The Project Gutenberg EBook of Der Grtner, by Rabindranath Tagore

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Title: Der Grtner

Author: Rabindranath Tagore

Translator: Hans Effenberger

Release Date: December 14, 2013 [EBook #44424]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER GRTNER ***




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  RABINDRANATH TAGORE

    DER GRTNER

MNCHEN

KURT WOLFF VERLAG

Einzig autorisierte deutsche Ausgabe. Nach der von Rabindranath Tagore
selbst veranstalteten englischen Ausgabe ins Deutsche bertragen von
Hans Effenberger

69.-78. Tausend

Copyright 1921 by Kurt Wolff Verlag A.-G. in Mnchen




VORWORT DES DICHTERS


Der grte Teil der Liebes- und Lebenslyrik in diesem Bande ist vor
der religisen Gedichtsammlung "Gitanjali" entstanden. Die englische
bersetzung ist nicht immer wrtlich -- die Originale sind manchmal
verkrzt und manchmal paraphrasiert wiedergegeben.




DER GRTNER


_Diener_

Hab Erbarmen mit Deinem Diener, Knigin!

_Knigin_

Vorber ist das Fest, und alle meine Diener sind gegangen. Warum kommst
Du zu dieser spten Stunde?

_Diener_

Hast Du die andern fortgeschickt, ist ~meine~ Zeit.

Ich komme fragen, was Deinem letzten Diener noch zu tun bleibt.

_Knigin_

Was kannst Du erwarten, da es zu spt ist?

_Diener_

Mach mich zum Grtner Deines Blumengartens.

_Knigin_

Welche Torheit!

_Diener_

Ich will meine alte Arbeit aufgeben.

Ich werfe Schwert und Lanze in den Staub. Schicke mich nicht mehr an
ferne Hfe; hei mich nicht zu neuen Siegen ausziehn. Mach mich zum
Grtner Deines Blumengartens.

_Knigin_

Was wrden Deine Pflichten sein?

_Diener_

Dir dienen in Deinen migen Tagen.

Ich will frisch halten den Rasenpfad, auf dem Du in den Morgen
wandelst, wo Blumen, todesschtig, bei jedem Schritte Deine Fe
jubelnd gren.

Ich will Dich schwingen in einer Schaukel unter den Zweigen des
Saptaparna, wo durch das Laub der frhe Abendmond sich mhen wird, Dir
Deines Kleides Saum zu kssen.

Ich will anfllen mit duftendem l die Lampe, die neben Deinem Bette
brennt, und den Schemel Deiner Fe zieren mit Sandel- und Safranpaste
in seltsamer Zeichnung.

_Knigin_

Was soll Dein Lohn sein?

_Diener_

Deine kleinen Fuste halten drfen wie zarte Lotosknospen, und
Blumenketten ber Deine Gelenke streifen; und Deiner Fe Sohlen frben
drfen mit dem roten Saft der Ashokablten und fortkssen das Fleckchen
Staub, das dort vielleicht noch zgert.

_Knigin_

Deine Bitten, mein Diener, sind gewhrt, Du wirst der Grtner meines
Blumengartens sein.




2


  "Dichter, der Abend zieht herauf; Dein Haar wird grau.
  "Vernimmst Du in Deinem einsamen Sinnen Botschaft vom Jenseits?"

  "Es ist Abend", sagte der Dichter, "und ich lausche, weil einer rufen
      kann vom Dorfe, mag es auch spt sein.
  "Ich wache: ob junge, irrende Herzen sich finden, und zwei Paare
      sehnschtiger Augen um Musik betteln, die ihr Schweigen brche und
      fr sie redete.
  "Wer soll ihre Leidenschaft zu Liedern weben, wenn ich am Gestade des
      Lebens sitze und den Tod und das Drben betrachte?

  "Der frhe Abendstern verschwindet.
  "Das Glosen eines Totenfeuers stirbt mhlich am schweigenden Flu.
  "Schakale heulen im Chor vom Hof des verdeten Hauses, im Licht des
      erschpften Monds.
  "Wenn da ein Wanderer, sein Heim verlassend, herkme, die Nacht zu
      wachen und gebeugten Hauptes dem Murmeln der Dunkelheit zu
      lauschen, wer sollte ihm die Geheimnisse des Lebens in sein Ohr
      flstern, wenn ich, meine Tore schlieend, mich frei machen wollte
      von irdischen Banden?

  "Es will nicht viel bedeuten, da mein Haar grau wird.
  "Ich bin immer so jung oder so alt wie der Jngste oder der lteste in
      diesem Dorfe.
  "Manche haben Lcheln, s und einfach, und manche ein schlaues
      Blinzeln in ihren Augen.
  "Manche haben Trnen, die aufsteigen im Taglicht, und andere Trnen,
      die im Dunkel verborgen sind.
  "Sie alle bedrfen meiner, und ich habe keine Zeit ber das Hernach zu
      brten.
  "Ich bin mit allen gleichaltrig, was macht es, wenn mein Haar grau
      wird?"




3


  Am Morgen warf ich mein Netz aus ins Meer.
  Ich hob aus dunklen Tiefen Dinge von seltsamem Aussehn und seltsamer
      Schnheit -- manche leuchteten wie ein Lcheln, manche glnzten
      wie Trnen, und manche waren von Rte bergssen wie die Wangen
      einer Braut. Als ich mit meines Tages Brde heimkam, sa meine
      Geliebte im Garten und zerpflckte mig einer Blume Bltter.
  Ich zauderte eine Weile und dann legte ich ihr alles zu Fen, was ich
      gehoben hatte und stand schweigsam.
  Ihr Blick fiel darauf, und sie sagte: "Was fr seltsame Dinge sind
      das? Ich wei nicht, wozu sie ntzen!"
  Ich neigte mein Haupt in Scham und dachte: "Dies alles habe ich nicht
      im Kampfe erworben, ich habe es nicht auf dem Markt gekauft; es
      sind keine rechten Geschenke fr sie."
  Dann warf ich die ganze lange Nacht eins ums andere auf die Strae.
  Am Morgen kamen Wanderer; die lasen's auf und trugen es in fremde
      Lnder.




4


  Ach warum bauten sie mein Haus an die Strae nach dem Marktflecken?
  Sie legen mit ihren beladenen Booten an bei meinen Bumen.
  Sie kommen und gehen und wandern nach ihrem Gefallen.
  Ich sitze und schaue ihnen zu; mein Leben verrinnt.
  Sie fortweisen kann ich nicht. Und so gehen meine Tage dahin.

  Nacht und Tag hallen ihre Schritte vor meiner Tr.
  Umsonst rufe ich: "Ich kenne Euch nicht." In einigen von ihnen spren
      meine Finger Bekannte, in andern meine Nstern, das Blut in meinen
      Adern scheint sie zu kennen, und manche sind meinen Trumen
      vertraut.
  Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und sage: "Komm in mein
      Haus, wer von Euch mag. Ja, kommt!"

  Am Morgen erklingt die Glocke vom Tempel. Sie kommen mit ihren Krben
      in den Hnden. Ihre Fe sind wie Rosen gertet. Das frhe Licht
      der Dmmerung liegt auf ihren Gesichtern.
  Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und ich sage: "Kommt in
      meinen Garten Blumen pflcken. Kommt her!"

  Am Mittag tnt der Gong am Tore des Palastes.
  Ich wei nicht, warum sie ihre Arbeit verlassen und an meiner Hecke
      herumstehn.
  Die Blumen in ihrem Haar sind fahl und welk. Die Tne ihrer Flten
      klingen matt.
  Sie fortweisen kann ich nicht. Ich rufe sie und sage: "Der Schatten
      ist khl unter meinen Bumen. Kommt, Freunde!"

  Nachts zirpen die Grillen in den Wldern.
  Wer ist es, der da langsam an meine Tre kommt und leise pocht?
  Ich sehe das Gesicht kaum, kein Wort wird laut, die Stille des Himmels
      ist ber allem.
  Meinen schweigenden Gast fortweisen kann ich nicht. Ich schaue durch
      das Dunkel in sein Antlitz und trume, whrend die Stunden
      verrinnen.




5


  Ich bin friedlos. Ich bin durstig nach fernen Dingen.
  Meine Seele schweift in Sehnsucht, den Saum der dunklen Weite zu
      berhren.
  O groes Jenseits, o ungestmes Rufen deiner Flte!
  Ich vergesse, ich vergesse immer, da ich keine Schwingen zum Fliegen
      habe, da ich an dieses Stck Erde gefesselt bin fr alle Zeit.

  Ich bin schlaflos und voll Sehnsucht, ich bin ein Fremder in fremdem
      Land.
  Dein Odem kommt zu mir und raunt mir unmgliche Hoffnungen zu.
  Deine Sprache klingt meinem Herzen vertraut wie seine eigene.
  O Ziel in Fernen, o ungestmes Rufen deiner Flte!
  Ich vergesse, ich vergesse immer, da ich den Weg nicht wei, da ich
      das geflgelte Ro nicht habe.

  Ich bin ruhelos, ich bin ein Wanderer in meinem Herzen.
  Im sonnigen Nebel der zgernden Stunden, welch gewaltiges Gesicht von
      Dir wird Gestalt in der Blue des Himmels!
  O fernstes Ziel, o ungestmes Rufen deiner Flte!
  Ich vergesse, ich vergesse immer, da die Tren berall verschlossen
      sind in dem Hause, wo ich einsam wohne.




6


  Der zahme Vogel war in einem Kfig, der freie Vogel war im Walde.
  Als ihre Zeit gekommen war, trafen sie sich; so wollte es das
      Schicksal.
  Der freie Vogel ruft: "O Liebster, la uns zum Walde fliegen."
  Der Vogel im Kfig zwitschert: "Komm her, la uns beisammen im Kfig
      leben."
  Sagt der freie Vogel: "Wo ist denn Platz hinter Stben, seine Flgel
      zu spreiten?"
  "Ach," ruft der Vogel im Kfig, "wo sollte ich mich in den Lften
      ausruhn ohne Stange?"

  Der freie Vogel ruft: "Mein Liebling, singe die Lieder der Wlder."
  Der Vogel im Kfig sagt: "Setz Dich zu mir, ich will Dich unterweisen
      in der Sprache der Gelehrten."
  Der Waldvogel ruft: "Nein, ach nein! Lieder knnen niemals gelehrt
      werden."
  Der Vogel im Kfig sagt: "Weh mir, ich wei sie nicht, die Lieder der
      Wlder."

  Ihre Liebe ist hei, voll Verlangen; doch knnen sie nie Schwinge an
      Schwinge fliegen.
  Durch die Stbe des Kfigs schauen sie und sehnen sich vergebens,
      einander zu kennen.
  Sie flattern sehnschtig mit ihren Flgeln und singen: "Komm nher,
      mein Lieb!"
  Der freie Vogel ruft: "Es geht nicht, ich frchte die verschlossenen
      Tren des Kfigs."
  Der Vogel im Kfig zwitschert: "Weh, meine Flgel sind kraftlos und
      tot."




7


  O Mutter, der junge Prinz mu an unsrer Tr vorberkommen -- wie kann
      ich heute Morgen an meine Arbeit denken?
  Zeig mir, wie soll ich mein Haar flechten; sag mir, was soll ich fr
      Kleider anlegen?
  Warum schaust Du mich so verwundert an, Mutter?
  Ich wei wohl, er wird nicht ein einziges Mal zu meinem Fenster
      aufblicken; ich wei, im Nu wird er mir aus den Augen sein; nur
      das verhallende Fltenspiel wird seufzend zu mir dringen von
      weitem.
  Aber der junge Prinz wird an unsrer Tr vorberkommen, und ich will
      mein Bestes anziehn fr diesen Augenblick.

  O Mutter, der junge Prinz ist an unsrer Tr vorbergekommen, und die
      Morgensonne blitzte auf an seinem Wagen.
  Ich strich den Schleier aus meinem Gesicht, ri die Rubinenkette von
      meinem Halse und warf sie ihm in den Weg.
  Warum schaust Du mich so verwundert an, Mutter?
  Ich wei wohl, da er meine Kette nicht aufhob; ich wei, sie ward
      unter den Rdern zermalmt und lie eine rote Spur im Staube
      zurck, und niemand wei, was mein Geschenk war, noch wem es galt.
  Aber der junge Prinz ist an unsrer Tr vorbergekommen, und ich habe
      den Schmuck von meiner Brust auf seinen Pfad geworfen.




8


  Als die Lampe an meinem Bett ausging, wachte ich auf mit den frhen
      Vgeln.
  Ich sa am offenen Fenster, einen frischen Kranz im losen Haar.
  Der junge Wanderer kam die Strae entlang im rosigen Nebel des
      Morgens.
  Eine Perlenkette trug er um seinen Hals, und die Sonnenstrahlen
      fielen auf seinen Scheitel.
  An meiner Tr blieb er stehn und fragte ungestm: "Wo ist sie?"
  Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen: "'Sie' bin ich, junger
      Wanderer, 'sie' bin ich."

