﻿The Project Gutenberg EBook of Schneeberger Schützenmittwoch vor
fünfizig Jahren, by Guido Meyer

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Title: Schneeberger Schützenmittwoch vor fünfizig Jahren

Author: Guido Meyer

Release Date: August 13, 2017 [EBook #55352]

Language: German

Character set encoding: UTF-8

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    Schneeberger Schützenmittwoch
    vor fünfzig Jahren.

    Von _Guido Meyer_, Bamberg.

    Verlag: Br. Fr. Goedsche's Buchhandlung
    (Karl Schmeil) Schneeberg i. Erzgebirge.

    1915.

    Druck: C. M. Gärtner, Schneeberg und Aue.
    Sonderabdruck aus dem Erzgeb. Volksfreund.




Nachdruck verboten.




Nur wenige alte Schneeberger werden sich noch auf die ehemalige
Kommunalgarde entsinnen können. Schreiber dieser Blätter war zur Zeit
ihrer Auflösung, im Jahre 1853, noch »Einjähriger« beim Regiment Milch
und Zwieback und so kann er nur vom Hörensagen berichten, daß sie aus
700 Mann bestanden hat, die in neun Kompagnien eingeteilt waren.

Der Buchbindermeister Lehmann, Gott hab ihn selig, hat es mir gesagt
und dabei versichert, daß er nie im Leben gelogen habe, nämlich, daß
fünf dieser Kompagnien nicht mit Gewehren, sondern mit Lanzen, Spießen
und Knüppeln, die Bäcker mit Ofengabeln und die Essenkehrer sogar mit
Reisigbesen bewaffnet gewesen wären. -- Bei Fürstenbesuchen hätten die
Letzteren nicht mit ausrücken dürfen, weil sie mit Ofengabeln und Besen
doch nicht gut hätten »präsentieren« können.

Aber von den Feuerschützen, war die von der k. privilegierten
Schützengesellschaft gestellte erste Kompagnie in militärischer
Feuerdisciplin ausgebildet -- damals bestanden noch 24 Tempo zum laden
und feuern -- und da die Patronen mit den Zähnen abgebissen werden
mußten, konnten nur Männer eingestellt werden, die ein gesundes,
natürliches Gebiß besaßen.

All diesen Vorzügen hatte es diese erste Kompagnie zu verdanken, daß
sie allein, unter Beibehaltung der Gardeuniform, als die »Schneeberger
Schützenkompagnie« fortbestehen durfte und so konnte man sie noch bis
zum Jahre 1888 in ihrer, wie soll ich sagen -- kleidsamen Schneidigkeit
oder schneidigen Kleidsamkeit, bewundern.

Freilich, so ganz uniform waren diese alten Gardeuniformen nicht.
Da sie in vielen Fällen vom Vater auf den Sohn vererbt wurden, kam
es zuweilen vor, daß, je nach dem Körperumfang des Vor- -- oder
Nachbesitzers bei dem Einen recht gespannte Verhältnisse zutage traten,
dort wieder das Bild einer verschrumpelten »Aeppelspalke« zeigte.
Wieder bei einem Dritten, der von Natur etwas zu kurz weggekommen ist,
peitschten die Rockschößen die Kniekehlen und beim Vierten bedeckten
sie nur das nötigste mit -- Nacht und Grauen. Auch das Dunkelblau der
Waffenröcke verriet so manche Mißhelligkeit und das Rot der Vorstöße
hatte wohl neunerlei Variationen. Daß hie und da einmal zwischen den
gelben, blanken Knöpfen ein weißer glänzte, fiel nicht weiter auf.

An die bonapartische Zeit erinnerte der »Schützenhut«, ein, allerdings
nicht quer aufgesetzter, Schiffshut, den ein wehender, weißer, bei
der Musik rotweißer Federbusch zierte. Diese Admiralshüte dünkten uns
Jungen für viel vornehmer, als die schmucklosen Ledertschakos der
Neustädtler Schützen.

Eine Ausnahme in der Kopfbedeckung machten die _Schanzer_, auch
Zimmerlinge genannt: Sie trugen hohe Bärenmützen aus Pelzwerk, wodurch
diese bärtigen Gesellen ein martialisches Aussehen bekamen. Ein großes
ledernes Schurzfell bedeckte ihre Lenden, aber mit ihrem Schanzzeug
haben sie wohl nie einen Spatenstich getan, nie einen Baum gefällt.

Kleinere, zottige Schutzfelle trugen auch die Trommler am linken
Bein, damit die langen, aus der Landsknechtzeit stammenden Trommeln
die Hosen nicht durchwetzen konnten. Auch rote Epauletts mit roten
Franzen, nach französischem Muster trugen sie. -- Ihr Tambourmajor, der
Pflastermeister Thierfelder, bot in seinen blendendweißen Hosen und
seinen weißen Gamaschen, die in Kanonenstiefeln staken, einen ebenso
originellen, wie imposanten Anblick. Meisterlich verstand er es, seinen
goldblitzenden Tambourstab nach dem Takte der Musik in die Luft zu
werfen und nach einer Reihe von Schritten wieder aufzufangen.

Die Offiziere trugen als besonderes Abzeichen ein halbmondförmiges
goldenes Brustschild und der Schützenkönig, meist in Zivil, sein
silbernes Schildgehänge, das noch heute die Brust des Schützenkönigs
ziert.

Die »Volontäre«, das waren die nichtuniformierten Schützen sind erst
_nach_ meiner Zeit mit ausgerückt. Sie mögen mit ihren schwarzen
Cylinderhüten wohl stark an die Besengarde der Essenkehrer erinnert
haben und ihnen, nicht zum wenigsten auch ihrer ewigen Hänselei, ist
es zu verdanken, daß all die Herrlichkeit der blitzenden Uniformen
der bequemen Joppe und dem Jägerhute mit Gemsbart und Spielhahnfeder
weichen mußte.

Aber in diesen Blättern sollen sie wieder aufleben, die alten
biederen Schützen im Königsrock und einer jener feuchtfröhlichen
Schützenmittwoche aus Väterzeiten soll wieder schimmern in
pfingstsonnigem Glanz.

       *       *       *       *       *

Bumderrrabum! -- Durch die altehrwürdigen Gassen Schneebergs trommelten
die Leichsenringe in sonniger Morgenfrühe den Schützenweckruf:

    Kamerad kumm! Kamerad kumm!
    Sollst zu deinem Hauptmann kumm!
    Sollst en Buckel voll Prügel bekumm! ...

Da krochen die Schützen heraus aus den Betten und hinein in die
schwarzen Schützenhosen und als dann die Glocken von St. Wolfgang
die achte Stunde verkündet hatten, da hörte man bald hier, bald dort
eine Haustüre klingeln und nun: »Kommt der Schütz gezogen, früh im
Morgenstrahl.«

Auch der Falke Gust erschien im Rahmen seiner Haustüre in voller
Schützenuniform, das Kuhbein auf der Schulter. Aber nicht wie die
anderen konnte er spornstreichs dem Stellungsplatze zu, enteilen, denn
seine bessere Ehehälfte, die Miene, war hinter ihm erschienen und hielt
ihn am Kuppel fest. Sie hatte ihm noch einige gute Ermahnungen mit auf
den Weg zu geben und eindringlich sprach sie auf ihn hinein: »Doß de mr
fei zemittig zun Assn aham kimmst, Gust! ich soog drsch fei!« Der Gust
aber begehrte auf: »Du denkst wuhl, en Harigschwanz un e paar Aadippeln
halber laatsch ich zemittig vun Schießhaus aham? iech waß noch net
emol, öb ich zun Ohmdsassen aham kumm, do werschte mit 'n Bittlich schu
allaa fartig warn.«

Da wurde die Miene aber rackerig, sie schrie fast: »Wos, du Lumig!
Mei Assn is dr wuhl net gut soot! -- Freilich, fer miech is alles
gut, dei Fraa kah sich drham rimschindn un ploong, wenn du när draußn
bei 'n Schitznbriedern klaam bleim un aa Dippl Lager noonge annern
neischmattern kast in de Unendlichkeit, de werscht schu drfür sorring,
doß de net ze korz kimmst. -- Morring in hallichter Frien kimmste wiedr
esu windschief ahgeland wie vunnegahr, wu de mit'n Schlissl de ganze
Haustir zrkrahlt host, weil de 's Schlisslloch net drwischn kunntst.
-- Dos soog iech dr Gust! iech mach dr fei nimmer auf, meitwaang kaste
noochert draußn bei dr Vuglstang kampirn«. -- Da hellte sich plötzlich
ihr Gesicht auf, mit einem Schub gab sie ihren Gust frei und rief dem
Davoneilenden triumpfirend nach: »'s is när gut, doß wos gut drfir
is!« -- Dann trat sie hinaus auf die Straße, sah ihm nach, so lange
sie ihn sehen konnte und flüsterte ganz glückselig: »E schiener Karl
is 'r doch, mei Gust in seiner Schützenuniform. Freilich, wenn 'r
sist vun Ufenausputzn aham kimmt, do sieht 'r esu dracket aus, wie e
geraachertr, ins Aschnloch neigeporzelter Schwartnmoong.«

Inzwischen schritt Gust eilends den Kasernenberg hinauf, er hatte den
Nachruf seiner Miene noch gehört, nun lachte er stillvergnügt vor sich
hin und sagte halblaut: »Gieh när du alter Geizkroong! mit dan halm
Toler, dan de mr mietgaam host, kah ich mr freilich kan Utan-Urang
kaafn, obr de hast schu racht Alte: 's is när gut, doß wos gut drfir
is!« Bei den letzten Worten hatte er sich umgedreht und als er die
Miene noch drunten stehen sah, schlug er sich an die Schützenbrust, wo
in einer verborgenen Tasche einige größere Geldstücke klimperten und
da er jetzt außer Hörweite war, rief er laut: »Do sitzn de Mussekantn,
Moses un de Profetn!« -- Hohnlachend verabschiedete er sich mit den
Worten: »Du Schoof, du dumms!« Er bemerkte es gar nicht, wie der
Bäckermeister Förster, der hemdärmelich unter seiner Türe stand, ihm
verständnisinnig zunickte.

