hat und das secundäre Fieber erscheint, gebe folgendes:

Flüssiges Ammoniak (Spirits of mindererus) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.

Mische es. Alle 3 Stunden einen Eßlöffel voll.

Calcinirte Magnesia (Calcined magnesia) 1 Drachme.
Wasser 2 Unzen.

Mische es. Nimm es auf einmal und wiederhole so oft als nothwendig.

Wenn der Patient, besonders des Nachts, von Husten abgemattet wird, gebe man folgendes von Dr. Condie empfohlene Mittel:

Schleim des Akazien-Gummi’s (Mucilage of Gum Acacia) 3 Unzen.
[S. 48] Syrup von Meerzwiebeln (Syrup of squills) 1 Drachme.
Spiritus von Salpeter-Aether (Spirits of nitric ether) 3 Drachmen.
Ipecacuanhawein 1 Drachme.
Mit Kampfer gesättigte Tinctur des Opiums (Camphorated tincture of Opium) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

Wenn die Symptome, wie Schmerz im Kopf, fliegende Hitze und Delirium eine Störung im Gehirn anzeigen, muß am Arme Blut entzogen, an den Schläfen und hinteren Theile des Nackens müssen Blutegel gesetzt und für die Füße ein Senfbad gemacht werden. Zu derselben Zeit gebe ein Abführmittel, wie Calomel und Jalappenwurzel, oder einen Aufguß von Sennesblättern.

Kommt der Ausschlag nicht recht heraus, und der Kranke beklagt sich bei häufigem Erbrechen und Brustbeklemmung über große Reizbarkeit des Magens, gieb ihm ein warmes Bad, lege Flaschen mit heißem Wasser zu seinen Füßen und in warmem Wasser ausgerungene Tücher über seinen Magen.

Gegen bösen Hals kann folgendes als ein Gurgelwasser gebraucht werden:

Chlorsaure Potasche (Chlorate of potash) ¼ Unze.
Starke Chlorwasserstoffsäure (Hydrochloric acid) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.

Mische es. Gebrauche mehrere Male des Tages.

Oder:

Zusammengesetzter Aufguß der Rosen (Compound infusion of roses) ½ Pint.
Verdünnte Salzsäure (Dilute muriatic acid) ½ Drachme.

Mische es.

Wenn Diarrhöe vorhanden, so mag dieselbe mit dem folgenden gehemmt werden:

Kreidemischung Unzen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinctur (Compound tincture of cardomons) 3 Drachmen.
Catechu-Tinctur 3 Drachmen.
Laudanum 20 Minims.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll alle 4 Stunden.

Die Kost bei den Pocken sollte aus Wasser, Eiscream, Limonade, Orangen, gebratenen Aepfeln, gedünsteten Pflaumen, Erdbeeren, Haferschleim, trockener, gerösteter Brodschnitte u. s. w. bestehen. Ist Diarrhöe vorhanden, so sollten Früchte und Eiscream nicht gestattet werden. In jedem Falle muß dem Kranken animalische Kost (Fleischspeisen &c.) bis zu seiner völligen Wiedergenesung vorenthalten bleiben.

Als ein Schutzmittel gegen diese Krankheit muß die Impfung angewendet werden, was Jedermanns Pflicht gegen sich selbst, seine Familie und seine Freunde ist. Sie ist die einzige Versicherung gegen diese fürchterliche und so[S. 49] lästige Krankheit. Es ist sehr gut, wenn sich die betreffenden Personen, sobald sich die ersten Symptome zeigen, impfen lassen, denn es mag den Anfall bedeutend mäßigen.

Anmerkung. Bei dieser Krankheit (den ächten Pocken) ist es das Beste, einen erfahrenen Arzt zu Rathe zu ziehen, besonders bei der ineinander fließenden Form.

Varioloiden.

Diese Krankheit ist nur eine gelindere Form der ächten Pocken und die Behandlung für beide ist ein und dieselbe. Eine Person, die geimpft wurde, kann die Varioloiden bekommen, aber sie werden sehr mild auftreten.

2. Chronische Hautausschläge.

Jucken und Reizung der Haut.

Dies ist ein Ausschlag eines feinen farblosen Friesels unter der Haut. Er ruft ein sehr unangenehmes und lästiges Kitzeln, das zuweilen unerträglich wird, hervor. Die heftigere Form ist von einem Gefühl begleitet, wie es kriechende Ameisen oder stechende Insekten hervorbringen. Er dauert zuweilen Monate und Jahre lang und wird gewöhnlich durch das Aussetzen ungewöhnlicher Hitze und Kälte, gewisse Mischungsmittel &c. hervorgerufen.

Behandlung.

Allgemeine. Jeden Abend vor dem Schlafengehen eine gute Waschung von Wasser mit spanischer Seife (castile soap), welche man eintrocknen läßt. Branntwein oder Alcohol kann in derselben Weise gebraucht werden. Eine Unze von Citronensaft in einem Pint Wasser in demselben Verhältniß angewendet, wird zweckentsprechend gefunden werden; ebenso Wasser und Kampher-Spiritus. Die Kost sollte dabei sorgfältig geordnet und alles Reizende vermieden werden.

Homöopathisch. Pulsatilla. — Wenn das Kitzeln im Bette, oder wenn nahe am Feuer sich verschlimmert, besonders nach Kratzen. Eine Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen und Abend.

Ledum palustre. — Im Fall das Kitzeln nach dem zu Bett gehen beginnt, von einem zum andern Platze springt und der Ausschlag Flohbissen gleicht. Man gebe es in derselben Weise wie Pulsatilla.

Mercurius. — Wenn das Kitzeln die ganze Nacht fortdauert und nach dem[S. 50] Kratzen leicht blutet. Es ist gut, dieses abwechselnd mit Causticum jeden Abend zu geben.

Ist das Jucken von einem starken Brennen begleitet, gebe man Bryonia und Rhus abwechselnd alle 4 Stunden; eine Dosis (6 Kügelchen). Gebe diese Mittel zwei Tage lang und dann Hepar sulphuris jeden Morgen und Abend eine Dosis. Wenn nach einer Woche nicht besser, nehme man Morgens und Abends eine Dosis Carbo vegetabilis.

Nux vomica und Arsenicum abwechselnd wird sich zuweilen vortheilhaft bewähren.

Befällt es alte Leute, so gebe man Opium und Secale abwechselnd jeden Abend eine Dosis.

Wenn es durch die Hitze im Sommer hervorgerufen wird, gebe man Lachesis und Lycopodium abwechselnd Abends.

Silicea und Sulphur sind gut bei hartnäckigen Fällen. Andere Heilmittel sind: Thuja, Graphites, Petroleum, Calcarea Carbonica, Sepia, Conium.

Allöopathisch. Erasmus Wilson empfiehlt folgendes:

Verdünnter holzsaurer Holzessig (Pyroligneous acid) ½ Unze.
Gepulverter Kampher ½ Drachme.
Rosenwasser 1 Pint.

Mische es.

Folgendes wird auch gut gefunden werden:

Kohlensaure Soda (Carbonate of soda) 1 Drachme.
Hydrocyan-Säure (Hydrocyatic acid) 1
Destillirtes Wasser 8 Unzen.

Mische es.

Zwei Drachmen schwefelsaure Potasche mit einem Pint Wasser kann auch versucht werden.

Bei hartnäckigen Fällen möge folgendes angewendet werden:

Scharfes salzsaures Quecksilber (Corrosive sublimate) 2 Gran.
Basisches Quecksilber-Oxyd (Hydrochloras ammoniacus) 2 Gran.
Rosenwasser und Almond-Mischung, von jedem 4 Unzen.
Hydrocyan-Säure 1 Drachme.

Mische es. Dies sollte bei Kindern nicht angewendet und, da es giftig ist, sollte sehr sorgsam damit umgegangen werden.

Frostbeulen (Chilblains)

sind eine lästige entzündete Anschwellung, welche gewöhnlich an den Fersen und Füßen erscheint und durch Kälte verursacht wird. Sie sind roth oder purpurn und verursachen durch das ungewöhnliche Kitzeln, Stechen und Prickeln große Unbehaglichkeit. Wenn der Frost einen Theil des Körpers angegriffen hat (frost-bitten), so[S. 51] muß er zu seinem natürlichen Wärmezustand, sehr langsam, stufenweise zurückgeführt werden, auf welche Weise man Frostbeulen meistentheils vermeiden kann.

Behandlung.

Bei dem ersten Erscheinen kann eins von den folgenden Mitteln angewendet werden:

Zusammengesetztes Kampher-Liniment 6 Drachmen.
Seifensalbe 6
Kanthariden-Tinctur (Tincture of cantharides) ½ Unze.

Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

Collodium 1 Unze.
Venetianischer Terpentin ½
Castoröl 2 Drachmen.

Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

Wenn man damit befallene Theile mit gepulverter Stärke vermittelst der Hand einreibt, wird zuweilen das unerträgliche Kitzeln vermindert. Petroleum oder Kohlenöl ist ein ausgezeichnetes Mittel. Feuchte ein Tuch damit an und binde es über den kranken Theil. Bei hartnäckigen Fällen kann das folgende empfohlen werden:

Olivenöl 5 Unzen.
Venetianischer Terpentin 1 Unze.
Gelbes Wachs ½
Alkanna-Wurzel (Alcanet root) 2 Drachmen.

Mische dasselbe, koche es zusammen und presse es aus, dann nehme

Peruanischer Balsam (Balsam of Peru) 1 Drachme.
Kampher 5 Gran.

Mische es, füge die warme Mischung hinzu und rühre es so lange, bis es erkaltet.

Frostbeulen können dadurch, daß man sie mit dem gewöhnlichen Seifenpflaster bedeckt, an dem Aufbrechen verhindert werden.

Ist die Entzündung und Geschwulst bedeutend und bilden sich Blasen, wird das folgende, „Devergier’s Salbe“ genannt, sehr wohlthuend sein:

Schweinefett 1 Unze.
Essigsaures Blei (Acetus plumbi) 5 Gran.
Opium-Extrakt 3
Kreosot 10

Mische und gebrauche es jeden Morgen und Abend.

Gleiche Theile von Petroleum und Kalkwasser werden auch in diesen Fällen Erleichterung verschaffen. Nachdem die Blasen aufgebrochen sind, mache Umschläge von Brod und Milch oder Flachssamen mehrere Tage lang. Hierauf[S. 52] bedecke die Oberfläche mit einer aus gleichen Theilen zusammengesetzten Salbe von salpetersaurem Quecksilber (Nitrate of mercury) und einfacher Wachssalbe und auf Charpie oder ein weiches Tuch gestrichen.

Einige einfache Mittel gegen Frostbeulen sind die folgenden:

1. Eine Unze schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) in einem Pint Wasser aufgelöst. Bade darin den erkrankten Theil mehrere Male des Tages.

2. Eine Unze salzsauren Ammoniak (Ammonium muriaticum) aufgelöst in einem Pint Apfel- (Cider) Essig. Wie das vorhergehende zu gebrauchen.

3. Zusammengesetzte Seifensalbe, 2 Unzen, und Kanthariden-Tinctur, 1 Unze. Mische es und gebrauche es wie Nro. 1 und 2.

4. Essig und Alcohol, von jedem ein halbes Pint, salzsaures Ammoniak (Muriate of ammonia), eine Unze. Mische es und gebrauche es wie die früheren.

Zittermahl — auch Gürtelrose (Herpes Circinnatus, Ringworm).

Diese Krankheit ist an einem Ausschlag von kleinen Blasen (blatternartig) in der Form eines Ringes, dessen Mittelpunkt seine natürliche Farbe behält, kenntlich. Sie ist von einer leichten prickelnden und kitzelnden Empfindung begleitet. Die Blasen trocknen allmählig, Schorfe bilden sich und fallen zur Zeit ab. Die Haut bleibt roth. Die Krankheit kann an irgend einem Theile des Körpers auftreten, aber vorzugsweise wird sie am Hals oder im Gesicht gefunden. Sie wird durch das sich der Kälte und Feuchtigkeit Aussetzen, unregelmäßige Kost, Ermüdung &c. hervorgerufen.

Behandlung.

Allgemeine. Aufmerksamkeit sollte der Kost zugewendet und alle stimulirenden Nahrungsmittel vermieden werden. Halte die Glieder rein, und ein gelegentliches lauwarmes Bad wird sehr zuträglich gefunden werden. Es ist gut, jede einzelne Blase mit einer Nadel zu öffnen, damit die Flüssigkeit auslaufen kann, was häufig das Kitzeln vermindern wird.

Allöopathisch. Bei heftigen Anfällen gebe man einige gelinde Abführmittel, wie Schwefel und Magnesia, oder Schwefel und doppeltweinsteinsaure Potasche (Bitartrate of potash). Das Prickeln, Kitzeln und Brennen kann durch eine Abwaschung mit essigsaurem Blei (Acetas plumbi) und ein wenig Alcohol, oder durch die Anwendung der essigsauren Bleisalbe erleichtert werden. Der Saft der grünen Schale der Wallnuß, Tinctur von Galläpfeln, oder eine starke Waschung mit essigsaurem oder schwefelsaurem Kupfer sind Mittel, welche Condie empfiehlt.

Eclectische und Kräuterkur. Die folgende Salbe ist von Dr. John King empfohlen:

[S. 53]

Gagel (Bayberry tallow) ½ Unze.
Süßer Gummi (Sweet gum) ½
Hammeltalg (Mutton suet) 1

Mache es zusammen flüssig und presse es.

Folgendes wird für ein unfehlbares Mittel gehalten:

Man nehme Taback-Blätter, koche sie und füge Essig und starke Lauge zu der Flüssigkeit. Wasche den Ausschlag mehrere Male des Tages. Auch Castoröl, häufig angewendet, soll ein sicheres Mittel sein.

Peruanischer Balsam (Balsam of Peru) mit einer gleichen Menge Talg mag zuweilen helfen.

Homöopathisch. Sepia kann in Dosen von 6 Kügelchen Morgens und Abends gegeben werden. Wenn es nach Verlauf einer Woche nicht hilft, gebe Rhus toxicodendron und Sulphur einen Tag um den andern eine Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach zehn- oder vierzehntägiger Anwendung dieser Heilmittel keine Besserung eintritt, gebe man Calcarea und Causticum einen Tag um den andern oder man gebe eins allein — jeden Abend eine Dosis.

Andere Heilmittel sind Graphites, Silicea, Acidum Nitre, Mercurius. Diese mögen ebenso gegeben werden wie die vorhergehenden.

Flechten (Tetter, Herpes).

Flechten können in trockene und nasse eingetheilt werden. Zu der trockenen Gattung mögen z. B. Schorf (dandruff) gezählt werden. Er ist kenntlich an sehr kleinen weißen Schuppen oder Schorfen und wird auf dem Gesicht, Kopf, Brust, Händen, Füßen und an den Gelenken gefunden. Häufiger befällt er die Kopfhaut.

Nasse Flechte schließt folgendes in sich: Ecthyme, die Blatterflechte (eczema), welche in einem Ausschlag von kleinen wässerigen Bläschen an verschiedenen Theilen des Körpers und zwar dicht zusammengedrängt besteht. Oeffnen sich diese Bläschen oder werden sie geöffnet, so breitet sich die Flüssigkeit über die gesunde Haut aus und pflanzt dadurch die Krankheit fort. Bleiben sie geschlossen, so trocknen sie auf und bilden eine Kruste.

Eine andere Art ist die Pemphigus. — Die Nesselsucht ist ein Ausschlag von Wasserblasen, welche eine wässerige Flüssigkeit, gleich der einer gewöhnlichen Blase enthalten. Sie sind bezüglich ihrer Größe verschieden und wechseln von der Größe einer gespaltenen Erbse bis zu der einer halben Wallnußschale. Sie wachsen sehr schnell, brechen auf und lassen eine rauhe Oberfläche, welcher bald heilt, zurück.

Der RothlaufgürtelShinglesCingulum ist eine ander Form der nassen Flechte. Ein leichtes Fieber geht in der Regel[S. 54] zwei bis drei Tage einem Anfalle dieser Krankheit voraus, dann folgt ein Ausschlag von kleinen durchsichtigen Bläschen, mit einer farblosen zuweilen bräunlich gefärbten Flüssigkeit. Es zeigt sich auf dem Gesicht, den Händen und Füßen, aber in der Regel auf dem Körper, wo der Ausschlag die Gestalt eines Gürtels oder Ringes annimmt und rings um den Körper herumläuft.

Es gibt noch verschiedene Gattungen von Flechten, ich hielt es aber für genügend, nur diese wenigen anzuführen, denn die meisten Krankheiten der Haut sollten von einem erfahrenen Arzt behandelt werden.

Behandlung.

Allgemeine. Das erste, was bei der Behandlung dieser Krankheit in Betracht zu ziehen ist, ist die Reinlichkeit. Ohne genaue Beachtung dieses Punktes ist die Behandlung dieser Krankheit um Vieles schwerer als es andererseits der Fall sein würde. Eine Verordnung von spanischer Seife (castile soap) und Wasser ist dringend nothwendig und in manchen Fällen sogar unentbehrlich. Auch der Kost muß gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Allzureiche, reizende und stark gewürzte Speisen müssen vermieden und nichts außer einfacher nährender Kost genommen werden. Ein gelegentliches warmes Bad wird sehr wohlthuend gefunden werden — ebenso das Schwefelbad.

Eclectische und Kräuterkur. Eine gute Behandlung gegen Rothlaufgürtel besteht in der Regulirung der Eingeweide vermittelst gelinder Abführmittel, wie Magnesia; dann lasse man den Kranken viel von einer Abkochung von Klette (Burdock), Yellow dock und Sassafras-Wurzel einige Tage lang nehmen oder verordne den zusammengesetzten Syrup von Yellow dock. Wasche den Körper Abends mit Saleratus-Wasser. Die Salbe von Gagel (Bay berry tallow), unter Zittermahl angegeben, wird sich auch hier wohlthuend erweisen, oder auch folgendes:

Zink-Oxyd Unzen.
Benzoe-Säure (Benzoic acid) 1 Drachme.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia) 1 Skrupel.
Rosenöl 10 Minims.

Stoße alles im Mörser zu einem feinen Pulver, dann füge folgendes hinzu, welches vorher gemischt werden muß:

Olivenöl 1 Pfund.
Weißes Wachs 2 Unzen.
Spermaceut (Spermaceti) 5

Rühre es bis es kalt wird.

Gegen Eczema kann das folgende angewendet werden: Zwei Unzen von Yellow dock und ebensoviel Blutwurzel (blood root); wasche und lege es in[S. 55] ein Pint Alcohol und ebensoviel Essig; lasse es vor dem Gebrauch eine Woche oder zehn Tage lang stehen. Diese Mischung sollte ein- oder zweimal des Tages angewendet werden, ebenso auch die folgende Salbe:

Frische Butter 4 Unzen.
Venetianischer Terpentin 1 Unze.
Rothes Präcipitat (Quecksilberniederschlag) 3 Drachmen.

Mische es.

Gegen Pemphigus kann die folgende Salbe angewendet werden:

Zink-Oxyd (Oxide of zinc) 1 Drachme.
Sparmaceut-Salbe (Spermaceti ointment) 1 Unze.

Mische und wende es Abends an.

Homöopathisch. Gegen Gürtelrose (Shingles, Cingulum) ist es gut, die Behandlung mit Aconitum zu beginnen, besonders wenn Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerz &c. vorhanden ist. Nachdem man einige Dosen davon gegeben hat, gebe man alle drei Stunden eine Dosis Rhus toxicodendron (6 Kügelchen).

Bei Uebelkeit und Erbrechen Tartarus emeticus.

Bildet sich Eiter in den Bläschen, gebe man Hepar sulphuris, ebenso wie Rhus.

Wenn bei trockener Haut, Durst &c. ein brennendes Gefühl vorhanden ist, gebe man Arsenicum.

Bei Eiterung des Ausschlages kann man die folgenden Mittel geben: Mercurius, Sepia, Lycopodium, Sulphur. Zwei Tage lang alle drei oder vier Stunden eine Dosis von einem dieser Heilmittel; tritt keine Besserung ein, wechsle es gegen ein anderes. Kopfgrind (dandruff) erfordert eins von den folgenden Mitteln: Dulcamara, Sepia, Sulphur, Silicea.

Eczema erfordert Rhus, Graphites, Calcarea, Lycopodium, Sulphur, Dulcamara.

Pemphigus erfordert Carbo veg., Rhus, Sulphur, Graphites, Mercurius, Lycopodium.

Ist das Kitzeln sehr heftig, gebe Acidum Nitri, Phosphorus, Graphites; wird es durch die Wärme erhöht, Clematis, und verschlimmert es sich am Abend, gebe Alumina und Staphysagria.

Verordnung der Heilmittel. Nimm eine Dosis (6 Kügelchen) des betreffenden Heilmittels zwei Wochen lang Morgens und Abends. Stellt sich zu Ende dieser Zeit keine Besserung ein, wähle ein anderes Heilmittel und gib es in derselben Weise.

Allöopathisch. Gegen nasse Flechten, wie Gürtelrose, Eczema, Pemphigus möge die folgende Behandlung angewendet werden:

Ist der Kranke alt oder schwächlich, gebe:

[S. 56]

Doppelkohlsaure Soda ½ Unze.
Zusammengesetzter Aufguß von Enzian 4 Unzen.
Colombo-Wurzel-Tinctur 1 Unze.
Orangenschalen-Syrup ½

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Gleichzeitig gebrauche:

Hollunder-Blüthen-Salbe 1 Unze.
Zink-Oxyd 1 Drachme.

Ist der Organismus in gutem Zustande, so mag das folgende angewendet werden:

Blaue Pillen 1 Skrupel.
Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen 2

Mische es. Theile es in 12 Pillen und nimm als Dosis eine oder zwei, bis sie wirken. Gleichzeitig folgendes:

Eine Abkochung von Sarsaparilla ½ Pint.
Potaschen-Hydriodat 25 Gran.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Folgende Waschung kann gebraucht werden:

Wein-Spiritus Unzen.
Destillirtes Wasser 1 Pint.

Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

Wenn die Krusten anfangen abzufallen, gebrauche:

Schwefelsaures Zink ½ Drachme.
Destillirtes Wasser 1 Pint.

Mische es.

Gegen Kopfgrind dient folgende Waschung:

Auflösung von Potasche 2 Drachmen.
Acidum hydrocianicum (verdünnt) 1 Drachme.
Almond-Mischung ½ Pint.

Mische und gebrauche es ein- oder zweimal des Tages.

Wenn nach Anwendung dessen eine Zeitlang keine Besserung eintritt, gebrauche man das Folgende:

Salbe von Quecksilber-Salpeter (Mercurius nitrosus) 1 Theil.
Spermaceut-Salbe 2 Theile.

Mische es.

Bei chronischen Ausschlägen dieser Art kann man sich des folgenden mit Erfolg bedienen:

Präparirter Schwefel 1 Skrupel.
Kohlensaure Magnesia 10 Gran.
Zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel und Ingwer von jedem 5 Gran.

Mische es und nehme eine kleine Portion zweimal des Tages.

[S. 57]

Krätze (Itch, Scabies).

ist ein ansteckender, in der Regel von Unreinlichkeit herrührender Ausschlag.

Ursache: Er wird durch die Anwesenheit eines sehr kleinen Insekts, Acarus Scabies genannt, hervorgerufen. Kommt dieses Insekt auf die Haut, so beginnt es sofort zu arbeiten und bohrt sich eine Wohnung unter der Epidermis oder Schleierhaut. Natürlich verursacht das Herumkriechen dieses ungebetenen Gastes ein unerträgliches Jucken, das, wie James I. bemerkte, als der Luxus des Kratzens sehr in Aufnahme kam, nur für Könige gemacht sei.

Symptome. Als etwas ganz Gewöhnliches erscheint dieser Ausschlag zuerst an den Handgelenken und zwischen den Fingern. Derselbe besteht in kleinen punctirten Bläschen, mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllt. Anfänglich sind diese Blasen von einer blaßrothen oder Fleischfarbe; aber die Haut bricht bald auf und die Flüssigkeit bildet einen dünnen Schorf. Er kann unter anderen Ausschlägen an seiner Form, dem überstarken Jucken und dadurch, daß er nie im Gesicht gefunden wird, erkannt werden. Das Jucken ist des Nachts schlimmer und wird durch die Bettwärme erhöht.

Behandlung.

Gegen diese Krankheit ist beinahe Schwefelsalbe das einzige Mittel, das hilft. Dies zerstört das Insekt und bewirkt dadurch die Heilung. Gebrauche einen Theil Schwefelmilch und zwei Theile Schweinefett. Mische und reibe es gehörig in die Haut. Andere Zubereitungen sind wie folgt:

Schwefel 2 Unzen.
Kohlensaure Potasche (Carbonate of Potash) 2 Drachmen.
Präparirtes Schweinefett 4 Unzen.

Mische es.

Schwefel 1 Unze.
Boraxsaure Soda (Borate of Soda) 1 Drachme.
Salzsaures Ammoniak (Muriate of ammonia) 1
Weißes Präcipitat-Quecksilber (White Precipitate of Mercury) 2 Skrupel.
Präparirtes Schweinefett 2 Unzen.

Mische es. (Frisch.)

Welches immer von den vorstehenden Mitteln gebraucht wird (und ich möchte gewöhnlichen Schwefel und Schweinefett empfehlen), so muß sich der Kranke vom Kopf bis zum Fuß und zu den Fingerspitzen einschmieren; an[S. 58] einem Feuer gehörig in die Haut einreiben, sich mit Socken, Unterhosen und Flanellhemd bekleiden und 36 Stunden im Bett verbleiben, während welcher Zeit die Einreibung zweimal erfolgen muß. Hierauf reinige die Haut vermittelst eines warmen Bades gründlich. Reicht dies nicht hin, so wiederhole man die Kur noch einmal. Bei milderen Fällen wird ein Schwefeldampfbad, ein- oder zweimal des Tages genommen, schnell Erleichterung verschaffen.

Milchschorf (Milk Crust, Crusta Lactea).

Diese Krankheit tritt mehr als zu irgend einer andern Zeit bei dem Durchbruch der ersten Zähne auf und erscheint auf der Stirne, den Wangen oder der Kopfhaut. Der Ausschlag besteht im Anfang in rothen Blattern, auf welchen sich bald kleine gelbliche oder strohfarbene Pusteln bilden, die zuweilen von einem starken Jucken begleitet sind. Diese können sich über das ganze Gesicht und die Kopfhaut ausbreiten, so daß der Kranke ein Ekel erregendes Ansehen annimmt. Die Pusteln brechen zu Ende des dritten oder vierten Tages auf und entleeren eine klebrige Flüssigkeit, welche Krusten von weiß-gelblicher oder grüner Farbe bilden. Wenn sich die Flüssigkeit auf diese Weise unter der Oberfläche absondert, verursacht sie, daß die Kruste immer dicker wird, sich so über die sie umgebende Haut verbreitet und die Krankheit fortpflanzt. Verschwinden die Krusten, so zeigt sich die Haut roth und entzündet, wie mit kleinen Punkten besetzt, von denen die Flüssigkeit beständig sickert. Der Gesundheitszustand des Kranken verbleibt im allgemeinen gut, wenn er nicht von dem Jucken gepeinigt und gereizt wird. In Fällen bei Kindern mit weißem Haar und blasser, zarter Haut, sind die Drüsen des Nackens und jene hinter den Ohren zum Anschwellen geneigt, werden hart und empfindlich.

Die Krusten fangen in der Regel innerhalb 2 bis 4 Wochen an abzufallen, lassen die Oberfläche roth-glänzend und zart, was bei dem geringsten Anlaß die Bildung eines neuen Ansatzes von Pusteln verursacht und dadurch die Krankheit Monate, ja vielleicht Jahre lang hinzieht. Keine bleibenden Spuren, sogar bei den stärksten Anfällen der Krankheit werden auf der Haut zurückgelassen. Das Haar kann in Folge dieser Krankheit ausfallen, aber es wächst wieder, wenn nicht, wie bei Kopfgrind (tinea capitis), die Haarwurzel zerstört ist. Das Waschen des Kopfes mit Theerseife ist das Beste, was man anwenden kann.

[S. 59]

Behandlung.

Homöopathisch. Bei dem ersten Erscheinen der Krankheit, wenn das Jucken, besonders des Nachts, stark ist, gebe man Aconitum, sowohl allein als auch abwechselnd mit Chamomilla, alle 2 Stunden eine Dosis.

Sepia kann in vielen Fällen mit gutem Erfolg gegeben werden.

Sollte Aconitum keine Erleichterung gewähren, so kann auch Rhus toxicodendron gegeben werden. Es wird gut sein, das Letztere mit Sulphur zusammen zu geben. Des Nachts eine Dosis (6 Kügelchen) Sulphur und Morgens und Mittags eine Dosis (6 Kügelchen) Rhus toxicodendron. Man setze diese Behandlung mehrere Wochen lang fort. Stellt sich Diarrhöe ein, so stelle die Gabe von Sulphur ein und gieb dreimal des Tages Rhus toxicodendron.

Calcarea carbonica kann gegeben werden, wenn der Ausschlag trocken ist.

Ist der Ausschlag feucht, der Ausfluß übermäßig, bei schlechtem Geruch, gebe man Lycopodium.

Andere Heilmittel sind: Arsenicum, Croton-Tiglium, Petroleum, Mezereum, Hepar Sulphur, Graphites, Nitric Acid, Antimonium Crudum.

Aeußerlich gebrauche man nichts außer Milch und Wasser, schlüpferiges Ulmenwasser oder Glycerin.

Verordnung der Heilmittel. 12 Kügelchen werden in 12 Theelöffel voll Wasser aufgelöst und beim ersten Erscheinen der Krankheit gebe man alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich das Kind, so gebe man dieses zwei- oder dreimal des Tages, wenn nicht andere Anweisungen bei den Heilmitteln angegeben sind. Wird es vorgezogen, gebe man 3 Kügelchen trocken auf die Zunge.

Allöopathisch. Bei milderen Fällen ist es gut, Magnesia in Dosen von 2 bis 3 Gran einmal des Tages zu verordnen. Auch die Mischung von Schwefel und Cremor tartari wird sich als dienlich erweisen. Bei harten Fällen gebe man Calomel in Dosen von ein bis zwei Gran, hinreichend oft um auf die Eingeweide zu wirken.

Zu Umschlägen bediene man sich dicker Sahne (cream), Spermazeut-Salbe (Spermaceti ointment), Rosenwasser-Salbe oder Glycerin. Die wässerige Auflösung des Opiums wird sich als ein guter Umschlag zur Verminderung des Reizes bewähren. In derselben Absicht kann auch das folgende Mittel angewendet werden:

Boraxsaure Soda (Borate of Soda) 10 Grane.
Rosenwasser 2 Unzen.
Glycerin 2 Drachmen.

Mische es. Anwendung: Zwei- bis dreimal des Tages.

Auch folgendes wird in einigen Fällen von Erfolg sein:

Blausäure (Hydrocyanic acid) 4 Drachmen.
Bleizucker (Sugar of lead) 15 Grane.
Alcohol 4 Drachmen.
[S. 60] Wasser 7 Unzen.

Mische es. Einmal des Tages anzuwenden.

Cazenave empfiehlt Zink-Oxyd mit 15 gleichen Theilen Stärke gemischt zur Anwendung, nachdem die betreffenden Theile zuvor mit schwacher Lauge abgewaschen und getrocknet sind.

Condie empfiehlt, nachdem die Entzündung vollkommen nachgelassen hat, eine Salbe von salpetersaurem Quecksilber (Nitrate of mercury) mit ein Drittel Fett aufgelöst als Umschlag.

Eclectische und Kräuterkur. Zur Reinigung des Blutes kann folgendes angewandt werden: Schlangenwurzel (Black cohosh) und Ziegenblatt- (Shrubby trefoil) Tinctur; von jedem drei Unzen. Zu mischen. Man gebe dem Alter des Kindes angemessen 5 bis 20 Tropfen in einem Theelöffel voll versüßten Wassers. Ist ein stärkendes Mittel erforderlich, füge zu jeder Dosis 2 bis 3 Tropfen salzsaures Eisenoxyd (Ferrum muriaticum). Als Salbe gebrauche man das folgende:

Hammelfett 1 Unze.
Zinkoxyd (Oxide of zinc) 1 Drachme.
Kampfer-Tinctur 2 Drachmen.
Glycerin 1 Drachme.

Mische es. Zwei- bis dreimal des Tages anzuwenden.

Grindkopf (Tinea capitis)

ist ein ansteckender Ausschlag der Kopfhaut, der sich durch kleine Eiterbeulen an der Kopfhaarwurzel kennzeichnet. Er beginnt mit kleinen rothen Flecken, in deren Mitte sich eine kleine gelbe Pustel befindet und die in der Regel von einem Haare durchstochen sind. Diese Pusteln brechen auf, bilden dünne Schorfe, in deren Mitte sich bei jedem einzelnen Schorfe eine Vertiefung befindet; sie verbinden sich mit den zunächst liegenden und bilden so bald große Flecken. Die Krusten nehmen allmählig zu und werden hart, werden sie entfernt, so bleibt die Oberfläche roth und glänzend. Zieht sich die Krankheit in die Länge, so fallen die Haare aus und wachsen selten oder nie wieder; geschieht es indessen, so ist es von einer helleren Farbe, kurz und ungesund. Der Geruch, der die Ausdünstung der Kopfhaut verursacht, ist besonders bei harten Fällen und da, wo die Reinlichkeit nicht mit in der Behandlung einbegriffen ist, widerwärtig. Auch bildet sich Ungeziefer unter den Krusten, welches große Beschwerde verursacht. Da es eine sehr ansteckende Krankheit ist, sollte Kindern, die damit behaftet sind, nicht gestattet werden, sich derselben Kämme, Bürsten, Kopfbedeckungen, Handtücher &c. mit[S. 61] Andern gemeinschaftlich zu bedienen, ebenso ist das Schlafen solcher mit Andern in einem Bette nicht zulässig.

Behandlung.

Allgemeine. Reinlichkeit ist bei dieser Krankheit von der größten Wichtigkeit. Die Haare müssen so kurz als möglich geschnitten werden, und während des Verlaufs der Krankheit sollten alle ungesunden Haare mittelst einer kleinen Zange oder Haarzängelchen (tweezers) herausgezogen werden. Die Kost ist sorgfältig zu regeln, wobei alle reizende und allzureiche Nahrung vermieden werden muß.

Allöopathisch. Man entferne die Krusten durch einen erweichenden Umschlag, wie Brod mit Milch oder eine Waschung von 2 bis 3 Drachmen Pflanzenlaugensalz (Subcarbonate of potassa) mit einem Pint Wasser. Hierauf wende man Morgens und Abends die Salbe von salpetersaurem Quecksilber (Nitrate of mercury), oder die der Jod-Potasche (Iodium potassae) an, und zwar in dem Verhältniß: aus 1 Drachme Potassium (Metall der Potasche) 2 Unzen Fett. Vor Anwendung der Salbe wasche man die Theile mit spanischer Seife und lauwarmem Wasser. Wenn eine starke Absonderung stattfindet, wende man eine Auflösung von 2 bis 3 Gran schwefelsaurem Zink mit einer Unze Wasser zwei- oder dreimal des Tages an; ist keine Absonderung vorhanden, dann nehme man eine Salbe von 1 Gran gepulvertem schwefelsaurem Zink mit einer Unze Fett, oder eine Lösung von 2 Drachmen doppelt kohlensaurer Potasche mit 1 Pint Wasser, oder schlägt dies nicht an, 2 Drachmen geschwefelte Potasche (Sulphuret of potash), 2 Drachmen weiße Seife und ein halbes Pint Limewasser. Sollte irgend ein Umschlag eine Entzündung hervorrufen, so muß sie ausgesetzt und dagegen erweichende Umschläge und lauwarme Waschungen angewendet werden.

Eine sehr zu empfehlende Salbe ist:

Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (Pulverized sulphate of Copper) 10 Grane.
Spanischer Fliegen-Extrakt 5
Schweinefett 1 Unze.

Mische und gebrauche es nach einer gründlichen Waschung mit spanischer (castile) Seife und Wasser einmal des Tages.

Zuweilen wird die folgende Salbe mit ausgezeichnetem Erfolg angewendet:

Salpetersaures Quecksilber 1 Drachme.
Wasser 4 Unzen.

Mische und trage es einen Tag um den andern mit einem Kameelhaarpinsel auf.

Eclectische und Kräuterkur. Man schneide das Haar ganz kurz mache einen Umschlag von schlüpferigem Ulm, bis sich die Schorfe lockern und abfal[S. 62]len. Ehe man den Umschlag gemacht, wasche man den Kopf mit spanischer Seife und Wasser. Nach Entfernung der Krusten und Waschung des Kopfes wende man folgende Salbe an:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 1 Unze.
Biester (Woodsoot) 1
Schwefel ½
Schweinefett 6 Unzen.

Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

Man halte die Eingeweide mit einer gelegentlichen Dosis von Magnesia und Castoröl offen. Eine andere sehr empfohlene Salbe wird aus grünem, 6 bis 8 Zoll hohem Roggen gemacht, indem man ihn mit frischer Sahne langsam kochen läßt, bis die Blätter braun geröstet sind. Schwefelsalbe wird zuweilen mit Erfolg angewandt.

Homöopathisch. Sepia kann in Dosen (6 Kügelchen) dreimal des Tages durch zwei oder drei Wochen gegeben werden, tritt keine Besserung ein, gebe man Calcarea carbonica; bei trockenem Ausschlag Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach zweiwöchentlichem Gebrauche noch keine Besserung wahrgenommen wird, gebe man Sulphur. Bei feuchtem Ausschlag gebe man Rhus oder Lycopodium, zweimal des Tages eine Dosis, und lasse Sulphur folgen. Macht die Absonderung des Ausschlages die Haut wund oder verursacht Geschwüre, wo sie auf die Haut übertragen wird, gebe man Arsenicum und Rhus abwechselnd einen Tag, täglich dreimal.

Eine gute Kopfwaschung geschieht mit Kleiewasser. Als Umschlag kann Salpetersäure (Acidum nitri) im Verhältniß von 12 Tropfen auf 4 Unzen Wasser angewendet werden. Was immer für ein Heilmittel innerlich gegeben werden mag, so ist es gut, dasselbe auch als Umschlag anzuwenden; dadurch, daß man 12 oder 15 Kügelchen in einem halben Glas voll Wasser auflöst.

Andere Heilmittel als jene bereits erwähnten sind folgende: Dulcamara, Staphysagria, Hepar sulphuris, Antimonium crudum, Graphites, Bryonia. Dieselben können in der nämlichen Weise, wie die anderen, wenn diese nicht den gewünschten Erfolg haben sollen, angewendet werden.

Hühneraugen, Leichdornen (Corns)

sind eine Verdickung der Schleierhaut, welche durch den Druck oder die Reibung von zu engem oder schlecht passendem Schuhwerk hervorgerufen wird.

Behandlung.

Erweiche die Füße in warmem oder schwachem Laugenwasser. Dies erweicht die verhärtete Oberfläche, so daß sie mit dem Fingernagel oder einem Federmesser entfernt werden kann. Nach Entfernung dieser verhärteten Haut wird ein kleiner weißer Fleck gesehen werden, der der Mittelpunkt des Hühnerauges[S. 63] ist. Diesen schneide vorsichtig, ohne Schmerzen oder Blutung zu verursachen, heraus und lege dann ein Stück weiches Tuch, einen Schwamm oder nach und nach auch ein Pflaster auf; jedes von diesem muß indessen ein Loch in der Mitte haben. Wenn eine Entzündung vorhanden ist, betupfe es jeden zweiten oder dritten Tag mit einem zugespitzten Stück Höllenstein (Argentum nitri).

Weiche Hühneraugen zwischen den Zehen können durch zwei- oder dreimaliges Auflegen des Tages von Charpie oder Watte, mit Kampfer-Tinctur befeuchtet, entfernt werden. Ein Stück Watte sollte so lange aufgelegt bleiben bis die betreffenden Theile wieder vollständig hergestellt sind.

Es giebt eine Menge von Mitteln, Hühneraugen zu entfernen, einige von ihnen sind folgende: Ein Epheublatt mit Essig befeuchtet und auf das Hühnerauge gebunden; Charpie oder Watte mit einer zusammengesetzten Flüssigkeit von salzsaurem Ammoniak (Muriate of ammonia), eine Unze in 4 Unzen Wasser aufgelöst, befeuchtet. Man mache einen dicken Teig von Bleiweiß (White lead) und Leinöl und soviel pulverisirte Schlangenwurzel, um es zu färben, schmiere es auf ein Stückchen dünnes Leder und lege es auf das Hühnerauge. Man erneure es alle 3 bis 4 Tage. Man nehme Salpeter (Nitric acid) und Salzsäure (Muriatic acid), von jedem eine halbe Unze, rothes Sandelholz (Red sanders), Opium, salzsaures Ammoniak (Muriate of ammonia), von jedem 1 Drachme. Nachdem die Haut um das Hühnerauge ringsherum leicht geritzt ist, befeuchtet man den Stöpsel der Flasche, worin sich die Flüssigkeit befindet, durch Umschütteln, und betupfe damit dasselbe. Ein Pulver von Badebaumblättern (Savine) 2 Unzen, Grünspan (Verdigris) 1 Drachme, rothes Präcipitat 2 Unzen, gemischt und über Nacht auf das Hühnerauge gebunden. Weinsteinsäure (Acidum tartaricum), Salzsäure, Wasser, von jedem eine Unze und ein Stück Schöpsenfett mit einem Stückchen Holz mehrere Male auf das Hühnerauge zu tragen. Folgendes, „Sir Humphrey Davy’s Solvent“ genannt, besteht in 2 Theilen Potasche, 1 Theil Sauerkleesalz, fein gepulvert, gemischt und in einer kleinen Menge vermittelst eines Verbandes durch mehrere Nächte hintereinander auf das Hühnerauge zu bringen. Starke Essigsäure bleibt immer das beste Mittel, das angewendet werden kann. Um die Heilung indessen zu vervollständigen und um für immer davon befreit zu bleiben, ist es nothwendig, daß das Schuhwerk nicht zu eng ist, überhaupt gut paßt.

Warzen (Veruccae)

sind so allgemein bekannt, daß davon gar keine Beschreibung nothwendig ist. Fast Jeder hat damit schon mehr oder weniger Bekanntschaft gemacht. Die Mittel zu deren Entfernung sind fast eben so zahlreich als die Warzen selbst — einige von ihnen werden hier angegeben.

Gleiche Theile von salzsaurem Ammoniak (Muriate of ammonia),[S. 64] Cayenne-Pfeffer und Schlangenwurzel, fein gepulvert, gemischt und mit ein wenig Talg und Bienenwachs zu einem Pflaster gemacht. Ein Heftpflaster, in dessen Mitte sich ein Loch befindet, so daß es über die Warze gezogen werden kann und dieselbe allein frei bleibt, wird aufgelegt und darauf dann das Obige. Die Anwendung dieses Pflasters muß so lange geschehen, bis die Warze abstirbt.

Kohlensaure Soda (Carbonate of soda) eine Unze, Wasser ein Pint, gemischt, und damit die Warze dreimal des Tages gewaschen.

Concentrirte Essigsäure (Acetic acid), ebenso Salpeter und salpetersaure Salzsäure sind ausgezeichnete Mittel. Sobald als die Warzen hart werden, entferne man sie.

Eine gesättigte Auflösung von doppelt chromsaurer Potasche (Bichromate of Potassa) ist mit Erfolg angewendet worden; das Berühren anderer Theile außer der Warze sollte vermieden werden.

Mangansäure (Manganic acid) zerstört sie sehr schnell.

Eine Mischung von gleichen Theilen Salpeter und unaufgelöstem Lime mit hinreichend Essig, um einen Teig zu bilden, ist gut.

Die Rinde der gewöhnlichen Weide zu Asche verbrannt mit starkem Essig gemischt und häufig angewendet, wird sie zuweilen entfernen.

Man binde einen starken Faden um die Warze und ziehe ihn mit jedem Tage dichter zusammen.


[S. 65]

Zweites Kapitel.
Fieber.

Fieber ist ein allgemeiner Ausdruck, in dem verschiedene Krankheitsformen eingeschlossen sind; es ist eine der gewöhnlichsten, häufigsten und verwickeltsten Krankheiten, welchen der menschliche Körper unterworfen ist. Es ist bei allen hitzigen (acuten) Krankheiten in mehr oder weniger erhöhtem Maße vorhanden. Ein Fieber, das als ein einfaches oder gewöhnliches beginnt, kann sich hinziehen, bis es sich zu einem Wechsel- oder typhösen Fieber bildet. Es greift den Organismus im Allgemeinen an und ist eher als ein Krankheitssymptom, als eine Krankheit an und für sich selbst zu betrachten.

Ursachen. — Zum Fieber gibt es zahlreiche, einige von ihnen sind folgende: Große geistige oder körperliche Anstrengung, Kummer, Besorgniß, Mangel an gehöriger Nahrung, Kleidung oder Bewegung, Miasmen (die giftigen Bestandtheile, welche von verwesenden thierischen oder Pflanzenstoffen aufsteigen), außergewöhnliche Hitze oder Kälte, plötzlicher Witterungswechsel, allgemeine schädliche Einflüsse, Entzündungen, reizende Speisen und Getränke.

Symptome. — Der Kranke klagt zunächst über ein Gefühl der Ermüdung, Mattigkeit, Schmerzhaftigkeit des Fleisches, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes, Mangel an Eßlust, schlechtem Geschmack im Mund, dem bald große Hitze, Frost, Uebelkeit und Erbrechen folgt. Diese Kennzeichen werden bei Fiebern allgemein gefunden. Eine Beschreibung der verschiedenen Arten von Fiebern folgt nachstehend.

Gewöhnliches oder eintägiges Fieber.

Die einfachste Form des Fiebers, die nur einen Tag, oder auch eine Woche oder länger dauern kann. Unter gehöriger Behandlung dauert es indessen selten länger als drei bis vier Tage.

Ursachen. — Erkältung, außerordentliche geistige oder körperliche[S. 66] Ermüdung, ungesunde Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken u. s. w.

Symptome. — Frost und Hitze, krankhafter Magen, vielleicht auch Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, dem Fieber, Durst, belegte Zunge u.s.w. folgt.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte im Bett bleiben, sich aller Fleischspeisen enthalten und nichts anderes als Haferschleim, Fleischbrühe &c. zu sich nehmen.

Homöopathisch. Aconitum ist ungefähr alles, was in dieser Krankheit zu geben ist. Löse 12 Kügelchen in einem halben Tassenkopf Wasser und gib von dieser Auflösung alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll, bis ein ungehindertes Schwitzen eintritt.

Sind plötzliches Zusammenfahren, fliegende Hitze und andere Symptome, die anzeigen, daß der Kopf mehr oder weniger angegriffen ist, vorhanden, so gebe man Belladonna abwechselnd mit Aconitum.

Allöopathisch. Einige gelinde Abführmittel, wie Magnesia, Bittersalz, mögen gegeben werden, oder auch die folgende Mischung:

Rochelle-Salz oder weinsteinsaure Potasche (Tartrate of potash) 1 Unze.
Kohlensaure Magnesia (Carbonate of magnesia) 1 Drachme.
Pfeffermünzwasser 6 Unzen.

Mische es. Alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Lasse diesem folgen:

Auflösung von essigsaurem Ammoniak (Solution of acetate of ammonia) Unze.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.
Syrup 2
Kampher-Mischung 4 Unzen.

Mische es. Alle 4 oder 6 Stunden einen Eßlöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Man gebe ein einfaches Brechmittel, wie gleiche Theile der Lobelia und Brechwurz, Thee von Kamillenblüthen, Wasserdost (Boneset), Hundekamille (Anthemis) oder gepulverten Senf in warmem Wasser. Bringe den Kranken zu Bett und lege rings um ihn warme Steine oder Flaschen mit heißem Wasser und lasse ihn ungehindert Thee von Katzenmünze (catnip), grüne Münze (spearmint), Isop, Salbei, Saffran oder Balsam trinken.

Entzündliches Fieber

tritt ebenso wie das gewöhnliche Fieber auf, worauf ein starker Frost und die gewöhnlichen Symptome von Hitze, Mattigkeit, Unruhe, ziehende Schmerzen im Kreuz, Kopf und Gliedern folgen. Darauf[S. 67] stellt sich Röthe des Gesichts, große Beklemmung, Klopfen der Schläfe, große Hitze der Haut, Durst, eine mit einem weißen Schleim belegte Zunge, sehr schnelles Athmen, Uebelkeit des Magens, zuweilen Erbrechen, trockene, heiße Haut und mehr oder weniger Störung fast aller Funktionen des Körpers, ein. Diese Krankheit nimmt ihren Verlauf in ungefähr zwei bis drei Wochen; wenn sie aber um diese Zeit nicht nachläßt, geht sie leicht in ein typhöses Fieber über.

Ursachen. — Ueberladung des Magens mit fetten, unverdaulichen Speisen, ungeregeltes Leben, plötzliche Unterdrückung des Schweißes, heftige geistige Aufregungen und Beschädigungen des Körpers, das Wohnen in feuchten, schlecht ventilirten Häusern und im Allgemeinen Unmäßigkeit.

Behandlung.

Allöopathisch. Da häufig Verstopfung die Ursachen dieses Fiebers ist, sollte zur Entleerung der Eingeweide eines der folgenden Mittel genommen werden:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 2 Drachmen.
Frisch gebrannter Kaffee, grob gemahlen 2 Skrupel.
Heißes Wasser 4 Unzen.

Mische und koche dieses drei Minuten, seihe es durch und nimm alle drei Stunden einen Theetassenkopf voll zur augenblicklichen Wirkung. Jeden Morgen kann ein Tassenkopf voll zum Offenhalten der Eingeweide gegeben werden.

Oder auch:

Rhabarber 10 Grane.
Calcinirte (calcined) Magnesia ½ Drachme.

Mische es und nimm das Ganze auf einmal.

Wenn stärkere Abführmittel erforderlich sind, gebrauche man das folgende:

Zusammengesetzter Koloquinthen- (Colocynth) Extrakt ½ Drachme.
Jalappenwurzel- (Jalap) Extrakt 15 Grane.

Mische dies und mache 12 Pillen davon. Dosis zwei oder drei Pillen, bis die Wirkung erfolgt. Als ein kühlender Trank ist das folgende zu empfehlen:

Cremor tartari ½ Unze.
Frisch zerquetschte Citronenschale 4 Unzen.
Stückzucker 4
Kochendes Wasser 3 Pint.

Mische und, nachdem es eine Weile gestanden, durchseihe es.

Wenn die Entzündung ihren Sitz im Kopfe hat, sollte unbeschränkt kaltes Wasser angewendet werden.

Eclectische und Kräuterkur. Der Körper sollte öfters, während das Fieber unterdrückt ist, einige Minuten lang mit kaltem Wasser gewaschen werden. Ist der Kopf stark von Schmerz und Delirium angegriffen, sollten drei oder vier[S. 68] Blutegel an jede Schläfe angesetzt und Umschläge von kaltem Wasser und Essig auf den Kopf gemacht werden. Das letztere kann zuweilen auch statt der Blutegel angewendet werden.

Die Ausleerungen zu erhöhen und die Eingeweide zu erleichtern, kann auch Brechwurz in Dosen von 1 bis 1½ Gran in ein wenig warmem Wasser oder Molasses aufgelöst auf einmal in zwei Stunden gegeben werden.

Zur Reinigung der Eingeweide kann auch ein Pulver, aus dem folgenden zusammengesetzt, gegeben werden:

Gepulverter Entenfuß (Podophyllum) 1 Grane.
Leptandrin 4
Cremor tartari 1 Theelöffel voll.

Senna- und Epheublätter-Salz kann ebenso zu demselben Zwecke verwendet werden.

Wenn es nothwendig ist, Schweiß hervorzurufen, sollten warme Bäder angewendet oder die Füße in warmem Wasser erweicht werden, dabei lasse man den Kranken unbeschränkt Thee von Salbei, Balsam, Wasserdost, Isop oder Flachssamen trinken. Diese Maßregeln werden in der Regel das Fieber dämpfen. Bei Schlaflosigkeit lege man ein Hopfenkissen unter den Kopf des Kranken oder lasse ihn starken Hopfenthee trinken, was von gutem Erfolge sein wird. In dem letzteren Stadium des Fiebers, wenn der Magen reizbar ist, ist es zuweilen besser, anstatt der Medizinen Einspritzungen anzuwenden, und diese können in einem Theelöffel voll gewöhnlichen Salzes, in einem Pint von warmem Wasser aufgelöst, oder Molasses mit Wasser, und wenn die Nahrungsmittel vom Magen nicht angenommen werden, in einer Brühe von Milch- und Wasser-Haferschleim bestehen.

Die Diarrhöe, die zuweilen diesem Fieber folgt, kann vermittelst Einspritzungen von warmem Wasser, in das 15 bis 20 Tropfen Mohnsaft (Laudanum) gethan werden, eingehalten werden; kleine Dosen von Rhabarber und Magnesia werden zuweilen erfolgreich gefunden werden.

Homöopathisch. Aconitum sollte immer zu Anfang gegeben werden. Nachdem dies 6 Stunden lang geschehen ist, die Symptome sich aber nicht vermindern, gebe man abwechselnd mit dem obigen Belladonna, besonders wenn der Kopf heiß ist, bei heftigem Schmerz in der Stirngegend, Gesicht roth, die Augen gegen das Licht empfindlich, Unruhe oder Schwindel bei großem Druck und Delirium.

Bryonia. — Wenn mit den anderen Symptomen des Fiebers, Schwindel im Kopf, Verstopfung und ein Gefühl von Schwere im Magen, Schmerzen in den Gliedern und im Rückgrate verbunden sind.

Andere Heilmittel, welche angewendet werden können, wenn die Lungen angegriffen sind, sind folgende: Bryonia, Tartarius Emeticus und Phosphorus.

Ist eine Neigung zu Typhus vorhanden, so gebe man Rhus toxicodendron abwechselnd mit Bryonia.

[S. 69]

Gegen Diarrhöe gebe man auch folgende Heilmittel: Mercurius, Arsenicum, Ipecacuanha, Chamomilla, Veratrum.

Die Kost sollte bei dieser Krankheit im Anfang sehr leicht sein. Man gebe nichts außer Fleischbrühe und kühlenden Getränken. Es schadet dem Kranken nichts, wenn er so viel kaltes Wasser, als er wünscht, trinkt, zuweilen ist es sogar zuträglich.

Folgendes mag als Kost dienen: Gerstenschleim, Wasser von geröstetem Brode, Pfeilwurzel, Aepfelsauce und, wird der Kranke besser, Rindfleisch oder Hühnerbrühe und dann und wann leichte Weine. Der Kranke sollte in dem Zusichnehmen von schwereren Lebensmitteln bis zur vollständigen Wiedergenesung sehr vorsichtig sein.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Nervenfieber oder Typhus.

Dieses Fieber tritt zuweilen ganz plötzlich mit einem Frost auf, obgleich das Fieber in der Regel allmählig ankommt, so daß sein Anfang nicht bemerkt wird. Der Kranke klagt wohl eine lange Zeit über Müdigkeit, eine allgemeine Schwere und dann und wann über Kopfweh. Die Haut ist möglicherweise etwas erhitzt, das Gesicht von fliegender Hitze überzogen, die Zunge leicht belegt und der Appetit vermindert. Die Symptome können sich mehrere Tage oder eine Woche lang hinziehen, dann stellt sich der Frost ein, der 6 bis 8 Stunden, zuweilen 1 bis 2 Tage anhält. Sobald die Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, hört der Frost auf und bei dem Kranken stellen sich die gewöhnlichen Symptome des Fiebers ein, wie schneller Puls, Hitze und Trockenheit der Haut, fliegende Hitze, stechende Schmerzen in der Stirn, Summen in den Ohren, Appetitlosigkeit, Durst und allgemeine Schwäche. Es kann ebensowohl Diarrhöe wie Verstopfung vorhanden sein. Der Stuhl ist gelblich oder grünlich und zuweilen mit Blut gemischt. Ein kneipender Schmerz wird in den Eingeweiden vorhanden sein. Der Schmerz in den Eingeweiden wird durch einen Druck auf der rechten Seite erhöht.

Wie die Krankheit fortschreitet, stellt sich Delirium ein, das sehr stark werden kann. Die Zunge wird trocken und bekommt eine bräunliche Farbe; der Kranke ist entweder sehr unruhig oder er liegt in einem bewußtlosen Zustand.

[S. 70]

In der Regel erscheint in diesem Stadium ein Ausschlag am Unterleib, bestehend in kleinen rothen Flecken, der sich in einigen Fällen auch über die Glieder erstreckt; auch werden bei genauer Besichtigung zu derselben Zeit kleine Blasen, eine wässerige Flüssigkeit enthaltend, auf dem Nacken und dem oberen Theile der Brust wahrgenommen werden.

Wenn die Krankheit anhält, wird die Zunge ganz trocken, mit einem braunen oder schwarzen Schleim überzogen und die Zähne sind mit einer schwarzen Masse bedeckt, ebenso Lippen und Zahnfleisch. Ein Schweiß, der sehr widerwärtig werden kann, tritt ein; der Unterleib schwillt drommelartig an; der Kranke liegt auf dem Rücken, gleitet nicht selten nach dem Ende des Bettes, pflückt an dem Bettzeug und spricht leise vor sich hin. Eine Entleerung der Gedärme und des Urins findet unbewußt — ohne daß der Kranke fähig ist, es zu verhindern — statt, oder es ist eine Unterdrückung des Urins vorhanden, in welchem Falle man denselben vermittelst eines Instrumentes ablassen muß.

Bei fortdauernder Krankheit werden die Endgliedmaßen kalt und klebrig und die ganze Oberfläche des Körpers ist in einem klebrigen Schweiß gebadet. Das Gesicht nimmt einen ängstlichen Ausdruck an und des Kranken Kräfte schwinden mehr und mehr.

Ursachen. — Dieses Fieber ist unzweifelhaft ansteckend — kann von einer auf die andere Person übertragen werden und ein Anfall sichert in der Regel den Betreffenden vor einem zweiten. Es wird durch übermäßige Anstrengung des Körpers oder Geistes, Ausschweifungen aller Art, schlechte Luft und schlechtes Wasser, den Aufenthalt unter zu dichter Bevölkerung, in schmutzigen Straßen und kleinen Wohnzimmern hervorgerufen.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte in ein gut ventilirtes Zimmer geschafft, das Bett häufig aufgeschüttelt und die Decken gerade gelegt werden. Es ist nothwendig, die vorstehenden Theile des Körpers, wie die Hüften und den unteren Theil des Rückgrats gegen den Druck zu schützen, um das Aufliegen zu verhindern. Wenn aber diese Theile weich werden, oder eine dunkle oder eine ganz weiße Farbe annehmen sollten, kann eine schwache Arnika-Tinktur angewendet und die Theile müssen durch weiche Kissen oder durch aufgelegte Pflaster gegen den Druck geschützt werden.

Es ist wichtig, bei dieser Krankheit der Kost große Aufmerksamkeit zuzuwenden.[S. 71] In den ersten Stadien sollte dieselbe sehr leicht und flüssig sein, so daß sie auch als Getränk gereicht werden kann wie Gummi Arabicum-, Gersten-, geröstetes Brod- (toast) Wasser, schwache Auflösung von Sago, Tapioca oder Pfeilwurz (arrow root), Hafer- oder Welschkorn-Mehlschleim; ebenso kann auch der Saft von süßen Trauben und Orangen erlaubt werden, aber man muß dafür sorgen, daß die festen Theile davon nicht mit verschluckt werden; als Getränke möge man sich kalter Limonade oder Eiswasser bedienen. Ungefähr in der zweiten Woche, wenn der Kranke sehr schwach wird, mögen Sago, Tapioca oder Pfeilwurz mit drei Theilen Wasser und einem Theile Milch, dicker Haferschleim, Panade mit Muskatnuß und zuweilen mit Wein schmackhaft gemacht, gegeben werden. Es wird gut sein, hiervon alle zwei, drei oder vier Stunden, je nach der Stärke des Kranken, ein Weinglasvoll zu geben. In einigen Fällen wird alle ein oder zwei Stunden ein Eßlöffelvoll Milch gute Dienste thun — wenn der Magen reizbar ist, mische sie mit einem gleichen Theile von Limewasser. Wird der Kranke sehr schwach, gebe man ihm Fleischbrühe, Milchpunsch, oder Eier in Wein.

Man beobachte sorgfältig die Blase, da, wenn sie sich mit Wasser füllen sollte, dieselbe entleert werden muß. Hat das Fieber einen hohen Grad erreicht, kann die Oberfläche des Körpers öfter mit kaltem Wasser abgewaschen werden und der Patient sollte so viel als möglich kaltes Wasser trinken, ebenso Eis essen.

Eclectische und Kräuterkur. Während des ersten Theiles der Krankheit, wenn Uebelkeit und Erbrechen vorhanden ist gebe man ein gelindes Abführmittel, wie das zusammengesetzte Pulver der Lobelia. Bei Verstopfung mag das folgende Mittel angewendet werden:

Virginischer Ehrenpreis (Black root) 2 Drachmen.
Rhabarber (Rhubarb) 1 Drachme.
Siedendes Wasser ½ Pint.

Lasse die Wurzel ein oder zwei Stunden lang in dem Wasser stehen; seihe es ab und gib alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis eine Wirkung wahrgenommen wird. Sorge sollte getragen werden, daß die Eingeweide nicht zu willkürlich bewegt werden.

Während des Fiebers wasche man den Körper mit warmem Laugenwasser und den Kopf mit kaltem Wasser. Stellt sich Delirium ein, sollten Senfpflaster auf die Füße und längs des Rückgrats gelegt werden. Diarrhöe kann durch folgendes Mittel gestopft werden:

Dreifach-salpetersaurer Wismuth (Tris-nitrate of bismuth) 3 Grane.
Terpentin (Turpentine) 15 Tropfen.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 2 Drachmen.

Mische und nimm es auf einmal.

Tannin-Säure (Tannic acid) kann alle Stunden in Dosen von ein oder zwei Granen gegeben werden, so auch Terpentinöl, jede oder alle zwei Stunden,[S. 72] in Dosen von 6 bis 8 Tropfen. Ist der Magen zu schwach, um es anzunehmen, gebe man es vermittelst Einspritzungen. Gegen die Schmerzen in den Eingeweiden und das Anschwellen des Unterleibes einen erweichenden Umschlag von Hopfen oder Lobelia. Letzteres ist öfters zu wiederholen, und nicht kalt werden zu lassen. Zuweilen wird Hinzufügung von Terpentinöl von guter Wirkung sein. Dies sollte so lange fortgesetzt werden, bis ein Druck ohne Empfindung eines Schmerzes gemacht werden kann, oder bis der Kranke sehr hinfällig wird. Tritt das Letztere ein, so gebe man folgendes:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (Elexir of vitriol) 1 Drachme.
Schlangenwurzel-Tinctur (Tincture of black cohosh root) 4 Drachmen.

Löse das Chinin in dem Vitriol-Elixir auf und füge dann die Schlangenwurzel-Tinktur hinzu. Dosis: 20 Tropfen in kaltem Wasser jede Stunde.

Bei großer Nervenschwäche und Reizbarkeit gebe man statt des Obigen Chinirten Baldrian (Valerianate of quinine) jede oder alle zwei Stunden ½ Gran in einem Aufguß von Hopfen oder Schildkraut (skull-cap).

Um während des Fiebers Schweiß hervorzurufen, gebe man einen Aufguß von Eibischwurzel (Marsh-mellow) und Pfirsichblätter, oder einen Aufguß von Frauenhaarmoos (Haircap moss). Wird der Kranke sehr schwach, so kann eine getränkte Tinktur von stachligen Eschbeeren (prickly Ash-berries) als Einspritzung angewendet werden. Erwachsenen einen Eßlöffel voll dieser Tinktur in Ale, Porter oder Branntwein in Wasser, oder Schöpsen- oder Rindsbrühe. Kann es der Kranke nicht bei sich behalten, so sollte es vermittelst einer leinenen Preßbinde eine längere Zeit in den Eingeweiden gehalten werden.

Homöopathisch. Wenn zu Anfang Kopfschmerz, Schwindel, Frost, Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, bei leichtem Husten, mit oder ohne Diarrhöe, Uebelkeit des Magens und zuweilen Erbrechen vorhanden ist, gebe man alle zwei Stunden abwechselnd eine Dosis Bryonia und Rhus toxicodendron.

Lasse den Kranken zu Bett gehen, und wenn er unruhig ist, gebe man eine oder zwei Dosen Coffea oder Belladonna. Sobald der Patient zu schwitzen anfängt und diese Symptome verschwinden, wird er besser. Wenn aber die Krankheit fortschreitet und die Symptome schlimmer werden, so sollte Aconitum gegeben werden, besonders wenn der Puls voll, die Haut heiß und trocken und heftiger Durst vorhanden ist. Dies sollte abwechselnd mit Belladonna gegeben werden, sobald mit den obigen Symptomen starke Kopfschmerzen, große Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch und Auffahren im Schlafe verbunden sind.

Nehmen die Symptome an Heftigkeit zu, gebe man noch einmal Bryonia abwechselnd mit Rhus toxicodendron.

Andere Heilmittel sind folgende:

Arsenicum. — Trockene und gelbliche Haut, eingefallene Augen und Wan[S. 73]gen, zusammengeschrumpftes, blasses Gesicht, kalter Schweiß auf der Stirn, dunkle, trockene aufgesprungene Lippen, schwarze Zähne mit einer schmutzigen Masse überzogen, geschwollener Unterleib, kurzer und schneller Athem, leise und murmelnde Stimme, brennende Hitze in der Magengrube, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Genuß von Speisen und Getränken, außerordentliche Hinfälligkeit und Sinken der Kräfte.

Acidum phosphoricum. — Große Schwäche, der Patient liegt beständig auf dem Rücken, redet irre, Zupfen an dem Bettzeug, starrer Blick und hohle glasige Augen.

Bryonia. — Gesicht roth und geschwollen, Athem schwer und kurz oder seufzend, Lippen braun und trocken, Mund trocken und mit einem gelblichen Pelz besetzt, Vollsein und ein Druck im Kopf, bei Bewegung schlimmer, Summen in den Ohren, Trockenheit im Halse, Verstopfung.

Opium. — Bei großer Trockenheit mit schnurrendem Athem, eine unbewußte Entleerung der Blase und Eingeweide.

Lachesis — kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders wenn die Zunge trocken, roth und glänzend — wie lackirt — ist.

Hyosciamus. — Wenn das Gesicht heiß und roth, die Augen funkeln, die Muskeln zucken, rasendes Delirium und der Kranke fortwährend ein Verlangen zu entwischen zeigt.

Carbo vegetabilis. — Dies kann abwechselnd mit Arsenicum gegeben werden, wenn sich folgende Symptome zeigen: Aengstlicher und niedergeschlagener Ausdruck, Gesicht blaß, dunkelbraun oder gelb, Augen eingefallen und gläsern, kalter Schweiß, der Stuhl faul und höchst widerwärtig, heftig drückende oder ziehende Schmerzen im Kopf, Röcheln im Hals, krampfartige oder brennende Schmerzen im Magen und in den Eingeweiden, die Eingeweide geschwollen und weich beim Druck.

Rhus toxicodendron. — Dieses Heilmittel ist in allen Stadien der Krankheit anzuwenden, besonders wenn der Kranke stumpf ist und stechende Schmerzen im Kopfe vorhanden sind, trockene, brennende Hitze, Steifheit des Nackens mit ziehenden Schmerzen, welche bei Bewegung zunehmen, Diarrhöe, Frost und Schwindel, Trockenheit des Halses, Drücken der Augen und Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch. Hat der Patient zu irgend einer Zeit keinen Schlaf, gebe man alle Stunden eine Dosis Coffea abwechselnd mit Belladonna.

Wenn die Haut kalt und klebrig ist und klebrige Schweiße vorhanden sind, gebe man Camphora, das mit Coffea abgewechselt werden kann, sobald der Kranke unruhig werden sollte.

Nachdem das Fieber gebrochen ist und der Kranke wieder zu genesen beginnt, kann entweder China, Mercurius oder Sulphur gegeben werden.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe, ganze oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.

[S. 74]

Allöopathisch. Häufiges Waschen mit Wasser, kalt oder warm, dem Befinden des Kranken angemessen, sollte angewendet werden. Ist Diarrhöe vorhanden, kann dieselbe mit ein wenig Branntwein oder dem folgenden eingehalten werden:

Doverisches Pulver (Dover’s Powder) ½ Drachme.
Präparirte Kreide (Prepared chalk) 1 Skrupel.

Mische und theile es in 12 Pulver. Gib alle 2 oder 3 Stunden, je nachdem es nothwendig ist, ein Pulver.

Sind die Eingeweide verstopft, gebe man eine Einspritzung von warmem Wasser, oder die folgende Mischung kann genommen werden:

Castoröl 1 Unze.
Ein Eidotter.    

Mische dieses und füge hinzu

Gewöhnlichen Syrup ½ Unze.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 1–2 Unzen.

Mische und nimm es auf einen Schluck

Oder:

Rhabarber (Rhubarb) 10 Grane.
Calcinirte Magnesia (Calcined magnesia) ½ Drachme.

Mische es und nimm es als eine Dosis in Syrup oder Molasses.

Wenn der Kopf heiß ist, muß das Haar kurz geschnitten und der Kopf dann mit Eiswasser oder Essig und Wasser kühl gehalten und Blutegel an die Schläfe gesetzt werden.

Bei Schlaflosigkeit gebe man 25 bis 30 Tropfen Laudanum (Mohnsaft).

Um das Fieber zu vermindern und Schweiß hervorzurufen, alle Stunden 3 bis 10 Tropfen Tinctur oder flüssigen Extrakt von Veratrum Viride (Mistkraut), bis das Fieber nachläßt.

Wo die Eingeweide bedeutend angeschwollen sind, mögen erweichende Umschläge von Hopfen oder Leinsamen gemacht werden.

Finden Blutungen aus den Eingeweiden statt und ist große Schwäche vorhanden, lasse man den Kranken Wein und Brod zu sich nehmen. Wenn das Fieber langsam verläuft, sollte Chinin (Quinine) in mäßigen Dosen gegeben werden. Ein guter reizender Trank wird durch Lösung von einer Drachme von Potaschen-Chlorid (Chloride of Potash) in einem Pint Wasser hergestellt, das dem Kranken auf dessen Verlangen zu geben ist.

Als eine reizende Mischung möge das folgende angewendet werden:

Abkochung von Baumrinde (Bark) 7 Unzen.
Zusammengesetzte Baumrinden-Tinktur (Compound tincture of bark) 6 Drachmen.
Syrup von Orangenschale 2
Verdünnte Schwefelsäure (Diluted sulphuric acid) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Oder:

[S. 75]

Orangenschalen-Tinktur (Tincture of Orange Peel) 4 Drachmen.
Laudanum-Tinktur (Tincture of Laudanum) 2
Doppeltkohlsaure Soda (Bicarbonate of Soda) 2 Skrupel.
Aufguß von Calumba, hinreichend um davon 6 Unzen.

zu machen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Anmerkung. — Es ist rathsam, die Behandlung des Nervenfiebers nur einem erfahrenen Arzt zu überlassen.

Gehirnfieber oder Gehirnentzündung (Inflammation of the brain).

Dies ist unter verschiedenen Namen unter den Aerzten bekannt, allein der Ausdruck Gehirnentzündung schließt alle die verschiedenen Formen in sich.

Ursachen. — Personen von voller Leibesbeschaffenheit, kurzem Nacken, vollblütig, sind vor allen Anderen zu Anfällen dieser Krankheit geneigt; die hervorragendsten Ursachen sind Schläge oder das Fallen auf den Kopf, unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen oder auch starker künstlicher Hitze, lang anhaltendes und hartes geistiges Arbeiten, Kälte, Ermüdung, Unmäßigkeit, heftige Bewegung, Jähzorn, das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, zuweilen auch durch Krankheit der Knochen des Ohres, Schädelbrüche und Mangel an Schlaf verursacht. Hin und wieder tritt sie auch während Lungenentzündung, Scharlachfieber, Rothlauf und Gedärmentzündung ein.

Symptome. Sie kann allmählig oder auch ganz plötzlich kommen, allgemein aber ist das Erstere. Wo sie allmählig eintritt, ist der Kranke eine lange Zeit mit Schwere, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Ohrenklingen, geringem Appetit, Angst, Traurigkeit, Reizbarkeit, Singen und Lärmen in dem Kopfe, schreckliche Träume, Zittern der Glieder, Uebelkeit, Erbrechen geplagt, die Augen sind mit Blut unterlaufen und sehr empfindlich gegen das Licht.