  Es war Dmmerung, und die Lampe war nicht angezndet.
  Gedankenlos flocht ich mein Haar.
  Der junge Wanderer kam auf seinem Wagen, im Glhen der untergehenden
      Sonne.
  Seine Pferde schumten, und Staub lag auf seinem Kleid.
  Er stieg ab an meiner Tr und fragte mit mder Stimme: "Wo ist sie?"
  Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen: "'Sie' bin ich, mder
      Wanderer, 'sie' bin ich."

  Es ist eine Aprilnacht. Die Lampe brennt in meiner Kammer.
  Von Sden schleicht leise die Brise herein. Der lrmende Papagei
      schlft in seinem Kfig.
  Mein Mieder ist von der Farbe der Pfauenkehle, und mein Mantel ist
      grn wie junges Gras.
  Ich sitze auf dem Boden am Fenster und sphe hinaus in die verlassene
      Strae.
  Durch die dunkle Nacht summe ich in einem fort: "'Sie' bin ich,
      verzweifelnder Wanderer, 'sie' bin ich."




9


  Wenn ich nachts zum Stelldichein gehe, singen keine Vgel, der Wind
      regt sich nicht, die Huser an beiden Seiten der Strae stehen
      schweigsam.
  Nur meine eignen Fuspangen werden laut bei jedem Schritt, und ich
      schme mich.

  Wenn ich auf meinem Balkon sitze und auf seine Schritte lausche,
      rascheln die Bltter nicht auf den Bumen, und das Wasser ist
      still im Flu wie das Schwert auf den Knien eines schlafenden
      Wchters.
  Nur mein eigenes Herz schlgt wild -- ich wei nicht, wie ich es ruhig
      halten soll.

  Wenn mein Geliebter kommt und bei mir sitzt, wenn mein Leib zittert
      und meine Augenlider sich senken, wird die Nacht schwarz, der Wind
      blst die Lampe aus, und die Wolken ziehen Schleier ber die
      Sterne.
  Nur der Edelstein auf meiner eigenen Brust scheint und gibt Licht. Ich
      wei nicht, wie ich ihn verbergen soll.




10


  La Deine Arbeit, Braut. Horch, der Gast ist gekommen.
  Hrst Du, er rttelt sacht an der Kette, die die Tre hlt?
  Sieh zu, da Deine Fuspangen nicht zu viel Lrm machen, und da Dein
      Schritt nicht gar zu eilig ist, wenn Du ihm entgegengehst.
  La Deine Arbeit, Braut, der Gast ist gekommen mit dem Abend.

  Nein, es ist nicht der geisternde Wind, Braut, frchte Dich nicht.
  Es ist Vollmond und Frhlingsnacht; die Schatten im Hof sind fahl;
      droben der Himmel ist hell.
  Zieh den Schleier ber Dein Gesicht, wenn Du nicht anders kannst; trag
      die Lampe zur Tr, wenn Du Angst hast.
  Nein, es ist nicht der geisternde Wind, Braut, frchte Dich nicht.

  Sprich kein Wort mit ihm, wenn Du schchtern bist; tritt zurck von
      der Tr, wenn Du ihm begegnest.
  Stellt er Dir Fragen, kannst Du, wenn Du willst, schweigend die Augen
      senken.
  La Deine Armbnder nicht klirren, wenn Du ihn hereinfhrst, die Lampe
      in der Hand.
  Sprich kein Wort mit ihm, wenn Du schchtern bist.

  Bist Du noch nicht fertig mit Deiner Arbeit, Braut? Horch, der Gast
      ist gekommen.
  Hast Du die Lampe im Kuhstall nicht angezndet?
  Hast Du den Opferkorb nicht fertig fr den Abendgottesdienst?
  Hast Du das rote Glckszeichen nicht auf Deinen Scheitel gelegt und
      Dich zur Nacht gerichtet?
  O Braut, hrst Du, der Gast ist gekommen?
  La Deine Arbeit!




11


  Komm wie Du bist; sume nicht beim Anziehn.
  Mag auch Dein geflochtenes Haar aufgegangen sein, Dein Scheitel wirr
      und Dein Mieder nicht genestelt, achte nicht darauf.
  Komm wie Du bist; sume nicht beim Anziehn.

  Komm mit schnellen Schritten ber das Gras.
  Wenn der Rtel von Deinen Fen weicht, weil Tau liegt, wenn die
    Schellenbnder um Deine Fe sich lockern, wenn Perlen aus deiner
    Halskette fallen, achte nicht darauf.
  Komm mit schnellen Schritten ber das Gras.

  Siehst Du, wie sich die Wolken am Himmel ballen?
  Schwrme von Kranichen fliegen auf vom fernen Fluufer, und jhe
      Windste strzen ber die Heide.
  Das gengstete Vieh flchtet nach den Stllen im Dorfe.
  Siehst Du, wie sich die Wolken am Himmel ballen?

  Vergebens zndest Du Deine Lampe am Putztisch an -- sie flackert und
      geht aus im Wind.
  Wer merkt denn, da Du auf Deine Augenlider kein Schwarz gelegt hast?
      Deine Augen sind dunkler als Regenwolken.
  Vergebens zndest Du Deine Lampe am Putztisch an -- sie geht aus.

  Komm wie Du bist; sume nicht beim Anziehn.
  Wenn der Kranz fr Dein Haar noch nicht gebunden ist, was machts; wenn
      die Kette um Dein Handgelenk nicht zu ist, la sie sein.
  Der Himmel ist berdeckt mit Wolken -- es ist spt.
  Komm wie Du bist; sume nicht beim Anziehn.




12


  Wenn Du einmal fleiig sein willst und Deinen Krug fllen -- komm, o
      komm an meinen See.
  Das Wasser wird sich um Deine Fe schmiegen und sein Geheimnis
      ausplappern.
  Der Schatten des kommenden Regens liegt ber dem Sand, und die Wolken
      hngen niedrig auf den blauen Linien der Bume wie das schwere
      Haar ber Deinen Augenbrauen.
  Ich kenne ihn gut, den Rhythmus Deiner Schritte, mein Herz geht im
      gleichen Takt.
  Komm, o komm an meinen See, wenn Du Deinen Krug fllen mut.

  Wenn Du mig sein willst und gedankenlos sitzen und Deinen Krug auf
      dem Wasser treiben lassen -- komm, o komm an meinen See.
  Der grasige Abhang leuchtet grn, und die wilden Blumen sind zahllos.
  Deine Gedanken werden aus Deinen dunklen Augen schweifen wie Vgel aus
      ihren Nestern.
  Dein Schleier wird auf Deine Fe niederfallen.
  Komm, o komm an meinen See, wenn Du mig sitzen willst.

  Wenn Du genug gespielt hast und ins Wasser tauchen willst -- komm, o
      komm an meinen See.
  La Deinen blauen Mantel am Ufer liegen; das blaue Wasser wird Dich
      zudecken und verhllen.
  Die Wellen werden auf den Zehen stehn, um Deinen Nacken zu kssen und
      Dir ins Ohr zu flstern.
  Komm, o komm an meinen See, wenn Du ins Wasser tauchen willst.

  Wenn Du Dich toll in den Tod strzen mut, -- komm, o komm an meinen
      See.
  Er ist khl und unergrndlich tief.
  Er ist dunkel wie traumloser Schlaf.
  In seinen Tiefen sind Nchte und Tage eins, und Lieder sind Schweigen.
  Komm, o komm an meinen See, wenn Du in den Tod hinabtauchen willst.




13


  Ich bat um nichts, stand nur am Rand des Waldes hinter dem Baum.
  Sehnsucht war immer noch in den Augen der Dmmerung, und Tau war in
      der Luft.
  Der trge Duft des feuchten Grases hing in dnnem Nebel ber der Erde.
  Unter dem Feigenbaum sah ich Dich die Kuh melken mit Deinen Hnden,
      zart und frisch wie Butter.
  Und stumm blieb ich stehen.

  Ich sagte kein Wort. Es war der Vogel, der unsichtbar aus dem Dickicht
      sang.
  Der Mangobaum schttelte seine Blten auf den Dorfweg, und Biene um
      Biene summte herbei.
  Drben am Teiche stand das Tor des Shiva-Tempels offen, und die
      Andchtigen hatten ihre Gesnge begonnen.
  Den Eimer im Scho, sah ich Dich die Kuh melken.
  Ich stand immer noch mit meiner leeren Kanne.

  Ich kam Dir nicht nahe.
  Der Himmel erwachte vom Schall des Gongs am Tempel.
  Der Staub ward aufgejagt in der Strae von den Hufen des getriebenen
      Viehs.
  Mit gurgelnden Krgen auf ihren Hften kamen Frauen vom Flu.
  Deine Armbnder klirrten, und der Krug schumte ber.
  Der Morgen verging, und ich kam Dir nicht nahe.




14


  Ich wanderte die Strae entlang, ich wei nicht warum, als der Mittag
      vorber war, und die Bambuszweige im Winde raschelten.
  Die Schatten fielen mit ausgestreckten Armen zur Erde und klammerten
      sich an die Fe des davoneilenden Lichts.
  Die Kokils hatten sich mde gesungen.
  Ich wanderte die Strae entlang, ich wei nicht warum.

  Die Htte am Wasser ist beschattet von einem berhangenden Baum.
  War Eine geschftig bei ihrer Arbeit, und aus der Ecke tnte die Musik
      ihrer Armringe.
  Ich stand vor dieser Htte, ich wei nicht warum.

  Der schmale, schlngelnde Weg kreuzt manches Senffeld und manchen
      Mangowald.
  Er fhrt am Tempel des Dorfes vorber und an dem Markt bei der
      Landungsstelle des Flusses.
  Ich blieb stehn bei dieser Htte, ich wei nicht warum.

  Vor Jahren war es, an einem windigen Mrztag -- das Flstern des
      Frhlings war voll Sehnsucht, und Mangoblten fielen in den Staub.
  Das kruselnde Wasser hpfte und leckte an dem Messingeimer, der auf
      der Landungstreppe stand.
  Ich denke an jenen windigen Mrztag; ich wei nicht warum.

  Die Schatten vertiefen sich und das Vieh kehrt heim zu seinen Hrden.
  Das Licht ist grau auf den einsamen Wiesen, und die Bauern warten auf
      die Fhre am Ufer.
  Langsam geh ich meinen Weg zurck, ich wei nicht warum.




15


  Ich laufe, wie ein Bisam luft im Schatten des Waldes, das toll ist
      von seinem eigenen Duft.
  Die Nacht ist die Nacht der Maienmitte, die Brise ist die Brise des
      Sdens.
  Ich verliere meinen Weg, und ich wandre; ich suche, was ich nicht
      erreichen kann, und ich erreiche, was ich nicht suche.

  Aus meinem Herzen steigt und tanzt das Bild meiner eigenen Sehnsucht.
  Die lichte Erscheinung entflieht.
  Ich versuche sie festzuhalten, sie entgleitet mir und fhrt mich irre.
  Ich suche, was ich nicht erreichen kann, ich erreiche, was ich nicht
      suche.




16


  Hnde schlingen sich in Hnde, und Augen hangen an Augen: so beginnt
      die Geschichte unsrer Herzen.
  Es ist mondhelle Mrznacht; die Luft ist erfllt vom sen Duft der
      Hennablten; meine Flte liegt vernachlssigt auf der Erde, und
      Dein Kranz von Blumen ist unvollendet.
  Diese Liebe zwischen Dir und mir ist schlicht wie ein Lied.

  Dein safranfarbner Schleier macht meine Augen trunken.
  Der Jasminkranz, den Du fr mich flochtest, durchbebt mein Herz wie
      Lob.
  Es ist ein Spiel von Geben und Versagen, von Entschleiern und
      Wieder-Verbergen; etwas Lcheln und ein wenig Schchternheit und
      ses, vergebliches Sichstruben.
  Diese Liebe zwischen Dir und mir ist schlicht wie ein Lied.

  Kein Geheimnis ber das Heute hinaus; kein Ringen um das Unmgliche;
      kein Schatten hinter der Lust; kein Tasten in die Tiefen des
      Dunkels.
  Diese Liebe zwischen Dir und mir ist schlicht wie ein Lied.

  Wir schweifen nicht aus allen Worten in das ewige Schweigen; wir heben
      nicht unsre Hnde in die Leere nach Dingen jenseits der Hoffnung.
  Uns ist genug, was wir geben und was wir empfangen.
  Wir haben die Freude nicht bis aufs Letzte ausgepret, um aus ihr den
      Wein der Leiden zu keltern.
  Diese Liebe zwischen Dir und mir ist schlicht wie ein Lied.




17


  Der gelbe Vogel singt auf ihrem Baum und macht mein Herz hpfen vor
      Frhlichkeit.
  Wir beide leben im selben Dorfe, und das ist unsere ganze Freude.
  Ihre zwei Lieblingslmmer kommen in den Schatten unsrer Gartenbume
      grasen.
  Wenn sie sich verirren in unser Gerstenfeld, trage ich sie auf meinen
      Armen hinaus.
  Der Name unsres Dorfes ist Khanjana, und Anjana nennen sie unsern
      Flu.
  Meinen Namen wei das ganze Dorf, und ihr Name ist Ranjana.