Das »dumme Schoof« aber, trat strahlenden Gesichts den kurzen Heimweg
an und die kirschroten Lippen hauchten: »Ach Gottle! er hoot sich noch
emol imgedreht nooch mr, ahgelacht hoot 'r mich un zugenickt hoot 'r
mr, sugar de Hand hoot 'r ofs Harz gelegt! 'r is mr doch noch racht
gut, mei Gust -- -- iech ne obr ah! Ich will se 'n när gönne, Bei
Schitzenmietewoch, er is doch sist es ganze Gahr esu brov.« -- --

Auf ihrem Sammelplatz draußen in der Grießbächer Gasse standen die
Schützen in plaudernden Gruppen beisammen. Die einen freuten sich in
festfroher Stimmung über das prachtvolle Pfingstwetter, andere sprachen
über die neuesten Kriegsereignisse in Schleswig-Holstein. Wieder andere
kritisierten die vorübergehenden Passanten.

Der kleine, schmächtige Reichelt Heinrich streckte die Hand nach
der Apotheke zu aus und rief: »Guckt när, guckt, dort vorne die
dicke Pfanneschmidtn, die hoot doch vrdeckis e Krineline ah wie
ene Reitschul! sollt mr dä net maane, de gruße Glock wacklet dorte
rim?« -- Da krähte der Klinge Schneider: »Hatt'rsch dä schu gesah?
es Klemperstötzel schwenkt fei itze sunntigs ah mit ener Krineline
rim! Schockweiß sei de Gunge hintnnoch geloffn un ham geschriern:
Klemperstötzel, trat fei net of deine Faßreifn! -- Wos die danne Gunge
wieder ennoochgeschriern hoot, kennt'r eich denkn.«

Vorn, am Feineeck standen die Trommler, die Leichsenringe mit den
Zimmerlingen zusammen. Ihr Gespräch drehte sich um die Person ihres
Tambourmajors, der an einsamer Tête, jeder Zoll ein Feldherr, die
Rechte weit abgestreckt auf dem Knauf seines Tambourstabes gestützt, in
unnahbarer und unnachahmlicher Grandezza stand.

Der Leichsenring August meinte: »Wie aus Staa gemeislt stitt'r dorte,
mr mecht ball maane, er wär e General un kummedieret's Ganze.«

Der Traugott lachte: »Emol is 'r odr doch mit zamst sen Stolz nei in
Drack geflung. Vor e Gahrer dreie, viere warsch wuhl, ben Schitznauszug
do hoot'r draußn vr dr Hauptwach 's Trompetl vrsaah, grod wollt'r sen
Stackn wiedr auffange, do is 'r iebr en grußn Pflastrstaa gestolpert un
mit zamst sen Stackn, dan'r gerod noch drwischt hoot, loog'r ofn Bauch.
Fix wie dr Teifl war'r freilich wiedr auf, odr en grußn blutrutn Flack
hatt'r of seiner weißn Huus, dar immer grässer war. Ben Hieplumpsn
hoot sei Flaschl mit Kersch un Rum drah gelaam missn un war guttegahr
ausgeloffn. -- Dar luus sich odr fei net faag findn, sen Stackn hoot'r
akkerat esu in de Luft gefeiert, als wenn gar nischt gepassirt wär.

Wie mr naus kumme sei vr Schießhaus, war de Huus wiedr treich, odr
ahgeklabbt war'sche wie geleimt ofs linke Baa. Ne annern Toog is'r
obr kumme mit seinr Rammel un hoot dan Pflasterstaa korz und klaa
gepucht.« -- --

Bei den Musikern bewegte sich das Gespräch in höheren Sphären, man
sprach vom Schneeberger Theater.

Die ~B~-Klarinette, der Bretschneider-Fritz, vertrat die Meinung, daß
der Direktor Leichsenring seinen Erfolg nur dem Umstand zu verdanken
habe, daß er ein geborener Schneeberger sei. Aber die ~A~-Klarinette
machte es: »Papperlapapp! E paar scheene Larven sin's, die's Deater
voll machen. Der schöne Retzlaff, der die Weibsen drei Meiln im Umkreis
verrickt gemacht hat -- und die Freilein Wesche, derzulieb jeder
Rotzlaff ins Deater rennt.«

»Halt eire Klarenettenschnäbel!« warf der Flötist Schürer ein: »Wie
warsch denn neilich in der Regimentstochter, wo die Wesche die Marie
gesunge hat? da hat doch von eich zween kee Luder mehr uff de Noten
geguckt, da hab ich mit der Fleet egal einspringen missen, sonst wär's
zweete Regiment fei nich 'rangerickt.«

»Ei ei ei!« heuchelte die ~C~-Trompete, der lange Dörfel: »Aber Kunst,
werkliche Kunst is doch ooch derbei. Der Wurm, er is freilich kee
Adonis, denn en Buckel hat er, wie e Dromedar, aber singe kann der --
singe, mer gloobt ne Devrient zu heern.«

»Hostn du schu emol ne Devrient geheert?« höhnte der Posaunist Greiner.
»Du bist doch noch net zum Loch naus kumme, hechstns emol nieber of'n
Auer Garmerich.«

»Meenste? -- Da frag emal ne dicken Bretschneider, mir warn erscht vor
Korzen in Leipzig, im Gewandhauskonzert.« »Hatt'r ah miet geblosn?«
grinste die ~Es~-Trompete, der Heimtücker Strubelt, aber der dicke
Bretschneider schnauzte ihn an: »Du, herrschte Strubelt, der, der dorte
die Tuba geblasen hat, der konnt's anderscht wie du, da gabs keene
Mißtön, wie du se mannichsmal aus deiner Kanone nausfeierscht«.

Die Tuba aber gab schlagfertig und bissig zurück: »Esu natierlich
klinge se freilich net wie die, die du ze denn Fagott nausprasselst«.
Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Am lautesten aber lachte
der lahme Bretschneider und es war schon mehr ein Giebsen, als er rief:
»Un ah net esu laut, wie dar Kanuneschuß neilich in dr Prob, aus'n
Anton sein Waldhorn!«

»Ho ich dich drwischt!« brüllte der Wünsch Anton. »Ka annerer Mensch is
gewasn als du, dar mr salt dan Papierstöppel in's Mundstick neigedreht
hoot.« --

»Vertragt euch doch, Kinder!« mahnte jetzt der Konzertmeister Reiser.
»Was sollen denn die Leute von euch denken, wenn sie euren Dischput
hören!«

Und richtig, der Weiß Potscher, der in der Nähe gestanden hatte,
mischte sich ein. »Wissn se, Herr Reiser«, sagte er, »'s Blosn mit dr
Gusch is schwar, iech hoo's ah schu probiert, ich wollt doch salber e
Mussegant warn, odr ich kunnt noch esu schie neiblosn ins Trumpetl, 's
is doch allemol esu garschtig wiedr rauskumme.«

Drüben an der Ladentüre der Langapotheke stand, bei seinem Freund
Heyner, der Stadtmusikdirektor Meyer und erzählte von seinen
Monstrekonzerten, die er als hannöverscher Musikmeister mit acht
vereinigten Militärkapellen vor Sr. Majestät dem König Ernst August
veranstaltet hatte. Da erscholl das Kommando: »Antreten!«

Meyer reichte Heynern die Hand zum Abschied, mit den Worten: »Siehste
Heyner, _so_ hat mir Majestät die Hand gedrückt und dabei gesagt:
»Meyer, das war eine Glanzleistung von Ihnen.««

Heyner zog bei dem Händedruck erst das eine, dann das andere Bein in
die Höhe, jetzt fing er an zu tanzen und schrie: »Autsch! Dunnerwetter!
Hol der Teufel Deine Glanzleistung!« -- Da legte Meyer seine
weißbehandschuhte Rechte salutierend an den goldverbrämten Dreimaster
und mit einem Lächeln der Befriedigung auf den Lippen, schritt er zu
seinen Leuten hinüber.

