Title: Abenteuer eines Junggesellen
Author: Wilhelm Busch
Release date: August 6, 2026 [eBook #79285]
Language: German
Original publication: München: Fr. Bassermann, 1908
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/79285
Credits: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)
von
Wilhelm Busch.
81stes bis 85stes Tausend.
München.
Verlag von Fr. Bassermann
1908.
Druck von Knorr & Hirth in München, G. m. b. H.
Sokrates, der alte Greis,
Sagte oft in tiefen Sorgen:
„Ach, wie viel ist doch verborgen,
Was man immer noch nicht weiß.“
Und so ist es. — Doch indessen
Darf man eines nicht vergessen:
Eines weiß man doch hienieden,
Nämlich, wenn man unzufrieden. —
Dies ist auch Tobias Knopp,
Und er ärgert sich darob.
Seine zwei Kanarienvögel
Die sind immer froh und kregel,
Während ihn so Manches quält,
Weil es ihm bis dato fehlt.
Ja die Zeit entfliehet schnell;
Knopp, du bist noch Junggesell! —
Zwar für Stiefel, Bett, Kaffee
Sorgt die gute Dorothee;
Und auch, wenn er dann und wann
Etwas nicht alleine kann,
Ist sie gleich darauf bedacht,
Daß sie es zurechte macht.
Doch ihm fehlt Zufriedenheit. —
Nur mit großer Traurigkeit
Bleibt er vor dem Spiegel stehn,
Um sein Bildniß zu besehn.
Vornerum ist alles blank;
Aber hinten, gottseidank,
Denkt er sich mit frohem Hoffen,
Wird noch Manches angetroffen.
O, wie war der Schreck so groß!
Hinten ist erst recht nichts los.
Und auch hier tritt ohne Frage
Nur der pure Kopf zu Tage. —
Auch bemerkt er außerdem,
Was ihm gar nicht recht bequem,
Daß er um des Leibes Mitten
Längst die Wölbung überschritten,
Welche für den Speiseschlauch,
Bei natürlichem Gebrauch,
Wie zum Trinken, so zum Essen,
Festgesetzt und abgemessen. —
Doch es bietet die Natur
Hierfür eine sanfte Kur.
Draußen, wo die Blumen sprießen,
Karrelsbader Salz genießen
Und melodisch sich bewegen,
Ist ein rechter Himmelssegen;
Und es steigert noch die Lust,
Wenn man immer sagt: du mußt.
Knopp, der sich dazu entschlossen,
Wandelt treu und unverdrossen.
Manchmal bleibt er sinnend stehn;
Manchmal kann ihn keiner sehn.
Aber bald so geht er wieder
Treubeflissen auf und nieder. —
Dieses treibt er vierzehn Tage;
Darnach steigt er auf die Waage;
Und da wird es freudig kund:
Heißa, minus zwanzig Pfund!
Wieder schwinden vierzehn Tage,
Wieder sitzt er auf der Waage,
Autsch, nun ist ja offenbar
Alles wieder, wie es war.
Ach, so denkt er, diese Welt
Hat doch viel, was nicht gefällt.
Rosen, Tanten, Basen, Nelken
Sind genöthigt zu verwelken;
Ach, und endlich auch durch mich
Macht man einen dicken Strich.
Auch von mir wird man es lesen:
Knopp war da und ist gewesen.
Ach, und keine Thräne fließt
Aus dem Auge, was es liest;
Keiner wird, wenn ich begraben,
Unbequemlichkeiten haben;
Keine Seele wird genirt,
Weil man keinen Kummer spürt.
Dahingegen spricht man dann:
Was geht dieser Knopp uns an?
Dies mag aber Knopp nicht leiden.
Beim Gedanken, so zu scheiden
In ein unverziertes Grab,
Drückt er eine Thräne ab.
Sie liegt da, wo er gesessen,
Seinem Schmerze angemessen.
Dieses ist ja fürchterlich.
Also, Knopp, vermähle dich.
Mach dich auf und sieh dich um,
Reise mal ’n Bissel rum.
Sieh mal dies und sieh mal das,
Und paß auf, du findest was.
Einfach ist für seine Zwecke
Das benöthigte Gepäcke;
Und die brave Dorothee
Ruft: Herr Knopp, nanu adjeh!