Schreitet die Krankheit vor, so hat der Kranke mehr oder weniger Frost und beständig Kopfweh, welches zuweilen außerordentlich heftig wird. Diesem folgt ein heftiges Fieber, heiße, trockene Haut, ängstlicher Gesichtsausdruck, fliegende Hitze, die Pupillen des Auges ziehen sich fast zur Größe eines Nadelstiches zusammen, der Puls schlägt sehr schnell und stark, schnelles Athmen, heiße, zuweilen feuchte Haut, die Zunge klebrig und mitunter mit einem weißen Pelz belegt. Der Kranke leidet stark an Delirien.

[S. 76]

Bei weiterem Fortschritt der Krankheit geht das Delirium in Betäubung über, aus welcher der Kranke nur mit Schwierigkeit zu erwecken ist. Die Pupillen, die vorher ganz zusammengezogen waren, erweitern sich jetzt und die Augen verlieren ihren Glanz. Zuweilen tritt Schielen ein und der Blick wird gedankenlos. Flüssigkeiten im Munde bleiben dort, ohne daß sie verschluckt werden, oder daß sie der Kranke auslaufen läßt. Der Kranke zupft an dem Bettzeuge und hascht in der Luft. Das Gehör ist um Vieles vermindert und alle Sinne sind mehr oder weniger abgestumpft. Der Urin ist sehr spärlich, wird zuweilen willenlos von dem Kranken zurückgehalten, in welchem Falle es nothwendig wird, die Blase zu leeren. Krämpfe können in diesem Stadium an Stelle der großen Aufregung folgen und Zeichen von großer Schwäche und Erschöpfung werden wahrgenommen. Der Puls wird schwach, häufig und zuckend, das Gesicht blaß und eingesunken und die Haut mit einem kalten und klebrigen Schweiß bedeckt. Der Urin geht ohne Wissen des Kranken ab, der in einem Zustande von gänzlicher Unempfindlichkeit stirbt.

Dies ist der mehr regelmäßige Verlauf der Krankheit, aber er kann abweichen und in vielen Fällen mögen einige von diesen Symptomen nicht vorhanden sein.

In einigen Fällen gehen dem Anfall Krämpfe voraus, bei deren Aufhören der Kranke ebensowohl bei Bewußtsein als in einem betäubenden Zustande sein kann. Die Krankheit dauert 24 Stunden bis 7 oder 8 Wochen, der Durchschnitt ist aber ungefähr 4 bis 5 Wochen.

Behandlung.

Allgemeine. Kalte Wasser- und Eisumschläge sollten auf den Kopf gemacht werden und die Kost muß wie bei allen Fiebern leicht sein. Dem Patienten ist geröstetes Brod, Wasser, Gerstenschleim, Limonade oder Orangensaft, aber immer nur in kleinen Portionen zu gestatten. Während der Wiedergenesung ist die Kost sorgfältig zu ordnen und die Eingeweide und Blase ebenso zu bewachen.

Homöopathisch. Kaltes Wasser ist das erste von Wichtigkeit. Es sollten hiervon regelmäßige Umschläge auf den Kopf gemacht und das Heißwerden des Kopfes verhindert werden. Kaltes Wasser ist dem Eise vorzuziehen.

Aconitum. — Wenn der Kranke starkes Delirium hat, brennende Schmerzen im Kopfe, besonders in der Stirne, rothes Gesicht, blutunterlaufene Augen,[S. 77] heiße, trockene Haut. Tritt nach sechs Stunden keine Besserung ein, sollte Belladonna abwechselnd mit Aconitum gegeben werden, besonders bei folgenden Symptomen: große Hitze des Kopfes, rothes und blutunterlaufenes Gesicht, heftiges Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, Trockenheit des Mundes, der Zunge und des Halses, erschwertes Schlucken, Uebelkeit, Erbrechen, Schwindel, Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch, blutunterlaufene und strahlende Augen bei einem wilden Ausdrucke, heftiges Delirium, Diarrhöe, stechende Schmerzen im Kopfe, leises Murmeln und Krämpfe.

Hyosciamus. — Betäubung, Bewußtlosigkeit, Delirium, jähes Auffahren, Singen, Murmeln, Lächeln, Zupfen am Bettzeuge, Versuch zu entwischen, unfreiwilliges Ablassen des Urins.

Stramonium. — Gesicht roth, starren Blick, natürliches Schlafen, aber bei Krämpfen und Herumwerfen.

Bryonia. — Beständige Neigung zu schlafen, jähes Auffahren aus dem Schlafe, Delirium, Aufspringen, Seufzen, Schreien, brennende und stechende Schmerzen im Kopfe und kalter Schweiß auf der Stirne.

Bryonia kann ferner gegeben werden, wenn Aconitum und Belladonna angezeigt erscheinen, aber keine Erleichterung gewähren.

Opium. — Schläferigkeit mit schwerem Athem, hell offenen Augen, Verwirrung und Schwindel nach Erwachen, Frost oder Gleichgültigkeit gegen Alles. Ist der Kranke zu irgend einer Zeit während des Krankheit sehr unruhig und schlaflos, kann man alle Stunden eine Dosis Coffea abwechselnd mit Belladonna geben, während diese Heilmittel gegeben werden, muß die Gabe anderer unterbleiben.

Andere Heilmittel sind Zincum, Apis Mellitica, Rhus toxicodendron, Lachesis und Sulphur.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll kalten Wassers und gieb, der Strenge der Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Behandlung rechtzeitig früh begonnen wird. Ist der Puls voll, sollte zu Aderlässen gegriffen und nicht eher damit nachgelassen werden, bis er schwächer wird. Kann man das Blut nicht am Arme entziehen, so sollten auf Nacken, Rückgrat und Schläfe 12 Blutegel und mehr gesetzt werden. Das Haupt muß rasirt werden und kalte oder Eiswasserumschläge sind anzuwenden, auch gestoßenes Eis kann in einen Beutel auf den Kopf gelegt werden. Eine volle Dosis, 5–10 Grane geläutertes Quecksilber (Calomel) mit einer gleichen Menge Jalappenwurzel (Jalap) kann in diesem Stadium gegeben werden. Zug- und Senfpflaster sind auf die Waden zu legen. Wer sich des Calomels nicht bedienen will, nehme Folgendes:

Pulverisirtes Gummi-Gutti (Pulverized gamboge) 12 Grane.
[S. 78] Pulverisirtes Scammonium-Salz (Pulverized Scammony) 12
Springgurke (Elaterium) 2
Purgirkörneröl (Croton oil) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden eine Pille bis sich die Wirkung einstellt.

Nachdem das Aufregungs-Stadium vorüber ist und der Kranke schwach wird, Puls kaum fühlbar, Gesicht blaß, Hände und Füße kalt, sollte Wein oder andere Reizmittel gegeben und Zugpflaster auf den Nacken und hinter die Ohren gelegt werden.

Bei Schlaflosigkeit sind 2 Grane essig- oder salzsaures Morphium (Acetate or muriate of morphine) in 4 Unzen Wasser aufgelöst und davon alle 2 oder 3 Stunden einen Eßlöffel voll, bis Schlaf eintritt, zu geben.

Die Eingeweide sind offen zu halten und nachdem die erste Dosis Calomel gegeben wurde, möge man folgendes anwenden:

Calomel 6–8 Grane.
Brechwurz (Ipecacuanha) 4
Präparirte Kreide (Prepared chalk) ½ Drachme.
Fingerhut (Digitalis) 3 Grane.

Theile es in 12 Pulver und gebe eine hinreichende Menge, die Eingeweide offen zu halten.

Sollte dieses Mittel Erbrechen erregen, so füge man jeder Dosis ein Drittel bis zu einem ganzen Gran Hyosciamus Extract (Bilsenkraut-Extrakt) bei.

Eclectische und Kräuterkur. Sobald die ersten Symptome erscheinen, nehme man ein Fußbad in warmem Wasser, dem ein wenig Saleratus oder Asche beigefügt ist. Dies sollte 2 bis 3 Mal des Tages wiederholt werden. Mache kalte Wasserumschläge auf Gesicht, Kopf und Nacken und öffne die Eingeweide mit einer Mischung aus gleichen Theilen von Alraunwurzel (Mandrake root) und (Cremor tartari) mit ein wenig Gewürznelken (Cloves). Sollte Alraunwurzel ohne Wirkung bleiben, so kann auch Jalappenwurzel (Jalap) mit Cremor tartari gegeben werden. Dies sollte, jeden Morgen und Abend eine Dosis, so lange fortgesetzt werden, bis der Kranke außer Gefahr ist. Senfpflaster sind auf Kreuz, Nacken und über den Magen aufzulegen.

Um Schweiß hervorzurufen, bediene man sich gleicher Theile der Lobelia, Blutwurzel (Blood root) und des Weins der Brechwurz (Wine of Ipecac) in gleichen Dosen, einmal in einer Stunde. Wenn die Tincturen nicht beschafft werden können, mögen diese drei Sachen auch in Pulvern, und zwar in Dosen von 6 bis 10 Granen gegeben werden. Ist das Kopfweh stark, sollten warme erweichende Umschläge von Hopfen mit Essig vermischt aufgelegt werden, und wenn der Kranke unruhig ist und nicht schlafen kann, lasse man ihn unbeschränkt Hopfenthee trinken.

Befindet sich der Kranke in einem betäubten Zustande, und ist nur mit[S. 79] Schwierigkeit aus diesem zu erwecken, mag ihm in ein wenig Porter oder Ale kohlensaures Ammoniak (Carbonate of ammonia), dem ein Viertel-Gran Calomel und ein halbes Gran schwefelsaures Chinin (Sulphate of Quinine) beigefügt wird, gegeben und kann, so oft als erforderlich, wiederholt werden. Man lasse den Patienten Limonade, mit Cremor tartari säuerlich gemachtes Wasser oder grünen Münzthee (Spearmint), mit ein wenig süßem Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) darin, trinken.

Remittirendes oder Gallenfieber (Remittent or Bilious Fever).

Diese Krankheit ähnelt dem Intermittirenden- oder Wechselfieber und entspringt in der Regel aus denselben Ursachen. Beim Wechselfieber aber kehren die Anfälle zu bestimmten Zeiten wieder und lassen den Kranken während der Zwischenzeit frei von allen Symptomen, während bei dem Gallenfieber das Fieber nur nachläßt und bezüglich seines Erscheinens unregelmäßig ist.

Ursachen. Es wird ohne Zweifel durch Malaria (einen giftigen Dunst, welcher von verwesenden thierischen und Pflanzenstoffen aufsteigt — Sumpfluft) verursacht; befällt mehrentheils Personen von schwacher Verdauung, oder solche, die sich der Unmäßigkeit hingeben. Ueberladen des Magens, Zorn, Furcht oder Aerger können ebenfalls Ursachen werden.

Symptome. Gewöhnlich gehen Schwäche, Niedergeschlagenheit, sich Dehnen, Appetitlosigkeit, mehr oder weniger Schmerz im Kopfe, fliegende Hitze oder Kälte voraus. Diese Symptome können mehrere Tage dauern, ehe sich die Krankheit vollkommen entwickelt. Die Kälte nimmt stufenweise zu, bis sie in einen kennbaren Frost übergeht. Diesem Frost folgt eine fliegende Hitze, und nach Verlauf von 2 bis 3 Stunden wird die ganze Oberfläche des Körpers heiß. Der Kranke klagt über Schmerz und ein Gefühl von Vollsein und Schwere im Kopfe, Schmerz in dem Rückgrat und Gliedern, besonders in den Waden, große Schwäche, beschleunigtes und schwieriges Athmen, flammendes Gesicht, Hitze und Trockenheit der Haut, Uebelkeit, Erbrechen und Durst. Der Puls ist voll und dessen Schlag erhöht, die Eingeweide verstopft und die Zunge mit einem weißen Schleim belegt.

Das Fieber kann 8 bis 12, ja sogar 24 Stunden anhalten, dann wird die Haut feucht, der Puls sinkt und der Kranke fällt in einen erquickenden Schlaf.

Bei harten Fällen aber bleibt die Haut heiß und trocken, der Pa[S. 80]tient wird sehr unruhig und das Fieber stellt sich nach Verlauf von wenigen Stunden von Neuem ein.

Einer der eigenthümlichsten Züge dieser Krankheit ist die gelbliche Haut und das Weiße des Auges. Dies stellt sich zwischen dem dritten und fünften Tage der Krankheit, zuweilen auch gleich bei dem Beginn ein. Der gelbe Eiter kann auf die Oberfläche getrieben werden, so daß ein weißes Taschentuch, wenn man damit auf die Haut reibt, gelbe Flecke bekommt.

Die Krankheit kann einige Tage lang oder zwei bis drei Wochen anhalten und schließlich in ein wirkliches Wechsel- oder Nervenfieber übergehen, wenn der Kranke nicht wieder genesen sollte. Ungefähr um die Zeit der Wiedergenesung erscheint ein Ausschlag auf den Lippen, der als ein günstiges Zeichen angenommen wird.

Behandlung.

Allgemeine. Die Kost muß, wie Haferschleim, leichtes Brod, schwarzer Thee und geröstetes Brod, Kaffee ohne Milch oder Zucker, von der leichtesten Art sein. Der Kranke mag ein Stück Eis in den Mund nehmen und Limonade, Aepfel, Wasser oder Wasser mit Corinthen- (Current) oder mit Brombeer- (Blackberry) Saft schmackhaft gemacht, trinken. Ein zuweilen sehr zuträglicher Trank wird aus schwachem Molasses, Wasser, ein wenig Citronensaft, ein Stück Zwieback (Toast) und Eis gemacht.

Dauert die Krankheit fort, kann man Gummi-Arabicumwasser oder Gerstenschleim gebrauchen.

Wenn der Kranke sehr schwach wird und es zeigen sich typhöse Symptome, mögen Brühe von Rindfleisch, Milchpunsch oder Wein mit Eiern gestattet werden.

Während der Wiedergenesung erlaube man dem Patienten Brod und Butter, Zwieback, gekochten Reis, Fleischbrühen, weich gesottene Eier, Austern, gekochtes Huhn oder anderes Geflügel. Das Zimmer muß kühl und lichtfrei gehalten werden. Das Bettzeug ist öfters zu wechseln, das Zimmer muß täglich gelüftet und die verdorbene Luft durch Verbrennen von Zucker, Besprengen des Zimmers mit Lavendelwasser (Lavender), aromatischen Essig (Aromatic vin.) und anderen derartigen Mitteln gereinigt werden.

Allöopathisch. Ehe sich das Fieber vollständig entwickelt hat, ist es gut, folgendes Brechmittel zu geben:

Pulverisirte Brechwurz (Ipecac) 1 Skrupel.
Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (Cayenne) 10 Grane.
Wasser 2 Unzen.

Mische es und nimm es auf einmal.

[S. 81]

Oder auch:

Brechweinstein (Tartar emetic) 1 Gran.
Brechwurzpulver (Ipecac powder) 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.

Mische es und nimm es auf einmal.

Lasse diesem Brechmittel nachstehendes Abführmittel folgen:

Rochelle-Salz (Rochelle salt) 2 Drachmen.
Doppeltkohlensaure Soda (Bicarbonate of soda) 2 Skrupel.
Wasser ½ Pint.

Mische es und füge 25 Tropfen Weinstein-Säure (Tartaric acid) bei. Das Ganze ist während des Aufbrausens zu nehmen.

Oder:

Gepulverte Sennesblätter (Powdered Senna) ½ Unze.
Jalappenwurzel (Powdered Jalap) 10 Grane.
Gewürznelken (Powdered Cloves) 10

Zu mischen und in versüßtem Wasser auf einmal zu nehmen.

Bleiben diese Mittel ohne Wirkung auf die Eingeweide, gebe man folgendes:

Sennesblätter (Senna) ½ Unze.
Manna 1
Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1
Cardamon oder Fenchelsamen (Cardamon or Fennel seed) 2 Drachmen.
Kochendes Wasser 1 Pint.

Mische es. Dosis: Alle zwei Stunden, bis Wirkung eintritt, ein Weinglas voll.

Wenn sich die Krankheit vollständig entwickelt hat, kann der Kranke zwei- oder dreimal des Tages mit kaltem Wasser, seinem Befinden angemessen, von oben bis unten gewaschen werden; dabei gebe man eins von den folgenden Getränken:

Cremor Tartari (Cream of tartar) ½ Unze.
Zerquetschte frische Citronenschale 4 Unzen.
Stückzucker (Loaf sugar) 4
Kochendes Wasser 3 Pints.

Mische und durchseihe es, nachdem es eine Weile gestanden hat.

Auch:

Citronen-Säure (Citric acid) ½ Drachme.
Doppeltkohlensaure Potasche (Bicarbonate of potash) ½
Citronen-Syrup (Lemon syrup) 1 Unze.
Wasser 6 Unzen.
Bittersalz (Epsom salts) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Wenn nöthig alle vier Stunden zwei Eßlöffel voll.

[S. 82]

Um das Fieber zu vermindern, gebe von der Tinktur oder dem flüssigen Extrakt der Veratrum Viride (grüne Nießwurz) oder dem zusammengesetzten Pulver von Brechwurz (Ipecacuanha) und Opium.

Während der fieberfreien Zeit, oder nachdem das Fieber vorüber ist, gebe man

Chinin (Quinine) 1 Skrupel.
Vitriol-Elixir (Elixir of vitriol) 1 Drachme.

Löse das Chinin in dem Elixir und füge noch 14 Drachmen Schlangenwurzel (Black cohosh) hinzu. Dosis: 20 Tropfen in ein wenig Wasser, einmal in der Stunde.

Oder:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 12 Grane.
Aromatische Schwefelsäure (Aromatic sulphuric acid) 24 Tropfen.
Syrup 1 Unze.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 1

Mische es. Dosis: In zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. In dem Hitze-Stadium, wenn das Fieber ankommt, sollte der Körper häufig mit warmem schwachen Laugenwasser gebadet und innerlich folgendes gegeben werden:

Jasmin-Tinktur (Tincture of gelseminum) ½ Unze.
Aconit-Tinktur (Tincture of aconite) 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser.

Nachdem das Fieber unterdrückt und eine fieberfreie Zeit eintritt, gebe man eines von den folgenden Mitteln:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 14 Grane.
Wasser 1 Unze.
Schwefelsäure (Sulphuric acid) 14 Tropfen.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll jede Stunde während der fieberfreien Zeit.

Oder:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (Elixir of vitriol) 1 Drachme.

Mische es und lasse das Chinin auflösen, dann füge hinzu:

Schlangenwurzel-Tinktur (Tincture of black cohosh root) 7 Drachmen.
Jasmin-Tinctur (Tincture of gelseminum) 7

Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in ein wenig Wasser.

Wenn die Eingeweide verstopft sind und die Zunge dunkel belegt ist, die Augen und Haut gelblich, kann man der ersten Dosis obiger Mischung ¼ Gran von Podophyllum (Podophyllin) und 1 Gran Leptandrin, das alle sechs Stunden wiederholt werden kann, beifügen, bis sich die Wirkung auf die Eingeweide einstellt.

[S. 83]

Ist aber Diarrhöe vorhanden, gebe man folgendes:

Geranium (Geranin) 2 Grane.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) Gran.

Nimm es auf einmal und wiederhole es alle 2 bis 4 Stunden, bis sich die Zahl der Entleerungen vermindert.

Bei Schmerz im Unterleib und Empfindlichkeit in der Magengrube verbunden mit Uebelkeit und Erbrechen, setze man die mit Chinin gemischten Mittel aus und lasse den Kranken nach Belieben einen Aufguß von Pfirsichblättern und Altheewurzel (marsh-mallow root) trinken. Auch lege Senfpflaster auf den Magen, die Eingeweide und längs des Rückgrats.

Columbo-Wurzel (Calumba root) zu Thee zubereitet, ist bei dieser Krankheit schätzenswerth und kann gegen Erbrechen, das zuweilen sehr beschwerlich ist, angewendet werden. Hin und wieder kann das Erbrechen auch durch gleiche Theile von Milch und Wasser eingehalten werden. Gegen Kopfschmerz mache man Essig- und Wasserumschläge auf den Kopf. Ist der Patient fast ganz schlaflos, so bediene man sich des Hopfen-Kopfkissens oder lasse ihn Hopfenthee trinken.

Wenn das Fieber gebrochen ist und der Patient kommt nicht schnell zu Kräften, sondern bleibt hinfällig, sind stärkende Mittel erforderlich. Zu diesem Behufe nehme man:

Gelbwurz (Golden seal), Wachholderbeeren (Juniper berries), stachlige Eschenrinde (Prickly ash bark), Rinde vom wilden Kirschbaum (Wild cherry bark), von jedem, grob gestoßen, eine Unze, Entenfuß (Podophyllin) und Rainfarn (Tansy) von jedem eine halbe Unze. Gieße zwei Pint kochendes Wasser darüber, decke es zu und lasse es eine Stunde lang auf dem Ofen stehen; wenn kalt, füge noch zwei Pints Whiskey und ein Pint Molasses hinzu und lasse diese Mischung dann für den Gebrauch einige Tage lang stehen. Dosis: Drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

Homöopathisch. Aconitum. — Starkes Fieber, rasend schneller Puls, mit einem gelben Schleim belegte Zunge, bitterer Geschmack im Mund, Erbrechen eines bitteren, grünlichen Stoffes, Kopfschmerz, schlimmer beim Sprechen.

Bryonia. — Besonders im Sommer, bei heißem und feuchtem Wetter passend, trockene und weiß oder gelb belegte Zunge, Durst, bitterer Geschmack im Munde, Verlangen nach Saurem und Wein, Erbrechen nach Trinken, Frost oder Hitze, bei Schwindel, der sich nach dem Trinken verschlimmert. Dies kann abwechselnd mit Rhus toxicodendron gegeben werden.

Pulsatilla. — Weiß belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Frost, Mattigkeit.

Nux vomica. — Verstopfung bei häufigen erfolglosen Anstrengungen zu Stuhlentleerungen, rheumatischen Schmerzen im Kopf und Körper, bitterer und fauler Geschmack im Munde.

Arsenicum. — Kolik oder brennende Schmerzen im Magen und Eingeweiden, Empfindlichkeit des Magens gegen Druck, brennende Schmerzen auf einem[S. 84] kleinen Fleck im Magen, große Schwäche, das Verlangen sich niederzulegen, Erbrechen nach Trinken oder Bewegung.

Chamomilla. — Bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Uebelkeit und Erbrechen einer grünen, bitteren oder sauren Flüssigkeit, Unruhe, Druck im Magen.

Mercurius. — Weiß oder gelblich belegte feuchte Zunge, Empfindlichkeit auf der Magengrube und den Eingeweiden, die sich des Nachts verschlimmert, Unruhe, Schläfrigkeit bei Tag und Schlaflosigkeit des Nachts.

China. — Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speise und Trank, Frost und Schauder nach Trinken, Diarrhöe, unverdaute Nahrung. Dies kann abwechselnd mit Acidum phosphoricum gegeben werden.

Colocynthis. — Erbrechen oder Diarrhöe nach Genuß von Speisen, Kolik, Wadenkrampf.

Tartarus emeticus. — Beständige Magenübelkeit, Neigung zum Erbrechen, leichtes Erbrechen und Diarrhöe. Kann mit Bryonia abwechselnd gegeben werden.

Veratrum. — Trockene, gelb belegte Zunge, Erbrechen einer galligen Masse, Diarrhöe, Ohnmacht nach Stuhl, schneidende Schmerzen in den Eingeweiden.

Cedron. — Frost gegen Abend, darauf Fieber, fast gänzliche Schlaflosigkeit und Erbrechen von Galle.

Verordnung der Heilmittel. — Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen des betreffenden Mittels oder man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

Intermittirendes oder Wechselfieber (Intermittent Fever)

kennzeichnet sich durch die regelmäßig eintretenden Anfälle und die gänzliche Fieberlosigkeit zwischen denselben. Jeder Anfall besteht aus drei verschiedenen Stadien, welche regelmäßig auf einander folgen: 1) das Kalte, 2) das Hitze, 3) das Schweiß-Stadium.

Es gibt verschiedene Arten dieser Krankheit. Das alltägliche (Quotidiana) hat alle 24 Stunden einen Anfall. Das dreitägige (Tertiana) innerhalb 48 Stunden oder einen Tag um den andern. Das viertägige (Quartana) nach Verlauf von 72 Stunden oder jeden dritten Tag einen solchen. Es gibt noch andere von Schriftstellern erwähnte Arten, allein die Symptome und die Behandlung sind ebenso wie bei den vorhergehenden. Der Zeitraum von dem Ende eines Anfalles bis zum Anfang eines andern wird die fieberfreie Zeit oder Apyrexia und jener von dem Anfange eines Anfalles zu einem andern das Interval genannt.

Symptome. — Dem kalten Stadium geht gewöhnlich eine[S. 85] Mattigkeit, Schwäche, Unbehagen, Strecken, Gähnen, Kopfschmerz, Kreuz- und Lendenschmerzen voraus. Diese Symptome dauern eine Zeitlang und jenen folgt ein Gefühl von Frost, besonders in den Gliedern, das sich nach und nach über den ganzen Körper ausdehnt. Das Gesicht und die Oberfläche des Körpers werden blaß, eingefallen, und erscheinen rauh, was mit „Gänsehaut“ bezeichnet wird. Zuweilen ist ein Gefühl vorhanden, als ob kleine Bäche von Eiswasser langsam den Rücken hinunter liefen. Der Patient empfindet ein Frösteln und Zittern, ein Schauer durchdringt den ganzen Körper, die Zähne klappern und die Heftigkeit des Frostes wird so stark, daß zuweilen dessen Stärke an der Bettstelle wahrgenommen wird. Das Athmen geschieht rasend schnell und beschwerlich, Puls schwach, Zunge trocken und weiß, Lippen und Fingernägel blau, hin und wieder Uebelkeit und Erbrechen. Dieses Stadium dauert 10 Minuten bis 3 oder 4 Stunden, durchschnittlich aber ungefähr eine Stunde.

Das Stadium der Hitze. — Sobald der Frost anfängt nachzulassen, strömt eine Hitze über den ganzen Körper, die eher angenehm als anders zu bezeichnen ist. Schließlich hört die Kälte ganz auf und eine trockene brennende Hitze tritt ein, das Gesicht röthet sich, die Augen funkeln und der Mund wird trocken und gleichsam gedörrt; die Schläfe klopfen und heftiges Kopfweh hat sich eingestellt; der Puls ist ungewöhnlich voll und stark; der Urin ist spärlich und stark gefärbt. Dieses Stadium kann 2 bis 18 Stunden und länger anhalten.

Das Schweiß-Stadium. — Schweiß tritt auf die Stirne, Hände und Füße und erstreckt sich bald über den ganzen Körper. Die Fiebersymptome und Schmerzen lassen allmählig nach, der Kranke fällt häufig in einen ruhigen Schlaf und fühlt sich beim Erwachen fast so wohl wie gewöhnlich.

In einigen Fällen mögen diese Stadien abweichen, und eines oder mehrere von den oben erwähnten Symptomen nicht vorhanden sein, oder wenn sie vorhanden sind, können nur wenige von ihnen erkannt werden.

Das eintägige Fieber beginnt in der Regel am Morgen, das dreitägige am Mittag und das viertägige am Nachmittag. Das kalte Fieber stellt sich gewöhnlich im Frühjahr und Herbst ein und die Anfälle im Herbste sind die heftigsten.

[S. 86]

Ursachen. — Die Haupt-, wenn nicht die einzige Ursache zum Wechselfieber ist die Sumpfluft oder Malaria, welche aus der Verwesung von Pflanzenstoffen entspringt. Die Zeit, die von dem sich Aussetzen einer solchen Sumpfluft bis zum Ausbruch des Fiebers verstreicht, ist sehr verschieden. Der Anfall kann sich Monate lang verzögern und dann durch eine Schwächung des Organismus, durch feuchtes Wetter, durch das sich der Sonnenhitze bloßstellen, durch Ueberanstrengung, ein kaltes Bad, oder auch durch eine Dosis eines abführenden Mittels hervorgerufen werden. Diese vergiftete Luft wird vom Winde fortgetragen und von den Blättern der Bäume angezogen oder hängt sich an dieselben und es ist deshalb gut, das Haus mit einer Gruppe von Bäumen zu umgeben.

Die Wirkung des kalten Fiebers, wenn die Krankheit eine Zeitlang angehalten hat oder ungeschickt behandelt wurde, besteht in einer Erweiterung der Leber oder Milz, Verdauungsbeschwerden, Wassersucht, Diarrhöe u.s.w.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte in eine trockene Wohnung und in eine Gegend, die frei von der Malaria ist, ziehen. Die Kleidung muß warm, die Nahrung einfach sein und Unmäßigkeit im Essen und Trinken muß ernstlich verboten werden. Während des Anfalles von Kälte, gebe man warme Getränke wie Gerstenschleim, schwachen Thee, heiße Limonade, Wasser von geröstetem Brod. Erhitzte Steine und Flaschen mit heißem Wasser lege man zu den Füßen und längs des Körpers.

Während des Fiebers entferne man so viel von dem Bettzeug als nöthig, um nicht unnöthiges Schwitzen hervorzurufen. Am Ende des Schweiß-Stadiums reibe man den Körper mit warmen Handtüchern und wechsle das Weißzeug. Während dieses Stadiums lasse man Eiswasser trinken. Leute, die besondere Anlage zu dieser Krankheit haben, sollten stets Flanell unmittelbar auf der Haut tragen.

Allöopathisch. Vor dem Anfall sollten die Eingeweide durch folgendes Mittel geleert werden:

Sennesblätter (Senna) 3 Drachmen.
Bittersalz (Epsom salts) ½ Drachme.
Manna ½
Fenchelsamen (Fennel seed) 1
Kochendes Wasser 1 Pint.

Lasse die Mischung eine Stunde lang in einem zugedeckten Gefäße stehen und durchseihe es. Dosis: Einen Theetassenkopf voll alle 3 oder 4 Stunden, bis die Wirkung eintritt.

[S. 87]

Während des Froststadiums bediene man sich heißer Getränke, gebe heiße Fußbäder und erwärme das Bett vermittelst Flaschen mit heißem Wasser längs des Körpers.

In dem Hitzestadium gebe man Folgendes:

Laudanum 1 Unze.
Brechwurzwein (Wine of Ipecac) 1
Salpetersaurer Spiritusäther (Spirits of nitric ether) 1

Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, ausgenommen die Wirkung zeigt sich betäubend, wo es dann in längeren Zwischenräumen gegeben werden mag. Zuweilen ist es gut, abwechselnd mit dem Vorhergehenden Veratrum viride tincture (Nießwurz-Tinctur) in Dosen von 5 Tropfen zu geben. Während des Schwitzens braucht keine Medizin gegeben zu werden.

Die fieberfreie Zeit ist die beste Zeit zur erfolgreichen Behandlung der Krankheit. Sobald das Hitze- und Schweißstadium vorüber sind, fange man mit der folgenden Mischung an:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 16 Grane.
Aromatische Schwefelsäure (Aromatic sulphuric acid) ½ Drachme.
Gewöhnlicher Syrup 2 Unzen.
Pfeffermünzwasser (Peppermint water) 2

Mische es. Dosis: alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll. Bei Kindern möge man dem Vorstehenden noch 2 Skrupel Lakritzensaft (Liquorice) beifügen, um den Geschmack zu verwischen. Während des Fiebers halte mit der Medizin ein und verfahre wie bereits angegeben. Ist die Krankheit einmal gebrochen, gebe man obige Mischung dreimal des Tages ungefähr zwei Wochen lang.

Ein anderes gutes Mittel ist:

Chinin (Quinine) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (Elixir of vitriol) 1 Drachme.

Löse das Chinin im Elixir und füge 12 Drachmen Schlangenwurzel (Black cohosh) Tinctur hinzu. Dosis: 15 bis 20 Tropfen in ein wenig Wasser.

Spinnenwebe, in Pillen von 5 bis 10 Gran zubereitet mit Syrup oder Schleim, während der fieberfreien Zeit alle 2, 3 oder 4 Stunden gegeben, wurde von Dr. Condie und Anderen empfohlen.

Eine andere Behandlungsweise besteht darin, daß ein Brechmittel vor dem Anfalle gegeben wird, so daß es bei Eintreten des Froststadiums in voller Wirksamkeit ist. Eines der besten Mittel ist eine Abkochung von Wasserdost (Boneset, Eupatorium perfoliatum), warm, in Dosen von einem großen Tassenkopf voll. Der Kranke muß sich im Bett aufhalten und wird in einen starken Schweiß verfallen, der in der Regel gegen den erwarteten Frost schützen wird.

Wenn zu befürchten ist, daß, nachdem der Frost einmal gebrochen, ein Rückfall eintritt, ist es gut, den Gebrauch des Chinin, in Dosen von 4 oder 5 Gra[S. 88]nen täglich, mehrere Monate hindurch fortzusetzen. Wood empfiehlt einen Aufguß von der Rinde des wilden Kirschbaums, viermal des Tages in Dosen von einem Weinglas voll. Ebenso ist auch ein Aufguß von Wermuth (Wormwood), 2–3 Mal des Tages zu nehmen, empfohlen.

Eclectische und Kräuterkur. Während des Froststadiums lasse den Patienten unbeschränkt warme Thees von Katzenmünz (Catnip), Isop (Pennyroyal), Wasserdost (Boneset), Virginischer Schlangenwurzel (Virginia snake root) oder schwachen rothen Pfeffer- (Red pepper) Thee trinken.

In dem Hitzestadium gebe man ihm kalte Limonade, Wasser mit Johannisbeer-Gelee (Currant jelly water) u. s. w. Bei Schmerz, Uebelkeit und Erbrechen mögen Senfpflaster auf den Magen und Unterleib gelegt werden. Gleichzeitig gebe man folgendes:

Pulverisirten Rhabarber (Powdered rhubarb) 12 Grane.
Saleratus 5
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia) 1–15 Gran.

Man nehme dies auf einmal in Pfeffermünzwasser. Dasselbe kann alle 15 bis 20 Minuten, wenn erforderlich, wiederholt werden. Während des Schweißstadiums ist keine Behandlung erforderlich; bei großer Schwäche gebe man indessen Branntwein oder Whisky-Punsch (Toddy).

Während der fieberfreien Zeit muß der Organismus gestärkt werden, um der Rückkehr des kalten Fiebers Widerstand leisten zu können. Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) ist das beste und wird ausschließlich zu diesem Behufe angewandt. Folgendes ausgezeichnete Mittel wird von Dr. Baum in Louisville empfohlen:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 14 Grane.
Schwefelsäure (Sulphuric acid) 14 Tropfen.
Wasser 1 Unze.

Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll in ein wenig kaltem Wasser, zwischen den Anfällen. 30 Tropfen Laudanum und 30 Tropfen Schwefeläther in ein wenig kaltem Wasser, ehe der Frost eintritt, wird zuweilen einen Anfall verhindern.

Folgende Mittel sind sehr empfohlen und werden in verschiedenen Fällen erfolgreich angewendet werden:

1—Chinin (Quinine) 12 Grane.
Löwenzahn- (Dandelion) Extract 1 Skrupel.
Schwarz Pfefferöl (Oil of black pepper) 10 Tropfen.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Alle Stunden — an den fieberfreien Tagen — eine Pille, bis sie alle 12 genommen sind.

2—Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1 Skrupel.
Schwefelsäure 20 Tropfen.
Paregoricum (Paregoric) 1 Unze.

[S. 89]

Löse das Chinin in der Schwefelsäure und füge dann Paregoricum hinzu. Mische es und gib durch 6 Stunden jede Stunde einen Theelöffel voll.

3—Schwefelsaures Chinin 8 Grane.
Stechapfel- (Stramonium) Extrakt 1 Gran.
Schwefelsaures Morphium 1

Mische es wohl und theile es in 4 Dosen und nimm jede Stunde eine, und zwar 4 Stunden vor dem erwarteten Frost angefangen.

4—Nehme man eine Muskatnuß (Nutmeg), lasse sie verbrennen oder verkohlen, pulverisire sie, füge einen gleichen Gewichtstheil von verbranntem Alaun (Alum) hinzu und theile es in 3 Pulver. Reinige die Eingeweide mit einer Dosis Salz oder Castoröl und gebe ein Pulver, wenn der Frost kommt.

5—Stachlige Eschenrinde (Prickly ash bark), wilde Kirschbaumrinde (Wild cherry bark), Fischfrehme (Dogwood bark), Schlangenwurz (Black cohosh), Virginischer Ehrenpreis (Black root) oder Akeleiwurzel (Culver), Zimmet, Gewürznelken, von jedem eine Unze grob gepulvert, und 5 Pints Cider. Lasse es ungefähr 24 Stunden stehen und gebe 2 Eßlöffel voll dreimal des Tages.

6—Ein Pint süße Milch und einen großen Eßlöffel voll Ingwer (Ground ginger), erhitze es über dem Feuer und trinke es ungefähr um die Zeit, wenn der Frost kommt. Wiederhole dieses bei jedem Frostanfall.

Homöopathisch. Acidum nitri wird von Professor N. F. Cooke in Chicago zur Behandlung dieser Krankheit empfohlen. Mische 12 Tropfen dieser chemisch reinen Säure mit 4 Unzen destillirtes Wasser und gib, ohne Rücksicht auf den Anfall, alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Wenn der Frost nicht wiederkehrt, (so daß zum Beispiel, wenn der letzte Frostanfall am Dienstag stattfand, am Mittwoch oder Donnerstag ein solcher ausbleibt), gebe die Säure dreimal des Tages eine Woche oder 10 Tage lang. Darauf erweitere die Zwischenräume auf zweimal des Tages durch 2 Wochen hindurch. Dann einmal einen Tag um den anderen und darauf alle 3 Tage. Ist die Behandlung ohne Erfolg, empfiehlt Cooke kleine Dosen von Chinin, wie folgt:

Jede Dosis sollte in einem halben Gran bestehen, und die angenehmste Form ist die halbe Gran verzuckerte Pille. Kann man sich dies nicht verschaffen, so bediene man sich der Pulver. Nachdem das Schweißstadium aufgehört hat, beginne mit einer Gabe Chinin und gebe bei alltägigem Fieber alle 2 Stunden eine Dosis, bei dreitägigem alle 3 Stunden eine Dosis. Die Gabe wird eingestellt, sobald die Symptome des nächsten Frostes erscheinen. Nachdem der Anfall vorüber ist, gebe man die Medizin wie zuvor und fahre damit fort, bis der Frost gebrochen ist. Während des Anfalls gebe, was immer für Mittel angezeigt erscheinen mögen. Aconitum, wenn das Fieber stark ist, Belladonna, wenn die Symptome hervorragend sind. Bryonia bei starken Schmerzen in den Knochen.

[S. 90]

Wenn der Frost gebrochen ist, gebe man mehrere Wochen lang China in Dosen, wie bei Acidum nitri empfohlen.

Andere Mittel, welche gegeben werden können, wenn es angezeigt erscheint, sind folgende:

China. — Gelbliche Haut- und Gesichtsfarbe, während des Frostes galliges Erbrechen, Röthe des Gesichts, Herzklopfen; während der fieberfreien Zeit gelbliche Gesichtsfarbe, schwache Augen, Gedankenverwirrung, Schwindel, Durst, unbehagliches Gefühl in der Magengrube, Verstopfung, allgemeine Schwäche. Durst vor oder nach dem Froste oder während des Schweißstadiums, kurzer Husten, sehr gering, wenn überhaupt vorhanden, Durst während des kalten oder heißen Stadiums. Knorre heilte das eintägige Fieber, bei Schwindel, Blässe, kalten Händen und Füßen, Erbrechen von Schleim, während des Frostschauers Schmerzen im Kopf, in den Seiten und in der Magengrube, trockenem, bellendem Husten, Schläferigkeit während des Fiebers, das lange und heftig anhält, Verwirrung der Begriffe und Schläferigkeit während des Anfalles und der fieberfreien Zeit; Angst, Entmuthigung, große Geistesthätigkeit, zuweilen Delirium (Marcy und Hunt). Große Schwäche und Hinfälligkeit, der Patient sieht blaß aus und hat Mangel an Lebenskraft. Schweiß sogar während der fieberfreien Zeit. Wassersucht, Frost in Körpertheilen, Hitze im Kopfe durch das Fieber beschränkt und mit Frost gemischt, Durst mit folgendem Schweiße, Fieber ohne Frostschauer, bei großem Durst und starkem Schweiß.

Arsenicum. — Aufgedunsenes Gesicht und erdfarben, oder eingefallen und gelblich, die Haut brennend heiß und das Gesicht roth während des Fiebers, letzteres aber während der fieberfreien Zeit blaß und eingesunken; Zittern der Glieder während des Schweißstadiums, Zunge bläulich, weiß oder hellroth, Frost und Hitze abwechselnd, brennende Schmerzen im Magen, starke Schmerzen in den Gliedern, Rücken, Kopf oder Brust während des Fiebers; während des Schweißstadiums Schwere des Kopfes, Summen in den Ohren; zwischen dem Frost- und Hitzestadium, Mattigkeit, Schwindel, Durst, Uebelkeit, Erbrechen und Schlucken, Schweiß während des Schlafes. Hartlaub empfiehlt Arsenicum gegen Frost ohne Durst, dem Fieber mit oder ohne Durst und dann Schweiß folgt; vor dem Frost Schwindel, Schmerzen über den ganzen Körper, Strecken und Gähnen, Uebelkeit und Erbrechen, Beklemmung der Brust; während des Fiebers Delirium, Schmerz im Kopfe, Schwindel beim Aufstehen, bitterem Geschmack im Munde, ein Schmerz in der Gegend der Leber, während der fieberfreien Zeit, blasse Gesichtsfarbe, weiße Zunge, kalten klebrigen Schweiß, Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes, große Schwäche. Anfälle kommen in der Regel des Morgens oder Abends. Fieber mit fliegender Hitze und große Schmerzen der Knochen.

Nux Vomica. — Aeußerliche Hitze bei innerlichem Frost oder innerliche Hitze und Frost von Außen. Während des Frostes sind Hände, Gesicht, Haut und Nägel blau und kalt; Gähnen und Strecken; eine oder beide Wangen roth,[S. 91] dichter Schweiß von säuerlichem Geruch; wenn dem ersten Stadium äußerliche und innerliche Kälte und Gähnen folgt, Frost am Abend oder Morgen während des heißen Stadiums, Kopfschmerz, Schwindel, Uebelkeit, Durst. Schüttelnder Frost mit Durst, dem Fieber mit Durst und Schweiß folgt. Bewegung während des Fiebers oder Schweißes verursacht Frost. Während der fieberfreien Zeit ist Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, schlechter Geschmack im Munde, Schmerz im Magen nach dem Essen, Verstopfung, viel Durst, Schweiß.

Ipecacuanha. — Vor dem Frost-Stadium Strecken und Mattigkeit bei kaltem Schweiße auf der Stirne, leichter Frost, dem große Hitze folgt; der Frost nimmt durch äußerliche Hitze zu; Durst nur während des Frostes; Beklemmung der Brust; Uebelkeit und Erbrechen. Während der fieberfreien Zeit hat die Speise einen bitteren Geschmack, Appetitlosigkeit, Erbrechen nach dem Essen, Schlaflosigkeit.

Bryonia. — Wenn vor dem kalten Stadium Schwindel, Kopfschmerz und Mattigkeit; — ferner, wenn das erste Stadium mit starkem Frost, Zittern und Hitze im Kopf eintritt; das zweite Stadium mit Hitze und Frost abwechselnd, hierauf große Hitze und Durst, krampfartiger Husten, stechende Schmerzen in der Seite und im Unterleib; nach der Hitze starker Schweiß, Beklemmung der Brust, trockener Husten, Neigung zum Schwitzen des Nachts und am Morgen; während der fieberfreien Zeit Verstopfung, Durst, gelbliche Gesichtsfarbe und Nachtschweiße.

Eupatorium Perfoliatum. — Leichter Frost stellt sich vor dem Beginne des ersten Stadiums ein, Schwindel, Schwere und Läuten im Kopfe während des kalten Stadiums; theilweiser Frost im Rücken, Händen und Füßen; das Hitze-Stadium beginnt mit leichtem Frost abwechselnd mit fliegender Hitze, bis das Fieber allgemein wird; Uebelkeit und Erbrechen einer galligen Masse am Ende des Frostes. Wenn der Frost um 9 Uhr Morgens beginnt bei Schmerzen in den Knochen, klopfendem Kopfschmerz während des Frostes und der Hitze; Durst, mehrere Stunden vor dem Froste beginnend, der während des Frostes und der Hitze fortdauert; wenig oder kein Schweiß, Empfindlichkeit des Unterleibes gegen Druck; beständige Neigung zum Schlaf; Nachtschweiße.

Cedron. — Die Anfälle kommen Abends 8 Uhr und folgen einer großen Niedergeschlagenheit, drückendem Kopfweh und Stumpfheit der Sinne; Mund trocken, großer Durst; Krämpfe, bei Thränen und zusammenziehenden Schmerzen in den Armen und Beinen, kaltes Gefühl in Händen und Füßen, Herzklopfen und Frostschauer. Diese Symptome halten ein bis zwei Stunden an und lassen ein Gefühl von trockener Hitze, der ein dichter Schweiß folgt, zurück; voller und schneller Puls; rothes Gesicht; in der fieberfreien Zeit kalt und blaß; Durst und ein Verlangen nach warmen Getränken. (Marcy und Hunt.)

Pulsatilla. — Langer Frost, wenig Hitze und kein Durst. Kennzeichen einer schlechten Verdauung (dyspepsia). Der Frost beginnt mit Erbrechen. Frost und Hitze kehren zu derselben Zeit an jedem Tage zurück. Während des Frostes:[S. 92] Gesichtsblässe, Kopfweh mit Schwere; zuweilen Erbrechen mit Schleim und Brustbeklemmung. Während der Hitze: Kopfschmerz und Rothsein des Gesichts, aufgedunsenes Ansehen, Seufzen, Klagen, ängstliches Athmen, Uebelkeit, Diarrhöe mit folgendem Schweiß, Anfall von Ohnmacht und bei dem weiblichen Geschlecht Unterdrückung der monatlichen Reinigung. Während der fieberfreien Zeit: Kopfschmerz, Kochen des Bluts, Herzklopfen, feuchter Husten und eine Neigung zum Weinen.

Natrum Muriaticum. — Heftiges Kopfweh während des Frostes und der Hitze, verdunkelter Blick, theilweise Bewußtlosigkeit, Schmerzen in den Knochen, gelbliche Gesichtsfarbe, Fieber mit Blasen auf den Lippen, Durst während des Frostes, aber noch mehr während der Hitze; leichter Frost, Gähnen und Strecken, ohne Durst, dem ein starkes Fieber mit Durst folgt; dann Schweiß mit Schläfrigkeit und Schlafsucht. (Pulte.)

Ignatia. — Gegen nervöse Anfälle, besonders wenn sie durch Schreck hervorgerufen wurden. Durst nur während des Frostes, ebenso Schmerz in den Eingeweiden. Das Fieber beginnt am Nachmittage und dauert die ganze Nacht hindurch. Das geringste Geräusch erhöht des Kranken Leiden.

Veratrum album. — Aeußerlicher Frost und kalter Schweiß, besonders auf der Stirne und innerliche Hitze; großer Durst, besonders während des Frostes und Schweißes; wässeriges Erbrechen und Diarrhöe, leichenartige Farbe des Gesichts; Krämpfe, Delirium, große Angst, schnelles Sinken der Kraft.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll, auch während des Anfalles.

Gelbes Fieber.

Diese Krankheit kennzeichnet sich durch die gelbliche Hautfarbe und das Erbrechen einer dunkeln Flüssigkeit. Sie ist besonders in warmen Klimaten vorherrschend und eine Witterung von 79 oder 80 Grad, welche 2 oder 3 Monate hindurch anhält, wurde bisher zu seiner Hervorrufung für nothwendig gehalten. In der Regel erscheint sie im Spätsommer oder im Anfange des Herbstes und verschwindet nur mit dem Eintritte des Frostes.

Ursachen. — Die Verwesung von Pflanzen- und thierischen Stoffen und Uebervölkerung. Die hervorragendsten Ursachen sind eine zu starke thierische oder reizende Kost, unregelmäßige Lebensweise, geistige Angst und Druck, Thränen, Kummer und das Aussetzen gegen Luft und heiße Sonne.

Symptome. — Die ersten Symptome sind Schwindel, Schmer[S. 93]zen in dem Rücken und den Gliedern, Frost, Uebelkeit und ein Gefühl von Ohnmacht.

Zweites Stadium. — Nachdem die obigen Symptome einige Stunden lang angehalten haben, tritt eine Rückwirkung ein. Das Gesicht ist geröthet, die Haut heiß und trocken, die Augen sind roth und funkelnd, heftige Schmerzen im Kopfe, Rücken und den Gliedern; Unbehaglichkeit im Magen, sehr schnelles Athmen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, Mund und Hals trocken, bei großem Durst und zuweilen Delirium, die Zunge mit einem klebrigen, weißen Schleim überzogen, mit rothen Rändern, hin und wieder böser Mund, so daß dadurch das Schlucken erschwert wird. Der Kranke klagt über ein Gefühl von Schwere und Beklemmung in der Magengrube und der Magen ist sehr reizbar, alles was verschluckt wird, wieder von sich gebend.

Nachdem diese Symptome 25 bis 36 Stunden angehalten haben, wird dem Kranken wieder leichter, ausgenommen das höchst unangenehme Gefühl im Magen, bei Uebelkeit und Erbrechen.

Dieses Stadium kann einige Stunden lang anhalten und kann dabei ein leichtes Schwitzen vorhanden sein, worauf die früheren Symptome noch heftiger zurückkehren. Der Magen wird jetzt außerordentlich schmerzhaft und empfindlich. Unaufhörliches heftiges Erbrechen einer Flüssigkeit von dunkler Farbe, bei großem Durst. Die Haut und die Augen werden gelb und der Kranke wird ruhelos und unstät. Die Schmerzen im Kopfe, Rücken und in den Gliedern sind weniger heftig als zuvor und der Puls, die Zunge und die Haut können sehr natürlich sein.

Dieses Stadium kann 12 bis 48 Stunden anhalten, dann tritt das letzte Stadium ein, das sich durch Erbrechen einer grünlichen, gelblichen, bräunlichen oder claretfarbigen Masse, welche das schwarze Erbrechen genannt wird, kennzeichnet. Die Temperatur der Haut fällt unter ihren natürlichen Zustand, der Kranke wird sehr schnell schwach, der Puls sinkt, die Zunge wird trocken, schwarz und zusammengeschrumpft, das Athmen unregelmäßig und beschwerlich, Krämpfe befallen die Eingeweide und die Waden, das Gesicht verzieht sich und verliert seinen lebendigen Ausdruck, Hände und Füße werden kalt; Diarrhöe, Schweiß, Blutflüsse und schließlich Krämpfe treten ein.

[S. 94]

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Beim Beginn des Anfalles kann ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia gegeben werden, worauf die Eingeweide mit Folgendem, was sehr empfohlen worden ist, geleert werden sollten:

Essig und Castoröl, von jedem ½ Weinglas voll.
Salz 1 Theelöffel voll.

Mische es zu einer Dosis und wiederhole es jede Stunde, bis die Wirkung eintritt.

Zur Verminderung des Fiebers sollte kaltes Wasser auf der Oberfläche des Körpers angewendet werden, zu welchem Behufe der Kranke in ein großes Faß oder irgend ein anderes dazu passendes Gefäß gebracht werden muß, Ströme von kaltem Wasser werden über den Nacken und Körper des Kranken gegossen, bis das Gesicht blaß wird, worauf der Kranke lebhaft abgerieben und in ein warmes Bett geschafft werden sollte. Während des Frost-Stadiums der Krankheit lege man ein großes Blasenpflaster über den Magen und gebe folgendes:

Gemeines Fußblatt (Podophyllin) 1 Gran.
Leptandrin 2 Grane.

Mische es in einem Mörser mit 10 Granen weißen Zuckers und gib es auf eine Dosis mit stündlicher Wiederholung. Dies wird das Erbrechen vermindern.

Wenn der Frost eine lange Zeit anhält, lege man den Kranken in ein warmes Bad, das mit Senf gemischt ist, wobei Thee von grüner Münze (spearmint), Katzenmünze (catnip) oder Salbei (sage) getrunken werden sollten, um Schweiß hervorzurufen.

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) kann in Dosen von 4 bis 6 Granen jede Stunde oder alle 2 Stunden gegeben werden. Limonade und Cideressig lasse man unbeschränkt trinken. Kann der Magen diese nicht behalten, gebe man vermittelst Einspritzung folgendes:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 12 Grane.
Weinsteinsäure (Tartaric acid) 12
Limonade oder Citronensaft 1 Unze.

Mische es und gib es als Einspritzung; wenn nöthig, jede Stunde oder alle zwei Stunden zu wiederholen.

Dr. Nott von Mobile empfiehlt Kreosot (creosote) während des Fiebers zu geben. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, 20 Tropfen Kreosot mit 6 Unzen Minderers Geist (Spirits of mindererus) mit hinlänglich Alcohol, um den Kreosot zu lösen. Man gebe alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll. Waschen der Haut mit kaltem Wasser und Essig wird die Hitze und Trockenheit vermindern. Auch können Senfpflaster längs des Rückgrats gelegt werden.

Während der fieberfreien Zeit oder bei Sinken der Kräfte sollte mit Chinin[S. 95] fortgefahren werden, auch Terpentinöl (Oil of turpentine) ist mit Vortheil in diesem Stadium angewendet worden. Gebe jede Stunde, oder alle 2 Stunden 10–15 Tropfen mit 2 oder 3 Granen spanischen Pfeffers (Capsicum) in Limonade oder andern säuerlichen Getränken.

Wenn der Kranke sehr hinfällig ist, gebe man das folgende:

Branntwein (Brandy) 4 Unzen.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) ½ Drachme.

Wozu eine oder zwei Unzen Terpentinöl, wenn nöthig, gefügt werden können. Alle halbe Stunde oder jede Stunde einen Theelöffel voll.

Bei Wiedergenesung muß große Sorgfalt gegen einen Rückfall beobachtet werden. Die Kost sollte aus Pflaumen, Datteln (Tamarinds) oder Aepfelwasser mit ein wenig Wein bestehen. Starke Rindssuppe, indischer Mehlschleim, gekochter Reis und andere leichte Nahrungsmittel mögen gegeben werden. Als ein stärkendes Mittel dienen kalter Aufguß von virginischer Schlangenwurzel (Virginia snake root), oder ein Aufguß von Buschklee (Shrubby Trefoil).

Homöopathisch. Sobald die ersten Symptome erscheinen, sollte sogleich Ipecacuanha gegeben werden, besonders bei Schwindel, Frost, Schmerzen im Rücken und in den Gliedern, unbehaglichem Gefühle im Magen, Uebelkeit und Erbrechen.

Belladonna. — Rothes und aufgedunsenes Gesicht; Augen hell, roth und funkelnd oder starr; Zunge weißlich, gelblich oder bräunlich; trockene, brennende Hitze; scharfe, ziehende Schmerzen im Kopf bei klopfender, schmerzhafter Schwere, krampfartige Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, Druck, krampfartige Schmerzen im Magen, Neigung zum Erbrechen oder heftiges Erbrechen während der fieberfreien Zeit, Tiefsinn, Niedergeschlagenheit. Bei eintretender Rückwirkung große Erregtheit, beständiges Herumwerfen und Angst.

Bryonia. — Haut gelb, Augen roth oder stumpf, glasig oder wässerig, Zunge trocken, weiß oder gelb belegt, starker Schmerz im Magen, mit Erbrechen besonders nach Trinken, brennender Durst, Schmerz in dem Rücken und den Gliedern, Kopfschmerz durch Bewegung erhöht, Augen bei Bewegung schmerzhaft, Gefühl von Vollsein und Druck im Magen und den Eingeweiden, Angst, Furcht und Besorgniß, Schwinden des Gedächtnisses.

Rhus toxicodendron. — Haut trocken und gelb, Augen glasig und eingefallen, Zunge trocken und schwarz, Lippen trocken und bräunlich, Puls schnell und schwach, Delirium; Betäubung, schnarchendes Athmen, beständige Bewegung, unangenehmer Schmerz oder Brennen im Magen, Uebelkeit und Erbrechen, die unteren Theile gelähmt, Krämpfe in den Eingeweiden, Kolik, Diarrhöe, schwieriges Schlucken oder Schmerz beim Schlucken, Begriff stumpf und umwölkt.

[S. 96]

Arsenicum. — Gesicht bläulich oder gelblich, Augen blaß und eingefallen, Körper kalt, bei kaltem und klebrigem Schweiß, Nase zugespitzt, Lippen und Zunge braun oder schwarz, schneller Puls, schwach und unruhig oder zitternd, große Hinfälligkeit, dumpfer, klopfender oder stechender Schmerz im Kopfe, brennende oder scharf ziehende Schmerzen im Magen oder in der Gegend der Leber; steife Glieder, häufiger zwingender Stuhl, oder die Entleerungen sind schmerzlos und finden ohne Wissen des Kranken statt, Brustbeklemmung, schnelles ängstliches Athmen, Krämpfe in den Waden, ziehende und krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Gefühl als wenn ein schwerer Gegenstand auf die Eingeweide drücke, Gedächtnißschwäche, Betäubung und Bewußtlosigkeit.

Aconitum. — Im ersten und zweiten Stadium anwendbar, wenn eine brennende, trockene Haut, rothe Augen, gegen das Licht empfindlich, Gesicht roth, Lippen und Mund trocken, Gefühl von großer Hitze, Durst, Schmerzen in den Schläfen, der Stirne oder den Seiten des Kopfes, Schwindel beim Aufstehen, große Hitze und Reizbarkeit des Magens, kurzes und sehr schnelles Athmen vorhanden sind.

Nux vomica. — Haut gelb, besonders um Nase und Mund, Augen entzündet, Ringe um die Augen, Zunge weiß oder gelb belegt, oder trocken, aufgesprungen, braun mit rothen Rändern, brennende Schmerzen im Magen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, heftiges Schlucken, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zittern der Glieder, Verlangen nach Bier, Branntwein oder andern Reizmitteln, Entleerungen von einer blutigen oder galligen Masse aus den Eingeweiden, Kälte und Krämpfe in den Beinen, große Angst, Todesfurcht, Bewußtlosigkeit und Delirium mit Murmeln.

Mercurius. — Gelbe Hautfarbe, Augen roth, die Blutgefäße sind angefüllt, Zunge mit dickem weißen Pelz oder trockenem und braunem Schleim belegt, starke Neigung zum Schlafe oder Ruhelosigkeit, je nach dem Zustand der Nerven, Gefühl von Ermüdung, schnelles Sinken der Kräfte, heftiges Erbrechen einer galligen Schleimmasse, brennende Schmerzen und Empfindlichkeit des Magens, Kälte der Arme und Füße bei Krämpfen.

Veratrum. — Gesicht gelblich oder bläulich, kalt und mit kaltem Schweiße bedeckt, Augen trüb, gelblich oder wässerig, Lippen und Zunge trocken, braun und aufgesprungen, Schlucken, Kälte der Hände und Füße, Entleerungen der Eingeweide, dünn, schwärzlich oder gelblich, Zittern, Krämpfe in den Füßen, Händen und Beinen, Sinken der Kraft, schwieriges Schlucken, sehr starker Durst, Erbrechen von grüner Galle, oder Schleim, oder schwarzer Galle und Blut, Krämpfe im Magen, den Eingeweiden und Gliedern.

Sulphur. — Gesicht blaß und gelblich, Puls hart, geschwind und voll, Schwindel und starke Schmerzen in dem Kopf, Jucken oder brennende Schmerzen[S. 97] in den Augen, Brausen in den Ohren, Schmerzen im Rücken und in den Seiten.

Verordnung der Heilmittel. — Dosis: 6 Kügelchen, oder man löse 20 Kügelchen in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine Dosis.

Allöopathisch. Die Eingeweide sollten mit 10 Gran Calomel geöffnet und folgendes gegeben werden:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) 10 Grane.
Lakritzen-Extrakt (Extract of liquorice) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (Compound infusion of senna) Unzen.
Sennesblätter oder Jalappenwurzel (Tincture of senna or jalap) 3 Drachmen.
Spiritus von flüssigem Salz (Spirits of sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: 2 bis 3 Eßlöffel. Dies sollte alle Stunde oder wenn nöthig alle halbe Stunde wiederholt werden.

Anstatt des Calomels kann auch folgendes gebraucht werden:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Cremor Tartari (Cream of tartar) 1
Reines Wasser 1 Pint.

Mische es. Dosis: Ein Weinglas voll.

Während des Frostes gebe man ein Senf-Fußbad; als Getränk Pfeffermünz-, (Peppermint) Isop- oder Salbei-Thee. In der fieberfreien Zeit oder dem Stadium der Ruhe gebe ein Reizmittel und suche durch warme Getränke und die Tinktur von Veratrum Viride oder das folgende Mittel Schweiß hervorzurufen:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 12 Grane.
Aromatische Schwefelsäure (Sulphuric acid) 24 Tropfen.
Syrup 1 Unze.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 1

Mische es und gebe jede Stunde einen Theelöffel voll.

Während des dritten Stadiums sollte anschließend an das Chinin-Präparat (Preparation of quinine) Branntwein (Brandy) nach Ermessen gegeben werden. Ist Schmerz und ein Frostgefühl auf der Magengrube vorhanden, sollten Blutegel angesetzt und nach deren Entfernung ein erweichender Umschlag auf den Magen gemacht werden. Essigsaures Morphium (Acetate of morphine) auf die Magengegend gesprengt, wird, nachdem es Blasen gezogen hat, hin und wieder die Reizbarkeit vermindern.

Gegen Schmerz im Kopf sind Blutegel an die Schläfe und in den Nacken, sowie auch Kaltwasserumschläge sehr zu empfehlen.

[S. 98]

Der aufschäumende Trank des United States Dispensatory wird die Reizbarkeit des Magens vermindern und das Erbrechen einstellen.

Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche möge folgendes gegeben werden:

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of ammonia) 1 Drachme.
Potaschen-Chlorid (Chloride of potash) 2 Drachmen.
Laudanum 1 Drachme.
Cinnamon- oder Pfeffermünz-Wasser 12 Unzen.

Alle Stunden einen Eßlöffel voll.


[S. 99]

Drittes Kapitel.
Geisteskrankheiten.

Hypochondrie, Schwermüthigkeit (Hypochondria).

Dieser Geisteszustand ist die Folge von Nervenschwäche und tritt in der Regel gemeinschaftlich mit Verdauungsbeschwerden auf.

Ursachen mögen eine Herabstimmung und Kraftverminderung des Nervensystems werden, wie solche durch anhaltendes und angestrengtes geistiges Arbeiten oder auch durch Ausschweifungen, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, Mangel an Schlaf, große geistige Angst, lang anhaltenden oder Unterdrückung des regelmäßigen Stuhles entstehen.

Symptome bestehen in Mattigkeit, Verdrossenheit, Mangel an Willenskraft, Unthätigkeit. Der Kranke leidet Schmerzen im Unterleib und der Brust, besonders unter der falschen Rippe. Das Gesicht nimmt einen schwermüthigen Ausdruck an, der Kranke bewacht beständig alle Symptome und vermeint unter einer Menge von Krankheiten zu leiden, spricht stets von seiner Gesundheit und glaubt, nicht lange mehr leben zu können. Er wird von Verdauungsbeschwerden belästigt, leidet an Verstopfung, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zunge belegt, Gesichtsfarbe bleich oder dunkelbraun, Füße kalt und unruhigen Schlaf. Vielleicht wird er Wochen lang und länger das Bett hüten, fortwährend in der Einbildung, daß er an einer heftigen Krankheit leidet, und der Versuch, ihn davon abzubringen, wird ihn mehr oder weniger beleidigen. Dieser Gemüthszustand kann dauern, bis Personen und Gegenstände gesehen werden, die gar nicht vorhanden sind, ebenso bildet sich der Kranke ein, Geräusch zu hören. Ein beständiges Verlangen nach Medizinen für diese und jene Krankheit äußert sich. Die Hypochondrie ist in der Regel am Morgen schlimmer und legt sich gegen Mittag und Abend.

[S. 100]

Behandlung.

Allgemeine. Große Sorgfalt muß bei Behandlung solcher Fälle beobachtet werden; der Kranke darf weder verspottet, noch sollte ihm das Vorhandensein einer Krankheit bestritten werden, da dies seinen Zustand nur verschlimmern würde. Man suche vielmehr seine Gedanken von düsteren Gegenständen und Vorstellungen abzulenken und neuen, zerstreuenden Dingen zuzuwenden, höre die Klagen des Kranken so an, als ob sie in Wirklichkeit durch ein ernstes Leiden begründet wären. Tägliche Bewegung im Freien, wie Schießen, Reiten und Fischen sollte erzwungen werden, und heitere Genossen, die da versuchen, ihre Heiterkeit auf das Gemüth des Kranken zu übertragen, sollten zu dessen Umgang gewählt werden. Der Leidende muß früh zu Bette gehen, auf einem harten Lager schlafen und früh wieder aufstehen, um, wenn es das Wetter zuläßt, Bewegung im Freien zu machen. Kalte Bäder, denen man ein lebhaftes Reiben folgen läßt, sollten häufig besucht werden. Die Kost muß leicht, nahrhaft und fein sein, wobei alle Fettigkeiten, Säuren, Spirituosen, Thee und Kaffee zu vermeiden sind.

Der Magen darf nie überladen und die Speisen müssen gut gekaut werden. Unverdaulichkeit, Verdauungsbeschwerden und andere Krankheiten, die daraus entspringen mögen, sind je nach ihren verschiedenen Anzeichen zu behandeln.

Homöopathisch. Nux vomica. — Bei Uebellaunigkeit, Lebensüberdruß, unerquickendem Schlafe, Eingenommenheit des Kopfes, heftigen Schmerzen oder einem Gefühle, wie Nadelstiche in das Gehirn, beständigem Verlangen, sich niederzulegen, großer Erschöpfung nach einem Spaziergange, Anlage zu oder Anwesenheit von Geschwüren.

Sulphur. — Bei Niedergeschlagenheit, Besorgniß wegen seiner Geschäfte, Gesundheit und seines Seelenzustandes, Unruhe, ängstlicher Ungeduld, körperlicher und geistiger Schlaffheit, Zerstreutheit, Vollsein und Beklemmung des Magens, Verstopfung.

Calcarea carbonica. — Bei Niedergeschlagenheit, einer Neigung, öfters zu weinen, Angst, Herzklopfen, eingebildetes Unwohlsein und Unglück, Wahnsinn und Krankheit, Todesfurcht, Unfähigkeit zum Denken oder zur geistigen Arbeit. (Dies, wenn Sulphur keine Wirkung zeigt.)

Aurum muriaticum. — Bei unerquickendem Schlafe, schreckhaften Träumen, Furcht vor einem bevorstehenden Ungemache, gänzlicher Mangel an Ehrgeiz und Thatkraft, beständiger Neigung, über eingebildete Krankheiten zu grübeln.

Natrum muriaticum. — Niedergeschlagenheit, düstere Ahnungen wegen der Zukunft, Lebensüberdruß, Mißmuth, Unfähigkeit zu geistiger Arbeit, Kopfschmerz und Mangel an Eßlust, Unverdaulichkeit nach dem Essen.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe von dem gewählten Mittel einen Tag um den anderen 6 Kügelchen durch 2 Wochen hindurch. Tritt keine Besserung ein, so wähle man ein anderes Mittel.

[S. 101]

Allöopathisch. Wenn Verstopfung vorhanden ist, lasse man zerstoßenen Weizen essen, oder wenn dies nicht entspricht, gebe man das folgende Mittel:

Pulverisirten Rhabarber (Pulv. rhubarb) 2 Skrupel.
Doppelt kohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potassa) 1
Brechnuß-Extrakt (Extract of nux vomica) 5 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: zweimal des Tages eine Pille.

Ein Theelöffel voll kalcinirter Magnesia (Calcined magnesia) oder ein Aufguß von Entenfuß (Thoroughwort) wird häufig von gutem Erfolge sein.

Bei vorhandener Schwäche kann eines von den folgenden gegeben werden:

Flüssiger Extrakt von Sennesblättern (Fluid extract of senna) 1 Drachme.
Zusammengesetzter flüssiger Enzianextrakt (Compound fluid of gentian) ½
Flüssiger Ingwerextrakt (Fluid extract of ginger) ½
Aromatischer Ammoniakspiritus (Aromatic spirits of ammonia) ½

Mische und gib es als eine Dosis in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

Oder:

Aloe (Aloes) 1 Unze.
Enzian (Gentian) 1
Orangenschale (Orange peel) 1
Wachholderbeeren (Juniper berries) 1
Aniskörner, zerstoßen (Anise-seed, bruised) 1
Wachholderbranntwein (Gin) 1 Pint.

Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen, dann seie es durch. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll. Bei Ohnmachten und Todesgedanken kann Mutterkrautthee (Motherwort) mit einem Theelöffel voll Kampfer-Spiritus gegeben werden.

Eclectische und Kräuterkur. Sind die Eingeweide verstopft, öffne man sie vermittelst einer Mischung von Rhabarber (Rhubarb), zwei Theile, doppelt kohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potassa), ein Theil, von dem 3 bis 15 Grane als eine Dosis gegeben und je nach Ermessen genommen werden können.

Wenn sich eine Neigung zu saurem Magen einstellt oder es zeigen sich andere Verdauungsbeschwerden, so gebe man Magnesia und präparirten Kalk, oder auch zehn Grane Rhabarber (Rhubarb) mit ungefähr einem Theelöffel voll Magnesia einmal des Tages.

Als ein stärkendes Mittel möge das folgende angewendet werden:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1 Drachme.
Leptandrin (Leptandrin) 1
Weinsteinsäure (Tartaric acid) 1

Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (Black cohosh) in hinreichender Menge. Mische und theile es in vier Gran-Pillen; dreimal des Tages eine Pille.

[S. 102]

Hysterie, Bauchnervensucht.

Dies ist ein Leiden, welches besonders dem weiblichen Geschlechte von nervöser oder nervös-sanguinischer Gemüthsart, mit heitern, lebhaften, heftigen Gefühlen und lebendiger Einbildungskraft eigen ist. Der Name ist aus dem Griechischen genommen und bezeichnet die Gebärmutter, wahrscheinlich weil gewisse Störungen des Geschlechtssystems Ursache zu dieser Krankheit wurden.

Ursachen. Zarte, nervöse Gemüthsbeschaffenheit, Beschränkung auf schlecht ventilirte und überheizte Zimmer, das Lesen von die Einbildungskraft aufregenden Büchern, der Besuch von theatralischen Vorstellungen, enge Schnürbrust, Mangel an Bewegung und Schlaf, außerordentliche Langeweile, üppige Lebensweise. Als die hervorragendsten Ursachen können geistige Erregungen, wie Aerger, Zorn, Kummer, Schreck, enttäuschte Liebe, Aussicht auf Unannehmlichkeiten, üble Gerüche oder Unverdaulichkeit bezeichnet werden.

Symptome. Ein Anfall von Hysterie folgt in der Regel auf Niedergeschlagenheit und begleitet Krämpfe von mehr oder weniger Dauer, sie wird häufiger bei Wittwen und Unverheiratheten, als bei Verheiratheten gefunden, sowie auch derartige Anfälle wahrscheinlicher zur Zeit der monatlichen Reinigung, als zu irgend einer anderen eintreten. In der Regel wird vor oder während des Anfalles ein Gefühl, als ob eine Kugel von der linken Seite des Unterleibes nach dem Hals aufstiege, welches ein Gefühl von Ersticken verursacht, wahrgenommen. Die Kranke weint und lacht abwechselnd oder verschafft sich durch Schluchzen und eine Fluth von Thränen, sowie durch Ringen der Hände und Raufen des Haars, Luft. Zuweilen wird der Körper und die Glieder krampfartig zusammengezogen und die Kranke sträubt sich vielleicht so heftig, daß die Kraft von mehreren Personen erforderlich ist, um sie zu halten. Der Kopf wird zurückgezogen und es tritt Delirium oder Bewußtlosigkeit ein. Es giebt nur wenige Symptome, welche die Krankheit anzeigen.

Behandlung.

Allgemeine. Die Kranke sollte an die frische Luft gebracht und die Kleider gelockert werden, so daß ein ungehinderter Blutumlauf und freies Athmen stattfinden kann. Kopf und Gesicht wasche man mit kaltem Wasser und zuweilen wird das Uebergießen mit einem Eimer kalten Wassers den Krampf der Kranken beendigen.