Inzwischen waren die Schützen in vier Gliedern angetreten. Feldwebel
Schmidt entnahm seiner dicken Brieftasche eine Liste und verlas aus
derselben die Namen der Gardisten. In allen Tönen, aus der hellsten
Schneiderkehle, bis zum dröhnenden Böttcherbaß, erklang das »Hier!«
Nur einmal blieb es aus, als der Laternenwärter Leichsenring, vulgo
Hosenbummel, aufgerufen wurde.

»Auf den wird nicht gewartet, der ist sowieso schon zu alt für den
Dienst«, entschied der Hauptmann Röder. Er wollte das Schwert ziehen,
aber das ging nicht so leicht. Korporal Günther (der Planitzer)
half ihm ziehen, da gab es einen Ruck, der Säbel flog heraus und
der Hauptmann in die große Trommel, die wohl einen dumpfen Ton von
sich gab, aber Stand hielt. Günther hatte sich an den dicken Höfer
angeklammert, der ebenfalls einen knurrenden Ton von sich gab, aber
auch Stand hielt.

Als sich der Hauptmann von seinem Schreck erholt hatte, trat er an
die Front und wollte »Achtung« kommandieren, da rief der Vizekorporal
Kleinert: »Herr Hauptmann! dorte kommt der Bummel aus'n Apothekergässel
raus!«

»Der hat ja hellgraue Hosen an!« riefen gleich drei auf einmal. --
Des Hauptmanns Blicke verfinsterten sich und er knurrte dem Spätling
entgegen: »Zu spät kommen Sie und auch noch in einem solchen Aufzug?
Sie treten nicht ein!«

»Ich waß schu Herr Hauptmah, ich wollt mich ah när zer Schtell maldn.
Odr ich kah wassettersch nischt drfier, mei Schitznhus war untnrim
ausgetriefelt un do ho ich se heit frieh nauf zun Heisler Schneider
geschickt, dar soll se frisch eiseime, dar hoot mrsche odr net
wiedrgebracht. Grod kumm ich vunne har, net emal drham war'r.« -- In
diesem Augenblick flog ein Freudenschimmer über das Heldengesicht
Leichsenrings. »Herr Hauptmah« rief er aus; »Wartn se när noch fimf
Minutn; dorte kimmt dar Heislerschneider mit dr Hus iebern Arm im's
Richtereck rim.« Ohne eine Antwort abzuwarten, stürmte er davon, packte
den Häusler beim Kragen und schob ihn vor sich her in die Hausflur der
Garküche hinein.

Der Häusler Schneider hatte, während Leichsenring zu ihm gegangen war,
die fertige Hose zu diesem getragen. Da aber jeder einen anderen Weg
einschlug, hatten sie sich umgangen. Nun war der Häusler mit der Hose
nach dem Topfmarkt getrippelt, wo gewöhnlich die Aufstellung stattfand.
Hier war aber infolge eines Rohrbruches das Pflaster aufgerissen
und da er sich wegen seiner Stocktaubheit mit niemandem verständigen
konnte, war er aufs geradewohl hinüber nach der Ziegengasse getrippelt.
Als er da auch keine Schützen sah, nach der Griesbächer Gasse. Schon
von weitem hatte man ihn rufen hören: »Bebebummel! Bebebummel!«

Der Hauptmann hatte fünf Minuten gewartet, es wurden sechs, sieben
Minuten, Leichsenring kam nicht wieder. Da wurden zwei Schützen zur
Nachforschung abkommandiert, die alsbald in der Garküche verschwanden.
In der Hausflur hörten sie schon einen Mordsspektakel aus einem sonst
verschwiegenen Ort und als sie dort hineintraten, fanden sie den
Leichsenring in Socken und Unterhosen, wie er den Häusler Schneider
an die Wand gekreuzigt hielt und ihm eine Standrede hielt, über die
Dummheit: »Wie se in hunnerttausend Gahrn noch net dogewasn is un ah
net wiederkimmt.«

Als er der beiden Schützen ansichtig wurde, ließ er sein Opfer los.
»Gott sei getrummelt un gepfiffn!« rief er aus: »hot dä kaner vun Eich
e scharfs Masser eistackn?«

»De wärschtn doch net epper ohmorksn wolln?« fragte der Wittig Franz
entsetzt.

»Schoden kennts dan nischt, wenn'r emol ohgemorkst wür!« polterte
Leichsenring. »Do guckt när emol har, wos dos Kamel do fartig gebracht
hoot: meine Schitznhus hoot'r mr untn frisch eiseime solln un doderbei
hoot'r sche mr guttegar untn zugeneeht. Itze halft mr när aufschlitzn,
mit dan Brummochs -- wu is'r dä hie? -- war doch nischt ahzefange: Kah
Scheer, kah Messr drbei, blus de Schnupptewaksduhs hatt'r eistackn.«

Na, die Hose war schnell wieder aufgeschlitzt, sie triefelte zwar
wieder, wie zuvor, aber in kurzer Zeit stand Leichsenring in Reih und
Glied.

Nun erfolgten die Kommandos: »Achtung! Augen -- rechts! Richtung! Höfer
-- 'n Bauch nein! Augen -- geradaus! Schulterts -- Kepp! Iebersch --
Kepp! Rechts -- um! Vorwärts -- marrrsch!«

Unter Trommelschlag schwenkte alsbald die Kompagnie um den goldenen
Ring herum. Am Rathaus wurde Halt gemacht, um die Fahne abzuholen.
Unter den Klängen des Norma-Marsches trat die Fahnensektion ein,
der Hauptmann kommandierte: »Links -- um! Vorwärts -- marrrsch!«
Thierfelder hob den Tambourstab, der Radetzkymarsch setzte ein und der
Tambourstab flitzte und blitzte durch die pfingstsonnige Luft im Takte
auf und nieder.

Als die Schützen an der Hauptwache vorbeizogen, stand dort die
Wachmannschaft des achten Bataillons mit präsentiertem Gewehr und die
Schützen erwiderten diese Ehrenbezeigung durch Schultern des Gewehres,
während der Fahnenträger Burkhardt in verwegenster Weise die Fahne
schwenkte.

Als der Zug an der Hauptwache vorbei war, ließ der Wachoffizier Graf
Kameke abtreten, er selbst aber stellte sich an die Barriere, sein
Gesicht verzog sich zu einem grinsenden Lachen: im letzten Glied der
Schützen marschierte ein Mann, dessen Federstutz bei Schritt und Tritt
einen Bogen von neunzig Grad beschrieb und dessen Bajonett bald mit dem
des linken bald mit dem des rechten Nebenmannes zusammenklirrte.

Der Wackelfritze, über den er sich so belustigte, war der Schulhausmann
Wetzel.

Der Schützenzug war von einer Schar jugendlicher Trabanten dicht
umschwärmt. Zumeist waren es Schützensprößlinge, die ihres Vaters
Schützenmütze in der Hand trugen. Ein barhäupt- und barfüßiger Junge
trug sogar deren zwei.

Als nun die Musik schwieg, und nur die Trommeln rasselten, frug ein
anderer, behäupteter und gestiefelter Junge den Barfüßler: »Wäm
geheeren denn die zwee Mitzen eegentlich, die du nausträgst?«

»Die Aane gehärt men Voter« entgegnete der Barfüßler, »un die annere
men Vetter Henner. Vun en Gedn« setzte er geschwätzig hinzu: »krieg ich
en Dreier fersch Naustroong.«

»So? was koofst du dir denn draußen für deinen Sechser?«

»Dos waas ich salberscht noch net. Vielleicht, -- vielleicht ene
Brootworschtbriehsammel und e sauere Gork, oder e Ei un en Bittlich. --
Kriegst du ah ewos fersch Naustroong?«

»Versteht sich! -- ne halbe Bratwurscht,« bestätigte der Gestiefelte.

Da blitzte es neidisch und feindselig in den Augen des Barfüßlers
auf. Rückwärts tretend verkrümelte er sich in die Menge und ehe er
in derselben verschwand, rief er giftig: »Wenn dr när dr Hund de
Brootworscht aus dr Pfut ruppet, du Aff du grußfrasseter!«

Es wäre vielleicht zu einer Verfolgung und zu einer Prügelei
gekommen, hätte nicht die Musik wieder eingesetzt, zum zweiten, zum
Lieblingsmarsch der Jugend und hundert helle Kehlen fielen mit ein
in die Melodie: »Koch, koch Lindenthee, denn mir tut der Bauch so
weh.« -- --

Während sich nun der Zug allmählich dem Schießhause näherte, gingen
draußen »unter den Linden« zwei würdige alte Herren auf und ab
spazieren. Der eine davon war der Kauf- und Handelsherr Rupprecht,
(infolge seines Spielwarenhandels unser Weihnachtsrupperich) der andere
war dessen Hausgenoß der schwerhörige Tuchhändler Günther.