Allererst und allsofort
Eilet Knopp an jenen Ort,
Wo sie wohnt die Wohlbekannte,
Welche sich Adele nannte;
Jene reizende Adele,
Die er einst mit ganzer Seele
Tiefgeliebt und hochgeehrt,
Die ihn aber nicht erhört,
So, daß er, seit dies geschah,
Nur ihr süßes Bildniß sah.
Transpirirend und beklommen
Ist er vor die Thür gekommen,
Oh, sein Herze klopft so sehr,
Doch am Ende klopft auch er.
„Himmel, — ruft sie, — welches Glück!!“
(Knopp sein Schweiß der tritt zurück.)
„Komm, geliebter Herzensschatz,
Nimm auf der Berschäre Platz!
Nur an dich bei Tag und Nacht,
Süßer Freund, hab ich gedacht.
Unaussprechlich inniglich,
Freund und Engel, lieb ich dich!“
Knopp, aus Mangel an Gefühl,
Fühlt sich wieder äußerst schwül;
Doch in dieser Angstsekunde
Nahen sich drei fremde Hunde.
„Hülfe, Hülfe!“ — ruft Adele —
„Hilf, Geliebter meiner Seele!!!“
Knopp hat keinen Sinn dafür.
Er entfernt sich durch die Thür. —
Schnell verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp verfügt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt einer, den er kannte,
Der sich Förster Knarrtje nannte. —
Unterwegs bemerkt er bald
Eine schwärzliche Gestalt,
Und nun biegt dieselbe schräg
Ab auf einen Seitenweg.
Sieh, da kommt ja Knarrtje her!
„Alter Knopp, das freut mich sehr!“
Traulich wandeln diese zwei
Nach der nahen Försterei.
„So, da sind wir, tritt hinein;
Meine Frau, die wird sich freu’n!“
„He, zum Teufel, was ist das?
Alleh Waldmann, alleh faß!
Oh, tu tu verruchtes Weib,
Jetzt kommt Knarrtje dir zu Leib!“
Knopp’s Vermittlung will nicht glücken,
Wums! da liegt er auf dem Rücken.
Schnell verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Der sich Rektor Debisch nannte.
Er ertheilet seinem Sohn
Eben eine Lection,
Die er aber unterbricht,
Als er Knopp zu sehen kriegt.
Zu dem Sohne spricht er dann:
„Kuno, sag ich, sieh mich an!
Höre zu und merke auf!
Richte itzo deinen Lauf
Dahin, wo ich dir befehle,
Nämlich in die Kellerhöhle.
Dorten lieget auf dem Stroh
Eine Flasche voll Bordeaux.
Diese Flasche, sag ich dir,
Zieh herfür und bringe mir.“
Kuno eilet froh und prompt,
Daß er in den Keller kommt,
Wo er still und wohlgemuth
Etwas von dem Traubenblut
In sich selbst herüberleitet,
Was ihm viel Genuß bereitet.
Die dadurch entstandne Leere
Füllt er an der Regenröhre. —
Rothwein ist für alte Knaben
Eine von den besten Gaben.
Gern erhebet man das Glas.
Aber Knopp der findet Was.
„Ei — spricht Debisch — dieses ist,
So zu sagen Taubenmist.
Ei, wie käme dieses dann?
Kuno, sag ich, sieh mich an!“
Drauf nach diesem strengen Blick
Kommt er auf den Wein zurück.
Aber Knopp verschmäht das Glas,
Denn schon wieder sieht er Was.
„Dies — spricht Debisch — scheint mir ein
Neugeborner Spatz zu sein.
Ei, wie käme dieses dann?
Kuno, sag ich, sieh mich an!!
Deiner Thaten schwarzes Bild
Ist vor meinem Blick enthüllt;
Und nur dieses sage ich:
Pfui, mein Sohn, entferne dich!! —“
Das ist Debisch sein Prinzip:
Oberflächlich ist der Hieb.
Nur des Geistes Kraft allein
Schneidet in die Seele ein.
Knopp vermeidet diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Der sich Meister Druff benannte.
Druff hat aber diese Regel:
Prügel machen frisch und kregel
Und erweisen sich probat
Ganz besonders vor der That.
Auch zum heutgen Schützenfeste
Scheint ihm dies für Franz das Beste.
Drum hört Knopp von weitem schon
Den bekannten Klageton.
Darnach wandelt man hinaus
Schön geschmückt zum Schützenhaus. —
Gleich verschafft sich hier der Franz
Eines Schweines Kringelschwanz,
Denn er hat es längst beachtet,
Daß der Wirth ein Schwein geschlachtet;
Und an Knoppens Fracke hing
Gleich darauf ein krummes Ding. —
Horch, da tönet Horngebläse
Und man schreitet zur Française.