[S. 103]

Allöopathisch. Während eines Krampfanfalles gebe man einen großen Theelöffel voll flüssigen Baldrianextrakt (Fluid extract of valerian) in ein Weinglas voll versüßten Wassers, was öfters wiederholt werden sollte; oder eine Drachme frisch gepulverter Baldrianwurzel, in 4 Pulvern getheilt, wovon als Dosis eines gegeben werden kann. Wenn die Kinnbacken geschlossen sind und nicht geöffnet werden können, nehme man in die Zipfel einer Serviette 2 Stücke Eis, ungefähr von der Größe eines Eies, und presse eins auf jeder Seite der Kinnbacken, was in der Regel ein Nachlassen des Krampfes verursachen wird. Ein Theelöffel voll flüchtigen Salzes (Sal volatile), Aether oder Stinkasant (Asa fœtida) kann, wenn zuträglich, gegeben werden. Hin und wieder wird auch eine Priese Erleichterung verschaffen. Hält der Anfall eine beträchtliche Zeit an, sollte eine Einspritzung, bestehend aus Terpentin, Spiritus, Castoröl, Stinkasanttinktur (Tincture of asa fœtida), von jedem eine halbe Unze mit einem Pint Haferschleim gemacht werden. Während der Zeit zwischen den Anfällen muß versucht werden, die Hauptursachen zu denselben, wie unregelmäßige Reinigung, Verstopfung oder gestörte Verdauung zu entfernen. Die Eingeweide mögen mit nicht zu heftig wirkenden Mitteln offen gehalten werden. Bei großer vorhandener Schwäche gebe man eins von den folgenden Mitteln:

Zink-Baldrian (Valerianate of zinc) 8 Grane.
Baldriantinctur (Tincture of valerian) 2 Drachmen.
Orangenblüthewasser Unzen.
Rothen Mohnsyrup (Syrup of red poppies) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Alle 6 Stunden einen Eßlöffel voll.

Als stärkendes Mittel Folgendes:

Enzianaufguß (Infusion of Gentian) Unzen.
Anderthalb kohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of ammonia) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Kardamontinktur (Compound tincture of cardamon) ½ Unze.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Mal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Schwefelsaures Eisen (Sulphate of iron) 1 Skrupel.
Pulverisirte Aloe (Pulverized aloes) 2

Mische es und mache 20 Pillen daraus.

Dosis: zweimal des Tages eine Pille. Bei großer Zartheit des Rückgrats sollte die Crotonölsalbe (Croton oil liniment) angewendet werden, bis eine starke Entzündung eintritt.

Eclectische und Kräuterkur. Bei harten Fällen wird das folgende Mittel zuträglich gefunden werden:

Stinkender Pothos (Skunk-cabbage root) ½ Unze.
Schildkraut (Skull-cap) ½
Frauenschuhwurzel (Ladyslipper root) ½
[S. 104] Lobelia ½
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 2 Drachmen.
Alcohol 1 Pint.
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (Compound spirits of Lavender) 1 Pint.
Aether und Ammoniak, von jedem 4 Unzen.

Mische und lasse es bei häufigem Umschütteln zwei Wochen lang stehen.

Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll, so oft als erforderlich.

In der Zwischenzeit der Anfälle öffne man mit einem der folgenden Mittel die Eingeweide:

Aletridin 12 Grane.
Senegin (Senecin) 12
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 6

Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

Oder:

Belladonnaextrakt Grane.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 6
Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (Alcoholic extract of black cohosh) 18

Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

Eine Pille aus Entenfuß- (May-apple) Extrakt mit ein Wenig Chinin (Quinine) oder gestoßenen Gewürznelken (Cloves) zusammengesetzt, sollte jeden Abend oder einen Abend um den anderen genommen werden. Ein gelindes Brechmittel einmal in der Woche aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (Ipecacuanha) mit Isop- (Pennyroyal) Thee, wird zuträglich gefunden werden.

Wenn der Kranke schwach ist, kann auch ein Pulver aus Narde (Spikenard), Enzian (Gentian), Camillen- (Chamomile) Blüthe zusammengesetzt, mit ein wenig Gewürznelken (Cloves) oder Muskatnuß (Nutmeg) in Wein oder Spiritus gegeben werden.

Homöopathisch. Wenn der Anfall von Verstopfung herrührt und zugleich von einem bitteren sauren Geschmack im Munde begleitet wird, bei Vollheit und Schmerz im Magen, Uebelkeit, Schwäche, Kopfschmerz, Schwindel, sollte Nux Vomica Abends und Sulphur Morgens gegeben werden.

Pulsatilla, Sabina, Silicea. Wenn der Anfall von einer Störung des Geschlechtsorganismus herrührt.

Ignatia, Hyosciamus, Belladonna und Coffea. Wenn der Anfall eine starke geistige Aufregung, wie Aerger oder Schrecken, zur Ursache hat.

Verordnung der Heilmittel. Während der Anfälle gebe von dem gewählten Heilmittel eine Lösung von 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser. Dosis: Alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.

In der Zwischenzeit der Anfälle werden alle 12 Stunden 6 Kügelchen hinreichend sein.

[S. 105]

Melancholie, Trübsinn

ist eine krankhafter Zustand, unter dessen Einfluß der Kranke niedergeschlagen, mürrisch, wunderlich ist, oder wo er unter der Einbildung einer Schuld, eines großen Verbrechens, das er sich gegen den Himmel oder die Menschen zu Schulden kommen ließ, leidet. Der Appetit ist veränderlich, Stimme schwach, Puls tief und der Schlaf unvollkommen. Dessen Behandlung ist fast dieselbe, als die der Hypochondrie, auf die wir verweisen.

Manie, Irr- oder Wahnsinn

ist eine Störung des Geistes, die sich verschiedenartig äußert. Die Symptome sind so zahlreich und so verschieden, daß es unmöglich ist, irgend eine Beschreibung davon zu geben.

Ursachen. Unter den zahlreichen Veranlassungen hierzu mögen Schläge auf den Kopf oder Rückgrat, Schlagfluß, Lähmung, heftige geistige Aufregung, wie großer Aerger, Eifersucht, Furcht, religiöse Aufregung, geschlechtliche Ausschweifungen und Verdauungsbeschwerden hervorgehoben werden.

Behandlung — sollte nur einem dazu befähigten Arzte oder den Instituten für derartige Kranke überlassen werden.


[S. 106]

Viertes Kapitel.
Krankheiten des Kopfes.

Congestion oder Blutandrang nach dem Kopfe.

Viele Personen leiden an sogenanntem Blutandrang nach dem Kopfe. Es ist dies ein Zeichen von Blutüberfluß oder gestörtem Blutumlauf und kann auch als ein Kennzeichen von Neigung zu einem Schlagfluß betrachtet werden.

Ursachen — können von einer Krankheit des Herzens, Schwächung durch Blutflüsse, Unverdaulichkeit, Verstopfung und geistiger Anstrengung herrühren.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Bei Verstopfung der Eingeweide gebe man Salz, oder Salz mit Sennesblättern (Senna), oder auch Castoröl. In einem ernsten Falle sollte ein warmes Fußbad gegeben und ein Senfpflaster auf den Unterleib gelegt werden. Nachdem Linderung eingetreten ist, sollten die Eingeweide in Ordnung, die Füße warm und die Haut in einem gesunden Zustande erhalten werden. Die Kost muß einfach sein. Folgendes wird als ein vortreffliches Linderungsmittel gefunden werden:

Belladonna-Tinktur ½ Unze.
Stechapfel- (Stramonium) Tinktur ½
Blutwurzel- (Blood root) Tinktur 1

Mische es und nimm 20 Tropfen einmal des Tages.

Homöopathisch. Der Kranke muß sich aller spirituosen Getränke, des Kaffees und Thees enthalten und häufig Waschungen mit kaltem Wasser vornehmen.

Aconitum — ist das erste Mittel gegen Kopfschmerz, besonders bei einem Schmerz über den Augen, als wenn der Kopf springen wollte, fühlbarer beim Bücken oder Husten.

Belladonna — allein oder abwechselnd mit Aconitum, wenn der Schmerz mehr auf der rechten Seite des Kopfes, oder bei einem heftigen Drucke auf die Stirne, welcher bei Bewegung, Geräusch und Licht zunimmt, sowie auch bei Summen in den Ohren.

[S. 107]

Opium. — Wenn der Anfall durch Schreck oder das Trinken von kaltem Wasser, wenn erhitzt, hervorgerufen wird mit folgenden Kennzeichen: Schwindel, Summen in den Ohren, Betäubung, bei vom Kopfe strömendem Schweiß, auch anwendbar in jenen Fällen, wo lang anhaltende Verstopfung vorhanden, die sehr hartnäckig ist, während der Kranke gar kein Verlangen nach Stuhl hat.

Coffea. — Wenn der Anfall durch große Freude — oder bei Kindern durch das Zahnen, Schlaflosigkeit und Gemüthsbewegung hervorgerufen wird.

Nux vomica. — Sind anhaltendes Studiren, Trinken von Spirituosen oder heftiger Zorn die Ursache; auch bei vorhandenem schmerzhaften Gefühle im Kopfe beim Gehen oder Bewegen, Druck in den Schläfen, matten Augen, verstopften Eingeweiden mit erfolglosem Verlangen nach Entleerung, verschlimmerten Symptomen am Morgen oder im Freien.

Bryonia. — Bei schmerzhaftem Druck in den Schläfen oder einem Gefühle beim Bücken, als ob etwas aus den Schläfen fallen wollte, bei Nasenbluten ohne Linderung.

Rhus toxicodendron — kann bei denselben Symptomen gegeben werden.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten bis eine halbe oder 2 Stunden der Strenge der Symptome angemessen einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Folgendes möge gegeben werden:

Minderers Geist (Spirit of mindererus) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.

Mische es und nehme dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Eine Dosis von einem gelinden Mittel wie Castoröl, Salz, oder Salz mit Sennesblättern (Senna) sollte am Abend und dem darauffolgenden Morgen gegeben werden.

Rochelle-Salz 2 Drachmen.
Doppeltkohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) 2 Skrupel.
Wasser ½ Pint.

Mische es.

Dieser Mischung füge

Weinstein-Säure (Tartaric acid) 35 Grane.

hinzu und nehme das ganze während des Aufschäumens.

Schwindel (Vertigo)

ist in der Regel einer Ueberfüllung der Blutgefäße des Kopfes zuzuschreiben und mag ein Symptom von Verdauungs-Störung, Hysterie, Schlaganfall oder Epilepsie sein.

Ursachen — sind in der Regel ein in Unordnung gekommener Magen, übermäßige Entleerungen; zu starke Befriedigung in Spi[S. 108]rituosen und Betäubungsmitteln, Opium, oder Fallen und Schläge auf den Kopf.

Symptome. — Der Kranke wird plötzlich von einem schwimmenden Gefühle im Kopfe befallen, Alles erscheint matt und als ob es sich herumdrehe, was ein Taumeln und eine Neigung zum Fallen verursacht. Der Anfall dauert nur einige Augenblicke lang.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Schwindel mit Uebelkeit und Erbrechen, umwölktes Auge und Verlust des Bewußtseins.

Pulsatilla. — In Unordnung gekommener Magen bei Uebelkeit und Erbrechen, Ekel gegen Nahrung, Schwindel beim Herumblicken.

Arnica. — Schwindel nach Ueberladung des Magens, oder während des Essens, mit Uebelkeit, Verdunklung des Blickes und rothem Gesicht.

Nux vomica. — Schwindel während oder nach dem Essen, oder während eines Spazierganges im Freien, beim Bücken oder Nachdenken, des Morgens schlimmer als am Abend und wenn auf dem Rücken liegend, ein Gefühl, als ob sich alles um Einen herumdrehe, Ohnmachten und Verlieren des Bewußtseins.

Opium. — Wenn der Anfall von Schreck verursacht, bei Zittern, Verdunkelung des Blickes, Schwindel, beim Aufstehen stärker und den Kranken zum Niederlegen zwingend.

Mercurius. — Am Morgen und Abend stärkerer Schwindel, verschwommener Blick beim Aufheben des Kopfes, Verlangen, sich niederzulegen.

Bryonia — kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders wenn beim Bücken und Wiederaufrichten ein Gefühl von Blutandrang wahrgenommen wird.

Ipecacuanha. — Schwindel und Taumeln beim Gehen.

Belladonna. — Flimmern der Augen bei Bewegung, beim Bücken zunehmend, theilweises Verlieren des Bewußtseins.

Antimonium Crudum. — Uebelkeit und Erbrechen, Abneigung gegen Speise, Magen in Unordnung. Diesem kann man Pulsatilla folgen lassen.

Sulphur. — Schwindel des Morgens oder Abends, beim Ersteigen einer Anhöhe, oder nach dem Essen.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen von dem gewählten Mittel. Dies wird in der Regel zur Linderung hinreichen, oder es ist ein anderes Heilmittel erforderlich.

Allöopathisch. Wenn Verdauungsbeschwerden dem Schwindel zu Grunde liegen, sollte der Kost Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei Verstopfung öffne die Eingeweide mit Kaltwassereinspritzungen oder gebe folgendes:

[S. 109]

Castoröl 1 Unze.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 2 Unzen.
Gewöhnlicher Syrup ½ Unze.
Ein Eidotter.    

Mische und nimm es auf einmal.

Oder auch:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Cremor Tartari 1
Reines Wasser 1 Pint.

Mische es. Ein Weinglas voll zweimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Wird der Schwindel durch Magenunordnung verursacht, kann ein Abführmittel wie pulverisirter Entenfuß (Powdered May apple), oder Thee von Isop (Penny royal), Pfeffermünz (Peppermint), Salbei (Sage) oder Balsam gegeben werden.

Schlagfluß (Apoplexy).

Dieses Leiden kennzeichnet sich durch einen plötzlichen, mehr oder weniger vollständigen — Verlust des Bewußtseins und der freien Bewegung, ohne den Blutumlauf oder das Athmen zu unterbrechen. Es wird durch einen Druck auf das Gehirn hervorgerufen.

Ursachen. — Was immer einen Andrang des Blutes nach dem Gehirn veranlaßt, wie heftige Bewegung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, der Gebrauch von Betäubungsmitteln, plötzliche und große geistige Aufregung, wie Furcht oder Aerger, üppige Lebensweise, übertriebene Anwendung von Reizmitteln, Mangel an Bewegung, Unterdrückung von Nasenbluten, übermäßige geistige Anstrengung, allgemeine Hinfälligkeit, Schwäche nach großer körperlicher Anstrengung, Krankheit oder hohes Alter. Auch Krankheiten des Herzens und der Schlagadern, sowie der Lungen können die Veranlassung dazu werden. Ferner kann derselbe auch erblich übertragen worden sein. Leute mit großen Köpfen, kurzem Halse, rothem und blutunterlaufenem Gesichte sind besonders zu Anfällen geneigt.

Symptome. — Obgleich der Anfall zuweilen ganz plötzlich eintritt, so gehen doch in der Regel Symptome voraus, die auf dessen Annähern schließen lassen. Zu diesen zählen große Neigung zum Schlafe — unerquickender und durch Träume unterbrochener oder langer und schwerer Schlaf — mit mühsamem und tiefem Athmen, beständigem dumpfem Schmerz im Kopfe, mit einem Gefühl von Gewicht und Schwere, Schwindel, häufige Anfälle von Alpdrücken,[S. 110] heftige Schmerzen im Gehirn, die Stirnadern dick und angeschwollen, die Adern des Halses und der Schläfe heftig pulsirend, heißer Kopf, Läuten und Summen in den Ohren, Flimmern vor den Augen, zur Nachtzeit Krämpfe in den Beinen, beständige Neigung zum Seufzen, Verlust des Gedächtnisses, Reizbarkeit des Gemüths, ein Gefühl von Erstarren der Beine und Füße, das Niederfallen des oberen Augenlids, veränderlicher Gang, Unregelmäßigkeit in dem Zusichnehmen der Nahrungsmittel, unnatürliche Eßlust, Verstopfung und andere Kennzeichen einer schlechten Verdauung.

Hat der Kranke einen Anfall, so ist das Gesicht gewöhnlich stark gefärbt, die Redeweise wird verwirrt, das Gehör vermindert sich und ein plötzliches Zusammensinken, gleichzeitig mit Verlust des Bewußtseins, mehr oder weniger des Gefühls oder der freien Bewegung tritt ein.

In anderen Fällen wird der Kranke plötzlich von einem Schmerz im Kopfe befallen, wird blaß, schwach und ohnmächtig, erbricht sich und sinkt in einem halb bewußtlosen Zustande nieder, der Puls ist schwach und eine Verzuckung kann eintreten. Diese Betäubung kann einige Minuten bis mehrere Tage anhalten und wenn sie nicht mit dem Tode endet, so wird doch die Genesung nur allmählig vor sich gehen.

Bei der Wiedergenesung wird in der Regel beobachtet werden, daß die Muskeln auf der einen Seite des Körpers gelähmt sind, was nach einigen Stunden verschwinden, aber auch Monate und Jahre anhalten kann. Der Geist ist zuweilen geschwächt und das Gedächtniß mehr oder weniger mangelhaft.

Schlagfluß kann von Epilepsie durch die bei dem ersteren vorhandenen Verzuckungen unterschieden werden. Bei Epilepsie findet man in der Regel Schaum vor dem Munde, Knirschen mit den Zähnen und ein Geschrei, das dem Bellen eines Hundes gleicht. Das Athmen findet hierbei sehr laut und schnarchend statt.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte in einen kühlen luftigen Raum geschafft werden. Die Kleider um den Hals müssen entfernt und der Kopf erhöht werden. Uebergießen des Kopfes und Halses mit kaltem Wasser wird sehr zuträglich sein, ebenso starkes Reiben der Fußsohlen.

Allöopathisch. Ein Abführmittel bestehend aus 10 bis 15 Granen Calomel[S. 111] sollte das Erste sein. Kann der Patient nicht schlucken, so sollte der hintere Theil der Zunge mit 2 bis 3 Tropfen Crotonöl eingerieben und eine Einspritzung, bestehend aus 2 oder 3 Eßlöffel gewöhnlichen Salzes und ein wenig Oel oder Butter in einem Pint warmen Wassers gemacht und alle 2 Stunden wiederholt werden.

Folgendes ist als eine gute Einspritzung zu empfehlen:

Castoröl 1 Gill.
Pulverisirter Cayennepfeffer 10 Grane.
Molasses 1 Gill.
Salz 1 Theelöffel voll.
Warmes Wasser 1 Pint.

Wird der Kranke kalt, oder der Puls klein und schwach, das Gesicht von Schmerz verzogen und die Haut blutlos, so sollten warme Flanells und heiße Steine auf die Oberfläche des Körpers gebracht und folgendes gegeben werden:

Flüchtiges Salz (Sal volatile) ½ Drachme.
Kampher-Wasser 1 Unze.

Mische es.

Wenn der Kranke schlucken kann, gebe man ein Abführmittel von einem Aufguß aus Sennesblättern mit schwefelsaurer Magnesia (Sulphate of magnesia), Kaltwasserumschläge oder Blasen mit Eis auf den Kopf werden zuträglich sein. Um spätere Anfälle zu verhindern, sollte der Kranke der Kost Sorgfalt zuwenden und die Verstopfung der Eingeweide zu verhüten suchen, täglich Bäder nehmen, jede Aufregung, sowie körperliche und geistige Anstrengung vermeiden. Das Trinken von betäubenden Getränken muß unterbleiben und die Kleidung warm und bequem sein.

Eclectische und Kräuterkur. Waschungen des Kopfes und Gesichts mit kaltem Wasser, und ein Bad der Beine und Füße in warmem Wasser, dem pulverisirter Senf oder Pfeffer beigefügt wird, ist sehr zuträglich. Wenn sich der Kranke nicht schnell wieder erholt, kann eine Einspritzung von dem folgenden gemacht werden:

Castoröl 1 Gill.
Zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (Compound tincture of Lobelia and Capsicum) 2 Drachmen.
Warmes Wasser 1 Pint.
Molasses 1 Gill.
Feines Salz 1 Drachme.

Mische und verwende es zu einer Einspritzung, was alle 15 Minuten, wenn nothwendig, wiederholt werden kann.

Ein oder zwei Tropfen Crotonöl auf ein Stück Zucker, das so weit als möglich nach hinten auf die Zunge geschoben wird.

[S. 112]

Wird der Anfall durch Trunkenheit hervorgerufen, kann ein Brechmittel von Salz, Senf oder Lobelia gegeben werden.

Um Schweiß hervorzurufen, gebe man Composition powder und lasse Isop- (Pennyroyal) oder Katzenmünze- (Catnip) Thee trinken.

Ist Opium die Ursache des Anfalles, so muß der Kranke starken Kaffee trinken und gezwungen werden, zwischen zwei Begleitern eine lange Zeit hindurch zu gehen.

Nach der Erholung sei man in Bezug auf Kost und Kleidung sehr vorsichtig, vermeide alle starkgewürzten Speisen, Wein und Spirituosen, bade häufig und mache viel Bewegung im Freien.

Homöopathisch. Wenn Gift vermuthet wird, so sollte es durch ein starkes Brechmittel, wie schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc), oder durch die Magenpumpe entfernt werden. Ist Opium oder Belladonna die Ursache, gebrauche man starken Kaffee.

Opium. — Trifft der Anfall alte Leute, begleitet mit Summen in den Ohren, Harthörigkeit, Röthe des Gesichts, Unfähigkeit zu antworten, Schwierigkeit beim Aufstehen, mühsames und schnarchendes Athmen, kalter Schweiß im Gesicht, starkes Pulsiren der Adern an den Schläfen.

Belladonna. — Gesicht geschwollen, bläulich oder dunkelroth, Anschwellen der Adern des Kopfes und Halses, die Pupillen erweitert und die Augen mit Blut unterlaufen, Knirschen der Zähne, Unterdrückung oder unfreiwillige Entleerung des Urins. Wenn sich der Kranke erst wieder etwas erholt, kann dieses Mittel gegen Schwindel, klopfende Schmerzen, Schwere und Druck, krampfartige Schmerzen im Gesicht und in den Gliedern, Brausen in den Ohren, Verstopfung, Erhöhung der Schmerzen bei Bewegung oder Berührung gegeben werden.

Coffea. — Schlagfluß bei nervösen Personen durch heftige Bewegungen verursacht.

Aconitum. — Andrang oder plötzliches Schießen des Blutes nach dem Kopfe, Summen in den Ohren, tödtliche Blässe des Gesichts, Schmerz im Kopfe und Erbrechen, brennende und klopfende Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, Pupillen der Augen erweitert, Gesicht geschwollen, roth und erhitzt, Lähmung der Zunge, Schwierigkeit beim Schlucken.

Nux vomica. — Bei Personen von sitzender Lebensweise, oder jenen die gewöhnt sind, Spirituosen zu trinken, besonders bei Kopfschmerz auf der rechten Seite, Schwindel kann dasselbe abwechselnd mit Opium gegeben werden.

Hyosciamus. — Der Kranke stürzt plötzlich mit einem heftigen Schrei zusammen, Verzuckungen, mühsames Athmen, dem Anfalle folgt Mattigkeit und zeitweilige Bewußtlosigkeit, Neigung zum Schlaf, oft und zu lang, Erschrecken, Auffahren aus dem Schlaf, der Körper mit übermäßigem Schweiße bedeckt, häufige Anfälle von Schwindel, Gesicht schwarzgelb, Stimmung traurig und gereizt, Augen roth, funkelnd, starr und aus den Höhlen hervortretend.

[S. 113]

Arnica. — Bei Beschädigungen des Kopfes, die Schlagfluß herbeiführen.

Mercurius. — Schmerz im Kopfe und ein Gefühl, als ob derselbe springen wollte, Unbehaglichkeit und Schwere in den Gliedern, Anfälle von Verlust der Sehkraft, Summen in den Ohren. Dies kann nach Belladonna gegeben werden.

Ipecacuanha. — Wenn die Ueberladung des Magens mit zu reicher Nahrung die Ursache ist.

Verordnung der Heilmittel. — Löse 15 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten während des Anfalles, nach dem Anfalle alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Gehirn-Entzündung.

Zur Behandlung dieser Krankheit siehe zweites Kapitel — „Gehirnfieber.“

Sonnenstich (Sun Stroke)

gleicht in vielen Beziehungen dem Schlagfluß und wird durch unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen verursacht. Der damit Befallene sinkt in einem bewußtlosen Zustande nieder und stirbt, wenn nicht schleunige Hilfe geschafft wird.

Symptome. — Schwindel, Durst, zuweilen Fallen, schweres Athmen.

Behandlung.

Allgemeine. Man schaffe den damit Befallenen an einen kühlen, schattigen Platz, entferne jede Kleidung um den Hals und übergieße eine lange Zeit beständig Kopf und Hals mit kaltem Wasser.

Reibe den Körper und die Glieder kräftig mit der Hand.

Eclectische und Kräuterkur. Sobald der Kranke schlucken kann, sollte ein Abführmittel wie ein halber Theelöffel voll Jalappenwurzel (Jalap), oder ein Viertel-Theelöffel voll Cremor Tartari (Cream of tartar), das der Jalappenwurzel beigefügt werden kann, gegeben werden. Castoröl ist hin und wieder von gutem Erfolge.

Gegen die Wirkungen, die der Sonnenstich zurückläßt, kann folgendes gegeben werden:

Belladonna-Extrakt (Extract of Belladonna) 5 Grane.
Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (Alcoholic extract of black cohosh) 40
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 20
Entenfuß (Podophyllin) 10

Mische es und theile es in 40 Pillen. Dosis: 3 Pillen des Tages.

[S. 114]

Oder:

Stachelige Eschenrinde (Prickly ash bark) 1 Unze.
Rothen Hühnerdarm (Red chickweed) 1
St. John’skraut (St. John’s wort) 1
Weiße Kamille (White weed) 1
Kochendes Wasser 1 Quart.

Lasse es 5 oder 6 Stunden nahe am Feuer erweichen. Dosis: 3 oder 4 Mal des Tages ein Weinglas voll.

Homöopathisch. Aconitum. — Alle 15 Minuten eine Dosis.

Belladonna. — Bei stark vorhandenem, stoßenden, brennenden, ruckweisen Schmerz auf einer Seite des Kopfes, oder heftigem Druck in der Stirne, bei Bewegung, Bücken, durch Geräusch und Licht zunehmend. Dies kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Glonoine — ist das Hauptmittel, das in dieser Krankheit alle 5 Minuten gegeben werden sollte.

Camphora. — Besonders wenn der Kranke schwer athmet und schwitzt, sollte abwechselnd mit Glonoine gegeben werden.

Lachesis — wird ebenfalls in einigen Fällen gegeben.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 oder 15 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 10 und 15 Minuten oder alle halbe Stunden, und nach dem Anfalle alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Zuweilen kann auch ein wenig Branntwein gegeben werden.

Personen, die besonders zu Anfällen geneigt sind, sollten vorsichtig vermeiden, sich den Einwirkungen der Sonnenstrahlen auszusetzen, und entweder nasse Tücher oder Blätter im Hute tragen.

Allöopathisch. Terpentinöl (Oil of turpentine), eine Auflösung von Ammoniak oder Alkohol kann vermittelst Einspritzung gegeben werden, wenn der Kranke nicht schlucken kann. Die Behandlung desselben ist ungefähr dieselbe, wie die beim Schlagfluß.

Kopfweh. — Kopfweh durch Catarrh verursacht.

Dieser Kopfschmerz wird durch Schnupfen hervorgerufen und hält oft noch eine lange Zeit an, nachdem der Letztere bereits aufgehört hat. In einigen Fällen tritt er regelmäßig zu gewissen Jahreszeiten ein und zwar vorzugsweise im Frühjahr und Herbst, während des feuchten Wetters.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes möge geschnupft werden:

Pulverisirter Gagel (Pulverized bay berry) 1 Unze.
[S. 115] Chinarinde (Peruvian bark) 1
Blutwurzel (Blood root) 1

Mische es gut in einem Mörser und nehme davon mehrere Male des Tages.

Zieht es der Patient vor, kann diesem noch Schottischer Schnupftabak beigemischt werden.

Homöopathisch. Nux vomica. — Schwere in der Stirn, Laufen der Nase, Fieberhitze im Kopfe, auf den Wangen und im Körper.

Mercurius. — Ist besonders nützlich, wenn der Schnupfen einen epidemischen Charakter (d. h. wenn denselben viele Leute zu gleicher Zeit haben) angenommen hat und drückende Schmerzen in der Stirn und über der Nase vorhanden sind, häufiges Niesen, Laufen der Nase, bei Röthe, Wundsein oder Heiserkeit, Jucken begleitet von Fieberschmerzen in den Gliedern und Durst.

Sulphur — erleichtert in einigen Fällen, besonders bei folgenden Symptomen: Gefühl von Vollsein, Druck und Schwere in der Stirn, Stichen, stoßweisen Schmerzen, besonders in der linken Seite.

Tartarus emeticus. — Häufiges Niesen, Geschmack- und Geruchlosigkeit.

Arsenicum. — Das wichtigste Mittel bei Behandlung dieser Krankheit, besonders erfolgreich in chronischen Fällen.

Aconitum. — Bei einem drückenden und dumpfen Gefühle, sowie Hitze in der Stirn, schlimmer des Nachts, besser im Freien, Laufen der Nase und der Augen.

Chamomilla. — Stoßweises, thränendes Gefühl in der Seite des Kopfes, böser Hals, Heiserkeit und bitterer Geschmack im Munde.

Verordnung der Heilmittel. Löse 6 Kügelchen in drei Eßlöffel voll Wasser und nehme alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome des Anfalles angemessen, während demselben einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb einiger Stunden keine Erleichterung ein, wähle man ein anderes Mittel.

Gegen chronische Kopfschmerzen, welche zu gewissen Zeiten eintreten, nehme man einen Tag um den anderen eine Dosis der gewählten Mittel.

Allöopathisch. Folgende Salbe wird mit gutem Erfolge angewendet werden:

Aconitextrakt (Extract aconite) 1 Skrupel.
Seifensalbe (Soap liniment) 1 Unze.
Zusammengesetzte Kamphersalbe (Compound camphor liniment) 1

Mache hiervon einen Umschlag auf die Stirne.

Gleichzeitig mögen die folgenden Pillen genommen werden:

Jodeisen (Iodide of Iron) ½ Drachme.
Baumrindenextrakt (Extract of bark)

Mische und theile es in 24 Pillen und nehme 2 Mal des Tages 2 Pillen.

[S. 116]

Kopfweh durch Blutandrang verursacht.

Klopfen im Kopfe, Schlagen der Halsadern, Erbrechen beim Wachsen des Schmerzes, ebenso Schmerz beim Schütteln oder Bewegen des Kopfes, Niederlegen oder Bücken.

Behandlung.

Allgemeine. Bade den Kopf mit warmem Wasser und Essig, ebenso die Füße mit warmem Wasser und reibe sie nachher stark. Wasche die Schläfe mit warmem oder kaltem Wasser, je nach des Kranken Wunsch.

Homöopathisch. Aconitum. — Heftig klopfendes, summendes Gefühl im Gehirn, Stirn und Gesicht roth und mit Blut unterlaufen, Augen roth und empfindlich gegen das Licht, Schmerz am Morgen, beim Trinken, Sprechen oder Aufstehen schlimmer, Puls voll und geschwind.

Belladonna. — Heftige Schmerzen, gleichsam als ob der Kopf spalten oder das Gehirn durch die Stirn brechen wollte, heißer Kopf, kalte Füße, ein Gefühl, als ob sich Wasser in der Stirn befände, heftiges Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe, Delirium, rothes, blutunterlaufenes Gesicht, das Blut in die Augen eingeschossen, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusch und Berührung, darauf tief sitzende, drückende Schmerzen, bei blassem Gesicht und Schwindel, beim Bewegen der Augen, Heben oder Bewegen des Kopfes Verschlimmerung. Dies kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden, wenn Aconitum keine Erleichterung gewährt.

Pulsatilla. — Dumpfer Schmerz und Druck nur auf einer Seite am Hinterkopf oder an der Nasenwurzel, Linderung durch Niederlegen oder Drücken, schlimmer während des Sitzens oder Gehens, blassem Gesicht, Aufregung, Neigung zum Weinen, Schwindel. Frauenzimmer und Leute sanfter Gemüthsart sind dazu besonders geneigt.

Bryonia. — Ein sich innerhalb ausbreitender Druck, besonders nach der Stirne zu, beim Bewegen oder Bücken, heftiges Schlagen oder Stechen im Kopfe, Verstopfung der Eingeweide und Nasenbluten.

Rhus toxicodendron. — Gefühl von Vollsein im Kopf, brennender und klopfender Schmerz, Gewicht im Hinterkopfe, Gefühl von einer rollenden Flüssigkeit innerlich; kann abwechselnd mit Belladonna oder Bryonia gegeben werden.

Nux vomica. — Schmerzen schlimmer am Morgen oder im Freien, Schwere des Kopfes, besonders beim Bewegen der Augen und Nachdenken, Gefühl als ob der Schädel zerspringen wollte, ein quetschender Schmerz im Gehirn, schlimmer beim Bücken oder Bewegen, Schießen des Blutes nach dem Kopfe.

Opium. — Verstopfung, mit Schießen des Blutes nach dem Kopfe, heftige drückende Schmerzen im ganzen Gehirn und Schwere, Schlagen im Kopfe.

[S. 117]

Allöopathisch. Man gebe Folgendes:

Minderers Geist (Spirits of mindererus) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.

Mische es und nimm alle 3 Stunden einen Theelöffelvoll.

Ist Jemand zu diesem Kopfweh besonders geneigt, so mag er von dem Obigen zweimal des Tages einen Theelöffel voll nehmen. Des Abends mögen einige gelinde Abführmittel, wie Castoröl oder Bittersalz (Epsom salts), genommen werden.

Rochellesalz (Rochelle salts) 2 Drachmen.
Doppelt kohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) 2 Skrupel.
Wasser ½ Pint.

Mische es. Dieser Mischung füge noch 35 Grane von Weinsteinsäure (Tartaric acid) hinzu und trinke das Ganze während des Aufschäumens.

Eclectische und Kräuterkur. Rührt das Kopfweh von zu vielem Blute her, so muß eine Behandlung eingeschlagen werden, dasselbe zu zertheilen. Der Kranke sollte eine kühlende und leicht verdauliche Nahrung zu sich nehmen und sich aller reichen, schwer verdaulichen Speisen enthalten. Die Beine und Füße bade man in warmem Wasser, dem Senf oder Pfeffer hinzugefügt wurde.

Ferner gebe Folgendes:

Entenfuß (Podophyllin) 15 Grane.
Gummi-Gutti (Gamboge) 15
Wunderharz (Scammony) 15
Rhabarber (Rhubarb) 15
Cayennepfeffer (Cayenne) 15

Mache 12 Pillen daraus und füge ein wenig Alraunwurzel- (Mandrake) oder Löwenzahn- (Dandelion) Extrakt hinzu. Fehlt Entenfuß, so bediene man sich derselben Menge von Aloe. Eine Dosis wird in der Regel das Kopfweh lindern, aber um eine bleibende Erleichterung zu verschaffen, sollte durch mehrere Wochen hindurch jeden Abend eine Dosis genommen werden.

Folgende Pillen sind von gutem Erfolge:

Pulverisirter Cayennepfeffer 60 Grane.
Chinin (Quinine) 10
Brechwurz (Ipecac) 15
Pulverisirtes Opium 10

Mache 30 Pillen daraus und nehme alle Morgen und Abend eine.

Kopfweh durch Rheumatismus verursacht.

Dieses trifft nur Personen, die mit Rheumatismus behaftet sind. Es wird nicht selten durch das Nichtbedecken des Hauptes während des Schwitzens hervorgerufen. Ein dumpfer Schmerz befindet sich in der Regel in der Stirn, den Schläfen und dem Hinterkopf und[S. 118] ist eher ein schmerzhaftes Gefühl als ein wirklicher Schmerz. Der Kopf ist gegen Druck schmerzhaft empfindlich.

Behandlung.

Allöopathisch. Man gebe folgende Pillen:

Essigsaurer Wiesensafranextrakt (Acetous extract of colchicum) 1 Gran.
Zusammengesetzter Koloquinthenextrakt (Compound extract of Colocynth) 2 Grane.
Brechwurzpulver (Ipecac) ½ Gran.

Mische es und mache eine Pille daraus, welche jeden Abend genommen werden kann. Die Füße bade man in kaltem Wasser und wasche den Kopf mit kölnischem Wasser (Cologne). Auch kann folgende Lösung angewendet werden:

Weinspiritus (Spirits of wine) Unzen.
Oder Branntwein ¼ Pint.
Kaltes Wasser (das vorher abgekocht worden ist) 1 Pint.

In einigen Fällen wird auch die folgende Salbe erfolgreich angewendet werden:

Seifensalbe (Soap liniment) Unzen.
Ammoniak-Liquor (Liquor ammonia) ½ Drachme.
Mohnsaft (Laudanum) ½ Unze.

Mische es. Ein Senfpflaster hinten im Nacken gelegt, wird zuweilen Linderung verschaffen.

Ferner gebe man Folgendes:

Zusammengesetzte Koloquinthen-Pille (Compound pill of colocynth) 14 Grane.
Wiesensafranextrakt (Extract of Colchicum) 4
Kümmelöl (Oil of caraway) 2 Tropfen.

Mische es und mache 4 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille beim zu Bettegehen.

Eclectische und Kräuterkur. Folgende Salbe möge angewendet werden:

Branntwein 1 Pint.
Salpeter (Salt-petre) Unzen.
Kampher (Camphor) 1 Unze.
Terpentinspiritus (Spts. turpentine) 1 Gill.

Mische es und lege es auf ein gut geplättetes Stück Flanell auf den Kopf, bis es trocken ist.

Dieses Uebel sollte als ein Fall von Rheumatismus, auf den wir uns beziehen, behandelt werden.

Homöopathisch. Chamomilla. — Ziehende und reißende Schmerzen in einer Seite des Kopfes, Kopf gegen Berührung empfindlich, mit heißem[S. 119] Schweiß bedeckt, eine Wange roth, die andere blaß. Abwechselnd mit Pulsatilla des Morgens und Nux vomica des Abends.

Colocynthis. — Heftig bohrende, ziehende, kneipende Schmerzen, Uebelkeit und Erbrechen, schlimmer beim Bücken oder auf dem Rücken liegend, und in der Regel am Nachmittag erscheinend.

Ipecacuanha. — Nagende Schmerzen, sehr streng, gelindert durch Hitze und Erbrechen; ein Gefühl durch den Schädel, als ob das Gehirn zermalmt würde.

Nux vomica. — Ziehende Schmerzen in einer Seite des Kopfes, mit einem zermalmenden Gefühle des Kopfes, schlimmer beim Bücken oder im Freien und von Uebelkeit oder saurem Erbrechen begleitet.

Pulsatilla. — Schießende, rasende, stoßweise Schmerzen, nur in einer Seite des Kopfes, besonders in den Schläfen, mit einem Gefühl, als ob das Gehirn zerreißen würde.

China. — Schmerzen des Nachts, Schlaflosigkeit, stoßweise, rasende und bohrende Schmerzen auf dem Scheitel, ein zermalmendes Gefühl im Gehirn, schlechter im Freien, bei Bewegung oder in Zugluft, große Empfindlichkeit, sogar an den Haarwurzeln.

Bryonia. — Wiederkehrende, von dem Nacken nach den Seiten des Kopfes schießende Schmerzen, Fieberschauer, Schmerzen bei Bewegung, des Nachts oder während des Witterungswechsels heftiger. Kann abwechselnd mit Rhus toxicodendron gegeben werden.

Verordnung der Heilmittel. Dosis: 6 Kügelchen; oder 15 Kügelchen in einem halben Tassenkopf voll Wasser aufgelöst. Alle halbe, ganze, zwei, drei oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht.

Symptome. — Schwere im Kopf, Mattigkeit, Abneigung gegen Bewegung, belegte Zunge, schlechter Geschmack im Munde, leichte Uebelkeit, Augen beim Sehen schmerzhaft, Appetitlosigkeit, zuweilen Erbrechen.

Ursachen. — Unpassende Kost, Essen in der Nacht oder irgend etwas, was störend auf die Verdauung wirkt.

Behandlung.

Allöopathisch. Stellt sich der Schmerz unmittelbar nach einer Mahlzeit ein, so sollte sofort das folgende Brechmittel gegeben werden:

Pulverisirte Lobelia 1 Unze.
Blutwurzel (Bloodroot) ½
[S. 120] Senecawurzel (Seneca) 1 Skrupel.
Brechwurz (Ipecac) 6 Drachmen.
Cayenne Pfeffer (Cayenne) 4 Skrupel.

Mische es. Dosis: Einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser; alle 15 Minuten zu wiederholen, bis mehrere Dosen genommen worden sind.

Kommt der Schmerz mehrere Stunden nach dem Essen, nehme man eines von den folgenden Mitteln:

Pulverisirte Jalappenwurzel (Powd. Jalap) 10 Grane.
Cremor Tartari (Cream of tartar) 2

Mische und nimm es auf einmal in Molasses oder Syrup.

Oder:

Pulverisirter Rhabarber (Rhubarb) 1 Skrupel.
Leptandrin 10 Grane.
Calcinirte Magnesia (Calcined magnesia) 2 Skrupel.
Pulverisirter Zimmt (Cinnamon) 10 Grane.

Mische es. Dosis: Alle Stunde 3 oder 4 Grane.

Ist der Kranke schwach und hinfällig, gebe man das folgende:

Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (Compound infusion of senna) 5 Drachmen.
Aufguß von Rhabarber (Infusion of rhubarb) 6
Zusammengesetzte Kardamon- (Cardamon) Tinktur ½ Drachme.
Syrup 2 Drachmen.

Mische und nimm es als eine Dosis und zwar des Morgens nach einem leichten Frühstück.

Bei großer Reizbarkeit diene das folgende:

Dreifachsalpetersaurer Wismuth (Tris nitrate of bismuth) 6 Grane.
Doppeltkohlensaure Soda (Bicarbonate of soda) 6
Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (Pulv. Cayenne) 1 Gran.

Mische und nimm es als eine Dosis zweimal des Tages.

Bei Kopfschmerz durch Ausschweifungen hervorgerufen, gebe man das folgende:

Auflösung von essigsaurem Ammoniak (Solution of acetate of ammonia) ½ Unze.
Orangenschalen-Tinktur Drachme.
Orangenschalen-Syrup 1
Cayenne-Pfeffer- (Cayenne) Tinktur 25 Tropfen.
Zusammengesetzter Aufguß von Orangenschale 5 Drachmen.

Mische es und nimm es auf einmal.

Wird der Kopfschmerz durch Leberstörungen hervorgerufen, gebe man das zuerst angeführte Brechmittel und lasse darauf folgen:

Pulverisirter Rhabarber (Pulv. rhubarb) 12 Grane.
Kohlensaure Magnesia (Carbonate of magnesia) 10
[S. 121] Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) ½ Drachme.
Ingwer-Syrup (Ginger-syrup)
Münzwasser (Spearmint water) 10 Drachmen.

Mische und nimm es auf einmal.

Zur Linderung der Leberschmerzen gebe man folgendes:

Leptandrin 1 Drachme.
Entenfuß (Podophyllin) 1 Skrupel.
Hundswolle (Apocynin) 1
Brechnuß- (Nux vomica) Extrakt 6 Grane.
Spanische Seife (Castile soap) 1 Drachme.

Mache 30 Pillen daraus und nimm jede Nacht eine.

Eclectische und Kräuterkur. Bei Kopfweh, wo Verstopfung die Ursache, wird das folgende Mittel sehr zuträglich gefunden werden:

Entenfuß (May apple) 1 Unze.
Alraun-Wurzel (Mandrake) 1
Blaue Kalmus-Wurzel (Blue flag root) 1
Gelbwurz-Wurzel (Golden seal root) 1
Yellow Puccoon 1
Stachliche Eschrinde (Prickly ash bark) 1
Rindsgalle (Beef gall) 1 Gill.
Whiskey Pint.

Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Ebenso wird folgendes empfohlen:

Entenfuß (Podophyllin) 20 Grane.
Gummi (Gamboge) 20
Windenharz (Scammony) 20
Rhabarber (Rhubarb) 20
Cayenne-Pfeffer (Cayenne) 20

Mache 25 Pillen daraus. Man bediene sich des Alraun- (Mandrake) Extrakts, um Pillen zu verfertigen.

Dosis: Morgens und Abends 3 Pillen.

Homöopathisch. Nux vomica. — Das Gehirn schmerzt beim Gehen oder Bewegen des Kopfes, Druck in den Schläfen, Augen stumpf, Schlaflosigkeit, Schwere des Kopfes, schlimmer beim Bewegen der Augen oder bei geistiger Anstrengung, am Morgen, im Freien, oder nach dem Essen.

Pulsatilla. — Frostschauer mit Durst, Schmerz auf einer Seite, Neigung dazu bei Leuten sanften und ruhigen Gemüths.

Bryonia. — Druck in beiden Seiten des Kopfes und beim Bücken ein Gefühl, als ob irgend etwas aus der Stirne herausfallen möchte, Bluten der Nase ohne Linderung und Wässern der Augen.

[S. 122]

Opium. — Heftige, rasende Schmerzen, Druck in der Stirne, Klopfen der Schläfe, Blutandrang nach dem Kopfe, Mund trocken, Durst, Neigung zu einem sauren widrigen Erbrechen.

Mercurius. — Eingenommensein des Kopfes, gleichsam als ob er zerspringen wollte, Schmerz durch Drücken des Kopfes mit den Händen erleichtert, des Nachts und durch Bettwärme verschlimmert.

Silicea. — Stechende Schmerzen vom Nacken nach dem Scheitel zu, Gefühl als ob der Kopf zerspringen wollte, Schlaflosigkeit und beim Erwachen des Morgens und beim Lesen, Schreiben und Denken schlimmer, dabei Verstopfung und erfolgloser Stuhlzwang. Lachesis oder Lycopodium kann abwechselnd damit gegeben werden, wenn Schmerzen, als ob mit Messern im Kopfe geschnitten oder — beim Bücken — mit Hämmern geschlagen würde, vorhanden sind; Verstopfung, Blutandrang nach dem Kopfe, Anwandlung von Ohnmachten und große Unruhe.

Sepia. — Beim Rütteln oder Bewegen des Kopfes, beim Gehen mit einem Anflug von Blutandrang nach dem Kopfe, Uebelkeit, Erbrechen, Eingenommenheit des Kopfes, Verwirrung der Gedanken, schlimmer am Morgen und beim Sehen in das strahlende Sonnenlicht.

Antimonium. — Schmerz schlimmer beim Treppensteigen und besser im Freien.

Sympathetisches Kopfweh (Sick Headache).

Diese Form des Kopfwehs ist gewöhnlich chronischen Charakters und hängt von Störungen des Magens oder der Eingeweide ab. Seinen Namen hat es erhalten, weil Uebelkeit und Erbrechen es in der Regel begleiten. Meistenteils beginnt es am Morgen oder beim Erwachen aus einem tiefen Schlafe, oder nach dem Schlafen in dicht verschlossenen Zimmern, auch wenn Unregelmäßigkeiten in Bezug auf die Kost stattgefunden haben. Zuerst wird ein Druck im Kopfe gefühlt, das allmählig in einen dumpfen Schmerz, der von einem nach dem andern Punkte zieht, übergeht. Ein Gefühl von Schwere und Empfindlichkeit in einem Auge, das sich über die Stirne ausdehnt, Zunge mit einer gelblichweißen Masse belegt und ein unangenehmer schleimiger Geschmack ist vorhanden. Die Hände und Füße sind feucht und kalt und der Puls schwach. In Begleitung dieser Symptome befindet sich ferner ein niederdrückendes Unwohlsein des Magens, das durch langes Aufbleiben erhöht wird. Durch Erbrechen wird in der Regel der Schmerz gelindert.

[S. 123]

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes ist empfehlenswerth:

Uebermäßig kohlensaure Soda (Super-carbonate of soda) ½ Drachme.
Präparirte Holzkohle (Prepared charcoal) 1
Paregoricum (Paregoric) 1
Wasser 1 Unze.

Mische und gib es auf einmal. Sollte alle 15 Minuten wiederholt werden, bis Linderung eintritt.

Baden des Kopfes mit einer Mischung von Spiritus, Essig und Wasser, zu gleichen Theilen, wird sehr zuträglich gefunden werden.

Als Brechmittel diene Folgendes: Gleiche Theile von Brechwurz (Ipecac) und gepulverter Lobeliasamen, eine hinreichende Menge Wasser und lasse es einige Augenblicke lang erweichen. Man gebe dies in Theilen von 5 zu 10 Minuten. Gleichzeitig sollte der Kranke unbeschränkt Salbei- (Sage), Isop- (Pennyroyal) oder Compositionthee trinken. Nachdem sich der Kranke gehörig erbrochen hat, gebe man folgendes Abführmittel:

Pulverisirte Aloe (Pulv. Aloes) 60 Grane.
Spanische Seife (Castile Soap) 30
Gummi (Gamboge) 30
Windenharz (Scammony) 30
Entenfuß (Podophyllin) 30
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 30

Mache mit ein wenig Löwenzahn- (Dandelion) oder Alraun- (Mandrake) Extrakt 60 Pillen daraus. Dosis: 3 bis 5 Pillen.

Um auf die Leber zu wirken und die Eingeweide in Ordnung zu bringen, gebe eine Pille ein oder zwei Mal des Tages. Auch nehme man Fußbäder in warmem Wasser mit Asche.

Homöopathisch. Belladonna. — Der Kopfschmerz kommt zu bestimmten Zeiten, die Schmerzen kehren am Nachmittag zurück, dauern bis Mitternacht und werden durch die Bettwärme oder das Niederlegen erhöht; der Kopfschmerz ist betäubend, hat meistens seinen Sitz in der Stirn und wird zuweilen von Bewußtlosigkeit begleitet. Ein Gefühl, als ob der Kopf zerspringen wollte, reißende, schießende, brennende, heftige Schmerzen sind vorhanden, die ganz leise beginnen und nach und nach immer stärker werden. Dieses Mittel kann auch gegen Kopfschmerz, aus Erkältung entsprungen, angewendet werden, wenn im Kopfe und in der Stirn ein schüttelndes Gefühl vorhanden ist, bei Bücken oder Treppensteigen, Summen in den Ohren, Verdunkelung der Sehkraft, Schmerzen, die sich bis zu den Augen und der Nase ausdehnen, aber meistens auf eine Seite, gewöhnlich auf die rechte, beschränken; und durch jede Bewegung, durch das Drehen der Augen, helles Licht, das leiseste Geräusch, Vorwärtsbeugen oder Rückwärtslehnen des Kopfes erhöht werden; die Kopf[S. 124]haut ist sehr empfindlich, abwechselnd Frost und Hitze, Uebelkeit und Druck der Nahrung im Magen.

Ipecacuanha. — Stechende Schmerzen, Schwerfälligkeit, Schwindel beim Gehen, Druck im Kopfe, besonders in der Stirne, die Schmerzen ziehen durch den Knochenbau des Schädels, Hände und Füße kalt, Zunge weiß oder gelb belegt, Uebelkeit und Erbrechen. Kann auch bei Kopfschmerz gegeben werden, der mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt und von einem zermalmenden Gefühle im Kopfe begleitet ist. Man gebe es abwechselnd mit Nux Vomica, bei schießenden Schmerzen in der Seite des Kopfes, schlimmer im Freien, Erbrechen.

Hyosciamus. — Bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Schmerzen durch die Bettwärme, beim Niederlegen oder in der Zugluft erhöht.

Spigelia. — Schmerzen auf der linken Seite stärker, große Empfindlichkeit gegen Geräusch, Klopfen in den Schläfen, das durch die geringste Bewegung erhöht wird, sogar durch das Oeffnen des Mundes. Der Kopfschmerz erscheint zu bestimmten Seiten des Morgens und nimmt mit dem Tage zu. Kann auch abwechselnd mit Belladonna gegeben werden.

Aconitum. — Krampfartiger Schmerz in der Stirn oder über der Nasenwurzel, Kopfweh, als ob das Gehirn gehoben oder bewegt würde, besonders nach Bewegung; das geringste Geräusch oder die geringste Bewegung ist unerträglich, der Schmerz wird durch Sprechen oder Lesen erhöht. Gleichzeitig Summen in den Ohren, mit einem Gefühl, als ob die Haare ausgezogen würden.

Sanguinaria. — Frost und Uebelkeit, große Empfindlichkeit gegen das Sprechen anderer Personen in demselben Zimmer, begleitet von einem Vollsein des Kopfes, als ob derselbe zerspringen und die Augen aus ihren Höhlen heraustreten müßten. Schlimmer auf der rechten Seite.

Antimonium. — Dumpfe, bohrende Schmerzen, besonders in den Knochen des Kopfes, ein Bohren in den Schläfen und der Stirn von Innen nach Außen; die Schmerzen nehmen im Freien zu, Blut steigt nach dem Kopfe, Uebelkeit und Erbrechen von Galle und Schleim. Wo Antimonium keine Linderung gewährt, gebe man Pulsatilla.

Aloes. — Wenn der Schmerz mehr in der linken Schläfe sitzt und der Kopfschmerz zur gewissen Zeit wiederkehrt.

Um die Neigung zu dem sympathetischen Kopfweh zu vertreiben, empfiehlt Pulte: Sepia, Silicea und Sulphur, jedes Mittel 6 Wochen lang mit Sepia angefangen, in den ersten 3 Wochen jede Woche 2 Dosen Abends beim zu Bette gehen, in den letzten 3 Wochen jede Woche eine Dosis.

Verordnung der Heilmittel. 3 oder 4 Kügelchen mögen als eine Dosis gegeben werden, oder, wenn aufgelöst, 12 Kügelchen in ebensoviel Theelöffel voll Wasser, und als Dosis einen Theelöffel voll. Dies kann alle 15 Minuten, halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden der Strenge der Symptome angemessen, wiederholt werden.

[S. 125]

Allöopathisch. Bei starkem Schmerze, von Uebelkeit begleitet, gebe man ein Brechmittel von Brechwurz (Ipecac) 1 Skrupel, Brechweinstein (Tartar emetic) 1 Gran, und lasse diesem Blaue Pillen (Blue pill) 1 Skrupel, zusammengesetzte Rhabarberpille (Compound rhubarb pill) 2 Skrupel, folgen. Mische und theile es in 12 Pillen, wovon 1 oder 2 als eine Dosis gegeben werden.

Wenn von einer Speise verursacht, wird warmer Kamillenthee (Chamomile) oder ein wenig schwacher Branntwein und Wasser zuweilen Linderung verschaffen, ebenso ein Senfpflaster auf den Magen. Sobald als der Magen irgend etwas annimmt, gebe man Folgendes:

Magnesia 15 Gran.
Potaschenauflösung (Solution of potassa) 15 Tropfen.
Zusammengesetzte Sennesblättertinktur (Compound tincture of Senna) Drachmen.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern 5
Ingwersyrup (Syrup of ginger) 1 Drachme.
Zusammengesetzter Aufguß von Orangeschale (Compound infusion of orange peel) ½ Unze.

Mische und nimm es als eine Dosis.

Ist der Leidende schwach und willenlos, die Kraft des Organismus im Allgemeinen vermindert, gebe man:

Verdünnte Schwefelsäure (Diluted sulphuric acid) 15 Tropfen.
Verdünnte Hydrochlorsäure (Dilute hydrochloric acid) 10 Tropfen.
Orangenschalentinktur (Tincture of orange peel) Drachmen.
Zusammengesetzter Enzianaufguß (Compound infusion of gentian) 5
Mohnkopfsyrup (Syrup of poppies) 1 Drachme.

Als eine Dosis 3 Mal des Tages zu nehmen.

Nervöses Kopfweh oder Neuralgie.

Demselben ist vorzugsweise das weibliche Geschlecht unterworfen.

Symptome. Heftige, reißende, marternde oder stechende Schmerzen, durch Licht verschlimmert, ein Gefühl, als ob beide Schläfe zusammen gepreßt würden, Schwindel mit einem Gefühl des Zusammenbrechens, große Verzagtheit und Unruhe, sowohl körperliche als geistige Anspannung unmöglich; schwarze Flecken flimmern vor den Augen, Kopf in der Regel kühl und das Gesicht blaß. Der Schmerz beschränkt sich häufig auf kleine Flecke und ist in der Regel des Morgens schlimmer.

[S. 126]

Behandlung.

Homöopathisch. Coffea. — Schmerz gleicht dem Gefühle, als ob ein Nagel in den Kopf getrieben, oder als wenn das Gehirn angebohrt oder zerquetscht würde; es scheint dem Leidenden unerträglich und treibt ihn fast zum Wahnsinn. Der Kranke ist sehr unruhig, schreit, weint und hat eine Abneigung gegen die freie Luft. Der Schmerz wird durch das leiseste Geräusch, sogar durch Musik gesteigert und heftiger. Man kann diesem Hepar, Sulphur, Nux vomica oder China folgen lassen.

Aconitum. — Symptome, die dieses Mittel erfordern, siehe unter Sympathetisches Kopfweh.

Belladonna. — Besonders wenn die Schmerzen am Nachmittag eintreten und bis zum nächsten Morgen anhalten, ebenso wenn die Schmerzen leise anfangen und nach und nach immer heftiger werden.

Ignatia. — Stechende Schmerzen über der Nase, die durch das Vorwärtsbiegen des Kopfes gelindert werden, Druck im Kopf von Innen nach Außen, Gefühl als ob ein Nagel in den Kopf geschlagen würde, Uebelkeit, Verdunkelung des Auges, blasses Gesicht, wenn durch den Wechsel der Lage der Schmerz für den Augenblick erleichtert wird, der Kranke, ganz von Furcht eingenommen, auffährt und allein zu sein wünscht.

Pulsatilla. — Rasende Schmerzen, schlimmer gegen Abend, begleitet von Schwindel und Magenübelkeit, Verdunkelung des Blickes, Läuten in den Ohren, Gesichtsfarbe blaß, gelblich oder hager, kein Durst, Frost, Herzklopfen, ein Gefühl als ob das Gehirn zerrissen würde oder der Kopf in einem Schraubstock säße, der Schädel in Stücke zerbrechen wollte, besonders beim Bewegen der Augen, Kopfschmerz Abends nach dem Niederlegen, oder früh Morgens im Bett, durch Ruhe und Stillsitzen erhöht und durch Bewegen im Freien oder einen stark angezogenen Verband gelindert.

Bryonia. — Vollsein oder Schwere des Kopfes, Druck und brennenden Schmerzen in der Stirn, beim Bücken ein Gefühl, als ob irgend etwas aus der Stirn fallen möchte, reißende Schmerzen, die sich auf das Gesicht und die Schläfe ausdehnen, Hitze im Kopf und Gesicht, geröthete Wangen, Durst, Uebelkeit, Erbrechen, Alles hat einen bitteren Geschmack, beim Herumgehen oder Bewegen der Augen erhöhte Schmerzen.

Platina. — Der Kopfschmerz wächst und nimmt allmählig ab, Brausen im Kopfe, wie von Wasser herrührend, Kälte in den Augen, Ohren und auf einer Seite des Gesichts, krampfhaftes Zucken mit dem Augenlidern, Summen in den Ohren, Gegenstände erscheinen kleiner als sie in Wirklichkeit sind, betäubender Druck auf die Backenknochen. Ist nach Belladonna zweckdienlich.

Mercurius. — Kopfschmerz, als ob der Kopf in Stücke brechen wollte, Vollsein des Gehirns, rasender Schmerz, besonders in der linken Seite, derselbe geht in die Zähne, Stechen in den Ohren. Die Schmerzen werden durch das Drücken des Kopfes mit den Händen erleichtert. Man lasse es nach Belladonna[S. 127] folgen, und schlägt beides nicht an, gebe man Hepar Sulphuris, besonders bei einem bohrenden Schmerz an der Nasenwurzel, oder einem Gefühle, als ob ein Nagel in den Kopf getrieben würde.

Colocynthis. — Rasender, marternder Schmerz auf einer Seite des Kopfes, Druck in der Stirne, schlimmer beim Bücken, oder auf dem Rücken liegend; der Schmerz stellt sich am Nachmittag oder gegen Abend ein und ein überreicher, sehr widriger Urin und ein dicker Schweiß, der wie Urin riecht, ist vorhanden.

Arsenicum. — Heftiger Schmerz in der Stirn, Neigung zum Erbrechen, Summen in den Ohren, Weinen, Aechzen und große Empfindlichkeit der Kopfhaut. Kalte Umschläge erleichtern den Schmerz eine kurze Zeit. Es ist schlimmer im geschlossenen Raum und vergeht im Freien. Man kann diesem Mittel Pulsatilla folgen lassen.

Veratrum viride. — Drückender Schmerz auf dem Scheitel oder auf einer Seite des Kopfes, begleitet von Schmerzen in dem Magen, Diarrhöe, Uebelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Empfindlichkeit des Haares. Der Schmerz ist zuweilen so stark, daß er den Kranken der Vernunft beraubt, ist schlimmer, wenn er im Bett liegt und erzeugt kalten Schweiß und Frostschauer. Dieses Mittel ist sehr geeignet, um dem Arsenicum folgen zu lassen.

Silicea. — Der Schmerz steigt vom Nacken nach dem Scheitel und wird häufig durch Erhitzung herbeigeführt. Rasender Schmerz tritt am Nachmittage ein, Stechen im Kopfe, besonders in den Schläfen, Kopfhaut schmerzhaft gegen Berührung und das Haar fällt aus.

Sulphur. — Kopfschmerz mit Uebelkeit, ein Gefühl von Vollsein oder Schwere im Kopf, besonders nach dem Scheitel zu, Schmerz als ob ein Reif um den Kopf geschlagen wäre, rasend klopfende Schmerzen, Hitze, jeden Tag nach dem Aufstehen des Morgens Kopfschmerzen, als ob der Kopf in Stücke zerspringen sollte, Brummen im Kopfe, Haar bei Berührung schmerzhaft oder Ausfallen desselben.

China. — Bei Personen von fieberhaftem, unzufriedenem Gemüth. Es wird sehr dienlich gefunden bei Schwere im Kopfe, Druck von Innen nach Außen, vorhandene Schmerzen in den Schläfen, als ob der Kopf zerspringen wollte, ein Gefühl, als ob das Gehirn herumgestoßen und gegen den Schädel geworfen würde, die Kopfhaut gegen Berührung empfindlich, Schmerz durch Bewegung, Bücken, Unterhaltung oder Zugluft erhöht. Wasserumschläge auf den Kopf, sowohl heiße als kalte, wie es am angenehmsten, mögen gemacht werden.

Verordnung der Heilmittel. Gebe 4 oder 6 Kügelchen als eine Dosis, oder löse 12 Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Nothwendigkeit angemessen, einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Hoffmann’s Anodyne in Dosen von einer Drachme kann ge[S. 128]geben werden und zuweilen Aether, Cölnisches Wasser oder Bay Rum vermittelst der Hand auf die Stirne gebracht, mag von vortheilhafter Wirkung sein, ebenso ein Senfpflaster auf den Hinterkopf und die Schläfen.

In einigen Fällen ist auch anwendbar:

Bilsenkraut-Extrakt (Extract of hyosciamus) 3 Grane.
Pulverisirter Kampher (Camphor) 3

Mische es, mache drei Pillen daraus und nehme eine, wenn der Schmerz am stärksten ist.

Oder auch:

Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of hyosciamus) ½ Drachme.
Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) ½
Orangenschalen-Syrup ½
Pfeffermünzwasser (Peppermint water) 10 Drachmen.

Mische es.

Oder auch:

Bilsenkraut-Extrakt (Extract of hyosciamus) ½ Drachme.
Baldriansaures Eisen (Valerianate of iron) 1

Mische es, mache 30 Pillen daraus und gebe eine bis drei des Tages.

Ist der Kranke schwach und erschöpft, sollte ein stärkendes Mittel wie das folgende angewendet werden:

Schildkraut-Extrakt (Extract of skull-cap) 2 Drachmen.
Kamillen-Extrakt (Extract of chamomile) 2
Wasserdost-Extrakt (Extract of boneset) 1 Drachme.
Chinin (Quinine) 1
Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (Pulv. cayenne) 1 Skrupel.
Baldrianöl (Oil of valerian) ½ Drachme.

Mache 90 Pillen daraus.

Dosis: Alle 2 bis 3 Stunden eine Pille.

Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (Compound infusion of gentian) 8 Unzen.
Salpetersaure Natronsäure (Nitro muriatic acid) 30 Tropfen.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tags.

Eclectische und Kräuterkur. Folgende Pillen mögen genommen werden:

Aconit-Extrakt (Extract of aconite) ½ Gran.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium)
Baldriansaures Chinin (Valerianate of quinine) ¼

Mische es zu einer Pille. Die Dosis sollte der Strenge des Anfalles angemessen alle eine, zwei oder drei Stunden wiederholt werden. Gleichzeitig kann der Kranke nach Belieben Schildkraut- oder Katzenmünze-Thee trinken.

Folgende Pillen werden sehr empfohlen:

Bilsenkraut- (Hyosciamus) Extrakt 30 Grane.
Baldrian- (Valerian) Extrakt 30
[S. 129] Chinin (Quinine) 20
Cayenne-Pfeffer (Cayenne) 10

Mache 30 Pillen daraus.

Ist der Kopfschmerz streng und durch und durch von nervösem Charakter, füge dem obigen noch drei Gran schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia) hinzu und gebe alle drei Stunden eine Pille. Nach Linderung des Kopfschmerzes nehme eine Pille dreimal des Tages. Wegen des Morphiums sollten nicht mehr als 5 Pillen innerhalb 24 Stunden hintereinander genommen werden.

Sind stärkende Mittel erforderlich, möge das folgende gegeben werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tincture of iron) 1 Unze.
Blutwurzel-Tinctur (Tincture of blood root) 1

Mische es und nehme dreißig Tropfen in ein wenig Wasser dreimal des Tages.

Ausfallen des Haares (Allopecia).

Dies zu verhindern und dasselbe wieder hervorzurufen, wenn es bereits verloren ist, sollte reizend auf die Schädelhaut eingewirkt werden, und zwar jeden Morgen vermittelst Waschungen mit kaltem Wasser, Trocknen mit einem groben Handtuche und darauf Bürsten mit einer groben Haarbürste. Es folgen hier einige Mittel, die in ihrer Anwendung vorzüglich gefunden werden:

Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (Pulv. sulphate of copper) 10 Grane.
Spanischer Fliegen-Extrakt (Extract of spanish flies) 5
Fett 1 Unze.

Mische es.

Castoröl Pfund.
Starker Alcohol Pints.
Pulverisirte spanische Fliegen (Pulv. spanish flies) ½ Unze.
Bergamottenöl (Oil of bergamot) Unzen.
Rosenöl (Oil of rose) 20 Tropfen.

Mische und filterire es, nachdem es einige Tage gestanden hat.

Zusammengesetzte Benzoe-Tinktur (Compound tincture of benzoin) 2 Drachmen.
Spanischer Fliegen-Extrakt (Extract of spanish flies) 2
Castoröl 6 Unzen.
Bergamottenöl (Oil of bergamot) 1 Drachme.
Mutterzimmt oder Verbenenöl (Oil of Cassia or Verbena) 15 Tropfen.
Starker Alcohol 10 Unzen.

Mische es.

[S. 130]

Ein ausgezeichnetes Haarstärkungsmittel ist auch das folgende:

Benzoe-Harz (Gum Benzoin) 2 Drachmen.
Castoröl 4 Unzen.
Alcohol 1 Quart.

Schüttele dies gehörig und füge dann noch hinzu:

Lavendelöl (Oil of lavender) 1 Drachme.
Bergamottenöl (Oil of bergamot) 1
Nelkenöl (Oil of cloves) 30 Tropfen.
Rosmarinöl (Oil of rosemary) 30
Citronenöl (Oil of lemon) 30
Orangenblüthenöl (Oil neroli) 30
Spanische Fliegen-Tinktur (Tincture of cantharides) ½ Unze.

Das folgende ist das berühmte “General Twigg’s recipe,” welches grauen Haaren ihre ursprüngliche Farbe wieder geben und auf Kahlköpfen neuen Haarwuchs erzeugen soll:

Schwefelmilch (Lac sulphur) 2 Drachmen.
Bleizucker (Sugar of lead) 1 Drachme.
Rosenwasser 8 Unzen.

Mische es.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel:

Bay Rum 4 Unzen.
Spanische Fliegen-Tinktur (Tincture of cantharides) 1 Unze.
Hirschhorn (Hartshorn) 1
Olivenöl (Olive oil) 2 Unzen.

Schüttele es gehörig vor Gebrauch.

Ein vortreffliches Mittel zur Beförderung des Wachsthums der Haare ist auch:

Ricinusöl (Palma Christi oil) 3 Unzen.
Lavendelöl (Oil of lavender) 1 Drachme.

So bald das Haar dünn wird und ausfällt, öfters anzuwenden.


[S. 131]

Fünftes Kapitel.
Augenkrankheiten.

Das Niederfallen des Augenlids (Paralysis, Ptosis).

Dies kann durch das Aussetzen der kalten Luft oder unmittelbar den Sonnenstrahlen, Trunkenheit, heftige geistige Erregung, Schläge auf den Kopf und Geschwulst im Gehirn hervorgerufen werden. Bei diesem Leiden sind gewöhnlich die Muskeln des Auges gelähmt, so daß das Auge nicht bewegt werden kann, vollkommen stille steht oder auch nach den Schläfen zugedreht ist.

Behandlung.

Allöopathisch. Quecksilber wird zuweilen gebraucht, bis der Mund angegriffen ist. Warme Umschläge um die Augen werden in einigen Fällen von wohlthätiger Wirkung sein, ebenso das Reiben der Stirne, der Schläfe und des Augenlids mit aromatischem Ammoniak-Spiritus.

Homöopathisch. Diesem Leiden angemessene Mittel sind: Spigelia, Belladonna, Sepia, Opium, Cocculus, Nitric Acid. Uebrigens sollte dieser Zustand nur von einem geschickten Arzt behandelt werden.

Entzündung des Augenlids und des Rands des Augenlids.

Dieselbe kann von einer Erkältung oder auch von anderen Ursachen herrühren; häufig sind nur die Ecken entzündet, ohne den übrigen Theil anzugreifen.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei starker Entzündung und großen Schmerzen, die Augenlider sind geschwollen, hart und roth, Hitze, und gleichzeitig ein brennendes Gefühl, eine überreiche Absonderung von Schleim der Augen und der Nase findet statt.

Belladonna. — Da wo Aconitum nicht hinreichend gefunden wird; besonders bei einem Gefühl von Brennen und Jucken in dem Lid, geschwollene[S. 132] Augenlider, welche zusammenkleben und bluten wenn geöffnet, ebenso wenn die Ränder nach Außen gedreht sind und wie gelähmt erscheinen.

Hepar Sulphuris. — Bei einem zerreißenden oder zerquetschenden Gefühle in den Lidern, wenn solche berührt werden; große Empfindlichkeit gegen Licht. Kann abwechselnd mit Mercurius, Aconitum oder Belladonna gegeben werden.

Euphrasia. — In jenen Fällen, wo die Augenlider roth und angeschwollen und die Ränder zerrissen sind, Jucken bei Tage, Zusammenkleben des Morgens, Kopfschmerz, Hitze im Kopf, Scheu vor Licht, starker Ausfluß von Thränen und Schleim. Kann abwechselnd mit Nux vomica gegeben werden, wenn der Augapfel sehr roth und Brennen und Jucken vorhanden ist.

Mercurius. — Ist die Geschwulst hart bei schneidenden Schmerzen und Schwierigkeit die Augenlider zu öffnen, Eiter und Schorf in den Ecken am Morgen und in der Bettwärme schlimmer, Unruhe, Schweiß, Brennen und Jucken der Augen, im Freien schlimmer. Hepar Sulphuris kann abwechselnd mit diesem gegeben werden.

Arsenicum. — Entzündung des Innern des Augenlids, Schwierigkeit die Augen zu öffnen und heftig brennende Schmerzen.

Spigelia. — Entzündung und Zerreißen des Augenlids, Beißen und Schmerzhaftigkeit, die Lider sind steif und deshalb nur schwer zu öffnen, Bohren in den Augen und Schmerz in dem Kopfe, schlimmer bei Bewegung.

Hyosciamus und Chamomilla kann abwechselnd gegeben werden, wenn die Augenlider mit einem Gefühl von Schwere oder Druck krampfartig geschlossen sind.

Verordnung der Heilmittel. — Eine Dosis: 4 Kügelchen von dem gewählten Mittel alle 2, 4 oder 6 Stunden. Wasser, ob kalt oder warm, je nachdem es der Patient vorzieht, kann mit gutem Erfolge angewendet werden.

Allöopathisch. Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens, wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen, die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden. Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.

Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 12 Grane.
[S. 133] Laudanum 2 Drachmen.
Destillirtes Wasser 12 Unzen.

Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind, möge folgende Waschung angewendet werden:

Rosenwasser 4 Unzen.
Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 2 Grane.

Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (Dilute nitrate of mercury ointment), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern, je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung, getragen werden.