Als diese beiden Herren, abwärts schreitend in die Nähe der Reitbahn
kamen, da hielt grade der Müller Heinrich die Lunte auf das Zündloch
eines Böllers und »_bauz_« krachte es, daß es in den Bergen
widerhallte. Rupprecht fuhr erschrocken in sich zusammen und blieb
stehen. Günther aber drehte ihm mit freundlichem Lächeln das Gesicht
zu und frug: »Was haste gesagt, Rupprecht?« Auf die abwehrende Geste
Rupprechts setzte Günther hinzu: »De weest doch Rupprecht, ich häre e
bischen schwer -- da mußte schon e bissl lauter sprechen.« Da krachte
ein zweiter Schuß, Günther schüttelte den Kopf und sagte: »Ich kann
dich immer noch nich recht verstehen, Rupprecht, ich habe blos Bach
verstanden. Meenst du den Bäcker Bach?«

Das Eintreffen der Schützen drunten am Schießhaus war jetzt Rupprecht
ein willkommener Anlaß, aus der Nähe der Böller und über weitere Fragen
Günthers hinwegzukommen. Er deutete mit der Hand hinunter, Günther
nickte verständnisvoll mit dem Kopf und beide Herren gingen hinab, um
sich das kriegerische Schauspiel anzusehen.

Hier erschollen wieder die Kommandos: »Halt! Rechts -- um! Schulterts
-- Kepp! Präsentierts -- Kepp!«

Unter den Klängen des Marsches aus Norma wurde die Fahne auf
ihrem Ständer gehißt, die Wache zog auf und als dann endlich die
Schlußkommandos: »Los! Tret' -- ab!« erfolgten, dann gab es stöhnen,
blasen und fauchen, die Mützenjungen traten in Funktion und nahmen
die schweißtriefenden Schützenhüte, Gewehr und die Koppel mit dem
Seitengewehr und der Patronentasche in Verwahrung.

Die Schützen aber rissen die Knöpfe des Waffenrockes auf, holten das
blaurotgewürfelte Taschentuch mitsamt der Pfeife und dem Tabaksbeutel
aus der Schößentasche und nachdem die Schweißperlen auf den Glatzen
trocken gefummelt waren, wurde die schon zuhause gestopfte Pfeife in
Brand gesetzt.

»Gott sei Dank, daß mr da sin!« stöhnte der eine und der Falke Gust
jammerte: »Dan Dorscht, dan Dorscht!«

Bald füllte sich der geräumige Saal im »Alten Verein« wie auch das
Schenkzimmer im alten Schießhaus und bald auch knallten die Büchsen im
Scheibenstand.

Der Saalbau, mit seiner langen Front hoher Bogenfenster, ist in
den achtziger Jahren abgebrochen worden. Er stand an Stelle des
jetzigen Gartens und barg neben dem großen Saal noch ein geräumiges
Vorzimmer und an der Rückseite eine Kegelbahn. Hier überall herrschte
nun ein buntes, feuchtfröhliches Treiben beim althergebrachten
Schützenmittwochs-Frühschoppen. Im Saale saßen an langen Tafeln,
in bunter Reihe uniformierte und nichtuniformierte Schützen und
erfüllten den Raum mit Lachen und Johlen, mit Bier-, Bratwurst- und
Knasterdüften. Gute Witze wurden mit einem Tusch belohnt, schlechte
aber charakterisierte, je nach dem Grad der Brenzlichkeit derselben,
das Klappenhorn Meyers mit: Du bist der beste Bruder ah net, -- oder --
Schmeiß'n naus den Judenitzig.

Nun muß der Verfasser, wohl oder übel, seine eigene, damals noch
recht unscheinbare, aber »nissige« Person ins Treffen führen, da sich
jetzt Handlungen einschieben, in denen sie eine wenn auch nicht immer
einwandfreie Rolle gespielt hat.

Nachdem ich meines Vaters Hut und Degen drüben in der Schenke der Frau
Hirsch besorgt und aufgehoben hatte, pflanzte ich mich drinnen im Saal
gegenüber von Vaters Klappenhorn, wie ein mahnendes Fragezeichen auf.
Ich hatte meinen Opulus zu einer halben Bratwurst noch nicht bekommen
und wußte recht gut, daß ich hier als lästiger Ohrenzeuge prompt
abgefertigt werden würde. Aber, war es meines Vaters Kurzsichtigkeit,
war es der fast schneidbare Tabaksqualm, mein Bratwurstappetit
wurde auf eine harte Probe gestellt. Dabei hörte ich denn, wie mein
Hoflieferant, der Reuther Bäck, lachend erzählte, wie er sich auf dem
ganzen Marsch darüber geammesiert habe, daß dem Wenzel Schmied der
Nasenputzer wie ein Fuchsschwanz hintenunter gehangen habe.

»Das hast du mir doch jedenfalls selber hinten rausgezong, denn du
warst doch mei Hintermann!« schimpfte Wenzel, aber der Neumerkel
beruhigte ihn mit den Worten: »Gab dich när zefriedn. Ich ho's gesah,
wie'r drsch nooch un nooch rausgezerrt hoot. Ich ho's ah gesah, wie'r
egal in sen Bort neigekichert hoot. Ich gelaab odr, er hätt net esu
gelacht, wenn'r gewußt hätt, doß'n salber sei Schnupptichel un ah de
Quastn vun sen Tobaksbeutel hintnnausgebaumelt sei.«

In das allgemeine Gelächter stimmte ich kräftig mit ein, nicht ohne
Erfolg hatte ich mich dadurch meinem Vater bemerkbar gemacht und nun
trug ich fröhlichen Sinnes meine zwölf Pfennige zur Frau Hirsch an den
Schenktisch.

Eine Minute später konnte ich liebäugelnd meine, in ein »Pfengbrot«
eingeklemmte halbe Bratwurst betrachten; doch -- zwischen Lipp und
Bratwurstzipfel -- in dem Augenblick, wo ich den ersten ersehnten Biß
tun wollte, da -- pflanzte sich Bluth Antons Bluthund Pluto breitbeinig
und zähneflätschend vor mir auf. Wie diese Bestie vor meiner Bratwurst,
so standen die Worte des Barfüßlers plötzlich vor meiner Seele. Schnell
ließ ich die Hand mit der Wurst hinter meinem Rücken verschwinden
und wie sich nun der Bluthund mit der Zunge die Schnauze leckte,
streckte auch ich ihm die Zunge heraus, fühlte aber zugleich, wie eine
warme, feuchte Zunge hinten über meine Bratwurstfinger strich und wie
denselben Wurst und Semmel entglitt. -- Ein anderer Köter hatte mir sie
aus der Pfut geruppt. -- Ich sah nur noch die lebendige Illustration
zu dem Liede: »Wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt«,
draußen vor der Türe.

Ein freundlicher, mitleidiger Herr, den die Schießhauswirtin mit: »Herr
Pursch« anredete und der den Vorgang lachend mit angesehen hatte,
kaufte mir eine _ganze_ Bratwurst und so war ich bald, dem gesättigten
Löwen gleich, mit Hund und Barfüßler versöhnt. -- Der Letztere hat
übrigens seinen Beruf als Profet verfehlt, er ist Prolet geworden und
da ihm schon lange kein Zahn mehr weh tut, kann er auch keine »saure
Gork« mehr essen.

Als ich hinaus trat, in den sonnigen Vormittag, fiel mein erster Blick
auf den Wachtposten, der vor dem Fahnenständer, dem Trommelbock und den
Gewehren auf- und abschritt und dabei mit seinem Federbusch derartige
Schwenkungen machte, daß ich sofort in ihm den Schulhausmann Wetzel
erkannte. Ich grüßte ihn pflichtschuldigst. Freundlich grüßte er
wieder: »Morring Klaaner. Du bist doch dr klaane Meyer -- Du kast mr en
Gefalln tu. Gieh emol nieber in de Wach un soog, ne Posten dohausn tät
de Zung ene halbe Ehl zun Hals raushänge.«

Ich sprang hinüber und richtete es wortgetreu aus, aber der Korporal
Richter meinte: »Ach wos! dar soll wartn bis 'r ohgelöst werd.« Der
Schneider Windsheimer, der mein Leibschneider war, winkte mich zu sich
heran und gab mir ein leeres Glas in die Hand. »Das läßte« sagte er
»dortn an Bottich vollloofn, da kann er seinen Dorscht dran löschen.«

Da wo jetzt der Eingang zum Keglerheim ist, da war der Wasserbottich,
an dem ich das Glas mit perlfrischem Wasser füllte.

Hätte ich nun einem wütenden Stier ein blutrotes Tuch vorgehalten,
zornigere Augen hätten mich nicht anfunkeln können, als die des Wetzel,
als ich mit dem Glase Wasser daherkam.