  Nur ~ein~ Feld liegt zwischen uns.
  Bienen, die in unsrem Gehlz ihre Stcke haben, suchen Honig in ihrem.
  Blumen, von ihren Landungsstegen geworfen, kommen den Strom
      heruntergeschwommen, in dem wir baden.
  Krbe mit getrockneten Kusm-Blumen kommen von ihren Feldern auf unsern
      Markt.
  Der Name unsres Dorfes ist Khanjana, und Anjana nennen sie unsern
      Flu.
  Meinen Namen wei das ganze Dorf, und ihr Name ist Ranjana.

  Der Pfad, der sich zu ihrem Hause windet, duftet im Frhling von
      Mangoblten.
  Wenn ihr Leinsamen reif ist zur Ernte, blht der Hanf auf unsrem
      Felde.
  Die Sterne, die auf ihre Htte lcheln, senden uns den gleichen
      zwinkernden Blick.
  Der Regen, der ihre Zisterne berflutet, macht unsern Kadamwald froh.
  Der Name unsres Dorfes ist Khanjana, und Anjana nennen sie unsern
      Flu.
  Meinen Namen wei das ganze Dorf, und ihr Name ist Ranjana.




18


  Wenn die zwei Schwestern Wasser holen gehn, kommen sie an diese
      Stelle, und beide lcheln.
  Sie mssen es gemerkt haben, da einer hinter den Bumen steht, so oft
      sie Wasser holen gehn.

  Die zwei Schwestern flstern miteinander, wenn sie an dieser Stelle
      vorbergehn.
  Sie mssen das Geheimnis von diesem Jemand erraten haben, der hinter
      den Bumen steht, so oft sie Wasser holen gehn.

  Ihre Krge schlingern pltzlich und verschtten Wasser, wenn sie diese
      Stelle erreichen.
  Sie mssen herausgefunden haben, da das Herz Jemandes schlgt, der
      hinter den Bumen steht, so oft sie Wasser holen gehn.

  Die zwei Schwestern blicken einander an, wenn sie an diese Stelle
      kommen, und sie lcheln.
  Da ist ein Gelchter in ihren schnell schreitenden Fen, das
      Verwirrung anrichtet in Jemandes Denken, der hinter den Bumen
      steht, so oft sie Wasser holen gehn.




19


  Du gingst den Uferweg am Flu, mit vollem Krug auf Deiner Hfte.
  Warum wandtest Du schnell Dein Antlitz und sphtest nach mir durch den
      flatternden Schleier?
  Dieser strahlende Blick aus dem Dunkel berkam mich wie eine Brise,
      die einen Schauer durch das kruselnde Wasser schickt und
      fortreicht zum schattigen Ufer.
  Er kam zu mir wie der Vogel des Abends, der durch das lichtlose
      Zimmer huscht, von einem offenen Fenster zum andern, und in der
      Nacht verschwindet.
  Du bist verborgen wie ein Stern hinter den Hgeln, und ich bin ein
      Vorbergehender auf der Strae.
  Aber warum hieltest Du einen Augenblick an und blicktest in mein
      Antlitz durch Deinen Schleier, als Du den Uferweg am Flusse gingst
      mit dem vollen Krug auf Deiner Hfte?




20


  Tag fr Tag kommt er und geht wieder.
  Geh, und gib ihm eine Blume aus meinem Haar, meine Freundin.
  Wenn er fragt, wer es war, der sie sandte, ich bitte Dich, sag ihm
      nicht meinen Namen -- denn er kommt nur und geht wieder.

  Er sitzt im Staub unter dem Baum.
  Bereite ihm dort einen Sitz aus Blumen und Blttern, meine Freundin.
  Seine Augen sind traurig und sie bringen Traurigkeit in mein Herz.
  Er sagt nicht, an was er denkt; er kommt nur und geht wieder.




21


  Was trieb ihn, an meine Tr zu kommen, den wandernden Jngling, als
      der Tag dmmerte?
  Immer wenn ich ein und aus gehe, komm ich an ihm vorber, und meine
      Augen sind von seinem Antlitz gefangen.
  Ich wei nicht, soll ich zu ihm sprechen oder schweigen. Was trieb
      ihn, an meine Tr zu kommen?

  Die wolkigen Nchte im Juli sind finster; der Himmel ist sanftblau im
      Herbst; die Frhlingstage sind ruhelos vom Ungestm des Sdwinds.
  Er webt seine Lieder aus immer neuen Weisen.
  Ich wende mich ab von meiner Arbeit, und meine Augen werden feucht.
      Was trieb ihn, an meine Tr zu kommen?




22


  Als sie mit schnellen Schritten an mir vorberging, berhrte mich der
      Saum ihres Kleides.
  Von der unbekannten Insel eines Herzens kam ein pltzlicher, warmer
      Frhlingshauch.
  Das Flattern einer flchtigen Berhrung streifte mich und war im Nu
      vorber, wie ein abgerissenes Bltenblatt, vom Wind getrieben.
  Es fiel auf mein Herz wie ein Seufzen ihres Leibes und ein Flstern
      ihrer Seele.




23


  Warum sitzt Du da und lt Deine Armbnder klirren, nur zu migem
      Spiel?
  Flle Deinen Krug. Es ist Zeit fr Dich heimzukommen.

  Warum pltscherst Du im Wasser mit Deinen Hnden und blickst zuweilen
      auf die Strae nach jemand, nur zu migem Spiel?
  Flle Deinen Krug und komm heim.

  Die Morgenstunden gehn vorber -- das dunkle Wasser fliet weiter.
  Die Wellen lachen und flstern einander zu, nur zu migem Spiel.

  Die wandernden Wolken haben sich am Rande des Himmels gesammelt ber
      jenem Hgelrcken.
  Sie zgern und schauen in Dein Gesicht und lcheln, nur zu migem
      Spiel.
  Flle Deinen Krug und komm heim.




24


  Behalt es nicht fr Dich, das Geheimnis Deines Herzens, mein Freund!
  Sag es mir, nur mir, im Geheimen.
  Der Du so freundlich lchelst, flstre leise, mein Herz wird es hren,
      nicht meine Ohren.

  Die Nacht ist tief, das Haus ist schweigsam, die Vogelnester sind
      eingehllt in Schlaf.
  Sag mir mit verhaltenen Trnen, mit zitterndem Lcheln, in ser Scham
      und Pein, das Geheimnis Deines Herzens.




25


  "Komm zu uns, Jngling, sag aufrichtig, warum Wahnsinn in Deinen Augen
      ist?"
  "Ich wei nicht, von was fr einem wilden Mohn ich getrunken habe, da
      dieser Wahnsinn in meinen Augen ist."
  "O Schande!"
  "Ja, manche sind weise und manche tricht, manche sind wachsam und
      manche sorglos. Es gibt Augen, die lcheln, und Augen, die weinen
      -- und Wahnsinn ist in meinen Augen."

  "Jngling, warum stehst Du so still im Schatten des Baumes?"
  "Meine Fe sind matt von der Last meines Herzens, und ich stehe still
      im Schatten."
  "O Schande!"
  "Ja, manche gehen weiter ihren Weg und manche zaudern, manche sind
      frei und manche gefesselt -- und meine Fe sind matt von der
      Last meines Herzens."




26


  "Was aus Deinen willigen Hnden kommt, nehme ich. Sonst bitte ich um
      nichts."
  "Ja, ja, ich kenne Dich, bescheidener Bettler, Du bittest um alles,
      was einer hat."

  "Wenn Du eine verlorene Blume fr mich brig hast, will ich sie in
      meinem Herzen tragen."
  "Aber wenn Dornen daran sind?"
  "Ich will sie erdulden."
  "Ja, ja, ich kenne Dich, bescheidener Bettler, Du bittest um alles,
      was einer hat."

  "Wenn Du einmal nur Deine liebenden Augen zu meinem Antlitz heben
      wolltest, es wrde mein Leben ber den Tod hinaus versen."
  "Aber wenn sie dann nur grausame Blicke htten?"
  "Ich will sie mein Herz durchbohren lassen."
  "Ja, ja, ich kenne Dich, bescheidener Bettler, Du bittest um alles,
      was einer hat."




27


  "Traue der Liebe, auch wenn sie Leid bringt. Schliee Dein Herz nicht
      zu."
  "Ach nein, Freund, Deine Worte sind dunkel, ich kann sie nicht
      verstehn."

  "Das Herz ist nur da zum Verschenken mit einer Trne und einem Lied,
      Geliebte."
  "Ach nein, Freund, Deine Worte sind dunkel, ich kann sie nicht
      verstehn."

  "Lust ist vergnglich wie ein Tautropfen; whrend sie lacht, stirbt
      sie schon. Aber Leid ist stark und ausharrend. La leidvolle Liebe
      in Deinen Augen Wacht halten."
  "Ach nein, Freund, Deine Worte sind dunkel, ich kann sie nicht
      verstehn."

  "Der Lotus blht im Anschaun der Sonne und verliert alles, was er hat.
      Er mchte nicht seine Knospen behalten in ewigem Winternebel."
  "Ach nein, Freund, Deine Worte sind dunkel, ich kann sie nicht
      verstehn."




28


  Deine fragenden Augen sind traurig. Sie suchen meinen Sinn zu
      erkunden, wie der Mond das Meer ergrnden mchte.
  Ich habe mein Leben ganz vor Deinen Augen ausgebreitet von Ende zu
      Ende und nichts verborgen oder zurckgehalten. Darum kennst Du
      mich nicht.
  Wenn es nur ein Edelstein wre, ich knnte es in hundert Stcke
      brechen und sie reihen zu einer Kette, um Deinen Hals damit zu
      schmcken.
  Wenn es nur eine Blume wre, frisch und klein und s, so knnte ich
      es vom Stengel pflcken und Dir ins Haar stecken.
  Es ist aber ein Herz, Geliebte. Wo sind seine Ufer und sein Grund?
  Du kennst nicht die Grenzen dieses Knigreichs und bist doch seine
      Knigin.
  Wenn es nur ein Augenblick der Lust wre, so wrde es in einem
      leichten Lcheln aufblhn, und Du knntest es mit einem Blick
      sehn und lesen.
  Wenn es nur ein Schmerz wre, so wrde es schmelzen in hellen Trnen,
      sein innerstes Geheimnis widerspiegelnd ohne Wort.
  Es ist aber Liebe, meine Geliebte.
  Seine Lust und Pein sind ohne Grenzen, und endlos seine Ansprche und
      sein Reichtum.
  Es ist Dir so nahe wie Dein Leben, und doch kannst Du es niemals ganz
      kennen.




29


  Sprich zu mir, Geliebter! Sag mir mit Worten, was Du gesungen hast.
  Die Nacht ist dunkel. Die Sterne haben sich hinter Wolken verloren.
      Der Wind seufzt durch die Bltter.
  Ich will mein Haar lsen. Mein blauer Mantel wird mich umschmiegen wie
      Nacht. Ich will Dein Haupt an meine Brust drcken; und hier in der
      sen Einsamkeit la Dein Herz reden. Ich will meine Augen
      schlieen und lauschen. Ich will nicht in Dein Antlitz schaun.
  Wenn Deine Worte zu Ende sind, wollen wir still und schweigend sitzen.
      Nur die Bume werden im Dunkel flstern.
  Die Nacht wird bleichen. Der Tag wird dmmern. Wir werden einander in
      die Augen schauen und jeder seines Weges gehn.
  Sprich zu mir, Geliebter! Sag mir mit Worten, was Du sangest.




30


  Du bist die Abendwolke, die am Himmel meiner Trume hinzieht.
  Ich gebe Dir Farbe und Form mit den Wnschen meiner Liebe.
  Du bist mein Eigen, mein Eigen, Du, die in meinen endlosen Trumen
      wohnt!

  Deine Fe sind rosig rot von der Glut meines sehnschtigen Herzens,
      Du, hrenleserin meiner Abendlieder!
  Deine Lippen sind bitters, denn sie kosteten aus meinem
      Leidenskelch.
  Du bist mein Eigen, mein Eigen, Du, Bild meiner einsamen Trume!

  Mit dem Schatten meiner Leidenschaft hab ich Deine Augen verdunkelt,
      als sie in meinen Blick hinabtauchten.
  Ich hab Dich gefangen und Dich eingesponnen, Geliebte, in das Netz
      meiner Musik.
  Du bist mein Eigen, mein Eigen, Du, die in meinen unsterblichen
      Trumen wohnt!




31


  Mein Herz, der Vogel der Wildnis, hat seinen Himmel in Deinen Augen
      gefunden.
  Sie sind die Wiege des Morgens, sie sind das Knigreich der Sterne.
  Meine Lieder haben sich verloren in ihre Tiefen.
  La mich nur auffliegen in diesen Himmel, in seine einsame
      Unermelichkeit.
  La mich nur seine Wolken teilen und die Schwingen breiten in seinem
      Sonnenschein.