Eclectische und Kräuterkur. Erweichende Umschläge von pulverisirter schlüpfriger Ulmenrinde (Pulv. slippery elm bark), mit warmer Milch und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die verwelkten Blätter des Stechapfels (Stramonium) mit Fett gemischt zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.

Entzündung des Augapfels (Ophthalmia).

Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.

Symptome. — Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen. Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände. Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.

Ursachen. — Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben, plötzlicher Witterungswechsel.

[S. 134]

Behandlung.

Allöopathisch. Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie folgt, gegeben werden:

Pulverisirter Gummi (Pulv. gamboge) 12 Grane.
Pulverisirte Sennesblätter (Pulv. senna) 12
Springgurke (Elaterium) 2
Crotonöl (Croton oil) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 3 Grane.

Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine, bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des salpetersauren Silbers (Nitrate of silver), 4 Grane derselben auf eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden. Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein, der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren, so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren Silbers (Nitrate of silver) fort. Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen. Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) wie folgt angewendet werden:

Rosenwasser Unzen.
Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 2 Grane.

Mische es.

Eclectische und Kräuterkur. Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende Augenwaschung ist empfohlen:

Bleizucker (Sugar of lead) ½ Drachme.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) ½
Gewöhnliches Salz 1
Stückzucker (Loaf sugar) 1
Destillirtes Wasser ½ Pint.

Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis dreimal des Tages damit.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:

Grüner Thee ½ Unze.
Gelbwurz (Yellow root) ½
Kochendes Wasser 1 Pint.

[S. 135]

Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück weißen Flanells.

Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das folgende angewendet werden:

Aconit-Tinctur (Tincture of aconite) 1 Drachme.
Eine Abkochung von Gelbwurz (Decoction of golden seal) 1 Unze.

Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.

Ein anderes Heilmittel ist:

Gelbwurz (Golden seal), Hexennuß-Blätter (Witch Hazel), von jedem ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver 10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.

Homöopathisch. Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), oder salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) möge in dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser angewendet werden.

Aconitum. — Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große geistige Aufregung.

Belladonna. — Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels, Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen, oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen, welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider, rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.

Euphrasia. — Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen dieselben Symptome als bei Belladonna angewendet werden, wenn Belladonna keine Linderung gewährt.

Nux vomica. — Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen und Kopfweh jede Nacht.

Pulsatilla. — Kann Aconitum folgen, wenn die schlimmste Entzündung[S. 136] nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und zum Weinen geneigt.

Ignatia. — Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen, welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.

Spigelia. — Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der Augapfel zu groß wäre.

Arsenicum. — Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen, Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels, welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.

Mercurius. — Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der Augen erhöht.

Verordnung der Heilmittel. Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

Chronische Augenentzündung.

Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer Schwächung des Organismus eintreten.

Symptome. — Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der Thränen.

Ursachen. — Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder Dämmerlicht.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Es wird gut sein, ein- oder zweimal in der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.

[S. 137]

Ungesalzene Butter 2 Unzen.
Weißes Wachs 2 Drachmen.

Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme pulverisirtes schwefelsaures Zink (Pulv. sulphate of zinc) ein. Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup (Gum Camphor) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die Augen 2 bis 3 Mal des Tages.

Homöopathisch. Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) oder salpetersaures Silber (Nitrate of Silver) in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser. Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur innerlichen Anwendung sind: Arsenicum, Belladonna, Sulphur, Silicea, Nux vomica, Graphites und Phosphorus.

Allöopathisch. Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:

Salbe von salpetersaurem Quecksilber (Ointment of nitrate of mercury). 1 Theil.
Salbe von Spermaceut oder
Präparirtem Schweinefett
2 Theile.

Mische es.

Auslösung von essigsaurem Blei (Acetate of Lead) oder schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), oder auch schwefelsaurem Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet werden.

Chronisch skrophulöse Augenentzündung.

Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren, doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten Arzte überlassen bleiben.

[S. 138]

Behandlung.

Homöopathisch. Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der Augenlider und des Augapfels, Aconitum und Belladonna.

Dulcamara. — Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, gebe man Euphrasia, Hepar Sulphur und Silicea. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen) von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist Silicea gegeben worden, so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von Silicea in einem halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den Augen gebe man Euphrasia, Hepar Sulphur, Silicea, Calcarea Carbonica und Acidum Nitri in derselben Weise.

Allöopathisch. Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von Alaun (Alum), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver), 2 Grane auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (Mercury) mit Kreide (Chalk), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate (Preparations of iron), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um den Organismus zu stärken.

Eclectische und Kräuterkur. Folgender Syrup möge angewendet werden, den Organismus zu reinigen:

Gelbe Parillawurzel 2 Pfund.
Kletten (Burdock) und Grundwurz (Yellowdock) von jedem 1

Wurzelrinde von

Bittersüß (Bitter sweet) und Sassafras von jedem ½
Maiapfel (May apple) und Blutwurzel (Bloodroot) von jedem 2 Unzen.

Brühe es in 5–6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein, füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal des Tages ein Weinglas voll.

[S. 139]

Gerstenkorn (Stye) am Augenlid.

Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch, sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen, zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures Quecksilber (Diluted nitrate of mercury ointment) an. Salz und Wasser wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.

Behandlung.

Homöopathisch. Pulsatilla — ist das wichtigste Mittel. Eine Dosis 2 Mal des Tages. Verschafft es keine Linderung, so gebe man Merkur abwechselnd mit Hepar Sulphuris oder Staphysagria. Eine Dosis 2 oder 3 Mal des Tages eine Woche hindurch von diesen Heilmitteln wird zuweilen deren Erscheinen verhindern. Calcarea Carbonica kann in derselben Weise gegeben werden.

Nasse oder thränende Augen.

Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen, in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase und die Knochen der Nase können angegriffen werden.

Behandlung.

Allöopathisch. Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes einreibt.

[S. 140]

Homöopathisch. Entspringt das Thränen der Augen aus einer allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann Euphrasia und Spigelia abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen gegeben werden. Andere Mittel sind Belladonna, Pulsatilla, Calcarea Carbonica, Silicea und Sulphur, welche in der aufgeführten Ordnung gegeben werden können.

Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.

Schwarzer Staar (Cataract, Glaucoma).

Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.

Symptome. Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich, um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das Auge gänzlich versperrt.

Ursachen. Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck, Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte, Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist, Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben sollen, und diese sind folgende: Silicea, Graphites, Hydriodate of Mercury, Calcarea Carbonicum, Conium und Digitalis — eine Dosis ein- oder zweimal in 24 Stunden.

Augenschwäche (Weakness of Sight, Amblyopia)

ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig gelähmt, so ist es Amblyopia, bei gänzlicher Lähmung Blindheit oder Amaurosis. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das all[S. 141]mählig abnimmt, bis sich Amaurosis vollständig einstellt. In einigen Fällen beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert sich das Leiden mehr und mehr der Amaurosis, wird der Blick von Nebel verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.

Amaurosis wird dadurch vom Staar (Glaucoma) unterschieden, daß die Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt. Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch einen weißen Flor gesehen, was bei Amaurosis nicht der Fall ist.

Kennzeichen der Annäherung von Amaurosis sind Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (Amaurosis) abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen, welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

Ursachen. — Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln, Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft, Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna, Stechapfel (Stramonium), Opium, Blei und Chinin.

Behandlung.

Allgemeine. Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der Kranke vermeide jede An[S. 142]strengung der Augen in starkem Lichte und halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen, Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und leicht verdaulich sein.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum Einnehmen:

Jod (Iodine) 10 Grane.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia)
Strychnin (Strychnia) 1
Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (Cohosh) hinreichend um aus Obigem Pillen zu machen.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das zusammengesetzte Theerpflaster (Compound Tar Plaster) im Nacken aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann, dort bleiben soll.

Homöopathisch. Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den folgenden Mitteln: Pulsatilla, Sulphur, Belladonna, Calcarea, Phosphorus. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.

Gegen gänzliche Erblindung.

Belladonna. — Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen, theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz, Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen. Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe es abwechselnd mit Hyosciamus.

Nux vomica. — Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht, Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit ein, so gebe man zuerst Aconitum, dann Mercurius alle zwei oder drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.

China. — Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu, weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine Hinfälligkeit.

Phosphorus. — Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages, schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme des[S. 143] Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.

Stramonium. — Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie, Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe eine Dosis des gewählten Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den Heilmitteln angegeben sind.

Allöopathisch. Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt &c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten Tag zu geben.

Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung Unze.
Safran- (Colchicum) Tinktur 20 Minims.

Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die Sennesblätter-Mischung (Senna mixture) so oft als nöthig, um eine vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die Eingeweide offen bleiben.

Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

Aufguß von Enzian (Gentian) Unzen.
Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesquicarbonate of ammonia) ½ Gran.
Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Cardamon) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Rinden-Abkochung (Decoction of bark) 7 Unzen.
Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (Compound tincture of bark) 6 Drachmen.
Orangenschalen-Syrup 2
Verdünnte Schwefelsäure (Deluted sulphuric acid) 1

Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (Bay berry root) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet, ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (Cayenne) ein Gran auf eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.

Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:

Eisen- und Strychnin-Citrat (Citrate of iron and strychnine) 1 Drachme.
[S. 144] Orangenschalen-Syrup (Syrup of orange peel) 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Kurzsichtigkeit (Myopia).

Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt, daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.

Behandlung.

Allgemeine. Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.

Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man hohlgeschliffene Brillen tragen.

Weitsichtigkeit (Presbyopia).

beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.

Schielauge (Squinting, Strabismus).

Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als nach Außen gerichtet.

Ursachen. Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die[S. 145] Lage in der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.

Behandlung.

Homöopathisch. Belladonna. — Bei Schielen auf- oder auswärts, das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts, Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche schließlich unempfindlich gegen Licht wird.

Alumina. — Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb, Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und dunkel.

Digitalis. — Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.

Camphor. — Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.

Andere Mittel sind: Secale, Spigelia, Phosphorus und Sulphur.

Allöopathisch. Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch Salz und Sennesblätter (Senna) gegeben und die Kost sorgfältig geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu verbleiben.

Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:

Strychnin (Strychnia) 2 Grane.
Verdünnte Phosphorsäure (Diluted phosphoric acid) 1 Unze.
Pfeffermünzwasser (Peppermint water) 3 Pints.

Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Oder:

Eisen- und Strychnin-Citrat (Citrate of Iron and Strychnine) 1 Drachme.
Orangenschalensyrup (Syrup of Orange peel) 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.

[S. 146]

Fremde Körper im Auge.

Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten, wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren, möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Solution of nitrate of silver) oder schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), und zwar im Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.

Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen, daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.


[S. 147]

Sechstes Kapitel.
Ohrenkrankheiten.

Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden Theile.

Unter dem äußeren Ohr versteht man die s. g. Ohrmuschel, die man gewöhnlich Ohr nennt, sowie den Gehörgang (Meatus). In der Ohrmuschel wird der Schall gleichsam gesammelt, der Gehörgang aber führt denselben weiter zur Ohrtrommel (Tympanum). Der die Ohrmuschel einfassende Rand wird Hilex, der Rand innerhalb des HilexAnti-hilex genannt. Die Aushöhlung, die vom Anti-hilex umgeben ist, nennt man Concha, weil sie einer „Muschel“ ähnlich sieht. Das Ohrläppchen, der Theil, an dem die Ohrringe getragen werden, ist der unterste Theil des Ohres.

Ohrenentzündung (Inflammation of the Ear, Otitis).

Die Ohrenentzündung kommt sehr häufig bei Kindern vor, findet sich jedoch auch bei Erwachsenen. Es ist eine Entzündung der Ohrtrommel und eine sehr schmerzhafte Krankheit, welche andere Theile des Ohres afficirt und namentlich verursacht, daß der Gehörgang oft bedeutend anschwillt, so daß derselbe manchmal geschlossen wird.

Symptome. Bedeutende Hitze, stechende Schmerzen tief im Ohre und auffallende Röthe. Manchmal ergreift die Entzündung das Gehirn und es mögen in diesem Falle Krämpfe oder Delirium eintreten. Oft folgt diese Krankheit dem Scharlachfieber und anderen Krankheiten.

Ursachen. Dieselben sind: das sich Aussetzen der kalten Luft, oder wenn der Kopf kaltem Luftzug ausgesetzt wird. Manchmal entsteht das Uebel auch durch das Eindringen fremder Körper in’s Ohr, z. B. Watte, Papier, Bohnen, Insekten &c.

[S. 148]

Behandlung.

Allöopathisch. Ein oder zwei Blutegel (Leech), die an die Schläfe oder hinter die Ohren gesetzt, oder ein Pflaster, das hinter dem Ohr aufgelegt wird, werden gute Dienste thun. Auch mögen Umschläge von Flachssamen, Hopfen oder Brod und Milch angewendet werden; sowie das folgende:

Zubereitete Kreide (Prepared chalk) 36 Grane.
Kamille (Chamomile) 12
Ipecacuanha (Ipecac — Brechwurz) 4
Bilsenkrautextrakt (Extract of Hyosciamus) 6

Hieraus mache man 12 Pulver und nehme eines derselben vor dem Schlafengehen. Während des Tages gebe kleine Dosen Magnesia oder Bittersalz und Sennesblätter (Salts and Senna).

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Entzündung durch Erkältung erzeugt wurde, so verordne man ein Fußbad und lege warme Hopfenumschläge auf das Ohr. Manchmal wird der Schmerz gelindert, wenn man einige Tropfen süßes Mandelöl (Sweet oil of Almonds) und einen Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Dies mag zwei- oder dreimal des Tages gebraucht werden. Auch kann man hierzu manchmal Zwiebelsaft und Laudanum — gleiche Theile von jedem — verwenden. Oder:

Sassafrasöl (Oil of sassafras) ½ Drachme.
Olivenöl (Olive oil) 1
Pulverisirter Kampher (Powdered Camphor) 15 Grane.

Mische und löse den Kampher in den Oelen auf. Einige Tropfen dieser Mischung mögen warm ins Ohr geträufelt werden. Ist der Schmerz sehr heftig, so lege man ein Senfpflaster hinter das Ohr und gebe Castoröl, oder Bittersalz oder ein anderes mildes Abführungsmittel.

Homöopathisch. Das Waschen des Ohrs mit aus spanischer (Castile) Seife zubereitetem Seifenwasser mag sehr wohlthätig wirken. Auch kann man Watte (Baumwolle), die mit warmgemachtem, süßem Mandelöl begossen wird, auf das Ohr legen. Pulsatilla ist gegen diese Krankheit ein sehr wichtiges Heilmittel. Man gibt dasselbe namentlich dann, wenn der Kranke brennende stechende Schmerzen empfindet, die so heftig werden, daß beinahe Delirium eintritt.

Belladonna. Wenn der Schmerz sich dem Gehirn mittheilt, Unruhe der Hände, Zerren der Muskeln und Mundecken und große Empfindsamkeit und Erregtheit. Aconitum mag mit Belladonna abwechselnd gegeben werden, wenn das Fieber sehr stark ist. Auch kann Coffea abwechselnd mit Belladonna in Anwendung kommen, namentlich wenn der Patient große Unruhe zeigt. Setzt sich ein Geschwür an, was sich durch heftigen, stechenden Schmerz und ein eigenthümliches Klopfen anzeigt, so gebe man Mercurius, Lachesis oder Hepar Sulphur. Letzteres Mittel ist das beste.

[S. 149]

Verordnung der Heilmittel. Man löse 12 Kügelchen des betreffenden Heilmittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede halbe Stunde einen Theelöffel voll, oder jede Stunde, alle zwei oder drei Stunden, je nach den Symptomen.

Ohrenschmerz (Earache, Otalgia).

Dieses Uebel sollte nicht mit der Ohrenentzündung verwechselt werden, da es ganz und gar verschiedener Natur ist, weil dabei kein Fieber vorherrscht und der Schmerz eher rheumatischer Art ist. Die Anfälle treten plötzlich ein und sind von kurzer Dauer. Oft ist der ganze Kopf eingenommen und die Ursache hat man gewöhnlich in einer Erkältung zu suchen.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Das folgende ist ein gutes Mittel: Man röste drei oder vier Knoblauchzwiebel (Garlic) und zerdrücke sie während dieselben warm sind; gieße einen Eßlöffel voll Salatöl, einen Eßlöffel voll Honig und einen Eßlöffel voll Laudanum hinzu. Drücke den Saft aus und träufle denselben warm dann und wann ins Ohr. Der Dampf von bitterem Kräuterthee, über welchen man das Ohr hält, sowie ein Hopfenumschlag werden sich als ausgezeichnete Mittel erweisen.

Homöopathisch. Pulsatilla. — Dies ist das Hauptmittel gegen dieses Uebel; namentlich wenn der Schmerz reißend und zuckend ist, als ob sich etwas aus dem Ohre drücken wolle. Wenn das Ohr heiß, roth und geschwollen ist, oder wenn der Patient stechende, reißende Schmerzen in der ganzen Seite des Gesichts fühlt. Dieses Mittel ist hauptsächlich bei Frauenzimmern und Personen anwendbar, die leicht frösteln.

Chamomilla. — Namentlich bei acuten und stechenden Schmerzen, wie die von einer Messerwunde, hauptsächlich auf eine Erkältung, wo dem Schweiß plötzlich Einhalt gethan wurde, wenn die Schmerzen stechend, reißend sind und der Patient sehr erregt und übler Laune ist.

Belladonna. — Wenn Blutandrang nach dem Kopfe stattfindet und reißende, stechende Schmerzen sich nach dem Halse zu ziehen.

Hepar Sulphur — mag gegeben werden, wenn sich die bei Belladonna angegebenen Symptome zeigen, namentlich wenn dieses Heilmittel nicht lindert; ebenso wenn der Schmerz klopft, zuckt und zaust.

Mercurius. — Im Falle Pulsatilla und Chamomilla nicht mildern; auch wenn der Schmerz zerrend ist und sich nach den Wangen zieht, wenn die Schmerzen im warmen Zimmer sich vermehren und eine fröstelnde Empfindung im Ohr verspürt wird; oder der Patient viel schwitzt, ohne daß ihm hierdurch Linderung würde.

[S. 150]

Nux vomica. — Wenn die Schmerzen heftig, stechend und zerrend sind und sich bis zu den Schläfen und der Stirne erstrecken, sowie hinab zu den Kinnbacken.

Spigelia. — Wenn der Schmerz empfunden wird, als ob ein Nagel im Ohr stecke und der Patient in den Kinnbacken Reißen und Zerren empfindet.

Rhus. — Brauchbar wenn das Ohrenweh durch Erkältung verursacht wird.

Arnica. — Wenn der Schmerz bei der geringsten Veranlassung wiederkehrt, bei großer Empfindlichkeit und man ein Sausen um das Ohr herum verspürt. Hauptsächlich bei nervösen, empfindsamen Personen anzuwenden.

China. — Ist namentlich anzuwenden nach Arnica oder Pulsatilla, hauptsächlich wenn die Schmerzen reißend sind und mehr am äußeren Theil des Ohres gefühlt und bei Berührung vermehrt werden und Sausen im Ohr verspürt wird.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede 15 Minuten, halbe Stunde oder zwei Stunden, je nachdem es die Symptome erfordern. Manchmal fühlt der Kranke, nachdem die heftigsten Schmerzen gehoben sind, eine gewisse Wundheit und dumpfen Schmerz; dagegen gebrauche Sulphur oder Calcarea. Carbonica — eine Dosis Morgens und Abends.

Allöopathisch. Das Ohrenweh mag gelindert werden, indem man drei oder vier Tropfen Oliven- oder Mandelöl mit einem Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Amerikanische Blutegel (American leeches) hinters Ohr gesetzt sind manchmal von guter Wirkung. Glycerin und warmes Wasser, von jedem einen halben Eßlöffel voll. Mische und träufle die Mischung vermittelst eines Theelöffels ins Ohr. Dieses Mittel schafft oft baldige Linderung. Oder nehme einen halben Theelöffel voll warmes Olivenöl mit zehn Tropfen Laudanum und träufle dies ins Ohr. Das folgende wird manchmal ausgezeichnet wirken, wenn ein Stärkungsmittel (tonic) nöthig ist.

Citronensaures Eisen (Citrate of iron) 1 Drachme.
Strychnin 1 Gran.
Pomeranzschalen-Syrup (Syrup of orange peel) 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.

Mische. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Ohrensausen, Ohrenklingen (Humming and Buzzing in the Ears).

Diese Symptome nimmt man gewöhnlich beim Ohrenweh, Ohrenlaufen oder Entzündung des Ohres wahr und sollten dieselben wie diese Uebel behandelt werden. Manchmal wird das Ohrenlaufen &c. auch durch Blutandrang im Kopfe und durch Erkältung verursacht.

[S. 151]

Schwerhörigkeit (Hardness of Hearing, Surditas).

Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge, einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.

Behandlung.

Homöopathisch. Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe Arnica. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach Fieber- und Fieberfrösten gebe Carbo vegetabilis alle Abend eine Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine Besserung eingetreten, gebe Graphitis, namentlich wenn Ohrensausen und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so gebe Lachesis, Nitric acid, Petroleum, eines nach dem andern in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem Kopfe hervorgerufen, so gebe Belladonna, Coffea, Nux vomica, Sulphur oder Silicea — eine Dosis jeden Morgen und Abend, beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel den Masern, so gebe Pulsatilla und Carbo Vegetabilis; wenn dem Scharlachfieber, Belladonna und Hepar Sulphur; wenn nach den Blattern, Mercurius und Sulphur, eine Dosis jeden andern Abend abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden, greife man zu Chamomilla, Arsenic, Lachesis, Mercurius, Sulphur oder Pulsatilla. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das durch Chinin kurirt wurde, so gebe Carbo Vegetabilis, Pulsatilla, Sulphur und Calcarea Carbonica; jedes Mittel eine Woche, eine Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, Pulsatilla, Mercurius, Belladonna oder Hepar Sulphur zwei oder drei Tage lang, ein Heilmittel einmal des Tages.

Allöopathisch. Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen; ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze einige Wochen damit fort:

Kamphorirtes Oel (Camphorated oil) ½ Unze.
Seifen-Liniment ½ Drachme.

[S. 152]

Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Essigsäuerlicher Colchicum- (Zeitlose) Extrakt (Acetous extract of colchicum) 1 Skrupel.
Präparirtes Schweinefett 1 Unze.

Mische. Jeden Abend sollte das Ohr und die Theile um dasselbe mit einem Stückchen dieser Mischung — so groß wie eine Erbse — eingerieben werden. Ist das Ohr sehr trocken, so mag der Ohrengang zwei- oder dreimal die Woche mit Glycerin eingerieben werden, während man ein kleines Stück geräucherten Speck Abends in die Höhlen bringt und Morgens entfernt. Findet sich jedoch zu viel Feuchtigkeit im Ohr, so spritze dasselbe mit einer Auflösung von schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc) aus, indem man einen Gran Zink zu einer Unze Rosenwasser nimmt; auch lege man kleine Pflaster hinter die Ohren. Ist die Ursache eine Entzündung, oder sind es kleine Geschwüre am Ohreingang, so sollte ein warmer Umschlag auf das Ohr gelegt und die Ohren mit gleichen Theilen Goulard- und Rosenwasser ausgespritzt werden.

Eclectische und Kräuterkur. Ist die Schwerhörigkeit oder Taubsucht durch Ansammlung des Ohrenschmalzes entstanden, so müssen die bei der Allöopathischen Behandlung angegebenen Mittel zur Entfernung desselben angewandt werden. Auch kann man das folgende in einigen Fällen gebrauchen:

Gebrannten Alaun (Burnt Alum) 10 Grane.
Süßes Mandelöl (Sweet oil of almonds) 1 Unze.

Mische dies und laß jeden Tag einige Tropfen der Mischung in das Ohr träufeln. Zu gleicher Zeit spritze das Ohr mit einer Auflösung aus gleichen Theilen Weißeichenrinde (White oak bark), Kurzblätterigem Dreiblatt (Bethroot) und Rosenblätter aus.

Ist eine Ohrenschmalz-Ansammlung vorhanden, so mögen von folgender Mischung ein- oder zweimal des Tages einige Tropfen ins Ohr geträufelt werden:

Sassafrasöl 15 Tropfen.
Glycerin Drachmen.
Olivenöl ½ Unze.

Ist das Ohr sehr trocken, so gebrauche man folgendes:

Glycerin 1 Drachme.
Terpentinöl ½
Leinsamenöl ½ Unze.

[S. 153]

Ohrfluß, Ohrlaufen (Running of the Ears, Otorrhœa).

Dies ist ein sehr widerwärtiges Uebel, das aus verschiedenartigen Ursachen entstehen mag. Oft folgt es der Ohrentzündung und manchmal dem Scharlachfieber und den Masern.

Symptome. — Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen im Ohr und Anschwellen der Halsdrüsen. Bald sondert sich eine röthliche, wässerige Masse aus, die nach und nach sich verdickt. Das Fieber tritt mit der Aussonderung dieser Materie ein.

Behandlung.

Allöopathisch. Ist die Entzündung eine acute, so sollte die bei Ohrenentzündung vorgeschriebene Behandlung eingeschlagen und das Ohr mit warmem Wasser oder einer Mohnsamen- (poppies) Auflösung ausgespritzt werden. Es ist aber besser, wenn man die Flüssigkeit mittelst eines Theelöffels dem Ohre zuführt, weil durch das Einspritzen mit der Spritze leicht Kopfweh entsteht. Sobald die Aussonderung eintritt, sollte das Ohr mit spanischer (castile) Seife gut ausgewaschen werden und gleich darauf mit einer Auflösung von Alaun (Alum), Zinkvitriol (Sulphate of zinc) — ein Gran zu einer Drachme Wasser. Essigsaures Blei (Acetate of lead), ein oder zwei Grane auf eine Unze Wasser, wird sich öfters sehr wirksam erweisen. Auch wird ein Theil Glycerin und fünf Theile Rosenwasser empfohlen. Ist die Absonderung sehr übelriechend, so hat man das Ohr mit einer Mischung auszuspritzen, die aus zwei Drachmen Chlorkalk (Chloride of lime) und einer halben Pint Wasser besteht, während man zu gleicher Zeit eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) — fünf Grane zu einer Unze Wasser — gebraucht. Jedoch muß man bei Anwendung dieser Mittel acht darauf haben, daß dem Ausfluß nicht allzu plötzlich Einhalt gethan wird.

Eclectische und Kräuterkur. Die Ohren mögen mit warmem Seifenwasser ausgespritzt werden, wornach eine Einflößung von Gelbwurzel (Golden seal) und brenzlicher Holzsäure (Pyroligneous acid) stattfinden sollte. Die Säure darf nur gebraucht werden, wenn der Ausfluß sehr übel riecht. Eine Abkochung von Gelbwurzel, wilder Indigowurzel kann in manchen Fällen gebraucht werden, oder auch eine Auflösung von anderthalbkohlensaurem Kali (Sesquicarbonate of potassa).

Homöopathisch. Nie sollte man versuchen, den Ausfluß dadurch hinwegzuräumen, daß man das Ohr verstopft, denn dies mag sehr gefährlich werden. Wurde der Ohrfluß durch Masern herbeigeführt, so gebe man Pulsatilla und Sulphur vier Tage lang, jedes dieser Heilmittel an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, — sechs Kügelchen eine Dosis. Folgt das Ohrenlaufen dem Scharlachfieber, so gebe Belladonna, Mercurius, Hepar Sulphur und Lycopodium — in derselben Weise. Wenn es nach den Blattern eintritt, Mercurius, Lachesis,[S. 154] Sulphur und Calcarea Carbonica. Diese Mittel sollten eine Woche lang oder länger eingegeben werden, ehe man zu andern Arzneien greift. Wenn der Geruch der sich ausscheidenden Flüssigkeit außerordentlich unangenehm ist, so gebe man Mercurius, Hepar Sulphur, Lycopodium, Pulsatilla oder Sulphur. Ist der Ausfluß mit Blut vermischt, Pulsatilla, Mercurius und Lachesis. Hat der Kranke heftiges Kopfweh und Fieber, Belladonna und Bryonia abwechselnd. Wurde der Ausfluß plötzlich unterdrückt und die Mandeln beginnen anzuschwellen, so gebe Pulsatilla, Mercurius und Belladonna. Wenn die Unterdrückung des Ausflusses durch Erkältung veranlaßt wurde, so gebe Rhus oder Dulcamara. Wenn nach der Unterdrückung die Hoden anschwellen, Pulsatilla, Nux vomica oder Mercurius.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen der erwählten Arznei in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll der Auflösung jede 4 Stunden, eine Woche lang, es sei denn, andere Anweisungen seien bei den Heilmitteln angegeben. Wenn es bequemer ist, so gebe man sechs Kügelchen zu einer Dosis.

Durchstechen des Ohrläppchens.

Dr. H. R. Stout in Chicago befolgt beim Durchstechen des Ohrs zum Zwecke des Anbringens der Ohrringe eine sehr einfache Methode. Dieselbe besteht darin, daß das Ohrläppchen so lange gegen ein Stück Kork gedrückt wird, bis man kein Gefühl mehr in demselben hat; sodann sticht man, ohne den Kork zu entfernen, mit einer Nadel, in welcher ein Faden ist, schnell durch das Ohrläppchen, macht eine kleine Masche und läßt den Faden in der Oeffnung, bis die unbedeutende Wunde geheilt ist. Jeden Tag sollte man den Faden ein wenig hin- und herziehen, damit die Höhlung nicht zuheilt. Manchmal entsteht durch diese Operation die „Rose,“ deren Behandlung in einem anderen Theile dieses Buchs angegeben ist.

Fremde Körper im Ohr.

Manchmal kommen Insekten ins Ohr, in welchem Falle man Salatöl einträufelt, welches das Insekt tödtet, wornach es leicht entfernt werden kann. Ist eine Bohne oder derartige Substanz im Ohr, so sollte sie mittelst einer Haarnadel sorgsam entfernt werden; man biegt zu diesem Zwecke die Nadel hakenförmig. Jedoch muß man sich äußerst in acht nehmen, den Gegenstand nicht noch weiter hineinzuschieben. Es ist immer besser, wenn derartige Operationen von einem gebildeten Arzt vollbracht werden.


[S. 155]

Siebentes Kapitel.
Krankheiten der Nase.

Entzündung und Anschwellen der Nase.

Dieses kann durch Verletzungen, z. B. Schläge, Fallen, Schneiden, hervorgerufen werden. Arnica ist hierbei das vorzüglichste Mittel, eine schwache Auflösung sollte zur Waschung der Nase dienen; es wird gleichzeitig das Bluten, das durch einen harten Schlag verursacht wurde, stillen.

Nasenbluten (Epistaxis).

Nasenbluten kommt sehr häufig, besonders unter jungen Leuten vor und erfordert selten irgend welche Behandlung. Ein leichter Schlag oder Niesen, sowie auch ungewöhnliche Hitze kann bei manchen Leuten schon die Veranlassung dazu werden. Es ist der Ueberfüllung der Blutgefäße des Kopfes zuzuschreiben und gewährt eher Linderung als das Gegentheil.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Kalte Umschläge auf die Stirne, die Nase und den Nacken sollten angewendet werden, ein Druck aus den unteren Theil der Nase ist zuweilen hinreichend, dasselbe zu unterdrücken, Verstopfen der Nasenhöhlen mit geröstetem trocknen Rindfleisch oder mit Linnen oder Watte, die zuvor mit einem Geraniumaufguß oder einer Auflösung von schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc) getränkt sind, wird zuweilen zuträglich gesunden werden.

Homöopathisch. Ist die Blutung sehr heftig und kann derselben auf keine andere Weise Einhalt gethan werden, so sollte ein wenig feine Leinwand oder auch Charpie (Lint) mittelst eines starken Fadens durch die Nasenlöcher und den Mund und so lange aufwärts gezogen werden, bis dasselbe gegen die blutenden Gefäße andrückt. Ein bekanntes Mittel ist auch das Gleiten längs des Rückens mit einem Stück Eis oder einem kalten Schlüssel; Halten der Hände über dem Kopfe, welches hin und wieder das Nasenbluten stillt. Wird es durch einen Fall verursacht, so gebe man Arnica, rührt es von Blutandrang[S. 156] nach dem Kopfe her, so gebe man Aconitum, Belladonna oder Bryonia. Ist Ueberanstrengung die Ursache, Rhus. Durch übermäßige Hitze, so liege man ruhig, mit dem Kopfe erhöht, und nehme alle halbe Stunden Bryonia und Aconitum abwechselnd; tritt es zur Nachtzeit ein, gebe man Rhus, Bryonia oder Belladonna abwechselnd alle Abend eine Dosis, wenn des Morgens, Nux vomica oder Bryonia, während eines Schnupfens alle Morgen und Abend Pulsatilla und Arsenicum abwechselnd eine Dosis von jedem, bei Kindern, welche an Würmern leiden, Cina und Mercurius, bei Schwäche auch da, wo diese von Nasenbluten herrührt, gebe man alle halbe oder ganze Stunden eine Dosis Chinin, oder wenn dies ohne Wirkung, Ferrum. Blutklumpen, die sich in der Nase bilden, sollten nicht eher entfernt werden, bis das Bluten vollkommen gestillt ist. Charpie so unter die Oberlippe gepreßt, daß dadurch ein Druck auf die Pulsader ausgeübt wird, wird öfters das heftigste Nasenbluten stillen.

Allöopathisch. Charpie oder ein kleines Stück Filz, in eine starke Lösung von Alaun oder Tannin getaucht, wird zuweilen mit Erfolg angewendet. Es sollte dies so weit als möglich in die Nase gezogen werden. Auch wird in manchen Fällen Mousel’s persalt of iron, 1 Theil auf 10 Theile Wasser, mit Erfolg angewendet.

Schnupfen, Erkältung im Kopfe (CoryzaCatarrh).

Dies ist ein Leiden der Schleimhaut der Nase und des Halses, das sich zuweilen bis in die Luftröhren und Lungen erstreckt.

Symptome: Der Schnupfen beginnt in der Regel mit einem dumpfen Schmerz und einem Gefühle von Schwere in der Stirn, Beklemmung der Brust, erschwertes Athmen, häufiges Niesen, Schwere des Kopfes, trockene, verstopfte Nase, böser Hals, Heiserkeit, Augen mehr oder weniger roth und wässerig, kurz darauf sondert sich eine dünne Flüssigkeit in der Nase ab, der Husten wird leichter und der Auswurf gelb und dick, der Kranke klagt über Heiserkeit und bösen Hals, hat keinen Geruch, hört schwer, stechender Husten; des Nachts gewöhnlich schlimmer, etwas Fieber und starke Schmerzen in verschiedenen Körpertheilen, Durst, fliegende Hitze, abwechselnd mit Frost. Beschränkt sich die Entzündung lediglich auf die Schleimhaut der Nasenhöhlen, so ist Niesen, ein Gefühl von Vollsein und Hitze, mit einem dünnen wässerigen Ausfluß vorhanden.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum — bewährt sich immer bei Beginn der Erkältung, sogar wenn nur ein leichtes Fieber vorhanden ist, ebenso, wenn die Absonderung aus der Nase unterdrückt wird und Kopfweh folgt. Auch ist Cam[S. 157]phor bei denselben Symptomen gut. Wenn nichts anderes als gewöhnlicher Kampherspiritus zu haben ist, gebe man 1 oder 2 Tropfen auf ein Stück Zucker, löse dasselbe in einem Glas halb voll Wasser und gebe es nach Vorschrift.

Arsenicum. — Nicht viel Fieber, Hitze oder Durst, der Patient ist unruhig, besonders des Nachts, trinkt oft und nur wenig auf einmal, Absonderung scharf und verdorben, brennende Hitze der Nase, die Absonderung verursacht Anschwellen der nächsten Theile, Röthe und Thränen der Augen. Gewährt Arsenicum keine Linderung, so gebe man Ipecacuanha.

Nux vomica — sollte bei Verstopfung oder bei nur geringem Laufen der Nase gegeben werden, auch wenn dasselbe am Morgen stattfindet, bei Trockensein des Nachts, Mund trocken und dürr, ohne viel Durst, Verstopfung, am Abend Fieber und Frost abwechselnd.

Chamomilla — wenn der zurückgeschlagene Schweiß Beschwerde verursacht, Frösteln, Hitze und Durst, Schwere des Kopfes, Anschwellen des Gesichts, geröthete Wangen, Röthe und Entzündung der Augen.

Mercurius. — Beständiges Niesen, böser Hals, beständiges Laufen einer wässerigen Flüssigkeit, welches den Theil, welchen es berührt, wund macht, Anschwellen und Röthe der Nase, rasendes Kopfweh, Schmerzen in dem Nasenknochen, Katarrh am Morgen schlimmer, widerwärtiger Geruch.

Belladonna. — Anschwellen, Röthe und Brennen der Nase, Schmerz in der Nase, durch Berührung erhöht, klopfende Schmerzen im Kopfe, schlimmer bei Bewegung.

Hepar Sulphuris. — Besonders wenn nur eine Nasenhöhle angegriffen ist, brennendes Kopfweh, besonders in der Gegend der Nasenwurzel, bei der geringsten Bewegung verschlimmert, Katarrh durch jedes Einathmen der Luft verschlimmert. Sollte aufgegeben werden, wenn Mercurius nur wenig Erfolg bietet.

Pulsatilla. — Dicke, grüne oder gelbliche Absonderung aus der Nase, die sehr widerwärtig ist, Schwere im Kopfe und Schwindel, häufig gegen Abend und in der Zimmerwärme nimmt die Verstopfung der Nase überhand, Schmerz in einer Hälfte des Kopfes, öfters Niesen, schmerzhafter Druck an der Nasenwurzel, ziehende Schmerzen, Summen in den Ohren.

Euphrasia. — Besonders wenn die Augen entzündet und wässerig sind.

Lycopodium. — Verstopfung der Nase, besonders des Nachts, Geruch sehr scharf, rasende Schmerzen in der Stirne, Trockenheit des Mundes, ohne Durst.

Silicea. — Chronischer Katarrh bei starken Schmerzen in den Knochen der Nase. Tartarus emeticus kann in einigen Fällen gegeben werden, besonders bei Niesen, Frost, Geschmack- und Geruchlosigkeit; zuweilen, wenn die Absonderung der Schleimhaut unterdrückt wird, oder bevor dieselbe beginnt und die Nase ist heiß und trocken, wird auch ein wenig Almondöl, kalte Sahne vermittelst einer Feder oder eines Kameelhaarpinsels in das Innere der Nase gebracht,[S. 158] sowie auch Bähungen von heißem Wasser werden mit gutem Erfolg angewendet.

Verordnung der Heilmittel. Wo keine Verordnungen mit den Mitteln angegeben sind, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf, gib jede oder alle 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Die Anwendung des Wassers ist bei dieser Krankheit von gutem Erfolg und kann gleichzeitig mit der Gabe der Mittel verbunden werden. Der Kranke muß sich in einem nicht zu warmen Zimmer aufhalten; nasse Umschläge über die Brust und den Unterleib sollten gemacht werden, der Kranke hütet das Bett, gehörig zugedeckt, und trinkt soviel als möglich kaltes Wasser, wodurch Schweiß hervorgerufen wird. Nachdem derselbe einige Zeit geschwitzt hat, lasse man ein milchwarmes Bad folgen.

Allöopathisch. Man gehe frühzeitig zu Bett, nehme ein halbes Pint von einem warmen Getränk, einen Theelöffel voll Paregoric Elixir oder einen Eßlöffel voll Mohnsyrup (Syrup of poppies), oder eine halbe Unze Bittersalz (Epsom salts), oder auch ein Seidlitzpulver am Morgen. In einigen Fällen wird auch folgendes angewendet:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) 10 Grane.
Lakritzenextrakt (Extract of liquorice) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (Compound infusion of senna) Unzen.
Sennesblätter oder Jalappenwurzel (Tincture of senna or jalap) 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (Spirits of sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Diesem sollte man folgen lassen:

Essigsaures Ammoniak (Acetate of Ammonia) Unzen.
Süßer Salpeterspiritus (Sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.
Syrup 2
Kampher-Mischung (Camphor mixture) 4 Unzen.

Mische es. Ist kein Fieber vorhanden, so wird zuweilen schon eine Dosis von schwefelsaurem Magnesia (Sulphate of magnesia), wobei zu vermeiden ist, sich dem kalten oder nassen Wetter auszusetzen, gänzliche Enthaltsamkeit einer thierischen (Fleisch-) Kost, hinreichen; treten die Symptome heftig auf, sollten heiße Fußbäder, denen ein wenig Salz oder Senf beigefügt ist, gegeben werden. In einigen Fällen wird das Einathmen des Gases der Mischung von Laudanum und Hoffmann’s Anodyne — zu gleichen Theilen — von gutem Erfolg sein; in einzelnen Fällen verschafft schon ein Stück Kampher unter die Nasenlöcher gehalten, Linderung. Eine Auflösung von Opiumextrakt, im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze Wasser, durch Einathmung in die Nasenhöhle gezogen, wirkt sofort erfolgreich. Dr. John A. Lockwood hat gefunden[S. 159] daß eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) im Verhältniß von 8 oder 10 Granen auf eine Unze vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Schleimhaut der Nase gebracht, ein ausgezeichnetes Mittel ist. Dr. C. J. A. Williams empfiehlt eine trockene Kur, die zuweilen von gutem Erfolge ist. Er gestattet keine Getränke mit Ausnahme einen Theelöffel voll Milch oder Thee, des Morgens oder Abends bei der Mahlzeit, und ein Weinglas voll Wasser beim zu Bett Gehen; die Symptome verschwinden in der Regel nach Verlauf von 36 bis 48 Stunden. Der Vortheil der Kur liegt darin, daß der Kranke hierbei seiner gewöhnlichen Beschäftigung ohne Störung nachgehen kann. Dr. Chapman, von der Pennsylvanischen Universität, empfiehlt 1 bis 2 Grane Opium oder 2 bis 20 Grane Doverisches Pulver, das beim zu Bette Gehen genommen werden sollte, wornach der Kranke häufig am Morgen gesund aufwacht. Um die Verstopfung in Folge des Opiums zu beseitigen, kann es nothwendig werden, eine Dosis von schwefelsaurer Magnesia (Sulphate of magnesia) oder Salz zu geben.

Eclectische und Kräuterkur. Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig Medizin erforderlich. Beim zu Bette Gehen nehme der Kranke ein Fußbad in warmem Laugenwasser und trinke nach Belieben Kräuterthee, wie Pfeffermünz (Peppermint), Isop (Penny royal), Salbei (Sage), oder Composition powder und eine Dosis von Doverischem Pulver. In einigen Fällen mag die zusammengesetzte Tinktur von virginischer Schlangenwurzel (Virginia snake root) alle Stunden einen Theelöffel voll gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Gegen den Husten, der den Schnupfen gewöhnlich begleitet, ist das bekannte Hausmittel von Honig oder Molasses mit Weinessig zusammen warm gemacht und mit frischer Butter gemischt, zu empfehlen; man gebe davon einen oder zwei Theelöffel voll und wiederhole es so oft als möglich. Die zusammengesetzte Gelbwurz- (Golden seal) Tinktur, verdünnt oder auch nicht, vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Hautrände der Nase aufgetragen, wird zuweilen sehr schnelle Linderung verschaffen.

Dr. King empfiehlt zur Entfernung des Gefühls von Vollsein und Verstopfung der Nasenhöhlen folgendes:

Pulverisirte Cubeben (Cubebs) 2 Drachmen.
Balsam Tolu 6 Grane.

Mische es gehörig und füge ferner hinzu:

Pulverisirten Lakritzen- (Liquorice) Extrakt 1 Unze.
Peruanischen Balsam- (Balsam Peru) Syrup 1 Drachme.
Pulverisirtes Gummi Arabicum in hinreichender Menge.

Mische es gehörig und theile es in Kügelchen von 10 Gran, als Dosis ist eine zu nehmen und so oft als erforderlich zu wiederholen. In einigen Fällen wird ein Aufguß von Wasserdost (Boneset) beim zu Bette Gehen nach einem warmem Fußbad genommen Linderung verschaffen. Der Kranke sollte sorgfältig ver[S. 160]meiden, nachdem er am Abende eins von diesen Mitteln angewendet hat, sich am nächsten Tage einer neuen Erkältung auszusetzen.

Tägliche Waschungen des Kopfes und Nackens mit sehr kaltem Wasser oder, wenn von nassen Füßen herrührend, deren Eintauchen in eiskaltes Wasser des Morgens werden dieses lästige Leiden verhindern. Man sollte damit in der wärmeren Jahreszeit beginnen und es den ganzen Winter hindurch fortsetzen.

Chronischer Katarrh (Ozœna narium), Eiterung in der Nase

kann die Folge eines vernachlässigten Katarrhs sein und von dessen häufiger Wiederkehr herrühren. Dieses Leiden kann Jahre lang dauern und sehr lästig werden. Es verursacht heftige Kopf- und Augenschmerzen, Thränen der Augen, starke Schleim-Absonderung in der Nase, Appetitlosigkeit, Abmagerung und dergleichen mehr, zuweilen ist er auch die Folge von anderen Krankheiten wie Scharlachfieber und Masern.

Behandlung.

Allöopathisch. Dr. Wood empfiehlt zur Anwendung eine Einspritzung von essigsaurem Blei (Acetate of lead), schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc), schwefelsaurem Kupfer (Sulphate of copper) oder salpetersaurem Silber (Nitrate of silver). Er zieht schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) vor und zwar so, daß mit zwei Granen auf eine Unze Wasser angefangen und je nachdem es die Nase verträgt, auf 10, 15 sogar 20 Grane auf die Unze erhöht wird. Diese Einspritzung sollte jeden Tag ein- oder zweimal des Tages wiederholt und wenn nothwendig einige Monate lang fortgesetzt werden. Wenn der angegriffene Theil mit einem Pinsel von Kameelhaar erreicht werden kann, so ist dies die beste Art der Anwendung. Ist die Absonderung widerwärtig, so wird eine Auflösung von Chlorsoda (Chloride of soda), Potasche oder Kalk zuträglich gefunden werden. Zuweilen ist die Einathmung vom Gas des Kreosot, Theer und Essig dienlich.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. Gunn empfiehlt einen Schnupftabak aus gleichen Theilen von Lorbeer (Bay berry), Blutwurzel (Blood root), Chinarinde (Peruvian bark) mehrere Male des Tages zu schnupfen. Gleichzeitig brühe man eine Handvoll Hopfen, Hundsbeere (Hoarhound) und Kamillen (Chamomile) in Essig und ziehe den warmen Dampf mehrere Male des Tages durch die Nase.

Die nachstehenden Mittel sind ebenfalls zu empfehlen:

Fein pulverisirte Blutwurzel (Blood root) und Lorbeerrinde (Bay berry bark) von jedem 1 Unze.
Pulverisirte Myrrhen (Myrrh) ½

Mische es und schnupfe mehrere Male des Tages davon.

[S. 161]

Oder auch:

Pulverisirten Kampher (Powd. Camphor) 1 Drachme.
Benzoe-Säure (Benzoic acid) 20 Grane.
Pulverisirtes Opium 6
Rothe Chinarinde (Peruvian bark) 4 Drachmen.

Mische es gehörig und mache es mit Bergamottenöl wohlriechend. Dasselbe wird wie Schnupftabak gebraucht. Die Eingeweide sollten vermittelst eines gelegentlichen Abführmittels offen gehalten und die Haut täglich mit warmem Saleratuswasser gewaschen werden. Es wird gut sein, wenn der Kranke beim zu Bett Gehen Compositionsthee nach Belieben trinkt.

Bei sehr hartnäckigen Fällen bringe folgendes vermittelst eines Kameelhaarpinsels in die Nasenhöhlen:

Cubeben (Cubebs) Unze.
Gelbwurz (Golden seal)
Lobelia
Blutwurz (Blood root)
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 3 Drachmen.
Verdünnter Alcohol 2 Quart.

Mische es, laß die Mischung mehrere Tage lang stehen und schüttele es während dieser Zeit häufig um. Bei starkem Husten sollte die Tinktur von Lobelia, Blutwurz (Blood root), Brechwurzwein (Wine of Ipecac) und Peruanischer Balsam-Syrup in Dosen von einem Theelöffel voll mehrere Male des Tages gegeben werden.

Homöopathisch. Die Behandlung kann mit Belladonna begonnen werden, jeden zweiten Abend eine Dosis; setze diese Behandlung eine Woche lang fort, dann gebe Aurum in derselben Weise, lasse diesem Mercurius folgen und nimm endlich Sulphur in derselben Weise. Bei Fieberhitze und ohne Fließen der Absonderung gebe man Aconitum und Belladonna abwechselnd, aufgelöst, alle 2 Stunden einen Theelöffel voll. Arsenicum ist bei starken Schmerzen, Brennen und Klopfen eines der besten Mittel gegen dieses Leiden.

Lycopodium. — Absonderung dick und gelblich, wenn der Katarrh mit Skropheln verbunden ist oder skrophulöse Personen befällt. Phosphorus, Silicea, Acidum Nitric und Conium sind mit Erfolg angewendet worden. Ist Syphilis die Ursache, so sind auch Hepar Sulphuris, Aurum, Acidum Nitri, Lachesis, Lycopodium, Sulphur, Mercurius und Sulphuratus angezeigt.

Nasenpolyp (Polypus of the Nose)

tritt in der Regel mit solchen an anderen Orten wie im Ohr, Magen, in den Eingeweiden gleichzeitig auf. Der Nasenpolyp ist gewöhnlich weich, von einer gelblich-weißen Farbe und in einigen Fällen durchsichtig. Er nimmt allmählig an Größe zu, ist die Ur[S. 162]sache zum Nießen, Eingenommenheit und dumpfen Schmerzen im Kopfe, verstopft die Nasenhöhle und erschwert das Athmen, besonders während des Schlafs. Gewöhnlich wird dadurch nur Störung in dem Einathmen verursacht, zuweilen aber sind damit auch starke Schmerzen und Kopfweh verbunden, die Knochen der Nase werden angegriffen und sondern eine widrige Flüssigkeit ab.

In der Regel müssen diese Polypen durch den Chirurgen entfernt werden, in einigen Fällen reicht aber auch eine Behandlung durch innerliche Mittel hin.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes kann geschnupft werden: Man nehme fein pulverisirte Lorbeerrinde (Bay berry bark), Entenfuß- (May apple) Wurzel je 1 Unze, und 4 Unzen Blutwurzel; mische es und schnupfe davon mehrere Male des Tages. Man kann ferner, wenn der Polyp erreicht werden kann, ein Läppchen, das zuvor angefeuchtet, zusammen drehen, in das Pulver stecken und dann durch Schnupfen einziehen, was den Auswuchs allmählig tödtet und ihn schließlich abfallen macht. Pulverisirte Scharlachbeere (Poke root) ist auch wirksam. Dr. King empfiehlt schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 2 Skrupel, Wasser 1 Unze, das vermittelst gehörig angefeuchteter Charpie eingeführt werden kann und vier- oder fünfmal des Tages zu wiederholen ist. Es wird zuweilen gut sein, nach dem zuerst erwählten Mittel folgendes zu gebrauchen:

Blutwurzel-Tinktur (Tincture of blood root) 2 Unzen.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 2 Drachmen.

Mische und bringe es mehrere Male des Tages auf die Geschwulst.

Homöopathisch. Staphysagria, Calcarea, Sepia, Silicea und Thuja sind Mittel gegen dieses Leiden. Man nehme jedes drei Wochen lang eine Dosis jeden Tag. Am Ende der dritten Woche wechsle man es mit einem anderen Mittel und fahre so fort, bis Heilung eintritt. Teucrium, wovon jeden Abend durch mehrere Monate hindurch eine Dosis genommen werden sollte, wird sehr empfohlen.

Allöopathisch. Einspritzungen von Alaunauflösung oder das tägliche Betupfen der Geschwulst mit salzsaurer Eisentinktur (Muriated tincture of iron) wird in einigen Fällen dieselbe entfernen.

Nasenkrebs (Cancer of the nose).

Dieses ist eines der fürchterlichsten Leiden, denen das menschliche Geschlecht unterworfen ist. Der Krebs beginnt in der Regel mit[S. 163] einer harten Geschwulst, die allmählig in Eiterung übergeht, ungemein schmerzhaft ist und sich leicht auf Lippen oder andere Theile des Gesichts ausdehnt.

Behandlung.

Homöopathisch. Arsenicum — ist das wichtigste Mittel, wenn die folgenden Symptome vorhanden sind: Brennen, Anschwellen der Nase, Schmerz bei Berührung, Eiterung der Nasenhöhlen hochoben, mit Absonderung eines widerwärtigen Eiters, eiterartiger Ausschlag um die Lippen, Schmerz stechend und prickelnd während der Tageszeit, Zunge schwärzlich und aufgesprungen. Auch Sulphur wird zuträglich gefunden werden. Die Behandlung sollte aber immer einem geschickten Arzte überlassen werden.

Allöopathisch. Dr. J. W. Fell verordnet Folgendes:

Zink-Chlorid (Chloride of zinc) 6 Unzen.
Pulverisirte Blutwurzel 2
Myrtenwachs (Myrtle wax) 1 Unze.
Wasser von Opiumextrakt 6 Drachmen.
Conicumextrakt 6

Mische es und mache eine Salbe daraus. Diese Salbe wird so lange auf die Geschwulst gebracht, bis die Haut zerstört ist, was einen Schorf bildet, in dem Einschnitte, einen halben Zoll von einander entfernt, gemacht werden sollten. Gleichzeitig sollte Folgendes angewendet werden:

Blei-Iodide (Iodide of lead) 1 Skrupel.
Glycerin 1 Drachme.
Spermazeutsalbe 2 Unzen.

Man mache eine Salbe daraus, und nachdem man die erstere durch 12 Stunden hindurch verwendet hat, fahre man mit der letzteren in derselben Weise 12 Stunden lang fort; gewöhnlich schneidet dieses die Krankheit kurz ab.

Gleichzeitig verordnet er folgendes:

Pulverisirte Blutwurzel (Blood root) 1 Skrupel.
Arsenik-Iodide (Iodide of arsenic) 2 Grane.
Cicuta- (Schierling) Extrakt 2 Skrupel.

Mische und theile es in 40 Pillen. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes wird empfohlen:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 1 Unze.
Schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper) 1
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 1 Drachme.

Mische es und mache davon einen Umschlag.

Oder auch:

Schweinefett 3 Pfund.
Verdigris 2 Unzen.
Bienenwachs 2
[S. 164] Schottischer Schnupftabak 1 Pfund.

Mische das Fett und das Wachs und rühre es mit den übrigen Sachen zusammen.

Folgendes soll in mehreren Fällen den Krebs geheilt haben:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 1 Drachme.
Sanguinaria 2 Drachmen.
Rother Kleeextrakt (Extract of Red Clover) hinlänglich genug, um ein Pflaster davon zu bereiten.

Ein Umschlag von rohen Preiselbeeren (Cranberries) soll selbst diese eingewurzelte Krankheit heilen. Die Beeren werden zerquetscht und zu einem Umschlag verwendet. Die Wirkung eines solchen Umschlages zeigt sich in der Bildung kleiner Blattern, gleich denen der Pocken, wodurch der krebsartige Eiter ausgezogen und die Größe des Krebses selbst bei jedem Umschlag vermindert wird.

Nachstehendes ist als ein unfehlbares Mittel empfohlen worden. Man breche ein Ei auf, gieße das Weiße aus und behalte den Dotter in der Schale, dann lege es in Salz und mische es so lange, bis sich eine Salbe bildet, mit welcher ein Stück Heftpflaster bestrichen wird, und erneure dasselbe zweimal des Tages über den Krebs.

Folgendes Mittel soll bei einigen veralteten Fällen geholfen haben:

Rotheichenrinde (Red oak bark) 2 Unzen.
Weißeichenrinde 2
Scharlachbeerwurzel 2
Persimon- (Dattelpflaumen) Rinde 2
Schwarze Mehlbeerenrinde (Black haw bark) 2
Brombeerwurzel (Blackberry) 4
Schafampfer (Sheep sorrel) 2
Rothe Kleeblüthe (Red clover blossom) 2
Zimmetrinde (Cinnamon) 1

Koche dies mit 4 oder 5 Gallonen Wasser bis auf eine Gallone ein. Seihe es durch und füge auf jedes Quart eine Unze Borax und eine Unze Alaun hinzu. Hiermit wird der Krebs drei- bis viermal des Tages gewaschen.

Fremde Körper in der Nase.

Dieselben können dadurch aus der Nase entfernt werden, daß der Mund und das entgegengesetzte Nasenloch geschlossen werden und darauf durch das Nasenloch, in dem sich etwas Ungehöriges befindet, kräftig geblasen wird; Kitzeln mit einer Feder, so daß dadurch Niesen verursacht wird, reicht zuweilen schon hin. Wenn diese Mittel ohne Erfolg bleiben, so presse man den Daumen oder Finger auf die Nase oberhalb des fremden Körpers, fahre dann mit[S. 165] einer Strick- oder Haarnadel, die am obern Ende hakenförmig gebogen ist, in das Nasenloch und ziehe damit den betreffenden Gegenstand herunter. Zuweilen kann auch der betreffende Gegenstand zurückgedrückt werden, so daß er in den Mund fällt, aber es ist das Beste, nicht zu diesem Mittel zu greifen, das Unannehmlichkeit zur Folge haben kann.


[S. 166]

Achtes Kapitel.
Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbaken.

Gesichtsrose (Erysipelas).

Die Gesichtsrose unterscheidet sich nicht von Erysipelas an irgend einem andern Theil des Körpers. Diese Krankheit erzeugt stets mehr oder weniger Hitze, Anschwellen und Röthe im Gesicht, manchmal folgt auch Delirium und Gehirnentzündung. Die Behandlung der „Gesichtsrose“ unterscheidet sich von der Behandlung der „Rose“ an andern Körpertheilen durchaus nicht.

Behandlung.

Allöopathisch. Man wird gut thun, die Behandlung mit einer kleinen Dosis Bittersalz (Epsom salts) oder Rochellesalz zu beginnen. Ist der Magen in guter Ordnung, so lasse man darauf ein halb Gran Blaupillen (Blue pill) und ein Drittel Gran Ipecacuanha (Ipecac) — alle drei Stunden folgen. Auch wird die folgende Mischung (Neutral mixture), die man zu gleicher Zeit gebraucht, gute Dienste leisten:

Kali-Syrup (Syrup of potassa) 2 Drachmen.
Citronensyrup ½ Unze.
Wasser Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll dieser Mischung mit einem Theelöffel voll Wasser alle zwei oder drei Stunden. Der Citronensyrup kann, wenn gewünscht, weggelassen werden. Um die Hitze und das Brennen im Gesicht zu lindern, reibe man dasselbe mit Schweinefett, Talg oder kaltem Rahm, oder einem aus Ulmenrinde (Slippery elm) oder Flachssamen bereiteten Schleim ein. Manchmal mag man verhüten, daß sich die Anschwellung über den Kopf verbreitet, indem man da, wo die Entzündung aufhört, einen Zoll breiten Streifen mit Jodtinktur (Tincture of iodine) oder salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) mittelst eines Läppchens oder Pinsels zieht.

Eclectische und Kräuterkur. Es wird von guter Wirkung sein, das Gesicht über einen Absud von durchwachsenem Wasserdust (Boneset) oder Rainfarn[S. 167] (Tansy) oder Hopfen zu halten. Ein ausgezeichnetes Mittel gegen dieses Uebel ist ein Umschlag von gekochten Preiselbeeren (Cranberries) mit pulverisirter Ulmenrinde (Elm bark) oder Weizenmehl.

Homöopathisch. Aconitum. — Wenn starkes Fieber, trockene Haut und dumpfer Puls, so folge in einigen Stunden mit Belladonna, namentlich wenn der Kopf mehr oder weniger affizirt ist. Auch kann man, wenn nöthig, Belladonna und Aconitum abwechselnd geben.

Lachesis. — Namentlich wenn der Patient über Trockenheit im Halse und Schmerzen beim Schlucken klagt, oder wenn er hustet, ohne Auswurf zu haben. Diese Mittel können alle zwei oder drei Stunden allein oder abwechselnd gegeben werden.

Für fernere Behandlungsweise siehe Erysipelas — erstes Kapitel — allgemeine Krankheiten.

Gesichtsausschlag (Eruption of the Face).

Gesichtsausschlag kann auf verschiedene Art zu Tage treten. Gewöhnlich ist es ein chronisches Uebel und währt geraume Zeit. Junge Personen oder solche, die unmäßig essen und trinken, sind häufiger mit demselben heimgesucht als andere. Die Arten des Gesichtsausschlags sind: Die einfache Finne (auch Kupferausschlag Acne Simplex), die rosige Finne (Acne Rosacea) und die eiterige auch blatterige Finne (Acne Pustulosa). Bei der erstgenannten Art zeigt sich eine kleine, entzündete Fistel, welche nach und nach größer wird und von blaßrother Farbe ist. Dieselbe geht auf und entleert eine kleine Quantität Flüssigkeit, worauf ein Schorf (scab) entsteht, welcher nach einigen Tagen abfällt und einen runden, harten, rothen Fleck zurückläßt.

Die rosige Finne affizirt das Gesicht und wird gewöhnlich bei Erwachsenen gefunden, namentlich aber bei Schwelgern. Die Finnen sind hart, roth und klein, nach und nach aber werden sie größer, entleeren blutige Materie und bilden einen kleinen Schorf. Diese Krankheit ist sehr schwierig zu heilen und außerordentlich entstellend.

Die eiterige oder blatterige Finne ist ein sehr schmerzhaftes Uebel, namentlich wenn die Kopfhaut davon befallen wird. Alle diese Ausschläge werden um die Poren herum gefunden und durch Verhinderung des Schweißes erzeugt.

[S. 168]

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Der Kranke muß sehr mäßig leben und keinerlei Stimulanten, z. B. Thee, Kaffee und Branntwein genießen und darf nur wenig Fleischspeisen essen. Alle Tage sollte der Körper mit schwachem Laugenwasser gewaschen werden. Ist das Uebel durch Unordnung in den Verdauungs- oder anderen Organen entstanden, so muß man die betreffende Behandlung einschlagen. Als Lokalmittel kann folgendes gebraucht werden:

Salmiak (Muriate of ammonia) 3 Drachmen.
Conium-Tinktur (Schierling-Tinktur) Unze.
Destillirtes Wasser 1

Mische und betupfe die Theile mehrere Male des Tages.

Das folgende hat sich als gutes Waschmittel erprobt:

Ammoniakwasser (Aqua ammonia) 1 Unze.
Lobelia-Tinktur (Tincture of lobelia) 1
Myrrhen-Tinktur 1

Mische und gebrauche die Mischung zwei- oder dreimal des Tages.

Nachdem die Pusteln „voll“ sind, sollten sie geöffnet werden, damit die Flüssigkeit entfernt wird, worauf das eben angegebene oder das folgende Waschmittel in Anwendung kommt:

Schwefelmilch (Milk of sulphur) 2 Drachmen.
Kamphergummi (Gum camphor) 1 Drachme.
Alcohol 2 Unzen.
Wasser 2

Löse den Kampher im Alcohol auf, mische und wasche die betreffenden Theile mit ein wenig dieser Mischung jeden Tag vor dem Schlafengehen.

Ist die Krankheit erst eine neuerdings eingetretene und noch nicht chronisch geworden, so werden gleiche Theile von Cölnischem Wasser (Cologne) und eine gesättigte Auflösung von Kleesäure (Oxalic acid) gute Dienste leisten.

Homöopathisch. Causticum, Rhus, Sepia und Carbo Animalis gegen die rosige Finne.

Belladonna, Hepar Sulphur, Natrum, Nitric Acid, Sulphur und Sepia gegen die einfache Finne.

Wasserstoffsaures Kali (Hydriodate of potassa) wird gegen diese Gesichtsausschläge empfohlen. Zwei Grane dreimal des Tages zu nehmen.

Mercurius Cor. — Wenn der Organismus syphilitisches Gift enthält.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe von dem erwählten Heilmittel eine Dosis dreimal des Tages drei oder vier Wochen lang, ehe man zu einem anderen greift.

Allöopathisch. Als gutes Waschmittel hat sich eine Auflösung von kohlensaurer oder doppeltkohlsaurer Soda (Carbonate or Bicarbonate of Soda) ein Skrupel auf ein Pint Wasser — bewährt. Auch wird die folgende Salbe empfohlen:

[S. 169]

Ammoniated Mercury 1 Skrupel.
Glycerin 1 Drachme.
Bitteres Mandelöl (Oil of bitter almonds) 3 Tropfen.
Schweinefett 1 Unze.

Mische und gebrauche dies jeden Tag. Gegen die schwarzen Flecken, die man Fleischwurm nennt, und die sich um die Nase, oder an der Stirne, oder am Kinn zeigen, wird sich das folgende als sehr wirksam beweisen:

Kaliauflösung (Liquor of potassa) 1 Unze.
Cölnisches Wasser (Cologne) 2 Unzen.
Weißer Branntwein (White brandy) 4

Mische dieses und gebrauche es. Gegen manche dieser Ausschläge wird das folgende Mittel sehr empfohlen:

Schwefelwasser (Sulphur water) 1 Unze.
Säuerliche Ammoniak-Auflösung (Acetated Liquor of ammonia) ½
Kaliauflösung (Solution of potassa) ½
Weißer Weinessig 2 Unzen.
Destillirtes Wasser 2

Bei sehr hartnäckigen Fällen gebrauche das folgende:

Aetzendes Sublimat (Corrosive sublimate) 2 zu 5 Grane.
Wasser 1 Unze.

Wende dies mittelst Baumwolle an einer Stricknadel befestigt an, indem man die Mischung nur einige Augenblicke auf den betreffenden Theilen läßt.

Das folgende wird sehr empfohlen:

Jod-Schwefel-Salbe (Iodide of Sulphur) 15 zu 20 Grane.
Schweinefett 1 Unze.

Nervöser Gesichtsschmerz oder Neuralgia im Gesicht (Tic Douloureux).

Neuralgie ist eine der schmerzhaftesten Krankheiten. Es ist ein Nervenschmerz, der sich gewöhnlich einem oder dem andern Nerv seiner ganzen Länge nach nachzieht, obgleich auch in anderen Fällen der Schmerz blos auf einem Fleck gefühlt wird und das Uebel durch Störungen im Gehirn, Magen oder den Gedärmen erzeugt werden mag. In den meisten Fällen ist der Schmerz blos ein Symptom und es zeigen sich weder Anschwellungen noch Entzündung. Neuralgie mag verschiedene Körpertheile affiziren, beschränkt sich jedoch gewöhnlich nur auf den Kopf. Gesichtsneuralgie wird meistens durch Störungen im fünften Nervenpaar, das im Gesicht sich verzweigt, hervorgerufen. Hauptsächlich wird der Nervenzweig[S. 170] über den Augenbrauen affizirt, manchmal aber auch alle Zweige, so daß der Schmerz äußerst heftig wird. Der Anfall tritt gewöhnlich plötzlich ein, setzt öfters wieder aus, um wiederum zurückzukehren. Die Schmerzen sind den Nerven entlang sehr heftig, stechend, reißend, als ob glühende Drähte in die betreffenden Theile gestochen würden. Nachdem der Schmerz aufgehört, folgt häufig eine Art Erstarrung. Manchmal treten die Schmerzen jedoch nach und nach ein und werden allmählig heftiger. Während des Anfalls werden die Gesichtszüge durch die krampfhafte Bewegung der Muskeln nicht selten verzerrt.

Ursachen. Luftzug, ein plötzlicher Schlag, Fall &c., feuchte Luft, Schwäche, Störungen in den Verdauungsorganen &c.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Schneidende, schießende, brennende Schmerzen, die in plötzlichen Anfällen eintreten und auf welche leichterer Schmerz folgt. Der Zustand des Kranken verschlimmert sich bei Nacht; die Kinnbacken oder Wangen schwellen; der Patient hat viel Durst, ist erregt, unruhig; die Schmerzen beschränken sich auf eine Seite des Gesichts, heftiges Pulsiren der Hals- und Kopfadern, die Augen funkeln, summender Schmerz in den Ohren, Schläfen und Seiten des Halses; Fieber.

Belladonna. — Wenn die Anfälle allmählig eintreten mit Jucken und Krappeln in den affizirten Theilen; rothe, geschwollene Wangen, stechende, schießende Schmerzen im Kinnbacken und der Nase, Verzerren der Augenlider und der Gesichtsmuskeln, dumpfer Schmerz im Vorderkopf, Ohrenklingen, Hitze und Röthe im Gesicht, große Empfindlichkeit gegen Kälte und Licht, heftige Schmerzen, namentlich auf einer Seite, gewöhnlich der rechten, die Schmerzen vermehren sich bei dem geringsten Geräusch oder bei Bewegung und ebenso durch die Bettwärme. Wenn Belladonna nicht lindert, die Symptome jedoch dieses Mittel andeuten, so gebe man Atropine.

Bryonia. — Namentlich für mit Rheumatismus behaftete Personen. Rothes, heißes Gesicht, Schwellung an einer Seite unter den Augen und an der Nasenwurzel, brennende Schmerzen, die sich beim Druck vermehren, Schmerzen in den Gliedern, Frösteln, worauf Fieber folgt.

Chamomilla. — Namentlich für sehr empfindsame Frauenzimmer; Schmerz reißend und klopfend mit einem gewissen Erstarrungsgefühl in dem affizirten Theil, aufgedunsenes, geschwollenes Gesicht, eine Wange roth, die andere blaß, Frostschütteln mit innerlicher Hitze.

Colocynth. — Heftige, schießende Schmerzen, die sich bis zu den Ohren, den Schläfen, den Zähnen und allen Theilen des Kopfes erstrecken, namentlich auf der linken Seite; der Schmerz vermehrt sich bei der leisesten Berührung.

[S. 171]

Arsenicum. — Wenn die Schmerzen nach bestimmten Zeiträumen wiederkehren, brennend, bei Nacht stärker sind und durch Hitze gelindert werden; große Aengstlichkeit, viel Schweiß, heftiger Schmerz in und um die Augen und um die Schläfe herum.

China. — Namentlich wenn die Anfälle periodisch sind, große Schmerzen, Empfindlichkeit der Haut, die bei der leisesten Berührung vermehrt wird; heftige Schmerzen in den Kinnbacken.

Nux vomica. — Zuckende, reißende Schmerzen, geschwollene Wangen, der Schmerz stellt sich Morgens nach dem Aufstehen ein und nimmt allmählig bis gegen Abend ab; Uebelkeit, Erbrechen, Hartleibigkeit, der Schmerz durch kühle Luft und kühle Getränke vermehrt und vermindert durch Ruhe und Wärme.

Platinum. — Betäubender Druck auf die Kinnbacken, mit Frösteln. Wenn die Schmerzen bei Nacht heftiger sind und der Kranke sehr nervös und melancholisch ist.

Spigelia. — Zucken, Reißen, Brennen und Druck im Kinnbacken, vermehrt durch Berührung oder Bewegung, Schmerzen treten zu einer bestimmten Tageszeit ein, sind am heftigsten, wenn sie bald aufhören.

Coffea. — Große Erregtheit des Geistes und Körpers, ebenso große Empfindlichkeit und außerordentliche Schmerzen in den afficirten Theilen.

Pulsatilla. — Für Frauenzimmer namentlich, wenn sich die Krankheit mit Urinstörungen zeigt; schmerzvolle Empfindlichkeit auf einer Seite des Gesichts mit Frösteln.

Mercurius. — Reißende, schießende Schmerzen an einer Seite von der Schläfe bis zu den Zähnen, heftiger bei Nacht und in der Bettwärme, Nachtschweiße, zu viel Mundspeichel, Schlaflosigkeit.

Phosphorus. — Reißende Schmerzen in der linken Seite und Verschlimmerung durch die beim Essen bewerkstelligte Muskelbewegung.

Als äußeres Mittel wird kaltes oder warmes Wasser, je nachdem es dem Patienten zusagt, sehr wirksam sein. Auch mag man das Leiden öfters bedeutend lindern, indem man die betreffenden Theile mit einer Mischung von 6 Tropfen Aconitumtinktur und 6 Theelöffel voll Wasser wäscht.

Verordnung der Heilmittel. Löse von dem gewählten Mittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe von dieser Auflösung einen Theelöffel voll alle 15 Minuten, halbe Stunde oder zwei Stunden, je nach den Symptomen. Sobald der Patient besser wird, so gebe die Arznei alle 4, 6, 8 oder 10 Stunden.

Diät. Wer an Neuralgie leidet, sollte weder Kaffee noch grünen Thee trinken, und muß überhaupt auf die Speisen Acht haben, die er nicht ertragen und nicht verdauen kann.