»Hullunk, elendiger!« schrie er mich an: und packte sein Gewehr mit
beiden Fäusten am Ende des Laufes. »Kumm mr net ze nah, odr ich schloog
dich ze Brei!« -- Da erscholl drüben vom Wachhause her infernalisches
Gelächter. Die gesamte Wachmannschaft stand vor der Tür; ein Jeder
hielt in der einen Hand eine volle Stange Bier und mit der anderen
hielt er sich den Bauch.

Sofort entlud sich Wetzels Zorn nach dieser Seite: »Inu ihr Lumpn!
ihr Sauhind! -- ihr zutscht do driem de ganze Sprengstütz Bier aus
un iech soll Wasser saufn? -- Pfoi Teifl! schamt eich!« Als nun
auch noch von drüben prost! prost! prost! gerufen wurde, da verließ
Wetzel vorschriftswidrig seinen Posten und das Gewehr hinter sich
herschleifend und lästerlich schimpfend trieb er die Schützen in das
Wachtlokal hinein.

Es dauerte eine geraume Zeit bis Wetzel wieder zum Vorschein kam. Seine
Rechte umklammerte ein schon zur Hälfte geleertes Stangenglas, das er
nun in aller Gemütsruhe vollends leerte und dann ins Gras warf.

Als er auf Posten zurückgekehrt war, strich der Fischer Heinrich vorbei
und zog den Hut. »Morring Herr Wetzel! Heite weeß mr doch gar nich wie
der Wind weht? -- Ihr habt wohl eire Fahne in der Wäsche, oder amende
gar versetzt?«

»Unnere Fahn? -- do ... -- stitt se doch« wollte Wetzel sagen, aber der
Mund blieb ihm sperrangelweit offen und erst nach einer Weile klappte
er ihn hörbar wieder zu, dann kam ein Bumben un Granatndunnerwetter zum
Ausbruch und endlich rief er die Wache heraus: »De Fahn is gemaust«!

Wer nun glaubte die Mannschaft käme über Kopf und Hals gestürzt, der
irrte gewaltig. Die trank zunächst sämtliche Gläser leer und bis die
Röcke zugeknöpft und das Seitengewehr umgeschnallt war, verging eine
geraume Zeit, in der Wetzel den Fischer Heinrich ausfragte und als
nun drei Mann zur Stelle kamen, konnte er berichten, daß der oder die
Diebe hinauf nach den Scheunen zu geflüchtet seien. Wer der Fahnendieb
war, konnte nicht ermittelt werden. Ich aber hatte den Vorgang aus
nächster Nähe mit angesehen und während die Schützen den Berg hinauf
eilten, sprang ich auf der anderen Seite den Berg hinunter und drüben
wieder hinauf, zum -- Gerichtswäldchen. Dort angekommen, sah ich die
Fahne, an der ein langes Seil befestigt war, im Moose liegen, während
der Fahnendieb sich vergeblich bemühte, am Stamm einer Fichte empor zu
klettern.

»Lassen Sie mich nauf Herr Rusrat« rief ich: »ich kann besser klettern
als Sie!«

»Rusrat?? -- wie kaste denn Rusrat zu mir saang -- weeste nich wie ich
hees? Kannste denn danauf klettern? die Ficht is hoch!«

»Mir is kee Boom ze hoch un auf der Ficht bin ich schon öfters gewesen.«

»Nu da strampel emal los, nimm das Strickend mit nauf, da ziehste dann
de Fahne drmit nauf un bindst se drohm fest.«

Nach wenigen Minuten flatterte die altehrwürdige Fahne, die vielleicht
schon hunderte mal »gemaust« worden ist, über allen Gipfeln, lustig
hoch im Winde.

Als ich wieder Boden unter den Füßen hatte, meinte der »Rusrat«: »Itze
heests aber auskratzen!«

»Sie haben schon noch Zeit Herr Ru... Herr Claus; der Fischer Heinrich
hat die Wache nauf nach »vor Scheunen« geschickt.«

»Ich wees schon,« blinzelte der Rusrat, »das war schon so ausgemacht,
der verrät mich nich.«

»Wenn ich fimf Neugroschen krieg,« sagte ich keck, »dann halt ich mei
Maul ooch!«

Lachend zog der Fahnendieb den Beutel, warf ein Fünfgroschenstück ins
Moos und entfernte sich mit den Worten: »So ein ruppiger Lausgung!
Denhalber brauchts wahrhaftig nimmer ze reenge, aus den werd emal
entweder e großes Tier oder e großer Lump.«

Das war wieder eine Prophezeiung, die freilich bis jetzt nach keiner
Seite hin eingetroffen ist, denn ich habe vorgezogen, im Leben den
goldenen Mittelweg einzuschlagen. Damals aber schlug ich mit meinem
Fünfgroschenstück, singend und springend den kürzesten Weg ein, zum
Pfingstmarkt.

_Pfingstmarkt!_ Welche Fülle genußreicher Erinnerungen weckst du in
mir! -- Welch buntes, pfingstfröhliches Treiben flutete über deinen
grünen Rasen, auf dem die Kinder jauchzend ihre Purzelbäume schossen
und auf dem in Buden, auf Tischen, Bänken und Karren alle, einem
Kinderherzen begehrlichen Herrlichkeiten ausgebreitet waren.

Dieser terrassenförmig gestaffelte, mit Queckengras bestandene
Wiesenplan ist fürwahr eine glückliche Wahl unserer Väter gewesen,
hier ihre Schießstätten zu errichten. Liebevoll umsäumten sie ihn mit
schattigen Lindenalleen, die schon vor fünfzig Jahren sich zu mächtigen
Baumkronen entwickelt hatten. Nicht unerwähnt möchte ich hierbei
lassen, daß mein Großvater, der damalige Ratssenator Bauer, sich um die
Anpflanzung dieser Anlagen wesentliche Verdienste erworben hat.

Dahin führte mich nun mein Weg, an wogenden Feldern vorbei, durch
üppigen Wiesenflor, über dem die Schmetterlinge gaukelten und
geschäftige Bienen summten.

Ein sonniger, wonniger Pfingstzauber war über die lachenden Gefilde
gebreitet und vom klaren Himmelsblau, das sich hinüber spannte, bis
zu den fernen Riesen des Erzgebirges, schmetterten die Lerchen ihr
Jubellied hernieder. Auch in den alten Lindenkronen frohlockten
die Vögel und die Reitzugfinken hielten, von Baum zu Baum, ihre
Zwiegespräche.

Als ich aber aus der Doppelallee herauskam, wars mit dem Zauber vorbei,
denn Arnolds Reitschule setzte sich eben in Drehung und August drehte,
den kalten Kalkstummel im Munde, mit beständigem Kopfnicken, den
alten, verstimmten Leierkasten, dem er, soweit es die alten Blasbälge
zuließen, das Neueste auf dem Gebiet der Gassenhauer entlockte: »Ach
ich bin so müde.« --

August war bei der spottlustigen Jugend dadurch zur Zielscheibe
geworden, daß er mit den meisten Consonanten in Erbfehde lag. Einem
kleinen Fahrgast, dem die Nase blutete, hatte er einmal zugerufen:
»Tlaaner, dei Noot lutt!« Und diese Worte blieben an ihm haften; jeder
Bengel riefs ihm nach -- so auch ich jetzt: »Autut, dei Noot lutt!«
Prompt und kopfnickend kam die Antwort zurück: »Ette lotte luten!«

Gleich darauf flötete mich aus dem Stern und Thonpfeifen geschmückten
Hintergrund einer Schießbude eine liebliche jungfräuliche Stimme an:
»Schießen se mal, junger Herr! Zwee Schisse fimf Fenge.«

Donnerwetter! das imponierte mir. Erstens »Sie« und dann auch noch
»junger Herr!« -- Solch gute Meinung von mir durfte nicht unbeachtet,
nicht unbelohnt bleiben, stand ich doch in absehbarer Zeit schon vor
dem Uebergang vom Flegel zum Herrn Flegel und so schoß ich denn
im Vollgefühl meiner Herrlichkeit vier Löcher in die Luft. -- Mit
ebensoviel Groschen meiner erleichterten Barschaft ging ich, etwas
enttäuscht davon.

Wiederum klangen die Worte: »Junger Herr!« an mein Ohr, diesmal aus dem
Munde des Horndrechslermeisters Röder, der vor seiner Bude stand und
mir ein niedliches Liliputpfeifchen mit den Worten entgegenhielt: »Nur
fimf Neigroschen, junger Herr.«

Fast bereute ich jetzt die vier Luftlöcher, als ich aber entgegnete:
»Ich darf doch noch gar nich roochen!« da ließ Röder den jungen Herrn
fallen und er sagte, mit dem Finger drohend: »Dich Schlingel hab ich
doch schon roochen sehn, daneilich am Bach of der Stangebergwiese,
dort, wo die vielen Vergißmeinnicht stehn, da bist du im Gras gelegen
und hast Ringeln in die Luft geblasen wie e Alter.«

Ich machte einige lange Schritte und stand bald vor der
Holzdrechslerbude der höchsten Persönlichkeit Schneebergs, des
Türmers Böhm. Die vielen buntgefiederten Abschießvögel in allen
Größen, erregten meine Aufmerksamkeit nicht, noch weniger die
scheckigen Pferdchen mit und ohne Reiter, auch nicht die Blasrohre,
die Knallbüchsen, die »Schrietzbüchsen«, die Pfennigpfeifen und
Kegelspiele, mich interessierte ein Raphael Engel, der beide Ellenbogen
auf die Verkaufslade gestützt und an einer großen Süßholzwurzel kauend,
seine Blicke von Gegenstand zu Gegenstand schweifen ließ. Dieser Engel
war jener profetische Barfüßler.