32


  Sag mir, ob das alles wahr ist, Liebster, sag mir, ob das alles wahr
      ist.
  Wenn diese Augen ihre Blitze sprhen, geben die dunklen Wolken in
      Deiner Brust strmische Antwort?
  Ist es wahr, da meine Lippen s sind wie die aufspringende Knospe
      der ersten, eingestandnen Liebe?
  Sumen die Erinnerungen entschwundener Maienmonde in meinen Gliedern?
  Erschauert die Erde wie eine Harfe in Liedern, wenn meine Fe sie
      berhren?
  Ist es denn wahr, da die Tautropfen von den Augen der Nacht fallen,
      wenn ich mich zeige, und da das Morgenlicht froh ist, wenn es
      meinen Krper rings einhllt?
  Ist es wahr, ist es wahr, da Deine Liebe einsam durch Zeitalter und
      Welten wanderte, auf der Suche nach mir?
  Da, da Du mich endlich fandest, Dein langes Sehnen letzten Frieden
      fand in meiner sanften Rede, in meinen Augen und Lippen und
      flutenden Haaren?
  Ist es denn wahr, da das Geheimnis des Unendlichen auf dieser meiner
      kleinen Stirn geschrieben steht?
  Sag mir, Geliebter, ist denn das alles wahr?




33


  Ich liebe dich, Geliebter. Vergib mir meine Liebe.
  Wie ein Vogel, der seinen Weg verliert, bin ich gefangen.
  Da mein Herz erschttert ward, verlor es seinen Schleier und wurde
      nackt. Deck es mit Mitleid zu, Liebster, und vergib mir meine
      Liebe.

  Wenn Du mich nicht lieben kannst, Geliebter, vergib mir meine Pein.
  Sieh mich nicht verchtlich an von weitem.
  Ich will mich in meine Ecke zurckstehlen und im Finstern sitzen.
  Mit beiden Hnden will ich meine nackte Schande zudecken.
  Wende Dein Gesicht von mir, Geliebter, und vergib mir meine Pein.

  Wenn Du mich liebst, Geliebter, vergib mir meine Freude.
  Wenn mein Herz fortgetragen wird von der Flut des Glcks, lchle nicht
      ber meine gefhrliche Entrcktheit.
  Wenn ich auf meinem Thron sitze und herrsche ber Dich mit der
      Tyrannei meiner Liebe, wenn ich wie eine Gttin Dir meine Gunst
      gewhre, ertrag meinen Stolz, Geliebter, und vergib mir meine
      Freude.




34


  Geh nicht, Geliebter, ohne Abschied von mir.
  Ich habe die ganze Nacht wachgelegen, und nun sind meine Augen schwer
      von Schlaf.
  Ich frchte nur, ich verliere Dich, wenn ich schlafe.
  Geh nicht, Geliebter, ohne Abschied von mir.

  Ich fahre auf und strecke meine Hnde aus, Dich zu berhren. Ich frage
      mich: "Ist es ein Traum?"
  Knnte ich Deine Fe bannen mit meinem Herzen und sie fesseln an
      meine Brust!
  Geh nicht, Geliebter, ohne Abschied von mir.




35


  Da ich dich nicht zu leicht erkenne, spielst Du mit mir.
  Du blendest mich mit den Blitzen Deines Lachens, um Deine Trnen zu
      verbergen.
  Ich kenne, ich kenne Deine List;
  Nie sagst Du das Wort, das Du sagen mchtest.

  Damit ich Deinen Wert nicht erkenne, entweichst Du mir auf tausend
      Wegen.
  Damit ich Dich nicht mit den Vielen vermenge, stehst Du abseits.
  Ich kenne, ich kenne Deine List;
  Nie gehst Du den Weg, den Du gehen mchtest.

  Du hast mehr Anspruch als die andern, darum bist Du schweigsam.
  Mit gespielter Gleichgltigkeit meidest Du meine Geschenke.
  Ich kenne, ich kenne Deine List;
  Nie willst Du nehmen, was Du nehmen mchtest.




36


  Er flsterte: "Liebste, schlag Deine Augen auf."
  Hart schalt ich ihn und sagte: "Geh!"; aber er rhrte sich nicht.
  Er stand vor mir und hielt meine beiden Hnde. Ich sagte: "La mich!";
      aber er ging nicht.

  Er neigte sein Gesicht an mein Ohr. Ich blickte ihn an und sagte:
      "Schm Dich!"; aber es kmmerte ihn nicht.
  Seine Lippen berhrten meine Wange. Ich zitterte und sagte: "Du wagst
      zuviel"; aber er hatte keine Scham.

  Er steckte eine Blume in mein Haar. Ich sagte: "Es hilft nichts!";
      aber er blieb unbewegt.
  Er nahm den Kranz von meinem Nacken und ging davon. Ich weine und
      frage mein Herz: "Warum kommt er nicht zurck?"




37


  Wrdest du Deinen Kranz aus frischen Blumen um meinen Nacken legen,
      Schne?
  Aber Du mut wissen, da der Kranz, den ~ich~ gewunden habe, fr die
      Vielen ist; fr jene, die flchtig an einem vorbergehn, die in
      unerforschten Lndern wohnen oder in Liedern der Dichter leben.

  Es ist zu spt, mein Herz zum Tausch fr Deines zu verlangen.
  Es gab eine Zeit, da mein Leben wie eine Knospe war; all sein Duft lag
      aufgespeichert in ihrem Kern.
  Nun ist er in alle Weiten verschwendet.
  Wer wei den Zauber, der ihn sammeln und wieder einschlieen kann?
  Mein Herz gehrt nicht mir, um es nur einer zu schenken; es ist den
      Vielen geschenkt.




38


  Liebste, vor langem einmal ersann sich Dein Dichter ein groes
      Gedicht.
  Weh, ich war nicht achtsam, und es stie an Deine klingelnden
      Fuspangen und kam zu Schaden.
  Es zerbrach in kleine Lieder und lag verstreut zu Deinen Fen.
  Meine ganze Schiffsladung von Geschichten aus alten Kriegen ward
      durcheinandergerttelt von den lachenden Wellen und in Trnen
      getrnkt und sank.
  Diesen Verlust mut Du mir gut machen, Liebste.
  Wenn meine Ansprche auf unsterblichen Ruhm nach dem Tode vernichtet
      sind, mach mich unsterblich, so lang ich lebe.
  Und ich will nicht trauern um meinen Verlust, noch Dich tadeln.




39


  Ich versuche einen Kranz zu winden, den ganzen Morgen lang, aber die
      Blumen entgleiten mir und fallen heraus.
  Du sitzst da und beobachtest mich heimlich aus den Winkeln Deiner
      sphenden Augen.
  Frag diese Augen, aus deren Dunkel der Mutwille blitzt, wer daran
      schuld ist.

  Ich versuche ein Lied zu singen, aber vergebens.
  Ein verstohlenes Lcheln zittert auf Deinen Lippen; frag es, warum
      mein Lied milang.
  La Deine lchelnden Lippen unter Eid sagen, wie meine Stimme sich in
      Schweigen verlor gleich einer trunknen Biene im Lotus.
  Es ist Abend und Zeit fr die Blumen, ihre Kelche zu schlieen.
  La mich an Deiner Seite sitzen, und hei meine Lippen die Arbeit tun,
      die in Schweigen getan werden kann und im sanften Licht der
      Sterne.




40


  Ein unglubiges Lcheln huscht ber Dein Antlitz, wenn ich zu Dir
      komme Abschied zu nehmen.
  Ich hab es so oft getan, da Du denkst, ich wrde bald wiederkehren.
  Um Dirs einzugestehn, ich fhle den gleichen Zweifel.
  Denn die Frhlingstage kommen wieder zu ihrer Zeit; der Vollmond nimmt
      Abschied und kommt wieder zu neuem Besuch; die Blten kommen
      wieder und errten auf ihren Zweigen Jahr fr Jahr, und vielleicht
      nehm auch ich nur Abschied von Dir, um wiederzukommen.
  Aber hege das Trugbild eine Weile; schick es nicht fort mit
      unfreundlicher Hast.
  Wenn ich sage, ich verla Dich auf immer, nimm es fr wahr, und la
      einen Nebel von Trnen einen Augenblick lang den dunklen Rand
      Deiner Augen vertiefen.
  Dann lchle so schalkhaft wie Du willst, wenn ich wiederkomme.




41


  Ich sehne mich, die tiefsten Worte zu sprechen, die ich Dir zu sagen
      habe; aber ich wage es nicht, aus Furcht, Du knntest lachen.
  Darum lache ich ber mich selbst und verrate mein Geheimnis im Scherz.
  Ich nehme meinen Schmerz leicht, aus Furcht, Du knntest es tun.

  Ich sehne mich, zu Dir die treuesten Worte zu reden, die ich Dir zu
      sagen habe; aber ich wage es nicht, aus Furcht, Du knntest sie
      nicht glauben.
  Darum verkleide ich sie in Unwahrheit und sage das Gegenteil von dem,
      was ich meine.
  Ich spotte ber meinen Schmerz, aus Furcht, Du knntest es tun.

  Ich sehne mich, die kostbarsten Worte zu gebrauchen, die ich fr Dich
      habe; aber ich wage es nicht, aus Furcht, es knnte mir nicht mit
      gleicher Mnze heimgezahlt werden.
  Darum gebe ich Dir hliche Namen und prahle mit meiner harten Strenge.
  Ich tu Dir weh, aus Angst, Du wrdest nie wissen, was Leid ist.

  Ich sehne mich, schweigend bei Dir zu sitzen; aber ich wage es nicht,
      sonst sprnge das Herz mir auf die Lippen.
  Darum schwatze ich und plaudere leichthin und verberge mein Herz
      hinter Worten.
  Rauh fa ich mein Leid an, aus Angst, Du knntest es tun.

  Ich sehne mich, weg zu gehn von Deiner Seite; aber ich wage es nicht,
      aus Angst, meine Feigheit wrde Dir offenbar werden.
  Darum trag ich meinen Kopf hoch und komme heiter in Deine
      Gesellschaft.
  Unablssige Dolchstiche aus Deinen Augen halten meine Wunde immer
      offen.




42


  Du Toller, herrlich Trunkener!
  Wenn Du Deine Tren aufstt und den Narren vor der Menge spielst;
  Wenn Du Deinen Beutel in einer Nacht leerst und der Besonnenheit ein
      Schnippchen schlgst;
  Wenn Du auf seltsamen Wegen wandelst und mit nutzlosen Dingen spielst;
  Kmmre Dich nicht um Reim und Recht!
  Wenn Du Deine Segel vor dem Sturme spannst und das Ruder entzwei
      brichst,
  Dann will ich Dir folgen, Kamerad, und will trunken in den Abgrund
      fahren.

  Ich habe meine Tage und Nchte vergeudet in der Gesellschaft nchtern
      weiser Nachbarn.
  Viel-Wissen hat mein Haar grau gemacht und Viel-Wachen meine Augen
      trb.
  Jahrelang hab ich Brocken und Fetzen von Dingen gesammelt und gehuft:
  Zermalme sie und tanze auf ihnen und streue sie alle in die Winde.
  Denn ich wei, das ist die hchste Weisheit, trunken in den Abgrund zu
      fahren.

  La alle krummen Zweifel schwinden, la mich hoffnungslos meinen Weg
      verlieren.
  La einen wildwirbelnden Sturm kommen und mich wegfegen von meinen
      Ankern.
  Die Welt ist bevlkert mit Wrdentrgern und Arbeitern, ntzlichen und
      gescheiten.
  Da sind Menschen, die leicht die Ersten sind, und solche, die
      bescheiden hinterdreinkommen.
  La sie glcklich und erfolgreich sein und la mich nrrisch unntz
      sein.
  Denn ich wei, es ist das Ende allen Wirkens, trunken in den Abgrund
      zu fahren.

  Ich schwre diese Minute alle Anrechte ab, zu den Ehrbaren und
      Anstndigen zu zhlen.
  Meinen Stolz auf Wissen und Urteil ber Gut und Bse la ich fahren.
  Ich will das Gef der Erinnerung zerbrechen, die letzten
      Trnentropfen verschtten.
  Im Schaum des rotperlenden Weins will ich mein Lachen baden und wieder
      jung machen.
  Den Schild des gesetzten Brgers will ich in Stcke zerbrechen.
  Ich will das heilige Gelbde tun, alle Wrde wegzuwerfen und trunken
      in den Abgrund zu fahren.




43


  Nein, Freunde, niemals werde ich Einsiedler, sagt, was ihr wollt.
  Ich werde niemals Einsiedler, wenn sie nicht mit mir das Gelbde
      ablegt.
  Es ist mein fester Entschlu, wenn ich kein schattiges Obdach und
      keine Gefhrtin fr meine Bue finden kann, werde ich niemals
      Einsiedler.

  Nein, Freunde, nie werde ich Herd und Heim verlassen und mich
      zurckziehn in des Waldes Einsamkeit, wenn nicht frhliches Lachen
      aus seinem Schatten widerhallt und nicht der Saum eines
      Safranmantels im Winde flattert; wenn sein Schweigen nicht durch
      leises Flstern tiefer wird.
  Niemals werde ich Einsiedler werden.




44


  Ehrwrdiger Vater, vergib diesem Snderpaar. Frhlingswinde wehen heut
      in wilden Wirbeln, treiben Staub und totes Laub davon, und mit
      ihnen sind alle Deine Lehren verflogen.
  Sag nicht, Vater, da Leben Eitelkeit sei.
  Denn heute haben wir zwei einmal Waffenstillstand geschlossen mit dem
      Tod, und nur fr wenige duftende Stunden sind wir beide
      unsterblich geworden.