Allöopathisch. Ein wirksames Lokalmittel ist Laudanum oder Paregoric, welche man auf ein Stück Zeug anbringt und geölte Seide (Oil silk) darüber breitet, um die Verdünstung zu verhüten, und das ganze alsdann auf die be[S. 172]treffenden Theile legt. Bei heftigen Anfällen mag das Laugensalz der Nießwurz (Veratrea) — zwanzig Grane zu einer Unze Schweinefett — gebraucht werden.

Auch wird das Folgende empfohlen:

Destillirtes Wasser 2 Unzen.
Baldriansäure (Valerianic acid) 1 Unze.
Kohlensaures Natron (Subcarbonate of ammonia) genug, um die Säure zu neutralisiren.
Alkoholischer Baldrianextrakt (Alcoholic extract of valerian) 2 Skrupel.

Man gebe dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Oder das Folgende:

Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 2 Grane.
Blausaures Kalium (Cyanide of potassium) 4
Baldrianextrakt (Extract of valerian) 4

Man bereite hiervon 24 Pillen. Dosis — eine Pille dreimal des Tages.

Oder:

Bilsenkrautextrakt (Extract of hyosciamus) ½ Drachme.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 3 Grane.
Strychnin 2
Pulverisirter Cayennepfeffer ½ Drachme.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 15 Grane.

Verfertige 30 Pillen. Dosis — eine Pille viermal des Tages.

Manchmal greift man auch zur Aether- oder Chloroform-Einathmung gegen außerordentlich heftige Schmerzen. Ist die Neuralgie durch Störung in den Verdauungswerkzeugen (namentlich in dem Darmkanal) entstanden, was an der belegten Zunge, Appetitlosigkeit und Hartleibigkeit erkannt werden kann, so gebe das Folgende:

Koloquintenextrakt (Extract of Colocynth) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Mutterharzpille (Compound galbanum pill) 1
Crotonöl 1 Tropfen.

Verfertige hieraus Pillen, jede von 5 Granen, und nehme eine derselben vor dem Schlafengehen.

Die folgende Salbe wird sehr gut empfohlen:

Hirschhorngeist (Spirits of hartshorn) Unzen.
Schwefeläther (Sulphuric ether)
Terpentingeist (Spirits of turpentine) ½ Unze.
Salatöl ¾
Nelkenöl (Oil of cloves) ½
Chloroform 1

Mische dies gut in einem acht Unzen haltenden Arzneikolben, welcher gut zu verschließen, an einen dunklen Ort zu stellen und zur Vorsicht noch in ein dickes[S. 173] Papier oder Stück Zeug zu wickeln ist, da das Licht die Wirkung der Medizin zerstört. Dieses Recept wird sehr gut gegen Kopfweh, Verrenkungen u. s. w. empfohlen.

Das folgende Liniment wird sich in manchen Fällen wirksam erweisen:

Aconitumextrakt (Extract of Aconite) 1 Skrupel.
Seifenliniment 1 Unze.
Zusammengesetztes Kampherliniment (Compound liniment of camphor) 1 Unze.

Mische dieses.

Eclectische und Kräuterkur. Das Folgende ist empfehlungswerth:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (Elixir of vitriol) 1 Drachme.
Löse das Chinin in dem Elixir auf und füge bei:
Schlangenwurzeltinktur (Tincture of black cohosh) 14 Drachmen.

Mische und gebe alle 2 Stunden 20 Tropfen in einem Eßlöffel voll Wasser.

Heiße Hopfenbähung auf die betreffenden Theile gelegt verursacht gewöhnlich Linderung. Auch wird dem Patienten durch Hot drops (heiße Tropfen?), die in jeder Apotheke zu haben sind, manchmal Erleichterung verschafft. Pulverisirter Baldrian (Valerian) ist ebenfalls ein ausgezeichnetes Arzneimittel — einen Theelöffel voll alle zwei Stunden. Manchmal mögen die Schmerzen gelindert werden, indem man ein Compound tar plaster hinter die Ohren legt und zugleich das Folgende einnimmt:

Feinpulverisirtes Ammoniaksalz (Sal ammoniac) 2 Drachmen.
Blausaures Eisen (Prussiate of iron) 8 Grane.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 4
Kampher 2

Mische dieses sehr gut und theile die Mischung in 4 Pulver. Dosis — ein Pulver alle zwei oder drei Stunden, je nach der Heftigkeit der Anfälle.

Das folgende wird von guter Wirkung sein:

Chloroform 1 Unze.
Aconitumtinktur 1
Kamphertinktur 1
Laudanum 1

Mische und reibe etwas von der Mischung über die afficirten Theile zwei- oder dreimal des Tages.

Gesichtsflecken (Freckles).

Gesichtsflecken sind eine durch Aussetzung an die Sonne hervorgerufene Entfärbung der Haut und haben ihren Sitz in der äußeren und mittleren Hautlage. Ehe man irgend ein Mittel anwendet, wird man wohl thun, die betreffende Oberfläche mittelst eines[S. 174] linden Balsams oder Schleims zu erweichen, wofür folgendes empfohlen wird:

Honig 2 Unzen.
Gereinigtes Wachs (Purified wax) 1 Unze.
Bleiglätte (Litharge) ½
Myrrhen ½

Mische dieses gut, während es über einem langsam brennenden Feuer steht, und parfümerire die Mischung mit kölnischem Wasser, Rosenöl oder irgend einer anderen Parfümerie.

Nachdem die Hautoberfläche erweicht ist, kann folgendes gebraucht werden:

Bittere Mandeln (Bitter almonds) 1 Unze.
Gerstenmehl 1

Mische mit so viel Honig, daß ein Brei entsteht, mit welchem man das Gesicht vor dem Bettgehen einreibt.

Auch kann das folgende in Anwendung kommen:

Citronensaft 2 Unzen.
Pulverisirter Borax ½ Drachme.
Zucker 1

Mische und lasse die Mischung in einem gläsernen Gefäß einige Tage stehen, bis sie zum Gebrauch tauglich ist, und reibe das Gesicht zwei- oder dreimal des Tages damit ein.

Manchmal wird eine Mischung von kölnischem Wasser und Kleesäure (Oxalic acid) gebraucht.

Das folgende wurde von der bekannten Madame de Maintenon angewendet:

Venetianische Seife 1 Unze.
Citronensaft ½
Bitteres Mandelöl (Oil of bitter almonds) ¼
Flüssiges Weinsteinöl (De-liquidated oil of tartar) ¼
Rhodiumöl 3 Tropfen.

Gesichts- und Kinnbackenlähmung (Paralysis of the Face and Jaw).

Diese Krankheit tritt gewöhnlich mit der Lähmung anderer Körpertheile auf, ob dieselbe nun eine theilweise oder gänzliche ist, und muß deshalb, wie Lähmung im Allgemeinen, behandelt werden. Siehe für Behandlung Abtheilung IV. — verschiedene Krankheiten.

Starrkrampf, Kinnbackenkrampf, Mundklemme (Lock Jaw).

Dies ist eine gefährliche Krankheit und besteht in der Zusammenziehung aller Körpermuskeln. Wird der Körper bei den Anfällen[S. 175] vorwärts gebeugt, so nennt man es Emprosthotonos (Starrkrampf der Beugungsmuskeln nach vornen); wird der Körper rückwärts gebeugt, so heißt es Opisthotonos (Rückenkrampf, Starrkrampf mit Beugung nach hinten). Ist der Krampf aber blos auf die Kinnbacken beschränkt, so wird die Krankheit Kinnbackenkrampf, auch Mundklemme oder Mundsperre — engl. Lock Jaw, lat. Trismus — genannt.

Symptome. — Der Starrkrampf tritt oftmals plötzlich und manchmal allmählig ein. Die ersten Symptome sind ein leichtes Gefühl der Steifheit im Nacken und Hals, welche Steifheit immer bedeutender wird, so daß der Patient nur mit größter Schwierigkeit und unter Schmerzen seinen Kopf bewegen kann. Auch ist er nicht vermögend, den Mund leicht zu öffnen; die Kinnbacken kneifen allmählig zusammen und stehen fest, Engigkeit in der Brust, große Schmerzen im Brustbein, unbequeme Erregtheit an der Zungenwurzel, Krämpfe in der Magengrube und den Muskeln des Mastdarms. Die Leiden sind manchmal schrecklich anzusehen; blasse Gesichtsfarbe, Augbrauen zusammengezogen, Runzeln an der Stirne, starre Augen, Nasenhöhlen weit ausgedehnt, Mundecken eingezogen und Zähne blosgestellt, die Züge zu schrecklicher Grimmasse verzerrt, Athmen schwer und schwierig, Puls schwach und schnell, der Verstand ist jedoch ungetrübt. Der tödtliche Ausgang dieser Krankheit wird theilweise durch Erstickung, theilweise durch Erschöpfung verursacht.

Ursachen. — Geisteskrankheiten, Kälte und Feuchtigkeit, lokale Beschädigungen, z. B. Schnitte und andere Wunden, namentlich an den Fußsohlen und an der inneren Hand. Wenn fremde Körper in der Wunde verbleiben; Wunden, die durch Splitter, Glas- oder Nagelstücke entstanden, erzeugen sehr häufig Starrkrampf, da die fremden Körper die Nervenäste sehr stark drücken.

Behandlung.

Allöopathisch. Für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll Brandy alle zwei oder drei Stunden mit Milch und Fleischthee (beef-tea), wobei man einen Gran Opium alle drei oder vier Stunden gibt. Chloroform oder Aether, entweder eingenommen oder eingeathmet, sind werthvolle Mittel. Gegen Hartleibigkeit verordne man einen oder zwei Tropfen Crotonöl in einem Theelöffel voll Schleim (Gruel). Man bringe den Kranken in ein heißes Bad und tauche ihn unter und gebe eine Einspritzung (Injection) von einer Unze Castoröl oder derselben Quantität Terpentin. Gleich nach dem Bade sollte etwa eine[S. 176] Drachme Laudanum gegeben werden. Indianischer Hanfextrakt (Indian hemp) erweist sich in manchen Fällen sehr wirksam. Dosis: Drei Grane alle zwei oder drei Stunden.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. King empfiehlt einen halben Theelöffel voll zusammengesetzte Lobelia-Tinktur (Compound tincture of lobelia) und spanischen Pfeffer (Capsicum), welches Mittel man langsam in die Mundecken träufeln läßt. Die Dosis alle fünf Minuten zu wiederholen, bis der Patient wieder schlucken kann. Zur selben Zeit nehme man eine Einspritzung von einer Unze Wasser und einer Unze der obigen Tinktur vor, und wiederhole dies alle 10 oder 20 Minuten.

Kann der Kranke wieder schlucken, so sollte eine große Dosis zusammengesetztes Jalappenpulver (Compound powder of Jalap) gegeben werden.

Ist der Starrkrampf durch eine Wunde an den Fußsohlen oder am Innern der Hand erzeugt worden, und wurde diese Wunde geheilt, so muß sie wieder mittelst eines scharfen Messers geöffnet werden. Man sollte nie zugeben, daß Wunden an diesen Körpertheilen von Außen nach Innen heilen, sondern immer besorgt sein, daß die Heilung Innen beginnt und nach Außen hin fortschreitet, was dadurch bewirkt werden kann, daß man die Stelle mit Silbersalpeter (Nitrate of silver) so lange „brennt,“ bis eine laufende Wunde entsteht.

Man mag eine starke Lobelia- oder Cayennepfeffer-Tinktur, zwei Theile Lobelia und ein Theil Cayennepfeffer in Theelöffel voll Dosen geben. Dieselben Mittel mögen zu Einspritzungen (Injections) gebraucht werden. Sobald der Krampf beseitigt ist, sollte man dem Patienten erlauben, viel von dem Abguß der Nervine Wurzel zu trinken.

Homöopathisch. Wurde der Starrkrampf durch eine Wunde verursacht, so sollte dieselbe vergrößert und ein Brod- und Milch- oder Flachssamenumschlag darauf gelegt werden.

Arnica. — Anfänglich äußerlich als Waschmittel und innerlich eine aus vier Kügelchen bestehende Dosis oder ein Tropfen alle 2 Stunden.

Belladonna oder Lachesis. — Nehmen die Krämpfe zu, so gebe diese Heilmittel abwechselnd in den bei Arnica vorgeschriebenen Dosen.

Hyosciamus und Opium. — Wenn nach zwölf Stunden keine Besserung eingetreten ist.

Nux vomica. — Namentlich wenn die Krämpfe häufig sich wiederholen aber nur von kurzer Dauer sind und der Patient beim völligen Bewußtsein ist, krampfartige Schmerzen in der Magengegend.

Stramonium. — Wenn die Daumen und Finger krampfhaft zusammengezogen sind, wilder, starrer Blick, schmerzhaftes, schwieriges Athmen und Schlucken. Gebe dieses Heilmittel abwechselnd mit Hyosciamus und Cicuta.

Secale. — Wenn der Zustand des Kranken sich in der Wärme verschlimmert.

Rhus und Ignatia. — Abwechselnd, wenn der Körper bogenartig rückwärts gekrümmt ist. Gebe dies so wie die anderen Heilmittel.

[S. 177]

Wasserkur. Das Wasser leistet bei dieser Krankheit sehr gute Dienste. Der Patient sollte in einen Badzuber voll kaltes Wasser gebracht und lange tüchtig gerieben und sodann ins Bett gebracht und mit trockenen wollenen Zeugstücken wiederum gut gerieben werden. Tritt in einer oder zwei Stunden keine Veränderung ein, so sollte diese Behandlung wiederholt werden.

Dr. Colby von Massachusetts empfiehlt folgende Behandlung: Das Wasser sollte beinahe zum Gefrieren kalt sein und mittelst eines Kruges über den Patienten gegossen werden; etwa ein Eimer (bucket) voll alle fünf Minuten, womit man eine halbe Stunde anhält. Sodann trockne man den Kranken mit trockenen Handtüchern gut ab und wickele ihn in Flanell, bringe ihn ins Bett, wo er zwei oder drei Stunden zubringen sollte, bis ein tüchtiger Schweiß erzeugt ist, woraus der ganze Körper mit kaltem Wasser mittelst eines Schwammes gewaschen wird.

Bemerkung. — Die Behandlung dieser Krankheit sollte immer nur von einem fähigen Arzte unternommen werden, falls ein solcher zu haben ist.


[S. 178]

Neuntes Kapitel.
Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.

Zahnweh (Odontalgia).

Dieses so schmerzhafte Leiden ist nur zu gut bekannt und bedarf keiner weiteren Beschreibung. Einige besitzen dazu erbliche Anlagen, andere ziehen es sich dadurch zu, daß sie sich den Witterungseinflüssen zu sehr aussetzen, oder es kann rheumatischen Ursprungs sein, auch die Zerstörung der Zähne und der unmäßige Genuß von Kaffee und Calomel können es verursachen. Gewöhnlich aber rührt es von schadhaften Zähnen her. Der Nerv des Zahnes wird durch die Beschädigung der Zahnmasse blosgestellt und kommt so mit der Luft und fremden Körpern in Berührung, wodurch jener so äußerst empfindliche Schmerz hervorgerufen wird. Ebenso kann es auch durch die Entzündung der Schleimhaut, welche die Zähne einfaßt (Periosteum), durch Druck beim Kauen, durch Knirschen der Zähne oder auch durch solche Zähne, die höher als die übrigen stehen und deshalb stärker auf die entgegengesetzten pressen, verursacht werden.

Behandlung.

Allöopathisch. Zahnschmerz kann dadurch gestillt werden, daß in die Höhle des Zahnes ein Stück Watte mit einem Tropfen Nelken- oder Cajeputöl, oder auch Kreosot befeuchtet, gesteckt wird. Man sollte womöglich verhindern, daß der Kreosot in den Mund läuft.

Folgendes wird sehr empfohlen:

Kohlensäure (Carbolic acid) 2 Drachmen.
Collodion 1 Drachme.

Eine gallertartige Masse wird ausgezogen und ein kleines Theilchen, das in die Höhle des kranken Zahnes gebracht wird, wird sofortige Linderung verschaffen.

Rührt der Zahnschmerz von schadhaften Zähnen her, so wird er vielleicht dadurch, daß man Branntwein, Whiskey, Rum oder verdünnte Cayenne-Tinktur (Tincture of cayenne) in den Mund nimmt, oder auch durch äußere Anwendung von Laudanum, Senfpflaster, Blasenpflaster hinter den Ohren, sowie auch[S. 179] durch Hopfen in Alcohol eingetaucht, entfernt. Alaun und Salz zu gleichen Theilen fest in die Höhlung des Zahnes gedrückt, verschafft zuweilen Linderung, so auch ein kleines Stück Watte mit Morphium getränkt, aber es sollte Sorge getragen werden, daß nichts von dem Morphium verschluckt wird.

Die im achten Kapitel unter „Neuralgie“ empfohlene Salbe gegen Kopfschmerz, Verstopfung u. s. w. wird bei äußerlichem Gebrauche auch hier für gut befunden werden.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes ist zu empfehlen:

Alaun, fein gepulvert 4 Drachmen.
Salpeter-Aether (Nitric ether) 14

Oder auch:

Nelkenöl (Oil of cloves) 1 Drachme.
Cajupetöl (Oil of cajupet) 1
Amberöl (Oil of amber) 1
Pulverisirter Kampher (Pulv. Camphor) 1

Mische und gebrauche es.

Oder:

Kampher (Camphor) 4 Drachmen.
Chloroform 2
Ammoniakwasser (Water of ammonia) 1 Drachme.

Mische und gebrauche es wie das vorhergehende. Eine Pille aus Kampher-Gummi (Gum Camphor and Opium) in den wehen Zahn gebracht, wird selten verfehlen, den Schmerz zu lindern.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei Fieberhaftigkeit, großer Angst und Unruhe, heftig klopfenden und schlagenden Schmerzen, wenn Erkältung die Ursache, begleitet von Gesichtshitze, Röthe der Wangen, Anschwellen des Gesichts. Verschafft dieses Mittel nur für eine kurze Zeit Linderung, so lasse man Belladonna oder China folgen.

Arnica. — Wenn der Schmerz durch Verletzungen, wie Ausziehen oder Verstopfen verursacht. Man löse es auf und zwar ein Theil Tinktur auf fünf bis sechs Theile Wasser, und bringe es auf den verletzten Theil.

Belladonna. — Bei einem Gefühl von Eiterung in den Zähnen, rasende, schießende, schneidende Schmerzen in den Zähnen, im Gesicht und den Ohren, schlimmer des Abends beim Niederlegen, Zahnfleisch heiß und geschwollen, Schmerz im Freien oder beim Berühren der Zähne mit kalten oder warmen Speisen erhöht; Hitze und Röthe des Gesichts, des Nachts Verschlimmerung.

Bryonia. — Ziehender, stechender Zahnschmerz, bei einem Gefühle, als ob die Zähne locker und zu lang wären, oder bei Zahnschmerz durch nasses Wetter hervorgerufen, auch wenn der Schmerz durch das Nehmen von Wasser in den Mund erhöht wird. Es wird gut sein, es nach Chamomilla und Mercurius[S. 180] oder abwechselnd mit Rhus zu geben, wenn nasses Wetter oder rheumatische Anfälle Anlaß zu Zahnschmerzen sind.

Chamomilla. — Heftig stechende, ziehende, schießende Schmerzen, schlimmer des Nachts wenn der Leidende im Bett ist, Anschwellen und Röthe der Wangen, oder eine Wange roth und die andere blaß, Anschwellen des Zahnfleisches, Vergrößerung der Drüsen unter dem unteren Gaumen, Schmerzen nach heißen Getränken, besonders nach Kaffee heftiger.

Coffea. — Heftige Schmerzen während welchen der Kranke ganz außer sich ist, Zittern, Weinen, Unruhe und Aufgeregtsein. Dies kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Mercurius. — Schmerzen in der Zahnhöhle, an der Wurzel der Zähne, schießende Schmerzen durch die Seiten des Gesichts nach den Ohren zu, durch warme oder kalte Getränke erhöht, Anschwellen und Entzündung des Zahnfleisches.

Calcarea. — Bei Zahnweh von schwangeren Frauenzimmern, Schmerzen in hohlen Zähnen oder lockeren Stumpfen; klopfende, ziehende und brechende Schmerzen, Zahnfleisch geschwollen, weh und leicht blutend, Schmerzen durch Erkältung verursacht und durch Geräusch erhöht.

Carbo Vegetabilis. — Ziehende, rasende oder klopfende Schmerzen in den Zähnen, Zahnfleisch leicht blutend, Gefühl von Lockersein und Eiterung der Zähne, bei feuchter Witterung und wenn heiße, kalte oder salzige Gegenstände in den Mund kommen, schlimmer.

Pulsatilla — entspricht mehr bei jungen Mädchen oder Leuten sanfter Gemüthsart, schießende Schmerzen, die sich von der leidenden Seite bis zum Ohr ziehen; stechender Schmerz, als ob der Nerv zusammen gezogen und dann wieder plötzlich ausgedehnt würde, besonders auf der linken Seite Schmerz, durch Wärme oder Ruhe erhöht, besser während des Gehens, besonders im Freien, Zahnweh begleitet von Ohren- und Kopfschmerz.

Nux vomica — für Leute, die ein ruhiges Leben führen, oder welchen Kaffee und starke Spirituosen zusagen; Zahnfleisch schmerzhaft und geschwollen, Schlagen wie bei einem Geschwür, klopfende, brennende oder kneipende Schmerzen in den Zähnen, durch Essen und Aussetzen der freien Luft erhöht. Auch abwechselnd mit Mercurius.

Hyosciamus. — Heftige, rasende Schmerzen, die sich von den Wangen nach der Stirn erstrecken, nach Erkältungen im Freien zugezogen, Gesicht roth und heiß, große nervöse Aufregung, Augen roth, strahlend und wild blickend.

Ignatia. — Für eine Person von empfindlicher Natur, Gefühl als ob die Zähne gebrochen würden, auch wenn der Schmerz von Erkältung oder geistigen Leiden herrührt, wenn schlimmer nach Kaffee trinken, Tabak rauchen, nach dem Niederlegen oder am Morgen beim Erwachen.

Hepar Sulphuris. — Passend bei Leuten, die zu viel Mercurius genommen haben, wenn sich nach dem Zahnschmerz Zahnfleischgewächse bilden.

[S. 181]

Rhus. — Besonders bei rheumatischem Zahnschmerz während feuchter Witterung, begleitet von Schmerzen in den Gliedern und im Kopf, Frösteln und Unruhe, rasende, schießende, stechende Schmerzen, schlimmer im Freien, oder des Nachts, wenn der Leidende sehr unruhig ist und die Schmerzen durch äußerlich angewendete Hitze gelindert werden. Kann auch abwechselnd mit Bryonia gegeben werden.

Creosotum. — Gegen Schmerz in schadhaften Zähnen mit Anschwellen des Zahnfleisches und Blutandrang nach demselben verbunden.

Sulphur. — Rasende, schlagende Schmerzen, begleitet von Anschwellen der Wangen, schießende Schmerzen in den Ohren, Zahnschmerz am Abend oder des Nachts durch die Bettwärme sowie auch im Freien oder durch Zugluft verschlimmert.

Staphysagria. — Bei hohlen Zähnen und Stumpfen, der Schmerz dehnt sich bis auf die Ohren und den Kopf aus, die Wangen schwellen an, sind nicht heiß und der Schmerz wird durch das Einathmen der kalten Luft oder durch kalte Getränke gesteigert, schlimmer während oder nach Tische, auch bei Berühren oder nur nach Mitternacht.

Verordnung der Heilmittel. Löse von dem gewählten Mittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Alle 15 Minuten, halbe oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

In einigen Fällen, wo der Schmerz von hohlen Zähnen herrührt, wird es von gutem Erfolge sein, einen kleinen Theil Arsenicum in die Höhlung zu bringen, und dies kann doch auch geschehen, daß man ein kleines Stückchen Watte zu diesem Behufe mit einem Häkchen versehen, anfeuchtet, und darauf ein ganz klein wenig weißes Arsenikoxyd (White Oxide of Arsenic) bringt, was den Schmerz fast augenblicklich stillt.

Verfall der Zähne (Caries)

beschränkt sich weder auf Alter, noch Geschlecht und Stand, sondern wird unter allen Klassen gefunden.

Ursachen. — Heiße Getränke oder Speisen, welche mit den Zähnen in Berührung kommen und den Zahnschmelz verletzen, üppiges Leben, wodurch der allgemeine Gesundheitszustand heruntergebracht und wodurch eine ungesunde Speichelabsonderung verursacht wird, ebenso das Hängenbleiben von Speiseresten, die unter allen Umständen durch sorgfältiges Reinigen der Zähne nach jeder Mahlzeit entfernt werden sollten; Quecksilber in größerer Menge genommen, wird Verfall nach sich ziehen, auch Tabak ist für die Zähne schädlich. Das Ansammeln von Weinstein (der sich aus dem[S. 182] Speichel, welcher sich anfänglich weich an die Zähne ansetzt, sich bald aber verhärtet und braun oder schwarz wird) ist nicht selten die Ursache.

Behandlung.

Folgendes sind Mittel, die zum Reinigen der Zähne angewendet werden mögen:

Präparirte Kreide (Prepared chalk) 2 Unzen.
Pulverisirtes Myrrhenharz (Pulv. Gum Myrrh) 6 Skrupel.
Kampher (Camphor) 10 Grane.

Wasser in hinreichender Menge.

Ein anderes ist:

Präparirte Kreide (Prepared chalk) 2 Unzen.
Pulverisirte Veilchenwurzel (Pulv. orris root) 2
Pulverisirter Bimsstein (Pulv. pumice stone) 1 Unze.

Von irgend einem besseren Oele einige Tropfen.

Folgendes wurde von Dr. C. H. Cleveland als ein ausgezeichnetes Waschmittel für die Zähne empfohlen:

Myrrhen-Tinktur (Tincture of myrrh) 1 Unze.
Chinarinden-Tinktur (Tincture of peruvian bark) 1
Enzianwurzel-Tinktur (Tincture of Gentian root) 1
Ammoniakwasser (Aqua ammonia) 1 Drachme.
Reines Wasser ½ Pint.

Mische es und bürste damit die Zähne nach jeder Mahlzeit.

Ein gutes Zahnpulver besteht aus gleichen Theilen von pulverisirter Chinchona, Gelbwurz (Golden seal), Veilchenwurz (Orris root) und Holzkohle mit ein wenig Honig angemacht.

Gewöhnliche spanische Seife ist ein ausgezeichnetes Mittel, ebenso gewöhnliches Tischsalz jeden Morgen und Abend angewendet. Letztes besonders macht den Geschmack mild und angenehm.

Widerwärtiger Geruch des Athems

entsteht aus verschiedenen Ursachen, zu denen zu zählen sind: Schadhafte Zähne, verdorbene Absonderung der Munddrüsen, Vernachlässigung des Reinigens der Zähne, Weinstein oder Hängenbleiben der Speisereste. Die hartnäckigsten Fälle rühren von einer unvollkommenen Verdauung durch Störung der Leber oder anderer Organe her.

[S. 183]

Behandlung.

Wenn schadhafte Zähne die Ursachen sind, so sollten sie entfernt, oder wenn dieselben noch nicht zu sehr angegriffen sind, ausgefüllt werden. Der Mund ist öfters mit spanischer Seife und Wasser zu reinigen, und wenn es von den Schleimabsonderungen des Mundes herrührt, sollte derselbe mehrere Male des Tages mit 8 bis 10 Tropfen Soda-Chlorid (Chlorid of soda) in einem Glas voll Wasser gewaschen werden. Ist die Haut trocken und aufgesprungen, muß sie ein- bis zweimal des Tages mit weichem Wasser, dem ein klein wenig Whiskey hinzugefügt ist, gewaschen werden.

Mit folgendem geben wir einige Mittel, um dem Athem einen besseren Geruch zu geben:

Pulverisirte Myrrhen (Powdered myrrh) 2 Unzen.
Chinarinde (Peruvian bark) 8
Zimmetöl (Oil of cinnamon) 32 Tropfen.
Nelkenöl (Oil of cloves) 32
Präparirte Kreide 4 Unzen.
Veilchenwurz (Orris root) 8
Rosennelke (Rose-pink) 3

Mische es gut. — Oder:

Katechuharz (Gum catchu) 2 Unzen.
Weißer Zucker 4
Veilchenwurzpulver (Orris powder) 1 Unze.

Mache es zu einem Teig und füge 2 Tropfen Verdi hinzu.

Homöopathisch. Mercurius. — Wenn durch Entzündung des Zahnfleisches und der Nackendrüsen veranlaßt.

Arnica, Nux vomica, Belladonna, Silicea oder Sulphur. — Wenn dafür kein besonderer Grund vorhanden, oder wenn es nur am Morgen gefunden wird.

Chamomilla, Nux vomica oder Sulphur. — Wenn er nach den Mahlzeiten wahrgenommen wird.

Pulsatilla oder Sulphur. — Wenn er des Abends oder Nachts eintritt.

Verordnung der Heilmittel. Eine Dosis 6 Kügelchen jeden Abend ein oder zwei Wochen hindurch, ehe zu einem andern Heilmittel gegriffen wird. Rührt der Geruch vom Essen von Zwiebeln oder Knoblauch her, so kann er durch das Trinken von ein wenig Wein, das Essen einer Birne oder gekochten rothen Rübe beseitigt werden.

Schlechter Geschmack im Munde

mag die Folge verschiedener Krankheiten sein, wird aber am häufigsten bei Fiebern und verdorbenem Magen gefunden. Wegen der Behandlung desselben sehe man die Ursachen, aus denen er entspringt. Zuweilen tritt er indessen auch allein stehend auf.

[S. 184]

Behandlung.

Homöopathisch. Cuprum, Rhus und Cocculus. — Wenn der Geschmack kupferig ist.

Lachesis, Mercury und Nux vomica. — Wenn der Geschmack metallisch ist.

Arnica, Bryonia, Sulphur, Rhus, Mercurius und Pulsatilla. — Wenn der Geschmack faulig ist.

China, Pulsatilla oder Mercurius. — Wenn der Geschmack erdartig (earthy) ist.

Bryonia, Pulsatilla, Arnica und Chamomilla. — Wenn der Geschmack bitter ist.

Mercurius, Nux vomica, Arsenicum, Tartarus emeticus und Carbo vegetabilis. — Wenn der Geschmack salzig ist.

Verordnung der Heilmittel. Nehme eine Dosis (4 Kügelchen) des gewählten Heilmittels zweimal des Tages.

Zahnfleischschwären (Gumboils)

sind Geschwüre in Folge von Entzündungen, die sich auf dem Zahnfleisch bilden. Sie werden von schadhaften Zähnen, Durchbrechen der Zähne und andern Ursachen hervorgerufen.

Behandlung.

Allöopathisch. Der Mund mag mit Salz und Wasser, und zwar im Verhältniß von einem Theelöffel voll Salz auf ein halbes Pint Wasser, gewaschen werden.

Die Eingeweide sollten dabei mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

Pulverisirter Rhabarber (Powdered rhubarb) 15 Grane.
Magnesia 15
Pfeffermünzwasser (Peppermint) 10 Drachmen.
Mohnsaft (Laudanum) 15 Minims.
Flüchtiges Salz (Sal volatile) 20
Ingwersyrup (Syrup of ginger) 1 Drachme.
Rhabarbertinktur (Tincture of Rhubarb) 1

Mische und nimm es als eine Dosis.

Wenn die Zahnfleischschwären durch einen schadhaften Zahn hervorgerufen werden, so sollte man denselben ausziehen lassen.

Homöopathisch. Aconitum und Belladonna — abwechselnd, wenn beträchtliche Entzündung und Anschwellung bei Hitze und Schmerz, alle 2 Stunden eine Dosis, bis Linderung eintritt.

Mercurius. — Bei klopfendem und schlagendem Schmerz. Kann abwechselnd mit Hepar Sulphur gegeben werden.

[S. 185]

Silicea. — Wenn die vorhergehenden Mittel ohne Erfolg gegen das Wachsen des Geschwüres angewendet werden und sich Eiter gebildet hat.

Aconitum und Chamomilla — abwechselnd zu geben, wenn die Zahnfleischschwären in Folge von Entzündung beim Durchbruch des Weisheitszahnes entstehen.

Verordnung der Heilmittel. Während der Entzündung mögen die Mittel alle Stunden einmal und nachher alle zwei Stunden gegeben werden. Von Silicea oder Calcarea gebe jeden Abend und jeden Morgen eine Dosis.

Entzündung und Anschwellen der Zunge

kennzeichnet sich durch Schmerz, Hitze und Anschwellen mit Trockenheit des Mundes und überreichen Speichelfluß. Sie kann so anschwellen, daß der Mund ganz gefüllt ist, wodurch das Schlucken und Sprechen sehr erschwert wird, und Erstickung droht.

Symptome. Zuerst innerliche Schmerzen und Anschwellen der Zunge. Der Patient fröstelt, ist appetitlos, leidet an verdorbenem Magen, dumpfe Schmerzen im Kopfe und Rücken, Hitze der Haut, sehr schnellen Puls, klopfender und stechender Schmerz in der Zunge.

Ursachen. Unmittelbare Beschädigungen, wie von verbrennenden Getränken, Wunden oder Verbrühungen, Bisse oder Stiche von giftigen Insekten, Speichelfluß nach Quecksilber, Pocken.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum — Beim Beginn der Krankheit, wenn das Fieber und die Entzündung stark und von heftigen, schneidenden Schmerzen begleitet sind.

Aconitum und Arnica — abwechselnd, wo die Entzündung von örtlichen Verletzungen herrührt. Abwechselnd jede Stunde oder alle 2 Stunden.

Mercurius. — Dies ist das wichtigste Mittel bei heftigem Schmerz, Anschwellen und Verhärtung, die Zunge roth, trocken oder feucht, Puls rasend schnell und ungehindert, Athem beschwerlich, klopfende oder stechende Schmerzen in der Zunge und der Mund und Hals von der Geschwulst angefüllt, schlimmer des Nachts, schnelles Sinken der Lebenskraft.

Belladonna. — Gesicht roth, Augen mit Blut unterlaufen, Zunge entzündet, roth trocken und geschwollen, heftiges Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, klopfender Schmerz im Kopfe, Haut heiß und trocken, Augen gegen Licht empfindlich, klopfende, schießende, ziehende Schmerzen in der Zunge, Gefühl von Erstickung.

[S. 186]

Mercurius und Belladonna — kann abwechselnd gegeben werden, wenn eins oder das andere, allein gegeben, keine Linderung verschafft.

Aurum Muriaticum, Potaschen-Hydriodat (Hydriodate of potassa), Acidum Nitri oder Hepar Sulphuris. — Wenn das Anschwellen von der Anwendung des Mercurius herrührt.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder auch alle zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

In Fällen, daß die Anschwellung so bedeutend wird, daß Erstickung zu befürchten steht, so zögere man nicht, nehme ein Messer und mache einen Einschnitt längs der Zunge, indem dadurch der Andrang des Blutes gelindert wird.

Mundkrebs (Stomacace).

Diese Form eines bösen Mundes wird in der Regel bei Kindern von 5 bis 10 Jahren gefunden und von Einigen für ansteckend gehalten. Es ist eine Entzündung der Schleimhaut des Mundes, über welche sich eine gelbliche Flüssigkeit ergießt, die, wenn sie nicht eingehalten wird, eine sehr zerstörende Form annimmt und tiefe schwarze Geschwüre verursacht.

Symptome. Zuerst Schmerz und ein unbehagliches Gefühl im Zahnfleisch, das bald heiß, trocken und sehr empfindlich wird, begleitet von Ermattung, Unlust zum Spiel oder zur Bewegung, Appetitlosigkeit, Durst, das Zahnfleisch schwillt an, wird schwammig und blutet bei Berührung. Die innere Fläche der Wangen und des Zahnfleisches ist mit Flecken falscher Haut, unter denen Eiter erscheint, bedeckt. Bei einigen Fällen fehlt die falsche Haut, der Eiter hat ein gräuliches oder schwarzgelbes Ansehen. Ist die Krankheit heftig, so schwellen die Drüsen unter dem Gaumen an, werden hart und schmerzhaft, der Athem wird sehr widerwärtig und die Absonderung des Speichels erhöht sich beträchtlich. Zuweilen werden auch die Zähne locker und fallen aus. Auch kann ein überreicher Auswurf eines widerwärtigen, blutigen Eiters aus dem Munde stattfinden, der Athem stinkend, fast knochenfraßartig werden. Die Bewegungen des Gaumens werden steif und können durch Anschwellung ganz verhindert werden, gleichzeitig von bösem Nacken und Hals begleitet. Die Kräfte des Kranken sinken rasend schnell und er wird außerordentlich hinfällig.

[S. 187]

Behandlung.

Allöopathisch. Sind die Eingeweide verstopft oder nicht gehörig in Ordnung, so gebe man ein wenig Calomel, dem man einige Stunden darauf eine Dosis Castoröl folgen lassen kann. Potaschen-Chlorid (Chloride of potassa) ist bei dieser Krankheit ein wichtiges Mittel. Man bediene sich einer Waschung zusammengesetzt aus 3 Granen Potaschen-Chlorid, welches in einer hinreichenden Menge versüßten Wassers aufgelöst wird. Kann einem drei Jahre alten Kinde und 5 Grane einem Kinde von acht bis neun Jahren gegeben werden.

Wenn die Eiterbeulen langsam heilen, mögen sie mit einer Lösung von Borax und Wasser 15 Grane auf eine Unze, oder Chlorkalk (Chloride of lime), oder auch mit einer schwachen Lösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) — ein Gran auf eine Unze, gewaschen werden.

Folgendes wird von Dr. Dewees als eine Waschung der Eiterbeulen empfohlen:

Schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper) 10 Grane.
Pulverisirtes Chinchona 2 Drachmen.
Pulverisirtes Mutterzimmtharz (Pulv. Gum Cassia) 1 Drachme.
Honig 2 Drachmen.
Wasser 3 Unzen.

Die Eiterbeulen sollten hiermit zweimal des Tages vermittelst eines Kameelhaarpinsels bestrichen werden.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Waschmittel:

Schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper) ½ Drachme.
Wasser 1 Unze.

Zweimal des Tages auf die Beulen zu bringen.

Oder auch:

Weißes Vitriol (White vitriol) 1 Unze.
Weiches Wasser 2 Drachmen.

Mische es und füge hinzu:

Honig 2 Drachmen.
Myrrhen-Tinktur (Tincture of myrrh) 2

Zweimal des Tages anzuwenden.

Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, möge folgendes angewendet werden:

Weißeichenrinde (White oak bark) 1 Unze.
Wasser 1 Pint.

Koche und seihe es durch, füge ferner hinzu:

Alaun (Alum) 1 Skrupel.

Mit einem weichen Schwamme wasche man hiermit die Eiterbeulen mehrere Male des Tages.

[S. 188]

Eclectische und Kräuterkur. Der Mund sollte öfters mit einem warmen zusammenziehenden Aufguß ausgespült werden, wozu folgendes dienen mag:

Gelbwurz (Golden seal) } Gleiche Theile.
Geranium (Storchschnabel)
Alaun (Alum)

Oder:

Ein Aufguß von Rothwurzel (Red root), Rüsterrinde (Witch hazel bark) und Geranium.

Eisenchlor-Tinktur (Tincture of chloride of iron) ist ein schätzenwerthes Mittel zur äußerlichen Anwendung. Wird das Kind schwach, so kann schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) oder Wein gegeben werden.

Homöopathisch. Mercurius. — Dieses Heilmittel ist fast in jedem Falle mit Erfolg anwendbar und kann bei Beginn der Krankheit gegeben werden, ausgenommen wenn sie durch Mercurius veranlaßt sein sollte, in welchem Falle dann Carbo Vegetabilis, Hepar Sulphuris oder Acidum Nitri zu geben ist.

Nux Vomica. — Eiterbeulen faulig und schmerzhaft, Anschwellen des Zahnfleisches, stinkender Eiter ist über die ganze Mundfläche verbreitet. Verstopfung ist vorhanden.

Arsenicum. — Eiterung der Zungenränder, heftige brennende Schmerzen, geschwollenes Zahnfleisch, leicht blutend, große Unruhe und einem öfteren Verlangen zu trinken.

Capsicum. — Besonders bei starken Personen, die ein ruhiges Leben führen und wo Blasen oder Bläschen auf der Zunge vorhanden sind mit Anschwellen des Zahnfleisches verbunden.

Acidum Nitri. — Wenn Mercurius keine Linderung verschafft oder wenn das Zahnfleisch anschwillt, weißlich licht und leicht blutend, begleitet von einem Lockerwerden der Zähne, Speichelfluß von fauligem Geruch aus dem Munde.

Carbo Vegetabilis. — Eiterung des Zahnfleisches und der Zunge bei starker Blutung, begleitet von einem brennenden Gefühle und außerordentlich üblem Geruch des Eiters.

Sulphur — wird am Ende der Kur gegeben, wenn Anschwellen des Zahnfleisches verbunden mit schlagendem Schmerz, Blasen, welche beim Essen brennen, widerwärtiger oder saurer Geruch aus dem Munde, Verstopfung oder grüne schleimige Diarrhöe.

Behufs Waschung bediene man sich kalten Wassers, zuweilen Citronensafts, Salbei- (Sage) Thee; auch eine schwache Mischung von Branntwein mit Wasser wird sich bewähren.

Verordnung der Heilmittel. Löse von dem gewählten Mittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle zwei, drei oder vier Stunden einen Eßlöffel voll.

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Scharbock, Scorbut (Scurvy, Scorbutus)

ist eine Krankheit, die auf einem verdorbenen Zustande der Säfte beruht und die sich bis zur Eiterung und Auflösung der festen Theile ausstreckt. Er wird am häufigsten im Felde, in belagerten Städten, auf Schiffen, die lange Reisen machen, gefunden, überhaupt überall da, wo den Menschen frische Lebensmittel versagt und sie der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind. Auch beständige Kost salziger Nahrungsmittel und geräucherten Fleisches, sowie auch Unterdrückung von regelmäßigen Ausflüssen, wie die monatlichen Regeln, sind zuweilen Ursache.

Symptome. — In der Regel bestehen die ersten Symptome in Erweichung, Eiterung, Blutung und Anschwellen des Zahnfleisches, das schwammig und die Ursache eines verdorbenen Athems wird. Die Glieder schwellen an und eine große geistige und körperliche Schwäche, Ermüdung nach der geringsten Bewegung tritt ein. Dunkle, purpurne Flecken erscheinen an verschiedenen Theilen des Körpers, Blutungen aus der Nase, dem Hals, dem Magen und den Eingeweiden finden statt und das Gesicht nimmt eine Bleifarbe an und ist mit Blut unterlaufen. Die Eingeweide sind verstopft und an verschiedenen Stellen des Körpers erscheinen Eiterbeulen, die Gelenke schwellen an und werden straff. Die Haut ist trocken und der Puls klein und schwach; zuweilen brechen alte längst vernarbte Wunden wieder auf und ganz hinfällig in Folge von Blutflüssen, Diarrhöe u.s.w. stirbt der Kranke.

Ursachen. — Die Entbehrung von Pflanzenstoffen, welche zur Erhaltung der Gesundheit nothwendig sind, solche Ursachen, welche das Nervensystem herabstimmen, Einfluß von Kälte und Feuchtigkeit, Mangel an Bewegung und übermäßige Ermüdung.

Behandlung.

Allgemeine. Die Ursachen der Krankheit müssen gehoben werden, sind diese z. B. eingesalzene Nahrungsmittel, so müssen frische an deren Stelle gesetzt werden. Man lasse den Kranken Ueberfluß an frischen Früchten, Gemüsen, Orangen, Citronen, Aepfelwein (Cider), Sprossenbier, Sauerkraut, Erdbeeren, Aepfel &c. genießen. Kartoffel sind während dieser Krankheit ein wichtiger Bestandtheil der Kost, mögen sie nun einfach gekocht, oder geröstet mit Essig gegessen werden. Eine Auflösung von Citronensäure, versüßt, dem ein wenig Essig oder Porter beigefügt wird, wird zuträglich sein, ebenso hat sich 2 bis 4 Unzen Salpeter[S. 190] (Nitre), aufgelöst, und ein Quart Essig als ein vorzügliches Heilmittel bewährt. Kalksaft (Lime juice) ist ein wichtiger Bestandtheil der Kost und sollte, mit der dazu erforderlichen Menge Zucker gemischt, täglich gegeben werden. Milch und Rindfleischbrühe mögen zur Nahrung dienen, wenn der Kranke wegen des wehen Zahnfleisches keine festeren Speisen genießen kann. Der Kranke sollte sich vollständig ruhig verhalten, da zuweilen die geringste Bewegung eine schlimme Wendung verursachen kann.

Eclectische und Kräuterkur. Sollte das Zahnfleisch in Eiterung übergehen, gebrauche man folgendes:

Myrrhen (Myrrh) 1 Unze.
Aloe 1
Lakritzen-Extrakt 1

Pulverisire es und füge acht Unzen oder zwei Theetassenkopf voll heißes Wasser hinzu. Mische es und wenn erkaltet, gieße das ganze in eine Flasche und gebe ein wenig guten Branntwein hinzu. Lasse die Mischung vier oder fünf Tage lang stehen, seihe es dann durch ein Stück Flanell und gebrauche es viermal des Tages als Waschung. Bei Diarrhöe kann ein Aufguß von Brombeeren-Wurzel (Black berry root) oder Geranium (Storchschnabel) gegeben werden. Gegen Säure im Magen kann zusammengesetztes Rhabarber- (Rhubarb) und Potaschen- (Potassa) Pulver gegeben werden. Ein Preiselbeer- (Cranberry) Umschlag über die Eiterbeulen wird sehr zuträglich gefunden werden. Bei Schmerzen und Zusammenziehungen der Glieder, Anschwellen der Gelenke bediene man sich Bähungen von bitteren Kräutern (bitter herbs) und reizender Salben.

Sobald der Kranke wieder zu genesen anfängt, können stärkende Mittel erforderlich werden, wie:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Tincture of muriate of iron) in Dosen von 20 bis 30 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages in einem Aufguß von Gelbwurz (Golden seal), Enzian (Gentian) oder Bitterwurzel (Quassia).

Homöopathisch. Mercurius. — Wenn nicht zuvor gebraucht, bei folgenden Symptomen: Rothes, schwammiges, eiterndes und leicht blutendes Zahnfleisch, begleitet von brennenden Schmerzen des Nachts, Lockerwerden der Zähne bei üblem Geruch aus dem Munde, übermäßige Absonderung eines widerwärtigen und blutigen Speichels, dunkelrother Urin, große Erschöpfung und Schwäche.

Carbo Vegetabilis. — Besonders bei Personen, welche zu viel Merkur genommen haben, oder bei brennenden Eiterbeulen im Munde, welche häufig bluten und einen ätzenden, übelriechenden Eiter absondern.

Arsenicum. — Eiterungen an den Rändern der Zunge bei heftig brennenden Schmerzen, geschwollenem und leicht blutendem Zahnfleisch, große Hinfälligkeit und Unruhe, Eiterbeulen schwarz und schwarzgelb, Haut bläulich, kalt und sehr trocken. Andere Heilmittel sind: China, Hamamelis, Acidum Sulphuris, Secale und Phosphorus.

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Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in einen Theetassenkopf voll Wasser aus und gebe alle 2, 4 oder 6 Stunden einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Zuweilen wird eine Waschung mit einer Auflösung von Tannicsäure (Tannic acid) oder Myrrhen- (Myrrh) Tinktur und verdünnter Glycerin oder Alaun (Alum), Branntwein und Wasser gegen das Zahnfleisch gebraucht.

Folgende Pillen mögen gegeben werden:

Blaue Pillen (Blue pill) 1 Skrupel.
Zusammengesetzte Rhabarberpillen (Rhubarb) 2

Mische es und theile es in 12 Pillen. Dosis: gelegentlich eine oder zwei.

Weinsteinsaures oder chlorsaures Potaschensalz (Tartrate or chlorate of potassa), in dem Verhältniß von einer Drachme auf ein Pint Wasser aufgelöst, kann täglich genommen werden.

Als ein stärkendes Mittel ist folgendes empfohlen:

Rindenabkochung (Decoction of bark) 7 Unzen.
Zusammengesetzte Rindentinktur (Compound tincture of bark) 6 Drachmen.
Orangenschalensyrup 2
Verdünnte Schwefelsäure (Dilute sulphuric acid) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Sind die Eingeweide verstopft, so trinke man nach Belieben Cremor Tartari (Cream of tartar) in Wasser aufgelöst. Bei Schlaffheit der Eingeweide wende man Morphium, Laudanum, Campescheholz- (Logwood) Thee oder Geranium an.

Chinin (Quinine) ist ein vorzügliches Mittel gegen diese Krankheit und kann in Dosen von je 2 oder 3 Granen zwei- bis dreimal des Tages gegeben werden.

Speichelfluß (Salivation — Ptyalism)

wird durch Mißbrauch des Quecksilbers (Mercury) und durch Erkältung hervorgerufen, oder begleitet zuweilen Fieberanfälle, wie Scharlachfieber, rührt auch zuweilen von angegriffenen Zähnen her.

Symptome. Uebermäßige Speichelabsonderung, die Drüsen des Mundes und Halses geschwollen und entzündet, in schlimmen Fällen von Lockerwerden oder Ausfallen der Zähne, Eiterung des Halses, des Zahnfleisches und der Zähne, sowie Anschwellen der Zunge begleitet.

Behandlung.

Homöopathisch. Hepar Sulphuris, Lachesis, Acidum Nitri, Belladonna, Opium oder Sulphur. — Wenn der Speichelfluß von Calomel oder irgend einem Quecksilber- (Mercurius) Präparat herrührt.

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Mercurius. — Ist der Speichelfluß durch Erkältung hervorgerufen, sowie auch bei schmerzhaftem Anschwellen der Drüsen des Mundes, Uebelriechender Absonderung aus dem Munde, Eiterbeulen auf der inneren Seite der Wangen.

Verordnung der Heilmittel. — Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Zum Waschen bediene man sich nichts anderem als Wasser und Milch.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn Quecksilber die Ursache des Speichelflusses ist, sollte Schwefel (Sulphur) und Cremor Tartari (Cream of tartar), 2 Theile von dem ersteren und ein Theil von dem letzteren genommen werden. Mische es mit ein wenig Molasses oder Honig. Dosis: einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

Man nehme ferner Schwefel in den Mund und zwar so, daß er mit den angegriffenen Theilen in Berührung kommt. Das Besprengen der Eiterbeulen mit pulverisirter rother Kreide (Red chalk) hat sich zuweilen bewährt.

Zum Gurgeln bediene man sich:

Salbei (Sage) 2 Unzen.
Hartriegelblätter (Privet leaves) 2
Gelbwurz (Golden seal) 2

In zwei Pint Wasser eingekocht, durchgeseiht und einen Theelöffel voll gebrannten Alaun, sowie dieselbe Menge Borax.

Schwierigkeit beim Sprechen — Stammeln.

Das Stammeln besteht in einer gestörten deutlichen, fließenden Aussprache, und wird in der Regel von einem Ausdruck der Anstrengung und Verzerrung der Mienen, auf dem Gesicht erkennbar, begleitet. Zuweilen ist Mißbildung der Zunge oder anderer Sprechorgane die Ursache.

Die Kur liegt gewöhnlich im Bereich der Möglichkeit und ist zuweilen sehr leicht, denn das Hinderniß erwächst nicht selten aus der Anstrengung, während des Athemschöpfens zu sprechen. Der Patient sollte daher, bevor er zu sprechen beginnt, die Brust gehörig mit Luft füllen, und sodann ein Wort nach dem andern langsam und deutlich auszusprechen suchen. Der Stammelnde muß, gerade wie beim Singen, nach jedem Worte, sowohl beim Lesen als Sprechen, eine Pause machen. Reicht dies nicht hin, so verfahre er ebenso bei den Silben, und nach einiger Zeit versuche er es mit Worten und dann mit Sätzen. Befolgt er diese Methode immer eine Stunde lang zu gewissen Zeiten, so wird er bald über die Gewohnheit in vielen, wenn nicht in allen Fällen, hinwegkommen.

[S. 193]

Solchen Leidenden sollte sowohl von Seiten der Eltern als auch der Lehrer, besonders wenn ihnen Lectionen überhört werden, oder wenn dieselben Auskunft über etwas zu geben haben, gütige Behandlung zu Theil werden.

Behandlung.

Homöopathisch. Belladonna, Mercurius, Lachesis, Strammonium, Natrum Muriaticum, Ignatia, Pulsatilla sind Heilmittel, die eine allgemeine Empfindlichkeit des Nervensystems vermindern.

Verordnung der Heilmittel. Eine Dosis des gewählten Mittels sollte 6 Wochen jeden Morgen und Abend gegeben werden, bevor zu einem anderen Mittel gegriffen wird.


[S. 194]

Zehntes Kapitel.
Halskrankheiten.

Weher Hals oder gewöhnliche Halsentzündung (Sore ThroatQuinsy, Angina Faucium).

Diese Krankheit ist durch die Entzündung und das Anschwellen des untern Halstheils, des Gaumens und der Mandeln gekennzeichnet, wodurch mehr oder weniger Schwierigkeit im Athmen, sowie öfters auch Fieber verursacht wird. Die Störung mag eine nur geringe sein, oder es mögen sich im Halse und an den Mandeln Geschwüre ansetzen, wodurch das Uebel ein sehr schmerzliches wird.

Symptome. Diese Krankheit beginnt gewöhnlich mit Ruhelosigkeit, Fieber, leichtem Husten und mehr oder weniger Wundheit im Halse, die sich namentlich beim Schlucken äußert. Die Mandeln und der Hals sind glatt und roth, im Angesicht zeigen sich Fiebersymptome, der Athem ist kurz und schnell, die Stimme tief und das Sprechen verursacht oft Schmerzen und Schwierigkeit; die Wangen sind geschwollen, die Entzündung bedeutend und oft in Geschwüren an den Mandeln und umliegenden Theilen endigend, so daß das Athmen immer schwieriger wird; endlich brechen die Geschwüre auf. Zur genauen Untersuchung des Halses sollte der Patient den Kopf weit zurücklegen, worauf man die Zunge mit einem Löffelstiel herabdrückt.

Oefters werden die Mandeln durch wiederholte Anfälle chronisch erweitert, in welchem Falle, wenn nämlich andere Mittel fehlschlagen, dieselben von einem Wundarzte ausgeschnitten werden müssen.

Behandlung.

Allöopathisch. Ist der Puls stark und voll, und wenn der Patient Schmerzen im Kopfe hat, so mag man Ader lassen und ein Abführmittel — Sennablätterthee mit schwefelsaurer Magnesia (Sulphate of magnesia) geben; oder Calomel, oder Jalappe (Jalap). Gewöhnlich aber ist außer Bittersalz (Epsom salts) kein anderes Reinigungsmittel nöthig.

[S. 195]

Nach diesem Mittel gebe man Brechwurzwein (Wine of Ipecac), zwanzig Tropfen alle drei Stunden, mit einem zeitweiligen Schluck Flachssamenthee oder Flachssamen-Limonade. Ist die Anschwellung, die Hitze und der Schmerz sehr bedeutend, so sollten sechs bis zehn Blutegel angesetzt werden. Bei milderen Fällen, oder wenn der Patient schwach ist, lege man einen Flachssamenmehl-Umschlag, wozu Schweinefett und Laudanum gefügt wurde, auf. Wird mit dem Umschlag gewechselt, so wasche man den Hals mit Ammonium- oder Seifenliniment, wozu man Ammoniumwasser (Aqua ammonia) fügt.

Das folgende Mittel zum Gurgeln wird gute Dienste leisten:

Honig 1 Eßlöffel voll.
Essig 2
Genug Salbeithee oder Wasser, um ein halbes Pint zu bereiten.

Auch mag ein Aufguß von rothen Rosen (Red roses) oder Salbei mit Rosenhonig (Honey of roses) als Gurgelmittel gebraucht werden, sowie eine schwache Alaun- (Alum) Auflösung, wenn sich in den Mandeln Eiter sammelt und die Geschwüre aufbrechen. Die Kost sollte nahrhaft sein und man sollte dem Kranken Wein oder das folgende stärkende Mittel geben:

Colomba- oder Cascarilla-Aufguß Unzen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur ½ Unze.
Verdünnte Salpetersäure Drachme.

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Sind die Mandeln nach Heilung der Krankheit immer noch vergrößert, so mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Kampher-Liniment 6 Drachmen.
Seifen-Liniment 6
Spanische Fliegen- (Cantharides) Tinktur ½ Unze.

Mische und reibe die Außentheile des Halses zweimal des Tages mit der Mischung.

Manchmal werden die Mandeln auf ihre natürliche Größe reduzirt, indem man sie mit einer starken Tannin- (Gerbestoff) Auflösung oder mit Schwefelsilber tupft; auch wird hierzu eine starke Alaunauflösung oder Jod-Tinktur (Tincture of Iodine) öfters angewandt.

Eclectische und Kräuterkur. Im Anfangsstadium gebe man ein Brechmittel — Lobelia und Brechwurz (Ipecac) und lasse den Patienten zu gleicher Zeit warmen Salbeithee trinken; auch wird es gut sein, wenn er den Dampf einer Abkochung von Hopfen, Salbei (Sage), Wermuth (Wormwood), Wasserdost (Boneset), Andorn (Hoarhound), Katzenmünze (Catnip), von jedem eine Handvoll — einathmet und die Dämpfe den Hals umziehen läßt. Kann man nicht alle diese Kräuter erhalten, so gebrauche man drei oder vier derselben.

Das folgende Liniment mag als ein äußerlich anzuwendendes Mittel gebraucht werden:

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Sassafrasöl 2 Unzen.
Salatöl 2
Kampher-Spiritus 2
Hirschhorn-Spiritus (Spirits of hartshorn) 2
Amerik. Isop- (Penny royal) Oel 2
Chinin- (Quinine) Tinktur 2
Terpentingeist 2

Hiermit wasche man den Hals sehr oft ab und wickle ein Stück Flanell um denselben.

Als ein Gurgelmittel kann das folgende in Anwendung kommen: Eine kleine Handvoll Salbei und ebenso viel Sumachbeeren und Rinde wird in drei Pinten Wasser so lange gekocht, bis noch ein Pint übrig ist, sodann füge man von jeder der folgenden Substanzen einen Theelöffel voll bei: Pulverisirter Alaun (Alum), Borax und Salpeter; dieses seihe durch, versüße die Mischung mit Honig und gurgle den Hals damit.

Auch mag Citronensaft und Honig — mit einander vermischt — oft anstatt eines Gurgelmittels eingegeben werden; diese Mischung ist sehr erfrischend.

Man sollte öfters ein Fußbad in schwachem Laugenwasser nehmen, und der Körper sollte ebenfalls zwei- oder dreimal des Tages gewaschen werden, namentlich falls der Patient viel Fieber hat.

Auch leistet ein Umschlag von frischer Kermesbeerenwurzel (Poke root), die man röstet, abwäscht und mehrere Male des Tages warm auflegt, gute Dienste.

Befürchtet man, daß die Krankheit chronisch werde, so gebrauche man folgendes:

Gesättigte Salzammoniak-Auflösung (Saturated solution of sal. ammoniac) 4 Unzen.
Cayenne-Tinktur 1 Unze.

Mische und gurgle mehrere Male des Tages.

Schwellen die Mandeln und bleiben in diesem Zustande, so mag das folgende gebraucht werden:

Jod (Iodine) 1 Skrupel.
Rosenointment 1 Unze.

Salbe hiermit mittelst eines Pinsels die Mandeln Morgens und Abends mehrere Monate lang ein.

Oder wende folgendes an:

Gerberstoffsäure (Tannic acid) 20 Grane.
Kochsalz 40
Blutwurzel-Extrakt (Extract of blood root) 10
Rosenointment 1 Drachme.

Mische und wende es an wie das vorige Mittel.

Homöopathisch. Aconitum und Belladonna. — Dies sind die zum Beginne[S. 197] der Behandlung geeignetsten Mittel, namentlich wenn sich folgende Symptome zeigen: Heftiges Fieber, voller Puls, große Hitze, Durst, Ruhelosigkeit, beständiger Kitzel zum Schlucken, Schlucken verursacht Krämpfe im Hals, wodurch Flüssigkeit aus der Nase gedrängt wird, Trockenheit des Halses, Schmerzen in Mandeln und Ohren, Anschwellung des äußeren Halses, viel Speichel, rothes geschwollenes Gesicht, heiße trockene Haut, widerlicher, bitterer Geschmack im Munde.

Mercurius. — Uebelriechender Athem, Mund trocken, Speichel zäh, das Zäpfchen erscheint verlängert und roth, Mandeln dunkelroth, entzündet und vergrößert, heftiger Pulsschlag am Hals und den Ohren, viel Speichelabsonderung, Fieberfrösteln des Abends, welchem Hitze und Schweiß folgt, Schmerzen in den Mandeln bei Bewegung der Kinnbacken, oder beim Schlucken, Appetitlosigkeit und Widerwillen gegen Speise.

Bryonia. — Trockenheit im Halse, Schwierigkeit beim Sprechen, Heiserkeit, schwieriges Athemholen, schmerzliches Gefühl im Halse, Schmerz beim Schlucken, etwas Fieber mit oder ohne Durst, Frösteln, Schmerzen in den Gliedern und dem Hinterkopf. Dies mag abwechselnd mit Rhus gegeben werden.

Chamomilla. — Namentlich wenn die Krankheit durch Kälte oder Aussetzung in der kalten Luft verursacht wurde, Anschwellen der Mandeln, kurzer Husten, rothe Wangen, oder eine blasse und eine rothe Wange, Abends Fieber mit Hitze, die Drüsen unter dem Kinn und Mandeln sind stark geschwollen.

Lachesis. — Dies hat sich als ein sehr gutes Heilmittel erwiesen, wenn Mercurius und Belladonna ohne Wirkung hervorzubringen gebraucht wurden, und namentlich bei folgenden Symptomen: Schwellen und Röthe mit einem Wundheitgefühl in Mandeln und Gaumen, Trockenheit im Halse, beständige Neigung zum Schlucken, Gefühl als ob eine Beule &c. im Hals sei, schlimmer des Nachmittags und Morgens, sowie nach dem Schlafen oder bei auch nur sehr leichtem Druck gegen den Hals; kleine Eiterbeulen am Hals und an den Mandeln zur Linken.

Hepar Sulphuris. — Wenn die Geschwüre an den Mandeln am Aufbrechen sind, wird dieses Mittel solches befördern; mag auch zu Anfang der Krankheit gegeben werden, wenn der Kranke stechende Schmerzen im Hals spürt — abwechselnd mit Mercurius.

Nux vomica. — Mag gegeben werden, wenn Chamomilla nicht wirkt, auch wenn Wundheit vorhanden ist, als ob der Hals geschabt worden wäre.

Pulsatilla. — Gewöhnlich für Frauenzimmer oder Personen mit sanftem Charakter geeignet — wenn der Hals innen geschwollen ist, Mandeln und Gaumen dunkelroth, stechende Schmerzen in den Mandeln und gegen das Ohr hin, wenn der Patient schluckt, Frösteln gegen Abend, worauf Hitze folgt.

Nitric Acid. — Geeignet, wenn Mercurius gegeben wurde oder in Abwechs[S. 198]lung damit, wenn der Hals mit kleinen Geschwüren von weißlichem Aussehen angefüllt ist.

Capsicum. — Wenn die Symptome auf Nux vomica hindeuten, dieses Mittel aber nicht gewirkt hat, Brennen und Rauhheit im Halse mit Steifheit und Zusammenziehung, und Nasen- und Augenlaufen.

Der Gebrauch des kalten Wassers wird sich als sehr heilsam erweisen, wenn es in folgender Weise angewandt wird. Beim Bettgehen umbinde man den Hals mit einer nassen Binde, welche mit einem trockenen Zeugstück befestigt wird; diese Binde lasse man während des Tages am Halse und wechsele öfters.

Solche Personen, die diesem Uebel besonders ausgesetzt sind, sollten als Vorbeugungsmittel jeden Morgen Hals und Brust gut waschen und mit kaltem Wasser spritzen und begießen.

Verordnung der Heilmittel. Löse von der gewählten Medizin 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf, gieb einen Theelöffel voll dieser Auflösung alle Stunde, zwei oder drei Stunden. Fällt dem Patient das Schlucken sehr schwer, so kann man ihm 3 Kügelchen — eine Dosis — geben, damit er dieselben sich auf der Zunge auflösen lasse.

Eiternde und putride oder bösartige Halsentzündung (Malignant Quinsy, Angina Gangrenosa).

Diese Krankheit wird häufig epidemisch und ist dem wehen Hals in der bösartigen Form beim Scharlachfieber sehr ähnlich und tritt gewöhnlich bei feuchter Witterung ein. Schwachgebaute Personen, sowie solche, die in niederen, feuchten, schlechtgelüfteten Häusern wohnen, sind diesem Uebel am meisten blosgestellt.

Symptome. — Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit Frösteln, worauf Fieber folgt, Druck in der Brust mit oder ohne Erbrechen, scharlachrothe Wangen, Hals und Mandeln mehr oder weniger entzündet, säuerliche Absonderung aus Mund und Nase, schwacher, schneller Puls. Der Hals ist immer hochroth und geschwollen, und wird bald nebst den Mandeln mit Geschwüren überzogen. Der Athem ist sehr übelriechend, die Nackendrüsen schwellen an, die Haut des Gesichts und Nackens ist glänzend, das Gesicht sinkt ein und Erbrechen und Diarrhöe findet statt.

Die Haut, welche zu Anfang der Krankheit heiß und trocken war, wird im Verlauf von Schweiß belegt; endlich tritt Schläfrigkeit ein und der Kranke stirbt.

[S. 199]

Ursachen. Die Krankheit wird für ansteckend gehalten und wird auch durch Erkältung &c. erzeugt. Die Behandlung sollte immer nur ein Arzt unternehmen, wenn einer zu haben ist.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Im Anfangsstadium gebe man ein Brechmittel und folge mit einigen Abführungsmitteln, falls Hartleibigkeit vorhanden ist. Das Waschen des Halses mit Myrrhen- und Cayenne-Tinktur oder mit dem gegen wehen Hals vorgeschriebenen Liniment, wird sich als sehr wirksam erweisen. Auch sollte man dem Patienten häufig einen Löffel voll Hopfenhefe (hop yeast) eingeben und Porter, Ale oder Bier verordnet werden.

Das folgende mag gebraucht werden: Einen Theelöffel voll Cayenne und einen Eßlöffel voll Salz lasse man in einem Pint Wasser und gutem Essig gelinde kochen und seihe, sobald die Mischung kalt ist, durch.

Auch das folgende Gurgelmittel ist gut:

Sumach- (Sumach) Beeren 1 Unze.
Weißeichenrinde 1
Roth-Ulmenrinde Unzen.
Brombeerwurzel (Blackberry root)

Bereite mittelst genügendem Wasser eine Abkochung und füge zu jedem Pint ein Stückchen Alaun (Alum) von der Größe einer Walnuß bei, seihe und gurgle damit, nachdem es kalt geworden.

Homöopathisch. Belladonna und Mercurius — abwechselnd beim Anfang, namentlich bei Trockenheit im Mund, Ruhelosigkeit oder Delirium.

Aconitum und Belladonna — mag zu Anfang, wenn das Fieber sehr stark ist, nöthig sein — einige Dosen.

Mercurius. — Zu geben, sobald die Trockenheit des Halses und Schwierigkeit beim Schlucken sich zeigt.

Nitric Acid. — Wenn Mercury nicht wirkt und die Geschwüre größer und schmerzhaft werden. Allein oder abwechselnd mit Mercury zu nehmen.

Arsenicum. — Dies ist eins der hauptsächlichsten Mittel und sollte gegeben werden, wenn der Patient zusehends und schnell schwächer wird; ebenfalls, wenn die Geschwüre dunkelroth und mit Schorf (Scabs) bedeckt sind, Zähne und Lippen sind mit einer schwarzen krustartigen Substanz überzogen, fortwährendes Gemurmel und Delirium, Schwierigkeit beim Athmen, säuerlicher Ausfluß aus Mund und Nase, wodurch die Haut aufgeschärft wird. Dieses Heilmittel mag entweder allein, oder abwechselnd mit Lachesis verordnet werden.

Lachesis. — Namentlich wenn Hals und Nacken geschwollen und entfärbt sind und die Zunge bei äußerem Druck schmerzt.

Carbo vegetabilis. — Wenn der Eiterfluß aus den Schwären dünn und der Quantität nach groß ist und der Patient bedeutende Schwäche fühlt.

[S. 200]

Secale. — Bei großer Schläferigkeit, oder wenn der Kranke im schlummernden, halbbewußtlosen Zustand sich befindet.

Opium — falls Secale nicht die gewünschte Wirkung hervorbringt.

Bryonia und Hellebore. — Wenn der Patient mit halbgeschlossenen Augen schläft.

Nitric Acid. — Morgens und Abends eine Dosis, wenn die Schwären, nachdem die Gefahr vorüber, nicht schnell heilen.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe zu Anfang des Anfalls alle Stunden einen Theelöffel voll, indem man später alle 2, 3 oder 4 Stunden verordnet, wenn die Symptome nämlich nachlassen.

Die Kost sollte aus Reis, Pfeilwurz (Arrowroot), Cornstarch, dünnem Mehlschleim (Flour gruel) und dergleichen bestehen. Ist der Mund sehr heiß und trocken, so mag man denselben mit etwas Milch und Wasser befeuchten. Der Kranke sollte in ein großes, trockenes, luftiges Zimmer gebracht werden, das beständig gut ausgelüftet gehalten werden muß.

Allöopathisch. Man sollte den Stuhlgang mittelst einer Dosis von schwefelsaurer Magnesia (Sulphate of magnesia) oder Rochellesalz in Ordnung halten.

Als Gurgelmittel gebrauche eine Mischung von rothem Pfeffer, Essig und Wasser.

Wenn eine starke Auflösung von Salpetersilber (Nitrate of silver) — zwanzig Grane zu einer Unze Wasser — mit einem langen Kameelhaarpinsel auf die Mandeln aufgetragen wird, so wird dies die Entzündung dämmen.

Auch mögen hierzu gleiche Theile Salzsäure (Muriatic acid) und Honig verwandt und dies kann, verdünnt mit Wasser als Gurgelmittel gebraucht werden.

Eberle sagt, daß starker Aufguß von der Indigowurzel als Gurgelmittel verwendet, gute Dienste leiste.

Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens (Swelling or Elongation of the Palate).

Dieses Uebel wird gewöhnlich durch eine leichte Erkältung oder Unverdaulichkeit hervorgerufen, und besteht in einer leichten Entzündung des Zäpfchens, wodurch die Verlängerung und ein Gefühl entsteht, als ob es herabgefallen wäre.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Eine starke Weißeichrinde-Abkochung, worin man ein wenig Alaun auflöst, mag als Gurgelmittel benützt werden. Oft wird mittelst Pfeffer, Salz oder Senf Linderung verschafft.

[S. 201]

Homöopathisch. Nux vomica. — Das beste Heilmittel. Dosis: Drei oder vier Kügelchen alle zwei Stunden.

Mercurius, Belladonna oder Sulphur — sollte verordnet werden, falls Nux vomica nicht wirkt. Dosis, wie bei Nux vomica. Kaltes Wasser äußerlich und innerlich angewendet, thut gute Dienste.

Diphtheria.

Dies ist eine verhältnißmäßig neue Krankheit, mit der wir bis vor wenigen Jahren nur wenig bekannt geworden. Sie ist außerordentlich gefährlich und ansteckend, verschont kein Alter, befällt aber namentlich die Jugend und hauptsächlich vollblütige, fette Kinder. Erwachsene werden selten damit behaftet, es sei denn durch Ansteckung.

Ursachen. Hierüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Manche halten Diphtheria für eine bösartige Form der Halsbräune (aber Diphtheria unterscheidet sich ganz bedeutend von der Bräune), während andere sagen, es sei eine Art Scharlachfieber. Es ist jedoch eine Krankheit, welche den ganzen Organismus angreift, jedoch hauptsächlich im Hals auftritt.