»Luuz« sagte eben der Türmer zu seinem Sprößling Louis: »Ich gieh itze
en Aangblick fort, paß fei gut auf, doß nischt gemaust werd.« -- Kaum
war Luuz drinnen allein, da nahm der barfüßige Engel einen großen
Wulst gekauter Süßholzwurzel aus dem Mund und frug: »Wos kost dä ene
Schrietzbichs?« Luuz antwortete: »De klenn kostn en Dreier, die do en
Sechser und de grußn en Neigrosch«.

»Weiß emol aane har, vor en Neigrosch!« -- Der Barfüßler betrachtete
sie mit Kennerblicken von außen und innen, dann blies er einmal
hindurch und meinte: »Ich denk mr när, die hoot ewing zeviel Luft.«

»Wos vrstist'n du!« sagte Luuz verächtlich: »Wenn se nei ins Wasser
kimmt un 's Garn drinne naß werd, nochert zieht se schu.«

»Derf ich se dä erscht emol probirn, driem an Wasserbottig?«

»Nu meitwaang -- de mußt se odr fei behaltn, wenn de se eingesaut host!«

Leichtbesohlt flatterte der Engel davon -- er soll heute noch
wiederkommen.

Ambrosische Düfte zogen mich an der Nase hinüber, zu den Kindern
des Südens, zu den Bergen von Apfelsinen, Johannesbrot, Datteln und
Feigen. Dann trug ich das schnuppernde Riechorgan weiter, zu den
schmalzgebackenen Blätterteig-, Sand- und Spritzkuchen, vorbei an den
Zuckerbuden mit ihren Feuersteinchen, Aniskörnchen und Zimmtmandeln,
vorbei an den bunten Eiern, den sauren Gurken und den Böklingen. Die
»Bittlich Richtern« pries ihre Ware an: »Lauter dicke Speckbuckel, de
kleen en Zweeer, de grußen 'n Dreier. Solche scheene goldgelbe Fische
wern nich alle Tage gefang!« --

Nicht einmal die Bratwurstkarline konnte mir einen Dreier entlocken für
ihre duftenden Brühsemmeln, die sie emsig und unverdrossen mit ihren
rusigen fettglänzenden Fingern aushöhlte und dann von Zeit zu Zeit
die Finger ableckte. Dabei machte sie ihre Witze: Eine Affenschande
wäre es, so eine Gottesgabe für einen lumpigen Dreier zu verkitschen,
ihr seliger Urgroßvater gäbe einen Taler drum, wenn er nur einmal
hineinbeißen könnte. »Ihr hatt doch alle keene Ahnung« setzte sie
hinzu, »was da alles noch so drum un dra hängt; vier Wochen lang muß
ich dernach meine Finger in griene Seefe stecken, daß se nur wieder
reene wern.«

»Lecken Sie se ooch öfter emal derbei ab?« frug ein fürwitziger Bengel,
aber schlagfertig kam es zurück: »Ich hätte bald was gesagt, du
Lausewenzel!«

Wenn sich Mund und Nase laben, wolln die Ohren auch was haben. Und
diese kamen voll und ganz auf ihre Rechnung. Schon das Geschrill der
hunderte von Pfennigpfeifen hätte genügt, aber dazu kamen noch die
Schnarren, die Waldteufel und die Mundharmonikas. Das gab mit dem
Grundmotiv der Reitschulorgel eine machtvolle Symphonie, zu der die
Scheibenschützen den Takt knallten.

Strich aber Einer mit einem Brummeisen vorbei, so konnte man die
Wahrnehmung machen, daß die Brummeisen, so verschrieen sie bei gewissen
Ehehälften sein mögen, ganz gewiß zu den zahmeren und zarteren
Gatt--ungen zu zählen sind.

Das Elfeglöckel läutete die Mittagsstunde ein, da ging ich hinüber
in den Saalbau, um mich meinem Vater zum Heimweg anzuschließen. Als
wir durch das Vorzimmer kamen, saß da in einer Ecke der Falke Gust
bei einem tellergroßen »Biffstek« und rief mit schon etwas lallender
Stimme: »Mahlzeit Herr Direkter! Hier sitzn de Mussegantn, Moses un de
Profetn!«

Um drei Uhr nachmittags war ich wieder zuplatze, da begann das
_Vogelschießen_. Dies wurde aber nicht von der Schützengesellschaft
abgehalten, sondern die _Schnepperschützen_ hatten die einmalige
Erlaubnis bekommen, ihr Vogelschießen diesmal ausnahmsweise vor
dem Schießhaus abhalten zu dürfen. Zu diesem Zwecke hatten sie vor
der Vogelstange, unten beim alten Schießhaus eine geräumige Bude
aufgestellt, aus der sie mit ihren großen Armbrüsten (Schneppern) dem
riesigen Adler auf der Vogelstange zuleibe gingen.

Uns Jungen machte es ein besonderes Vergnügen, Jagd nach den
verschossenen Bolzen zu machen, die wir dann, das halbe Dutzend für
einen Dreier, zur Bude zurück brachten. Ich konnte diesen Erwerb recht
gut gebrauchen, denn ich hatte meine restlichen vier Neugroschen -- wie
gewonnen, so zerronnen -- in der Würfelbude verknobelt.

So kam ich auch jetzt wieder mit einer handvoll Bolzen zur Bude
zurück, da lehnte der Horndrechsler Pfeifer am Eckpfosten und uzte die
Schnepperschützen.

»_Fffft_« machte er es gerade: »Schu wiedr drnahm wack. Ihr mißt doch
nooch'n Vugel zieln, net noch ne Maandn, dar stieht doch itze gar net
an Himmel! Mir ham doch itze Neimaand.«

»Halt de Gusch!« schimpfte der Rohrlapper, »du machst uns när de Bolzn
schei!«

Beim nächsten Schuß machte es Pfeifer wieder: »_Fffft!_ wiedr e Loch
in Himmel. Ich gelaab, dr Peterus is ausgerissn, dar is doch ka Minut
sicher vr eiern Fahlbolzn.«

Nun wurde es den Geneckten doch zu bunt und sie schrien durcheinander:
»Gieh doch du rei, du Maulaff! -- Zeig erscht du emol, wos de kast, du
Grußgusch! -- Dar fällt doch geleich im, wenn dr Schuß lusgitt!«

Ohne weiteres kroch Pfeifer durch die Absperrleinen und verlangte
einen Schnepper. -- Nun hatten aber die Schützen ein altes abgelegtes
Monstrum, ganz extra für solche Fälle, bei der Hand, an dem der Bügel
nicht mehr fest im Schafte stak, so daß derselbe ohne Schwierigkeit
seitlich verschoben werden konnte und so rückten sie ihn, bevor sie
ihn mit der Drehwinde aufzogen, ein gutes Stück nach links, so daß die
ganze Schleuderkraft nach dieser Seite verlegt wurde, dann reichten
sie den mühsam gespannten Schnepper mit verhaltenem Lachen, dem
ahnungslosen Pfeifer.

Dieser stand nun, jeder Zoll ein Tell, im Anschlag und zielte, lange
und genau zielte er, denn unter keinen Umständen durfte er sich
blamieren. -- »Sättersch!« stichelte der Leonhardt Schmied: »Itze
getraut'r sich net, ne Finger krumb ze machn.« -- Da drückte Pfeifer ab
und -- ein zehnstimmiges, schallendes Gelächter durchbrauste die Bude.

Der heimtückische, ungleich gespannte Schnepper hatte Pfeifer eine
solch wuchtige »Faunz« versetzt, daß er, den Schnepper weit von sich
schleudernd, einen Luftsprung machte und dann, mit einem Gesicht wie
ein herabgefallenes Mondkalb, auf seinen geliebten fünf Buchstaben
saß. Das alles dauerte nur Augenblicke, dann nahm er sich zusammen,
krabbelte sich ächzend in die Höhe und wortlos, nur mit einem
grundtiefen Verachtungsblick auf die Schnepperschützen, hinkte er zur
Türe hinaus.