Keiner hat so hübsch und leicht
Sich wie unser Knopp verbeugt;
Keiner weiß sich so zu wiegen
Und den Tönen anzuschmiegen;
Doch die höchste Eleganz
Zeiget er beim Solotanz.
Hoch erfreut ist Jedermann,
Daß Herr Knopp so tanzen kann.
Leider ist es schon vorbei.
Und er schreitet stolz und frei
Wiederum zu seinem Tische,
Daß er etwas sich erfrische.
Rums! — Der Franz entfernt die Bank,
So daß Knopp nach hinten sank! —
Zwar er hat sich aufgerafft,
Aber doch nur mangelhaft.
Und er fühlt mit Angst und Beben:
Knopp, hier hat es Luft gegeben! —
Schnell verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen stillen Ort.
Hier auf dieser Blumenwiese,
Denn geeignet scheinet diese,
Kann er sich gemüthlich setzen,
Um die Scharte auszuwetzen
Und nach all den Angstgefühlen
Sich ein wenig abzukühlen.
Hier ist alles Fried und Ruh.
Nur ein Häslein schauet zu.
Sieh, da kommt der Bauer Jochen.
Knopp hat sich nur leicht verkrochen,
Doch mit Jochen seiner Frau
Nimmt er es schon mehr genau.
Kurz war dieser Aufenthalt.
Und mit Eifer alsobald
Richtet Knopp sein Augenmerk
Auf das angefangne Werk. —
Kaum hat er den Zweck erreicht,
Wird er heftig aufgescheucht,
Und es zeigt sich, achherrjeh,
Jetzt sind Damen in der Näh.
Plums! Man kommt. Indeß von Knopp
Sieht man nur den Kopf, gottlob! —
Wie erschrak die Gouvernante,
Als sie die Gefahr erkannte.
Aengstlich ruft sie: Oh mon dieu!
C’est un homme, fermez les yeux!
Knopp, auf möglichst schnelle Weise,
Schlüpfet in sein Beingehäuse.
Dann verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Der sich Babbelmann benannte,
Der ihm immer so gefallen
Als der Lustigste von Allen.
Schau, da tritt er aus der Thür.
„Na,“ ruft Knopp, „jetzt bleib ich hier!“
Worauf Babbelmann entgegnet:
„Werther Freund, sei mir gesegnet!
Erstens in Betreff Logis,
Dieses gibt es nicht allhie,
Denn ein Pater hochgelehrt
Ist soeben eingekehrt.
Zweitens dann: für Essen, Trinken
Seh ich keine Hoffnung blinken.
Heute mal wird nur gebetet,
Morgen wird das Fleisch getödtet,
Uebermorgen beichtet man,
Und dann geht das Pilgern an.
Ferner Drittens, theurer Freund, —
Pist! — denn meine Frau erscheint!“
Knopp, dem dieses ungelegen,
Wünscht Vergnügen, Heil und Segen,
Und empfiehlt sich alsobald
Aeußerst höflich, aber kalt. —
Schnelle flieht er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp verfügt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Der sich Küster Plünne nannte.
Knopp, der tritt durch’s Gartengatter.
Siehe, da ist Hemdgeflatter,
Woraus sich entnehmen läßt:
Plünnens haben Waschefest.
Dieses findet Knopp bekräftigt
Dadurch, wie der Freund beschäftigt.
Herzlich wird er aufgenommen.
Plünne rufet: „Ei, willkommen!
Gleich besorg ich Dir zu Essen,
Halte mal das Kind indessen.“
Knopp ist dieses etwas peinlich.
Plünne machet alles reinlich.
Knopp, der fühlt sich recht genirt.
Plünne hat derweil servirt.
Jetzt eröffnet er das Bette
Der Familienlagerstätte.
In dem Bette, warm und schön,
Sieht man eine Schale stehn.
Nämlich dieses weiß ein Jeder:
Wärmehaltig ist die Feder.
Hat man nun das Mittagessen
Nicht zu knappe zugemessen,
Und, gesetzt den Fall, es wären
Von den Bohnen oder Möhren,
Oder, meinetwegen, Rüben
Ziemlich viel zurückgeblieben,
Dann so ist das Allerbeste,
Daß man diese guten Reste
Aufbewahrt in einem Hafen,
Wo die guten Eltern schlafen,
Weil man, wenn der Abend naht,
Dann sogleich was Warmes hat.