Symptome. Diese sind sehr verschieden. Das erste Symptom ist in beinahe allen Fällen eine Heiserkeit, mit schwacher Stimme, leichtes Frösteln (wenigstens wurde das schon beobachtet) und Fieber, heftiges Kopfweh, worauf in sehr kurzer Zeit Wundheit im Halse und Schwierigkeit beim Schlucken eintritt. Der Kranke mag einige Tage vor dem Anfall leichtes Unwohlsein fühlen und schnell ermüdet werden. Nebst der Wundheit im Halse fühlt der Patient ein stechendes Gefühl an der Zungenwurzel, und die Drüsen in den Ecken der unteren Kinnbacken schwellen an und werden empfindsam. Schmerz in den Knochen, Mattigkeit, Störung im Magen, Appetitlosigkeit. In vielen Fällen wird der Hals so wenig affizirt, daß sich die Freunde und Eltern des Kindes nur schwierig von dem gefahrvollen Zustand desselben überzeugen können. Manchmal klagt das Kind gleich von Anfang über Wundheit und Steifheit im Halse. Aeußerlich sind die Mandeln vergrößert und weich, während innen die Entzündung deutlich wahrzunehmen ist. Dieselbe gibt den betreffenden Theilen bei Erwachsenen das Aussehen, als ob sie (die Theile) mit Mahoganifirniß überzogen seien, während sie bei Kindern eine rosige Farbe haben. Der Hals ist mit kleinen Flecken,[S. 202] die sich wie Stückchen Haut ausnehmen, überzogen, und wenn diese Hautstückchen sich ablösen, so zeigen sich unter denselben rohe, rothe Stellen. In allen Fällen ist mehr oder weniger Fieber mit Kopfweh vorhanden, was manchmal ganz unerträglich und heftig wird. Der Geruch des Athems ist so eigenthümlich, daß Personen, die mit dieser Krankheit bekannt sind, dieselbe daran zu erkennen vermögen. Der hintere Theil des Halses ist gewöhnlich mit einem Schleimhäutchen überhäutet, das, durch das Athmen zerrissen, sich sogleich wieder bildet. Bei heftigen Anfällen ist das Fieber sehr stark, mit Hitze, brennender Haut, erröthetem Angesicht, schnellem Puls, großer Schwierigkeit beim Schlucken und beschleunigtem Athem. Die Zunge ist mit einer dicken, zähen, schmutzig aussehenden, weißlichen, gelblichen oder grünen Substanz bedeckt und der Kranke ist sehr schwach und erschöpft. Die Mandeln schwellen außerordentlich an und der Mund wird innen ganz mit einer „falschen“ Schleimhaut überzogen.

Beim Fortschreiten der Krankheit werden die Symptome immer heftiger, der Athem sehr schwierig; das Schlucken wird so schmerzhaft, daß der Patient durchaus nichts mehr genießen will; der Speichel träufelt aus dem Munde und aus der Nase scheidet sich faulige stinkende Flüssigkeit. Der Puls ist schnell und schwach, der Athem wird außerordentlich widerwärtig und die Krankheit nimmt solche Gestalt an, daß selbst die besten Freunde des Patienten ihm nur mit Widerwillen zu nahen vermögen. Das Gesicht ist erdfarben, die Haut kalt und runzlig; der Kranke wälzt sich von einer Seite zur andern und kämpft um Athem, die Stimme wird immer undeutlicher und heiser, Hals, Nacken und Gesicht sind furchtbar angeschwollen und der Patient stirbt an schneller Erschöpfung in den Lebensorganen oder an Erstickung, dadurch hervorgerufen, daß sich die falsche Schleimhaut in die Luftröhrengänge ausgedehnt hat. Manchmal wird der Patient im Anfangsstadium eines heftigen Diphtheritisanfalls von starkem Erbrechen erfaßt und bricht alsdann eine dünne, gelblichweiße, sehr übelriechende Flüssigkeit, worauf große Erschöpfung und Abstumpfung folgt. Manchmal liegt der Kranke lange in tiefem Schlaf, so daß man ihn nur mit Mühe wecken kann. Frägt man ihn, ob sein Hals wund ist, so mag es leicht sein, daß er die Antwort gibt, solches sei nicht der Fall, wodurch sich sehr Viele täuschen lassen. In vielen Fällen tritt die Betäu[S. 203]bung gleich zu Anfang der Krankheit ein und währt bis der Tod den Leidenden erlöst. Manchmal findet sich ein weißlicher Ansatz am Munde, welche Substanz dem gemahlenen Gips (Plaster paris) ähnlich sieht. An verschiedenen Körpertheilen entstehen schwarzblaue Flecken und der Stuhlgang führt weißliche Materie ab.

Manchmal befällt diese Krankheit den Patienten in einer Form, daß er gar keine Ahnung von dem Anfall hat, und erst dann gewahrt, daß er krank ist, wenn sein ganzer Organismus angegriffen ist. Sodann wird der „wehe“ Hals, den man vielleicht gänzlich unbeachtet ließ, plötzlich schlimmer; ein Crouphusten tritt ein und entweder verschlimmert sich der Zustand dermaßen, daß in zwei oder drei Stunden keine Rettung mehr vorhanden ist, oder der Kranke mag noch einige Tage mit zeitweiligem Aufflackern der Lebenskraft leben, um dann an Erschöpfung zu sterben. Der Diphteritis folgen manchmal verschiedenartige Störungen im Organismus, worunter namentlich Lähmung (Paralysis) hervorzuheben ist. Wer einen starken Körperbau hat, bei dem darf man eher auf Rettung ohne nachtheilige Folgen zählen, falls nemlich mit der Behandlung bald begonnen wurde. Wurde jedoch hiermit ein oder zwei Tage verzögert, so ist der Erfolg ein sehr unsicherer. Das Erbrechen im Anfangsstadium ist ein sehr bedenkliches Symptom, und je länger die „falsche“ Haut zu ihrer Ausbildung braucht, desto ungünstiger ist die Aussicht auf Rettung.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte in ein gut gelüftetes, trockenes Zimmer und in ein reinliches Bett gebracht werden; die Temperatur sei mäßig warm. Niemand darf im Zimmer bleiben als der oder die Wärter, und um dem üblen Geruch entgegenzuwirken, thut man wohl, Gefäße mit Chlorkalk und Essig (Chloride of lime and vinegar) umherzustellen.

Homöopathisch. Aconitum, Belladonna, Kali Chloricum, Kali Bi-Chromicum, Proto-Iodide oder Bin-Iodide of Mercury — sind gegen diese Krankheit die Hauptmittel.

Aconitum und Belladonna. — Abwechselnd wenn die Krankheit mit Fieber beginnt, alle Stunden einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt. Wenn sich jedoch die Symptome verschlimmern, so sollten andere Mittel gebraucht werden. Belladonna, Kali Chloricum, Kali Bi-Chromicum und Bin-Iodide of Mercury — dies sind die noch vorhandenen Heilmittel. Von den drei ersten gebe fünf Tropfen Belladonna, zwanzig Tropfen Kali Chloricum und ½ Gran[S. 204] Kali Bi-Chromicum Pulver, jedes in einem halb mit Wasser gefüllten Glas; Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Vom Mercurius — ebenfalls ein Pulver — gebe man eine Dosis so groß wie eine kleine Erbse. Zu Anfang gebe Belladonna, die nächste Stunde Kali Chloricum, die dritte Kali Bi-Chromicum, die vierte Bin-Iodide of Mercury und die fünfte wiederum Belladonna und so fort. Ist der Kranke den nächsten Tag etwas besser oder sein Zustand nur um weniges verschlimmert, so mögen die Medizinen nur alle 2 und später alle 3 Stunden gegeben werden. Sind die Halssymptome alle gewichen, so lasse die letztgenannten Medizinen weg und verordne die drei ersten, bis jede Spur der Krankheit verwischt ist.

Einige empfehlen gegen diese Krankheit doppeltchromsaures Kali (Bi-Chromate of potassa), welches am besten verordnet werden kann, wenn man zwei oder drei Grane mit einer halben Theetasse voll heißem Wasser in einer Theekanne mischt und den Patienten den aus der Ausgußröhre dringenden Dampf einathmen läßt.

Auf die Kost muß man ein aufmerksames Auge haben, und der Kranke muß genau beobachtet werden. Sobald der Puls abnimmt, die Haut kalt wird und Zeichen der Erschöpfung eintreten, muß zu Stimulanten gegriffen werden, z. B. Portwein, Claret, Champagner, Milchpunsch, und Branntwein und Wasser; Eier mit Brandy geschlagen, heißes Wasser und Zucker sind ein ausgezeichnetes stimulirendes Mittel. Für Kinder gebraucht man am besten Molken (Whey) oder Fleischthee (Beef-tea) mit Portwein vermischt; oder Pfeilwurz (Arrow root) und Portwein. Ist der Patient des Fleischthees müde, so kann durch den weichen Theil der Austern, roh oder gekocht, ein gutes Ersatzmittel geboten werden. Zum Trinken gebe man dem Kranken Gerstenwasser (Barley water), Brodwasser (Toast water), was man mit etwas Citronensaft säuerlich macht; oder kaltes Wasser mit Himbeer- oder Erdbeersyrup vermischt. Eis und Gefrorenes (Ice cream) darf namentlich bei der Genesung verabreicht werden. Als Gurgelmittel gebrauche Salz und Wasser; eine in Salz und Wasser getauchte Binde sollte um den Hals gelegt werden.

Allöopathisch. Es ist gut, wenn man gleich zu Anfang eine Dosis citronensaures Magnesia (Citrate of magnesia) oder Rochellesalz gibt. Chlorsaures Kali (Chlorate of potassa) ist ein ausgezeichnetes Mittel. Einem Erwachsenen gebe eine Auflösung von 20 Granen alle drei Stunden. Einem fünf- oder sechsjährigen Kinde gebe folgendes:

Chlorsaures Kali (Chlorate of potassa) Drachmen.
Pfeffermünzwasser 4 Unzen.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei Stunden. Auch wird Chlorsaure Eisentinktur (Tincture of chloride of iron) sehr viel gebraucht. Einem Erwachsenen gebe 20 Tropfen alle 3 Stunden.

Das folgende ausgezeichnete Rezept enthält das Chlorsaure Kali sowohl als das Chlorsaure Eisen:

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Chlorsaures Kali (Chlorate of potassa) 2 Drachmen.
Chlorsaure Eisentinktur (Tinct. of chloride of iron) 1 Drachme.
Syrup 2 Unzen.
Pfeffermünzwasser 2

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei Stunden.

Zur Erhaltung der Kraft wird schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) empfohlen. Dosis: Ein Gran alle 2 oder 3 Stunden.

Manche empfehlen Per-Manganate of potassa; eine Drachme in 1½ Pint Wasser ausgelöst. Dosis: Einen Theelöffel voll jede Stunde.

Als Gurgelwasser mag eine halbe Unze der Auflösung von Chlorsaurer Soda (Solution of chloride of soda) zu sechs Unzen Wasser gebraucht werden, was man mittelst eines Kameelhaarpinsels anwenden oder mit einer Spritze einspritzen kann.

Durch das Einspritzen einer Auflösung von 2 Granen salpetersauren Silbers (Nitrate of silver) und 1 Unze Wasser — alle 24 Stunden zweimal — kann dem Ausfluß aus der Nase gewöhnlich Einhalt gethan werden.

Gegen das Anschwellen der Halsdrüsen lege man einen Leinsamenmehl-Umschlag auf. Im Anfangsstadium kann dem Patienten, falls er dazu alt genug ist, dadurch viel Erleichterung verschafft werden, daß man ihn den Dampf von heißem Wasser oder heißem Wasser mit Essig vermischt einathmen läßt. Manchmal ist auch Salzsäure (Muriatic acid) und Honig — gleiche Theile von jedem, mittelst eines Kameelhaarpinsels am Halse anzubringen; oder das gleiche Mittel mit Wasser verdünnt als Gurgelwasser angewendet, von guten Diensten. Erdöl (Creosote), von vier zu acht Tropfen in zwei Unzen Glycerin und zwei Unzen Wasser wurde schon mit Nutzen gebraucht. Das Einathmen des Dampfes von Kalkwasser wirkt ebenfalls manchmal sehr wohlthätig. Wenn zu Anfang der Krankheit Hitze der Haut und Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Brechmittel — 5 oder 10 Grane Brechwurz (Ipecac), wornach man einige Grane Grey powder oder eine Dosis schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) verordnet. Französische Aerzte empfehlen folgendes: Pulverisire Alaun (Alum) sehr fein und blase das Pulver mittelst einer Röhre in den Hals, doch so, daß das Ende der Röhre, welches in den Mund kommt, zu besserem Schutz mit einem Gasstoff (sehr feinem, lose gewobenem Zeug) überzogen wird. Jedoch kann der Alaun auf bessere Weise, indem man nämlich einen Schwamm oder einen Kameelhaarpinsel anwendet, applizirt werden.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Gurgelwasser:

Chlornatron (Chlorinated soda) 1 Unze.
Salzsaure Eisentinktur (Muriated tincture of iron) ½
Wasser 6 Unzen.

Gebrauche dieses alle halbe oder alle Stunden, namentlich dann, wenn der Athem sehr widerlich riecht.

[S. 206]

Wird der Kranke schnell schwächer, so gebe folgendes:

Aromatischer Ammoniakgeist (Aromatic spirits of ammonia) 2 Drachmen.
Aether 1 Drachme.
Laudanum 20 Tropfen.
Kampher-Spiritus (Spirits of camphor) 1 Drachme.

Mische. Dosis: Einen halben Theelöffel voll alle ein, zwei oder drei Stunden.

Das folgende ist ein sehr werthvolles Rezept:

Chinin (Quinine) 2 Drachmen.
Hydrochlorsäure (Hydro-chloric acid) 2
Salzsaure Eisentinktur (Muriated tincture of iron) 2
Zimmetwasser 12 Unzen.

Mische. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Die Diät wurde bei der homöopathischen Behandlung vorgeschrieben.

Eclectische und Kräuterkur. Ist der Kranke im Anfangsstadium der Krankheit noch kräftig, so wird ein Brechmittel gute Dienste leisten; ist er aber schwach, so sollten weder Brech- noch andere Mittel gegeben werden, die den Organismus schwächen. Man verordne ein warmes, mit vielem Senfmehl vermischtes Fußbad und reibe Füße und Beine tüchtig. Wird der Hals sehr wund und bildet sich die falsche Schleimhaut, so gebrauche folgendes Gurgelwasser:

Doppeltchromsaures Kali (Bichromate of potash) 10 Grane.
Wasser 4 Unzen.

Mische und lasse den Patienten hiermit alle 4 Stunden den Hals gurgeln. Ist er zu jung zu gurgeln, so sollte der Hals mit dieser Mischung ausgewischt werden. Salpetersaures Silber (Nitrate of silver), eine Drachme zu einer Unze Wasser — sollte alle acht oder zehn Stunden im Hals, namentlich wenn eine Schleimhaut vorhanden ist, angewendet werden. Manche empfehlen Gurgelwasser, das man aus Honig, Essig, rothem Pfeffer und Wasser bereitet; für Kinder jedoch ist der Pfeffer wegzulassen. Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist dieses: Man bringe Asche und Salz in ein Flanellsäckchen, erhitze die Substanz und lege das Säckchen — so heiß als möglich — auf den Hals. Schwefelsaures Natron (Sulphate of soda) 6 Drachmen zu 12 Unzen Bitterholz- (Quassia) Aufguß, ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Zerstörung der falschen Schleimhaut. Dosis: Einen Theelöffel voll drei-, vier- oder sechsmal des Tages.

Gegen übelriechenden Athem ist das folgende Mittel werthvoll:

Chlorsaures Kali (Chlorate of potash) ½ Drachme.
Salzsaure Eisentinktur (Tinct. of muriate of iron) ½
Wasser 1 Unze.

Mische. Dosis: Für einen Erwachsenen die halbe Mischung.

[S. 207]

Bei großer Schwäche hat man Chinin (Quinine) öfters mit großem Erfolg wie folgt angewendet:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) ½ Drachme.
Chlorsaures Kali (Chlorate of potash) 1
Verdünnte Salzsäure (Diluted muriatic acid) ½ Unze.
Wasser ½ Pint.

Mische und gebe alle Stunden oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.

Auch wird das folgende sehr empfohlen: Terpentin mit einem Eidotter (yolk) vermischt, wozu so viel Syrup gefügt werde, um eine Unze Mischung zu bereiten; abwechselnd alle Stunden mit 20 Granen in Wasser aufgelöstem Ammoniak (ammonia) zu geben.

Zeigen sich Symptome der Fäulniß, so mag Gurgelwasser aus gleichen Theilen brenzeliger Holzsäure (pyreligneous acid) und Wasser gebraucht werden.


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Elftes Kapitel.
Krankheiten der Luftröhre und der Brust.

Heiserkeit (Raucitas, Aphonia).

Begleiten diesen Zustand andere Krankheiten, wie Masern, Bräune, Katarrh u.s.w., so sehe man wegen dessen Behandlung unter den betreffenden Krankheiten nach. Zuweilen tritt dieses Uebel aber auch selbstständig auf und dann möge folgendes dagegen angewendet werden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Das folgende mag angewendet werden:

Meerrettig (Horse-radish root) 1 Unze.
Wasserdost (Boneset leaves) 1
Heißes Wasser 1 Pint.

Man stelle diese Mischung zwei Stunden lang in einem bedeckten Gefäß dem Feuer nahe und füge dann noch hinzu:

Essig ½ Pint.
Molasses ½

Lasse es 15 Minuten kochen. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle ein, zwei oder drei Stunden.

Oder auch:

Geschabter Meerrettig (Grated Horse-radish root) 4 Unzen.
Guten Essig 1 Pint.

Lasse es über Nacht stehen und füge dann ein halb Pint Honig hinzu. Lasse es kochen und durchseihe es dann. Dosis: Ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

Homöopathisch. Arsenicum. — Wenn mit der Heiserkeit starke Absonderung einer ätzenden Flüssigkeit aus der Nase verbunden ist.

Chamomilla. — Heiserkeit in Folge von Erkältung, Anhäufung eines klebrigen Schleimes im Halse, Husten am Morgen und Abend, bei Stechen im Halse, Heiserkeit bei Schmerzen im Halse nach Ausspucken.

Hepar Sulphuris. — Heiserkeit mit leiser, hohler Stimme, tiefsitzendem Husten, Heiserkeit bei trockenem Abendhusten, begleitet von einem wehen Ge[S. 209]fühl im Hals und der Brust, Stechen im Halse, als wenn Splitter in demselben wären.

Mercurius. — Heiserkeit, begleitet von einem brennenden, stechenden Gefühle im Halse, dünne wässerige Absonderung aus dem Kopfe.

Nux Vomica. — Heiserkeit, schlimmer am Morgen, trockene Verstopfung der Nase, rauher trockener Husten, der Kranke leidet abwechselnd an Hitze und Frost.

Pulsatilla. — Heiserkeit bei beinahe gänzlicher Stimmlosigkeit, Schmerzen beim Schlucken, lockerer Husten mit gelblicher, grünlicher oder übelriechender Absonderung aus der Nase, Schmerz in der Brust.

Carbo Vegetabilis. — Chronische Heiserkeit, schlimmer am Morgen und Abend, durch Sprechen erhöht, trockener Husten bei Heiserkeit und Rauhigkeit in der Brust, Stechen im Halse.

Bryonia und Rhus — gebe man alle zwei bis drei Stunden abwechselnd bei Wehsein des Halses und der Brust, schlimmer nach Sprechen und mit Frösteln verbunden, Schmerzen in den Gliedern und im Kopf.

Capsicum. — Heiserkeit bei stechendem oder kriechendem Gefühle in der Nase, heftigem Husten, schlimmer gegen Abend, Schmerz im Kopf und anderen Theilen des Körpers.

Causticum. — Bei hartnäckigen Fällen begleitet von Husten und heftigen Schmerzen in der Brust, chronische Heiserkeit, Morgens und Abends schlimmer.

Sulphur. — Besonders in chronischen Fällen, in denen Rauhheit und Druck im Halse vorhanden — Heiserkeit tritt bei feuchtem, kaltem Wetter ein, rauhe Stimme, besonders des Nachts — eine passende Gabe nach Mercurius oder Pulsatilla.

Verordnung der Heilmittel. Obige Mittel können sowohl trocken als auch in Wasser gegeben werden. Wenn in Wasser, löse 12 Pillen in ebenso viel Theelöffeln voll Wasser und gebe alle zwei, drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll. Wenn trocken, 4 Kügelchen als eine Dosis. Bei chronischen Fällen wird Morgens und Abends eine Dosis hinreichen. Tritt keine Besserung ein, so sollten die Mittel immer nach Verlauf von 6 oder 7 Tagen gewechselt werden. Die Anwendung des Wassers ist bei diesem Zustande äußerst zuträglich und ein nasser Umschlag um den Hals sollte für die Nacht gemacht und derselbe am andern Morgen mit kaltem Wasser gewaschen werden.

Luftröhrenentzündung (Bronchitis).

Diese Entzündung erstreckt sich über die Schleimhaut, welche die Luftgänge der Lungen oder die Luftröhre einfaßt, und kann entweder acut oder chronisch sein.

Symptome. Die acute Form der Luftröhrenentzündung beginnt in der Regel mit denselben Kennzeichen einer gewöhnlichen Erkältung, wie Frösteln, dem bald Fieber. Husten, schnelles Athmen, ein[S. 210] Gefühl von Schmerz und Wehsein des oberen Theiles des Brustknochens, Athmen sehr beklommen, schnell und unregelmäßig, Zusammenziehen, Verengen oder Beklemmung der Brust, die Luftgänge anfänglich trocken bei schmerzhaftem Husten. Schreitet aber die Krankheit vor, so tritt ein Auswurf hinzu, der zuweilen mit Blut gestreift, nach und nach gelblich, dick und klebrig wird. Gewöhnlich ist ein Schmerz in der Stirne vorhanden, der durch das Husten erhöht wird. Auch tritt Appetitlosigkeit, belegte Zunge, Schwäche und Blässe der Lippen ein. Steigert sich die Absonderung im Halse, so wird der Husten etwas vermindert. Bei strengen Fällen treten die Symptome heftiger auf, das Fieber erhöht sich, der Puls wird voll und rasend schnell, die Haut ist heiß und trocken, das Athmen geschieht immer schneller, ist mit Schwierigkeit verbunden und ein Röcheln wird hörbar, führt häufig wiederkehrende Krampfanfälle herbei und Durst und Verstopfung ist vorhanden. Bei Kindern und Leuten von schwacher Körperbeschaffenheit tritt eine Verminderung der Lebenskraft hinzu. Die Oberfläche des Körpers wird kalt und purpurfarbig, der Puls schwach und fliegend. Nimmt die Krankheit eine Wendung zum Schlimmsten, so treten Krämpfe und Gefühllosigkeit hinzu. Im günstigen Falle wird der Kranke nach Verlauf von acht oder zehn Tagen wieder genesen.

Ursachen. Kalter Luftzug, der unmittelbar mit der Schleimhaut des Halses in Berührung kommt, plötzlicher Witterungswechsel, der Wechsel des geheizten Zimmers mit kalter Luft, das Einathmen reizender Gase. Leute, weiche beim Gehen in der kalten Luft den Mund offen zu halten pflegen, sind vor allen anderen für diese Krankheit empfänglich.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia (Lobelia) und Blutwurzel (Blood root) sollte für den Anfang in Dosen von einem halben Eßlöffel voll alle vier oder fünf Minuten und zu gleicher Zeit Salbei- (Sage) Thee gegeben werden, bis das Erbrechen eintritt. Hie und da wird ein Fußbad von heißem Wasser, das Hüten des Bettes, das rings um den Körper des Kranken durch Flaschen heißen Wassers erwärmt wird, hinreichen, einen Anfall zu brechen. Es wird gut sein, die Eingeweide mit gelinden Abführmitteln, wie Seidlitzpulver, Rhabarber (Rhubarb) oder Magnesia zu öffnen. Zucker, von Citronensaft angefeuchtet, wird zuweilen den Husten lindern, welchem Zwecke auch das Trinken von Isop- (Penny royal), Wasser[S. 211]dost- (Boneset) und Blutwurzel-Thee entsprechen wird. Der Schweiß sollte vermittelst der zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) hervorgerufen werden und gegen den Husten möge man folgendes geben:

Honig 1 Unze.
Olivenöl 1
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1
Citronensaft 1

Mische es. Dosis für einen Erwachsenen drei- oder viermal des Tages einen Theelöffel voll.

Oder auch:

Meerzwiebelsyrup (Syrup of squills) Unzen.
Brechwurzsyrup (Syrup of ipecac)
Tolubalsamsyrup (Syrup of balsam tolu) 1 Unze.
Blutwurzeltinktur (Tincture of blood root) 1
Paregoricum-Elixir (Elixir of paregoric) 1

Mische es. Dosis wie oben.

Oder:

Harz (Rosin) 1 Unze.
Stückzucker (Loaf sugar) 1
Gummi Arabicum (Gum arabic) ½
Tolubalsam (Balsam Tolu) ½

Mache es zu einem feinen Pulver und mische es in einem Mörser. Dosis: einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser drei- oder viermal des Tages.

Bei chronischer Luftröhrenentzündung kann das folgende gegeben werden:

Gummi Arabicum (Gum arabic) 2 Unzen.
Essig ½ Pint.
Molasses ½

Koche es, bis der Gummi aufgelöst ist, dann füge hinzu:

Mohnsaft (Laudanum) Unzen.
Tolubalsamtinktur (Tincture of balsam tolu)

Dosis einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.

Oder:

Essigsaure Blutwurzeltinktur (Acetic tincture of blood root) 1 Unze.
Schlangenwurzeltinktur (Tincture of black cohosh) 1
Tolubalsamtinktur (Tincture of balsam tolu) 1
Brechwurzwein (Wine of ipecac) 1
Süßer Salpeter-Spiritus 2 Unzen.

Mische es. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

Das Einathmen der warmen Dämpfe des Andorn- (Hoarhound), Katzenmünze- (Catnip) Thees und dergleichen mehr hat sich in einigen Fällen be[S. 212]währt. Bei der chronischen Form kann Nachstehendes bestens empfohlen werden:

Pulverisirter Rhabarber (Powdered rhubarb) 1 Unze.
Doppelt kohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potash) ½

Mische es. Dosis: 5–10 Grane dreimal des Tages in einem Theelöffel voll Wasser. Zuweilen kann auch des Abends folgendes behufs Regulirung der Eingeweide gegeben werden:

Entenfuß (Podophyllin) ¼ Gran.
Leptandrin 1 oder 2 Grane.
Stückzucker (Loaf sugar) 5

Auf einmal zu nehmen.

Folgende Pillen mögen gegen den Husten gegeben werden:

Bilsenkrautextrakt (Extract Hyosciamus) Unzen.
Brechwurz (Ipecac)
Canadischer Balsam (Canada balsam)
Salzsaures Ammoniak (Muriate of Ammonia)

Mische und theile es in Pillen von vier Granen. Dosis: alle drei bis vier Stunden eine Pille.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen chronische Luftröhren-Entzündung:

Bilsenkrautextrakt (Extract Hyosciamus) Drachmen.
Alcoholextrakt von Schlangenwurzel (Alcoholic extr. of black cohosh)
Potaschen-Jodid (Iodide of potassium)
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine)

Mische es und mache Pillen von vier Granen daraus, wovon alle drei oder vier Stunden eine zu geben ist.

Bei Diarrhöe gebe drei- oder viermal des Tages Dosen von 20 Tropfen von Eisenchlortinktur (Tincture of chloride of iron) in einem Weinglas voll Wasser.

Homöopathisch. Aconitum. — In der Regel das beste Mittel, besonders bei starkem Fieber, trockner Haut, fliegendem und hartem Pulse, schnellem und ängstlichem Athmen, Hals trocken, Husten, einem stechenden Gefühle in Hals und Brust, Angst und Unruhe, mehr oder weniger Schmerzen in der Brust — besonders des Nachts.

Tartarus emeticus. — Bei starken Hustenfällen, mit einem Gefühl von Erstickung, röchelndem Athmen, Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung, Herzklopfen, Schmerzen im Rücken und Gliedern und Durst.

Pulsatilla. — Mäßiges Fieber, erhitzte Haut, Heiserkeit, gestörtes Athmen beim Liegen auf dem Rücken.

Bryonia. — Trockenheit im Halse, schweres, kurzes und ängstliches Athmen,[S. 213] Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend, Stechen in der Brust, heftiges Kopfweh, durch Bewegung erhöht.

Nux vomica. — Symptome ungefähr dieselben, wie bei Bryonia.

Phosphorus. — Nachdem die Anzeichen einer Entzündung verschwunden, dessenohngeachtet aber schweres Athmen, Heiserkeit, Rauheit in dem oberen Theile der Luftröhre, Hitze in der Brust, trockner, hackender Husten, sowie Husten durch ein Stechen im Halse, durch Sprechen oder Lachen verursacht, vorhanden sind.

Chamomilla. — Nachdem das Fieber vermittelst Aconitum unterdrückt ist und nur ein trockener Husten, schlimmer des Abends und während des Schlafens, zurückbleibt.

Spongia und Hepar Sulphuris. — Mögen abwechselnd gegeben werden bei schwerem Athem, wehem Hals, Röcheln, trockenem und hohlem Husten bei Tag und Nacht, aber während der letzteren nur theilweise.

Dieselben Mittel können auch bei der chronischen Luftröhren-Entzündung angewendet werden.

Verordnung der Heilmittel. Wenn flüssig gegeben, löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Dosis: der Strenge der Symptome angemessen, alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel voll. Trocken: 3 oder 6 Pillen auf einer Dosis.

Bei chronischer Luftröhren-Entzündung wird Morgens und Abends eine Dosis hinreichen.

Allöopathisch. Ein Anfall von Luftröhren-Entzündung kann zuweilen auch dadurch gehoben werden, daß der Kranke beim zu Bettgehen ein Glas heiße Limonade oder 10 Grane Dover’sche Pulver (Dover’s powders) nimmt und dann ein warmes Senffußbad folgen läßt. Schlägt dieses nicht an, gebe man eine Dosis Bitter- (Epsom) oder Rochellesalz oder auch Citronensaure Magnesia (Citrate of magnesia). Bei starkem Fieber, erstickendem Husten und weher Brust gebe man folgendes:

Weinsteinsaures Antimon (Tartrate of Antimony) 2 Grane.
Potasche (Potassa) 2
Wasser 4 Unzen.

Mische es. Dosis: alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebe man beliebig Leinsamenthee zu trinken.

Eine Einreibung der Brust mit Terpentinöl verschafft zuweilen Linderung.

Bei gelinden Fällen hilft Brechwurzsyrup (Syrup of ipecac), in Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, hin und wieder sehr schnell. Diesem lasse man nachstehendes folgen:

Salpetersaure Potasche (Nitrate of potassa) 2 Drachmen.
Meerzwiebel-Honigessig (Oxymel of squills) 1 Unze.
Fingerhut (Tincture of digitalis) ½ Drachme.
Essig 1 Eßlöffelvoll.
[S. 214] Zucker ½ Drachme.
Gummi Arabicum (Gum arabic) ½

Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis: alle zwei oder drei Stunden einen Eßlöffel voll.

Ist der Husten des Nachts beschwerlich, gebe man folgendes:

Meerzwiebelsyrup (Syrup of squills) 3 Unzen.
Paregoricum (Paregoric) 1 Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll oder zwei Theelöffel voll des Nachts.

Heiße Kleie oder Senfumschläge sollten um den Hals und auf die Brust gelegt werden. Bei lästigem Husten gebe man folgendes:

Honigessig (Oxymel) 1 Unze.
Bilsenkrauttinktur (Tincture of henbane) 1 Drachme.
Salpeterspiritus (Spirits of nitre) 1
Brechwurzwein (Ipecac wine) 1
Zimmetwasser (Cinnamon) 2 Unzen.

Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen daraus zu machen. Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Brechweinstein (Tartar emetic) im Verhältniß von einem Grane auf zehn Drachmen kochendes Wasser, wird zuweilen — alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll — gegen den Husten gegeben.

Bei chronischer Luftröhren-Entzündung gebe man 3 Tropfen Crotonöl auf die Brust, jeden Abend bis ein Ausschlag eintritt. Pflaster von Burgundischem Pech (Burgundy pitch), Schierling (hemlock) &c. sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Folgendes lindert zuweilen den Husten:

Copaivabalsam (Balsam of copaiva) 3 Drachmen.
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (Compound spirits of lavender) 2
Weißer Zucker 2 Unzen.
Gummi-Arabicum 2 Drachmen.

Hinreichend Wasser, um davon 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Salzsaures Ammoniak (Muriate of ammonia) 8 Drachmen.
Schleimwasser von Gummi Arabicum 4 Unzen.

Mische es. Dosis: drei oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll. Das Einathmen folgender Dämpfe wird, wenn die Absonderung übermäßig stark ist, zuweilen sehr zuträglich gefunden werden: Dampf von Theer, dadurch hervorgerufen, daß man eine oder zwei Unzen Theer in einen Tassenkopf voll heißen Wassers thut — oder Dampf von Kreosot, der durch drei oder vier Tropfen Kreosot, in ein halbes Pint kochendes Wasser eingegossen, erzeugt wird.

[S. 215]

Influenz, auch Grippe oder Flußfieber.

Diese Krankheit wird, wenn sie nur vereinzelt hier und da auftritt und nur wenige Tage anhält, Erkältung oder Katarrh genannt, breitet sie sich aber weiter aus, so daß Viele zu gleicher Zeit daran leiden, und dauert mehrere Tage oder Wochen, so wird sie epidemisch und man nennt sie Influenz oder wie oben.

Ursachen — sind dieselben wie bei andern Leiden des Halses und der Lungen.

Symptome. — Zuerst dieselben Symptome wie beim Katarrh mit einem dumpfen Schmerz und Gefühl von Schwere in der Stirn, Brust-Beklemmung, erschwertes Athmen, Gefühl von Trockenheit oder Empfindung von Vollsein in der Nase, Nießen, Augen wässerig und roth, Hals weh, beständig trockener Husten, Heiserkeit, Durst, Frösteln und ein Verlangen, nahe ans Feuer zu kommen.

Kurze Zeit darauf läuft aus Augen und Nase Wasser, der Husten nimmt zu, der Zustand verschlimmert sich des Nachts, bei Fieber, schnellem Puls, heftigen Schmerzen an verschiedenen Theilen des Körpers, Auswurf zuerst dünn und weiß, dann gelblich und dick, der Husten läßt bedeutend nach. In Begleitung dieser Krankheit findet man Schmerzen in den Gliedern und dem Körper, Appetitlosigkeit, Durst, fliegende Hitze mit Frostschauer abwechselnd. Beschränkt sich die Entzündung auf die Nase, so ist Nießen, Vollsein und Hitze daselbst vorhanden und eine dünne Absonderung findet statt.

Behandlung.

Homöopathisch. Camphor. — Wenn bei Beginn der Krankheit genommen, ist dieselbe häufig dadurch kurz abgeschnitten. Wird die Kampher-Tinktur angewendet, so sollten 3 oder 4 Tropfen in einem halben Becher Wasser aufgelöst und ein Theelöffel voll als eine Dosis gegeben werden.

Arsenicum — kann in der Regel zu Anfang der Krankheit, wenn kein starkes Fieber, Hitze oder Durst vorhanden ist, angewendet werden. Der Kranke trinkt öfters, ist unruhig und die Absonderung ist scharf und verdorben, Wehsein und ein heftiges Brennen der Nase innerlich und äußerlich.

Mercurius. — Besonders beim Beginn wenn die Hauptsymptome, wie Nießen und Laufen der Nase, Schmerzen im Kopfe und Körper, rothe, wässerige Augen, ein loser Husten und übermäßiger Schweiß in die Augen fallend sind.

Bryonia — kann alle 2 bis 3 Stunden abwechselnd mit Aconitum gegeben werden bei heißer, trockener Haut, starkem, angreifendem Husten und stechenden Schmerzen in der Brust.

[S. 216]

Belladonna und Aconitum — abwechselnd wenn der Husten trocken und krampfartig ist, bei starkem Kopfschmerz, Trockenheit des Halses und des Mundes.

Hepar Sulphuris. — Wenn die Erkältung sich bereits besserte, dann aber wieder schlimmer wurde, oder wenn der Kranke zu viel Calomel genommen und jeder Windhauch das Husten erneuert.

Phosphorus und Tartarus Emeticus mögen abwechselnd gegeben werden, wenn Druck der Lungen vorhanden ist, begleitet von einer Schwäche und Gefühl von Wehsein in denselben — wenn beim Husten oder Athmen ein Röcheln in der Brust vorhanden ist.

Pulsatilla. — Nach Mercurius oder abwechselnd damit alle 3 oder 4 Stunden. Husten lose, Ausfluß aus der Nase gelb und dick, Wehsein der Brust am Morgen, saurer, schlechter Geschmack im Munde.

Silicea. — Wenn die Krankheit chronisch ist und immer wiederkehrt.

Euphrasia. — Bei Ausfluß eines weißen Schleimes aus der Nase, böse Augen und übermäßige Thränen.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede, oder alle zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis. Von den Kügelchen gebe man 3 bis 6 als eine Dosis.

Allöopathisch. Warme Senffußbäder, des Nachts darauf einen großen Schluck Limonade, oder, wenn Fieber vorhanden ist, Limonade kalt genommen und gleichzeitig eine Dosis citronensaure Magnesia (Citrate of magnesia), Rochellesalz oder Sennesblätter- (Senna) Thee am Morgen wird gewöhnlich hinreichen, die Krankheit zu brechen. Sind die Eingeweide verstopft, gebe man folgendes:

Zusammengesetztes Jalappen-Pulver (Compound powder of jalap) 1 Unze.
Cremor Tartari (Cream of tartar) 1

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in versüßtem Wasser.

Ist der Anfall schwer, so sollte sich der Kranke ins Bett begeben, Flaschen mit heißem Wasser sollten an die Füße und an die Seiten des Körpers gelegt, dabei Getränke von Pfeffermünz (Peppermint), Isop (Penny royal) oder Salbei (Sage) gegeben werden.

Alle Stunden fünf Tropfen von Nießwurz-Tinktur (Tincture of veratrum viride) wird öfter eine ungehinderte Ausdünstung wieder herstellen. Ist der Husten sehr bedeutend, so werden jene unter Luftröhren-Entzündung empfohlenen Mittel sehr zuträglich gefunden werden.

Ist in den letzteren Stadien der Krankheit bedeutende Schwäche vorhanden, gebe man folgendes:

Citronensaures Eisen (Citrate of iron) 1 Drachme.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1 Skrupel.
[S. 217] Brechnuß-Extrakt (Extract of Nux vomica) 8 Grane.

Mische es, mache 32 Pillen daraus und nehme dreimal des Tages eine.

Wenn der Kranke alt und schwach ist, möge das folgende gegeben werden:

Enzian-Aufguß (Infusion of gentian) Unzen.
Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sequicarbonate of ammonia) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (Compound tincture of cardamon) ½ Unze.

Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.

Die Kost sollte nahrhaft und nicht reizend sein, bestehend in Fleischbrühen, Pfeilwurz (Arrow root), Sago und Gelee (Jelly) mit einem Theil Wein.

Eclectische und Kräuterkur. Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig Medizin erforderlich. Es wird hinreichen, Fußbäder zu nehmen, das Bett zu hüten, Gerstenschleim (Barley water), dünne Hafergrütze (Gruel) und warme Limonade zu trinken. Bei Athem-Beschwerden gebe man Lobelia-Tinktur, Blutwurzel- (Blood root) Tinktur oder Brechwurzwein (Wine of Ipecac). Gegen Husten und bösen Hals gebe man folgendes:

Guter Essig 1 Theetassenkopf voll.
Honig ½
Cayenne-Pfeffer 1 Theelöffel voll.

Koche es einige Minuten an einem gelinden Feuer und wenn abgekühlt, gebe man gelegentlich, oder wann immer der Husten lästig wird, einen Theelöffel voll.

Um die Ausdünstung zu befördern, kann jede Stunde oder alle zwei Stunden eine Dosis zusammengesetzte Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) gegeben werden, ferner lasse man den Kranken nach Belieben Wasserdost- (Boneset), Andorn- (Hoarhound) oder Salbei- (Sage) Thee trinken.

Husten

ist in den meisten Fällen nur ein Symptom von anderen Krankheiten, wie Brust-Entzündung, Luftröhren-Entzündung, Influenz (Grippe) u.s.w., und man sehe deshalb wegen Behandlung solcher Fälle diese Krankheiten unter den betreffenden Kapiteln nach.

Zuweilen aber tritt er als ein selbstständiges Leiden auf und wird von einem einfachen Katarrh oder durch organische Störungen, die ihn nervös oder krankhaft machen, hervorgerufen.

Behandlung.

Allöopathisch. Folgendes ist ein guter Hustensyrup:

Honig 4 Unzen.
Molasses 4
Essig 4

[S. 218]

Lasse es in einem irdenen Gefäß über einem gelinden Feuer einige Minuten lang kochen und rühre es gehörig um; dann füge hinzu:

Zusammengesetzte Kampher-Tinktur (Compound tincture of camphor) Ein Dessertlöffel voll.
Brechwurz-Wein (Ipecac wine) Ein Dessertlöffel voll.

Mische es wohl. Alle 4 Stunden eine Dosis.

Oder auch:

Blutwurzel-Tinktur (Tincture of blood root) 2 Drachmen.
Tolu-Syrup (Syrup of Tolu) 1 Unze.
Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen.
Verdünnte Hydrocyan-Säure (Diluted hydro-cyanic acid) 40 Tropfen.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 2 Grane.

Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur.

Meerzwiebel-Syrup (Syrup of squills) ½ Unze.
Brechwurz-Syrup (Syrup of Ipecac) ½
Blutwurzel-Tinktur (Tincture of blood root) ½
Paregoricum (Paregoric) ½

Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll, wenn immer der Husten lästig wird.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei heftigem Husten, kurz und trocken, besonders des Nachts, begleitet von Stechen im Hals, Zusammenziehung der Brust oder stechende Schmerzen in derselben, verbunden mit Athmungsbeschwerden.

Bryonia und Rhus Toxicodendron. — Alle zwei Stunden abwechselnd eine Dosis bei Schmerzen im Kopfe und in den Gliedern, Frösteln und Durst.

Bryonia. — Trockener Husten, Reiz im Halse oder Schmerzen in der Brust, schlimmer im Freien, wenn der Husten von Erkältung in feuchtem oder sonstigem Wetter herrührt, loser Husten mit gelblichem Auswurf oder krampfartiger Wirkung nach dem Essen oder Trinken.

Rhus Toxicodendron. — Trockener Hals, Husten in Folge Stechens in der Brust, schlimmer am Abend oder vor Mitternacht, Schwäche in der Brust, Kurzathmigkeit, schlimmer in der Luft, besser bei Bewegung oder in der Wärme, Husten bei einem Geschmack von Blut im Munde.

Belladonna. — Hals trocken, Husten, besonders des Nachts, schlimmer bei Bewegung, Stechen im Halse und ein Gefühl, als ob sich fremde Körper in der Luftröhre befänden, Hitze und Röthe des Gesichts, Vollsein und Schmerz im Kopfe, Schmerz im Nacken, scharfe, schneidende und grimmende Schmerzen in den Eingeweiden.

[S. 219]

Hyosciamus. — Wenn Belladonna nur theilweise Linderung gewährt, besonders bei trockenem, stechendem Husten, der beim Sitzen im Bette nachläßt.

Chamomilla. — Husten in Folge Stechens in der Halshöhle, welches sich bis auf den Brustknochen ausdehnt, besonders beim Sprechen, Röcheln, ein Gefühl als ob etwas im Halse in die Höhe stiege und den Athem benehme, Husten nach Mitternacht, Frösteln, Blässe der einen und Röthe der anderen Wange.

Ignatia. — Trockner Husten, Laufen der Nase Tag und Nacht, kurzer hackender Husten, als ob vom Kitzeln mit einer Feder verursacht, nächtlicher Husten, welcher sich nach dem Essen, Niederlegen oder beim Aufstehen des Morgens verschlimmert.

Ipecacuanha. — Nervöser und krampfartiger Husten besonders des Nachts, Uebelkeit, Würgen und Erbrechen, begleitet von einem Schmerz im Unterleib, Husten des Nachts oder beim Gehen in der kalten Luft schlimmer, Beklemmung des Athems, als ob die Lungen mit Schleim gefüllt wären.

Mercurius. — Trockener, krampfhafter Husten, durch Sprechen erhöht, Schmerzen im Kopfe und der Brust beim Sprechen, heißer Husten bei wässeriger Absonderung aus Nase und Mund oder einer wässerigen Diarrhöe.

Nux vomica. — Kitzelnder Husten, schlimmer des Morgens früh, zäher Schleim im Hals und Lungen, kitzelndes Gefühl im Halse und Husten, Frösteln, Husten durch Kitzel und Kratzen verursacht, oder mit einem Gefühle von Rauheit und Wehsein, von stechenden Schmerzen gefolgt, Auswurf eines klebrigen Schleims, zuweilen mit Blut gestreift. Husten in Folge von Bewegung schlimmer, dem hin und wieder ein Würgen oder Erbrechen folgt, ermüdender Husten mit Schmerzen im Kopf als ob er zerspringen wollte, ein quetschendes Gefühl in der Magengrube, Husten trocken, während des späteren Theiles des Tages oder zur Nachtzeit Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend.

Phosphorus. — Trockener Husten von einem Reiz im Halse veranlaßt, oder stechender Schmerz in der Brust, schlimmer beim Liegen auf der linken Seite oder bei Bewegung, Kitzeln im Halse, aber mehr in der Brust, Heiserkeit oder ein Schmerz in der Brust, als wenn Alles roh wäre, Husten durch Liegen auf der linken Seite erregt, Rauheit, Vollsein und Beengung der Brust.

Pulsatilla. — Husten mit einem leichten Auswurf von Schleim, starkes Würgen, trocknen Husten, meistens am Morgen, Neigung zum Erbrechen, loser Husten mit salzigem, bitterem, unangenehmem Auswurf, zuweilen mit Blut gestreift.

Tartarus emeticus. — Hohler, rasselnder Husten, Husten mit Uebelkeit und Erbrechen, Husten mit einem Rasseln des Schleimes in der Brust, schnelles und schwieriges Athmen.

Lycopodium. — Husten des Nachts und nach dem Trinken schlimmer, ein kitzelnder Husten in Folge tiefen Athemzuges, Stechen in der linken Seite der Brust.

[S. 220]

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder alle zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Kügelchen angewendet, so gebe drei bis sechs als eine Dosis.

Kost. Hustenleidende, besonders in chronischen Fällen, sollten gute, dabei aber einfache, nahrhafte Kost haben, und alle zu reichen, stark gewürzten Speisen, frisches Brod, fettes Fleisch, Bier u. s. w. vermeiden. Der Betreffende muß sich viel in der frischen Luft bewegen, davon einen guten Theil in die Lungen einathmen und dann die Brust mit der Hand schlagen. Tägliche kalte Wasserbäder und Waschungen sind eins der besten Mittel, um eine Anlage zu Husten und Erkältungen zu unterdrücken. Ist der Husten sehr trocken, so wird ein Umschlag von heißem Wasser über die Brust, der, sobald er kalt ist, entfernt wird, in einigen Fällen Linderung verschaffen. Wenn möglich, lasse man den Kranken beim zu Bettegehen nach Belieben kaltes Wasser trinken.

Lungenentzündung (Pneumonia).

Dies ist eine Entzündung der Lungenmasse und wird zuweilen Lungenfieber genannt. Nicht selten ist damit Pleuresie (Rippen- und Brustfellentzündung) verbunden. Lungenentzündung kann entweder einfach oder doppelt auftreten, das heißt, eine oder beide Lungen können von der Entzündung ergriffen werden. Die auf der rechten Seite kommt häufiger vor als jene auf der linken.

Symptome. Lungenentzündung beginnt in der Regel, wie alle Entzündungskrankheiten, mit einem Frostschauer oder Frösteln, dem Fieber folgen Schmerzen auf einer Seite der Brust, schwieriges Athmen, Husten, erhöhter Puls, schnelles Athmen und Schmerz zuweilen scharf, gleich einem Stich in der Seite. Der Kranke kann wegen des Schmerzes nicht auf der angegriffenen Seite liegen und das Athmen wird schwieriger, wenn er auf der entgegengesetzten Seite liegt, daher liegt er meistens auf dem Rücken. Ein trockener, schmerzhafter Husten stellt sich beim Beginn ein, zuweilen aber ist er feucht, der Auswurf weiß und durchscheinend, der bald darauf rostfarbig oder mit Blut gestreift wird. Die Haut ist trocken, Durst, fliegende Hitze und Angst sind vorhanden. Die Entzündung erreicht gewöhnlich am fünften oder sechsten Tag ihre Höhe und die Symptome bleiben ein oder zwei Tage unverändert, dann lassen sie nach und der Kranke wird schließlich gesund. Nimmt die Entzündung einen ungünstigen Verlauf, so quält sich der Kranke eine[S. 221] längere Zeit und die Symptome werden nach und nach immer schlimmer, bis der Tod seinen Leiden ein Ende macht.

Zuweilen tritt die Lungenentzündung epidemisch auf, nimmt dann leicht einen bösartigen Charakter an und artet in typhöse Pneumonia aus. Die Symptome sind ähnlich denjenigen der einfachen Lungenentzündung, mit Ausnahme des geschwächten Zustandes des Organismus. Die Entzündung selbst aber hat einen weniger acuten Charakter als bei Pneumonia. Schreitet die Krankheit vor, so verschwinden die thätigen Symptome der Pneumonia und der Kranke liegt im Schlafe oder Betäubung tritt ein, die Haut wird rauh und trocken und die Spitze und Ränder der Zunge erscheinen sehr roth, während die obere Fläche mit einem gelblichen oder bräunlichen Schleim belegt ist. Die Eingeweide schwellen an und sind äußerst empfindlich.

Ursachen. Erkältung ist in der Regel die Hauptursache, daher tritt auch die Lungenentzündung häufiger in den Winter- als während der Sommermonate auf. Ein starker Schlag oder Fall auf die Brust, sowie das Einathmen reizender Gase, können ebenso die Veranlassung dazu werden.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte sich in einem gut ventilirten Zimmer aufhalten; die Temperatur desselben muß gemäßigt, darf weder zu warm noch zu kalt sein. Sorge sollte getragen werden, daß derselbe nicht der Zugluft ausgesetzt wird.

Eclectische und Kräuterkur. Der Kranke stelle seine Füße und Beine in warmes Wasser und trinke Compositions-Salbei- (Sage) oder Isop- (Penny Royal) Thee. Es ist vortheilhaft, gleich zu Anfang ein Brechmittel zu verordnen, Erwachsenen das zusammengesetzte Lobeliapulver (Compound powder of lobelia), Kindern die zusammengesetzte Lobeliatinktur (Compound tincture of lobelia). Das Brechmittel muß, ehe der Schweiß ausbricht, gegeben werden. Eine Bähung von bittern Kräutern, wie Andorn (Hoarhound), Rainfarn (Tansy), Hopfen (Hops), Wasserdost (Boneset), Flöhkraut (Smartweed) und Pfirsichblätter (Peach leaves), von jedem eine Handvoll, in einem Gefäße über dem Feuer gekocht, wird empfohlen und zwar in der Weise, daß sich der Kranke entkleidet über das Gefäß setzt mit einer Decke um die Schultern, welche bis zum Boden reicht, so daß der Körper unmittelbar von dem so erzeugten Dampfe berührt wird. Dies sollte eine halbe Stunde fortgesetzt werden, und um das Wasser warm und dampfend zu erhalten, kann man von Zeit zu Zeit einen erhitzten Ziegelstein in dasselbe legen. Der Patient sollte dann rasch[S. 222] abgetrocknet und ins Bett gebracht werden, und darauf ein Brechmittel nehmen. Letzteres kann aus gleichen Theilen der pulverisirten Lobelia, Salbei (Sage), Blutwurzel (Blood root) und Brechwurz (Ipecac) zusammengesetzt werden. Nehme davon einen großen Theelöffel voll, gieße ein Pint heißes Wasser darauf, rühre es um und lasse es 15 Minuten lang stehen, dann gebe man alle 5 bis 10 Minuten eine Theetasse voll, bis gehöriges Erbrechen eintritt; gleichzeitig sollte Isop- (Pennyroyal), Salbei- (Sage) oder Wasserdost- (Bonset) Thee nach Belieben getrunken werden. Nachdem das Brechmittel gewirkt hat, ist es gut, den Kranken vermittelst heißer Ziegelsteine zu erwärmen, wohl zugedeckt zu halten, mit den warmen Thees fortzusetzen und ihn schwitzen zu lassen. Damit möge mehrere Stunden angehalten werden; dann sollte man ihn trocken abwischen, mit trockner Wäsche versehen und ihn schlafen lassen. Da hierbei mehr oder weniger Störungen der Leber vorkommen, so wird es zuweilen nothwendig werden, ein Abführmittel zu verordnen.

Entenfuß (Podophyllin) 1 Gran.
Leptandrin 2 Grane.

Gebe es als eine Dosis und wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden, bis die Wirkung eintritt. Wenn der Schmerz nach diesem noch fortdauert, so müssen heiße Umschläge von bitteren Kräutern, wie Hopfen (Hops), Rainfarn (Tansy) und Wermuth (Wormwood), so heiß als es ertragen werden kann, über die Brust gemacht und dieselben jede Stunde oder alle zwei Stunden gewechselt werden. Im Falle die Fiebersymptome stark sind, ist das folgende zu empfehlen:

Jasmintinktur (Tincture of gelseminum) 4 Drachmen.
Eisenhuttinktur (Tincture of aconite) 24 Tropfen.

Mische es. Dosis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der Kranke Linderung verspürt.

Zur Hebung des Hustens und schwierigen Athmens möge folgendes angewendet werden:

Pulverisirter Lobeliasamen (Pulv. lobelia seed) 1 Unze.
Blutwurzel (Blood root) 1
Brechwurz (Ipecac) 2 Unzen.
Cayennepfeffer (Cayenne) ½ Unze.
Whiskey 1 Quart.

Dies sollte vor dem Gebrauche eine oder zwei Wochen lang stehen. Dosis alle Stunden einen Theelöffel voll.

Folgendes kann auch gegen den Husten angewendet werden:

Senegawurzsyrup (Syrup senega) 1 Unze.
Meerzwiebelsyrup (Syrup of squills) 1
Lobeliatinktur (Tincture of lobelia) 1

Mische es. Dosis: jede Stunde oder alle 2 Stunden einen Theelöffel voll.

Wenn die Entzündung nachläßt und der Kranke fühlt sich schwach, so sind stärkende Mittel erforderlich. Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) kann in Dosen von 2 bis 3 Granen dreimal des Tages gegeben werden, oder[S. 223] Porter, Wein oder auch Molken-Wein. Ist die Krankheit vorüber und es bleibt noch ein Husten zurück, so gebe man folgendes:

Tolu Balsam und Gummi Arabicum, von jedem ein halbes Pfund und Cideressig eine Gallone. Löse vermittelst Hitze den Balsam und Gummi in dem Essig und füge 6 Pfund Zucker hinzu. Wenn alles aufgelöst ist, nehme man es vom Feuer und füge dann noch 18 Unzen Laudanum hinzu. Dosis: Einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.

Bei typhöser Lungenentzündung ist die Behandlung ähnlich jener gewöhnlicher Pneumonie, sowie auch der des Nervenfiebers. Die Haut, anstatt heiß, ist in dieser Form der Krankheit gewöhnlich kalt, daher sollten die Füße und Beine öfters in warmem Laugenwasser gebadet werden. Doverische Pulver (Dover’s powders) können gegeben werden, oder folgendes in Hinzufügung der anderen Heilmittel, welche bereits unter Lungenentzündung erwähnt wurden.

Pulverisirte Brechwurz (Pulv. Ipecac) 2 Drachmen.
Pulverisirtes Kampherharz (Pulv. gum camphor) 2
Kohlensaures Ammoniak (Carbonate ammonia) 2
Pulverisirtes Opium (Pulv. Opium) ½ Drachme.

Reibe es in einem Mörser gehörig durcheinander und gebe ungefähr 8 Grane als eine Dosis alle 3 oder 4 Stunden.

Homöopathisch. Aconitum — sollte zu Anfang entweder allein oder abwechselnd mit Bryonia, bei hohem Fieber und starkem Schmerz in der Brust gegeben werden. Der Schmerz wird bei Bewegung oder Husten schlimmer, der Auswurf ist blutig und von der Farbe von Ziegelstaub, Zunge belegt, viel Durst. Von diesen Heilmitteln sollten abwechselnd alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll gegeben werden, bis sich der Kranke bessert. Belladonna kann entweder allein oder abwechselnd mit Aconitum gegeben werden, wenn das Fieber zunimmt und beträchtlicher Blutandrang nach dem Kopfe vorhanden ist, bei heftigem Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe.

Phosphorus. — Ist bei heftigen Fällen ein schätzenswerthes Mittel, wenn zuvor Bryonia oder Belladonna gegeben, entweder allein oder abwechselnd mit Aconitum gegeben, besonders wenn folgende Symptome vorhanden sind: Ein kurzer hackender Husten, hauptsächlich am Abend mit einem Gefühl von Erstickung, wenig oder gar keinen Auswurf; starker Schmerz in der Brust; Schwere, Vollsein und Beengung, als ob die Brust zusammengeschnürt wäre, große Hinfälligkeit, Vollsein des Gesichts, Stechen in der Seite, vorzüglich in der linken, Zupfen an dem Bettzeug, schwacher und schneller Puls. Tartarus emeticus kann abwechselnd mit Phosphorus gegeben werden, besonders wenn Aconitum und Bryonia keine Linderung gewährten, auch bei starker Unterdrückung des Athmens und Hustens. Der Husten ist locker mit überreichem Auswurf, hohl und rasselnd, wenig oder gar keinem Schmerz, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Hustenanfällen.

[S. 224]

Pulsatilla. — Schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf dem Rücken. Vorzugsweise gut für Kinder bei regelmäßigem kurzem Husten, Heiserkeit, Schwere auf der Brust.

Mercurius. — Wenn Aconitum das Fieber vermindert hat, aber noch Schwierigkeit beim Athmen vorhanden und der Patient von Nachtschweiß erschöpft ist.

Bei typhöser Lungenentzündung möge China angewendet werden, besonders wenn der Kranke sehr durch Blutverlust geschwächt wird und folgende Symptome vorhanden sind: Druck in der Brust, Stechen in der Brust und in den Seiten; Herzklopfen beim Athmen und Husten, große Schwäche, dünner und schwacher Puls. Lindert dies nicht nach mehrstündigem Gebrauche, so kann Rhus toxicodendron abwechselnd damit gegeben werden.

Opium. — Bei großer Schläfrigkeit, schwächendem Athmen, leisem Murmeln, Zupfen an dem Bettzeuge und wenn Entleerungen ohne Wissen des Kranken stattfinden.

Hyoscyamus. — Wenn der Husten reizend und krampfartig, das Gesicht roth und heiß ist, die Augen strahlend, Zunge trocken und bräunlich sind.

Veratrum. — Wenn der Puls klein und schwach ist, die Glieder kalt, Delirium, Erbrechen, Diarrhöe und schnelles Sinken der Kräfte.

Arnica — kann bei denselben Symptomen wie bei Opium gegeben werden, wenn kein Delirium vorhanden ist. Camphor und Coffea in abwechselnden Dosen, wenn der Kranke schnell die Kräfte verliert, bei kalten Gliedern und Delirium, besonders wenn er mit kaltem Schweiß bedeckt ist.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in ebenso vielen Theelöffeln voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Die Kost sollte einfach sein und aus leicht verdaulichen Speisen, wie Haferschleim &c. bestehen. Es ist gut, einen erweichenden Umschlag von heißem Kornmehl über die Brust zu machen. Dies sollte so lange fortgesetzt werden, bis entschiedene Besserung eintritt.

Allöopathisch. Das erste, was gegeben werden sollte, ist ein Brechmittel von Brechweinstein (Tartar emetic), oder Brechwurz (Ipecac), dem man ein Abführmittel von Bittersalz (Epsom salts) oder von citronensaurer Magnesia (Citrate of magnesia) folgen läßt. Zusammengesetzte Tinktur von virginischer Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root) kann zur Hervorrufung von Schweiß gegeben werden und zu gleicher Zeit sollte der Körper durch Flaschen mit heißem Wasser rings herum gelegt, erwärmt werden. Ist das Fieber stark und der Puls rasend schnell, ist es besser, den Schweiß durch Nießwurz- (Veratrum viride) Tinktur in Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle Stunden hervorzurufen. Der Brechwurzwein (Wine of Ipecac) kann in Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle 2 oder 3 Stunden in einem Eßlöffel voll Wasser gegeben werden, oder folgendes:

[S. 225]

Salpetersaure Potasche (Nitrate of potassa) 2 Drachmen.
Gummi Arabicum oder weißer Zucker 2

Theile es in zwölf Pulver und nehme alle zwei bis drei Stunden eins. Ein Senfpflaster sollte bei Beginn über die Brust gelegt werden. Gegen den Husten gebe man, nachdem sich das Fieber gelegt hat, folgendes:

Tolu-Syrup (Syrup of Tolu) 1 Unze.
Meerzwiebel-Syrup (Syrup of squills) ½
Brechwurzwein (Wine of Ipecac) 2 Drachmen.
Paregoricum (Paregoric) 3
Gummi Arabicum Schleim Unze.

Mische es. Dosis: Gelegentlich einen Theelöffel voll.

Sollte sich der Kranke, nachdem das Fieber nachgelassen hat, schwach und gedrückt fühlen, so wende man folgendes an:

Doppeltkohlensaure Soda (Bicarbonate of soda) ½ Unze.
Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (Compound infusion of gentian) 4 Drachmen.
Colombowurzel-Tinktur (Tincture of colombo) 1 Unze.
Orangenschalen-Syrup 1

Mische es. Dosis: Dreimal des Tags einen Eßlöffel voll.

Oder auch:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tincture of iron) 1 Unze.
Rosenwasser 6 Unzen.
Orangenschalen-Syrup 1 Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser nach jeder Mahlzeit.

Bei Behandlung der typhösen Lungenentzündung gebe man folgendes:

Brechwurz und Calomel (Ipecac and Calomel) von jedem 6 Grane.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) ½ oder 1 Drachme.

Mische, theile es in 12 Pulver und nimm alle 3 Stunden eins.

Oder:

Essigsaure Potasche (Acetate of potassa) Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 2

Hinreichend Wasser, um acht Unzen daraus zu machen, löse es auf und nimm alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes stärkendes Mittel:

Kohlensaures Eisen (Carbonate of iron) 1 Drachme.
Pulverisirter Rhabarber (Pulv. rhubarb) ½
Pulverisirte Aloe (Pulv. Aloes) ½
Hopfen-Extrakt (Extract of hops) ½

Mische es und mache dreißig Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal des Tages.

[S. 226]

Oder:

Chinin (Quinine) 1 Skrupel.
Schwefelsäure (Sulphuric acid) 5 Tropfen.
Alcohol 4 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Der Husten sollte durch Trinken von Leinsamen-, schlüpfriger Ulme- oder Eibisch- (Marsh mallow) Thee locker gehalten und zu derselben Zeit ein Pflaster auf die Brust gelegt werden.

Lungenentzündung bei alten Leuten (Pneumonia in Old People).

Diese Krankheit sollte ebenso wie die typhöse Lungenentzündung behandelt werden.

Brustfell-, Rippenfellentzündung, Pleuresie (Pleurisy, Pleuritis).

Dies ist eine Entzündung der Pleura, oder Schleimhaut, welche die Brust einfaßt und so eine Hülle, welche die Lungen umgiebt, bildet. Sie kann zu irgend einer Zeit eintreten, wird aber meistens im Frühjahr oder Winter gefunden.

Symptome. — Pleuresie beginnt, wie alle anderen Fieber, mit Frost, dem Hitze folgt, und allen anderen Fieber-Symptomen. Diesen Symptomen folgt bald ein heftig stechender Schmerz in der Brust, der durch tiefes Athemholen erhöht und von schwierigem heftigem Athmen, sowie von einem trockenen, hackenden Husten begleitet wird; Husten, Athmen, Herumwerfen, Liegen auf der angegriffenen Seite und auch Druck auf die Brust erhöht den Schmerz. Dieser Schmerz dauert in der Regel drei bis vier Tage, dann läßt er nach.

Ursachen. — Plötzliche Kälte, die mit dem Körper in Berührung kommt, Schläge oder Fallen auf die Brust, Unterdrückung gewisser Absonderung, das nach Innenschlagen von Hautkrankheiten. Pleuresie kann sowohl acut als auch chronisch sein. Chronische Pleuresie ist in der Regel die Folge der acuten.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum und Bryonia sind die beiden Hauptmittel gegen diese Krankheiten und reichen in den meisten Fällen hin, die Heilung zu bewirken. Aconitum ist besonders angezeigt bei folgenden Symptomen: Heiße Haut, starkes Fieber, schneller und voller Puls, sowie großer Durst. Bryonia vorzugsweise, wenn die folgenden Symptome vorhanden sind: Wangen gerö[S. 227]thet, heiß, trocken oder feucht, kurzer, fliegender Athem, schneller Puls, stechende, schießende oder brennende Schmerzen in der Seite, welche durch Athmen, Husten und Bewegung erhöht werden; Athem kurz, ängstlich und schwierig; Gefühl von Zusammenziehen und Beklemmung der Brust; schmerzhafter Husten sowohl feucht als auch trocken, große Hitze der Haut, abwechselnd mit öfterer Kälte oder Frösteln, Schmerz durch Druck verschlimmert.

Mercurius. — Dies Heilmittel kann gegeben werden, nachdem das Fieber vermittelst anderer Mittel unterdrückt ist, aber dennoch Nachtschweiße, mehr oder weniger kurzes und schwieriges Athmen zurückbleiben.

Tartarus Emeticus. — Gesicht geröthet, heiß und trocken, oder voll mit einem ängstlichen Ausdrucke und mit Schweiß bedeckt. Puls schnell und schwach oder voll, Athem kurz und schwierig, begleitet von stechenden oder schießenden Schmerzen, Husten mit Schleimauswurf, zuweilen mit Blut gemischt, heftiges Herzklopfen, Schwäche und Hinfälligkeit, Gefühl von Erstickung.

Phosphorus. — Das Gesicht erscheint blaß, zuweilen roth, Augen eingefallen und mit blauen Ringen umgeben, Auswurf blutig, scharfe stechende Schmerzen in der Brust, meistens aus der linken Seite, Athem fliegend und schwierig, scharfer Schmerz zwischen den Rippen beim Druck, Herzklopfen.

Arnica — sollte gegeben werden, wenn die Krankheit durch Schläge oder Fallen auf die Brust veranlaßt wurde. Ist der Kranke des Nachts schlaflos und unruhig, gebe man Coffea und Belladonna abwechselnd jede Stunde.

Arsenicum. — Bei Ansammlung von Wasser in der Brust und großer Schwäche.

Verordnung der Heilmittel. — Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll, wenn nicht andere Vorschriften bei den Mitteln angeführt sind. Die Kost sollte ebenso wie bei Lungenentzündung sein.

Allöopathisch. Beim Beginn der Krankheit verordne man Blutentziehung, soweit es der Kranke nur ertragen kann und wiederhole dies mehrere Male. Die zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) kann, um Schweiß hervorzubringen, alle halbe Stunden in Theelöffel-Dosen gegeben werden. Dies wird gewöhnlich sofort Linderung verschaffen. Man gebe dies in einem Aufguß von Katzenmünze- (Catnip), Balsam- oder Pleuresie- (Pleurisy) Wurzel und mache zu gleicher Zeit warme Umschläge von Hopfen (Hops), Rainfarn (Tansy) oder Wermuth (Wormwood). Tritt keine Linderung ein, so gebe man ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia (Compound tincture of lobelia) und lasse folgende Verschreibung folgen:

Pulverisirte Gummi Gutti (Pulv. gamboge) 12 Grane.
Pulverisirtes Windenharz (Pulv. Scammony) 12
Springgurke (Elaterium) 2
[S. 228] Crotonöl (Croton oil) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract Stramonium) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Jede Stunde eine Pille bis die Wirkung eintritt. In einigen Fällen, wo der Kranke bereits nach Bittersalz (Epsom salts) oder Salz und Sennesblättern (Senna) abgeführt hat, kann Brechweinstein (Tartar emetic) in Dosen von einem Achtel- bis zu einem Viertel-Gran mit einem halben bis zu einem ganzen Grane Opium alle zwei oder drei Stunden gegeben werden.

Oder folgendes:

Calomel 6 Grane.
Opium 4
Brechweinstein (Tartar emetic)

Mische und theile es in 12 Pulver. Alle zwei oder drei Stunden nehme eins in Wasser. Tritt Fieber hinzu, so lasse man Brechweinstein (Tartar emetic) aus und setze mit Opium, so lange der Schmerz anhält, fort. Um das Auftrocknen der Flüssigkeit innerhalb der Brust zu beschleunigen, möge folgendes angewendet werden:

Meerzwiebel-Pulver (Powder of squills) ½ Drachme.
Fingerhut-Pulver (Powder of digitalis) 8–16 Grane.

Mische es, theile es in 16 Pulver und nimm dreimal des Tages eins.

Der zusammengesetzte Wachholdergeist (Spirit of juniper) kann dreimal des Tages in Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser gegeben werden. Besonders gut bei schwachen Fällen.

Eclectische und Kräuterkur. Zuerst gebe man von der Lobelia-Tinktur (Tincture of lobelia) und von Nro. 6 einen Theelöffel voll, alle 10 Minuten wiederholt, bis 4 oder 5 Dosen genommen sind. Kann man Nro. 6 nicht erhalten, so kann die Cayennepfeffer-Tinktur (Tincture of cayenne) angewendet werden. Der Patient sollte ein Fußbad in warmem Wasser nehmen und gleichzeitig Thee von Wasserdost- (Boneset), Blutwurzel- (Blood root) und Pleuresie- (Pleurisy) Wurzel zu gleichen Theilen trinken. In diesem Stadium nehme man ein Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (Ipecac) zusammengesetzt in dem obengenannten Thee. Wenn aber nach dieser Behandlung der Schmerz fortdauert und es ist beträchtlicher Husten vorhanden, so gebe man folgendes:

Jasmin-Tinktur (Tincture of gelseminum) 4 Drachmen.
Eisenhut-Tinktur (Tincture of aconite) 24 Tropfen.

Mische es und gebe alle halbe oder ganze Stunde 30 Tropfen, bis sich die Wirkung einstellt, d. h. bis sich die Zwischenräume zwischen den Anfällen verlängern. Anstatt dessen kann auch die zusammengesetzte Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root) gegeben werden, um einen gelinden Schweiß zu erhalten. Ist das Husten stark, so kann es vermittelst des folgenden bewältigt werden:

[S. 229]

Pleuresie- (Pleurisy) Wurzel und Wildkirschbaum-Wurzel (Wild cherry root), von jedem zwei Theile, und von Blutwurzel (Blood root) einen Theil; mache einen Aufguß daraus und gib es öfters wiederholt in kleinen Dosen. Gegen chronische Pleuresie sollte jede Woche ein gelindes Brechmittel gegeben und folgendes Blasenpflaster auf die Brust gelegt werden:

Burgunder Pech (Burgundy pitch) und Bienenwachs zu gleichen Theilen und ein wenig Harz (Rosin). Dies sollte gemischt und während es warm ist, in ein wenig gepulverte Blutwurzel (Blood root), Entenfuß (May apple root) und Kermesbeere (Poke root) gerührt werden. Dann streiche es auf ein Stück Leinwand und mache einen warmen Umschlag, der eine Woche oder länger liegen bleibt. Potaschen-Iodide (Iodide of potassa) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit. Eine Drachme wird in vier Unzen Wasser aufgelöst und davon ein Theelöffel voll einmal des Tages genommen.

Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen.

Dies ähnelt der wirklichen Pleuresie sehr, doch ist es in seinem Ursprung und in seiner Oertlichkeit von derselben verschieden. Es ist ein rheumatisches Leiden der Brustmuskeln und befindet sich in der Regel zwischen den Rippen. Der Schmerz wird durch tiefes Athemholen, durch das Heben der Hände über den Kopf oder durch das Gehen erhöht. Es rührt theilweise von Erkältung und zuweilen von heftiger Bewegung her.

Behandlung.

Allöopathisch. Warme Umschläge, wie Senfpflaster oder heißes Wasser wird in der Regel Linderung verschaffen. Hin und wieder ist Eisenhutsalbe (Aconite liniment) oder Eisenhuttinktur (Aconite tincture) erforderlich.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes möge angewendet werden:

Sassafrasöl (Oil of sassafras) und Schierlingöl (Oil of hemlock) von jedem 1½ Unze, Laudanum und Majoranöl (Oil of origanum) von jedem 1 Unze. Mische es und reibe damit den leidenden Theil ein.

Homöopathisch. Wenn irgendwie Fieber vorhanden ist, gebe man alle halbe oder ganze Stunde eine oder zwei Dosen Aconitum.

Arnica. — Alle zwei Stunden eine Dosis, kann entweder allein oder abwechselnd mit Apis mellifica gegeben werden.

Pulsatilla. — Wenn der Patient nach den obigen Mitteln keine Linderung verspürt.