  Selbst wenn des Knigs Heer kme und uns grimmig anfiele, wrden wir
      traurig den Kopf schtteln und sagen: Brder, ihr strt uns. Wenn
      ihr dies lrmende Spiel haben mt, geht und lat eure Waffen wo
      anders klirren. Wir sind ja nur fr wenige flchtige Augenblicke
      unsterblich geworden.

  Wenn freundlich Volk kme und sich scharte um uns, wir wrden uns tief
      vor ihm verbeugen und sagen: Dieses ungeheuer groe Glck verwirrt
      uns. Der Raum ist karg in dem unendlichen Himmel, in dem wir
      wohnen. Denn im Frhling kommen die Blumen in Mengen und die
      geschftigen Flgel der Bienen stoen einander. Unser kleiner
      Himmel, in dem nur wir zwei Unsterblichen wohnen, ist viel zu eng.




45


  Den Gsten, die gehen mssen, wnsche gute Fahrt und fege alle Spuren
      ihrer Tritte weg.
  Drcke lchelnd an Deine Brust, was sanft ist und einfach und nahe.
  Heut ist das Fest der Geister, die nicht wissen, wann sie sterben.
  La Dein Lachen hellschimmernde Lust sein wie glitzerndes Licht auf
      rieselnden Wellen.
  La Dein Leben leicht dahin tanzen am Rande der Zeit wie der
      Tautropfen am Rande des Blattes.
  Schlag in Akkorden Deiner Harfe die Rhythmen, die der Augenblick Dir
      eingibt.




46


  Du lieest mich und gingst Deinen Weg.
  Ich dachte, ich wrde trauern um Dich und Dein einsames Bildnis in
      meinem Herzen aufstellen, in ein goldnes Lied gewirkt.
  Aber ach, mein bses Geschick! die Zeit ist kurz.

  Jugend schwindet Jahr um Jahr; die Frhlingstage sind flchtig; ein
      Nichts macht die zarten Blumen sterben, und der Weise mahnt mich,
      da das Leben nur ein Tautropfen ist auf einem Lotusblatt.
  Soll ich das alles versumen, um nach jener Einen zu starren, die mir
      den Rcken gewandt hat?
  Das wre einfltig und tricht; denn die Zeit ist kurz.

  Kommt denn, ihr meine Regennchte mit pltschernden Fen; lchle,
      mein goldener Herbst; komm, sorgloser April, streu Deine Ksse
      ber Land.
  Komm Du, und Du und Du auch!
  Meine Lieben, Ihr wit, wir sind Sterbliche. Ist es weise, sich das
      Herz zu brechen um die Eine, die ihr Herz fortnimmt? Denn die Zeit
      ist kurz.

  Es ist s, in einer Ecke zu sitzen, um zu sinnen und in Reimen zu
      verknden, da Du meine ganze Welt bist.
  Es ist heldenhaft, sein Leid zu hegen und zu htscheln und
      entschlossen zu sein, sich nicht trsten zu lassen.
  Aber ein frisches, junges Gesicht schaut zu meiner Tre herein und
      hebt seine Augen zu meinen Augen.
  Da kann ich nicht anders, als meine Trnen wegwischen und die Weise
      meines Lieds ndern.
  Denn die Zeit ist kurz.




47


  Wenn du es so haben willst, will ich mein Singen enden.
  Wenn es Unruhe ber Dein Herz bringt, will ich meine Augen abwenden
      von Deinem Gesicht.
  Wenn es Dich pltzlich auf Deinem Gang erschreckt, will ich zur Seite
      treten und einen andern Pfad einschlagen.
  Wenn es Dich beim Blumenwinden verwirrt, will ich Deinen einsamen
      Garten meiden.
  Wenn es das Wasser mutwillig und wild macht, will ich mein Boot nicht
      an Deinem Ufer vorberrudern.




48


  Befrei mich von den Banden Deiner Se, Lieb! Nichts mehr von diesem
      Wein der Ksse.
  Dieser Nebel von schwerem Weihrauch erstickt mein Herz.
  ffne die Tren, mach Platz fr das Morgenlicht.
  Ich bin in Dich verloren, eingefangen in die Umarmungen Deiner
      Zrtlichkeit.
  Befrei mich von Deinem Zauber und gib mir den Mut zurck, Dir mein
      befreites Herz darzubieten.




49


  Ich halte ihre Hnde und presse sie an meine Brust.
  Ich versuche, meine Arme mit ihrer Lieblichkeit zu fllen, ihr ses
      Lcheln mit Kssen zu plndern, ihre dunklen Blicke mit meinen
      Augen zu trinken.
  Aber, ach, wo ist das alles? Wer kann dem Himmel sein Blau abzwingen?
  Ich versuche, die Schnheit zu fassen; sie entweicht mir und lt nur
      den Krper in meinen Hnden zurck.
  Betrogen und mde komm ich heim.
  Wie kann der Krper die Blume berhren, die nur die Seele berhren
      sollte?




50


  Geliebte, mein Herz sehnt sich Tag und Nacht nach einem Begegnen mit
      Dir -- einem Begegnen, das wie der alles verschlingende Tod ist.
  Feg mich hinweg wie ein Sturm; nimm alles, was ich habe; brich ein in
      meinen Schlaf und plndre meine Trume. Raub mir meine Welt.
  In dieser Verwstung, in der letzten Nacktheit der Seele, la uns eins
      werden in Schnheit.

  Ach, vergebliches Sehnen! Wo ist diese Hoffnung auf Vereinigung auer
      in Dir, mein Gott?




51


  Vollende denn das letzte Lied und la uns auseinandergehn.
  Vergi diese Nacht, wenn die Nacht um ist.
  Wen suche ich mit meinen Armen zu umfassen? Trume lassen sich nicht
      einfangen.
  Meine verlangenden Hnde drcken Leere an mein Herz, und sie zermalmt
      mir die Brust.




52


  Warum ging die Lampe aus?
  Ich hielt meinen Mantel darber, um sie gegen den Wind zu schtzen,
      darum ist die Lampe ausgegangen.

  Warum verwelkte die Blume?
  Ich drckte sie an mein Herz mit sorgender Liebe, darum ist die Blume
      verwelkt.

  Warum trocknete der Strom aus?
  Ich zog einen Damm hindurch, um ihn ganz fr mich zu haben, darum ist
      der Strom ausgetrocknet.

  Warum ri die Harfensaite?
  Ich wollte einen Ton zwingen, der ber ihre Krfte ging, darum ist die
      Harfensaite gerissen.




53


  Warum machst Du mich errten durch einen Blick?
  Ich bin nicht als Bettler gekommen.
  Nur eine flchtige Stunde lang stand ich am Ende Deines Hofes,
      jenseits der Gartenhecke.
  Warum machst Du mich errten durch einen Blick?

  Nicht eine Rose nahm ich aus Deinem Garten, nicht eine Frucht pflckte
      ich.
  Ich trat bescheiden unter die schtzenden Bume am Wege, wo jeder
      fremde Wandrer stehn darf.
  Nicht eine Rose pflckte ich.

  Ja, meine Fe waren mde, und der Regen strmte herab.
  Die Winde heulten durch die schwankenden Bambuszweige.
  Die Wolken rasten ber den Himmel, als seien sie auf der Flucht vor
      dem Besieger.
  Meine Fe waren mde.

  Ich wei nicht, was Du von mir dachtest oder auf wen Du an Deiner Tre
      wartetest.
  Zuckende Blitze blendeten Deine sphenden Augen.
  Wie konnte ich wissen, da Du mich sehen knntest dort, wo ich im
      Dunkeln stand?
  Ich wei nicht, was Du von mir dachtest.

  Der Tag ist zu Ende und der Regen hat fr eine Weile aufgehrt.
  Ich verlasse den Schutz des Baumes am Rande Deines Gartens und diesen
      Sitz im Gras.
  Es ist dunkel geworden; schlie Deine Tr; ich gehe meines Wegs.
  Der Tag ist zu Ende.




54


  Wohin eilst du mit Deinem Korb so spt am Abend, wo der Markt vorber
      ist?
  Sie alle sind mit ihren Lasten heimgekommen; der Mond lugt durch die
      Dorfbume.
  Das Echo der Stimmen, die nach der Fhre rufen, luft ber das dunkle
      Wasser zum fernen Sumpf, wo wilde Enten schlafen.
  Wohin eilst Du mit Deinem Korb, da der Markt vorber ist?

  Der Schlaf hat seine Finger auf die Augen der Erde gelegt.
  Die Krhennester sind still geworden, und das Murmeln der
      Bambusbltter ist verstummt.
  Die Arbeiter sind heimgekehrt von ihren Feldern und breiten ihre
      Matten in den Hfen.
  Wohin eilst Du mit Deinem Korb, da der Markt vorber ist?




55


  Es war Mittag, als Du fortgingst.
  Die Sonne stand hei am Himmel.
  Ich hatte meine Arbeit getan und sa allein auf meinem Balkon, als Du
      fortgingst.
  Dann und wann kam ein leiser Windsto heran und fchelte mir den Duft
      von vielen fernen Feldern zu.
  Die Tauben gurrten unermdlich im Schatten, und eine Biene verirrte
      sich in mein Zimmer und summte die Neuigkeiten von vielen fernen
      Feldern.

  Das Dorf schlief in der Mittagshitze. Die Strae lag verlassen.
  Zuweilen erhob sich pltzlich ein Rauschen in den Blttern und erstarb
      wieder.
  Ich starrte zum Himmel auf und wob eines Namens Buchstaben, den ich
      kannte, in das Blau, whrend das Dorf in der Mittagshitze schlief.

  Ich hatte vergessen, mein Haar zu flechten. Die matte Brise spielte
      damit auf meiner Wange.
  Der Flu glitt spiegelglatt am schattigen Ufer entlang.
  Die trgen, weien Wolken bewegten sich nicht.
  Ich hatte vergessen, mein Haar zu flechten.

  Es war Mittag, als Du fortgingst.
  Der Staub der Strae war hei und die Felder lechzten.
  Die Tauben gurrten im dichten Laub.
  Ich war allein auf meinem Balkon, als Du fortgingst.




56


  Ich war eine von den vielen Frauen, die Tag fr Tag mit den
      unscheinbaren Pflichten des Haushalts beschftigt sind.
  Warum suchtest Du mich aus und brachtest mich vom khlen Obdach unsres
      gewhnlichen Lebens fort?

  Uneingestandene Liebe ist heilig. Sie leuchtet wie ein Edelstein im
      Glhn des verborgenen Herzens. Im Licht des neugierigen Tags
      blickt sie jammervoll trbe.
  Ach, Du durchbrachst die Hlle meines Herzens und zerrtest meine
      zitternde Liebe auf den offenen Platz und zerstrtest fr immer
      den schattigen Winkel, wo sie ihr Nest hatte.

  Die andern Frauen sind die gleichen geblieben.
  Niemand hat in ihr innerstes Wesen geschaut, und sie selbst wissen ihr
      eignes Geheimnis nicht.
  Leicht lcheln sie und weinen, plaudern und arbeiten. Tglich gehen
      sie in den Tempel, znden ihre Lampen an und holen Wasser vom
      Flu.

  Ich hoffte, meine Liebe wrde verschont bleiben vor der frstelnden
      Schande der Obdachlosen, aber Du wendest Dein Gesicht ab.
  Ja, Dein Weg liegt offen vor Dir, aber mir hast Du die Rckkehr
      abgeschnitten und lieest mich splitternackt zurck vor der Welt,
      die mich mit ihren lidlosen Augen anstarrt Nacht und Tag.




57


  Ich pflckte Deine Blume, o Welt!
  Ich drckte sie an mein Herz, und der Dorn stach.
  Als der Tag ging und es dunkelte, fand ich, da die Blume verwelkt
      war, doch der Schmerz war geblieben.

  Mehr Blumen werden zu Dir kommen mit Duft und Stolz, o Welt!
  Doch meine Zeit zum Blumenpflcken ist vorber, und die dunkle Nacht
      lang hab ich meine Rose nicht, nur der Schmerz bleibt.




58


  Eines Morgens im Blumengarten kam ein blindes Mdchen, mir eine
      Blumenkette anzubieten in der Hlle eines Lotusblatts.
  Ich legte die Blumenkette um meinen Nacken, und Trnen kamen mir in
      die Augen.
  Ich kte sie und sagte: "Du bist blind gerade wie die Blumen.
  "Du weit selber nicht, wie schn Deine Gabe ist."




59


  O Weib, Du bist nicht allein Gottes Geschpf, sondern auch der
      Menschen; diese statten Dich aus mit Schnheit aus ihren Herzen.
  Dichter weben fr Dich ein Gewebe aus Fden goldener Phantasie; Maler
      geben Deiner Gestalt immer neue Unsterblichkeit.
  Das Meer gibt seine Perlen, die Minen ihr Gold, die Sommergrten ihre
      Blumen, Dich einzuhllen, Dich zu bedecken, Dich kostbarer zu
      machen.
  Das Verlangen von Mnnerherzen hat seinen Glanz ber Deine Jugend
      gebreitet.
  Du bist halb Weib und halb Traum.