Diese aber krümmten sich vor Lachen wie die Würmer und als ihm der
Könitzer nachrief: »Der Rumpes is gefalln, Sie wern fei Keenig!« da
drehte sich Pfeifer herum, und drohend die beiden Fäuste schüttelnd,
entrangen sich befreiende Worte von seinen Lippen. Mit Löwenstimme
donnerten sie zur Bude zurück, die Kraftworte Götz von Berlichingens,
in sechsstelliger Multiplikation. --

Pfeifer hatte genug Vogelschießen. Hinkend und sich sämmtliche Backen
reibend, stapfte er stadteinwärts.

Als er an Stahls Schuppen vorbeikam, begegnete ihm der Härtel Fritz,
der ihn schon von Weitem mit staunenden Blicken betrachtete.

»Inusse sog mr när,« sprach ihn dieser an: »Du host doch ene Papp
drahsitzen wie ene Backmuldr? host wuhl endlich emol aane drwischt?« --
Pfeifer sah ihn bissig an. »Zähwieting ho ich!« gab er barsch zurück.
-- »Zähwieting? ginne dä dir de Zahnervn esu weit nunner, bis in de
Baah, doste drezzeverze drzu machst?« Pfeifer ließ ihn stehen und
hinkte davon. Erst nach einigen Schritten drehte er sich wütend um und
rief dem noch immer dortstehenden Härtel zu: »Gieh när du nei in de
Schnapperbud, wenn de ka A...ladr drah host!« -- --

Kopfschüttelnd und um Pfeifers Seelenzustand ernstlich besorgt, ging
auch Härtel seines Weges, schießhauswärts.

Er war zwar nicht Schütze, aber der Schützenmittwoch galt von jeher
als bürgerliches Volksfest, an dem sich Jedermann nach Herzenslust
beteiligen konnte. So strebte nun Härtel der Schützenkegelbahn zu,
als er aber um den Saalbau herumschwenken wollte, da hörte er lustige
Stimmen drüben im Wachhäusel.

Wo es lustig zuging, da war Härtel in seinem Element und so lenkte er
die Schritte hinüber und spähte zur halboffenen Türe hinein.

In der Wachstube saßen um einen großen Tisch herum ein Dutzend
uniformirte und nicht uniformirte Männer, die auf sämmtlichen
Stockzähnen kauend, sich an einem feisten Schinken gütlich taten.
Härtel wollte schon wieder abschieben, da rief der Maler Engelbrecht in
seinem damals noch unverfälschten hannöverschen Dialekt: »Sspaziren Sie
nur herein, Herr Härtell, Sie dürfenn auch mal von unseremm delikatenn
Schinkenn kostenn. Es ist ne ganz besonders feine Sochte, die wie
Butter auf der Zunge zergeht. Ich gebe Ihnen mein Wocht, der Schinkenn
stammt von einer Edelsau aus guter Familje.«

Härtel ließ sich das nicht zweimal sagen und so saß er alsbald im
Kreise froher Zecher, beim löblichen Tun. Dabei erfuhr er denn, daß es
zwischen den beiden Korporalen Richter und Piefky zum Streite darüber
gekommen sei, daß jeder von den beiden behauptete, im Besitz der besten
Schinken zu sein. Trotz der Noblesse Piefkys, der einen Schinken von
zuhause geholt und zum Besten gegeben habe, bleibe Richter beharrlich
dabei, sein Schinken wäre noch viel besser, freilich den Beweis für
seine Behauptung bleibt er uns schuldig.

»Ich kann doch nischt derfür«, entschuldigte sich Richter. »Ich selber
bin doch gar nich eso, aber meine Frau, die hält alle Händ ieber ihre
Schinken.«

Schallendes Gelächter. Dann ließ sich die sonore Stimme Piefkys
salbungsvoll vernehmen: »Wieviel Schinken hamm Sie denn eegentlich noch
derheeme, Herr Richter?«

»Blos noch en eenzigen,« war die Antwort.

»Na da lassen Sie sich'n nur recht gut schmecken,« sagte Piefky und
zwinkerte mit den Augen zu seinem Kollegen Windsheimer hinüber.

»Nu ähm!« bestätigte Windsheimer: »Mir wolln uns den guten Geschmack
gar nich mehr drmit verderm.«

Da Richter, um eine in ihm aufsteigende Regung seines, in die Enge
getriebenen Schützenherzens zu unterdrücken, schwieg, trat eine
Gesprächspause ein, die durch einen allgemeinen Trunk ausgefüllt
wurde. Als dann die Schaumspuren aus den Schnurrbärten geleckt waren,
lenkte der Klempnermeister Schulz das Gespräch auf einen anderen
Punkt, indem er sich mit den Worten an Leichsenring wandte: »Saang se
emal, Bummelhose, wie war denn eegentlich die Geschichte damals mit'n
Schilbach, wie der nein in de Laterne gerannt is?«

Leichsenring warf, ob seines verunglimpften Spitznamens, dem Sprecher
einen scharfen Blick zu, dann holte er in aller Gemächlichkeit ein
altes Schnappmesser aus der Hosentasche hervor, das zwar keine Klingen
mehr hatte, dafür aber einen breiten Stahlrücken zum Feuerschlagen.
Aus der Westentasche brachte er noch ein Stück Zündschwamm und einen
Feuerstein zum Vorschein und nun pinkte er immer mit dem Kopfe nickend
und jedesmal das rechte Auge zusammenzwickend, bis der Schwamm an
zu glimmen fing. Diesen legte er auf den Tabak in seiner Pfeife und
dann baffte er mit sichtlichem Behagen mächtige Wolkenschiebel zur
verräucherten Decke empor.

Nach einer Weile drehte er sich zu seinem Nachbar Denkert herum und
sagte, »dos is mr fei lieber als der Towak. Wenn ichs machen kännt, ich
raachet nischt wie Feierschwamb.«

»Der riecht wenigstens besser wie Ihr Tobak,« meinte Denkert.

»Nunununuu!« machte es Leichsenring, »ne schlachstn raach ich fei noch
lank net, 's is Feinschnitt, 's Pfund vr 28 Pfeng!«

»Alle bunähr!« sagte Denkert, »da kann ich freilich nich antreten mit
mein Griensiegel.«

Als jetzt Schulz mahnte: »Nu was is denn also mit'n Schilbache«, da gab
Leichsenring kleine Grüne bei und erzählte:

»Das war esu. Saltmol, wie de Bah fartig war un dar erschte, bekränzte
Zug vun dr Schlähm rauf kumme is, do soßn doch die ganzn Grußn drinne,
in Frack un mit dr Angsträhr un do war dr Herr Schilbach ah drbei.
Nutwennig hoot dar doch allmeitoog und do is'r ahm in sen Stormschriet
vun Bahhuf rauf ahamgebieslt. -- Iech ho ne net kumme sah; ich stand
an Appetekneck un ho an nischt gedacht, wie ich mei Lamp rogeleiert
ho. Zwaa Drehertsn hätt ich noch ze machn gehatt, do tuts of amol en
Klerrerts, doß michs vr Schrack när esu rim gedreht hoot un wie ich
hieguck, -- ich denk dr Schloog trift mich, -- mei liebr Herr Schilbach
in vulln Wichs stackt mit'n Kopp in dr Lartarr. -- Sei Ziehlindr war
zrkneetscht un sei Gesicht, es Vürhemmel, dar feine noble Frack, alles
voller Riebeehlflackn. -- Mei Ziehlindr mit zamst dr Lamp un drei
Scheim warn natierlich ah hie un 's war när e tausnds Gelick, doß 's ka
Blut gaam hoot.«

»Wer hat denn ne Schaden rieber un nieber bezahlt?« frug der Lenk
Karl, der damit beschäftigt war, die letzten Fleischspuren vom
Schinkenknochen zu kratzen.

»Suviel ich waas, hoot dr Herr Schilbach allesmitenanner bezohlt«,
sagte Leichsenring und mit ehrfurchtvollem Stirnrunzeln fügte er hinzu:
»Mir hoot'r salt sugar noch e Viergutsgroschnstick -- 's war freilich
e pulisch -- gaam, ich sollt mich of men Schrack wiedr stärkn. Wu mei
letzte Lartarr hängt draußn ben Haustein, ho ichs besorgt. -- Odr ich
soog när: Wos alles vürkumme kah.«

»Ja ja ja!« bestätigte der Weiß Heinerich mit bedächtigem Kopfnicken.
»Auf dere besch--ummelten Welt passiert mannigmal Manches, was mer nich
begreifen kann und doch geht alles ganz natierlich zu, grad wie mit den
geheimnisvollen Schuß in Neistädtel, der hat sich itze ooch aufgeklärt.«

»Wos is dä do gepassiert? do waß ich doch gar nischt drfu« frug
Leichsenring eifrig und neugierig.

»Nu das is doch scho e Gahrer dreie, viere her, wo of'n Neistädtler
Vogelschießen der Rumpes runtergepfeffert worden is, ohne daß e Schuß
gefalln, ohne daß e Knall geheert wordn is«, sagte Weiß.