Diese praktische Methode
Ist auch Plünnens ihre Mode.
„So“ — ruft Plünne — „Freund, nanu
Setz dich her und lange zu.“
Knopp hat aber, wie man sieht,
Keinen rechten Appetit.
Schnell verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Welcher Mücke sich benannte.
Wie es scheint, so lebt Herr Mücke
Mit Frau Mücke sehr im Glücke.
Eben hier, bemerken wir,
Küßt er sie und spricht zu ihr:
„Also Schatz, ade derweil!
Ich und Knopp wir haben Eil,
Im historischen Verein
Wünscht er eingeführt zu sein.“
Bald so öffnet sich vor ihnen
Bei der Kirche der Kathrinen
Im Hotel zum blauen Aal
Ein gemüthliches Lokal.
Mücke scheinet da nicht fremd,
Er bestellt, was wohlbekömmt.
Junge Hähnchen, sanft gebraten,
Dazu kann man dringend rathen,
Und man darf getrost inzwischen
Etwas Rheinwein drunter mischen.
Nöthig ist auf alle Fälle,
Daß man dann Mussö bestelle.
Nun erfreut man sich selbdritt,
Denn Kathinka trinket mit!
„So, jetzt wären wir so weit,
Knopp, du machst wohl Richtigkeit.“
Lustig ist man fortspaziert
Zum Hotel, wo Knopp logirt.
Heftig bollert man am Thor,
Der Portier kommt nicht hervor.
„Komm“, — ruft Mücke — „Knopp, komm hier,
Du logirst die Nacht bei mir!“
Schwierig, aus verschiednen Gründen
Ist das Schlüsselloch zu finden.
So so so! Jetzt nur gemach,
Tritt hinein, ich komme nach.
Knopp schiebt los. Indessen Mücke
Bleibt mit Listigkeit zurücke.
Schrupp! — Wie Knopp hineingekommen,
Wird er an die Wand geklommen.
„Wart!“ — ruft Mückens Ehgemahl —
„Warte, Lump, schon wieder mal!?“
Weil sie ihn für Mücken hält,
Hat sie ihm so nachgestellt.
Hei! Wie fühlt sich Knopp erfrischt,
Als der Besen saust und zischt.
Bums! er fällt in einen Kübel,
Angefüllt mit dem, was übel.
Oh, was macht der Besenstiel
Für ein schmerzliches Gefühl!
Und als regellose Masse
Findet Knopp sich auf der Gasse.
Schnell verläßt er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp verfügt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Der sich Sauerbrod benannte.
Sauerbrod, der fröhlich lacht,
Hat sich einen Punsch gemacht.
„Heißa!!“ — rufet Sauerbrod —
„Heißa! meine Frau ist todt!!
Hier in diesem Seitenzimmer
Ruhet sie bei Kerzenschimmer.
Heute stört sie uns nicht mehr,
Also, Alter, setz dich her,
Nimm das Glas und stoße an,
Werde niemals Ehemann,
Denn als solcher, kann man sagen,
Muß man viel Verdruß ertragen.
Kauf Romane und Broschüren,
Zahle Flechten und Tournüren,
Seidenkleider, Sammtjackets,
Circus- und Concertbillets —
Ewig hast du Nöckerei.
Gottseidank, es ist vorbei!!“
Es schwellen die Herzen,
Es blinkt der Stern.
Gehabte Schmerzen,
Die hab ich gern.
Knarr! — da öffnet sich die Thür.
Wehe! Wer tritt da herfür!?
Madam Sauerbrod, die schein-
Todt gewesen, tritt herein.
Starr vor Schreck wird Sauerbrod,
Und nun ist er selber todt. —
Knopp vermeidet diesen Ort
Und begibt sich eilig fort.
Knopp verfügt sich weiter fort
Bis an einen andern Ort.
Da wohnt Einer, den er kannte,
Welcher Piepo sich benannte. —
Aus dem Garten tönt Gelächter,
Piepo ist’s und seine Töchter.
„Dies, mein lieber Knopp, ist Hilda,
Dort die Aeltre heißt Klotilda.
Hilda hat schon einen Freier,
Morgen ist Verlobungsfeier,
Doch Klotilda, ei ei ei,
Die ist noch bis dato frei.“ —
Oh, wie ist der Abend milde!