60


  Mitten im Gedrnge und Lrm des Lebens, o Schnheit in Stein
      geschnitten, stehst Du stumm und still, allein und abseits.
  Der Geist der Zeit sitzt bezaubert zu Deinen Fen und flstert:
  "Sprich, sprich zu mir, meine Geliebte; sprich, meine Braut!"
  Aber Deine Rede ist in dem Stein festgebannt, o unbewegliche
      Schnheit!




61


  Still, mein Herz, la den Augenblick des Scheidens s sein.
  La es nicht Tod sein, sondern Vollendung.
  La Liebe in Erinnerung schmelzen und Schmerz in Lieder.
  La den Flug durch den Himmel im Flgelfalten ber dem Nest enden.
  La die letzte Berhrung Deiner Hnde sanft sein wie die Blume der
      Nacht.
  Steh still, o wundervolles Ende, fr einen Augenblick, und sage Deine
      letzten Worte in Schweigen.
  Ich neige mich vor Dir und halte meine Lampe in die Hhe, um Dir auf
      Deinen Weg zu leuchten.




62


  Den dmmrigen Pfad eines Traumes ging ich, um die Liebste zu suchen,
      die mir gehrte in einem frheren Leben.

  Ihr Haus stand am Ende einer verdeten Strae.
  Im Abendwinde sa ihr Lieblingspfau schlfrig auf der Stange, und die
      Tauben schwiegen in ihrer Ecke.

  Sie setzte ihre Lampe nieder an der Pforte und stand vor mir.
  Sie hob ihre groen Augen zu meinem Gesicht und fragte stumm: "Geht es
      Dir gut, mein Freund?"
  Ich versuchte zu antworten, aber unsre Sprache war verloren gegangen
      und vergessen.

  Ich sann und sann; unsre Namen wollten mir nicht in den Sinn kommen.
  Trnen schimmerten in ihren Augen. Sie streckte mir ihre Rechte
      entgegen. Ich nahm sie und stand schweigend.

  Unsre Lampe flackerte im Abendwind und erlosch.




63


  Wanderer, mut Du gehn?
  Die Nacht ist still, und das Dunkel bricht ber dem Walde zusammen.
  Die Lampen sind hell auf unsrem Balkon, die Blumen alle frisch, und
      die jungen Augen noch wach.
  Ist die Zeit fr Dein Scheiden gekommen?
  Wanderer, mut Du gehn?

  Wir haben Deine Fe nicht gefesselt mit unsren bittenden Armen.
  Deine Tren sind offen. Dein Pferd steht gesattelt an der Pforte.
  Wenn wir versuchten, Deinen Pfad zu hemmen, geschah es nur mit unsern
      Liedern.
  Haben wir je versucht, Dich zurckzuhalten, geschah es nur mit unsern
      Augen.
  Wanderer, wir sind ohnmchtig, Dich zu halten. Wir haben nur unsre
      Trnen.

  Welch unauslschliches Feuer glht in Deinen Augen?
  Welch ruhloses Fieber jagt durch Dein Blut?
  Welcher Ruf aus dem Dunkel zwingt Dich?
  Welch schreckliche Zauberformel hast Du in den Sternen am Himmel
      gelesen, da die Nacht mit versiegelter, heimlicher Botschaft in
      Dein Herz trat, schweigend und fremd?

  Wenn Dir nichts liegt an frhlichen Gelagen, wenn Du Frieden haben
      mut, mdes Herz, werden wir unsre Lampen auslschen und unsre
      Harfen schweigen lassen.
  Wir werden still im Dunkel sitzen im Flstern der Bltter, und der
      mde Mond wird fahle Strahlen an Dein Fenster gieen.
  O Wanderer, welch schlafloser Geist aus dem Herzen der Mitternacht hat
      Dich berhrt?




64


  Ich verbrachte meinen Tag im sengend heien Staub der Strae.
  Nun, in der Khle des Abends, poche ich an die Tr der Schenke. Sie
      ist verlassen und zerfallen.
  Ein alter, verkrppelter Ashath-Baum streckt seine hungrig haschenden
      Wurzeln durch die klaffenden Ritzen der Wnde.

  Es gab eine Zeit, wo Wanderer hier einkehrten, ihre mden Fe zu
      waschen.
  Sie breiteten ihre Matten auf dem Hof im trben Licht des frhen Monds
      und saen und sprachen von fremden Lndern.
  Sie wachten erfrischt am Morgen auf, wo das Gezwitscher der Vgel sie
      froh machte und freundliche Blumen ihnen zunickten vom Wegrain.

  Aber keine brennende Lampe erwartete mich, als ich herkam.
  Die schwarzen Rauchflecken von mancher vergessenen Abendlampe starren
      wie blinde Augen von der Wand.
  Leuchtkfer schwirren im Busch am ausgetrockneten Teich, und
      Bambuszweige werfen ihre Schatten auf den grasberwachsenen Pfad.
  Ich bin Niemandes Gast am Ende meines Tags.
  Die lange Nacht ist vor mir, und ich bin mde.




65


  Bist du es wieder, die ruft?
  Der Abend ist gekommen. Die Mdigkeit umschlingt mich wie die Arme
      bittender Liebe.
  Rufst Du mich?

  Ich hatte Dir meinen ganzen Tag gegeben, grausame Herrin, mut Du mir
      auch meine Nacht noch rauben?
  Alles hat irgendwo sein Ende und die Einsamkeit des Dunkels gehrt uns
      selbst.
  Mu Deiner Stimme Pfeil sie durchschneiden und mich tdlich treffen?

  Singt Dir der Abend kein Schlummerlied unter Deinem Fenster?
  Steigen die Sterne mit ihren lautlosen Schwingen niemals hinan zu dem
      erbarmungslos dunklen Himmel ber Deiner Burg?
  Sinken die Blumen in Deinem Garten niemals in den Staub zu sanftem
      Tode?

  Mut Du mich rufen, Du Ruhelose?
  Dann la die traurigen Augen der Liebe vergeblich wachen und weinen.
  La die Lampe brennen im einsamen Haus.
  La das Fhrboot die mden Arbeiter heimtragen.
  Ich reie mich los aus meinen Trumen und folge eilig Deinem Ruf.




66


  Ein wandernder Narr suchte den Stein der Weisen. Sein Haar war
      zerzaust, von der Sonne gebleicht und mit Staub bedeckt, sein Leib
      zum Schatten abgemagert, seine Lippen fest aufeinander gepret wie
      die verschlossenen Tren seines Herzens, seine brennenden Augen
      wie das Licht eines Glhwurms, der seinen Gespielen sucht.

  Vor ihm brllte der endlose Ozean.
  Die geschwtzigen Wellen plauderten unaufhrlich von verborgenen
      Schtzen, den Unverstand verspottend, der nicht wute, was sie
      meinten.
  Mag sein, da ihm jetzt keine Hoffnung mehr geblieben war, und doch
      wollte er nicht ruhn, denn das Suchen war sein Leben geworden, --
  Wie der Ozean immer seine Arme zum Himmel hebt nach dem
      Unerreichbaren --
  Wie die Sterne im Kreise wandeln und doch ein Ziel suchen, das
      unerreichbar ist --
  So wanderte auch der Narr mit bestaubtem und gebleichtem Haar am
      einsamen Gestade, auf der Suche nach dem Stein der Weisen.

  Eines Tages kam ein Dorfjunge auf ihn zu und fragte: "Sag mir, wo hast
      Du die goldne Kette her um Deinen Leib?"
  Der Narr stutzte -- die Kette, die einst eisern war, war wirklich
      Gold; es war kein Traum, aber er wute nicht, wann sie sich
      verwandelt hatte.
  Er schlug sich wild an die Stirn -- wo, ach wo, hatte er, ohne es zu
      wissen, endlich Erfolg gehabt?
  Es war ihm zur Gewohnheit geworden, Kiesel aufzulesen, die Kette damit
      zu berhren und die Steine wegzuwerfen, ohne darauf zu achten, ob
      sie sich verwandelt htte; so fand und verlor der Narr den Stein
      der Weisen.
  Die Sonne sank tief im Westen, und der Himmel war golden.
  Der Narr ging auf seiner eigenen Spur zurck, um von neuem den
      verlorenen Schatz zu suchen, mit erschpfter Kraft, den Leib
      gebeugt, und das Herz im Staube wie ein entwurzelter Baum.




67


  Ob auch der Abend kommt mit langsamen Schritten, und allen Liedern das
      Zeichen zum Schweigen gegeben hat;
  Ob auch Deine Gefhrten zur Ruhe gegangen sind, und Du mde bist;
  Ob auch die Furcht im Dunkel brtet, und das Antlitz des Himmels
      verschleiert ist;
  Dennoch, Vogel, mein Vogel, hre auf mich, la Deine Schwingen nicht
      sinken.

  Das ist nicht das Schimmern des Laubs im Walde, es ist das Meer, das
      wie eine unheimliche schwarze Schlange schwillt.
  Das ist nicht der Tanz des blhenden Jasmins, es ist der gischtende
      Schaum.
  Ach, wo ist das sonnig grne Ufer, wo ist Dein Nest?
  Vogel, mein Vogel, hre auf mich, la Deine Schwingen nicht sinken.

  Die einsame Nacht liegt ber Deinem Weg, die Dmmerung schlft hinter
      den schattigen Hgeln.
  Die Sterne halten den Atem an und zhlen die Stunden, der bleiche Mond
      berschwemmt die tiefe Nacht.
  Vogel, mein Vogel, hre auf mich, la Deine Schwingen nicht sinken.

  Da ist keine Hoffnung, keine Furcht fr Dich.
  Da ist kein Wort, kein Flstern, kein Schrei.
  Da ist kein Heim, keine Ruhestatt.
  Da ist nur Dein eigenes Paar Schwingen und der pfadlose Himmel.
  Vogel, mein Vogel, hre auf mich, la Deine Schwingen nicht sinken.




68


  Keiner lebt fr immer, Bruder, und nichts dauert lange. Halt das im
    Sinn und frohlocke.
  Unser Leben ist mehr als der eine Kehrreim, unsre Bahn ist mehr als
      die eine lange Reise.
  Die Musik der Welt ist mehr als dies eine alte Lied des einen
      Dichters.
  Die Blume welkt und stirbt; aber wer die Blume trgt, mu nicht ewig
      um sie trauern.
  Bruder, halte das im Sinn und frohlocke.

  Vollkommene Stille mu werden, damit alle Tne zu vollendeter Harmonie
      sich weben.
  Das Leben neigt sich seinem Sonnenuntergang, um in goldenen Schatten
      zu versinken.
  Liebe mu abberufen werden von ihrem Spiel, um Leid zu kosten und zum
      Himmel der Trnen getragen zu werden.
  Bruder, halte das im Sinn und frohlocke.

  Wir eilen, unsre Blumen zu pflcken, sonst werden sie geplndert von
      den eilenden Winden.
  Unsre Pulse schlagen schneller und unsre Augen leuchten, wenn wir
      Ksse haschen, die uns entschwnden, wenn wir sumten.
  Unser Leben ist voll Verlangen, unsre Wnsche sind ungestm, denn die
      Zeit lutet die Glocke der Trennung.
  Bruder, halte das im Sinn und frohlocke.

  Wir haben keine Zeit, nach einem Ding zu greifen und es dann zu
      zerdrcken und in den Staub zu werfen.
  Leichten Schrittes eilen die Stunden davon, ihre Trume in den Falten
      ihres Gewandes verbergend.
  Unser Leben ist kurz; nur wenige Tage gnnt es der Liebe.
  Brchten wir es mit mhseliger Arbeit hin, es wrde endlos lang sein.
  Bruder, halte das im Sinn und frohlocke.

  Schnheit ist s fr uns, denn sie tanzt nach der gleichen flchtigen
      Weise wie unser Leben.
  Wissen ist kostbar fr uns, denn wir werden nie Zeit haben, es zu
      vollenden.
  Alles wird getan und vollendet im ewigen Himmel.
  Aber die Blumen der Tuschung, die dieser Erde entsprieen, hlt ewig
      frisch der Tod.
  Bruder, halte das im Sinn und frohlocke.




69


  Ich jage nach dem goldnen Hirsch.
  Ihr mgt lcheln, Freunde, aber ich verfolge das Trugbild, das mich
      narrt.
  Ich laufe ber Hgel und Tler, ich wandre durch namenlose Lnder,
      weil ich nach dem goldnen Hirsch jage.
  Ihr kommt und kauft auf dem Markt und kehrt mit Waren beladen heim,
      aber der Zauber der heimatlosen Winde hat mich berhrt, ich wei
      nicht, wo und wann.
  Ich trage keine Sorge in meinem Herzen; all meine Habe lie ich weit
      hinter mir.
  Ich laufe ber Hgel und Tler, ich wandre durch namenlose Lnder --
      weil ich dem goldnen Hirsch nachjage.




70


  Ich denke zurck an einen Tag aus meiner Kindheit, da lie ich ein
      Papierschiffchen schwimmen im Graben.
  Es war ein feuchter Julitag; ich war allein und glcklich bei meinem
      Spiel.
  Ich lie mein Papierschiffchen schwimmen im Graben.