Leichsenring zog die Schultern hoch, legte die Stirne in Falten und kam
dann zu der Folgerung: »Do is ahm amende dar Rumpes mit'n Bloosrohr
rogeschossn wurn.«

Soviele Ehrentitel sind noch nie auf einmal über Leichsenring gehäuft
worden, wie jetzt und ärgerlich verteidigte er sich: »Ach wos! ka Schuß
gefalln, ka Schuß geknallt, dos gelaab ich net, do mißt ich doch gar ka
Schitz net sei!«

»Wenigstens kee _solcher_ wie Sie« bemerkte Mattausch.

»Suuu?« fuhr Leichsenring, nun erst recht beleidigt auf: »Ich will
Sie emol wos soong Herr Mattausch! Meitwaang kah dr Herr Schilbach
noch zahmol in de Lartarr neirenne, bei Ihne wern de Scheim nimmer
eingezuung!«

»Nana, nur friedlich!« mahnte der Leutnant Süß, der den Namen mit der
Tat verband, er war seines Zeichens Konditor.

Weiß nahm seine Erzählung wieder auf: »Also, wie gesagt, Niemand hatte
en Schuß da draußen abgegebn und doch is eener gefalln und geknallt
hats ooch«.

»Nu also!« sagte Leichsenring, aber Süß winkte ihm Schweigen zu.

Weiß fuhr fort: »Erscht vor korzen hat mirsch der betreffende Schitz
drunten beim Einenkel in der »Erholung« selber erzählt, der den Schuß
abgeem hat.«

»Nu also!« sagte Leichsenring und »Ruhig! -- Maulhalten!« rief es
durcheinander, da frug Weiß mit erhobener Stimme: »Wißt ihr wer der
Schütze war?«

»Der Teifel!« schrie Leichsenring, Leutnant Süß aber warnte ihn streng:
»Wenn Sie noch einmal dreinreden, kriegen Sie kei Bier mehr.« -- Das
half.

»Nenenenee!« rief Weiß, »der Teufel -- Sie meenen doch den Schneider
Teufel, der warsch nich: Der Fritsche wars, drüben of'n Fritschegut,
der hat mit'n Fernrohr von sein Fenster aus beobacht', wie se draußn
of'n Neistädtler Schießhaus ene gute halbe Stund nach'n Rumpes
gepulvert ham un da is'n die Geschicht zu langweilig worn, er hat sei
neis Jagdgewehr aus'n Gewehrschrank geholt, mit grobn Rehpostn geladen
un -- von sein Fenster aus den Rumpes draußen runtergewichst.«

An der Tafelrunde lief ein Ellenbogenstoßen um, nur der Leichsenring
hat nichts davon verspürt und gerade der war der Einzige, der die
Geschichte glaubte.

»Hei--ner--rich!!!« -- Eine weibliche Stimme wars, die den Ruf
ausgestoßen hatte und der Korporal Richter wars, der dieselbe erkannte,
von seinem Sitz aufsprang und hinauseilte. Draußen aber stand seine
Gattin mit strahlendem Gesicht und noch keuchend vom schnellen Lauf
frug sie: »Is denn wahr, daß du Keenig worden bist?«

»_Iiiich?_ -- Keenig --? Ich hab doch gar nich mit geschossn!«

Da schlug die freudige Stimmung der Gattin ins Gegenteil um und etwas
spitzig frug sie: »Nu verwas hast'n nachert den Schinken holn lassn?«

»_Iiich?_ ne Schinken? ...?«

In Richters Hirn begann sich ein Seifensieder zu formen, der riesige
Dimensionen annahm. Bang kam es von seinen Lippen: »Wer hat ne denn
geholt?«

»Die zwee Schneiderseeln da drinne, itze steckn se ihre Kepp zesamm un
vischpern mitenander, der scheene Piefke un der Windsheimer.« -- Sie
fing an zu weinen.

»Warum heilst de denn?«

»Dort of'n Tisch liegt'r unner guter Schinknknochn rattnkahl
abgezaust,« schluchzte die untröstliche Gattin.

»O diese -- diese --« knirschte Richter und fand keinen Ausdruck, der
ihm kräftig genug schien. Aber seine Frau examinierte ihn scharf:
»Wieso ham denn die gewußt, daß mir en Schinkn drheeme ham?« da wurde
er kleinlaut und bekannte, daß er den Schützenbrüdern selbst den Mund
wässerig gemacht habe, indem er den Schinken über den Schellenkönig
gelobt habe.

Jetzt fand die Gattin das erlösende Wort: »Du Kamel! Ich hab mirsch
doch gedacht, daß du wieder emal der Dumme warscht. --«

»Un du de Gescheidte, daß de ne Schinkn hergeem hast. Ich denk mir ham
uns enander nischt vorzewerfn, aber ich hab schon mein Plan: -- --
Der Stoff zu en Anzug, den de mir ze Weihnachtn geem hast, der liegt
doch noch in der Kommod; von den lassn mir beim Piefke en Rock un beim
Windsheimer Hose und Weste machen. Alles übrige werd sich findn.«

Siegesbewußt erschien Richter wieder im Wachlokale.

Schon lange hatte das Elfeglöckel die siebende Abendstunde eingeläutet,
leerer wurde es um die Vogelstange, von der August Schuhmann in
seinen Erinnerungsblättern von 1819 so schön schreibt, sie sei »die
Drehspindel des Vergnügens« und der Grundtext des Vergnügens sei:
»Freuet euch des Lebens«.

Vor dem Saalbau stellten sich die Schützen zum Einzug auf, mit
der Front nach den Fenstern zu. -- In Vertretung des Hauptmanns
kommandierte Leutnant Schreyer. Das vorletzte Kommando sollte gegeben
werden, doch ach, -- auch Schreyer hatte sich ein bischen zuviel des
Lebens gefreut und so geschah es, daß er in der Aufregung »links --
um!« kommandierte und nun waren die Nasen nach der entgegengesetzten
Seite gerichtet. Einige Schützen hatten aber doch instinktiv die
richtigere Rechtswendung gemacht und so standen sich der dicke Höfer
und der Fahnenträger Burkhardt Nase gegen Nase gegenüber.

»Wu willst denn du hie mit deiner Fahne«, fragte Höfer. »Ich waaß net,
's scheint nooch Wilbach nauswärts gieh ze solln. Wu willst dä du hie,
mit denn dickn Bauch?« »Mit dan werd aham gerammelt un wenn ich eich
alle iebern Haufn schmeißn muß. Iech ho Hunger.«

Da krähte eine helle, aber durchdringende Stimme aus der Reihe
der Schützen: »Rechts -- um -- kehrt!« und nun erst konnte das
Schlußkommando: »Vorwärts marsch!« erfolgen.

Als die Schützenbeine den Takt zum Radetzkymarsch stampften, da gab es
außer dem Schulhausmann Wetzel noch _viele, sehr viele Wackelfritzen_.

Am anderen Morgen stand die Falks Miene droben beim Försterbeck im
Laden und kaufte die gewohnten »Pfengbrotle« ein. Der Försterbeck
wollte eine Unterhaltung mit ihr anbändeln. »Schies Watter ham se
gehatt, de Schitzn«, sagte er. Aber die sonst so redselige Miene schien
heute wortkarg zu sein, sie verhielt sich stumm. Da frug Förster: »'s
is'n doch gut bekumme, ne Gust?« worauf die kurzangebundene Antwort
kam: »Waaß net, der schleeft noch.«

»Nu da lossn se ne när ornlich ausruhe vun sen Strapazn«, meinte
Förster und brachte damit die Miene zum reden.

»Wos? -- Strapazn? -- schiene Strapazn!« legte sie los: »odr mit eich
Mannsen kah mr do net drieber redn; Max oder Alexander --« sie machte
wendende Bewegungen mit den Händen -- »sis aaner wie dr Ander! Wenn ihr
ins Kutteln kummt, kennt'r ka Mooß un ka Ziel.«

»Hahaha!« lachte Förster, »das kimmt ahm of Moses un de Profetn ah.«

Die Miene sah ihn verständnislos und mißtrauisch an, dann spreißelte
sie: »Dos mog nu sei wies will, odr dr Kukuk waaß, wie dos bei dan
Schitznbriedrn zugitt; en halm Toler ho ich men Gust mietgaam, achtzn
Neigrosch hoot'r wiedr miet aham gebracht un en Mords Aff drzu.«




    Weitere Anmerkungen zur Transkription


    Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
    Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

    Korrekturen:

    S. 11: poltrte → polterte
      ohgemorkst wür!« {polterte} Leichsenring

    S. 19: Dienste → Verdienste
      dieser Anlagen wesentliche {Verdienste} erworben

    S. 21 Blätterteich → Blätterteig
       schmalzgebackenen {Blätterteig}-, Sand- und Spritzkuchen

    S. 22: vor → vor dem
      ausnahmsweise {vor dem} Schießhaus abhalten

    S. 29: schluchtzte → schluchzte
      {schluchzte} die untröstliche Gattin







End of the Project Gutenberg EBook of Schneeberger Schützenmittwoch vo
 fünfizig Jahren, by Guido Meyer

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Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
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http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
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permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
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