Nux Vomica. — Stechen in der Seite, bei schmerzhaftem Gefühl an der Außenseite der Brust zwischen den Rippen nach Druck; schlimmer bei Athemschöpfen oder irgend einer Bewegung. Wenn zu irgend einer Zeit der Kranke[S. 230] zu fiebern beginnt, bei Schmerz in den Gliedern, der Seite und dem Kopfe, so gebe man Bryonia und Rhus Toxicodendron.

Verordnung der Heilmittel. Jede halbe Stunde oder alle zwei Stunden eine Dosis (6 Kügelchen), oder 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser aufgelöst. Oefters wird auch ein Senfpflaster oder ein Säckchen mit erhitztem Salz, über den angegriffenen Theil gelegt, Linderung verschaffen.

Herzentzündung (Carditis).

Ist eine Entzündung der Herzmasse, welche aber selten vorkommt. Wir finden sie gewöhnlich mit Endocarditis, das ist die Entzündung der Haut, womit die innere Herzfläche überzogen ist, oder mit Pericarditis, die Entzündung des Herzbluts, verbunden. Die Symptome all dieser Krankheiten sind sich sehr ähnlich und die Behandlung ist ein und dieselbe.

Symptome. — Die Krankheit beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen Symptomen des Fiebers, wie Frösteln, Hitze, Trockensein der Haut, Durst und geröthetes Gesicht. Dem folgt ein fliegendes, unvollkommenes Athmen und heftige spießende Schmerzen in der Gegend des Herzens. Diese Schmerzen erstrecken sich zuweilen bis zu den Schultern und werden durch Bewegung oder durch Sitzen erhöht; es ist ein Gefühl von Vollsein und Beklemmung in der Brust vorhanden, Herzklopfen nach der geringsten Bewegung; der Herzschlag ist heftig und unregelmäßig, kurzer, trockener Husten, Athem sehr schnell und schwierig, das Gesicht ist hager und ein Ausdruck von großem Leiden spiegelt sich darauf; die Zunge ist weiß belegt und die Eingeweide sind verstopft. Der Kranke liegt am liebsten ruhig auf dem Rücken und zuweilen treten Delirium und Ohnmachten ein.

Ursachen — dieser Krankheit bestehen in der Regel in Erkältung, Wunden, Schlägen, Angst oder großer Demüthigung; häufig ist sie auch die Folge eines heftigen Rheumatismus oder der Gicht.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Zur Hervorbringung von Schweiß sollte alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll von der zusammengesetzten Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root) und gleichzeitig ein warmer Aufguß der Pleuresie- (Pleurisy) Wurzel gegeben werden; damit sollte zwei bis drei Stunden oder auch länger angehalten werden, bis Linderung eintritt. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man[S. 231] die zusammengesetzte Jalappenwurzel-Tinktur (Compound tincture of jalap) und füge jeder Dosis 10 Grane Cremor Tartari (Cream of tartar) bei. Auch lege man Senfpflaster auf die Füße, über die Brust in der Gegend des Herzens und ebenso auf den Rückgrat. Bewältigt diese Kur die Krankheit nicht, so sollten mehrere Male des Tages warme Bäder in Laugenwasser genommen werden, gleichzeitig gebe man folgendes:

Jasmin-Tinktur (Tincture of gelseminum) 4 Drachmen.
Eisenhut-Wurzel (Tincture of aconite root) 1 Drachme.

Mische es und gebe davon 15 bis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der Kranke Linderung darnach verspürt. Zur Auftrocknung der Flüssigkeit innerhalb des Herzens ist ein Aufguß von Haarmoos (Haircap moss) sehr dienlich. Gegen Unruhe, Mangel an Schlaf, mögen 8 bis 10 Grane des zusammengesetzten Pulvers von Brechwurz (Ipecac) und Opium gegeben werden.

Homöopathisch. Aconitum — sollte bei jedem Falle zuerst gegeben werden. Ebenso Bryonia bei stechenden Schmerzen in der Brust, durch Athmen und Bewegung erhöht, sehr schnellem und schmerzhaftem Athem, trockenem, krampfartigem Husten, scharfem Schmerz, der sich bis zwischen die Schultern und rückwärts bis zwischen die Schulterblätter erstreckt.

Digitalis. — Scharfes Stechen und zusammenziehender Schmerz in der Gegend des Herzens, Herzklopfen durch Sprechen, Bewegung oder Niederlegen verursacht, ein beängstigendes und beklemmendes Gefühl in der Brust, häufige Anwandlungen von Ohnmacht, allgemeine Schwäche, unbehagliches Gefühl auf der linken Seite der Brust, das sich häufig bis zu den Schultern und Armen ausdehnt. Andere Mittel sind: Nux Vomica, Cocculus, Arsenic, Pulsatilla und Cannabis.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde, oder alle zwei, drei bis vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Wenn der Kranke von starkem, kräftigem Körperbau ist, so müssen beim Beginn der Krankheit Aderlässe gemacht werden; ist aber der Patient schwächlich, so mögen statt dessen Blutegel in der Gegend des Herzens angesetzt werden. Zuerst gebe man sodann eine Dosis Bitter- oder Rochellesalz (Epsom or Rochelle salts) oder auch citronensaure Magnesia (Citrate of magnesia) und lasse diesem Calomel (Calomel) und Opium — von jedem ½ Gran — folgen. Dreimal des Tages eine Dosis. Wo Rheumatismus die Ursache ist, gebe man folgendes.

Kohlensaure Potasche (Carbonate of potassa) Drachmen.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potassa)
Wasser 8 Unzen.

[S. 232]

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll. Wenn das Fieber zunimmt, kann ein Pflaster über das Herz gelegt werden. Doverische Pulver (Dover’s powder) sind bei Unruhe des Nachts anzuwenden.

Herzklopfen.

Dies ist ein Leiden, das als ein Symptom einer organischen Krankheit des Herzens betrachtet, oder das einer allgemeinen Nervenschwäche, Verdauungsschwäche (Dyspepsia) oder irgend einer anderen Krankheit zugeschrieben werden kann.

Symptome. — Eine erhöhte, stärkere und schnellere Thätigkeit des Herzens, ein sehr schneller Schlag und eine flatternde Bewegung, die, wenn man die Hand auf die Brust legt, deutlich gefühlt werden kann, ist vorhanden. Kurzathmigkeit, Gefühl von Schmerz in der Nähe des Herzens, ebenso ein Zusammenziehen quer über die Brust, blasses Gesicht, Schwierigkeit beim Niederlegen, sehr große Schwäche.

Ursachen. — Herzklopfen ist gewöhnlich die Folge von Verdauungsschwäche (Dyspepsia), oder irgend einer Störung der Verdauungsorgane, auch große geistige Aufregung, Unmäßigkeit, Nervenschwäche, übermäßige Studien, geschlechtliche Ausschweifungen &c.

Behandlung.

Allgemeine. Jemand, der davon befallen wird, sollte sich auf seinen Rücken legen und die Lungen durch tiefe Athemzüge mit Luft füllen. Personen, die damit behaftet sind, müssen ihre Aufmerksamkeit auf solche Dinge richten, welche Beschäftigung ohne geistige Erregung bieten, wie Musik, häusliche Verrichtungen, Zeichnen, Tanzen, Gärtnerei, Reden und heitere Gesellschaft. Die Kost muß geregelt werden und sollte nahrhaft aber nicht reizend sein. Starker Thee, Kaffee, Spirituosen und Tabak sind zu vermeiden.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes soll sofortige Linderung gewähren:

Castor-Tinktur, Schwefel-Aether und zusammengesetzter Lavendel- (Lavender) Spiritus, von jedem eine Unze. Mische es.

Dosis: Alle fünf bis zehn Minuten einen Theelöffel voll, bis Linderung eintritt.

Fingerhut- (Digitalis) Tinktur, in Dosen von 10 bis 15 Tropfen, drei- bis viermal des Tages wird zuweilen von gutem Erfolg gefunden werden. Ist Magensäure vorhanden, so gebe man Magnesia, präparirte Holzkohle (prepared charcoal) oder kohlensaures Ammoniak. Branntwein oder andere[S. 233] Spirituosen mit ein wenig Cayennepfeffer wird zuweilen sofortige Linderung gewähren.

Homöopathisch. Wenn das Herzklopfen durch Schreck verursacht wurde, gebe man Opium oder Coffea. Ist Furcht und Angst die Ursache, gebrauche man Veratrum. Von plötzlicher Freude, Coffea. Von Blutverlust oder andern Ausleerungen, China, Phosphoric acid, Nux Vomica oder Veratrum. Trifft es nervöse Personen und hysterische Frauenzimmer, Coffea, Ignatia, Chamomilla, Cocculus, Pulsatilla, Lachesis oder Veratrum. Bei Blutandrang, Aconitum, Belladonna, Coffea, Phosphorus, Opium oder Ferrum. Bei Täuschung, Aconitum, Ignatia, Nux Vomica oder Chamomilla. Bei jungen, heranwachsenden Leuten Aconitum oder Pulsatilla, bei alten Arsenicum oder Lachesis.

Leidet Jemand an zeitweiligem Herzklopfen, so sind folgende Mittel zu geben: Pulsatilla, Arsenicum, Lachesis, Aconitum, Phosphorus, Aurum oder Sulphur.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge des Anfalls angemessen, einen Theelöffel voll. Bei chronischen Fällen kann Morgens und Abends eine Dosis des gewählten Heilmittels gegeben werden. Werden die Kügelchen genommen, so gebe man 4 bis 6 auf eine Dosis.

Allöopathisch. Liegen dem Herzklopfen Verdauungsschwäche (Dyspepsia), Hysterie oder andere Krankheiten zu Grunde, so ist die Behandlung der Letzteren erforderlich. Bei Blutmangel gebe man folgendes:

Zusammengesetzte Chinarinden-Tinktur (Compound tincture of peruvian bark) 4 Unzen.
Citronensaures Eisen (Citrate of iron) 42 Grane.
Citronensäure (Citric acid) 20

Löse die Citronensäure in der Tinktur und füge dann das citronensaure Eisen hinzu. Lasse die Mischung einige Tage stehen und seihe sie dann durch. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Dies kann durch mehrere Wochen fortgesetzt werden, bis Besserung eintritt. Mit Kampher getränkte Opium-Tinktur, in Dosen von einer Drachme gegeben, wird zuweilen Linderung gewähren.

Brustbeklemmung (Breast PangAngina Pectoris)

ist eine schmerzhafte Nervenkrankheit und kennzeichnet sich durch einen starken Schmerz in der Gegend des Herzens, die Krämpfe herbeiführt. Sie sollte von einem Arzte behandelt werden.

Symptome. Der Schmerz schießt von der Brust durch den Rücken und in die linke Schulter, zuweilen unter den Arm, und ist begleitet von großer Beängstigung, Herzklopfen und einem Ge[S. 234]fühle von Erstickung. Das Gesicht wird todtenbleich, der Puls sinkt und die Oberfläche des Körpers ist mit kaltem Schweiße bedeckt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz über die ganze vordere Seite der Brust aus, steigt bis zum Kopf und erstreckt sich bis auf die Beine. Dem Patienten scheint es nicht selten, daß er nicht länger mehr leben kann, wenn nicht alsbald Linderung eintritt. Zuweilen endigen derartige Anfälle mit Verzuckungen und Ohnmachten. Der Anfall kann einige Minuten bis eine halbe Stunde oder auch länger dauern. In den Zwischenräumen der Anfälle ist der Patient in der Regel frei von jedem Schmerz.

Ursachen. Zuweilen ist es einer zusammenziehenden oder krampfartigen Wirkung des Herzens zuzuschreiben und befällt jene, die an Rheumatismus, Gicht oder Schlagfluß leiden. Oefters hängt es auch von organischen Krankheiten des Herzens oder der Arterien ab. Die hervorragendsten Ursachen sind alles das, was die Circulation des Blutes beschleunigt, den Geist und Körper erregt, Husten, Anstrengung, Bergaufsteigen und irgend etwas, was die Verdauung stört.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Herzklopfen und große Beängstigung, Fieberhitze, besonders im Gesicht, schneller Herzschlag bei langsamem Puls, Stechen und drückende Schmerzen in der Gegend des Herzens, wie von einer schweren Last, der Patient kann aufrechtstehend nicht gut athmen.

Belladonna. — Herzklopfen bei unregelmäßigem Puls, große Beängstigung, Brustbeklemmung. Kann nach Aconitum oder vor Lachesis gegeben werden.

Spigelia. — Heftiges Schlagen des Herzens, mit einem Gefühl von Erstickung und Brustkrämpfe durch Sitzen und Vorwärtsbeugen der Brust erhöht. Kann abwechselnd mit Pulsatilla gegeben werden.

Pulsatilla. — Herzklopfen und große Angst, Verdunklung des Blickes, schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf der linken Seite, Angst und brennender Druck im Herzen.

Bryonia. — Schwieriges Athmen in Folge von Stechen in der Brust, Herzklopfen und sehr starke Beklemmung. Mag nach Aconitum gegeben werden, wenn heftige rheumatische Gliederschmerzen sich nach dem Herzen gezogen haben.

Arsenicum. — Heftiges Schlagen des Herzens bei großer Angst und Unruhe, große Hitze und Brennen in der Brust bei kalten Gliedern. In solchen Fällen gebe man es abwechselnd mit Veratrum.

Arnica. — Stechen im Herzen von der linken nach der rechten Seite, Ohnmachtsanfälle, Zittern des Herzens mit einem Schmerz, als ob es zusammengedrückt würde.

[S. 235]

Lachesis. — Unregelmäßiger Herzschlag, große Beängstigung mit einer Schwere auf der Brust, große Schwäche.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe oder ganze Stunde, bis Erleichterung eintritt, einen Theelöffel voll. Wenn nach Verlauf von 1 bis 2 Stunden keine Linderung eintritt, so wähle ein anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise. Ein Senfpflaster kann auf die Brust gelegt, die Füße müssen in heißem Wasser gebadet und der Kranke sollte wohl zugedeckt werden.

Allöopathisch. Ist der Puls stark und der Kranke vollblütig, sollte Aderlaß verordnet werden, aber bei Hinfälligkeit und allgemeiner Schwäche würde dies schädlich sein. Heißer Spiritus und Wasser, so heiß und so stark als er vertragen werden kann, kann gegeben werden, dem man eine volle Dosis Schwefeläther (Sulphuric ether), Belladonna-Tinktur und Laudanum oder flüchtiges Salz (Sal volatile) nachfolgen lassen kann. Der Kranke sollte ins Bett gebracht und ein heißes Senfpflaster oder ein Stück Flanell, mit gleichen Theilen Terpentinöl (Spirits of turpentine) und Ammoniak-Liquor (Liquor of ammonia) befeuchtet, auf die Brust gelegt werden, und zu gleicher Zeit gebe man 5 Grane Quecksilber (Mercury), dem man die zusammengesetzte Aloe-Tinktur (Compound tincture of aloe) 1 Unze, Jalappenwurzel-Tinktur (Tincture of jalap) 2 Drachmen und einen Aufguß von Sennesblättern (Infusion of senna) ½ Unze, folgen läßt. Gegen Magenblähungen gebe man Pfeffermünz- oder Aniswasser. Bei Magensäure einen Theelöffel voll Soda in einem Glas voll Wasser, und wenn der Magen mit unverdauten Speisen angefüllt ist, so gebe einen Eßlöffel voll gemahlenem Senf (Ground mustard), in einem Tassenkopf voll heißen Wassers umgerührt. Um den Kranken zu beruhigen, mag ein Sechstel Gran Morphin oder das folgende gegeben werden:

Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) 2 Drachmen.
Aether (Ether) 1 Drachme.
Laudanum 20 Tropfen.
Kampher-Spiritus (Spirits of camphor) 1 Drachme.

Mische es und gieb davon so oft als nöthig einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Gleiche Theile von Laudanum und Aether können zuerst gegeben werden, auf eine Dose einen Theelöffel voll in ein wenig kaltem Wasser. Ein Glas Spiritus und Wasser, so stark, als man es schlucken kann, mag gegeben werden. In einigen Fällen möge ein Senfpflaster auf die Brust gelegt und die Füße in warmes Wasser gestellt werden. Ebenso mag sich auch zusammengesetzte Virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of virginia snake root), in Dosen von ein bis zwei Theelöffel voll, während des Anfalls immer nach einigen Minuten wiederholt, als zuträglich erweisen, oder gleiche Theile von Aether, Laudanum und Castor-Tinktur, in Dosen von einem Theelöffel voll.

[S. 236]

Lungenbluten (Bleeding from the LungsHæmoptysis).

Beim Lungenbluten entleert sich hellrothes, oft schaumiges Blut aus den Lungen durch die Luftröhre, womit mehr oder weniger Husten und Räuspern verbunden ist. Lungenbluten kann man vom Magenbluten an der Farbe des sich entleerenden Blutes unterscheiden. Kommt dasselbe aus dem Magen, so ist dessen Farbe dunkelroth; auch ist die Quantität bedeutender und gewöhnlich mit andern Substanzen aus dem Magen vermischt.

Symptome. Dem Lungenbluten geht gewöhnlich ein Druck in der Brust und Schwierigkeit des Athmens voraus. Das Gesicht ist erröthet, der Patient ängstlich, verspürt unter dem Brustbein Schmerz, Hitze oder Prickeln und im Mund einen salzigen, bitteren Geschmack. Ehe sich das Blut entleert, fühlt der Kranke im oberen Theile der Luftröhre Kitzeln, was Husten und Räuspern hervorruft und worauf die Blutaussonderung stattfindet. Das Bluten mag mit Frösteln und Schmerzen im Kreuz und Rücken, Müdigkeit in den Gliedern und vollem, schnellem Puls beginnen. Die Quantität des entleerten Blutes mag blos einige Tropfen oder so viel betragen, daß dadurch der Tod eintritt.

Ursachen. Lungenbluten kann durch Herzkrankheiten oder dadurch, daß Blutgefäße in den Lungen geborsten, verursacht werden. Die fernerliegenden Ursachen sind — heftige Anstrengung, übermäßig lautes Singen, das Einathmen störender Substanzen, eine enge, verkrüppelte Brust, die Unterdrückung gewöhnlicher Entleerung und Auszehrung.

Behandlung.

Allgemeine. Man bringe den Patienten ins Bett und lege ihn so, daß Kopf und Schultern nicht höher als die andern Körpertheile liegen, entferne die Kleider, damit dieselben den Kranken nicht am Athmen hindern, und halte das Zimmer gut ausgelüftet. Der Patient muß vollkommen ruhig liegen, und Körper wie Gliedmaßen so wenig als möglich bewegen, auch sollte er versuchen, den Husten zu unterdrücken, und man muß auf alle Weise vermeiden, daß er aufgeregt wird.

Allöopathisch. Ein voller Theelöffel voll Kochsalz verfehlt selten, dem Bluten eine Zeitlang Einhalt zu thun. Wiederholen sich die Anfälle, so kann man das folgende eingeben:

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 2 Grane.
Opium ½ Gran.

[S. 237]

Dies ist in einer Dosis zu geben und alle zwei, drei oder vier Stunden mehrere Tage hintereinander zu wiederholen. Eis und Alaun (Alum) jedes allein oder zusammen, mag man im Mund während der Dauer der Anfälle schmelzen lassen.

In manchen Fällen mögen, nachdem der Stuhlgang mittelst 3 oder 4 Grane Calomel geordnet ist, 15 bis 20 Tropfen verdünnte Schwefelsäure in Wasser drei- oder viermal des Tages, oder das folgende gegeben werden:

Pulverisirter Alaun (Alum in powder) Drachmen.
Zusammengesetzter Rosenaufguß (Compound infusion of roses) 7 Unzen.
Rosensyrup (Syrup of roses) 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Leidet der Kranke viel von Hitze und Fieber, so verordne man folgendes:

Citronensäure 1 Drachme.
Doppeltkohlensaures Kali (Bi-carbonate of potash) 4 Skrupel.
Salpeter (Nitre) 2
Zimmetwasser 2 Unzen.
Wasser 4

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 4 oder 6 Stunden. Zur selben Zeit verordne man folgenden Trank:

Weinsteinrahm (lat. Cremor tartari; engl. Cream of tartar) ½ Unze; eine halbe Citrone, wobei auch der Saft der Schaale zu benutzen ist; genug Zucker, um diese Mischung zu versüßen und zwei Pinten kochendes Wasser. Rühre das Ganze zuweilen, bis die Masse kalt ist.

Ist der Patient schwach, so gebe man das folgende:

Galläpfelsäure (Gallic acid) Drachmen.
Zimmtsyrup (Syrup of cinnamon) 4 Unzen.

Mische. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 2, 3 oder 4 Stunden.

Eclectische und Kräuterkur. Man mag einen Theelöffel voll Kochsalz oder Terpentingeist (Spirits of turpentine) verordnen und diese Dosis alle 20 oder 30 Minuten wiederholen, bis dem Bluten Einhalt gethan ist. Ist der Kranke unruhig und ruhelos und die Blutentleerung bedeutend, so verordne man das folgende:

Spanischer Pfeffer (Capsicum) 5 Grane.
Brechwurz (Ipecac) 1 Gran.
Opium ½

Dies ist in einer Dosis zu geben und man hat damit alle halbe, oder 1 oder 2 Stunden zu wiederholen. Man empfiehlt starken, aus virginischem Wolfsfuß, auch Wasserandorn (Bugle weed) bereiteten Thee, und der Kranke sollte, um eine Wiederholung der Blutungen zu verhüten, eine Pinte des Tages kalt trinken.

Können die oben angegebenen Mittel nicht beschafft werden, so gebrauche man folgendes:

[S. 238]

Zimmt-Tinktur, Rhatania-Tinktur (Tincture of rhatany) und Terpentingeist; von jedem eine Unze.

Dosis: Einen Theelöffel voll so oft als es erforderlich ist.

Homöopathisch. Aconitum. — Wenn den Anfällen ein Gefühl der Anfüllung in der Brust oder Blutandrang in der Brust vorangeht, mit brennendem Schmerz, Herzklopfen, Ruhelosigkeit und Aengstlichkeit beim Liegen, bleiches Gesicht, bedeutende Blutentleerungen, selbst dann, wenn der Husten nur unbedeutend ist.

Ipecac. — Häufiger, kurzer Husten, Blutgeschmack im Munde, Uebelkeit und Schwäche, mit Blut vermischte Schleimaussonderung.

Arsenicum. — Herzklopfen mit großer Aengstlichkeit, trockene Hitze.

Opium. — Namentlich für Personen geeignet, welche gerne Branntwein trinken und wenn der Patient schaumiges, dickes Blut ausspeit, der Husten ist schlimmer, nachdem der Kranke etwas verschluckt hat; Druck und Aengstlichkeit, schwache Stimme, Schläfrigkeit mit ängstlichem Auffahren, kalte Gliedmaßen, Hitze in der Brust.

Nux Vomica. — Ist nach Opium und Ipecac oder Arsenic zu gebrauchen, namentlich wenn den Kopf affizirender und durch Prickeln in der Brust verursachter Husten vorhanden ist, oder wenn die Blutung durch Erkältung oder Hartleibigkeit hervorgerufen wurde.

China. — Wenn der Patient viel Blut verloren, oder wenn der Husten heftig, trocken, hohl und schmerzhaft ist und der Kranke einen Blutgeschmack im Munde hat; Frösteln und abwechselnd Hitze, Schwäche, Ohnmachten und Augenschwäche.

Ferrum. — Mag nach China gegeben werden, wenn letzteres Heilmittel Linderung verschafft, aber immer noch ein leichter Husten mit etwas Blutspeien vorhanden ist, wobei sich hellrothes Blut entleert, und wenn der Kranke zwischen den Schulterblättern Schmerz fühlt und beim Athmen Schwierigkeit hat.

Hyosciamus. — Bei Nacht trockener Husten mit Blutspeien, öfteres plötzliches Erwachen und Auffahren.

Pulsatilla. — In hartnäckigen Fällen, wenn der Kranke sehr dunkles, klumpsiges Blut auswirft und zwar Morgens und Abends in größeren Quantitäten. Hauptsächlich für Frauenzimmer zu gebrauchen.

Arnica. — Langsame Entleerungen schwarzen, klumpsigen Blutes mit stechendem, brennendem Schmerz, Hitze in der Brust, Herzklopfen, Schwierigkeit beim Athmen. Wenn die Blutung durch Beschädigung, z. B. einen Fall, Streich, schweres Heben hervorgerufen wurde, und wenn der Auswurf hellroth und schaumig ist; räuspernder Husten, Prickeln unter dem Brustbein. Dieses Mittel mag manchmal abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Belladonna. — Husten und Prickeln im Halse mit Blutung; Gefühl des Vollseins in der Brust, welches von Blut herzurühren scheint, mit drückendem[S. 239] oder schießendem Schmerz; bei Bewegung verschlimmert sich der Zustand des Kranken.

Hamamelis. — Husten und Blutung mit schwefelartigem Geschmack im Munde; dumpfer Schmerz im Vorderkopf; beim Erwachen kitzelnder, prickelnder Husten mit blutigem Geschmack; schwieriges Athemholen; Druck in den untern Theilen der Brust und Gefühl des Vollseins im Kopf und Hals.

Verordnung der Heilmittel. — Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel voll, bis die Blutung aufhört. Später gebe diese Dosis alle 3, 4, 5 oder 6 Stunden. Aconitum ist das geeignetste Heilmittel und hat man in allen Fällen mit demselben zu beginnen und darauf Ipecac, Arsenic, Opium, Belladonna &c. folgen zu lassen. Mittelst eines Stücks Linnenzeug mag kaltes Wasser auf der Brust applizirt werden. Die Kost des Kranken soll aus kalten Speisen bestehen, wobei alle spirituosen und erregenden Nahrungsmittel oder Getränke wegzulassen sind. Reis und Gerstenwasser (Barley water) mit Himbeerensyrup (Raspberry syrup), Limonade &c. sind sehr zu empfehlen.

Engbrüstigkeit (Asthma).

Engbrüstigkeit ist ein Lungenübel, welches dadurch gekennzeichnet wird, daß der Kranke krampfhaften Anfällen von Schwerathmigkeit ausgesetzt ist, wobei das Athemholen einen keuchenden, schnarrenden Ton verursacht. Die Anfälle treten gewöhnlich bei Nacht ein. Es gibt zwei hauptsächliche Arten des Asthmas, nämlich das nervöse, krampfhafte (dry, nervous or spasmodic) und das feuchte, schleimige Asthma. Das erstere überfällt den Patienten plötzlich und tritt sehr heftig auf; die Brust wird zusammengezogen; leichter Husten mit nur wenig Auswurf. Die andere Art, das feuchte, schleimige Asthma (humid or moist asthma) tritt allmählig mit Schwerathmen, heftigem Husten und vielem Auswurf ein.

Symptome. Vor dem Anfall verspürt der Patient gewöhnlich eine Art Vollsein in der Magengegend mit Schläfrigkeit, Schwäche, Kopfweh und Uebelkeit. Ueber die Brust fühlt er sehr beengt, athmet schwer und sein Athmen bringt einen keuchenden Ton hervor. Die Anfälle treten gewöhnlich des Nachts ein, nachdem der Betreffende zu Bett gegangen ist. Oft wird er nach dem Husten von so bedrückendem Gefühl heimgesucht, daß er sich an ein offen stehendes Fenster flüchten muß, um frische Luft zu schöpfen. Das Athmen ist schwerfällig und langsam, das Gesicht purpurartig gefärbt und aufgeblasen, oder blaß und eingefallen; die Zunge ist belegt und[S. 240] der Körper mit kaltem Schweiß bedeckt; die Füße sind kalt, der Puls schwach, der Patient hat Herzklopfen und erbricht sich manchmal. Diese Symptome dauern mehrere Stunden, und des Morgens wird der Kranke ziemlich wohl fühlen, obgleich die Beengung über die Brust und das Schwerathmen nicht weichen, so daß Zeichen für die Wiederholung des Anfalls vorhanden sind, die öfters dann auch des Abends eintritt.

Ursachen. — Engbrüstigkeit mag von einer Zusammenziehung der Muskel-Fibern der Luftröhre herrühren und durch Erkältung, feuchte Luft, plötzliche Witterungsveränderung, das Einathmen ungesunder, störender Dünste oder staubiger, rauchiger Luft, heftige geistige Aufregung, übermäßige Anstrengung &c. verursacht werden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Lobelia-Tinktur (Tincture of lobelia) ist gegen diese Krankheit das hauptsächlichste Heilmittel. Auch kann Senf — ein Theelöffel voll eine Dosis — gegeben werden, falls Lobelia nicht beschafft werden kann. Das folgende hat nicht allein schon öfters den Krampfanfällen Einhalt gethan, sondern auch die Kur bezweckt:

Lobeliasame (Lobelia seed) 1 Unze.
Stinkkohl (Skunk cabbage balls) 1
Preiselbeerrinde (High cranberry bark) 2 Unzen.
Stechapfelsame (Stramonium seed) ½ Unze.
Spanischer Pfeffer (Capsicum) ½
Alcohol 5 Pinten.

Mische diese und lasse die Mischung zwei Wochen lang stehen, während welcher Zeit dieselbe oft geschüttelt werden muß. Dosis: Von 20 zu 60 Tropfen dreimal des Tages oder während der Anfälle so oft als nöthig ist.

Pulverisirtes Alaun (Powdered alum) — ein Theelöffel voll mit Molasses, welche Dosis alle 15 Minuten so lange wiederholt wird, bis das Mittel wirkt, ist eine erfolgreiche Medizin.

Gebraucht man getrocknete Lobeliablätter, so sollte eine Unze derselben in einem Pint Wasser erweicht und dem Patient alle 15 Minuten ein Eß-Löffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt.

Auch leistet Meerzwiebel-Syrup (Syrup of squills) in Theelöffel-Dosen — alle halbe Stunde zu geben, oft gute Dienste.

Ein sehr wirksames Mittel ist ein mit 30 Tropfen Laudanum in einem Weinglas voll Wasser vermischter Theelöffel voll Aether (Ether). Dieses Mittel sollte aber blos alle 4 oder 6 Stunden gegeben und nicht mehr als zwei Dosen sollten hintereinander verordnet werden.

[S. 241]

Gegen das krampfhafte Asthma hat man folgendes empfohlen:

Tauche unglasirtes Papier in Salpeterauflösung und lasse das Papier 15 oder 20 Minuten lang in derselben; sodann falze und trockne dasselbe in einem Backofen und bewahre es zum Gebrauch auf. Sobald der Anfall eingetreten, zünde das eine Ende des Papiers in dem Zimmer des Patienten, das wohl verschlossen sein muß, an, damit er den durch das Verbrennen entstehenden Rauch einathmet.

Oefters schafft ein starkes, auf Brust und Magen gelegtes Senfpflaster Linderung. Das folgende wird empfohlen:

Aether, Castor-Tinktur und Opium-Tinktur, von jedem 1 Unze. Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll, so oft die Symptome dazu veranlassen. Treten die Anfälle zu bestimmter Zeit ein, so wird das folgende gut empfohlen:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1 Skrupel.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 1
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 2 Grane.
Brechwurz (Ipecac) 6
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 20

Mische und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: eine Pille drei- oder viermal des Tages. Manchmal wird Linderung verschafft, indem der Patient Stechapfelblätter raucht.

Homöopathisch. Pulsatilla. — Für Personen mit sanftem Temperament, heller Hautfarbe, hellen Haaren und Augen, und wenn das Asthma durch Unterdrückung des Hautausschlags, oder Unterdrückung oder Störung der Menstruation, oder durch Einathmung von Schwefeldunst verursacht wurde. Die Symptome sind — kurzes, erstickungsartiges und schwieriges Athmen, dicht belegte Zunge, widerlicher Geruch des Athmens, bleiches und oft geröthetes Gesicht, krampfhaftes, aber nicht bedeutendes Zusammenziehen der Brust, kurzer krampfhafter Husten, Uebelkeit, Schmerz im Vorderkopf.

Ipecac. — Nächtliche Erstickungsanfälle und krampfhafte Zusammenziehung des Halses, durch Schleimansammlung verursachtes Röcheln, kurzer, trockener Husten, große Aengstlichkeit, Todesfurcht, Erregung, kalte Gliedmaßen, Herzklopfen, Uebelkeit, Erbrechen.

Arsenicum. — Schwerathmen nach dem Essen und Druck in der Brust, Verschlimmerung durch Bewegung, wenn der Patient z. B. geht, eine Treppe steigt, lacht &c., Brustzusammenziehung, Brennen im Magen, Uebelkeit und Erbrechen, entweder blasses oder geröthetes Gesicht, schmerzhaftes Brennen im Hals.

Nux vomica. — Druck und Zusammenziehung in der Brust, Verschlimmerung der Symptome bei Nacht oder nach dem Gehen oder Essen, oder wenn der Patient liegt. Hitze und Brennen in der Brust, Herzklopfen, kurzer, trockener, krampfhafter Husten, Sodbrennen.

Lobelia. — Wenn dem Anfall ein Prickeln im ganzen Organismus entweder[S. 242] vorangeht oder dasselbe während des Anfalls vorhanden ist; kurzes, röchelndes, ängstliches Athmen, Uebelkeit und Erbrechen, Schwindel und Kopfweh, krampfhafter Husten, Zittern der Gliedmaßen, kalte Schweiße.

Phosphorus. — Wenn die Engbrüstigkeit sich Abends oder während sich der Patient Bewegung macht, verschlimmert; Blutandrang in der Brust, mit Stechen, Vollheit oder Hitze im Halse und Herzklopfen.

Tartar emetic. — Für ältere Personen und Kinder, namentlich wenn Abends fürchterliche Erstickungsanfälle mit Röcheln und Keuchen in der Brust eintreten. Kann abwechselnd auf Phosphorus gegeben werden.

Belladonna. — Blutandrang in den Lungen, Stiche unter dem Brustbein, Vollheit in der Brust, nächtlicher trockener Husten; manchmal tiefes und dann wieder schnelles, kurzes Athmen, Erstickungsgefühl mit Verlieren des Bewußtseins.

Aconitum. — Für leicht erregbare, empfindsame Personen, und wenn das Asthma leicht durch geistige Erregung verursacht wird.

Bryonia. — Wenn das Uebel durch Bewegung und des Nachts schlimmer wird; Schmerzen in der Brust. Mag auf Ipecac folgen.

Coffea. — Wenn durch plötzliche Freude hervorgerufen; kurzer, trockener Husten.

Opium. — Erstickungshusten mit blaurothem Gesicht, tiefes, röchelndes Athmen; namentlich wenn durch Furcht verursacht.

Ignatia. — Wenn durch Furcht oder Entrüstung verursacht; namentlich für Frauenzimmer; Mangel an Luft beim Gehen, beim Ruhen, Husten.

Spongia. — Mangel an Luft, Erstickungsanfälle auf jegliche Bewegung, Hitze im Gesicht, Blutandrang nach Brust und Gesicht.

Veratrum. — Erstickungsanfälle beim Aufstehen und während des Gehens; mag Ipecac, Arsenicum oder China folgen.

Andere Heilmittel sind Cocculus, Chamomilla, Cuprum, Lachesis und Silicea.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen der gewählten Arznei in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle halbe, alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, je nach der Heftigkeit der Symptome. Bei chronischen Fällen gebe einen Theelöffel voll zweimal des Tages, bis Besserung erfolgt. Mittelst nasser Tücher und Binden mag man auf Brust und den Unterleib während der Nacht Wasser appliziren. Hierdurch wird manchmal dem Anfall vorgebeugt. Der Kranke sollte sich öfters in kaltem Wasser waschen und sich Bewegung in frischer Luft machen.

Kost. Personen, die mit Asthma behaftet sind, dürfen weder Kaffee, noch Fleisch, noch fettige Speisen genießen, sondern müssen leichte aber nahrhafte Nahrungsmittel wählen.

Allöopathisch. Das folgende ist empfohlen:

[S. 243]

Jod (Iodine) 6 Grane.
Jod-Kalium (Iodide of potassium) 12
Brechwurz-Tinktur (Tincture of Ipecac) 1
Tolubalsam-Tinktur (Tincture of Balsam of Tolu) 6 Drachmen.
Aetherische Schierling-Tinktur (Ethereal tincture of conium)
Alcohol ½ Pint.

Mische es. Dosis: ein bis zwei Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten in etwa einem Gill heißen Wasser einzuathmen. Zur selben Zeit gebrauche das folgende:

Jod-Kalium (Iodide of Potassium) 1 Drachme.
Sarsaparillasyrup 4 Unzen.

Mische es. Dosis: zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

Das folgende ist manchmal ausgezeichnet:

Lobelia-Tinktur und Brechwurzwein (Wine of Ipecac), eine halbe Unze von jedem.

Mische es. Dosis: einen halben Theelöffel voll jede halbe Stunde, bis Uebelkeit und Auswurf erfolgt.

Tabakrauchen oder das Rauchen der Stechapfelblätter wird in manchen Fällen ganz besonders empfohlen, sowie das Einathmen der Luft, in welcher Papier verbrannt wurde, das in Salpeterauflösung getaucht worden.

Brustwassersucht (Dropsy of the Chest — Hydrothorax).

Brustwassersucht wird durch Wasseransammlung in der Brust gekennzeichnet. Die Krankheit mag allein oder in Verbindung mit Wassersucht überhaupt vorkommen. Sie wird gewöhnlich durch irgendwelche vorhergehende Störung in den Lungen, im Herzen oder im Brustfell, oder der das Herz umgebenden Haut verursacht. Diese Krankheit sollte von einem tüchtigen Arzte behandelt werden.

Symptome. Große Schwierigkeit beim Athmen, was bei Anstrengung oder während der Nacht sich noch verschlimmert. Der Patient kann nicht auf der von der Krankheit noch nicht erfaßten Seite liegen; schmerzhafter Druck in der Brust, bleiches, manchmal purpurrothes Gesicht, öfters Frösteln, kurzer, trockener Husten, Schwere in der Magengrube, Herzklopfen, unruhige Träume, von welchen der Kranke mit einem Gefühl, als müßte er ersticken, aufwacht. Manchmal findet sich in beiden Armen eine Art Gefühllosigkeit; die Augen sind starr, die unteren Augenlider sind häufig geschwollen, der Hals ist trocken. Mit der Vermehrung des Wassers verschlimmern sich die Symptome, und der Patient muß endlich[S. 244] in aufrechter Stellung verbleiben; die Hände, Arme und Füße schwellen an und werden kalt, Schläfrigkeit und Delirium treten ein und der Tod mag, verursacht durch einen Schlaganfall, plötzlich erfolgen; oder der Kranke mag nach und nach an Erstickung sterben.

Ursachen. Erkältung, Verletzungen, Herz-, Leber- oder Magenkrankheiten, unmäßiger Genuß geistiger Getränke &c.

Behandlung.

Homöopathisch. Arsenicum. — Blasse, kränkliche Gesichtsfarbe, Wangen, Lippen und Augenlider schlaff und aufgedunsen, trockener Mund und Zunge, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwerathmen während des Gehens und nach dem Niederlegen, beängstigender Druck in der Brust, Brennen und Summen in den Ohren und im Kopfe, Appetitlosigkeit, Träume, Störung im Schlaf, Frösteln.

Apis Mellifica. — Schwieriges und ängstliches Athmen, Schmerz und Empfindsamkeit im Unterleib, welcher durch Druck heftiger wird, die Symptome verschlimmern sich, wenn der Patient niederliegt. Dies ist ein sehr werthvolles Mittel gegen diese Krankheit.

Digitalis. — Zu gebrauchen, wenn Brustwassersucht von Herzkrankheit herrührt.

Andere Mittel sind: Bryonia, China, Hellebore, Asparagus, Cantharides, Mercurius, Apocynum und Cannabis.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, je nach den Symptomen.

Allöopathisch. Man sollte die Brust mit Jod-Tinktur (Tincture of iodine) überstreichen und die Wundheit zu erhalten suchen.

Das folgende Abführungsmittel möge verordnet werden:

Pulverisirter Gummi Cambaja (Pulv. gamboge) 12 Grane.
Elaterium 2
Castoröl 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 3 Grane.

Mische und bereite 12 Pillen. Dosis: eine Pille alle Stunde, bis die Arznei wirkt.

Oder dieses:

Pulverisirte Jalappe (Powdered jalap) 12 Grane.
Cremor Tartari 2 Drachmen.

Mische es. Auf einmal in Syrup oder Molasses zu nehmen.

Zu gleicher Zeit nehme das folgende:

Fingerhut-Aufguß (Infusion of digitalis) 4 Unzen.
Essigsaures Kali (Acetate of potash) 2 Drachmen.
Süßer Salpetergeist (Sweet spirits of nitre) 2
Zimmetwasser Unzen.

[S. 245]

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei oder vier Stunden.

Jod-Kalium (Iodide of potassium) in folgender Weise verordnet, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Jod-Kalium 1 Unze.
Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 2 Unzen.
Wasser ½ Pint.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden.

Jod-Kalium kann auch allein in Dosen von fünf oder sechs Granen verordnet werden.

Eclectische und Kräuterkur. Löwenzahn (Dandelion) wird gegen diese Krankheit empfohlen, und sollte dieses Mittel folgendermaßen zubereitet werden:

Man wasche die Wurzeln, schleiße so viele derselben als man in beide Hände nehmen kann und koche sie zwei oder drei Stunden in siedendem Wasser. Während des Tages sollten zwei oder drei Tassen voll der Abkochung getrunken werden. Auch der Ginster (Broom) ist ein werthvolles Heilmittel. Man gebraucht die grünen Enden der Pflanze, indem man eine Hand voll derselben mit einem Pint kochenden Wasser überschüttet und das betreffende Gefäß mehrere Stunden lang nahe bei dem Feuer stehen läßt. Dosis: Eine Theetasse voll zweimal des Tages. Hie und da sollte, um den Stuhlgang in Ordnung zu halten, eine Dosis Bittersalz oder Cremor Tartari verordnet werden. Das Jod-Kalium (Iodide of potassium) in Dosen von fünf oder sechs Granen wird sehr empfohlen. Ebenfalls wird gesagt, daß die Rinde der Weinrebe wunderbare Kuren bewirkt habe. Die Rinde wird zu Asche verbrannt und ein Theelöffel voll derselben in einem Weinglas voll oder mehr Catawbawein dreimal des Tages gegeben. Die Dosen sollten je nach Umständen vermindert oder vermehrt werden. Einen vom Patienten beständig zu gebrauchenden Trank bereitet man wie folgt:

Hair-cap moss 2 Unzen.
Zwerg-Flieder Rinde (Dwarf elder bark) 1 Unze.
Wachholderbeeren (Juniper berries) 1

Bereite einen starken Aufguß und nehme ein halbes bis ein Weinglas voll alle Stunden, oder wenn immer der Kranke durstig ist.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Rezept:

Senf ½ Unze.
Wachholderbeeren (Juniper berries) 1
Rosenrothe Apocynum-Wurzel (Milkweed root) 1
Meerrettig (Horse-radish root) 1
Schwarze Flieder-Rinde (Black elder bark) 1
Alraun- (auch Schlafapfel-) Wurzel (Mandrake root) 1
Zwerg-Flieder Wurzel oder Rinde (Dwarf elder root or bark) 1
[S. 246] Bittersüßwurzel-Rinde (Bitter sweet bark from the root) 1

Presse dieses und füge eine Gallone gegohrenen Cider hinzu. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des Tages vor dem Essen.

Auszehrung (Consumption, Phthisis Pulmonalis).

Unter Auszehrung versteht man im Allgemeinen die Abnahme des Körpers aus irgend einer Ursache; gewöhnlich aber gebraucht man den Namen nur mit Hinsicht auf die Lungenauszehrung, die durch die Erkrankung der Lungen verursacht wird.

Symptome. — Die gewöhnlichen Symptome sind Husten, Brustschmerzen, Fieber, heiße Hände, Füße und Wangen, Veränderung der Stimme, gekrümmte Nägel, Ausfallen des Haares &c.

Anfänglich ist der Husten trocken und leicht und tritt öfters nur des Morgens nach dem Aufstehen oder bei irgend einer Anstrengung ein; Schwerathmen, dünner oder schaumiger, dem Schleim ähnlicher Auswurf. Mit dem Fortschritt der Krankheit verursacht das Athmen mehr Schwierigkeit und der Husten wird heftiger und schmerzhafter, die Haut ist roth und heiß, in dem Innern der Hand und öfters auch auf den Fußsohlen, verspürt der Patient ein brennendes Gefühl, der Appetit ist verschieden und der Patient in dieser Hinsicht launisch, der Stuhlgang unregelmäßig. Bei noch weiterem Fortschritt der Krankheit wird der Husten immer heftiger und das Athemholen schwieriger; gegen Abend tritt öfters Frösteln ein, während bei Nacht die Haut heiß ist und sich gegen Morgen Schweiß zeigt, das Gesicht ist gegen Abend bedeutend geröthet, der Appetit verliert sich, die Gesichtszüge sind scharf, in der Brust fühlt der Kranke eine Zusammenziehung und Druck und öfters auf beiden Seiten Schmerz. In diesem Stadium tritt häufig Lungenbluten ein, oft auch hartnäckige Diarrhöe und der Kranke leidet von Schmerz in den Gedärmen, hektischem Fieber und Durst. Je mehr sich die Krankheit entwickelt, desto mehr verschlimmern sich die Symptome. Der Husten hört beinahe nie auf und ist sehr schmerzhaft, die Gesichtszüge werden sehr scharf, die Augen sind eingesunken, das Haar fällt aus, die Nägel stehen einwärts gebogen, die Stimme wird schwach und heiser, Füße und Aenkeln schwellen an und der Patient stirbt allmählig an Erschöpfung, oder an plötzlichem Blutandrang in den Lungen, oder am Lungenbluten, oder aus anderen Ursachen.

[S. 247]

Ursachen. — Diese Krankheit ist gewöhnlich erblich. Andere Ursachen — alles was überhaupt den Körper schwächt und einen geschwächten Zustand des Organismus hervorruft, z. B. große Aengstlichkeit, Trauer, Enttäuschung, übermäßige Anstrengung, Befriedigung der Leidenschaften, zu frühe Geistesanstrengung, Wohnen in feuchten, nicht gelüfteten Zimmern, festes Schnüren und Gebrauch ungeeigneter Medizinen.

Behandlung.

Allgemeine. Die Kost muß bei der Behandlung bedeutende Berücksichtigung finden und sollte die Nahrung kräftig und leicht verdaulich sein. Ochsenfleisch sollte allen anderen Fleischspeisen vorgezogen und halb gar (rare) genossen werden; auch sind Hammelfleisch, junges Geflügel, mürbes Wildpret, weichgekochte Eier, Milch, Bier und Fisch zulässig. Leichte Mahlzeiten sind jederzeit besser, als wenn der Patient zu viel ißt. Als Getränk mag Milch, Wasser, Thee oder Cocoa gebraucht werden. Der Kranke sollte sich oft Bewegung im Freien machen, wozu das Reiten sehr dienlich ist; jedoch darf er bei dieser Bewegung nie erschöpft werden. Sehr dienlich ist es, wenn man Brust und Schultern täglich mit Essig und Wasser wäscht oder besprengt, wobei die Flüssigkeit anfänglich warm zu machen ist, nach und nach gebraucht man sie etwas kälter, bis sie endlich ganz kalt in Anwendung kommen kann. Das Schlafzimmer sollte groß und gut ausgelüftet sein. Der Kranke darf weder der Kälte noch plötzlichem Witterungswechsel bloßgestellt werden. Auf der Brust sollte er Baumwollen- oder Wollenstoffe oder Pelzwerk tragen. Der Aufenthalt in mildem Klima ist dem in irgend einem andern vorzuziehen. Man sagt, daß New Mexiko oder das nördliche Texas den Auszehrenden am besten zusagt; sowie auch Minnesota, Florida und Cuba. In Europa suchen die Auszehrenden Pau und Biarritz in Frankreich, oder Malaga, Malta, Sorrento, Palermo, Algier und Madeira auf.

Allöopathisch. Leberthran (Cod liver oil) ist bei der Behandlung der Auszehrung sehr werthvoll, und manchmal wird der Patient, wenn er dieses Mittel im ersten Stadium der Krankheit nimmt, kurirt, während es in den folgenden Stadien Linderung verschafft. Es hilft der Verdauung nach und verschafft dadurch dem Kranken Körperkraft und Muskelzulage; es mildert den Husten, sowie alle die gewöhnlichen Symptome. Ein Theelöffel voll Oel dreimal des Tages ist eine Dosis. Das folgende ist eine der Art und Weisen, wie man dieses Mittel verordnen kann:

Leberthran (Cod liver oil) 2 Unzen.
Ingwer-Syrup 2
Gummi Arabicum Schleim (Mucilage of gum arabic) 2
Nelkenöl (Oil of cloves) 6 Tropfen.

Mische.

[S. 248]

Oder:

Citronensaures Ammoniak (Citrate of ammonia) 10 Grane.
Eisen 10
Chinin (Quinine) 10
Leberthran 2 Unzen.
Glycerin 2

Mische.

Dieses kann in Porter- oder Ale-Schaum oder nachdem man den Mund mit Brandy ausgespült hat, was auch nach dem Einnehmen der Dosis geschehen kann, genommen werden. Manchen schmeckt diese Arznei angenehmer, wenn man sie salzt.

Mit diesem Heilmittel sollte man mehrere Monate oder selbst Jahre lang fortfahren, wenn die Krankheit nicht vorher überwunden wird. Alkohol enthaltende Getränke, Ale und Lagerbier werden empfohlen. Diese Stimulanten sollten in kleinen Quantitäten genossen werden, etwa zwei oder drei Löffel voll Branntwein oder ein halbes Glas voll oder weniger Wein, oder ein halbes Glas voll Ale oder Bier. Man trinke diese Quantität zwei- oder dreimal des Tages.

Kleien- oder Senfaufschläge werden die Schmerzen in der Brust lindern. Dr. Ira Warren von Boston empfiehlt gegen den Husten das “Pulmonic Cherry Cordial,” welches große Dienste leisten soll und folgendermaßen zubereitet wird:

Gemahlene wilde Kirschenrinde 10 Pfund.
Brechwurz (Ipecac root) 20 Unzen.
Blutwurz (Blood root) 24
Meerzwiebel (Squill root, bruised) 12
Pulverisirte Lakritzenwurzel (Pulverized liquorice root) 5
Kochenille (Cochineal, bruised) 2
Anissamen 32
Fenchelsamen (Fennel seed) 8
Orangenschale 16
Essigsaures Morphium (Acetate of morphine) 12 Drachmen.
Alkohol 8 Gallonen.
Wasser 8
Pulv. weißer Zucker 40 Pfund.
Schwefelsäure (Sulphuric acid) 1 Unze.

Mahle alle diese Artikel zu einem groben Pulver; mit Ausnahme derer, bei welchen angegeben ist, daß sie pulverisirt oder zerquetscht (bruised) werden sollen, und bringe alle in den Alcohol, ausgenommen die wilde Kirschenrinde, das Wasser, den Zucker und die Schwefelsäure. Lasse die Masse eine Woche lang stehen und rühre tüchtig zweimal des Tages. Nachdem die Rinde von dem wilden Kirschbaum zwei Tage lang in einem bedeckten Gefäß mit genug[S. 249] Wasser, um dieselbe zu durchfeuchten, gestanden hat, so bringe man sie in ein Sieb und schütte durch dasselbe acht Gallonen Wasser, füge den Alkohol und andere Bestandtheile bei und lasse das Ganze noch weitere drei Tage stehen, indem man jeden Tag zweimal rührt und nachher die Flüssigkeit filtrirt und den Zucker und zuletzt die Schwefelsäure beifügt. Dieser Anweisung nach werden 16 Gallonen bereitet, doch kann die Quantität leicht durch Berechnung vermindert werden. Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll. Ist eine beruhigende Wirkung wünschenswerth oder nöthig, so füge man ein wenig Morphium (Morphine) zu dem Präparat.

Das folgende wird gegen den Husten sehr dienlich sein:

Wilder Kirschensyrup 2 Unzen.
Lattichbitter (Lactucarium) 2

Mische dieses. Dosis: 1 oder 2 Theelöffel voll des Abends und Morgens.

Oder:

Tolu-Syrup (Syrup of Tolu) 1 Unze.
Meerzwiebel-Syrup (Syrup of squills) ½
Brechwurzwein (Wine of Ipecac) 2 Drachmen.
Paregoricum (Paregoric) 3
Gummi Arabicum Schleim ½ Drachme.

Mische dieses. Dosis: zeitweilig einen halben Theelöffel voll.

Eisen-Iodide-Tinktur (Liquor of iodide of iron), in Dosen von 12 zu 20 Tropfen in Wasser, dreimal des Tages verordnet, mag in manchen Fällen von guter Wirkung sein, wenn der Patient nämlich sehr schwach ist. Gegen die Nachtschweiße verordne man folgendes:

Aufguß von Peruvianischer oder Cascarilla-Rinde 4 Unzen.
Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of hyosciamus) 1 Drachme.
Verdünnte Schwefelsäure (Dilute sulphuric acid) 1

Mische dieses. Dosis: einen Eß-Löffel voll dreimal des Tages.

Oder dieses:

Zink-Oxid (Oxide of zinc) 1 Drachme.
Schierling-Extrakt (Extract of Conium) ½

Bereite hieraus 20 Pillen und nehme eine derselben jeden Abend.

Sind die Schweiße sehr bedeutend, so wasche man den Körper mit Brandy, Whiskey oder Alaun. Gegen die Diarrhöe kann dreifach schwefelsaurer Wismuth (Tris-nitrate of bismuth), in Dosen von 30 Granen, entweder vor oder nach jeder Mahlzeit zu nehmen, verordnet werden. Ist der Magen in Unordnung, so wird das Ansetzen zweier oder dreier Blutegel auf die Magengrube, worauf man einen Kleieumschlag auf die betreffende Stelle legt, gute Dienste leisten. Gegen das hektische Fieber ist schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) ein ausgezeichnetes Mittel, wenn dasselbe in der Zwischenzeit in Dosen von 10 zu 12 Granen gegeben wird. Manchmal mag auch mit Wasser verdünnter und versüßter Essig in Dosen von einem zu zwei Theelöffeln voll mit[S. 250] guter Wirkung gegeben werden. Auch ist das Abwaschen oder Besprengen der Haut mit warmem Essig oder Spirituosen öfters sehr wirksam.

Eclectische und Kräuterkur. Phosphorsaurer Kalk (phosphate of lime), in Dosen von 10 Granen dreimal des Tages gegeben, wird sehr empfohlen. Auch wird die salzsaure Eisen-Tinktur (Tincture of muriate of iron), 5 Tropfen in einem Weinglas voll Wasser alle 3 bis 4 Stunden, in manchen Fällen sehr wirksam sein. Das folgende wird empfohlen:

Blutwurz-Tinktur (Tincture of blood root) 1 Drachme.
Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (Fluid extract of wild cherry) 3 Drachmen.
Lakritzenaufguß (Infusion of Liquorice) ½ Pint.
Salz-Ammoniak (Muriate of ammonia) 1 Drachme.

Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll alle zwei Stunden.

Manchmal wird eine Einathmung von folgenden Substanzen guten Erfolg bezwecken:

Schwefelsäure (Nitric acid) 25 Tropfen.
Kampher 4 Drachmen.
Gerbersäure (Tannic acid) 4
Reiner geruchloser Alcohol (Pure deodorized alcohol) 6 Unzen.

Mische dieses. Man befeuchtet mit einem oder zwei Theelöffel voll dieser Mischung einen Schwamm, bringt diesen in ein Glas, hält dasselbe vor die Nase des Patienten, läßt ihn den Dunst 10 oder 15 Minuten lang einathmen und wiederholt dies mehrere Mal des Tages. Auch ist das Einathmen des durch geschmolzenes Harz (Rosin) entstandenen Dunstes ein werthvolles Mittel. Gegen den Husten gebrauche folgendes:

Andorn (Hoarhound) 1 Unze.
Wallwurz (Comfrey) 1
Nardensalbe (Spikenard) 1
Wasser 1 Gallone.

Koche dieses, bis noch 1 Quart der Mischung vorhanden, und füge ein Pint Honig hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages oder so oft als der Husten beunruhigt.

Oder dieses:

Flüssiger Schlangenwurzel-Extrakt (Fluid extract of black cohosh) 1 Unze.
Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (Fluid extract of wild cherry) 1
Blutwurzel-Tinktur (Tincture of blood root) 1
Schwefelsaure Morphin-Tinktur (Tincture of sulphate of morphine) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages, oder wenn immer der Husten heftig ist.

[S. 251]

Oder dieses:

Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (Fluid extract of wild cherry) Unzen.
Brechwurzsyrup (Syrup of ipecac)
Balsamtolu-Syrup (Syrup of balsam of tolu) 1 Unze.
Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of Hyosciamus) 1

Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll, wenn immer der Husten heftig ist.

Manchmal thut eine mäßige Chloroform-Einathmung gute Dienste. Die Nachtschweiße mögen mittelst 10 oder 12 Tropfen Vitriol-Elixir, welche in einem Weinglas voll Wasser vor dem Schlafengehen zu nehmen sind, gemildert werden. Es wird von guter Wirkung sein, wenn man den Körper mit einer aus Alcohol und Wasser bereiteten Mischung, wozu Zimmetöl und Gerbersäure (Tannic acid) gefügt wird, mittelst eines Schwammes abwäscht. Der Diarrhöe mag durch einen Brombeerwurzel- (Blackberry root) Aufguß Einhalt gethan werden. Auch kann man zu diesem Zwecke Paregoricum (Paregoric) und Catechugummi-Tinktur (Tincture of catechu) gebrauchen. Tritt Lungenbluten ein, so sollte der Patient viel von einem aus gleichen Theilen kurzblättrigen Dreiblatts (Beth root) und virginischen Wolfsfußes (Bugle weed) bereiteten Aufguß trinken; oder hie und da wird ein wenig Salz und Wasser dem Bluten Einhalt thun. Die folgenden Recepte werden unter „Auszehrung“ gegen Husten gefunden:

Ein aus weißem Andorn (White hoarhound) und mit Honig versüßter Thee ist eine treffliche Hustenmedizin. Ebenso wird Thee, aus Quittensamen (Quince seed), Flachssamen (Flax seed), Eibisch (Marshmallow) oder Ulmenrinde (Slippery elm) bereitet, den Husten lindern. Auch kann Meerzwiebelsyrup (Syrup of squills), Lobelia-Tinktur, Brechwurzwein (Wine of Ipecac) und Paregoricum (Paregoric), von jedem eine Unze, gebraucht werden. Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll drei- bis viermal des Tages.

Homöopathisch. Leberthran (Cod liver oil) wird auch bei der homöopathischen Behandlung mit Nutzen angewendet. Man mag dieses Mittel in Dosen von einem Eßlöffelvoll dreimal des Tages verordnen.

Calcarea Carbonica. — Wird gebraucht, wenn folgende Symptome vorhanden sind: Blasse Gesichtsfarbe mit schwermüthigem Gesichtsausdruck; aufgedunsene Wangen, Launenhaftigkeit bezüglich des Appetits, eher Neigung zur Hartleibigkeit als zur Diarrhöe, aber manchmal unregelmäßiger Stuhlgang; leichter doch bestimmt sich ausdrückender Husten; Schwerathmen, namentlich beim Treppensteigen, oder wenn der Patient schneller geht als gewöhnlich; weiche, schlotterige Muskeln; langsame Blutcirkulation; Schwäche. Bei mehr vorgerücktem Stadium der Krankheit wird Lycopodium oder Nitric Acid nützlicher sein als Calcarea.

Sulphur — wurde von Hahnemann als ein Hauptmittel gegen diese Krankheit bezeichnet. Man verwende dasselbe, wenn sich folgende Symptome zeigen:[S. 252] Skrophulöser Ausschlag, Neigung, sich schnell eine Erkältung dadurch zuzuziehen, wenn der Patient an die frische Luft kommt; rheumatische Schmerzen in den Gliedmaßen ohne Anschwellung; wankender Gang und Zittern der Hände; Gefühllosigkeit verschiedener Körpertheile; die Schmerzen sind bei Nacht heftiger und werden durch äußerliche Wärme gelindert; Schläfrigkeit; gestörter Schlaf; Gesicht blaß, kränklich und schlaff; blaue Ringe um die Augen, trockene Zunge und trockner Hals; weher Hals und Druck in demselben, als ob Klumpen vorhanden wären; Magensäure; der Magen gegen Druck sehr empfindlich; Uebelkeit nach dem Essen; Schmerz im Unterleib; schneidende Schmerzen und Uebelkeit, worauf Diarrhöe folgt; Heiserkeit oder Stimmverlust; trockner, kurzer Husten.

Phosphorus. — Für leichtgebaute Personen mit heller Gesichtsfarbe gegen kurzen, trocknen Husten, Kurzathmigkeit, große Abzehrung, Diarrhöe und Schweiß zu gebrauchen.

Andere Heilmittel sind: Ferrum, Silicea, Phosphoric Acid, Lobelia, Nitric Acid, Iodine, Belladonna, Hamamelis und China. Diese Heilmittel sollten unter Anordnung eines tüchtigen Arztes gebraucht werden.

Verordnung der Heilmittel. Man nehme von dem gewählten Heilmittel eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages, oder wenn die Symptome dazu veranlassen, eine Dosis alle eine, zwei oder drei Stunden.

Brustquetschung (Contusion of the Chest).

Wird die Brust durch einen Schlag oder Fall beschädigt, so gebrauche man Arnica-Tinktur äußerlich. Wenn aber aus Veranlassung der Beschädigung Bronchitis oder Brustentzündung oder andere Krankheiten entstehen sollten, so behandle man dieselben nach Anweisung im betreffenden Kapitel.

Fremde Körper in der Luftröhre.

Man kann fremde Körper, die sich in der Luftröhre festgesetzt haben, erreichen, indem man die Zunge hinabdrückt und den Daumen und einen Finger so weit als möglich hinabschiebt. Kann der Gegenstand nicht mit den Fingern gefaßt werden, so ist eine Chirurgenzange (Forceps) zu gebrauchen. Auch kann man die betreffende Person an einer Stange in den Knieegelenken, mit dem Kopf abwärts hängen lassen und ihr schnelle Schläge zwischen die Schultern versetzen, wodurch gewöhnlich geholfen wird. Kann aber der Gegenstand durch keines dieser Mittel entfernt werden, so sollte man einen Wundarzt zu Hülfe rufen.


[S. 253]

Zwölftes Kapitel.
Krankheiten des Magens und der Eingeweide.

Mangel an Appetit (Anorexia). Heißhunger (Bulemia).

Mangel an Appetit und krankhafte Eßlust wird bei vielen Krankheiten gefunden, ersterer besonders bei Krankheiten der Eingeweide oder Lungen, sowie auch bei anderen acuten Krankheiten, Unordnung des Magens u.s.w. Letzteres ist zuweilen eine Folge von Wurmleiden oder Verlust der Kräfte, Verdauungsschwäche u.s.w. Die Behandlung dieser Krankheiten findet man unter der Rubrik „Dyspepsie.“

Dyspepsie oder schwacher Magen.

Dyspepsie ist eine der gewöhnlichsten Krankheiten, welchen der Arzt begegnet. Sie wird überall, unter allen Klassen und häufiger bei Personen von mittlerem Alter gefunden. Solche, welche eine sitzende Lebensweise führen, keine Gelegenheit haben Bewegung zu machen, sowie auch jene, die Spirituosen und dem Tabak ergeben sind, sind mehr als Andere dazu geneigt.

Symptome. Die Dyspepsie kann vorübergehend sein oder sich einwurzeln. Unter vorübergehend verstehen wir einen leichten Anfall von Unverdaulichkeit, welcher von Ueberessen oder von unzulänglichen Nahrungsmitteln herrührt. Unter eingewurzelt verstehen wir solche Fälle, welche eine lange Zeit — Monate, ja sogar Jahre lang, anhalten. Bei dieser Krankheit verliert der Magen seine Kräfte zu verdauen und der Kranke ist nur dann fähig etwas zu essen, wenn er immer Spirituosen, Pillen und andere Arzneimittel zu sich nimmt. Ein vorübergehender Anfall von Unverdaulichkeit macht sich durch ein Gefühl von Ausdehnung des Magens, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speisen, zuweilen durch Uebelkeit[S. 254] und Erbrechen kenntlich. Bei der eingewurzelten oder chronischen Form ist der Appetit veränderlich, zuweilen gänzlich verloren, steigert er sich dann wieder bis zur Gefräßigkeit. Nimmt der Patient eine volle kräftige Mahlzeit, wird er niedergeschlagen, Schmerz und eine Schwere im Magen stellen sich ein; ein Verlangen nach Essen, das nach dem ersten Mund voll befriedigt, ist vorhanden; die Zunge ist blaß, welk, schleimig, oder wird trocken, klebrig, oder dick belegt, besonders am Morgen beim Aufstehen; ein beständiges unbehagliches Gefühl von Schwere im Magen, ebenso saures oder unangenehmes Aufstoßen, bei Säure im Magen und einem Gefühl von Sinken und Flattern in der Magengrube; Empfindlichkeit gegen Druck, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Mattigkeit und große Niedergeschlagenheit, Todesfurcht und Befürchtungen vor der Zukunft, Herzklopfen oder ein starkes Schlagen in der Gegend des Magens, Verstopfung, unangenehmer Geschmack im Munde, besonders des Morgens beim Erwachen; das Gedächtniß ist vermindert; die Stimmung ist veränderlich und die Laune reizbar; Tiefsinn, Gedanken- und Ideenverwirrung; Schwindel; Schwachsichtigkeit, Flecken schimmern vor den Augen; das Gesicht ist blaß und hat einen ängstlichen Ausdruck, die Haut ist trocken und gerunzelt, Alpdrücken ist eine gewöhnliche Erscheinung, Kneipen oder krampfartige Thätigkeit der Muskeln; abwechselnd Hitze und Kälte; ziehende Schmerzen im Rücken und in den Schultern; häufiges Seufzen; ein Gefühl von Beklemmung in der Gegend des Herzens; Geräusch oder Singen in den Ohren.

Ursachen. Eine von den häufigsten Ursachen von Verdauungsschwäche ist hastiges unzulängliches Kauen der Speisen, Mangel an Bewegung und Ruhe des Geistes, unpassende Nahrung, wie zu kräftige, reizende Speisen, Spirituosen, zu häufiger Genuß von warmen Flüssigkeiten und Tabak, spätes Aufbleiben, stark gewürzte Gerichte, übermäßig starke Entleerungen, sitzende Lebensweise, langes angespanntes geistiges Arbeiten, Trägheit, zu langes Schlafen, das Athmen unreiner Luft, geschlechtliche Ausschweifungen; Leute, welche sehr schnell essen und dazu übermäßig viel Wasser, Thee oder Kaffee trinken, sind diesem mehr ausgesetzt als andere; auch Essen, unmittelbar nach starker körperlicher oder geistiger Arbeit ist sehr schädlich; starke Bewegung nach der Mahlzeit oder kurz vor dem Schlafengehen, Aerger, Eifersucht, große Freude, nächtliches Wachen sind[S. 255] hervorragende Ursachen. Der Mißbrauch von Abführmitteln, der die Eingeweide träge macht, ist äußerst schädlich.

Behandlung.

Allgemeine. Gutes Kochen ist ein wichtiger Theil der Behandlung bei der Verdauung; die Speisen sollten gut, aber nicht übermäßig gekocht werden; halb gar gekochtes Fleisch ist bei Dyspepsie das Beste. Leute, die an Dyspepsie leiden, sollten alle eingemachten Fleischarten, wie Schinken, Zunge, geräucherte oder gesalzene Fleischsorten, Würste u.s.w., sowie auch rohes Gemüse, Pickles, Salat u.s.w. vermeiden. Die Nahrung muß, ehe sie in den Magen geht, langsam und gehörig gekaut werden, jeder Mundvoll muß so gekaut sein, bis er von selbst in die Speiseröhre tritt, denn Speisen, die gehörig gekaut sind, folgen ihrer eigenen Bestimmung. Verschiedene Sorten von Pasteten, heißes Brod, heißer Zwieback, Eier, Suppen, stark gewürzte Gerichte, Puddings u.s.w. müssen vermieden werden.

Fische sind am meisten verdaulich, wenn gekocht, weniger wenn gebraten und am wenigsten wenn gebacken. Die meisten Sorten von wildem Geflügel können erlaubt werden, auch Hammelfleisch, Wild, Hühner und Turkeyfleisch, rohe Austern, geröstetes, gebackenes oder gekochtes Obst, Schwarz- oder Weizenbrod, Kartoffeln sind für die Kost zulässig. Thee, Kaffee und alle berauschenden Getränke müssen vermieden werden, der beste Trunk bleibt immer Wasser oder Milch, wenn eins oder das andere ohne unangenehme Symptome genommen werden kann. Während des Essens sollten nicht zu viele Flüssigkeiten genommen werden, und es wird besser sein, wenn der Patient damit bis nach der Mahlzeit wartet. Wenigstens sechs Stunden sollten immer von einer zur andern Mahlzeit verstreichen, während bei einem gesunden Magen drei bis vier Stunden hinreichen. Niemals sollte Jemand eine Reise oder einen Ausflug weder mit zu vollem noch mit ganz leerem Magen antreten. Das Trinken geschieht für den Magen vortheilhafter vermittelst Schlürfens oder indem man jedesmal einen Mund voll nimmt, als durch das Trinken in langen Zügen. Nach Bewegung von irgend welcher Art, wie Reiten, Gehen u.s.w. sollte man sich stets vorher eine halbe Stunde ausruhen, ehe man eine Mahlzeit zu sich nimmt, und ebenso sollte nach der Mahlzeit ein solcher Zeitraum verstreichen, ehe irgend eine Bewegung gemacht wird. Gehen, Laufen, Springen, Tanzen, Holzsägen oder das Rudern eines Bootes sollte jeden Tag regelmäßig geübt werden. Folgende Kosteintheilung ist mit geringer Veränderung von Dr. Leared.

Leicht verdaulich. Hammelfleisch, Wild, Hase, süßes Brod, junge Tauben, Feldhuhn, Fasanen, Birkhuhn, Rind- und Hammelfleisch, Milch, Steinbutte (turbot), Schellfisch, Butten (flounders), Zunge (sole, eine Fischart), Fische im Allgemeinen, geröstete Austern, altbackenes Brod, Reis, Tapioca, Sago, Pfeilwurz (arrow root), Spargel (asparagus), Meerkohl, französische Bohnen, Blumenkohl (cauliflower), gebackene Aepfel, Orangen, Weintrauben,[S. 256] Erdbeeren, Pfirsiche, Zwiebackwasser (toast water), schwarzer Thee, Sherry, Claret.

Mäßig verdaulich. Rind- und Lammfleisch, Kaninchen, Turkey, Ente, wildes Geflügel, Schnepfe, Suppen, Eier nicht hart gekocht, Butter. Schildkröte, Stockfisch, Hecht, Forelle, rohe oder gedämpfte (stewed) Austern, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Spinat, Artischocken, Salat, Sellerie, Aprikosen, Korinthen, Himbeeren, Brod, Mehlpuddings, Gelee, Marmalade, Rhabarber, gekochte Früchte, Cocoa, Kaffee, Malzgetränke, Portwein.

Hart verdaulich. Schweinefleisch, Kalbfleisch, Gansleber, Herz, Gehirn, Salzfleisch, Wurst, Hechte und gedämpfte (stewed) Fleische, Makrele, Aal, Lachs, Häring, Hellbutte, Salzfisch, Hummer, Krebse, Seegarnelen, Muscheln, Oel, zerlassene Butter, hartgesottene Eier, Käse, frisches Brod, Kuchen, in Butter gebackener Zwieback, Pasteten, Rahmtörtchen, Nüsse, Erbsen, Pflaumen, Kirschen, gedörrte Früchte, Gurken, Zwiebeln, Möhren, Pastinaken (parsnips), rothe Rüben (beets), Bohnen, Pilze, Pickles, Chocolade, Champagner, Liqueurs.

Eclectische und Kräuterkur. Gegen Säure und heißes Aufstoßen nehme ein Brechmittel von fünf bis zehn oder zwanzig Granen Brechwurz (Ipecac) in einem Theetassenkopf voll warmen Kamillen- oder anderen Thee; diese Dosis wird wiederholt, wenn die erste nicht Erbrechen verursacht. Nachdem der Magen beruhigt ist, gebe man ein Seidlitzpulver. Die Anwendung von Einspritzungen ist in strengen Fällen oder bei Personen von zartem Körperbau viel besser zur Bewegung der Eingeweide, als Gaben von Abführmitteln und mag zu diesem Behufe Molasses und warmes Wasser, oder warmes Wasser und ein wenig Salz angewendet werden. Bei Fällen, die dann erst eingetreten sind, wo leichte Verstopfung und Magensäure vorhanden sind, nehme man Folgendes:

Gagel in Pulvern (Bayberry bark in powders) 1 Unze.
Stachliche Eschenrinde in Pulver (Prickly ash bark in powders) 1
Gelbwurz-Pulver (Golden seal powder) 1
Bitterwurz in Pulver (Bitter root in powder) 1
Doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (Bi-carbonate of soda, or potash) 1

Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Bei chronischen Fällen oder hartnäckiger Verstopfung nehme Folgendes:

Kalmus in Pulver (Blue flag in powder) 1 Unze.
Alraun in Pulver (Mandrake in powder) 1
Bitterwurzel in Pulver (Bitter root in powder) 1
Pulverisirte Blutwurzel (Pulv. blood root) ½
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: Dreimal des Tages einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll.