  Pltzlich ballten sich die Sturmwolken, Winde kamen in Sten, und der
      Regen go in Strmen herab.
  Bchlein von schmutzigem Wasser strzten und schwellten den Flu und
      lieen mein Schifflein sinken.
  Bitter dachte ich in meinem Sinn, da der Sturm nur darum gekommen
      sei, mein Glck zu zerstren; all seine Bosheit glte mir.

  Der wolkige Julitag whrt lange heute, und ich habe nachgesonnen all
      den Spielen des Lebens, in denen ich Verlierer war.
  Ich schalt mein Schicksal fr die vielen Streiche, die es mir spielte,
      als ich pltzlich an das Papierschifflein denken mute, das im
      Graben sank.




71


  Der Tag ist noch nicht um, der Jahrmarkt nicht zu Ende, der Jahrmarkt
      am Fluufer.
  Ich hatte gefrchtet, da meine Zeit vergeudet wre, mein letzter
      Pfennig vertan.
  Aber nein, Bruder, ich habe noch immer etwas brig. Mein Schicksal hat
      mich nicht um alles geprellt.

  Das Kaufen und Verkaufen ist vorber.
  Jeder hat das Seine eingepackt, und es ist Zeit fr mich, heimzugehn.
  Aber, Torhter, verlangst Du Deinen Zoll?
  Frchte Dich nicht, ich habe immer noch etwas brig. Mein Schicksal
      hat mich nicht um alles geprellt.

  Die Stille im Wind droht Sturm, die niedrig ziehenden Wolken im Westen
      verheien nichts Gutes.
  Das verstummte Wasser wartet auf den Wind.
  Ich spute mich, ber den Flu zu kommen, eh mich die Nacht berfllt.
  Fhrmann, Du willst Deinen Lohn!
  Ja, Bruder, ich hab noch immer etwas brig. Mein Schicksal hat mich
      nicht um alles geprellt.

  Am Wegrand unter dem Baum sitzt der Bettler. Ach, er sieht in mein
      Gesicht mit zager Hoffnung!
  Er denkt, ich sei reich durch des Tages Ertrag.
  Ja, Bruder, ich hab noch immer etwas brig. Mein Schicksal hat mich
      nicht um alles geprellt.

  Die Nacht wird schwarz und die Strae einsam. Leuchtkfer glhn im
      Laub.
  Wer bist Du, der mir mit heimlich leisen Schritten folgt?
  Ach, ich wei, Du mchtest mir all meinen Gewinn rauben. Ich will Dich
      nicht enttuschen!
  Denn ich habe noch immer etwas brig. Mein Schicksal hat mich nicht um
      alles geprellt.

  Um Mitternacht erreich ich mein Heim. Meine Hnde sind leer.
  Du wartest auf mich mit ngstlichen Augen an meiner Tre, schlaflos
      und schweigend.
  Wie ein furchtsamer Vogel fliegst Du an meine Brust in ungestmer
      Liebe.
  Ja, ja, mein Gott, noch viel ist mir geblieben. Mein Schicksal hat
      mich nicht um alles geprellt.




72


  In Tagen harter Arbeit errichtete ich einen Tempel. Er hatte weder
      Tren noch Fenster, seine Mauern waren breit gebaut mit festen
      Quadern.
  Ich verga alles andere, ich mied alle Welt, ich starrte verzckt auf
      das Bild, das ich auf den Altar gesetzt hatte.
  Es war drinnen immer Nacht, die von Lampen mit duftendem l erleuchtet
      war.
  Der endlose Weihrauch umwand mein Herz mit seinen schweren Ringen.
  Schlaflos schnitt ich in die Wnde phantastische Figuren in
      labyrinthisch irren Linien -- geflgelte Rosse, Blumen mit
      menschlichen Gesichtern, Frauen mit Gliedern wie Schlangen.
  Nirgends war ein Zugang gelassen, durch den das Lied der Vgel, das
      Murmeln der Bltter oder das Summen des geschftigen Dorfes
      hereinkommen konnte.
  Der einzige Laut, der von der dunklen Kuppel widerhallte, waren die
      Beschwrungen, die ich sang.
  Mein Geist wurde scharf und unbewegt wie eine Stichflamme, die Sinne
      schwanden mir in Verzckung.
  Ich wute nicht, wie die Zeit verging, bis der Donnerkeil den Tempel
      traf und jher Schmerz mir das Herz durchstach.

  Die Lampe sah bla und beschmt aus; die Schnitzereien an den Wnden
      stierten wie gefesselte Trume mit wirren Blicken in das Licht,
      als wollten sie sich am liebsten verbergen.
  Ich schaute auf das Bild am Altar. Ich sah es lcheln und leben durch
      Gottes belebenden Hauch. Die Nacht, die ich gefangen hielt, hatte
      ihre Schwingen ausgebreitet und war verschwunden.




73


  Unendlicher Reichtum ist nicht Dein, meine geduldige und traurige
      Mutter Erde!
  Du plagst Dich ab, die Muler Deiner Kinder zu stopfen, aber die
      Nahrung ist karg.
  Die Gabe der Freude, die Du fr uns hast, ist niemals vollkommen.
  Das Spielzeug, das Du fr Deine Kinder machst, ist zerbrechlich.
  Du kannst nicht alle unsre hungrigen Hoffnungen sttigen, aber sollte
      ich Dich darum verlassen?
  Dein Lcheln, das berschattet ist vom  Schmerz, ist meinen Augen s.
  Deine Liebe, die keine Erfllung kennt, ist meinem Herzen teuer.
  Aus Deiner Brust hast Du uns genhrt mit Leben, aber nicht mit
      Unsterblichkeit, darum sind Deine Augen immer schlaflos.
  Seit Menschenaltern arbeitest Du mit Farbe und Lied, und doch ist Dein
      Himmel noch nicht gebaut, nur eine trbe Ahnung von ihm.
  ber Deinen Schpfungen der Schnheit liegt der Nebel von Trnen.
  Ich will meine Lieder in Dein stummes Herz gieen und meine Liebe in
      Deine Liebe.
  Ich will Dich anbeten mit Arbeit.
  Ich habe Dein zartes Antlitz gesehen, und ich liebe Deinen traurigen
      Staub, Mutter Erde.




74


  Im Empfangssaal der Welt sitzt der einfache Grashalm auf demselben
      Teppich mit dem Sonnenstrahl und den Sternen der Mitternacht.
  So teilen meine Lieder ihre Pltze im Herzen der Welt mit der Musik
      der Wolken und Wlder.
  Aber Du, reicher Mann, Dein Reichtum hat nichts von der einfachen
      Gre des frhlichen Sonnengolds und des milden sinnenden
      Mondenschimmers.
  Der Segen des allumarmenden Himmels ist nicht darber ausgegossen.
  Und wenn der Tod erscheint, bleicht er und dorrt er und zerfllt in
      Staub.




75


  Um Mitternacht sprach er zu seinem Herzen:
  "Jetzt ist es Zeit, mein Heim aufzugeben und Gott zu suchen. Ach, wer
      hat mich so lange hier im Wahn gehalten?"
  Gott flsterte: "Ich", aber des Mannes Ohren waren verschlossen.
  Mit dem schlummernden Kind an der Brust lag sein Weib, friedlich
      schlafend, neben ihm auf dem Lager.
  Der Mann sagte: "Wer seid Ihr, die Ihr mich so lange genarrt habt?"
  Die Stimme sagte wieder: "Diese sind Gott", aber er hrte es nicht.
  Das Kind schrie auf im Traum und schmiegte sich eng an die Mutter.
  Gott gebot: "Halt, Du Tor, verla Dein Heim nicht", aber noch immer
      hrte er nicht.
  Gott seufzte und sagte traurig: "Warum verlt mich mein Diener, wenn
      er mich suchen geht?"




76


  Jahrmarkt war vor dem Tempel. Es hatte geregnet vom frhen Morgen an,
      und der Tag neigte seinem Ende zu.
  Lichter als alle Frhlichkeit der Menge war das lichte Lcheln eines
      Mdchens, das fr einen Pfennig eine Palmenpfeife gekauft hatte.
  Die schrille Freude dieser Pfeife schwebte ber allem Lachen und Lrm.

  Ein endloser Zug von Leuten kam und drngte sich. Die Strae war
      kotig, der Flu im Steigen, die Felder unter Wasser in
      unaufhrlichem Regen.
  Grer als alle Kmmernisse der Menge war der Kummer eines kleinen
      Knaben -- er hatte nicht einen Pfennig, sich einen bunten Stock zu
      kaufen.
  Seine ernsten Augen, die sehnschtig nach dem Laden starrten, machten
      dieses ganze Menschengewhle so jammervoll.




77


  Der Arbeiter und sein Weib vom Westland sind fleiig, Ziegel zu
      stechen fr die Darre.
  Ihre kleine Tochter geht zur Landungsstelle am Flu; da hat es kein
      Ende mit Scheuern und Schrubben von Tpfen und Pfannen.
  Ihr kleiner Bruder, mit rasiertem Kopf und braun, nackt, die Glieder
      kotbespritzt, folgt hinterdrein und wartet geduldig am hohen Ufer
      auf ihre Weisung.
  Sie geht wieder heim, mit dem vollen Kruge frei auf dem Haupt, den
      blinkenden Messingtopf in der Linken, an der Rechten das Kind --
      sie, die kleine Dienerin ihrer Mutter, ernst von der Last der
      huslichen Sorgen.

  Eines Tages sah ich diesen nackten Jungen mit ausgestreckten Beinen
      sitzen.
  Im Wasser sa seine Schwester und rieb mit einer Handvoll Erde ein
      Trinkgef und drehte es um und um.
  In der Nhe graste ein weichwolliges Lamm das Ufer entlang.
  Es kam dicht heran, wo der Junge sa, und blkte pltzlich laut, und
      das Kind fuhr auf und schrie.
  Seine Schwester lie ab vom Reinigen des Topfs und lief hin.
  Sie nahm ihren Bruder in einen Arm und das Lamm in den andern und
      teilte ihre Liebkosungen zwischen beiden, mit ~einem~ Band der
      Liebe die Sprlinge von Tier und Mensch vereinend.




78


  Es war im Mai. Der schwle Mittag schien endlos lang. Die drre Erde
      schmachtete vor Durst in der Hitze.
  Da hrte ich vom Flu her eine Stimme rufen: "Komm, Liebling!"
  Ich schlo mein Buch und ffnete das Fenster, um hinauszuschauen.
  Ich sah einen groen Bffel, das Fell beschmutzt, mit friedlichen,
      geduldigen Augen am Flusse stehn; und ein Junge, knietief im
      Wasser, rief ihn zur Schwemme.
  Ich lchelte sinnend, und ein Hauch sen Friedens berhrte mein Herz.




79


  Oft frage ich mich, wo verborgen liegen des Erkennens Grenzen zwischen
      Mensch und Tier, dessen Herz keine gesprochene Sprache kennt.
  Durch welches Ur-Paradies lief an einem fernen Schpfungsmorgen der
      schlichte Pfad, auf dem sich ihre Herzen trafen?
  Jene oft getretenen Spuren sind noch nicht verwischt, wenn auch ihre
      Verwandtschaft vergessen ist.
  Doch pltzlich zu irgendeiner wortlosen Musik erwacht das dunkle
      Erinnern, und das Tier blickt in des Menschen Antlitz mit
      zrtlichem Vertrauen, und der Mensch schaut nieder in seine Augen
      mit sinnender Zuneigung.
  Es ist, als ob die beiden Freunde sich in Masken treffen und einander
      unter der Verkleidung leise ahnen.




80


  Mit einem Blick aus Deinen Augen, schne Frau, knntest Du all den
      Liederreichtum plndern, der aus der Dichter Harfen tnt!
  Doch fr ihre Loblieder hast Du kein Ohr, darum will ich Dein Lob
      singen.
  Vor Deine Fe knntest Du der Erde stolzeste Hupter beugen.
  Doch die Du erwhltest, Deine Geliebten und Angebeteten, kennen den
      Ruhm nicht, darum verehr' ich Dich.
  Die Schnheit Deiner Arme brchte mit ihrer Berhrung kniglichem
      Glanze Ruhm.
  Doch Du gebrauchst sie, um den Staub zu kehren und Dein bescheidnes
      Heim rein zu halten, darum bin ich erfllt von Ehrfurcht.




81


  Was flsterst Du mir so leise ins Ohr, o Tod, mein Tod?
  Wenn die Blumen am Abend ihre Kpfe senken und das Vieh heimkehrt in
      seine Stlle, kommst Du verstohlen an meine Seite und redest
      Worte, die ich nicht verstehe.
  Mut Du ~so~ freien und werben um mich, mit dem betubenden Gift
      einschlfernden Murmelns und kalter Ksse, o Tod, mein Tod?

  Wird es denn keine stolze Feier geben fr unsre Hochzeit?
  Willst Du nicht mit einem Kranz Deine braungeringelten Locken
      umwinden?
  Ist da keiner, der Dir die Fahne vorantrgt, und wird die Nacht nicht
      in Flammen stehn von Deinen roten Fackeln, o Tod, mein Tod?