Knopp der wandelt mit Klotilde,
Die ihm eine Rose pflückt. —
Und er fühlt es tief beglückt:
Knopp, in diesem Augenblick
Da erfüllt sich dein Geschick. —
Drauf hat Piepo ihn geleitet,
Wo sein Lager zubereitet.
„Hier“ — so spricht er — „dieser Saal
Ist für morgen Festlokal.
Hier zur Rechten ist die Klause,
Stillberühmt im ganzen Hause;
Und hier links da schlummerst du.
Wünsche recht vergnügte Ruh!“
Knopp ist durch und durch Gedanke
An Klotilde, jene Schlanke,
Und er drückt in süßem Schmerz
Ihre Rose an sein Herz.
„Oh Klotilde, du allein
Sollst und mußt die Meine sein.“ —
Darauf ist ihm so gewesen:
Knopp, du mußt noch etwas lesen. —
Gern erfüllt er sein Verlangen;
Still ist er hinausgegangen
Und bei seiner Kerzen Strahl
Hingewandelt durch den Saal. —
Oftmals kann man müde sein,
Setzt sich hin und schlummert ein.
Erst des Morgens so um achte,
Als die Sonne freundlich lachte,
Dachte Knopp an sein Erwachen.
Er erwacht durch frohes Lachen. —
Dieses thut die Mädchenschaar,
Welche schon beschäftigt war,
Um an dieses Festes Morgen
Für des Saales Schmuck zu sorgen.
„Ewig kannst du hier nicht sein.“ —
Denket Knopp voll Seelenpein.
Und so strömt er wohlverdeckt
Da hervor, wo er gesteckt.
Groß ist seines Laufes Schnelle;
Aber ach, die Kammerschwelle
Ist ihm äußerst hinderlich.
Hopsa! — Er entblättert sich. —
Heimlich flieht er diesen Ort
Und begibt sich weiter fort.
Knopp begibt sich eilig fort
Bis zum höchsten Bergesort.
Hier in öder Felsenritzen
Sieht er einen Klausner sitzen.
Dieser Klausner, alt und greis,
Tritt aus seinem Steingehäus.
Und aus Knoppen seiner Tasche
Hebt er ernst die Wanderflasche.
„Ich“ — so spricht er — „heiße Krökel
Und die Welt ist mir zum Ekel.
Alles ist mir einerlei.
Mit Verlaub! Ich bin so frei.
Oh, ihr Bürsten, oh, ihr Kämme,
Taschentücher, Badeschwämme,
Seife und Pomadebüchse,
Strümpfe, Stiefel, Stiefelwichse,
Hemd und Hose, alles gleich,
Krökel, der verachtet euch.
Mir ist alles einerlei.
Mit Verlaub, ich bin so frei.
Oh, ihr Mädchen, oh, ihr Weiber,
Arme, Beine, Köpfe, Leiber,
Augen mit den Feuerblicken,
Finger, welche zärtlich zwicken,
Und was sonst für dummes Zeug —
Krökel, der verachtet euch.
Mir ist alles einerlei.
Mit Verlaub, ich bin so frei.
Nur die eine, himmlisch Reine,
Mit dem goldnen Heilgenscheine
Ehre, liebe, bet ich an;
Dich, die Keiner kriegen kann,
Dich du süße, ei ja ja,
Heilge Emerenzia.
Sonst ist alles einerlei.
Mit Verlaub, ich bin so frei.“
Hiermit senkt der Eremit
Sich nach hinten. — Knopp entflieht.
Knopp der denkt sich: dieser Krökel
Ist ja doch ein rechter Ekel;
Und die Liebe per Distanz,
Kurz gesagt, mißfällt mir ganz.
Schnell verlassend diesen Ort,
Eilet er nach Hause fort.
Knopp, der eilt nach Hause fort,
Und, sieh da, schon ist er dort.
Grade lüftet seine nette,
Gute Dorothee das Bette.
„Mädchen,“ — spricht er — „sag mir ob“ —
Und sie lächelt: „„Ja, Herr Knopp!““
Bald so wird es laut verkündet:
Knopp hat ehlich sich verbündet,
Tobias Knopp.
Dorothea Lickefett.
Erst nur flüchtig und civil,
Dann mit Andacht und Gefühl. —
Na, nun hat er seine Ruh.
Ratsch! — Man zieht den Vorhang zu.
Anmerkungen zur Transkription.
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Ein falsch platziertes schließendes Anführungszeichen nach der Phrase „sieh mich an!!“ auf Seite 27 wurde hinter dieselbe Phrase auf Seite 25 versetzt.