[S. 257]

Ist Säure im Magen vorhanden, so füge doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (Bi-carbonate of soda or potash) eine Unze hinzu. Säure kann zuweilen durch ein Seidlitzpulver, ein- oder zweimal des Tages genommen, verbessert werden und gegen Wind im Magen ein warmer Trank von grünem Münz- oder Pfeffermünz- (Spearmint or Peppermint) Thee. Ist Kolik vorhanden, so nehme man einen Theelöffel voll Paregoricum (Paregoric) in ein wenig heißes Wasser. Bei beständiger Verstopfung der Eingeweide wird das nachstehende sehr empfohlen:

Wismuth-Oxyd (Oxide of Bismuth) 12 Grane.
Aloe (Aloes) 24

Mache mit Molasses oder einer Auflösung von Gummi Arabicum 12 Pillen daraus. Dosis: Jeden Abend beim zu Bett Gehen vier Pillen, bis der Magen wieder gestärkt ist. Wismuth kann auch da, wo ein tägliches Abführmittel nicht erforderlich ist, allein in Pulvern von fünf Granen auf eine Dosis gegeben werden. Es kann mit Honig oder Molasses oder mit irgend einer anderen derartigen Zuthat genommen werden.

Weißer Senfsamen ist ein altes und viel gebrauchtes Mittel. Eine Dosis sollte davon jeden Tag durch drei oder vier Wochen hindurch genommen werden. Man nehme einen halben bis ganzen Eßlöffel voll und verschlucke den Samen ganz mit kaltem Wasser. Sodbrennen wird zuweilen durch einen Theelöffel voll überkohlensaure Soda (Super-carbonate of soda) in ein wenig Wasser oder einen halben Theelöffel voll Saleratus in einem halben Tassenkopf voll Wasser sofort gelindert. Magnesia in zwei bis drei Theelöffeln voll in einem Bierglas voll Wasser genommen, hat sich als ein ausgezeichnetes Mittel bewährt.

Pyrosis oder Sodbrennen kann durch Nachstehendes gelindert werden:

Sennesblätter (Senna leaves) 1 Unze.
Pulverisirte Jalappenwurzel (Jalap, powdered) ½
Pulverisirte Gelbwurz (Golden seal, powdered) ½
Pulverisirter Fenchelsamen (Fennel seed, powdered) ½
Aloe 2 Drachmen.
Tolu-Balsam 1 Unze.

Gieße ein halbes Pint kochendes Wasser darüber und rühre es um. Wenn kalt gieße es in eine Quartflasche und fülle dieselbe mit gutem Branntwein oder Whisky. Nachdem es zwei Stunden gestanden hat, wird es fertig sein zum Gebrauch. Dosis: Alle Morgen vor dem Frühstück einen Eßlöffel voll.

Folgendes kann zuweilen angewendet werden:

Dreifachsalpetersaures Wismuth (Tris nitrate of Bismuth) 5 Grane.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 1–10 Grane.

Mische es zu einer Dosis.

Präparirte Holzkohle (Prepared charcoal) kann in Dosen von einem Theelöffel voll dreimal des Tages in einigen Fällen gegeben werden.

[S. 258]

Folgendes ist bei Dyspepsie ein sehr schätzbares Mittel:

Chinarinde (Peruvian bark) 1 Unze.
Enzianwurzel (Gentian root) 1
Orangenschale ½
Koriandersamen (Coriander seed) ½

Stoße diese vier Artikel in einem Mörser oder in einem anderen Gefäße, lege sie in ein Quart französischen Branntwein (French brandy) und lasse das Ganze vier bis fünf Tage vor dem Gebrauche stehen. Dosis: Ein halber bis ganzer Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser ungefähr eine oder zwei Stunden vor den Mahlzeiten.

Blähungen und Kolik können durch einen bis zwei Tropfen von Cajeputöl (Cajupet) auf Zucker, oder doppeltschwefelsaure Soda (Bi-sulphate of soda), eine bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten genommen, entfernt werden.

Die folgenden sind einige von den Mitteln, die sich bei Behandlung der Dyspepsie sehr zuträglich erwiesen haben:

Pulverisirter türkischer Rhabarber (Powd. turkey rhubarb) 2 Drachmen.
Kohlensaure Soda (Carbonate of Soda) 48 Grane.
Einfacher Syrup 1 Unze.
Quellwasser ½ Pint.

Dosis: Dreimal des Tages vor dem Essen einen Eßlöffel voll.

Rosenwasser (Rose water) 1 Pint.
Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 6 Drachmen.
Cascarilla-Tinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Drei Eßlöffel voll zweimal des Tages.

Die folgenden Pillen werden empfohlen:

Aloe 3 Grane.
Rhabarber (Rhubarb) 3
Spanische Seife (Castile soap) 3
Gelbwurz (Golden seal) 60
Cayenne-Pfeffer (Cayenne) 20
Pulverisirter Lobelia-Samen 20

Theile es in 60 Pillen mit Enzian-Extrakt. Dosis: Jeden Abend eine beim zu Bett Gehen.

Ein anderes:

Wismuth-Oxyd (Oxide of bismuth) 4 Drachmen.
Rhabarber (Rhubarb) 2
Aloe 1 Drachme.
Cayenne-Pfeffer (Cayenne) 1
Brechwurz (Ipecac) 30 Grane.

Mische es gehörig und mache mit Gummi Arabicumschleim 120 Pillen daraus. Dosis: Vor jeder Mahlzeit eine Pille.

[S. 259]

Homöopathisch. Um die Wahl der Heilmittel zu erleichtern, ist die Krankheit in Klassen mit den zu jeder derselben erforderlichen Heilmitteln eingetheilt. Ehe man daher eines der Mittel wählt, sehe man zuerst die untenstehenden Einzelnheiten durch.

Gegen Dyspepsie bei Erwachsenen: Aconitum, Antimonium, Arnica, Belladonna, Bryonia, Calcarea Carbonica, Carbo Vegetabilis, Chamomilla, China, Hepar Sulphuris, Ipecacuanha, Mercurius, Nux Vomica, Pulsatilla, Phosphorus, Sepia, Sulphur, Veratrum.

Bei Kindern: Aconitum, Bryonia, Calcarea Carbonica, Chamomilla, Ipecacuanha, Pulsatilla, Sulphur.

Wenn langes Wachen die Ursache der Dyspepsie ist: Nux Vomica, Arnica, Pulsatilla, Veratrum, Carbo Vegetabilis.

Durch übermäßige geistige Anstrengung: Nux Vomica, Sulphur, Lachesis, Calcarea Carbonica.

Wenn die Folge von übermäßigem Genuß von Spirituosen: Nux Vomica, Sulphur, Lachesis, Arsenicum, Carbo Vegetabilis.

Ebenso vom Kaffee: Nux Vomica, Ignatia.

In Folge des Tabaks: Nux Vomica, Hepar Sulphuris, Cocculus, Staphysagria.

Bei Verschlimmerung nach Trinken von kaltem Wasser: Arsenicum, China, Pulsatilla, Veratrum.

Nach Biertrinken: Arsenicum, Calcarea Carbonica, Rhus Toxicodendron, Sepia, Sulphur.

Nach Milchtrinken: Bryonia, Nux Vomica, Calcarea, Sulphur.

Nach Säuren: Nux Vomica, Sepia, Sulphur, Arsenicum, Lachesis.

Nach Brod: Nux Vomica, Sulphur, Pulsatilla, Bryonia, Mercurius.

Nach festen Speisen: Pulsatilla, China, Carbo Vegetabilis.

Wenn gleichzeitig mit Dyspepsie Verstopfung vorhanden ist: Nux Vomica, Sulphur, Bryonia, Lachesis.

Wenn mit Diarrhöe verbunden: Pulsatilla, China, Acidum phosphoricum, Carbo Vegetabilis, Mercurius, Arsenicum, Veratrum.

Gleichzeitig mit saurem Magen: Pulsatilla, Nux Vomica, Calcarea Carbonica.

Oder mit Geschwüren: Nux Vomica, Sulphur, Sepia.

Aconitum. — Wenn beim Beginne des Anfalles beträchtliches Fieber mit Durst und Uebelkeit, auch wenn Röthe und Wehsein des Mundes und Halses vorhanden sind.

Arnica. — Wenn ein Fall oder ein Schlag auf dem Magen die Ursache, mit Schmerz und einem Gefühl, als wenn das Rückgrat gebrochen wäre, Zunge dick, gelblich belegt, Uebelkeit mit Neigung zum Erbrechen, öfteres Aufstoßen mit fauligem bitterem Geschmack, nervöse Aufregung, Schwere in den Gliedern.

Nux Vomica. — Passend bei den meisten Fällen von Dyspepsie zu Anfange,[S. 260] besonders bei Verstopfung und einer Neigung zu Beulen, saurer, bitterer Geschmack im Munde; wenn die Nahrung, besonders Brod, sauer oder bitter oder geschmacklos ist; der Kranke hat nicht viel Appetit, aber ein Verlangen nach Bier, Wein oder Spirituosen; von der Nahrung leicht befriedigt, nach dem Essen mit Uebelkeit belästigt, Erbrechen der Speisen, Schwindel, Schwere, Schläfrigkeit, Vollsein, Ausdehnung des Magens, empfindlich gegen Berührung, Taumeln, Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerz durch geistige Anstrengung erhöht, Klingen in den Ohren, Zunge weiß belegt, metallartiger, bitterer, saurer oder fauliger Geschmack im Munde des Morgens oder nach dem Essen, Sodbrennen, Windkolik, Gefühl von Beengung durch die Kleider um die Taille, saurer Magen, erfolgloses Stuhldrängen, harter, schwerer, mit Blut gestreifter Stuhl. Am besten paßt Sulphur nach diesem.

Sulphur. — Besonders bei lang anhaltenden Fällen, oder wenn kein Appetit nach Fleisch und Brod vorhanden, sondern ein Verlangen nach Wein und Säuren, Schwierigkeit des Athmens, Uebelkeit nach dem Essen, Aufstoßen und Erbrechen der Speisen; Frösteln, Säure und Sodbrennen, saurer Magen, geistiger Druck, unzufrieden mit Allem und Jedermann. Darauf paßt Calcarea Carbonica am besten.

Pulsatilla. — Ein wichtiges Mittel bei Dyspepsie, besonders bei frischen Fällen, die durch Ueberessen verursacht sind, durch den Genuß von Schweinefleisch, Hammelfleisch, Butter oder irgend einer fettigen Substanz, der Geschmack der Speise kommt wieder heraus in den Mund, Neigung zum Erbrechen, besonders nach Essen und Trinken, Geschmack schal oder faulig, ähnlich dem von schlechtem Fleisch oder Talg, Druck in der Magengrube, besonders nach dem Essen, der Kranke fröstelt, ist schwach, eigensinnig und melancholisch.

Antimonium Crudum. — Besonders nützlich, wenn die Störung vom Ueberessen herrührt und folgende Symptome gegenwärtig sind: Der Geschmack der zuletzt eingenommenen Speise kommt wieder in den Mund und stößt bald nach dem Essen Theile unverdauter Speisen in die Höhe, die Zunge ist mit einem weißen oder gelblichen Schleim belegt, der Magen ist empfindlich gegen Berührung und ausgedehnt.

Belladonna. — Wenn ein schmerzhaftes Ausdehnen des Unterleibes stattfindet, bei einem Zusammendrücken, als wenn die Eingeweide festgehalten würden, Schlucken, Uebelkeit oder eine Abneigung gegen die Speise, Erbrechen von Galle oder Wasser, auch bei Eingenommenheit des Kopfes oder Blutandrang nach dem Kopfe.

Arsenicum. — Besonders nützlich bei chronischen Fällen, bei Zusammenfallen des Gesichts, kalten Endgliedern, dunklen Ringen um die Augen, zugespitzte Nase, Zunge weiß oder bräunlich, auch bei Magenkrämpfen, bei einem Gefühl von Kälte oder Hitze, alles, was in den Magen geht, wird wieder erbrochen, die Haut ist heiß und trocken. Wenn Arsenicum von keinem guten Erfolge ist, gebe man Lachesis.

[S. 261]

Bryonia. — Ein wichtiges Mittel gegen Dyspepsie, besonders wenn dieselbe im Sommer eintritt, auch wenn sie von Frostschauer, Kopfschmerz und Schmerz in den Gliedern und dem Rückgrat begleitet ist, ebenso bei den folgenden Symptomen: Zunge mit einem gelblichen Schleim belegt, heiß und trocken, Appetitlosigkeit, bittern Geschmack, große Abneigung gegen Speise, zuweilen ein großes Verlangen nach Speise und Getränken, Gefühl von Vollsein und Brennen im Magen nach den Mahlzeiten, viel Durst, Aufstoßen einzelner Theile von Speise nach jeder Mahlzeit, Sodbrennen, Verstopfung der Eingeweide, Uebelkeit des Morgens, Brennen im Magen, Laune reizbar und halsstarrig. Sollte Bryonia wenig oder gar keine Besserung gewähren, so gebe man Rhus.

China. — Dyspepsie in Folge von Blutverlust oder anderen Entleerungen, wenn unreine Luft die Ursache und bei folgenden Symptomen: Druck im Magen, als ob von einer Last herrührend, Gleichgültigkeit gegen Essen und Trinken, Verlangen nach Wein oder Säuren, schaler oder bitterer Geschmack im Munde, Wunsch nach verschiedenen Leckerbissen, ohne eigentlich zu wissen nach welchen, krankhafter Appetit nach etwas Starkem, Scharfem oder Saurem, Schwäche und Ermüdung, der Kranke dehnt und streckt seine Glieder in Folge eines Gefühls von Müdigkeit.

Cepa. — Kein Hunger, aber beträchtlicher Durst, Eingenommenheit des Kopfes, Schmerz in den Eingeweiden in Folge von Winden.

Carbo Vegetabilis. — Appetitlosigkeit, bittrer Geschmack im Munde, bloßes Aufstoßen von Luft, Geschmack der Speise, nachdem man sie bereits zu sich genommen, Sodbrennen während der Nacht, Windkolik, Rasseln im Unterleib.

Calcarea Carbonica. — Besonders bei Kindern, welche eine Neigung zu Skropheln haben, Säure des Magens, häufiges Aufstoßen von Wind, Gefühl von Vollsein im Kopfe bei einer Neigung zu krampfhaftem Kopfweh, Vollsein und Anschwellen in der Gegend des Magens, bei Empfindlichkeit gegen Berührung, nagende oder kneipende Schmerzen.

Chamomilla. — Besonders bei einem Anfall von Zorn oder durch Stehen in der Zugluft, während man schwitzt, Aufstoßen der Speise, Uebelkeit, Erbrechen von Speisen und grünem Schleim oder Galle, Magenkrämpfe, Kopfschmerz, Vollsein, Schwindel, gestörter Schlaf und Herumwerfen, Gesicht roth und heiß.

Hepar Sulphuris. — Gegen Dyspepsie, wenn dieselbe durch das Nehmen von blauen Pillen oder anderen Quecksilber-Präparaten verursacht wurde, ein heftiges Verlangen nach reizenden Stoffen, Weinen oder Säuren, der Magen scheint äußerst empfindlich zu sein und geräth leicht in Unordnung, obgleich der Patient gesund sein mag, Uebelkeit am Morgen, bei Erbrechen einer sauren, galligen oder schleimigen Masse. Kann abwechselnd mit Nux vomica, wenn harter, leicht gefärbter Stuhl vorhanden ist, oder mit Mercurius, bei einer weißlichen Diarrhöe, gegeben werden.

Ipecacuanha. — Besonders passend für Kinder, wenn sie Speisen, Getränke oder Galle erbrechen, Erbrechen mit Kälte des Gesichts und der Endglieder,[S. 262] Zunge weiß, gelblich belegt, Erbrechen mit Diarrhöe, Abneigung gegen Speise, besonders fette und reiche Kost, oder wenn die Verdauungsschwäche vom Essen des Turkey oder von Pasteten u. s. w. veranlaßt wurde.

Mercurius. — Aufstoßen eines sauren und bitteren Stoffes, fauliger, süßlicher oder bitterer Geschmack des Morgens, Neigung zur Diarrhöe, bei Durchfall oder Schweiß, schwache Verdauung bei beständigem Hunger, Druck in der Magengrube nach dem Essen. Ist vor oder nach Lachesis zweckmäßig zu geben.

Phosphorus. — Bloßes Aufstoßen, besonders nach dem Essen, Erbrechen nach dem Essen, Brennen im Magen.

Sepia. — Bei chronischer Dyspepsie mit oder ohne krankhaftes Kopfweh, Aufstoßen oder Schmecken von saurer oder fauliger Speise, Anschwellen des Unterleibes mit einem Drucke, wie von einem Stein herrührend, Uebelkeit vor dem Frühstück, ebenso nach dem Essen, Uebelkeit von schwangeren Frauen.

Lachesis. — Unregelmäßiger Appetit, ein Widerwillen gegen Brod, bei einem Verlangen nach Wein und Milch, häufige Uebelkeit, Erbrechen der Speisen, Verstopfung, Unbehaglichkeit, Trägheit, Schwere. Ist passend vor oder nach Mercurius.

Veratrum. — Wenn sich Ipecacuanha als unzureichend erwiesen hat oder wo nach Anwendung von Ipecacuanha noch Diarrhöe mit kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden vorhanden ist, bei großem Durst, Kälte der Hände und einem Schauer über den ganzen Körper.

Andere Heilmittel wie Rhus, Acidum Phosphoricum, Cocculus, Ignatia, Staphysagria sind zuweilen, aber nicht oft anwendbar.

Verordnung der Heilmittel. Bei frischen Anfällen, und wenn viel Magenschmerz und krankhafter Reiz desselben vorhanden, nehme von dem gewählten Heilmittel alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine Dosis. Sobald die Strenge der Symptome nachzulassen beginnt, sollten die Zwischenräume verlängert werden. Bei chronischen Fällen ist das Mittel dreimal des Tages zu wiederholen. Bei Anwendung der Kügelchen gebe einem Erwachsenen zehn.

Allöopathisch. Wenn Mangel an Appetit ein Symptom ist und es ist keine erklärliche Ursache dafür vorhanden, nehme folgendes:

Rinden-Abkochung (Decoction of bark) 6 Unzen.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 8 Grane.
Verdünnte Schwefelsäure (Dilute sulphuric acid) ½ Drachme.
Compound tincture of bark ½ Unze.
Orangenschalen-Syrup 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Wenn es von einem Schmerz in der Magengrube begleitet ist, nehme das folgende:

Dreifach salpetersaurer Wismuth 10 Grane.
Gummi Arabicumschleim (Mucilage of gum arabic) ½ Drachme.
[S. 263] Syrup ½
Hopfen-Tinktur (Tincture of hops) ½ bis 1
Zimmet-Tinktur (Tincture of cinnamon) ½ bis 1
Wasser 1 Unze.

Mische es und nimm zwei- bis dreimal des Tages eine Dosis.

Beim Beginn der Dyspepsie ist in der Regel eine Störung der Leber vorhanden. In diesem Falle möge folgende Pille gegeben werden:

Enzian-Extrakt (Extract of gentian) ½ Drachme.
Pulverisirter Rhabarber (Pulv. rhubarb) ½
Blue Mass 4 Grane.

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille eine Woche lang.

Salpetersaure Kochsalzsäure (Nitro muriatic acid), in Dosen von 3 bis 4 Tropfen wirkt als ein mildes stärkendes Mittel und kann den obigen Pillen folgen. Wo Nervenschwäche vorwiegend ist, und besonders bei chronischen Fällen, wird folgendes vorzüglich gefunden werden:

Pillen von kohlensaurem Eisen (Pill of carbonate of iron) 2 Skrupel.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 1
Alkohol-Extrakt von Nux vomica 5 Grane.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille.

Ist Mangel an Appetit und Niedergeschlagenheit vorhanden, nehme man folgendes:

Enzian-Aufguß (Infusion of gentian) Unzen.
Anderthalb kohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of ammonia) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Compound tincture of cardamons) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.

Gleichzeitig nehme man folgende Pillen:

Pulverisirter Rhabarber (Powdered rhubarb) ½ Drachme.
Spanische Seife (Castile soap) 1 Skrupel.
Pulverisirter Ingwer (Powdered ginger) 12 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Nimm jeden Abend oder einen Abend um den andern zwei Pillen.

Gegen Verstopfung ist das unter Mettauer’s Aperient bekannte Mittel sehr zu empfehlen. Es besteht aus folgendem:

Pulverisirte Aloe (Pulv. Aloes) Unzen.
Doppeltkohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) 4
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus 2
Wasser 2 Quart.

Gieße das Ganze in einen Krug und lasse die Mischung 14 Tage lang stehen,[S. 264] schüttle es einmal des Tages gehörig um und gieße dann den Bodensatz weg. Es verbessert sich mit der Zeit.

Dosis: einen Theelöffel voll sogleich nach der Mahlzeit. Dies Mittel wird besonders gut bei galliger Dyspepsie gefunden werden, da es auf die Leber wirkt. In solchen Fällen nehme man einige Tropfen salpetersaure Kochsalzsäure (Nitro muriatic acid) vor der Mahlzeit und das vorhergehende Mittel nach dem Essen, was von außerordentlichem Erfolg begleitet sein wird.

Andere Mittel gegen Verstopfung sind folgende:

Pulverisirter Rhabarber (Pulverized Rhubarb) 2 Unzen.
Doppeltkohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potassa) 1 Unze.

Mische es. Dosis: hinreichend um eine Bewegung der Eingeweide jeden Tag hervorzurufen.

Oder auch:

Rhabarber (Rhubarb) 2 Skrupel.
Aloe 1
Nux Vomica-Extrakt 4 Grane.

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis zwei oder drei Pillen jeden Tag so oft als erforderlich.

Oder:

Rhabarber (Rhubarb) ½ Drachme.
Zusammengesetzter Koloquinthen-Extrakt (Compound extract of colocynth) ½ Drachme.

Mische und theile es in 20 Pillen. Nimm eine oder zwei, je nach Bedarf.

Gegen Magensäure gebe man präparirte Holzkohle (Prepared charcoal), in Dosen von einem Theelöffel voll, oder kohlensaure Magnesia (Carbonate of magnesia), oder dreifach salpetersauren Wismuth (Tris-nitrate of Bismuth), eine Priese doppelt kohlensaurer Soda (Bi-carbonate of soda) oder einen kleinen Eßlöffel voll Kalkwasser.

Gegen Sodbrennen — einen Theelöffel voll Magnesia oder Kreide in einem Glas kalten oder warmen Wassers. Kalkwasser oder flüssige Magnesia wird in denselben Fällen zuträglich gefunden werden.

Pyrosis (Sodbrennen mit starkem Wasserzusammenlaufen im Munde) wird durch 10 oder 15 Tropfen Ammoniak in einem halben oder ganzen Glas voll Wasser erleichtert werden.

Zur Bewirkung einer vollständigen Kur der Dyspepsie ist dreifach salpetersaurer Wismuth (Tris-nitrate of Bismuth), in Dosen von 20 bis 30 Granen dreimal des Tages bei jeder Mahlzeit. Ist viel Schmerz vorhanden, so gebe man folgendes:

Dreifach salpetersaurer Wismuth (Tris-nitrate of Bismuth) von 2 Skrupel bis zu 1 Drachme.
Magnesia von 2 Skrupel bis zu 1
[S. 265] Aloe-Tinktur ½ Unze.
Hopfen-Tinktur ½
Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder auch:

Eisensaurer Ammoniak Alaun (Ammonio-ferric alum) 2 Skrupel.
Zimmetwasser 4 Unzen.

Mische und löse es auf. Dosis: Alle zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.

Gegen Magenschmerz oder Krampf lindert zuweilen folgende Einspritzung augenblicklich:

Castoröl 2 Unzen.
Stachlige Eschenrinden-Tinktur (Tincture of prickly ash bark) ½ Unze.
Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tinct. of Virginia snake root) 2 Drachmen.
Aufguß von Wasserdost (Infusion of boneset) ½ Pint.
Sennesblätter ½

Mische und gebrauche es als Einspritzung.

Cajeput- (Cajeput) Oel in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker ist ein ausgezeichnetes Mittel. Kampher-Spiritus, Ingwer- (Ginger) Essenz und zusammengesetzter Lavendel- (Lavender) Spiritus sind allgemein bekannte und gebrauchte Linderungsmittel. Ein Senfpflaster auf dem Magen lindert oft augenblicklich.

Uebelkeit und Erbrechen.

Dem Erbrechen geht in der Regel ein eigenthümlicher Zustand, genannt Uebelkeit oder krankhafter Zustand des Magens, voraus. Dies Gefühl ohne Schmerz ist von Mattigkeit und großer Schwäche, blasser, kühler, feuchter Haut, eingefallenem Gesicht u. s. w. begleitet. Nachdem dieser Zustand eine geraume Zeit angehalten hat, tritt Erbrechen ein. Erbrechen wird gewöhnlich als Symptom einer Krankheit angesehen, tritt aber zuweilen auch selbstständig auf, d. h. ohne mit einer andern Krankheit verbunden zu sein.

Behandlung.

Homöopathisch. Wenn das Erbrechen durch Ueberessen hervorgerufen wurde, so ist es als wohlthuend zu betrachten, und man sollte häufig Getränke von warmem Wasser zu sich nehmen, um vermittelst dessen den Magen zu reinigen.

Folgendes sind Mittel, welche bei den verschiedenen Arten des Erbrechens genommen werden mögen:

[S. 266]

Ipecacuanha. — Dies ist das Hauptmittel und wird in der Regel alles sein, was erforderlich ist. Wenn das Erbrechen durch Ueberladen des Magens hervorgerufen wurde: Pulsatilla, Antimonium, Crudum, Nux Vomica, Arsenicum, Rhus, Bryonia, Sulphur.

Bei Erbrechen von schwangern Frauen: Nux Vomica, Ipecacuanha, Arsenicum, Veratrum.

Wenn Würmer die Ursache sind: Cina, Aconitum, Ipecacuanha, Nux Vomica, Carbo Vegetabilis, Lachesis.

Wenn in Folge von Trinken: Arsenicum, Ferrum, China, Bryonia, Chamomilla, Aconitum, Silicea, Arnica.

Stellt es sich nach dem Essen ein: Pulsatilla, Nux Vomica, Bryonia, Arsenicum, Ferrum.

Bei Erbrechen am Morgen: Nux Vomica, Arsenicum, Veratrum, Lycopodium, Drosera.

Bei Erbrechen am Abend oder des Nachts: China, Nux Vomica, Arsenicum, Veratrum, Sulphur.

Verordnung der Heilmittel. — Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll bis Besserung eintritt. Wird die Medizin trocken gegeben, so gebe man drei bis sechs Kügelchen auf eine Dosis. Wenn nach drei oder vier Dosen keine Besserung eintritt, greife zu einem anderen Mittel.

Allöopathisch. Gewöhnlich wird eine Dosis von grüner Münze- (Spearmint), Pfeffermünz- (Peppermint) oder Ingwer- (Ginger) Thee sofortige Erleichterung verschaffen. Zuweilen wird Branntwein, Ingwer- (Ginger) Tinktur oder Paregoricum diesem Zwecke entsprechen.

Wird es durch einen Reiz des Magens verursacht, so gebe man folgendes:

Belladonna-Extrakt 6 Grane.
Pulverisirte Brechwurz (Pulv. Ipecac) 10
Rosen-Zucker (Confection of roses) 2

Mische es und mache 30 Pillen daraus. Dosis: Zweimal des Tages eine Pille. Bei hartnäckigen Fällen kann ½ oder ¼ Gran Morphium gegeben werden. Ein Senfpflaster auf den Magen wird zuweilen sofortige Linderung hervorrufen. Eine Einspritzung von 30 bis 60 Tropfen Laudanum mit 2 Unzen dünner Stärke wird sich bei einzelnen Fällen als ein ausgezeichnetes Mittel bewähren. Flanell mit einer Abkochung von Cayenne-Pfeffer (Cayenne) in Spiritus oder Terpentin- (Turpentine) Oel befeuchtet, kann auch angewendet werden. Kalk- (Lime) Wasser und Milch in Dosen von einem Theelöffel voll von jedem alle halbe oder alle zwei Stunden, wird in Fällen, wo keine starke Aufregung vorhanden, und besonders bei Magensäure, entsprechen. Kreosot in Dosen von einem Tropfen, so oft als erforderlich wiederholt, hat zuweilen ausgezeichneten Erfolg.

Eclectische und Kräuterkur. Bei Reizbarkeit des Magens mögen gleiche[S. 267] heile von Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz, Laudanum und Kampher-Tinktur in Dosen von einem halben Theelöffel voll in einem Aufguß von grüner Münze (Spearmint) gegeben werden. Zuweilen wird auch ein starker Aufguß von Nelken (Cloves), oder Ingwer (Ginger) und Nelken alle 5 bis 10 Minuten gegeben. Wenn gleichzeitig Schmerz in dem Magen vorhanden ist, füge 8 bis 10 Tropfen Laudanum zu jeder Dosis. Dreifachsalpetersaurer Wismuth in Dosen von 5 bis 10 Granen mit einem ½ Gran schwefelsaurem Morphium (Sulphate of morphine) wird sofortige Linderung verschaffen. Ein Aufguß von geröstetem Korn, oder ein Kuchen aus Hafermehl mit Wasser gebacken und dann wie Kaffee gebrannt wird das Erbrechen einstellen.

Seekrankheit.

Dies ist eine besondere Gattung von Erbrechen, welches sowohl durch Rückwärtsfahren, Schaukeln oder Drehen als auch durch das Fahren auf einem Schiffe verursacht wird. Personen, die davon befallen werden, sollten sich sogleich niederlegen und zwar, wenn möglich, in der frischen Luft. Seeleute rathen zu einem Drucke auf den Unterleib vermittelst eines engen Gürtels. Rohe, gesalzene Austern sind in der Regel bei diesem Zustand des Magens am leichtesten verdaulich.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Ein oder zwei Schluck Aepfelwein mit zehn oder zwölf Tropfen Laudanum wird häufig Linderung verschaffen; ebenso Branntwein, Spiritus oder Champagner.

Homöopathisch. Schottisches Ale, Häringe und Citronen werden in der Regel von Seekranken verlangt. Heilmittel sind folgende:

Cocculus. — Schwindel, Kopfschmerz, Uebelkeit. Dem Patienten wird besser, wenn er sich niederlegt.

Nux Vomica. — Ebenso wie Cocculus. Dem Patienten wird besser, wenn er nicht in der freien Luft ist.

Pulsatilla. — Dem Patienten ist in der freien Luft wohler.

Hyosciamus — ist ein wichtiges Mittel, besonders bei Schwindel des Kopfes.

Colchicum — kann nach Pulsatilla gegeben werden.

Arsenicum. — Wenn der Patient sehr schwach wird und sich häufig erbricht.

Petroleum — kann in Fällen von sehr großer Schwäche gegeben werden. Gegen Verstopfung während einer Reise gebe man Opium, Nux Vomica, Cocculus, Lachesis, Sulphur. Wenn gleichzeitig bei Verstopfung ein Verlangen nach Säuren vorhanden ist, gebe man Sepia.

Verordnung der Heilmittel. Ebenso wie bei Uebelkeit und Erbrechen.

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Magenneuralgie, Magenkrampf (Gastralgia).

Diese Krankheit wird von einem heftigen Schmerz begleitet, ähnlich dem des Sodbrennens, aber er ist stärker und gewöhnlich von kürzerer Dauer. Der Schmerz tritt ganz unregelmäßig auf, zuweilen verläßt er den Kranken für eine Zeit ganz und in einigen Fällen wird er durch Druck gelindert, was aber eben nicht immer der Fall ist. Gleichzeitig kann Schwierigkeit des Athmens, Unruhe und Herzklopfen vorhanden sein. Heiße und reizende Getränke lindern in der Regel den Schmerz. Schmerzen und Krämpfe werden in der Magengrube gefühlt, zuweilen leicht, dann wieder von großer Heftigkeit und erstrecken sich bis zur Brust und zum Rücken. Gewöhnlich findet ein Aufstoßen von einer großen Menge Luft statt, was dem Kranken für eine kurze Zeit Erleichterung verschafft.

Ursachen. — Können aus Krankheiten des Rückgrats oder irgend einer Störung der Nerven des Magens entspringen, ebenso aus einer Krankheit der Milz, der Leber oder anderer Organe, durch das übermäßige Trinken starker Spirituosen, Kaffee und Thee, durch unverdauliche Speisen, Angst und heftige Bewegungen. Das weibliche Geschlecht ist dieser Krankheit besonders ausgesetzt und wird gewöhnlich bei Störung der monatlichen Reinigung gefunden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Die Eingeweide sollten vermittelst einer milden Einspritzung, wie warmes Wasser geleert und warme Bähungen von Hopfen, Wasserdost (Boneset), Rainfarn (Tansy) und andere Kräuter auf die Gegend des Magens gebracht werden, dem man einen Senfumschlag folgen läßt. In Zwischenräumen gebe man die zusammengesetzte Brechwurz- (Ipecac) und Opium-Tinktur so oft als nothwendig, oder in einigen Fällen zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (Capsicum). Einreiben der Gegend über dem Magen mit einer Salbe, zusammengesetzt aus gleichen Theilen Laudanum, Kampher- (Camphor) Tinktur, Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz und Amberöl wird zuträglich gefunden werden.

Homöopathisch. Bei Magenkrampf in Folge zu vielen Kaffeetrinkens gebe man Nux Vomica, Ignatia, Cocculus, Chamomilla.

In Folge unmäßigen Genusses von Spirituosen: Nux Vomica, Arsenicum, Sulphur, Lachesis.

Wenn Unverdaulichkeit die Ursache: Pulsatilla, Antimonium, Crudum, Bryonia, China, Nux Vomica.

In Folge von geistiger Erregung, wie Zorn, Freude &c.: Chamomilla, Colocynthis, Nux Vomica.

[S. 269]

In Folge Säfte-Verlustes, wie durch Stillen, Schweiß, Blutungen &c.: China, Acidum Phosphoricum, Cocculus, Nux Vomica.

In Folge von Rheumatismus oder Gicht: Ipecacuanha, Bryonia, Nux Vomica, Belladonna, Calcarea, Sulphur, Rhus.

Sind die monatlichen Reinigungen zu spärlich: Pulsatilla, Cocculus. Sind sie zu stark: China, Belladonna, Calcarea Carbonica, Platina.

Einzelnheiten der Symptome.

Nux Vomica. — Das wichtigste Mittel gegen Magenkrampf bei folgenden Symptomen: Zusammenziehender, drückender und krampfartiger Schmerz mit einem Gefühl von Ziehen oder Kneipen im Magen, bei Beklemmung der Brust, gleichsam als wenn dieselbe mit einem Bande zusammengeschnürt wäre. Der Schmerz erstreckt sich bis zum Rücken und den Lenden. Erbrechen einer flüssigen oder sauren Masse während des Schmerzes, schlimmer nach einer Mahlzeit oder nach Genuß von Kaffee und starken Spirituosen. Wird durch Nux Vomica keine Linderung hervorgerufen, so gebe man Chamomilla oder Cocculus abwechselnd damit alle halbe Stunde.

Chamomilla. — Druck im Magen, wie von einem Steine herrührend, Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung, Schmerzen, schlimmer des Nachts, bei großer Angst, Herumwerfen, zuweilen Linderung nach Trinken, der Kranke ist empfindlich und reizbar. Dies kann abwechselnd mit Coffea gegeben werden, wenn es allein gegeben keine Linderung verschafft.

Cocculus. — Besonders wenn Nux Vomica oder Chamomilla nur vorübergehend Linderung gewährt; wenn die Krämpfe durch Aufstoßen vermindert werden.

Belladonna — kann gegeben werden, wenn Chamomilla angezeigt erscheint und dennoch keine Linderung gewährt, oder wenn der Magenkrampf gerade während übermäßig starker Reinigung eintritt. Dasselbe mag abwechselnd mit Coffea gegeben werden, wenn die Kranke unruhig ist und keinen Schlaf finden kann.

Pulsatilla. — Besonders dienlich bei Personen von mildem und traurigem Gemüthe, da wo die monatliche Reinigung nur langsam vor sich geht; die Schmerzen sind schießend und schlimmer beim Gehen, Schmerzen im Magen, durch Fasten oder Ueberladen des Magens verursacht, Uebelkeit und Erbrechen der Speisen, nicht viel Durst, Schmerzen schlimmer am Abend mit einem Gefühl von Frost.

China. — Besonders dienlich nach Säfte-Verlust, wie Blutlassen, Diarrhöe &c. Anschwellen des Magens mit einem schmerzhaften Druck und einem Rasseln durch Wind verursacht.

Ignatia. — Paßt besonders nach Pulsatilla, wenn drückende Schmerzen, wie von einem Stein herrührend, nach der Mahlzeit oder des Nachts vorhanden sind; Brennen und Ziehen in der Magengrube, empfindlich gegen Berührung,[S. 270] Abneigung gegen Speise und Trank, ebenso Verdauungs-Beschwerden, Furcht u.s.w.

Carbo Vegetabilis. — Mag gegeben werden, wenn Krämpfe durch verdorbene Nahrungsmittel verursacht werden, auch bei Anfällen, welche bei feuchtem, nassem Wetter eintreten, besonders wenn ein schmerzhafter, brennender Druck, schlimmer bei Berührung, zur Nachtzeit vorhanden ist. Krampfhafte Zusammenziehung, der Kranke krümmt sich vor Schmerz, Zittern, schlimmer beim Niederlegen, Sodbrennen. Schon der Gedanke an Speise erregt Uebelkeit.

Lachesis. — Drückender Schmerz, besser bald nach einer Mahlzeit, kehrt aber in kurzer Zeit zurück bei Verstopfung und Verdauungsschwäche.

Arsenicum. — Passend bei Krampf, wenn die Schmerzen außerordentlich stark sind, Schmerz brennend, als ob von heißen Kohlen herrührend, kneipend oder schneidend. Aeußerliche Kalte, heftiger Durst, der aber ohne den Schmerz zu erhöhen, nur mit einer kleinen Menge einer Flüssigkeit gestillt werden kann, Magen erweitert und ausgespannt, die Schmerzen erstrecken sich bis auf den Rücken oder bis in den Unterleib, Empfindlichkeit gegen Druck, Erbrechen einer dicken, gelblichgrünen Masse.

Sulphur. — Drückende Schmerzen, wie von einem Steine herrührend, in der Regel nach einer Mahlzeit Uebelkeit, Erbrechen, saures Aufstoßen von Speisen.

Bryonia. — Druck in der Gegend des Magens beim Essen oder nach einer Mahlzeit mit einem Gefühl von Anschwellen in der Magengrube, Zusammenlaufen von Wasser im Munde, Kopfschmerz, Schwindel, Verstopfung. Kann, wenn der Druck im Magen sehr stark und das Athmen schwierig ist, besonders nach dem Genuß von kalten Getränken, abwechselnd mit Rhus gegeben werden.

Staphysagria. — Besonders passend gegen Magenkrämpfe, die durch Aerger oder andere geistige Erregungen verursacht werden.

Calcarea Carbonica. — Passend bei Personen mit vollem rothem Gesicht oder bei Frauenzimmern, welche ihre monatliche Reinigung zu stark haben, besonders nachdem Belladonna theilweise Linderung gewährt.

Colocynthis. — Der Krampf beginnt zwei oder drei Stunden oder mehr nach einer Mahlzeit, besonders wenn eine große Menge von süßem Fleisch gegessen worden ist.

Allöopathisch. Folgende Einspritzung kann zuweilen mit gutem Erfolge angewendet werden:

Castoröl 2 Unzen.
Stachlige Eschenrinde-Tinktur (Tincture of prickly ash bark) ½ Unze.
Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzeltinktur (Compound tincture of Virginia snake root) 2 Drachmen.
Aufguß von Wasserdost (Boneset) und Sennesblättern (Senna) zu gleichen Theilen ½ Pint.

[S. 271]

Mische es und gebe es als eine Einspritzung.

Ein gutes Heilmittel ist Cajeputöl (Cajeput) in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker, ebenso Kampher-Spiritus, Ingwer- (Ginger) Essenz und zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Compound tincture of cardamons).

Folgendes wird sehr zuträglich gefunden werden:

Süße Rhabarber-Tinktur (Sweet tincture of rhubarb) 4 Unzen.
Doppeltkohlensaures Soda (Bi-carbonate of soda) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel bis einen Eßlöffel voll so oft als erforderlich. In einigen Fällen wird es von Erfolg sein, wenn einige Tropfen Cayennepfeffer- (Cayenne) Tinktur zu dieser Mischung hinzugefügt werden. Zuweilen verschafft auch ein Senfpflaster über den Magen Linderung.

Magenweh oder Magenkolik (Griping Colic, Enteralgia).

Der Ausdruck Kolik wird für einen heftigen Schmerz in den Eingeweiden gebraucht. Ein ganz eigenthümliches schlingendes oder spannendes Gefühl hinter dem Nabel ist vorhanden, begleitet von Verstopfung der Eingeweide, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, der Schmerz läßt beim Druck nach, mit Zwischenräumen von Erleichterung, der Bauch ist hart, in Stücke oder Knoten zusammengezogen und von Wind aufgetrieben. Sie kann von einer Entzündung der Eingeweide dadurch unterschieden werden, daß der Druck Linderung verschafft, daß kein Fieber dabei vorhanden ist und der Schmerz von Zeit zu Zeit verschwindet. Drei Gattungen von Kolik werden in der Regel unterschieden, nämlich gewöhnliche oder Windkolik, Gallenkolik und Malers Kolik.

Die Symptome der Windkolik bestehen in häufigem Aufstoßen von Wind ohne Linderung, einem heftigen Schmerz mit einem Gefühl von ineinander Schlingen oder Kneipen in der Gegend des Nabels, der Schmerz nimmt beim Druck nicht zu, verschwindet von Zeit zu Zeit und kehrt ebenso wieder, Gefühl von Vollsein mit Verstopfung, Kollern, Uebelkeit, kaltes Gefühl des Magens.

Ursachen. Unverdauliche Nahrung, Wind, übermäßige Ausdehnung des Magens durch Nahrungsmittel, welche Gase erzeugen, Verstopfung, das sich Aussetzen der Kälte &c.

Gallenkolik wird zuweilen mit Windkolik verwechselt, aber ist eine heftigere und beunruhigendere Krankheit. Der Kranke klagt in der Regel vor einem Anfall über Störungen im Magen und Eingeweiden, Verstopfung, Appetitlosigkeit, belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde, Uebelkeit und Erbrechen, so wie die Krankheit[S. 272] fortschreitet, ein schneidender und schraubender Schmerz tritt ein, zuweilen beginnt er in der Gegend des Magens und dehnt sich bis zum Rücken aus, oder in anderen Fällen erfaßt er die Eingeweide und schlingt sie in der Nabelgegend in einander, gerade wie bei der Windkolik. Der Schmerz wird anfänglich durch Druck gelindert, später werden die Eingeweide gegen denselben empfindlich, die Endglieder kalt, die Haut und das Weiße im Auge nehmen eine gelbliche Farbe an, Unruhe ist vorhanden.

Ursachen. Gallenkolik kann durch ein Nervenleiden des Magens, durch Erkältung, das Fallen des Rheumatismus oder Nervenschmerz (Neuralgia) auf den Magen oder die Eingeweide, Verstopfung &c. hervorgerufen werden.

Maler’s oder Bleikolik ist eine Krankheit, die durch Blei verursacht und unter jenen, die mit Blei zu thun haben, wie Maler, Bleiarbeiter, Bergleuten, Schriftgießer &c. gefunden wird. Die Kolik kommt allmählig an, eine Verstimmung und Kleinmuth, ziehende Schmerzen in den Eingeweiden und Endgliedern, Schwere in den Gliedern, Störung im Magen und den Eingeweiden, Frösteln, Niedergeschlagenheit, unbehagliches Gefühl in der Magengrube; dieses Gefühl steigert sich bis zur Marter, erstreckt sich auf die Eingeweide, ist außerordentlich heftig, Uebelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerz, großer Durst, Schmerz in den Gelenken und Knöcheln, der Schmerz wird nicht durch Druck erhöht, die Muskeln des Unterleibes sind gegen Berührung empfindlich, zuweilen so sehr, daß der Kranke das Gewicht der Bettdecke nicht zu ertragen vermag; hin und wieder treten Schlaganfälle, besonders der Muskeln des Vorderarms, ein.

Behandlung.

Homöopathisch. Der Patient sollte in ein warmes Bad gebracht, in ein Faß gesetzt und so mit einer Decke umhüllt werden, daß der heiße Dampf nicht verfliegt. Nach Verlauf von ungefähr 10 Minuten sollte er, ohne abgetrocknet zu sein, in die Decken gehüllt werden, gut zugedeckt und noch mit Ziegelsteinen oder Flaschen mit heißem Wasser, besonders in der Gegend, wo der Schmerz am heftigsten ist, erwärmt werden. Sobald der Schweiß eintritt, wird der Kranke Linderung verspüren. Die Medizinen sind bei Beginn des Anfalles zu geben. Die verschiedenen Formen von Kolik und den dagegen erforderlichen Mitteln folgen hier:

[S. 273]

Gallenkolik: Nux Vomica, Colocynth, Chamomilla, Bryonia.

Gewöhnliche oder Windkolik: Pulsatilla, China, Cocculus, Nux Vomica, Colocynth, Sulphur, Carbo Vegetabilis.

Malers- oder Bleikolik: Opium, Platina, Belladonna.

Kolik in Folge von Würmern: Mercurius, Cina, Sulphur.

Kolik in Folge von Unverdaulichkeit: Pulsatilla, China, Bryonia, Belladonna, Carbo Vegetabilis, Nux Vomica.

Kolik nach Frost: Aconitum, Colocynth, Mercurius, Nux Vomica, Chamomilla.

Kolik bei hartnäckiger Verstopfung: Nux Vomica, Opium.

Kolik in Folge von Baden: Nux Vomica.

Kolik in Folge von kaltem, feuchtem Wetter: Pulsatilla, Rhus, Bryonia.

Kolik bei kleinen Kindern: Chamomilla, Rheum, Coffea, Belladonna und Aconitum.

Kolik bei schwangeren Frauen: Nux Vomica, Bryonia, Pulsatilla, Sepia, Chamomilla.

Kolik bei hysterischen Frauen: Ignatia, Nux Vomica, Cocculus.

Einzelheiten der Symptome.

Colocynth. — Dies ist das Hauptmittel gegen alle Arten von Kolik. Die Schmerzen sind schneidend und kneipend, oder als ob die Eingeweide mit Messern geschnitten würden. Krämpfe in den Gliedern, Frostschauer, Unterleib geschwollen, sehr leer und empfindlich, wie in Folge einer Quetschung. Mercurius, Chamomilla und Belladonna können hierauf gegeben werden.

Nux vomica. — Verstopfung bei einem Druck im Unterleib, der Schmerz ist kneipend und ziehend, Druck in der Magengrube, Anschwellen und Empfindlichkeit des Unterleibes gegen Berührung, kalte Hände und Füße.

Belladonna. — Schmerz als ob die Eingeweide mit den Fingernägeln gezwickt würden, gelindert durch einen Druck auf die Eingeweide, oder auf Krümmung ein Gefühl von Schwere im untern Theile, als ob etwas herausfallen wolle, Kopf und Gesicht heiß und roth, starke Schmerzen im Kopfe, welche durch Bewegung verschlimmert werden, Hals trocken. Man lasse diesem Mercurius oder Hyosciamus folgen.

China. — Außergewöhnliches Anschwellen des Unterleibes bei Vollsein und Druck, wie von harten Körpern herrührend, Schmerz mit Verstopfung, schlimmer des Nachts.

Pulsatilla. — Schießende, beißende Schmerzen in der Magengrube, ein Gefühl von Schwere und Vollsein im Unterleib mit Empfindlichkeit und Schmerz, wie von einer Quetschung, Kolik in Folge von Unverdaulichkeit, schlimmer beim Sitzen oder Liegen, oder am Abend, bei Schauer; der Kranke fühlt sich wohler im Freien, hat Diarrhöe und blasse Gesichtsfarbe. Man lasse China, Mercurius, Lycopodium folgen.

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Cocculus. — Besonders dienlich bei allgemeiner oder blähender Kolik und bei Kolik des weiblichen Geschlechts vor und zur Zeit der monatlichen Reinigung, die Schmerzen sind krampfartig und zusammenziehend, bei Uebelkeit, Schwierigkeit des Athmens, vollem, ausgespanntem Magen, oder einem Gefühle von Leere des Unterleibes, drückender und reißender Schmerz im Magen.

Coffea. — Großer Schmerz, bei Zusammenschlagen der Zähne, Kälte der Glieder.

Ignatia. — Kolik des Nachts, schießende Schmerzen in der Seite und Brust, durch Windentleerungen gelindert, passend bei nervösen und zarten Frauen.

Bryonia. — Vollsein und Druck im Unterleib nach dem Essen, schneidende Schmerzen in den Eingeweiden, besonders nach dem Trinken warmer Milch, Kolik mit Diarrhöe, nach Erkältung oder in der Sonnenhitze.

Chamomilla. — Rasender Schmerz bei großer Unruhe, bitteres Erbrechen, Vollsein in der Magengrube, eine Wange roth, die andere blaß, die Kolik stellt sich in der Regel des Nachts oder nach einer Mahlzeit ein.

Rhus. — Druck in der Magengrube, Schmerz im Unterleib des Nachts, Diarrhöe einer schleimigen, wässerigen Masse.

Carbo vegetabilis. — Anschwellen und Vollsein des Unterleibes, Aufstoßen von Wind, Kolik nach Fahren in einem Wagen, sowie ein Rasseln in den Eingeweiden, Windentleerung mit einem fauligen Geruch.

Arsenicum. — Großer Schmerz mit unbehaglich brennendem Gefühle, Empfindung von Kälte im Unterleib, Schmerzen schlimmer des Nachts, sowie auch nach Essen oder Trinken, Erbrechen einer galligen, wässerigen Masse, Diarrhöe mit Durst, Frostschauer und große Schwäche.

Veratrum. — Schmerz, als wenn mit Messern im Unterleib geschnitten würde, Brennen daselbst, Rasseln von Wind. Kann bei strengen Fällen abwechselnd mit Arsenicum gegeben werden.

Opium. — Unterleib hart und geschwollen, Verstopfung mit Erbrechen einer Masse aus den Eingeweiden.

Lachesis. — Bei krampfartiger Kolik, besonders wenn Colocynthis, Belladonna, Nux Vomica und Chamomilla ohne Erfolg gegeben worden sind.

Lycopodium. — Anschwellen und Vollsein des Magens mit Schmerz, Rasseln von Wind. Kann Pulsatilla oder Lachesis folgen.

Platina. — Wenn Kolik die Folge von Furcht oder Zorn, oder wenn durch Blei verursacht; der Kranke zu sterben befürchtet, zusammenziehende Schmerzen im Unterleib, Druck im Magen nach dem Essen, die Kolik verschwindet, wenn Niedergeschlagenheit eintritt, oder die Niedergeschlagenheit hört auf, sobald die Kolik beginnt.

Aconitum. — Große Empfindlichkeit des Unterleibes, Unruhe, die Eingeweide scheinen sich zurückzuschieben, Verlangen, den Urin abzulassen, aber ohne Erfolg.

Arnica. — Ein quetschender Schmerz in den Seiten des Unterleibes, Voll[S. 275]sein des Magens, als wenn man zu viel gegessen hätte, Stiche in der Magengrube, Brustbeklemmung, schlimmer nach Essen und Trinken, oder bei Berührung. Anschwellen und Härte des Unterleibes.

Cina. — Kolik in Folge von Würmern, der Schmerz besonders um den Nabel herum.

Mercurius. — Schießende, heftige Schmerzen in der Magengrube, bei Uebelkeit, häufigem Verlangen nach Stuhl, bei großer Menge Speichel im Munde, Unterleib empfindlich gegen Berührung, Schauern mit Hitze, besonders im Gesicht, Schmerz schlimmer des Nachts.

Rheum. — Gegen Kolik, besonders bei Kindern, wenn von Diarrhöe mit saurem Geruche begleitet, oder bei Erwachsenen, wenn die Schmerzen schneidend sind und der Kranke sich in Folge dessen krümmen muß, Schmerz schlimmer beim Aufstehen.

Sepia. — Kolik bei schwangeren Frauen, schneidende Schmerzen nach Bewegung, Brennen und Stechen im Unterleib, welcher hart und geschlossen ist, Gefühl von Schwere im Unterleib mit Druck.

Calcarea carbonica. — Kneipende oder schneidende Schmerzen im Unterleib, unbehagliches Rasseln in den Eingeweiden mit Windverstopfung, Säure im Magen, Erbrechen der Speisen, Diarrhöe von einer hellen Farbe.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 10, 15, 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Jedes Mittel sollte drei- bis viermal wiederholt werden, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Die Zwischenräume werden nach und nach verlängert, je nachdem der Kranke sich bessert.

Personen, welche Neigung zur Kolik haben, sollten bezüglich der Kost sehr sorgfältig sein, alle grünen Gemüse, säuerlichen Getränke u.s.w. müssen vermieden werden. Während eines Anfalles sollte man nur die leichtesten Nahrungsmittel, wie Zwieback- (toast) Wasser, Haferschleim u.s.w. zu sich nehmen. Die Füße sind warm und trocken zu halten.

Allöopathisch. Bei gewöhnlicher oder Windkolik sollte zuerst ein Brechmittel gegeben werden, ein Eßlöffel voll Senf oder ein Theelöffel voll Salz in einem Theebecher voll Wasser, was, wenn nöthig, alle 10 Minuten wiederholt wird. Gewährt dies keine Linderung, so lasse eine Dosis Salz, oder Salz und Sennesblätter (Senna), oder Magnesia folgen. Bei irgend einer krankhaften Reizbarkeit des Magens hilft zuweilen ein wenig Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz oder grüne Münze (Spearmint) in heißem Wasser oder Branntwein, oder Branntwein, Wachholderbranntwein (gin), auch Whisky in heißem Wasser. Sind die Eingeweide hartnäckig verstopft und tritt keine Linderung ein, so sollte eine Einspritzung von Castoröl, Salz und Molasses, oder Seife und warmem Wasser gegeben werden. Senfpflaster in der Gegend aufgelegt, wo sich der Schmerz befindet, ist zuweilen von Erfolg.

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Bei hartnäckigen Fällen kann das folgende angewendet werden:

Chloroform 1 Unze.
Kampher- (Camphor)Wasser 1
Pfeffermünz- (Peppermint) Wasser 1
Gummi Arabicum Schleim 1

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll. Diese Medizin sollte vorsichtig gegeben werden.

Bei Gallenkolik ist nachstehende Einspritzung sogleich zu verordnen:

Eupatorium perfoliatum (Thoroughwort) 1 Unze.
Sennesblätter (Senna) 1
Lobelia ½ Drachme.
Cayennepfeffer (Cayenne) 10 Grane.
Bittersalz (Epsom salts) 1 Theelöffel voll.
Molasses ½ Pint.
Kochendes Wasser 1

Mache eine starke Abkochung aus den Kräutern, dann füge das Salz und den Molasses hinzu. Gebe es mit einer Einspritzung.

Oder auch:

Brechwurzwein (Wine of Ipecac) 1 Unze.
Terpentinspiritus (Spirits of turpentine) 1
Castoröl 1
Molasses ½ Pint.
Warmes Wasser ½

Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

Wenn es der Magen verträgt, können die Eingeweide mit etwas Castoröl geöffnet werden. Ein Eßlöffel voll Oel sollte mit zwei Eßlöffel voll Rhabarbersyrup (Syrup of rhubarb) gehörig gemischt werden. Der Kranke sollte ferner ein warmes Wasserbad nehmen und ein warmes Senfpflaster über den ganzen Bauch legen.

Eine Abkochung von Wilder Brodwurzel (Yam root) nach Belieben getrunken, wird sehr empfohlen. Ein Tropfen Crotonöl auf ein Stückchen Brod öffnet zuweilen die Eingeweide sogleich.

Ist Kolik der Unthätigkeit der Leber zuzuschreiben, gebe man folgendes:

Kalomel 6 Grane.
Opium 6

Mische es und mache 12 Pillen daraus und nimm eine alle 2, 3 oder 4 Stunden. Personen, welche Anlage zu dieser Krankheit haben, sollten folgende Pillen nehmen:

Hohe Preiselbeerrinde-Extrakt (Extract of high cranberry bark) 1 Skrupel.
Cypripedin 1
Aletridin 1
Pulverisirter Cayennepfeffer 1

[S. 277]

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine Pille eine Stunde nach jeder Mahlzeit. Diese Pillen sollten mehrere Monate genommen werden.

Folgendes wird von Dr. Henry Hartshorn von Philadelphia als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Kolikanfälle und krampfhaftes Kopfweh empfohlen:

Blue Mass 5 Grane.
Pulverisirte Rhabarber- (Rhubarb) Wurzel ½ Drachme.
Enzian- (Gentian) Extrakt ½
Gewürznelkenöl (Oil of caryophylli) 4 Tropfen.

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Bei dem ersten Zeichen eines Anfalles gebe eine Pille, und wenn erforderlich, dreimal des Tages eine durch mehrere Tage hindurch.

Bei Malers- oder Bleikolik ist die Behandlung beinahe ganz dieselbe wie bei der Gallenkolik.

Alaun ist ein wichtiges Mittel bei dieser Krankheit. Es wird wie folgt verwendet:

Alaun (Alum) 15 Grane.
Aloe (Aloes) 2
Jalappenwurzel (Jalap) 2
Doverische Pulver (Dovers powder) 4

Mische und nimm es als eine Dosis zwei- oder dreimal des Tages.

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet, besonders wenn die Kolik ganz plötzlich eintritt.

Aromatische Schwefelsäure (Aromatic sulphuric acid), als ein Trank in Dosen von 15 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser gebraucht, wird empfohlen.

Dr. Eberle empfiehlt Alaun (Alum) und Opium in Dosen von 20 Granen Alaun auf 1 Gran Opium alle 3 Stunden.

Essig mit Wasser verdünnt und als Trank genommen soll in einigen Fällen Linderung verschaffen.

Gegen Schlag oder Gliederlähmung in Folge von Blei wird Potaschen-Jodid wie folgt gegeben, empfohlen:

Flüssiger Sarsaparillen-Extrakt (Fluid extract of sarsaparilla) 4 Unzen.
Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 1 Unze.
Wasser 1 Quart.
Potaschen-Jodid (Iodide of potassium) 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Schwefelgetränkte Potasche (Sulphurate of potassa) im Verhältniß von einer Unze auf ein Quart Wasser und in Dosen von einem Theelöffel voll dreimal des Tages genommen, wird auch empfohlen.

Um einen Anfall von Bleikolik oder Gliederlähmung zu verhindern, sollten Personen, welche mit Blei zu thun haben, ihr Haar mit einem sehr feinen Kamm kämmen und die Hände, sowie den ganzen Körper, öfters waschen; auch beim[S. 278] Verlassen der Arbeit die Kleider wechseln. Sorgfältig sollte beobachtet werden, daß man mit den von Blei beschmutzten Händen dem Munde nicht zu nahe kommt. Ebenso sollte auch das Waschen des Körpers mit Saleratuswasser einmal des Tages angewendet werden. Die Speisen der Arbeiter sollten nicht mit in die Arbeitsstätten genommen werden, wo sie den Gasen und dem Bleistaub ausgesetzt sind.

Eclectische und Kräuterkur. Gegen Windkolik bade Hände und Füße in warmem Wasser, oder lege Senfpflaster, oder auch Umschläge mit heißem Salz über den Magen und die Eingeweide. Die Eingeweide öffne man mit einer Dosis Castoröl, Pfeffermünz- (Peppermint) oder Ingwer- (Ginger) Thee sollten daneben öfters getrunken werden. Bei starkem Schmerz gebe man 30 bis 60 Tropfen Paregoricum (Paregoric) in heißem Wasser, oder 25 bis 30 Tropfen Laudanum. Bei strengen Fällen kann eine Mischung, zu gleichen Theilen, von Laudanum, Kampher-Tinktur und Pfeffermünz-Essenz in Theelöffeldosen gegeben werden. Oeffnet Castoröl die Eingeweide nicht, so sollte eine Einspritzung von warmem Wasser, dem ein Theelöffel voll Salz und ebenso viel Fett beigefügt ist, gemacht werden.

Das Thompson’sche Mittel, genannt Nr. 6, das in jeder Apotheke zu haben ist, wird sehr dienlich sein. Ein Theelöffel voll Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) mit einem Theelöffel voll Castoröl wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen.

Gegen Gallenkolik sollte folgende Einspritzung gebraucht werden:

Wasserdost (Boneset) 2 Unzen.
Sennesblätter (Senna) 1 Unze.
Wasser 1 Pint.

Mische und koche es gehörig. Zu einem Pint dieser Abkochung füge einen halben Eßlöffel voll Salz, ein halbes Pint Molasses und einen Eßlöffel voll zusammengesetzte Lobelia- und Spanische Pfeffer- (Capsicum) Tinktur hinzu. Gib das Ganze warm als eine Einspritzung und wiederhole es alle 10 bis 15 Minuten, bis die Eingeweide geöffnet sind.

Bähungen von Hopfen, Stechapfelblätter (Stramonium), oder Hopfen und Lobelia, oder Wermuth (Warmwood), Wasserdost (Boneset) können warm über den ganzen Magen und die Eingeweide angewendet werden.

So lange der Magen Medizinen annimmt, gebe folgendes:

Bittersalz (Epsom salts) 8 Unzen.
Salzsäure (Muriatic acid) 2 Drachmen.
Kochendes Wasser 1 Pint.

Nachdem es abgekühlt ist, füge eine Unze Pfeffermünz- oder Anis-Essenz hinzu.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll, bis es wirkt.

Eine starke Abkochung, zu gleichen Theilen, von Schildkraut (Scull-cap) und hoher Preiselbeerrinde (High cranberry bark), dem ein Eßlöffel der zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) beigefügt ist, wird mit gutem Erfolg gegeben werden.

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Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Gallenkolik besteht in gestoßenen Wallnüssen, denen so viel Whiskey oder verdünnter Alcohol als nothwendig ist um dieselben zu bedecken, hinzugefügt wird; man lasse die Mischung eins bis zwei Wochen lang stehen. Dosis: Alle halbe Stunde einen Eßlöffel voll, bis Linderung eintritt.

Folgende Pillen werden zuweilen einen Anfall verhindern oder auch eine Anlage zu dieser Krankheit für immer entfernen:

Hoher Preiselbeerrinden-Extrakt (Extract of high cranberry bark) 1 Unze.
Aletridin 1
Dioscorein 1
Spanischer Pfeffer (Capsicum) 1

Mische es gehörig und mache Pillen, eine jede zu vier Granen, daraus. Dosis: Jeden Tag ungefähr eine Stunde nach dem Essen eine.

Gegen Bleikolik wird folgendes sehr empfohlen:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) ½ Pfund.
Pulverisirter Alaun (Powdered alum) 1 Unze.
Schwefelsäure Drachmen.
Kochendes Wasser Pint.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll in einem Weinglas Wasser; wiederhole es alle Stunden, bis es auf die Eingeweide wirkt. Säure in Folge schadhafter Zähne möge vermittelst eines Federkiels oder einer Glasröhre aufgesaugt werden. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, sollte die Medizin Wochen oder Monate lang fortgebraucht werden und zwar in hinreichenden Dosen, um innerhalb 24 Stunden je zwei Stühle hervorzurufen. Die Schwefelsäure mit Bleioxyd im Organismus vereinigt bildet schwefelsaures Blei, welches ein unschädliches Salz ist.

Bilsenkraut-Extrakt in Pillen jede zu 6 Granen alle 2 Stunden wiederholt, wird empfohlen.

Krotonöl in Dosen von 3 oder 4 Tropfen in einem Eßlöffel voll Castoröl oder Milch alle zwei Stunden wiederholt wird in einigen Fällen auf die Eingeweide wirken. Hin und wieder thut ein warmes Bad von einer halben Stunde oder länger gut. Die Behandlung ist fast ganz dieselbe, wie bei Gallenkolik.

Alaun, gegeben wie folgt, wird empfohlen:

Pulverisirter Alaun (Powdered alum) 15 Grane.
Guajacum 10
Aloe 3

Mische es zu einer Dosis und wiederhole es alle 2 oder 3 Stunden.

Folgendes wird Personen, die dem schädlichen Einfluß des Bleis ausgesetzt sind, empfohlen:

Vitriol-Elixir ½ Unze.
[S. 280] Stachliche Eschbeeren-Tinktur (Tincture of prickly ash bark) 1

Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Gill Wasser und drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.

Magenentzündung (Gastritis)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Magens und kann sowohl acut als auch chronisch sein. Die acute Form ist aber eine seltene Krankheit und wird in der Regel durch Säure und verdorbene Substanzen in den Magen genommen, wie Arsenik, Corrosives Sublimat, Salpetersäure und der gewohnheitsmäßige Genuß von Spirituosen erzeugt. Schläge in der Gegend des Magens und plötzliche Unterdrückung des Schweißes können auch zur Ursache werden.

Symptome. Bei strengen Fällen ist ein brennender Schmerz im Magen mit Durst, Unruhe, beständiger Uebelkeit und Erbrechen, großes Verlangen nach kalten Getränken, Angst, Hinfälligkeit, durch Druck und Speisen in dem Magen wird der Schmerz erhöht, der Durst ist stark und quälend, denn Flüssigkeiten, wenn sie nicht in sehr kleinen Quantitäten genommen werden, werden sofort wieder erbrochen, zuweilen ist ein starker, sehr lästiger Husten vorhanden, die Zunge ist entweder roth an der Spitze und den Rändern und weißlich in der Mitte, oder sie ist ganz roth; die Eingeweide sind verstopft, wenn sich die Entzündung nicht auf dieselben erstreckt, in welchem Falle Diarrhöe vorhanden ist. Nimmt die Krankheit an Heftigkeit zu, so tritt Schwierigkeit des Athmens und ein Schmerz, welcher durch Athmen wächst, ein; großer Verlust der Kräfte, kalter klebriger Schleim, Schlucken, die Haut wird blaß und kühl, die Zunge glänzt, ist roth und trocken, Erbrechen einer dunklen Masse, Delirium, Betäubung oder Verzuckungen und Tod.

Chronische Magenentzündung ist eine ganz gewöhnliche und wird häufig irrthümlich für Dyspepsie gehalten. Sie kann aus der acuten Form entspringen, aber ist häufiger die Folge von Fieber, wie Scharlachfieber, Pocken &c.

Es ist ein Schmerz im Magen, der durch das Vorhandensein von Speisen oder durch Druck erhöht wird; der Appetit ist unregelmäßig und eigenthümlich, die Nahrung wird unvollkommen verdaut und ein Gas, welches außerordentlich widerwärtig ist, strömt aus dem Munde; der Appetit wird zuweilen sehr heftig, aber wenn der[S. 281] Kranke etwas zu sich nimmt, ist er bald befriedigt oder wird in Folge dessen unwohl. Zu andern Zeiten ist der Appetit wieder ganz verloren, die Zunge ist weiß in der Mitte und roth an der Spitze und den Seiten, zuweilen ganz und gar glänzend und roth, wie Rindfleisch. Dehnt sich die Entzündung auf die Eingeweide aus, so tritt Diarrhöe ein; in einigen Fällen ist Husten vorhanden, und wird die Krankheit nicht eingehalten, so erscheinen alle Symptome der Auszehrung. Wird die Krankheit nicht gut behandelt, so tritt eine Eiterung der Magenhülle ein und wird den Tod nach sich ziehen.

Behandlung.

Allöopathisch. Wenn die Krankheit durch Gifte entsteht, sollten zuerst die unter den Gegengiften (Antidotes) angegebenen Mittel angewendet werden. Nachdem das Gift entfernt oder unschädlich gemacht worden ist, sollten Blutegel in der Gegend des Magens gesetzt werden, aber es ist hierbei darauf Acht zu geben, daß nicht zuviel Blut entzogen wird. Senfpflaster auf die Füße, längs des Rückgrats und über der Magengrube, dem man Bähungen von Stechapfel- (Stramonium) Blättern oder Hopfen folgen läßt, sollten so oft als nothwendig wiederholt werden. Brechmittel sind nicht geeignet, dagegen mag die folgende Einspritzung gegeben werden:

Leinsamenthee (Flax seed tea) ½ Pint.
Laudanum 40 Tropfen.

Gebrauche es als eine Einspritzung. Oder auch:

Castoröl 2 Unzen.
Stachlige Eschenrinde-Tinktur (Tincture of prickly ash bark) ½ Unze.
Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) 2 Drachmen.
Aufguß von Wasserdost (Infusion of boneset) ½ Pint.
Aufguß von Sennesblättern (Infusion of senna) ½

Mische und gebe es als eine Einspritzung.

Kaltes Wasser, Eiswasser und Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde kann als Trank gebraucht werden. Stückchen von Eis können im Mund gehalten oder verschluckt werden. Während der Wiedergenesung sollte der Patient eine Ueberladung des Magens sorgfältig vermeiden. Pfeilwurz (Arrow root), Sago und Milch lasse man zuerst nehmen, dann kann Rindsbrühe, Hühnerbrühe, weich gekochte Eier u.s.w. folgen.

Bei chronischer Entzündung des Magens ist es vorteilhaft, Blutegel über den Magen anzusetzen. Ist aber ein wenig Empfindlichkeit vorhanden, so mögen Senfpflaster aufgelegt oder ein wenig Krotonöl in der Gegend des Magens eingerieben werden. Die Kost ist sorgfältig zu überwachen, nur die einfachsten[S. 282] und am wenigsten reizenden Speisen, und zwar in ganz kleiner Menge, sollte man zu sich nehmen. Gummi Arabicumwasser, Reiswasser, Thee, sowie Zwieback ohne Butter, Gerstenwasser, Kalkwasser und Milch, Tapioca, Gelee’s, Sago, Pfeilwurzschleim (Arrow root) oder Crackers in Eiswasser getränkt, wird alles sein, was nöthig ist, bis der Kranke wieder besser wird.

Zum innerlichen Gebrauche diene folgendes:

Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 5 Grane.
Opium

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: eine Pille dreimal des Tages. Folgendes wird sehr empfohlen:

Wismuthweiß (Sub-nitrate of bismuth) 1 bis 3 Drachmen. Mache 12 Pulver daraus. Dosis: ein Pulver in Wasser, drei- oder viermal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Wurde die Entzündung durch Gifte veranlaßt, so sollte das Gegengift angewendet werden, dem man Mittel zur Unterdrückung der Entzündung dieses Organs folgen läßt, Senfpflaster sollte auf die Füße, längs des Rückgrats und über die Magengrube gelegt, und sobald dadurch eine starke Röthe erzeugt worden ist, heiße Bähungen von Hopfen- und Stechapfel- (Stramonium) Blättern an Stelle des ersteren angewendet werden. Dies sollte, so oft es nothwendig erscheint, wiederholt werden. Ferner wasche man die Oberfläche des Körpers mehrere Male des Tages mit einem schwachen Saleratuswasser. Die Eingeweide mögen vermittelst gleicher Theile von Castoröl und süßem Oel (sweet oil), mit einer Portion Magnesia geöffnet werden, und zwar in Dosen von einem Theelöffel voll alle Stunden, bis Wirkung eintritt. Ein Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde (Slippery elm bark) und Eibischwurzel (Marshmallow root) oder Ulmenrinde (Elm bark) und Pfirsichblättern mag als Getränk dienen.

Bei der chronischen Form der Krankheit sollte dieselbe Kost, wie unter allöopathischer Behandlung angegeben, empfohlen werden. Senfpflaster oder andere Gegenreizmittel sollten in die Gegend über den Magen gelegt und so lange wiederholt werden, bis die Empfindlichkeit gegen den Druck entfernt ist. Folgende Mischung wird von Dr. John King empfohlen:

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Flüssiger Cubeben-Extrakt (Fluid extract of cubebs) 1 Unze.
Gummi Arabicumschleim (Mucilage of gum Arabic) 2 Unzen.
Citronen- (Lemon) Essenz 1 Drachme.
Hopfenmehl (Lupulin) 8 Skrupel.
Dreifach salpetersaurer Wismuth (Tris-nitrate of Bismuth) 8 Skrupel.