  Komm mit dem Klang Deiner Muscheltrompeten, komm in der schlaflosen
      Nacht.
  Kleide mich in einen Purpurmantel, fa meine Hand und nimm mich.
  La vor meiner Tr Deinen Wagen bereit sein mit Deinen ungeduldig
      wiehernden Rossen.
  Heb meinen Schleier und blick mir keck ins Gesicht, o Tod, mein Tod!




82


  Wir mssen das Spiel des Todes spielen heut Nacht, meine Braut und
      ich.
  Die Nacht ist schwarz, die Wolken jagen sich mutwillig am Himmel, und
      die Wogen wten im Meer.
  Wir haben den Pfhl unsrer Trume verlassen, die Tr aufgestoen und
      sind herausgekommen, meine Braut und ich.
  Wir sitzen auf einer Schaukel, und die Sturmwinde geben uns einen
      wilden Sto von rckwrts.
  Meine Braut fhrt auf vor Furcht und Lust, sie zittert und schmiegt
      sich an mein Herz.
  Lang habe ich ihr in Liebe gedient.
  Ich bereitete fr sie ein Lager von Blumen, und ich schlo die Tren,
      um das zudringliche Licht fernzuhalten von ihren Augen.
  Ich kte sie sacht auf die Lippen und flsterte ihr leise ins Ohr,
      bis sie halb ohnmchtig wurde vor Sehnsucht.
  Sie war verloren in dem endlosen Nebel trunkener Se.
  Sie antwortete nicht auf meine Berhrung, meine Lieder vermochten sie
      nicht zu erwecken.
  Heut Nacht ist der Ruf des Sturms aus der Wildnis zu uns gekommen.
  Meine Braut erschauerte und stand auf; sie ergriff meine Hand und trat
      heraus.
  Ihr Haar fliegt im Wind, ihr Schleier flattert, und der Kranz, der um
      ihren Nacken hngt, raschelt auf ihrer Brust.
  Der Sto des Todes hat sie ins Leben geschwungen.
  Wir stehen Antlitz in Antlitz und Herz an Herz, meine Braut und ich.




83


  Sie wohnte bei den Hgeln am Rand eines Maisfelds, nahe der Quelle,
      die in lachenden Sprudeln durch die feierlichen Schatten alter
      Bume fliet. Die Frauen kamen dahin, ihre Krge zu fllen, und
      Wandrer pflegten da zu rasten und zu plaudern. Sie arbeitete und
      trumte tglich zur Weise des murmelnden Flusses.

  Eines Abends kam der Fremde hernieder von dem wolkenbedeckten Gipfel;
      seine Locken waren wirr geringelt wie schlfrige Schlangen. Wir
      fragten verwundert: "Wer bist Du?" Er antwortete nicht, sondern
      setzte sich an den geschwtzigen Flu und blickte schweigend nach
      der Htte, wo sie wohnte. Unsre Herzen bebten in Angst und wir
      kamen heim, als es Nacht war.

  Am nchsten Morgen, als die Frauen Wasser holen kamen bei der Quelle
      unter den Deodar-Bumen, fanden sie die Tren offen in ihrer
      Htte, aber ihre Stimme war fort und wo war ihr lchelndes
      Antlitz? Der leere Krug lag auf dem Boden, und ihre Lampe in der
      Ecke war ausgebrannt. Niemand wute, wohin sie geflohen war, ehe
      der Morgen graute -- und der Fremde war fort.

  Im Maienmond wurde die Sonne hei, und der Schnee schmolz, und wir
      saen an der Quelle und weinten. Wir fragten uns in unserm Sinn:
      "Gibt es in dem Land, wohin sie gegangen ist, eine Quelle, wo sie
      ihren Krug fllen kann in diesen heien, durstigen Tagen?" Und wir
      fragten einander bange: "Gibt es hinter diesen Hgeln, wo wir
      leben, ein Land?"

  Es war eine Sommernacht; von Sden strich die Brise, und ich sa in
      ihrem verlassenen Zimmer, wo die Lampe noch immer unangezndet
      stand. Als pltzlich vor meinen Augen die Hgel schwanden, wie zur
      Seite gezogene Vorhnge. "Ah, sie ist es, die kommt. Wie geht es
      Dir, mein Kind? Bist Du glcklich? Aber wo kannst Du herbergen
      unter diesem offenen Himmel? Und, ach! unsere Quelle ist nicht da,
      um Deinen Durst zu lindern."

  "Hier ist der selbe Himmel", sagte sie, "nur frei von den engenden
      Hgeln, -- das ist der selbe Flu, zum Strom gewachsen, -- die
      selbe Erde, in eine Ebene geweitet." "Alles ist da," seufzte ich,
      "nur wir nicht." Sie lchelte traurig und sagte: "Ihr seid in
      meinem Herzen." Ich wachte auf und hrte das Murmeln des Flusses
      und das nchtliche Rauschen der Deodars.




84


  ber die grnen und gelben Reisfelder fegen die Schatten der
      Herbstwolken, verfolgt von der rasch jagenden Sonne.
  Die Bienen vergessen ihren Honig zu nippen, trunken von Licht taumeln
      und summen sie nrrisch durcheinander.
  Die Enten auf den Inseln im Flu schreien vor Freude, ohne jeden
      Anla.
  Lat niemanden heimgehn, Brder, diesen Morgen, lat niemand an die
      Arbeit gehn.
  Lat uns den Himmel im Sturm nehmen und den Raum plndern im Laufen.
  Lachen schwebt in der Luft wie Schaum auf der Flut.
  Brder, lat uns unsern Morgen vertun mit unntzen Liedern.




85


  Wer bist du, Leser, der meine Lieder heut ber hundert Jahre lesen
      wird?
  Ich kann Dir nicht eine einzige Blume schicken von diesem
      Frhlingsreichtum, keinen einzigen Streifen Gold aus den Wolken
      droben.
  ffne Deine Tr und blicke hinaus.
  In Deinem blhenden Garten pflcke duftende Erinnerungen an die
      entschwundenen Blumen vor hundert Jahren.
  In der Freude Deines Herzens magst Du die lebendige Freude fhlen, die
      an einem Frhlingsmorgen sang und ihre frohe Stimme hinaussandte
      ber hundert Jahre.




ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES BERSETZERS


Zu Gedicht:


1: _Saptaparna_ (Alstonia scholaris), Siebenblatt, nach der Zahl seiner
quirlfrmig gestellten Bltter benannter Baum.

_Aoka_ (Jonesia Asoka), ein dem Schiva heiliger Baum. Es heit, da
die Berhrung eines Frauenfues ihn zum Blhen bringe.


10: _Glckszeichen_. Jeder fromme Hindu zeichnet am Morgen nach dem
Bad seine Stirn mit dem heiligen Zeichen (pundra oder tilaka), das bei
einzelnen Sekten verschieden ist, bald bogenartig, bald kreisfrmig,
mitunter von drei horizontalen Linien (tri-pundra) gebildet.


14: _Kokil, Kol_ (Sanskrit kokila), ist der indische Kuckuck
(eudynamis orientalis), der sehr schn singt.


16: _Henna_ (aus dem Arab. hina), Blattpflanze (lawsonia inermis). Der
rote Saft wird zum Frben der Handteller und Fusohlen verwendet.


17: _Kusm_, Sanskrit Kusumbha, Name fr echten Safran (crocus sativus)
und unechten (carthamus tinctorius). Aus den Blttern des unechten
Safran wird ein roter Farbstoff gewonnen. _Kadam_, Sanskrit Kadamba
(Nauclea Cadamba), Baum mit orangefarbener duftender Blte.


64: _Ashath_, Sanskrit Avattha, eine Feigenbaumart (ficus religiosa),
die heilig geachtet wird wie der fr Indien charakteristische vata
(ficus indica, die sog. Luftwurzelfeige; vergl. Gedicht 13). Der
Avattha schlgt Wurzel in die Spalten anderer Bume, in Mauern und
Huser und zerstrt sie.


83: _Deodar_ (devadaru, eigentlich Gtterbaum), eine Kiefernart
(Pinus Deodora). Nach Wilson bezieht sich dieser Name in Bengalen auf
Uvaria longifolia. Pinus Deodara wchst in einer Hhe von 6000 bis
12000 Fu ber dem Meere.

Die deutsche bersetzung ist in mglichster Anlehnung an die
englische bertragung gearbeitet, die englische Satzmelodie wurde
meist nachgeahmt, jeder gesteigerte Rhythmus wurde vermieden. Bei
den Anmerkungen danke ich vieles der Freundlichkeit des Berliner
Sanskritisten, Herrn Prof. Heinrich Lders.




INHALTSVERZEICHNIS


  Vorwort des Dichters                                     V

  Der Grtner                                              1

  Dichter, der Abend zieht herauf                          4

  Am Morgen warf ich mein Netz aus                         6

  Ach warum bauten sie mein Haus                           7

  Ich bin friedlos                                         9

  Der zahme Vogel war in einem Kfig                      11

  O Mutter, der junge Prinz mu an unsrer Tr
  vorberkommen                                           13

  Als die Lampe an meinem Bett ausging                    15

  Wenn ich nachts zum Stelldichein gehe                   17

  La Deine Arbeit, Braut                                 18

  Komm wie Du bist                                        20

  Wenn Du einmal fleiig sein willst                      22

  Ich bat um nichts                                       24

  Ich wanderte die Strae entlang                         26

  Ich laufe wie ein Bisam luft                           28

  Hnde schlingen sich in Hnde                           29

  Der gelbe Vogel singt auf ihrem Baum                    31

  Wenn die zwei Schwestern Wasser holen gehn              33

  Du gingst den Uferweg am Flu                           34

  Tag fr Tag kommt er                                    35

  Was trieb ihn                                           36

  Als sie mit schnellen Schritten an mir vorberging      37

  Warum sitzt Du da                                       38

  Behalt es nicht fr Dich                                39

  Komm zu uns, Jngling                                   40

  Was aus Deinen willigen Hnden kommt                    41

  Traue der Liebe                                         42

  Deine fragenden Augen sind traurig                      43

  Sprich zu mir, Geliebter                                45

  Du bist die Abendwolke                                  46

  Mein Herz, der Vogel der Wildnis                        47

  Sag mir, ob das alles wahr ist                          48

  Ich liebe Dich, Geliebter                               50

  Geh nicht, Geliebter                                    52

  Da ich Dich nicht zu leicht erkenne                    53

  Er flsterte                                            54

  Wrdest Du Deinen Kranz                                 55

  Liebste, vor langem einmal                              56

  Ich versuche einen Kranz zu winden                      57

  Ein unglubiges Lcheln huscht ber Dein Antlitz        58

  Ich sehne mich, die tiefsten Worte zu sprechen          59

  Du Toller, herrlich Trunkener!                          61

  Nein, Freunde                                           64

  Ehrwrdiger Vater                                       65

  Den Gsten, die gehen mssen                            67

  Du lieest mich und gingst Deinen Weg                   68

  Wenn Du es so haben willst                              70

  Befrei mich von den Banden                              71

  Ich halte ihre Hnde                                    72

  Geliebte, mein Herz sehnt sich Tag und Nacht            73

  Vollende denn das letzte Lied                           74

  Warum ging die Lampe aus                                75

  Warum machst Du mich errten                            76

  Wohin eilst Du mit Deinem Korb                          78

  Es war Mittag, als Du fortgingst                        79

  Ich war eine von den vielen Frauen                      81

  Ich pflckte Deine Blume                                83

  Eines Morgens im Blumengarten                           84

  O Weib, Du bist nicht allein Gottes Geschpf            85

  Mitten im Gedrnge und Lrm                             86

  Still, mein Herz                                        87

  Den dmmrigen Pfad eines Traumes ging ich               88

  Wanderer, mut Du gehn?                                 89

  Ich verbrachte meinen Tag                               91

  Bist Du es wieder, die ruft?                            93

  Ein wandernder Narr suchte den Stein der Weisen         95

  Ob auch der Abend kommt                                 97

  Keiner lebt fr immer                                   99

  Ich jage nach dem goldnen Hirsch                       101

  Ich denke zurck an einen Tag                          102

  Der Tag ist noch nicht um                              103

  In Tagen harter Arbeit                                 106

  Unendlicher Reichtum ist nicht Dein                    108

  Im Empfangssaal der Welt                               110

  Um Mitternacht sprach er zu seinem Herzen              111

  Jahrmarkt war vor dem Tempel                           112

  Der Arbeiter und sein Weib                             113

  Es war im Mai                                          115

  Oft frage ich mich                                     116

  Mit einem Blick aus Deinen Augen                       117

  Was flsterst Du mir so leise                          118

  Wir mssen das Spiel des Todes spielen                 119

  Sie wohnte bei den Hgeln                              121

  ber die grnen und gelben Reisfelder                  124

  Wer bist Du, Leser                                     125

  Anmerkungen und Nachwort des bersetzers               127


[Illustration]

                               Gedruckt
                           im Frhjahr 1921
                         bei Poeschel & Trepte
                              in Leipzig
                                   *






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1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
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opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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with this agreement, and any volunteers associated with the production,
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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